Liebesmühen - Ilse Frapan - E-Book

Liebesmühen E-Book

Ilse Frapan

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Beschreibung

In "Liebesmühen" entwirft Ilse Frapan ein facettenreiches Porträt der Liebe in ihren unterschiedlichen Facetten. Durch eine eindringliche und poetische Sprache stellt sie die inneren Konflikte und Sehnsüchte ihrer Protagonisten dar, während sie die Herausforderungen der zwischenmenschlichen Beziehungen beleuchtet. In einem literarischen Stil, der sowohl emotional als auch analytisch ist, navigiert Frapan durch die Komplexität menschlicher Gefühle und entblättert die Missverständnisse, die zwischen den Liebenden bestehen. Der Roman ist sowohl eine psychologische Studie als auch eine Erkundung der sozialen Normen, die das Liebesleben prägen, und positioniert sich damit in einem zeitgenössischen, gesellschaftskritischen Kontext. Ilse Frapan, eine bemerkenswerte Stimme der modernen Literatur, ist bekannt für ihre Fähigkeit, intime menschliche Erfahrungen und universelle Themen zu verknüpfen. Geboren in einer Zeit des Wandels, reflektieren ihre Werke oft die sozialen Dynamiken und persönlichen Kämpfe, die sie selbst erlebt hat. Ihre tiefgreifenden Einsichten über die menschliche Natur und ihre Erfahrung als Psychologin fließen in "Liebesmühen" ein und verleihen dem Werk eine einzigartige Tiefe. Dieses Buch ist ein Muss für alle, die sich für die Komplexität der zwischenmenschlichen Beziehungen interessieren. Frapans eindringliche Prosa, kombiniert mit ihrer präzisen Beobachtungsgabe, macht "Liebesmühen" zu einem Nachdenken anregenden Werk, das sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachsinnen anregt. Es lädt den Leser ein, die Eigenheiten und Herausforderungen der Liebe auf eine neue, reflexive Weise zu betrachten. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Ilse Frapan

Liebesmühen

Bereicherte Ausgabe. Eine tiefe Erkundung der menschlichen Natur und unerfüllter Liebe in einer poetischen Liebesromanze
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2024
EAN 8596547846093

Inhaltsverzeichnis

Liebesmühen
Unvergessliche Zitate
Notizen

Liebesmühen

Hauptinhaltsverzeichnis
Cover
Titelblatt
Text

Liebesmühen

Inhaltsverzeichnis
Liebesmühen[1q].

Neun Uhr dreißig? Also in dreiviertel Stunden? Nein, da geh’ ich lieber zu Fuß.“ Der Frager trat vom Bahnhofschalter zurück, das Fenster klappte herunter, die kleine Lampe ward weggenommen. In ihrem verschwindenden Schein bemühte sich der Draußenstehende, die lange gehäkelte Geldbörse wieder in die Tasche zu versenken. Eine unglaubliche Einrichtung, diese dünnen Schläuche; unbequem genug, um sie nur an hohen Sonn- und Feiertagen zu gebrauchen wie der heutige! Er streichelte die knisternde seidene Schlange in seiner Tasche, – Toni’s verwöhnte weiße Fingerchen hatten sie für ihn gearbeitet, und mit verliebten Blicken war er damals den Verschlingungen der dunkelrothen Fäden gefolgt. Zwei Jahre waren’s nun, seit er das Abschiedsgeschenk von ihr empfangen und treulich im Koffer überall mit sich herumgetragen hatte: nach Jena, nach Wien, nach München, wie es einem sehnsüchtigen Bräutigam und zukünftigen braven Ehemann ziemte.

In fröhlicher Eile schritt er aus dem kleinen Bahnhof, wo schon die Gasflammen aufzuckten, hinaus auf die halbdunkle dörfliche Straße, an den Gärten vorbei, wo zwischen dem Grün bunte Ampeln leuchteten, aus den Lauben Plaudern und Mädchenlachen, Zitherklang und Klaviergeklimper aus offenen Hausthüren und Fenstern drang. Mit graurothem, drohendem Gewölk, dunstig und sternenlos lag der heiße Sommerabend über dem schwarzblau schimmernden Wasser des See’s. Die Abkühlung mußte doch noch bald kommen; schon mischte sich hie und da ein schneller frischer Zug vom Wasser her in die stummen Lüfte, und das Laub am Waldesrand bebte und seufzte. Der Gang durch die Nacht mußte heute etwas besonderes Lockendes, Heimlichsüßes haben für den, der mit sich allein, die Geliebte im Herzen, dem Wiedersehen mit ihr entgegenwanderte. Er dachte mit Widerwillen an die sonnedurchheizten dumpfen Coupés, in deren staubigen Ecken noch die ganze Schwüle des langen Tages hocken mußte. „Wie thöricht, dort hineinzukriechen, – wie sonderbar, daß es immer das erste Vehikel ist, an das der moderne Mensch denkt, selbst wenn er ein Paar so langer und solider Beine besitzt wie ich!“ – Ein glücklicher Zufall, daß ihm Toni’s Briefchen nach Leoni nachgesandt worden. Toni und ihre Mutter in München, plötzlich, ohne lange Vorberathung und Verabredung! Hoch schlug ihm das Herz. Heute zwar würde es zu spät sein, sie zu sehen, leider; aber gleich morgen früh hoffte er die Langentbehrte in die Arme zu schließen. Und es fiel ihm Mörikes[1] liebliches Gedicht ein, wie der früh zu seinem Mädchen kommt, sie aber, „das schlanke Bäumchen“, vor dem Spiegel steht

„ – und wascht sich emsig[2q]. O wie lieblich träuft die weiße Stirne[3q], Träuft die Rosenwange Silbernässe[4q],“

Ja, wer’s auch so gut hätte! Er seufzte, da ihm das Bild der Braut in so blumiger Morgenfrische vor Augen trat.

„Hangen aufgelöst die süßen Haare[5q], Locker spielen Tücher und Gewänder –[6q]“

Was wohl die Mama sagen würde zu solch einem Einbruch! Und Toni selbst! Sie war nur siebzehn Jahre alt gewesen, als er sich mit ihr verlobte, aber wie schnell würde sie ihn seiner Wege gewiesen haben, wenn er – –

Nun freilich, in einem städtischen wohlgeordneten Haus wär’s ja auch kaum denkbar und erhört, solch ein Vorfall wie der in dem Gedicht; so unschuldig reizend dort alles klingt, es ist doch ein weiter, weiter Abstand zwischen Wirklichkeit und Poesie. „Uebrigens, zu denken, daß ich diesen Mörike erst seit vier Wochen kenne – es ist eine Schande! Man bleibt doch ein Barbar in so einem Laboratorium. Gut, daß ich eine Frau bekomme, die mir auch einmal etwas zutragen kann. Mit den Kollegen hat man ja doch nichts als Fachsimpelei. Bin neugierig, ob Toni den Mörike kennt! Ich wette, nein. Muß ihn aber lesen und dann – – Ach ja, das Wiedersehen mit dem kleinen Schatz wird recht anders werden, als bei dem naiven, blutwarmen, schalkhaften Dichter! Ehe die blonden Löckchen, die ich so liebe, nicht alle schön gekräuselt sind, kommt das Kind gewiß nicht zum Vorschein, und da Mama das Frühaufstehen schon ein paar Mal mir gegenüber als eine Angewohnheit der ‚niederen Klassen’ bezeichnet hat, so darf ich keinesfalls vor zehn Uhr an ihre Thüre klopfen. Gut, daß ich den weiten Marsch vor mir habe, das wird meine Sehnsucht zerstreuen und mich rechtschaffen müde machen. Vielleicht schlaf’ ich selbst bis in den hellen Morgen hinein, und die Stunde ist da, eh ich’s gedacht.“

Wohlgemuth schritt er weiter, immer dem Seeufer entlang, umfächelt von dem Duft ungesehener Gärten, denn der Julitag war nun ganz verglommen. Als er in den Wald eintrat, hauchte ihm unter den dichten Schirmkronen der Kiefern und Buchen erstickende Schwüle entgegen, er mußte den Schritt verlangsamen. Aufathmend stand er dann unter den letzten Bäumen des Forstes über Starnberg und sah das grüne Licht des Salondampfers[2] wie ein langsam kriechendes Glühwürmchen über den dunkeln See ziehen. Ein Käuzchen schrie hinter ihm, ein Zweig knackte, von einem Nachtvogel berührt, sonst war es athemlos still. Von den Sommergästen drunten am See war nichts mehr zu spüren, nur oben hinter einem Fenster des epheuumkränzten alten Schlosses blinkte die Lampe eines einsamen Kanzlisten. Gemächlich schlenderte er abwärts über den von Baumwurzeln holperigen Fußpfad. Es roch moosig und pilzig[7q]. „Schade, daß es nicht Frühling ist, – hier blüht es im April von Leberblumen[4] und blutrother Erika, da hätt’ ich selbst in aller Dunkelheit wohl einen Strauß zusammengebracht. Nun müssen es Gartenrosen sein, – wenn nur recht frische morgen früh im Laden zu bekommen sind! Eine Kollektion Pilze, wie sie in ganz München nicht leicht einer so schön und gelehrt zusammenstellen könnte, wie ich, darf ich ihr doch gewiß nicht bringen. Sie würde mir’s als Pedanterie auslegen, wenn sie nicht etwa denkt, ich komme wie der Herr Nudelmeier daher mit einem Haufen selbstgelesener Schwammerling für die Küche!“ Er lachte laut auf über die heraufbeschworene Vorstellung. „Eigentlich sollt’ man mal so etwas machen, um zu sehen, ob das Herzenskind Humor hat! Aber vielleicht ist Humor kein so Frühlingsgewächs, zumal bei den Mädchen?“ Er konnte sich nicht klar werden, in der Erinnerung hatte er ein kleines, zartgefärbtes, blondes Wesen, reizend in jeder Bewegung, aber auf ihren gewöhnlichen Gesichtsausdruck besann er sich nicht. „Ein kleiner, ernsthafter Peter, glaub’ ich,“ sagte er halblaut. Dann, schon bereuend, als habe er etwas Unrechtes zugefügt, zog er die Geldbörse hervor und vergnügte sich damit, sie zu streicheln und zu drücken. „Süße Toni, ich komme mit leeren Händen, und du hast mir gewiß wieder eine reizende, nichtsnutzige Sache gestickt mit deinen niedlichen Pfötchen, die ich schon jetzt in Gedanken zärtlich küsse.“ – Es blinkte etwas zwischen seinen Fingern und entrollte, ehe er es fassen konnte. Er rieb ein Streichholz an, aber das erste versagte, der Boden war unsichtbar, tiefe Dunkelheit ringsum. Viel Geld konnte es überdies nicht gewesen sein, er trug wenig bei sich. „So bleib’, wo du bist,“ rief er übermüthig, „und möge dich morgen ein anderer finden, der weniger reich ist als ich!“ Und im Vorgefühl seines nahenden Glückes sprang er in tollen Sätzen den Abhang hinunter, bis er mit flatternden Rockschößen auf der breiten Promenade zwischen einer Damengruppe landete, die, ihre Unterhaltung jäh beendend, mit Gekreisch auseinanderstob.