Lieblingsplätze Vogelsberg und Wetterau - Andrea Reidt - E-Book

Lieblingsplätze Vogelsberg und Wetterau E-Book

Andrea Reidt

0,0

Beschreibung

Im Vogelsberg felsige Anhöhen, tiefe Wälder, sprudelnde Bäche; in der Wetterau fruchtbare Äcker, Auen, Streuobstwiesen. Ob Radtour, Ausritt, Skifahrt, Wanderung oder Wassersport - „Frankfurts grüne Stube“ lockt mit vielen Naturerlebnissen. Jeder findet sein Paradies in idyllischen Städtchen wie Schotten, Alsfeld, Lauterbach, Büdingen und Butzbach oder in Kurorten wie Bad Nauheim, die einen Hauch Mondänität versprühen. Andrea Reidt führt Sie zu ihren Lieblingsplätzen in beiden Regionen - zu Schlössern, Burgen, Museen, Wirtshäusern, Bauernhöfen und Märkten.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 130

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0

Beliebtheit




Lieblingsplätze Vogelsberg und Wetterau

Andrea Reidt

Impressum

 

Ich widme dieses Buch meinem Lebensfreund Rolf D.

Autor und Verlag haben alle Informationen geprüft. Gleichwohl wissen wir, dass sich Gegebenheiten im Verlauf der Zeit ändern, daher erfolgen alle Angaben ohne Gewähr. Sollten Sie Feedback haben, bitte schreiben Sie uns! Über Ihre Rückmeldung zum Buch freuen sich Autor und Verlag: [email protected]

Sofern nicht im Folgenden gelistet, stammen alle Bilder von Andrea Reidt:

Alexander Wissgott, Pohlheim 42; Landesamt für Denkmalpflege Hessen 86; Christoph Krackhardt 116; Museum der Stadt Butzbach/Rüdiger Fanslau 152

Alle Seitenangaben in diesem Buch beziehen sich auf die Seitenzahlen der gedruckten Ausgabe.

Link zur Karte: https://www.gmeiner-verlag.de/images/stories/karten_vogelsberg.jpg

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

2., überarbeitete Neuauflage 2021

© 2018 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 07575/2095-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat/Redaktion: Ricarda Dück

Herstellung: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Benjamin Arnold

unter Verwendung der Illustrationen von © Sylwia Nowik – stock.adobe.com; © SimpLine – stock.adobe.com; © ratkom – stock.adobe.com; © Benjamin Arnold; © jacartoon – stock.adobe.com; © Fiedels – stock.adobe.com; © 147145778 – stock.adobe.com; © VRD – stock.adobe.com; © Stephi –

stock.adobe.com; © Katrin Lahmer

Kartendesign: © Maps4News.com/HERE

Druck: AZ Druck und Datentechnik GmbH, Kempten

Printed in Germany

ISBN 978-3-8392-6378-5

Inhalt

 

Impressum

  1 Ritterturnier und Schwertkampf

Ronneburg: Burg Ronnenburg

  2 Zeitreise ins Mittelalter

Büdingen: Altstadt und Stadtmauer

  3 In Büdingen geht die Post ab

Büdingen: Schlossmuseum

  4 Dreibeinige Tontöpfe

Büdingen: Heuson-Museum im Historischen Rathaus

  5 Rosensteine aus Baryt

Büdingen: Sandrosenmuseum im Jerusalemtor

  6 In der Stille liegt die Kraft

Altenstadt: Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal

  7 Auf den Spuren der Oberwaldbahn

Altenstadt: Vulkanradweg ab Höchst

  8 Keltenfürst mit Blattkrone

Glauburg: Keltenwelt am Glauberg

  9 Die Pechnase hat ausgedient

Ortenberg: Evangelische Marienkirche

  10 Hessische Hurdy-Gurdy-Girls

Ortenberg: Musikinstrumenten-Museum Lißberg

  11 Tonnenschweres künstlerisches Erbe

Hirzenhain: Kunstgussmuseum

  12 Shabby und Chic, Vintage und Tinnef

Gedern: Altes Rentamt im Schloss Gedern

  13 Bin so satt, mag kein Blatt

Schotten: Ziegenhof Bär in Burkhards

  14 Ein feste Burg ist euer Gotteshaus

Schotten: Evangelische Kirche in Wingershausen

  15 Badefreuden statt Hochwasser

Schotten: Niddastausee

  16 Legendäre Strecke für Oldtimer

Schotten: Schottenring

  17 Schichttorte der Erdgeschichte

Schotten: Geotop Alteburgskopf und Vulkaneum

  18 Power auf dem Erlebnisberg

Schotten: Baumkronenpfad und Kletterwald Hoherodskopf

  19 Auf Schusters Rappen im Mittelgebirge

Schotten: Spaziergang vom Hoherodskopf zum Taufstein

  20 Sauerteigbrot frisch auf den Tisch

Schotten: Altes Backhaus in Götzen

  21 Sonnige Hügel, saftige Weiden

Grebenhain: Bergmähwiesenpfad auf der Herchenhainer Höhe

  22 Ski und Rodeln gut!

Grebenhain: Wintersport auf der Herchenhainer Höhe

  23 Spinnereien um Gottverlassene

Grebenhain: Teufelsmühle in Ilbeshausen-Hochwaldhausen

  24 Auf Drei-Seen-Tour

Freiensteinau: Mooser Teiche

  25 Wo der Schwarzhalstaucher brütet

Freiensteinau: Naturschutzgebiet Ober-Mooser Teich

  26 Klassische Orgelmusik vom Feinsten

Freiensteinau: Evangelische Kirche in Nieder-Moos

  27 Alte Rassen und Schneitelbäume

Ulrichstein: Vogelsberggarten

  28 Zu Fuß und zu Pferde durch Hessen

Ulrichstein: Museum im Vorwerk

  29 Libellen und Seerosen statt Chlor

Ulrichstein: Naturbadebiotop

  30 Windiger Park im Paradies

Lautertal: Goldener Steinrück bei Engelrod

  31 Wo die Holzhauer wohnten

Lautertal: Alter Galgen zwischen Hopfmannsfeld und Hörgenau

  32 Verschindelt und vergessen?

Lautertal: Evangelische Kirche in Dirlammen

  33 Den Chatten Kult, den Christen heilig

Lautertal: Totenköppel mit Sippenfriedhof in Meiches

  34 Wer die Räube noch rausroppt

Schwalmtal: Bauernhof Hamel in Storndorf

  35 Lang lebe die Kuh!

Schwalmtal: Hof Euler in Rainrod

  36 50 Kinder, acht Klassen im Schulsaal

Lauterbach: Dorf Heblos

  37 Gertrud Riedesel Freifrau zu Eisenbach

Lauterbach: Antikmarkt im Schlosspark Sickendorf

  38 Hundert Jahre Einsamkeit

Lauterbach: Heidbergkapelle in Sickendorf

  39 Kartoffeln satt!

Lauterbach: »Beulches«-Essen im Gasthaus Roth und Jost in Sickendorf

  40 Wo das Landleben intakt ist

Lauterbach: Dorf Allmenrod

  41 Ohne Strumpf geh ich net haam!

Lauterbach: Strolchdenkmal an der Lauter

  42 Schlau gebaut mit Eiche, Weide und Lehm

Lauterbach: Fachwerkgasse Am Graben

  43 Glanz und Gloria im Rokokopalais

Lauterbach: Hohhaus-Museum Lauterbach

  44 Tonnenschwere Schätzbullen

Lauterbach: Tierleistungsschau auf dem Festplatz Bleiche

  45 Blumen für Bienen und Hummeln

Lauterbach: Blühstreifen am Ackerrand bei Frischborn

  46 Ritterburg im Junkerland

Lauterbach: Schloss Eisenbach bei Frischborn

  47 Arche Noah, katholisch

Herbstein: Bibelpark im Kolping-Feriendorf

  48 Einkaufen bei »Tante Emma«

Herbstein: Schlosspark in Stockhausen

  49 Fünf-Burgen-Stadt

Schlitz: Blick auf die Burgenstadt vom Hinterturm

  50 Trachten, Tanz und tolles Treiben

Schlitz: Schlitzerländer Trachtenfest auf dem Marktplatz

  51 Uralte Wandmalereien

Schlitz: Evangelische Kirche in Fraurombach

  52 Rast im Talgrund der Jossa

Grebenau: Dorfplatz Eulersdorf

  53 Love and Peace auf der Ritterburg

Breitenbach am Herzberg: Burg Herzberg mit Festival

  54 Vom Glück auf dem Rücken der Pferde

Alsfeld: Wanderausritte nach Lingelbach

  55 Gründchenbahn über dem Abgrund

Alsfeld: Eisenbahnviadukt bei Eifa

  56 Die Niagarafälle des Vogelsbergs

Alsfeld: Blue-Stone-Falls bei Eifa

  57 Europas Modellstadt für Denkmalschutz

Alsfeld: Rathaus und Altstadt

  58 Wasserburg als Hochzeitshotel

Romrod: Schloss

  59 Die »Tasse« schützt vor Hochwasser

Antrifttal: Stausee zwischen Seibelsdorf und Angenrod

  60 Comeback des Roten Höhenviehs

Kirtorf: Karlis Kuhschule in Lehrbach

  61 Glühkopf im Lanz Bulldog

Homberg (Ohm): Oldtimermuseum Dannenrod

  62 Europas größter Basaltsteinbruch

Homberg (Ohm): Aussichtsplattform Basaltsteinbruch bei Nieder-Ofleiden

  63 Wo die Ohm ihre Schleife zieht

Homberg (Ohm): Ohmradweg

  64 Sieben Dörfer, sieben Gotteshäuser

Feldatal: Evangelische Dorfkirchen

  65 Auf den Spuren von Wanderhändlern

Feldatal: Wanderweg Judenpfad ab Kestrich

  66 Bilder einer verschwundenen Welt

Mücke: Ernst-Eimer-Stube in Groß-Eichen

  67 Kriegsgetümmel in heiligen Hallen

Lich: Kloster Arnsburg

  68 Eine Weiße Fahne zu viel

Lich: Kriegsopferfriedhof im Kloster Arnsburg

  69 Galloways vor Barbarossa-Burg

Münzenberg: Burg, Stadt und Salzwiesen

  70 Bürgerpracht mit Goldgickel

Butzbach: Altes Rathaus

  71 Ein Schwibbogenhaus für Schmalhans

Butzbach: Museum der Stadt

  72 Der Hessische Turnvater

Butzbach: Weidighaus am Kirchplatz

  73 Ökologie, harte Arbeit, rosiges Glück

Bad Nauheim: Rosenschule Ruf und Rosenmuseum in Steinfurth

  74 Größtes Jugendstilensemble Europas

Bad Nauheim: Sprudelhof

  75 Von Sole und weißem Gold

Bad Nauheim: Trinkkuranlage

  76 Erholung im Wetterauer Kohlenpott

Wölfersheim: Wetterauer Seenplatte

  77 Wo Auerochsen für Kröten weiden

Echzell: Bingenheimer Ried

  78 Töpfe fürs Auge

Reichelsheim: Keramikwerkstatt im Pappelhof bei Beienheim

  79 Immer am Fluss entlang

Nidda: Niddaroute durch Bad Salzhausen

  80 Haube auf Haube gen Himmel gereckt

Ranstadt: Evangelische Kirche in Ober-Mockstadt

  81 Klein-Venedig der Wetterau

Florstadt: Dorf Staden

  82 Vom Römerkastell zur Barbarossaburg

Friedberg: Burgkirche und Adolfsturm

  83 Vor der Hochzeit Ein rituelles bad

Friedberg: Judenbad Mikwe

  84 Fanfieber um Elvis Presley

Friedberg: Wetterau-Museum

  85 Äpfel, Kirschen, Pflaumen

Friedberg: Radtour durch die Wetterauer Streuobstwiesen

  86 Traute Nachbarn mitten im Dorf

Niddatal: Ehemalige Synagoge in Assenheim

  87 Gottfried und der Dom der Wetterau

Niddatal: Katholische Pfarrkirche in Ilbenstadt

  88 Glückliche Schweine, freundliche Kühe

Bad Vilbel: Dottenfelderhof

Quellenverzeichnis

Allgemein genutzte Literatur

Marktplatz von Butzbach

  1 Ritterturnier und Schwertkampf

Ronneburg: Burg Ronnenburg

Schwungvoll schüttet ein Mann einen Eimer Wasser in den Schacht. Erwartungsvolle Stille. Langsam zähle ich und komme bis zehn, dann platscht es hohl aus der Tiefe herauf. In dem alten Wachhaus des Burgtores von Burg Ronneburg versammeln sich oft kleine und große Menschen, um den 96 Meter tiefen Brunnen zu bestaunen, aus dem frühere Generationen mittels eines (noch sichtbaren) Tretrads ihr Wasser hochwuchten mussten. Von hier aus wurde das kostbare Nass an seinen Verwendungsort geschleppt, zum Beispiel in die Küche im Saalbau der Kernburg. Dort lodert ein kräftiges offenes Feuer auf der für das Burgmuseum restaurierten alten Herdstelle, über der sich ein hoher Rauchfang erhebt. Am Tisch in der Küchenecke warten schon einige als Ritter und fahrende Volksleute verkleidete Gäste ungeduldig auf Speis und Trank.

Südwestlich von Büdingen thront Burg Ronneburg auf einem Basaltkegel, vor 1231 in der Stauferzeit errichtet, weitgehend im baulichen Zustand des 16. Jahrhunderts erhalten und saniert. Der Renaissance-Helm des Bergfrieds ist gerade noch von Weitem sichtbar, bald jedoch werden die dicht wachsenden Bäume diese außergewöhnliche hessische Höhenburg ganz verdecken – sofern man sich nicht für einen Kahlschlag entscheidet. Früher wollte man nahende Feinde von oben frühzeitig erspähen, heute hätte nicht nur ich gern von unten freien Blick auf die imposante Burg.

Während der mittelalterlichen Burgfestspiele an mehreren Herbstwochenenden ist der Teufel los auf der Ronneburg: Auf der Wiese sind die Zelte großer Ritterlager aufgestellt. Kunsthandwerker, Gaukler und Zauberer, Wahrsagerinnen und Schauspieler sowie Marketender mit Schmuck, Naturalien, Lammfellen und Holzspielzeug – sie alle bieten ihre Waren und Dienste an.

Es gibt kaum eine Burganlage im weiten Umfeld, deren Träger so zahlreiche und vielseitige historische »Burgbelebungen« organisiert, wie der Verein Freunde der Ronneburg dies ganzjährig bewältigt.

1

Burg Ronneburg

63549 Ronneburg

06048 950905

www.burg-ronneburg.de

  2 Zeitreise ins Mittelalter

Büdingen: Altstadt und Stadtmauer

Büdingens Altstadt steht komplett unter Denkmalschutz. In schönster Waldlandschaft, am südöstlichen Rand der fruchtbaren Wetterau, liegt diese intakte mittelalterliche Residenzstadt mit Gassen, Mauern, Bürgerhäusern aus Stein und Fachwerk, die ihresgleichen sucht.

Der Grüne Turm mit spitz zulaufendem Dach ist keineswegs der bedeutendste der 22 Türme im 1510 vollendeten Befestigungsring um Alt- und Neustadt. Dazu zählen der Hexenturm, der Pulverturm, das Mühltor, der Meliorsturm an der Lohstegbrücke, der Rote Turm, der Ludwigsturm und das Obertor mit Schussspuren aus dem Dreißigjährigen Krieg. Am stattlichsten wirkt das Große Bollwerk, ein 20 Meter hoher Artillerieturm mit vier Meter dicken Mauern und 16 Geschützkammern. Ebenfalls imposant ist das »Jerusalemer Tor«, das eigentlich schlicht »Untertor« heißt. Seinen Spitznamen erhielt es von geflüchteten Hugenotten und Waldensern, die im evangelischen Büdingen – ihrem »Jerusalem« – Schutz fanden. Dank eines für diese Zeit ungewöhnlichen »Toleranzpatents« des liberal gesinnten Grafen Ernst Casimir I. von 1712 durften sie in der Vorstadt vor dem Untertor wohnen. Das Innere der Toranlage erlebt man im Rahmen einer Besichtigung des in den dicken Türmen untergebrachten Sandrosenmuseums.

Viele Schilder an Altstadthäusern informieren über einstige Bewohner. An die Schlossmauer und viele Häuser klammern sich bunte Froschfiguren. Der Frosch ist das Wahrzeichen der »Beuringer Frääsch«, so der Spitzname der Büdinger. Die Legende berichtet, dass um 1522 eine junge gräfliche Braut nachts wegen des lauten Gequakes rund ums Schloss nicht schlafen konnte. Der Graf ordnete an, alle Frösche zu entfernen. Man setzte sie in den Bach, der sie ins Nachbardorf schwemmte, sodass Büdingen froschfrei war.

Das plüschige Café Hexenstübchen mit Oma-Dekor in der Nähe der Mühltorbrücke hat leckere Torten, herzhafte Kleinigkeiten und bietet Kulturprogramm (www.cafehexenstuebchen.de).

2

Altstadt Büdingen

Startpunkt: Lohsteg

63654 Büdingen

 

Büdinger Tourismus und Marketing

Marktplatz 9

63654 Büdingen

06042 96370

www.buedingen.info

  3 In Büdingen geht die Post ab

Büdingen: Schlossmuseum

Der blaue Briefkasten an der Sandsteinmauer des Büdinger Schlossplatzes ist zwar die Nachbildung eines Postkastens des Jahres 1896, aber Sie können Ihre Ansichtskarte vom Büdingen-Ausflug hier vertrauensvoll einwerfen. Über eine kleine Brücke direkt daneben geht es in die Vorburg der stauferzeitlichen Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert. Das Schloss, dessen Kern von einer 13-eckigen Mauer aus Buckelquadern umschlossen ist und das von Romanik bis Barock fast alle Baustilmoden des vergangenen Jahrtausends aufweist, wird seit 1258 von der fürstlichen Familie zu Ysenburg und Büdingen bewohnt, heute in 23. Generation. Es lohnt sich, an einer Schlossführung teilzunehmen. Man betrachtet das Sternengewölbe und das Chorgestühl aus Eiche in der Schlosskapelle, die Fresken aus dem 16. Jahrhundert im Palas und wirft einen Blick in die Alchemistenküche in der alten Hofapotheke, wo einer der Grafen ein naturwissenschaftliches Kabinett einrichtete. Das auf 1553 datierte große Wandbild in der Graf-Diether-Stubezeigt eine winterliche Sauhatz vor der Kulisse eines verschneiten Dorfes und erinnert an Motive des Holländers Brueghel.

Das Kleinstädtchen Büdingen bietet seinen Besuchern weit mehr, als man bei 8.000 Einwohnern im Kernort erwarten würde. Es besitzt sechs reich bestückte Museen. Abgesehen vom Schlossmuseum gibt es das stadthistorische Heuson-Museum im Historischen Rathaus, das Sandrosenmuseum im Jerusalemer Tor, das 50er-Jahre-Museum im spätgotischen Bau der ehemaligen Herberge zum Schwan, das Metzgermuseum im historischen Schlaghaus, in einem Turm an der Mühltorbrücke. Das Modellbau-Museum im Oberhof, dem ältesten Renaissancebau Büdingens, zeigt 150 Exponate – Modelle von historischen Kriegsschiffen, Eisenbahnen, einer Bohrinsel, eines Rummelplatzes und einer Hafenanlage.

Beim traditionellen Mittelalterfest in Büdingen wirken etwa 130 Händler, Handwerker, Gaukler, Musikgruppen mit. Es gibt einen Viehmarkt, mehrere Lager mit historischen Zelten und einen Festumzug.

3

Schlossmuseum

Schlossplatz 1

63654 Büdingen

06042 96470

www.schloss-buedingen.de

  4 Dreibeinige Tontöpfe

Büdingen: Heuson-Museum im Historischen Rathaus

Das Heuson-Museum im Historischen Rathaus von Büdingen erinnert an alte Handwerksberufe – Drechsler, Weber, Tuchfärber, Ziegler, Töpfer. Hier sieht Elisabeth Johann in den 1970er-Jahren erstmals die Sammlung der Töpferfamilie Winterling. Es ist eine Initialzündung: Fortan widmet sich die damalige Stadtarchivarin von Butzbach leidenschaftlich der Geschichte der Wetterauer Töpfer.

Bis ins 15. Jahrhundert waren die unglasiert gebrannten Tongefäße durchlässig. Das Material kam aus Lehmgruben der heimischen Wälder. Erst die Glasur, eine Masse aus Quarz und Bleiverbindungen, macht sie wasserdicht. Die Glasurfarben aus Mineralien stellten die Töpfer selbst in Erzmühlen her: Mangan (braun), Kupfer (grün und rot), Eisenfeilspäne (gelb), Kobalt (blau). Noch vor der Wende zum 20. Jahrhundert »herrschte die einfache Irdenware in den Küchen vor«, berichtet Elisabeth Johann – Schüsseln, Siebe, Tiegel, Wasser- und Ölkrüge, Kannen, Teller, Becher. An einem Haken über dem offenen Herdfeuer hing der eiserne Kessel, Tontöpfe aber »hatten häufig drei Beine, um Glut darunter zu schieben«. Manche Tongefäße waren reich verziert mit Maiglöckchen, Vögeln, Blättern, Fingertupfenleisten, Monogrammen und Inschriften. Außerdem bauten die Töpfer Kachelöfen. Ungefähr 200 Jahre florierte dieses Handwerk in Altenstadt, Oberau, Höchst, Rommelshausen. 67 Töpferfamilien, die ihr Handwerk über viele Generationen weitergaben, fand die Keramikforscherin in den Kirchenbüchern dieser Orte. Die Vermarktung besorgten meist andere: Allein das Gewerberegister von Oberau nennt 22 Personen, die zwischen 1844 und 1860 mit Tongeschirr handelten. Schon bald darauf aber kam industriell gefertigtes Emaille-Geschirr in Mode – das Töpfern ernährte keine Familie mehr.

Die Tradition der »Dippemess« überlebte unter diesem Namen nur in Frankfurt. Keramik- und Töpfermärkte finden in Hessen zwischen April und Oktober statt.

4

Heuson-Museum im Historischen Rathaus

Rathausgasse 6

63654 Büdingen

06042 950032

www.heuson-museum.de

  5 Rosensteine aus Baryt

Büdingen: Sandrosenmuseum im Jerusalemtor

Ob diese formschönen Rosensteine im Naturschutzgebiet Hölle von Rockenberg gefunden wurden – das möchte Lothar Keil, Betreiber des Büdinger Sandrosenmuseums im Jerusalemer Tor, nicht verraten. Zu viel Raubbau wurde in der Vergangenheit in Rockenberg betrieben – dem einzigen Fundort von Barytrosen in Europa. Bevor das Areal 1994 zum Naturschutzgebiet erklärt und jegliche Kraxelei an der steilen Sandwand unterbunden wurde, waren die Tertiärquarzite beliebte Sammelstücke, die Vorgärten und Fensterbänke zierten. Heute sind fast alle Rockenberger Fundstellen außerhalb des Naturschutzgebietes abgeräumt, häufig mit Bauschutt verschlossen. Wer die gelb, rot, schwarz, weiß oder violett schimmernden Kristalle, die bis zu 30 Zentimeter Durchmesser haben können, aus der Nähe betrachten möchte, sollte sich nach Büdingen begeben und die einmalige Sandrosen-Sammlung besichtigen.

Die Kristalle basieren auf einer chemischen Verbindung von Schwerspat (Bariumsulfat), Sand und einer kleinen Menge von Eisen- und Manganoxid. Aus hochmineralisierten Lösungen kristallisiert Schwerspat und schließt die Quarzkörner des umgebenden Sandes ein – ein Wachstum, das 25 Millionen Jahre dauert. Lothar Keil besitzt Tausende von geologischen Exponaten, darunter Dutzende von Sandrosen. Lebenslang wollte der Mittsiebziger wissen, »was die Welt im Innersten zusammenhält«, mit der Schippe und Schaufel erspürte der Mann die Erdgeschichte nördlich des Mains zwischen Vogelsberg und Taunus.

Der Naturschutz in der 13 Hektar großen Sandabbaufläche Rockenberg soll Tiere und Pflanzen auf Mager- und Heiderasen und im sumpfigen Flachwasser behüten. Nachzüchtungen der hochgradig gefährdeten Sumpfschildkröten aus dem Frankfurter Zoo wurden hier erfolgreich ausgewildert.

Die »Hölle von Rockenberg« darf zwar nicht betreten werden, ist aber von einem Aussichtspunkt aus einsehbar (www.rockenberg.de/natur-umwelt/)

5

Sandrosenmuseum Lothar Keil

Jerusalemertor/Untertor

63654 Büdingen

www.buedingen.info

  6 In der Stille liegt die Kraft

Altenstadt: Benediktinerinnenabtei Kloster Engelthal

Ich stehe auf einer Anhöhe in der südlichen Wetterau. In der Ferne brummt ein Traktor, in der Nähe ertönt Pferdegetrappel. In der Senke ruft Glockengeläut zu Vesper und Abendlob in die barocke Klosterkirche der Abtei Kloster Engelthal. Ein Tal, durch das Engel schweben, abgeschieden und doch mittendrin: 30 Kilometer nordöstlich des dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiets liegt seit 750 Jahren malerisch am Waldrand ein Frauenkloster. In der 1962 nach 159 Jahren Pause von Benediktinerinnen wiederbelebten Abtei Engelthal leben heute 16 Nonnen.

Neben Gebet, Gottesdienst und Fürbitte ist das oberste Lebensziel der Benediktinerinnen die Pflege der Gemeinschaft und der Gastfreundschaft. Ihren Unterhalt verdienen sie mit zwei Gästehäusern, in denen etwa 6.000 Besucher jährlich logieren. Jeder und jede, die für eine Weile der Rushhour des Lebens entkommen möchte, ist willkommen. Mit offenen Armen werden vor allem junge Frauen empfangen, die sich für die spirituelle Lebensweise der Benediktinerinnen interessieren.

In einer professionellen Werkstatt haben sich einige Nonnen darauf spezialisiert, Gemälde und Skulpturen zu restaurieren, vorrangig Objekte aus dem Mainzer Dom- und Diözesanmuseum. Eine wahre Fundgrube stellt die Buch- und Kunsthandlung gleich hinter dem Eingang zum Geviert der Klostergebäude dar. Dort gibt es keineswegs nur geistlich-geistigen Lesestoff, sondern auch Devotionalien, Kerzen, handgemachte Seifen, Keramik, Goldschmiedekunst, allerlei Teesorten, Dinkelkissen, Marmeladen, Wein, Ringelblumensalbe und sogar Honigbärchen.

Ein friedvoller Ort. Das war nicht immer so: Archäologen fanden in einer barocken Schuttgrube 800 Jahre alte Glasfensterscherben – Reste von Plünderung und Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg.

Für ihr modernes Ökologiekonzept erhielten die Nonnen den Umweltpreis des Bistums Mainz