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Chronik eines Schlaganfalls und des Lebens danach. Ein Tagebuch, das sich nicht nur auf Einträge des Erlebten beschränkt, sondern Begebenheiten und Situationen analysiert und bewertet. So ergeben sich Blickwinkel, die normalerweise für Patienten und Angehörige nicht sichtbar werden. Blickwinkel, die ein völlig anderes Bild einer Akut- oder Reha-Klinik in Sachen Diagnostik und Therapie zeichnen.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Mein herzlicher Dank gilt insbesondere ...
Herrn Dr. med. Birkner für seinen professionell sonografischen Scharfblick und seine weitere Betreuung
Herrn Prof. Dr. med. Büchler und seinem gesamten Team der Chirurgischen Klinik an der Uni Heidelberg für die operative Leistung, die mir bis dato ein Rezidiv erspart hat
dem Pflegeteam der Intermediate Care St. 6 (IMC) für die professionelle, empathische Pflege
der physiotherapeutischen Mitarbeiterin, deren Namen ich leider vergessen habe, für die anstrengenden Übungen, die mich oft an die körperlichen Grenzen gebracht haben – ihre Fertigkeiten waren besonders wertvoll und effektiv, wenn man postoperativ wieder auf die Beine kommen will
T(h)orsten in der Rehaklinik auf der Aphasiestation für die professionelle Pflege und sein großes Verständnis für patientenseitiges Anliegen, Probleme und seine immer genialen Lösungen.
Für meine liebe „Schmuseliese",
ohne die ich in dieser Zeitspanne
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
den Boden unter den Füßen verloren hätte.
1898 Tage
Ach ja, eins noch, bevor wir anfangen
Diary I: (Hausarzt-)praxis und Krankenhaus am Rande der Stadt
Diary II: Uni Heidelberg
Diary III: Reha-Klinik in einer deutschen Mittelgebirgslandschaft
Diary IV: Praxis für Logopädie / ambulante Therapiesprechstunde
Diary V: War's das? Na ja, nicht ganz.
Resümee I: oder unsortierte Empfehlungen und Hinweise nach einem Insult
Resümee II: oder Veränderungen nach dem Insult
... oder 5,20 Jahre sind mittlerweile vergangen, seitdem ich mich mit der Verdachtsdiagnose IPMN1, folgend Pankreaskopf-Ca.2, mittels einer Whipple-OP3 habe operieren lassen.
O.k., die Sache wäre allein nicht erwähnenswert (zumal über 10.000 Menschen jährlich in Deutschland davon betroffen sind) – wenn da nicht die Geschichte mit dem Insult, dem Schlaganfall gewesen wäre.
Dieses Ereignis hat mich dermaßen aus der „normativen, postoperativen Verlaufsspur" gebracht, dass ich in all den Monaten den Kram manchmal am liebsten hingeschmissen hätte.
Demgegenüber zeigt sich, dass es hinter dem Horizont immer weitergeht – aber du eine Spur von Herzblut verlierst, wohin du auch gehst"4.
Das belegen zumindest meine damaligen Tagebucheinträge mit meinen Erfahrungen, die ich heute all denjenigen widme, die aktuell betroffen, oder „nur" Angehörige sind.
Eingeleitet wird dieser Report mit der Erzählung meiner Vorgeschichte und der Diagnostik sowie mit Schilderungen von Szenen durchaus „normaler Begebenheiten", aus denen der Krankenhausalltag so besteht. Und auch die Besuchernachmittage in den Patientenzimmern oder Cafeterien aller Krankenhäuser sind gefüllt mit Berichten des Selbsterlebten.
Außer Acht gelassen wird in der Regel allerdings, dass diese Ereignisse und Situationen bisweilen lebensbedrohliche, folgenschwere oder tragische Nebenwirkungen haben, so surreal, komisch, witzig sie auch anfangs klingen mögen – es fehlt in den Geschichten beständig eine Konsequenz für das eigene Handeln als Betroffener.
Hier will ich anknüpfen, um mit den Inhalten meines „Tagebuches" und der Rubrik Mein Fazit in Verbindung mit meinen beruflichen Erfahrungen ein, sagen wir mal, „resistenteres, kritischeres" Vorgehen innerhalb eines klinischen Aufenthaltes darzulegen.
So ergeben sich in meinem gesamten Krankheits- und Behandlungsverlauf Blickwinkel als beruflicher Insider und zeitgleich Beteiligter, die wohl normalerweise für andere Betroffene und Angehörige nicht sichtbar werden. Blickwinkel, die ein völlig anderes Bild einer Akut- oder Reha-Klinik in Sachen Diagnostik und Therapie zeichnen.
Deutlich werden vor allem pekuniäre Interessen, die für die Patienten nicht nur nicht förderlich sind, sondern mit dem Behandlungsverlauf mitunter direkt kollidieren.
Denn ...
„Patienten im Krankenhaus verlassen sich zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit auf die Kompetenz der Ärzte und der Pflege – nur Insider wissen auch um die Brisanz der ökonomischen, immer im Vordergrund stehenden Zwänge der Krankenhausorganisation!"5
Nicht zuletzt deshalb habe ich mich entschlossen, meine Eindrücke, die für mich relevanten Schlussfolgerungen, Erkenntnisse und „Weisheiten" aufgrund der Erfahrungen aus den Behandlungsstationen meines Falles zu erzählen.
Alles unklar?
Nicht mehr lange.
Ihr Frank Repschläger
1 Intraduktale papillär-muzinöse Neoplasie
2 Bauchspeicheldrüsenkrebs
3 Standard-OP zur Entfernung eines Pankreastumors
4 A Trail of Heart's Blood Wherever We Go (R. Olmstead – 1990)
5 Eigenes Memo
Ich bin kein einfacher Mensch.
Nein, ich bin wirklich kein einfacher Mensch.
Aber ich kann unterhaltsam sein – obwohl, die meisten wollen gar nicht unterhalten werden.
Sie wollen nur getröstet werden!
Und natürlich muss meine Art von Unterhaltung überhaupt nicht die der Anderen sein.
Und ich bin mit denen völlig einverstanden, die über ihr Arbeitsleben sagen, dass sie auch hier unterhalten werden wollen.
Wirklich, ich stimme dem zu, denn auch ich will ja unterhalten werden.
Dass ich dann nie von dem unterhalten werde, was andere unterhält, die ebenfalls nur unterhalten werden wollen, macht uns grundsätzlich nicht inkompatibel.
Das bedeutet nur:
Wir sollten nicht unbedingt unsere Pausen oder Freizeit miteinander verbringen.
frei formuliert nach Richard Russo
(Hausarzt-)praxis und Krankenhaus am Rande der Stadt
05. Januar / Mi. 07:45 Uhr / meine „Haus"arztpraxis
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die von meiner Krankenkasse jährlich ab einem Alter von 50 Jahren angebotenen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen – aber wie so oft verschob ich einen zu vereinbarenden Termin auf den anderen. Acht lange Jahre später war es dann nur ein Zufall, dass ich im Job genug Luft hatte, um letztendlich einen Vorsorgetermin zu vereinbaren und auch wahrzunehmen.
Die unter anderem erste Sonographie6 meines Lebens erbrachte dann auch noch ein „positives" Ergebnis:
"Sie haben da was an der Bauchspeicheldrüse, sieht aus wie eine harmlose Zyste – sollten wir aber mal vorsichtshalber mit einem Abdomen-CT7 abklären."
Dieser Arzttermin war der Beginn des im Tagebuch beschriebenen Krankheitsverlaufes und zeigte deutlich, dass ich in diesem, meinem Fall ohne diese Vorsorge, deren Endergebnis „Diagnose Pankreas-Ca." war, mit Sicherheit nicht mehr am Leben wäre.
06. Januar / Do. / Radiologische Praxis
Durch eigene, klinisch-berufliche „Beziehungen" gelang es mir, von heute auf morgen einen Termin in einer radiologischen Praxis für ein Abdomen-CT zu bekommen. Der radiologische Befund wies einen 3,5 cm großen zystischen Prozess im Pankreaskopf auf, der abdominal-chirurgisch diskutiert und histologisch8 abgeklärt werden sollte (so die Aussage des Röntgenologen nach dem CT).
Mein Fazit:
Adäquate Vorsorge ist für jeden in entsprechender Altersklasse dringendst anzuraten – oder nein, ein absolutes MUSS!
13.-14. Januar / Do. - So. / ein Krkhs. a.R.d.S.
9
Nach Rücksprache mit meinem „Haus"arzt erfolgte wenige Tage später die stationäre Einweisung in die gastroenterologische Abteilung eines Krankenhauses in Praxisnähe.
Nach einer nochmaligen Sonographie (die letzte in der Praxis war nur eine Woche her, die dementsprechende Bilder-CD hatte ich damit vergeblich mitgebracht) und einer gastro-duodenalen Endoskopie (ERCP10) ohne Narkose schloss sich einen Tag später eine weitere an – diesmal mit Narkose. Begründung: Man sei beim ersten Mal nicht weit genug vorgedrungen, um wirklich etwas zu sehen. Und natürlich erwartete mich vor der Narkose wiederum ein Abdomen-Sono (das dritte innerhalb zwölf Tagen)!
O.k., die zweite Untersuchung mit Biopsie war offensichtlich erfolgreicher. Nach zwei Tagen Krankenhausaufenthalt entließ man mich mit dem Ergebnis, dass ich mich fünf Tage später in der internistischen Ambulanz zu einer Nachbesprechung und nachfolgend am Montag, 24.01. (zehn Tage nach der Entlassung) mit einer dritten Endoskopie und nochmaliger Biopsie wieder vorstellen sollte – die Verdachtsdiagnose IPMN oder aber Pankreaskopf-Carcinom würde dann abschließend gesichert werden können!?!
Mein Fazit:
Lokale Krankenhäuser orientieren sich primär nie am Ziel der Wiederherstellung der Gesundheit und/oder der Sinnhaftigkeit diagnostischer Maßnahmen, sondern nur an einem Maximum abrechenbarer Leistungen (Stichwort „Doppeluntersuchung"11 – oder hier sogar mit ERCP und Sono ein Triple).
In meinem Fall hätte die avisierte, dritte Endoskopie einen gefährlichen Zeitverlust im Hinblick auf die anstehende OP (eventuell zu späte OP) zur Folge gehabt – vielleicht auch „nur" die Komplikation einer Nachblutung, Infektion oder Darmperforation.
17. Januar / Mo. / im eigenen Office
Gute Güte. Seit dem 05.01. überschlugen sich zunehmend meine Gedanken, wobei ich nach Studium der diversen Aussagen und Befunde samt intensiver Internetrecherche die Wahl zwischen drei Diagnosen hatte: von „harmloser Zyste" über „IPMN" bis „Pankreaskopf-Ca.".
Aber jetzt musste ich mich auf das Tagesgeschäft konzentrieren, das in wenigen Stunden im Gröbsten erledigt war. Die restliche Zeit verbrachte ich mit der Suche nach Pankreasambulanzen und informierte mich auf den jeweiligen Websites.
Meine Wahl fiel letztlich auf das Europäische Pankreaszentrum der Chirurgischen Klinik der Uni Heidelberg, da die dort angebotenen Infos keine Fragen offen ließen, und folgend wurde mir telefonisch bereits ein Termin in drei Tagen, am 20. d. M., genannt!
