Lost Souls an der Mühlenstraße - Natascha K - E-Book

Lost Souls an der Mühlenstraße E-Book

Natascha K

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Beschreibung

"Lost Souls an der Mühlenstraße" ist eine düstere, psychologisch intensive Dark-Romance-Geschichte, die in Bad Oldesloe spielt. Im Zentrum stehen Svenja und Niels, zwei Jugendliche, die früh gelernt haben, mit inneren Brüchen, Einsamkeit und Kontrollverlust zu leben. Ihre Begegnungen an der Mühlenstraße und an der Trave werden zu einem Spiegel ihrer Ängste, Abhängigkeiten und unausgesprochenen Sehnsüchte. Die Geschichte zeigt, wie Nähe Halt geben kann, aber auch zerstörerisch wird, wenn zwei verletzte Menschen beginnen, ihre Abgründe ineinander zu spiegeln. Das Buch erzählt von emotionaler Abhängigkeit, Machtverschiebungen, Eifersucht und der Frage, ob Erlösung möglich ist, ohne sich selbst zu verlieren. Es romantisiert toxische Dynamiken nicht, sondern zeigt sie in ihrer schmerzhaften Konsequenz und mit einem klaren Blick auf Verantwortung, Grenzen und seelische Verletzlichkeit. Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 199

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Lost Souls an der Mühlenstraße

Untertitel:

Wenn zwei zerbrochene Herzen in Bad Oldesloe ineinander stürzen – zwischen toxischer Sehnsucht, Dunkelheit und der Suche nach Erlösung

Vorwort:

Bad Oldesloe liegt im Dunst eines nasskalten Spätherbstes, wenn die Straßenlaternen an der Mühlenstraße lange Schatten werfen und die Trave in dunklem Schweigen vorbeizieht. Genau hier beginnt die Geschichte von Svenja und Niels, zwei fünfzehnjährigen Jugendlichen, die schon viel zu früh gelernt haben, dass die Welt nicht zwingend ein Ort ist, an dem man heil bleibt. Beide tragen ihre eigenen Narben, sichtbar und unsichtbar, und beide suchen nach etwas, das sie nicht benennen können. Anerkennung. Nähe. Kontrolle. Oder einfach jemanden, der bleibt.

Svenja kämpft gegen ihre innere Leere und eine Sehnsucht, die ihr manchmal die Luft abschnürt. Niels flüchtet sich in Erfolge, die sich nur im Internet messen lassen: Verkäufe, Klicks, Bewertungen. Doch die Nächte an der Mühlenstraße, am Ufer der Trave, zwischen den alten Backsteingebäuden, verändern sie beide. Die Stadt wird zu einem Spiegel ihrer dunklen Gedanken, zu einem Ort, an dem Geheimnisse lauern, Geräusche zu Bedrohungen werden und Zuneigung sich wie ein Risiko anfühlt.

Diese Geschichte ist eine Dark Romance. Sie wagt es, Licht und Schatten ineinander zu verweben. Sie zeigt die Verletzlichkeit zweier junger Menschen, ohne die Dunkelheit zu verharmlosen. Und sie führt dahin, wo es trotz allem Hoffnung gibt. Denn manchmal ist Liebe die einzige Kraft, die selbst aus der tiefsten Finsternis herausführt.

Trigger Warnung / Wichtiger Lesehinweis

Dieses Buch ist eine Dark-Romance-Geschichte mit sehr starkem psychologischem, emotionalem und belastendem Schwerpunkt. Es behandelt Themen, die verstörend, retraumatisierend oder seelisch hochriskant wirken können. Dazu gehören unter anderem psychische Instabilität bei Jugendlichen, emotionale Abhängigkeit, toxische Beziehungsdynamiken, Kontrollverhalten, Eifersucht, Manipulation, Besitzansprüche, soziale Isolation, Gruppendruck, Gaslighting, Machtspiele, Schuldumkehr sowie Situationen, in denen Nähe nicht schützt, sondern Angst, Zwang und inneren Druck verstärkt. Die Geschichte zeigt außerdem suizidnahe Gedanken, emotionale Grenzerfahrungen und das schrittweise Abrutschen zweier junger Menschen in eine gegenseitige Abhängigkeit.

Ich schreibe diese Trigger Warnung ganz bewusst und ausdrücklich. Ich möchte nicht, dass dieses Buch von kleinen Jungen oder kleinen Mädchen gelesen wird. Ebenso möchte ich nicht, dass psychisch kranke oder seelisch instabile Menschen diese Geschichte lesen. Ich will nicht, dass jemand durch meine Bücher einen Knacks in der Seele bekommt. Ich will nicht, dass sich jemand durch diese Geschichte emotional verliert, retraumatisiert wird oder sich im schlimmsten Fall selbst etwas antut.

Ich übernehme mit dieser Warnung Verantwortung. Worte wirken. Geschichten wirken. Gerade Geschichten über junge Menschen können besonders stark nachhallen. Deshalb soll dieses Buch nicht von Minderjährigen oder besonders schutzbedürftigen Personen gelesen werden. So wie man keine Zigaretten an zwölfjährige Kinder verkauft, sollen auch diese Inhalte nicht ungeschützt konsumiert werden.

Dieses Buch ist keine Anleitung für Beziehungen, keine Rechtfertigung für emotionale Abhängigkeit, Kontrolle oder Manipulation. Die dargestellten Verhaltensweisen werden nicht romantisiert, sondern bewusst kritisch, schmerzhaft und mit ihren Konsequenzen gezeigt. Liebe wird hier nicht als Rettung dargestellt, sondern als etwas, das gefährlich werden kann, wenn zwei Menschen ihre eigenen Abgründe ineinander spiegeln.

Bitte lesen Sie dieses Buch nur, wenn Sie volljährig sind, sich psychisch stabil fühlen und wissen, dass Sie mit sehr intensiven, düsteren und psychologisch belastenden Themen umgehen können. Wenn Sie unsicher sind, ob diese Inhalte für Sie geeignet sind, lesen Sie dieses Buch bitte nicht.

Ihre seelische Gesundheit ist wichtiger als jede Geschichte.

Haftungsausschluss:

Dieses Buch ist ein Werk der Fiktion. Es enthält psychisch belastende Themen, toxische Beziehungen, riskantes Verhalten und düstere emotionale Szenen, die nicht als Vorbild dienen sollen. Die dargestellten Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zu lebenden oder real existierenden Personen wäre reiner Zufall.

Bitte beachten Sie außerdem, dass dieses gesamte Werk mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt wurde, einschließlich Formulierungen, Strukturen und kreativer Ausgestaltung. Es ersetzt keine psychologische Beratung und dient ausschließlich der Unterhaltung.

Imprint:

V. i. S. d. P.: Marcus Petersen-Clausen, Ginsterweg 7, 30900 Mellendorf/Wedemark (DE) - Tel.: 491796162178

Dieses Dokument ist lizenziert unter dem Urheberrecht!

(c) 2025 Marcus Petersen-Clausen

(c) 2025 Köche-Nord.de

Achtung: Der Autor verwendet zum Erstellen seiner Texte meistens künstliche Intelligenz (und muss das angeben, was er hiermit macht)!

Köche-Nord.de

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Schatten an der Trave

Kapitel 2: Die Stelle, an der das Wasser schweigt

Kapitel 3: Das Herz unter dem Asphalt

Kapitel 4: Die Schatten hinter der Hude

Kapitel 5: Der Blick, der bleibt

Kapitel 6: Die Nacht, die zu laut wurde

Kapitel 7: Wenn Worte zu Ketten werden

Kapitel 8: Die Stadt, die mitlauscht

Kapitel 9: Der Riss, der alles trägt

Kapitel 10: Wenn Gedanken zu Gift werden

Kapitel 11: Wo das Moor Geschichten frisst

Kapitel 12: Wenn Blicke Geschichten erzählen

Kapitel 13: Unter der Oberfläche

Kapitel 14: Zwischen Wahrheit und Gift

Kapitel 15: Zahlen statt Nähe

Kapitel 16: Geld, Macht und Rückzug

Kapitel 17: Der Abend, der keine Ruhe kannte

Kapitel 18: Wenn der Schatten zu groß wird

Kapitel 19: Der Punkt, an dem Abstand brennt

Kapitel 20: Die Nachricht, die alles kippt

Kapitel 21: Der Preis des Rückzugs

Kapitel 22: Wenn Kontrolle schweigend wächst

Kapitel 23: Die Entscheidung, die keiner hört

Kapitel 24: Flucht ohne Boden

Kapitel 25: Türen, die nicht mehr aufgehen

Kapitel 26: Wenn zwei Blicken die Wahrheit fehlt

Kapitel 27: Wenn Erwachsene eingreifen und alles schlimmer machen

Kapitel 28: Wenn das Urteil fällt, bevor man spricht

Kapitel 29: Zwei Wege, die keiner wollte

Kapitel 30: Neuer Boden unter fremden Füßen

Kapitel 31: Hilfe, die keiner geben kann

Kapitel 32: Schatten, die man nicht bemerkt, bis sie wachsen

Kapitel 33: Wenn Wahrheit im Schatten verzerrt wird

Kapitel 34: Wenn Worte Waffen werden

Kapitel 35: Wenn Wahrheit sich wie eine Lüge anfühlt

Kapitel 36: Wenn alle glauben, was am leichtesten klingt

Kapitel 37: Wenn die Welt sich dreht, nur nicht in deine Richtung

Kapitel 38: Wenn Stärke leise beginnt

Kapitel 39: Wenn ein Schatten zum ersten Mal Licht sieht

Kapitel 40: Wenn jemand geht, ohne zu verschwinden

Kapitel 41: Wenn Freiheit leise wächst

Kapitel 42: Wenn eine Tür sich entscheidet, ob sie aufgeht

Kapitel 43: Wenn Schatten Verantwortung lernen

Kapitel 44: Wenn Leben wieder Leben wird

Kapitel 45: Wenn Mut wächst, bevor man ihn merkt

Kapitel 46: Wenn Nähe vorsichtig wächst

Kapitel 47: Wenn neue Wege leise beginnen

Kapitel 48: Wenn Nähe wie ein warmer Wind weht

Kapitel 49: Wenn das Herz sich erinnert – und trotzdem weitergeht

Kapitel 50: Wenn Zukunft ein eigenes Licht hat

Nachwort

Kapitel 1: Schatten an der Trave

Die Mühlenstraße in Bad Oldesloe trägt ihren eigenen Klang. Am späten Abend, wenn der Verkehr verstummt und nur noch das ferne Gluckern der Trave zu hören ist, wirkt sie wie ein Ort, der mehr sieht, als er zeigen will. Zwischen den alten Backsteinfassaden und den feuchten Mauern, die das Licht der Laternen fahl zurückwerfen, steht Svenja mit eingezogenen Schultern. Der Wind fährt ihr durch das schwarze Haar, wirbelt es in ihr Gesicht, doch sie wischt es nicht weg. Sie lässt es, als müsse sie sich hinter etwas verstecken.

Sie prüft ihr Handy. Schon wieder hat sie die App geöffnet, die sie nie wirklich loslässt. Der Bildschirm leuchtet ihr ins Gesicht und taucht ihre grauen Augen in bleiches Licht. Ihre Finger zittern leicht, obwohl sie sich einredet, dass es nur die Kälte ist. Doch tief in ihr weiß sie, dass es nicht stimmt. Die innere Unruhe ist stärker als jede Temperatur.

Ein Geräusch von Schritten hallt über den feuchten Asphalt. Sie dreht sich ruckartig um, ihr Gesicht verengt sich, die Stirn zieht sich zusammen. Für einen Moment wirkt sie wie ein Reh, das nicht weiß, ob Flucht oder Angriff sicherer wäre.

Niels tritt aus dem Schatten des alten Kornspeichers. Seine Hände stecken tief in den Taschen seines grauen Hoodies, sein Blick ist gesenkt, als würde er die Muster der nassen Steine studieren. Doch als er näher kommt, hebt er die Augen, und seine Miene verhärtet sich zu dem Ausdruck, den er jeden Tag in der Schule trägt: eine Mischung aus Trotz und Müdigkeit.

„Du bist früh“, sagt er, und seine Stimme klingt tiefer, als er es beabsichtigt hat.

Svenja zuckt leicht mit einer Schulter. „Konnte nicht schlafen.“

Niels nickt, als würde er das besser verstehen als alle anderen. Vielleicht tut er das. Vielleicht ist Schlaflosigkeit für ihn genauso vertraut wie der ständige Druck, mehr zu leisten, mehr zu veröffentlichen, mehr zu verkaufen. Im Internet wird er gefeiert, ein fünfzehnjähriger Autor mit mehreren hundert Büchern, ein Wunderkind, sagen manche. Aber hier, an der Mühlenstraße, sieht niemand den Glanz. Hier bleibt nur der Schatten.

Sie gehen ein paar Schritte nebeneinander her, ohne sich zu berühren. Zwischen ihnen hängt eine Spannung, die nicht neu ist, aber jeden Abend stärker wird. Die Trave glitzert schwach zwischen den grauen Wolken, und irgendwo in der Ferne heult ein Zug am Bahnhof.

„Und? Wieder viele Bestellungen?“ fragt Svenja plötzlich, ohne ihn anzusehen.

Niels’ Kiefer spannt sich an. Er nickt. „Ja. Und du?“

Sie hält ihren Blick auf das Wasser gerichtet. „Ich habe wieder zu lange gescrollt.“

Sie sagt es, als wäre es ein Geständnis. Und vielleicht ist es das auch.

Eine kleine Pause entsteht. Niels beobachtet ihre Hände, wie sie sich nervös ineinander verkrallen. Ihre Finger kneten an ihren eigenen Knöcheln, und er versteht mehr aus dieser Geste als aus jedem Wort.

„Vielleicht... solltest du mal Pause machen“, sagt er ruhig.

Svenja lacht kurz auf, trocken und fast unhörbar. „Du auch.“

Sie sehen einander an, und in diesem kurzen Moment ist da ein Funke – von Verständnis, von Schmerz, von etwas, das sie beide nicht laut aussprechen können. Bad Oldesloe wirkt stiller als sonst, als würde die ganze Stadt den Atem anhalten.

Dann löst Svenja den Blick, und der Abend fällt wieder in Dunkelheit.

Kapitel 2: Die Stelle, an der das Wasser schweigt

Die Nacht über Bad Oldesloe hängt schwerer als gewöhnlich. Über den Dächern der Mühlenstraße zieht ein graues Wolkenband hinweg, das die Laternen schmutzig blass aussehen lässt. An der Brücke über der Trave, dort, wo das Wasser in einer seltsam ruhigen Strömung vorbeizieht, bleibt Svenja plötzlich stehen. Ihr Atem geht schneller als nötig. Etwas in ihr beginnt zu brennen – ein flackerndes Gefühl aus Angst, Wut und dem sehnsüchtigen Wunsch, gesehen zu werden.

„Warte“, sagt sie leise.

Niels dreht sich um. Sein Blick ist dunkel, tiefer als eben noch, als wäre die Nacht in seine Augen gekrochen. Er sagt nichts, aber er beobachtet sie scharf – als würde er genau erkennen wollen, was in ihr passiert.

Svenja lehnt sich an das kalte Metallgeländer. Sie presst die Hände darauf, fester, als gut ist. Die Haut ihrer Finger wird weiß. Für einen Moment sieht sie nach unten, auf die Trave, die schwarz und unergründlich unter ihnen vorbeizieht. Der Gedanke, wie es wäre, hineinzuspringen, flackert nur kurz in ihrem Kopf... aber lange genug, dass sie unwillkürlich heftig schluckt.

Niels bemerkt es. Sofort. Er geht einen Schritt näher. Sein Schatten fällt über sie.

„Mach so was nicht“, sagt er leise, aber mit einer Härte, die sie zwingt, den Blick zu heben.

Sie sieht ihn an, und in ihren Augen glimmt etwas Trotz. „Ich hab doch gar nichts gemacht.“

„Doch“, antwortet er ruhig. „Du hast darüber nachgedacht.“

Sein Tonfall trifft sie wie ein Stoß. Nicht aggressiv – aber bestimmt. Vielleicht zu bestimmt. Ein Hauch von Kontrolle liegt darin, von Besitz.

Aber sie wendet sich nicht ab. Stattdessen hebt sie das Kinn, als würde sie sich verteidigen müssen, ohne zu wissen wogegen.

„Und du?“ fragt sie. „Du hast doch auch deine dunklen Gedanken.“

Niels öffnet den Mund, schließt ihn aber wieder. Etwas flackert in seinen Gesichtszügen – Scham, Wut, Verletzlichkeit. Er wirkt plötzlich jünger, aber auch gefährlicher.

„Ich schlafe seit Monaten kaum noch“, gibt er zu. „Nachts sitze ich an meinem Laptop und lade neue Sachen hoch. Bücher, Posts, alles. Ich will nicht mehr offline sein... weil es sich anfühlt, als würde ich dann verschwinden.“

Die Worte hängen schwer in der kalten Luft.

Svenja spürt, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzieht. Nicht Mitleid. Eher eine kalte Erkenntnis: Er ist wie sie. Zerrissen, süchtig, getrieben. Und genau das macht ihn gefährlich – wie ein Spiegel, in den man zu lange starrt.

Sie tritt einen Schritt näher.

Zu nah.

„Vielleicht sind wir beide ein Problem“, sagt sie. Ihre Stimme bricht fast. „Ein richtig großes Problem.“

Niels’ Blick wandert zu ihren Lippen, dann in ihre Augen. Die Spannung zwischen ihnen zieht sich zusammen wie ein Sturm, der nicht weiß, ob er alles zerstören oder erlösen soll.

„Vielleicht“, sagt er. „Aber du bist der einzige Mensch, der mich abends an die Mühlenstraße zurückbringt.“

Diese Worte treffen sie tiefer, als sie es zeigen will. Svenja blinzelt schnell, weil sie spürt, wie ihr Herz schlägt – zu schnell, zu laut. Ihr Kopf sagt ihr, dass sie Abstand halten sollte. Aber ihre Knie fühlen sich weich an.

Sie wendet den Blick ab, sucht Halt im Dunkel der Stadt. Hinter ihnen liegt die Hude, still und fast unheimlich. Weiter hinten ragt der Kirchturm der Peter-Paul-Kirche in die Nacht, und irgendwo klappert ein loses Straßenschild im Wind.

Niels lehnt sich neben sie ans Geländer. Seine Schulter berührt ihre. Zufällig. Oder gar nicht zufällig.

„Svenja“, sagt er plötzlich. „Wenn du fällst... fall ich mit.“

Sie erstarrt. Denn zum ersten Mal ahnt sie, dass dieser Junge nicht nur ein Teil ihres Rettungsversuchs ist.

Sondern auch ein Teil ihres Untergangs.

Und genau in diesem Moment, in dieser Berührung, in diesem Satz, beginnt der rote Faden, der sie beide durch die Dunkelheit ziehen wird.

Langsam. Gefährlich. Und unaufhaltsam.

Kapitel 3: Das Herz unter dem Asphalt

Der Morgen in Bad Oldesloe beginnt grau und schwer, als hätte die ganze Nacht in den Straßen festgehangen. Der Wind trägt den Geruch von feuchtem Laub und kaltem Stein durch die Mühlenstraße. Schüler eilen Richtung Bahnhof, Autos rauschen vorbei, aber all das erreicht Svenja nur gedämpft – wie durch Watte.

Sie geht langsam, den Blick gesenkt, die Schultern eng herangezogen. Ihr Handy liegt kalt in ihrer Hand, doch sie hat es heute nicht eingeschaltet. Zum ersten Mal seit Wochen. Die Stille in ihrer Hosentasche fühlt sich komisch an. Bedrohlich. Befreiend. Alles gleichzeitig.

Ein dumpfer Schlag hallt hinter ihr über den Asphalt. Schritte nähern sich schnell, entschlossen. Ihr Nacken spannt sich an, und sie dreht sich halb um, ihre Miene wachsam, als würde sie einen Angriff erwarten.

Niels.

Sein Blick trifft sie sofort, durchdringend, als würde er jede ihrer Regungen lesen. Unter seinen Augen liegen dunkle Schatten, die Haut wirkt fahl. Er hat eindeutig nicht geschlafen.

„Du bist nicht online gewesen“, sagt er ohne Begrüßung. Seine Stimme ist flach, aber ein feiner Druck liegt darin. Nicht böse – eher besorgt, aber besessen genug, dass sie es spürt.

Svenja hebt das Kinn leicht an, eine Geste, die zeigen soll, dass sie unabhängig ist. Doch ihre Hände verraten sie, denn sie ballt sie unruhig zu Fäusten.

„Ich brauchte... Pause“, antwortet sie.

Niels tritt einen Schritt näher. Zu nah für den Bürgersteig vor der alten Mühle. Fußgänger gehen um sie herum, aber für den Moment existieren nur sie beide.

„Von mir? Oder von allem?“

Sie blinzelt und sieht kurz weg, hinüber zur Trave, die hinter den Häusern glitzert. Sein Ton trifft etwas in ihr, das weicher ist, als sie es zugeben will.

„Von allem“, sagt sie. „Auch von dir, vielleicht. Ein bisschen.“

Niels’ Gesicht verzieht sich – kaum sichtbar, aber genug. Seine Kiefermuskeln arbeiten, als kämpfe er gegen etwas, das in ihm hochsteigt.

„Ich kann schlecht mit... Pausen umgehen“, murmelt er. Ein Geständnis. Ein Warnsignal.

Sie spürt, wie ihr Herz schneller schlägt. Es ist schwer zu sagen, ob aus Angst oder aus diesem anderen Gefühl, das sie nicht benennen kann.

Ein Bus fährt vorbei und lässt feine Regentropfen aus einer Pfütze auf ihre Schuhe spritzen. Svenja zuckt nicht. Niels auch nicht.

„Ich habe gestern über uns nachgedacht“, sagt er plötzlich. „Über das, was du gesagt hast. Dass wir beide ein Problem sind.“

Sie hält den Atem an.

„Es stimmt“, fährt er fort. „Aber ich glaube nicht, dass ich das ändern will.“

Diese Worte sind ein Messer, das gleichzeitig schneidet und wärmt. Svenja versucht, etwas zu erwidern, doch ihre Stimme steckt fest.

Stattdessen hebt Niels eine Hand.

Zögerlich. Vorsichtig. Und doch mit einem seltsamen Anspruch.

Er streicht eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht.

Nicht sanft. Nicht grob. Irgendetwas dazwischen. Ein Berühren, das Besitz suggeriert, aber auch Schutz.

Ein Widerspruch in sich – genau wie er.

Sie friert ein. Seine Fingerspitzen sind warm, aber ihre Haut prickelt, als würde ein Blitz darunter entlanglaufen.

„Du machst mich nervös, wenn du verschwindest“, sagt er leise.

Svenja schluckt schwer. Ihre Mimik verhärtet sich kurz, bevor sie bricht.

„Ich habe Angst vor dir“, haucht sie.

Niels’ Augen flackern. Ein dunkles Flackern – keine Wut, eher Erschrecken. Vielleicht sogar Verletzlichkeit.

„Ich habe auch Angst vor mir“, gesteht er.

Diese Worte liegen wie Schnee auf einer offenen Wunde.

Hinter ihnen schlägt die Glocke der Peter-Paul-Kirche. Der Klang breitet sich über den Marktplatz aus, legt sich wie eine Decke über die Stadt.

Svenja zieht langsam seinen Blick an sich zurück, und etwas in ihr verändert sich. Kein Vertrauen. Aber auch kein Rückzug.

Mehr ein unausgesprochener Pakt:

Wir bleiben.

Egal, ob es uns heilt oder zerstört.

Sie gehen gemeinsam Richtung Hude. Die Stadt wirkt größer, die Schatten länger, die Luft schwerer. Und irgendwo unter dem Asphalt pocht etwas, das nur sie beide hören.

Etwas Dunkles.

Etwas, das sie beide verbindet.

Etwas, das sie nur zusammen überleben können.

Kapitel 4: Die Schatten hinter der Hude

Als sie die Hude erreichen, weht ein eisiger Wind durch die schmalen Gassen. Die kleinen Läden haben längst geschlossen, und nur das matte Licht der letzten Laterne spiegelt sich auf dem nassen Pflaster. Für die meisten Menschen ist dieser Teil der Stadt unscheinbar, harmlos. Für Svenja und Niels dagegen wird er in diesem Moment zu einem stillen Zeugen ihrer inneren Dunkelheit.

Svenja bleibt stehen, ihre Haltung angespannt, der Atem sichtbar in der kalten Luft. Ihre Finger ziehen nervös an ihrem Ärmel, als könnte der Stoff sie irgendwie stabilisieren. Niels beobachtet jede Bewegung, aufmerksam, fast zu aufmerksam, als würde er versuchen, ihre Gedanken aus ihrer Körperhaltung zu lesen.

„Du zitterst“, sagt er schließlich.

„Ist nur kalt“, antwortet sie, aber die Stimme ist brüchig.

Er tritt näher, aber diesmal mit Vorsicht. Nicht wie jemand, der etwas einfordert. Eher wie jemand, der Angst hat, etwas zu zerstören. Seine Hand hebt sich, langsamer als zuvor, und er berührt ihren Oberarm. Sein Daumen streift über den Stoff, ein warmer Druck, der sich wie ein Anker anfühlt.

Svenja atmet scharf ein. Sie weiß nicht, ob sie zurückweichen oder näher treten soll. Ihre Mimik schwankt zwischen Anspannung und dem Bedürfnis, nicht wieder allein zu sein. Doch sie lässt ihn gewähren. Ein stiller Sieg für ihn. Ein stiller Untergang für sie.

„Gestern an der Brücke“, beginnt Niels, „als du... na ja... als du so runtergeguckt hast... ich dachte, du machst es wirklich.“

Svenja senkt den Blick. Schuld, Scham, Trotz – alles mischt sich in ihrem Gesicht. Sie presst ihre Lippen kurz aufeinander und schaut dann wieder zu ihm auf.

„Ich habe nur nachgedacht“, sagt sie leise.

„Ja“, antwortet er. „Und genau das macht mir Angst.“

Die Worte sind sanft, aber sie tragen Gewicht. Genug, um Svenjas Brust eng werden zu lassen. Genug, um ihr Herz zu stoßen. Seine Angst gilt nicht der Welt. Nicht den Verkäufen. Nicht der Schule.

Es ist Angst um sie.

Sie versucht, den Blick abzuwenden, doch Niels legt zwei Finger unter ihr Kinn und hebt ihr Gesicht an. Nicht hart, aber bestimmt. Seine Berührung sendet eine Welle von Wärme und Gefahr durch ihren Körper.

„Wenn du fällst, fall ich mit“, wiederholt er. „Habe ich gestern gesagt. Und ich meine das.“

Sein Daumen streift über ihre Haut, langsam, als würde er jeden Millimeter auswendig lernen wollen.

Svenja spürt, wie ihre Knie weich werden. Ihre innere Stimme schreit, dass das alles zu viel ist. Zu nah. Zu intensiv. Aber gleichzeitig gibt es einen anderen Teil in ihr – den dunkleren Teil –, der genau das braucht. Diese Nähe. Diese Intensität. Diese Form von Macht und Ohnmacht.

„Ich will nicht, dass du mitfällst“, flüstert sie. „Ich will nur... nicht mehr verschwinden.“

Niels’ Augen weiten sich minimal. Er senkt die Hand, aber seine Präsenz bleibt genauso nah.

„Du verschwindest nicht, wenn ich da bin“, sagt er, und in diesem Satz liegt etwas Besitzergreifendes. Etwas, das gleichzeitig wie Trost und Drohung wirkt.

Ein Geräusch hallt durch die Gasse – ein dumpfer Schlag, vielleicht eine Mülltonne, vielleicht ein Tier. Beide zucken leicht zusammen und drehen sich um. Für einen Moment wirkt die Hude wie ein Ort, an dem etwas lauert. Etwas Unsichtbares, das sie beobachtet.

Svenja greift unbewusst nach Niels’ Ärmel. Nur kurz. Nur ein Reflex. Aber es reicht, um seine Mimik weicher zu machen.

„Komm“, sagt er schließlich. „Ich bring dich ein Stück.“

Sie gehen nebeneinander, schweigend, aber die Spannung zwischen ihren Körpern ist deutlicher als jedes Wort. Die Lichter der Stadt scheinen sie zu verfolgen. Die dunklen Fenster der alten Fachwerkhäuser wirken wie Augen. Und in ihnen beiden wächst das Gefühl, dass das, was sie verbindet, längst zu etwas Größerem geworden ist.

Etwas, das sie vielleicht nicht mehr kontrollieren können.

Etwas, das sie beide verschlingen könnte.

Und trotzdem gehen sie weiter.

Kapitel 5: Der Blick, der bleibt

Der Wind pfeift über den Kurpark, als sie ihn durchqueren. Die kahlen Bäume stehen wie dunkle Wächter an den Wegen, und das einsame Licht am Teich spiegelt sich schwach auf dem Wasser. Es ist still, zu still, und der Boden knirscht unter ihren Schuhen, während sie nebeneinander gehen. Svenja versucht, ihre Atmung zu kontrollieren, doch jedes Mal, wenn der Abstand zwischen ihnen kleiner wird, gerät sie aus dem Rhythmus.

Niels geht ein Stück vor, sein Gang leicht nach vorn gebeugt, als würde er ständig gegen etwas Unsichtbares anrennen. Vielleicht gegen sich selbst. Vielleicht gegen alles, was ihn nachts wachhält. Seine Hände stecken tief in den Taschen seines Hoodies, aber gelegentlich spannt sich sein Rücken an, als würde er etwas zurückhalten.

„Du hättest mir schreiben können“, sagt er schließlich, ohne sich umzudrehen.

Seine Stimme ist leiser als vorher, aber härter. Eine Gefahr, die sich nicht in Lautstärke ausdrückt, sondern in Ruhe.

Svenja schluckt. Ihre Finger verkrampfen sich um den Träger ihrer Tasche. „Ich... wollte mal ohne das Handy klarkommen.“ Sie versucht, gelassen zu klingen, aber ihr Unterkiefer zittert leicht.

Niels bleibt abrupt stehen. Sie prallt fast gegen ihn, doch er dreht sich schnell zu ihr um. Ihre Gesichter sind plötzlich so nah, dass sie seinen Atem sehen kann.

„Du weißt genau, was das mit mir macht“, sagt er.

Svenja blinzelt hart. Ihre Schultern ziehen sich zurück, aber ihre Füße bewegen sich nicht. Sie spürt, wie die Luft zwischen ihnen dicker wird, schwerer. Ihr Instinkt flüstert ihr, dass sie Abstand braucht. Doch die Wärme, die von ihm ausgeht, hält sie fest.

„Ich bin nicht dein Problem“, murmelt sie.

Seine Augen werden schmal, nicht feindselig, aber intensiv. „Du bist mein Anker“, sagt er. „Wenn du weg bist, bleibt nichts.“

Sie weicht einen halben Schritt zurück, aber nur körperlich. Innerlich zieht sie näher zu ihm hin. Ihre Mimik verrät die Zerrissenheit: Die Stirn leicht gefurcht, die Lippen weich, die Augen voller Unsicherheit.

„Das ist nicht gesund“, sagt sie. „Was wir machen.“

Ein kurzes, abgehacktes Lachen entkommt ihm. Kein fröhliches Lachen, sondern ein verletztes. „Gesund?“ Er schüttelt den Kopf. „Wir reden hier nicht über gesund oder ungesund. Wir reden darüber, dass ich dich brauche.“

Die Worte treffen sie mit einer Wucht, die ihr die Sprache raubt. Ihr Herz rast, erst aus Angst, dann aus etwas anderem. Etwas, das sie nicht kontrollieren kann.

Er hebt eine Hand und berührt ihr Gesicht. Diesmal sanfter. Sein Daumen gleitet über ihre Wange, hinterlässt eine Spur aus Wärme. Svenjas Knie geben fast nach.

„Du machst mich wütend“, flüstert er. „Und verrückt. Und... lebendig.“

Svenja schließt kurz die Augen, um sich zu sammeln. Doch genau in diesem Moment zieht Niels sie näher zu sich. Nicht grob, aber bestimmt. Ihre Körper berühren sich nur leicht, aber der Kontakt brennt.

„Du kannst nicht einfach verschwinden“, sagt er nahe an ihrem Ohr. „Nicht aus meinem Leben. Nicht aus der Mühlenstraße. Nicht aus meinen Nächten.“

Ihre Augen weiten sich.

Diese Nähe ist falsch.

Und gleichzeitig alles, wonach sie sich gesehnt hat.

„Ich habe Angst, was wir aus uns machen“, sagt sie heiser.