Love & Lies - Molly McAdams - E-Book

Love & Lies E-Book

Molly McAdams

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Beschreibung

Die unwiderstehliche, prickelnd-heiße Fortsetzung von »Forgiving Lies« der »New York Times«- Bestsellerautorin Molly McAdams.

Eigentlich sollte Rachel die Hochzeit mit Kash planen, der Liebe ihres Lebens. Nach ihrem verrückten ersten gemeinsamen Jahr ist sie bereit, ein geordnetes und völlig normales Leben zu führen. Nun ja, eben so normal, wie es geht. Doch die beiden wurden mit etwas konfrontiert, das sie auseinanderzureißen droht.

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Seitenzahl: 414

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Das Buch

Kash wäre mit Rachel zu allem bereit. Besonders wenn das bedeuten soll, dass er und seine zukünftige Frau eine ganze Fußballmannschaft zeugen. Durch seinen Job als Undercovercop weiß er, wie kurz das Leben sein kann, und er will mit Rachel keine einzige weitere Minute verschwenden. Doch nun holt ihn seine Vergangenheit in Gestalt eines verdeckten Drogenfahnders wieder ein – und die Frau, die er liebt, gerät zwischen die Fronten. Trent Cruz hat klare Anweisung: Schnapp dir Kashs Verlobte. Doch etwas an ihr bewegt ihn dazu, die Regeln zu ändern und ein gefährliches Spiel zu spielen, nur damit ihr nichts passiert. Als ihm immer weniger Zeit bleibt, um Rachel zu beschützen, beschließt er, mit seinem vertrauten Leben zu brechen und alles zu riskieren, wenn sie dadurch nur heil aus der Sache herauskommt.

Die Autorin

Molly McAdams wuchs in Kalifornien auf und lebt heute mit ihrem Mann, ihren Töchtern und einigen Vierbeinern im Bundesstaat Texas. Wenn sie nicht gerade in die Welt ihrer Figuren eintaucht, geht sie einem ihrer anderen Hobbys nach und wandert, fährt Snowboard oder reist um die Welt. Molly hat eine Schwäche für derbe Komödien und frittierte Essiggurken und liebt es, sich bei Gewitter unter die Bettdecke zu kuscheln. Love & Lies. Alles ist verziehen ist der zweite Band der Serie.

Aus dem Amerikanischen von Sabine Schilasky

WILHELM HEYNE VERLAGMÜNCHEN

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Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel Deceiving Lies bei HarperCollins.Taschenbucherstausgabe 04/2016Copyright © 2014 by Molly JesterCopyright © 2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbHRedaktion: Birgit GrollUmschlaggestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung vonshutterstock/Igor BorodinSatz: Fotosatz Amann, MemmingenISBN 978-3-641-17372-2V001www.heyne.de

Für meine wunderbaren Schwiegereltern.Eure Unterstützung bedeutet mir alles. Wie ihr mich in dieser Furcht einflößenden, unbekannten großen Welt namens Texas aufgenommen habt und für mich da seid, während meine Familie so weit weg ist, bedeutet mir mehr, als ihr ahnt. Ich liebe euch beide, und ich weiß, dass meine Leserinnen sich in euch als Kashs Eltern verlieben werden.

Prolog

Rachel

Nervös warf ich mir das lange Haar über die Schultern und strich mir mehrmals über mein Shirt, während ich tief ein- und ausatmete. Ich stand mit dem Rücken zu Kashs Truck, außer Sicht vom Haus seiner Eltern, und sammelte mich. Allerdings erwog ich auch ernsthaft wegzulaufen. Warum nur musste ich mir hochhackige Schuhe kaufen und die auch noch ausgerechnet heute anziehen?

»Rach?« Er lachte, als er um den Truck herumkam und mich sah. »Was machst du denn da? Du siehst fantastisch aus!«

Ich zog eine Grimasse, als ich hinunter zu meiner engen dunklen Jeans und dem hellblauen Top sah, das ich ebenfalls heute gekauft hatte. Von den Sachen, die ich nach Florida mitgenommen hatte, schien mir nichts passend, um Kashs Eltern kennenzulernen. »Ich bin falsch angezogen.«

Er umfing mein Kinn und hob es an, bis ich ihn ansah. Dann wartete er, bis ich mich etwas beruhigt hatte. »Sie werden dich lieben«, versicherte er mir und strich mit seinen Lippen über meine. »Du musst dir keine Sorgen machen.«

»Wie kannst du das sagen? Ich habe mich mit ihrem Sohn verlobt, ohne sie jemals gesehen zu haben. Sie wussten bis vor Kurzem nicht mal, dass es mich gibt, Kash.« Und meinetwegen wurde ihr Sohn niedergeschossen … Mir war klar, dass es nicht meine Schuld war. Das hatte ich in den Therapiesitzungen bei Dr. Markowitz Ende des letzten Jahres erkannt. Aber das hieß nicht, dass Kashs und Masons Familienmitglieder es genauso sehen würden. »Ehrlich, und zu der Zeit dachte ich sogar, dass du ihnen nicht besonders nahestehst, was mir nicht mal komisch vorkam, weil … na ja, weil ich selbst ja keine Eltern mehr habe, denen ich dich vorstellen kann. Aber jetzt …«

»Stopp. Du machst dir zu viele Gedanken. Sie wissen längst, was passiert ist, und du glaubst nicht, wie aufgeregt meine Mom war, als ich sie heute Morgen anrief und ihr sagte, dass du hier bist. Sie sind einfach nur froh, weil sie gesehen haben, wie unglücklich ich ohne dich war. Und sie werden dich lieben, Babe.«

Ich atmete langsam aus und nickte. »Okay, packen wir’s an.«

»Das ist mein Mädchen.« Er küsste mich leidenschaftlich, bevor er einen Arm um meine Taille legte und mich zum Haus führte. »Ich meine, mal ehrlich, wer könnte dich und deine Zickigkeit nicht lieben?«

»Du bist so ein Arsch, Kash«, zischte ich in dem Moment, in dem die Haustür aufging und seine Mom herauskam. Oh, lieber Gott, lass mich bitte im Boden versinken. Dies ist die Stelle, an der ich dringend weglaufen muss.

Mrs. Ryans Brauen schossen bis zu ihrem Haaransatz nach oben, und Kash versuchte, nicht zu lachen, scheiterte jedoch kläglich. Derweil hatte ich das Gefühl, dass mein Magen gleichzeitig brannte und mir in die Unterhose rutschte. Das fühlte sich nicht schön an, und mir wurde schlecht. Damit war ich jetzt bei der ganzen Familie Ryan die unangefochtene Königin des schlechten ersten Eindrucks. Als ich Kash im letzten Sommer kennengelernt hatte, war ich extrem zickig gewesen, und unsere ersten drei Begegnungen waren ungefähr so prima gelaufen wie ein Wettrennen unter Schildkröten. Nun war ich hier, und das Erste, was seine Mom von mir hörte, war ein Kraftausdruck.

Mir wurde ein bisschen schwindlig, weil ich die Luft anhielt, während ich darauf wartete, dass Mrs. Ryan mir erklärte, ich wäre nicht gut genug für ihren Sohn, oder mich zumindest zurechtstutzte. Stattdessen verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah Kash mit einem solch strengen Blick an, dass sogar ich beeindruckt war.

»Was hast du zu dem armen Mädchen gesagt?«

Er hob beide Hände, bevor er wieder seinen Arm um mich legte. »Keine Ahnung, wovon du redest. Und warum denkst du automatisch, dass es irgendwas mit mir zu tun hat?«

»Weil ich dich kenne, Logan.«

»Äh … wie auch immer. Mom, das ist Rachel. Rachel, das ist meine Mom.«

Sie strich sich eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn und lächelte mich strahlend an. Ich fühlte mich immer noch wie versteinert und konnte nicht richtig atmen. »Rachel, es freut mich sehr, dich kennenzulernen!«

Fast wäre mir herausgerutscht: Aber ich habe doch eben Ihren Sohn vor Ihren Augen als Arschloch tituliert! Zum Glück verkniff ich es mir, setzte ein Lächeln auf und versuchte, mich zu entkrampfen, während Kash mich losließ und seine Mom mich umarmte. »Freut mich auch sehr, Sie kennenzulernen. Und danke für die Einladung.«

»Sehr gerne«, sagte sie und ergänzte so leise, dass nur ich es hören konnte: »Dieses furchtbare Arschlochgen hat er von seinem Vater. Aber leider ist es eines von den Dingen, die ich an meinen Männern am meisten liebe. Du gewöhnst dich sicher dran. Bald schon wirst du meisterhaft darin sein, sie mit einem Lächeln in Form zu pfeifen.«

Ich riss die Augen weit auf und blinzelte mehrmals, als die Umarmung vorbei war. Meinte sie das ernst?

Wieder lächelte sie mich an, küsste Kash auf die Wange und klopfte ihm auf die Schulter. »Sei nett zu ihr, sie ist eben erst angekommen! Aber merk dir, Schätzchen, in dem Moment, in dem Richard, mein Mann, und Logan aufhören, dir das Leben schwer zu machen, lieben sie dich nicht mehr. Also, solange er dich wahnsinnig macht, weißt du, dass er dich liebt. Jetzt kommt rein. Dein Dad hat gerade angefangen zu grillen, und ich will Margaritas für Rachel und mich mixen. Oh, du magst doch Margaritas, oder?«

Ich nickte und musste gleich darauf den Kopf schütteln, damit mein Verstand wieder in Bewegung kam. »Ähm, ja. Ja, ich mag sie sehr.«

»Na dann. Ich denke, wir werden uns bestens verstehen. Jetzt kommt!« Sie drehte sich um und ging ins Haus. Kash zog mich an seine Seite, und seine Lippen waren an meinem Ohr.

»Na, war das so schlimm?«

»Abgesehen von der Tatsache, dass deine Mutter mich zum ersten Mal sieht und gleich mitbekommt, wie ich fluche … Ich glaube, ich habe mich eben in sie verliebt.«

Leise lachend zog er mich ins Haus. »Wart’s ab, bis du meinen Dad kennenlernst.«

1

Kash

»Brauchst du wirklich so viele Schuhe, Rach?« Ich beobachtete, wie sie den dritten Karton in unserer Ankleide gleich vorn im Bad auspackte und fragte mich, wie jemand so viele Schuhe haben konnte.

Ihre Hand hielt mit einem Schuhpaar zwischen Karton und Regal inne, und sie warf mir einen Blick zu, bei dem ich unwillkürlich einen Schritt zurückwich.

»Fragst du mich das jetzt im Ernst?«

»Sag nein«, flüsterte mein Dad hinter mir. »Natürlich nicht, Rachel. Er hat bloß Schiss, dass kein Platz mehr für seine glitzernden Transenschuhe bleibt.«

Rachel lachte und packte noch mehr Schuhe aus. »Keine Bange, Rich. Die habe ich schon eingeräumt, und sie haben sogar einen besonderen Platz, damit ihnen nichts passiert.«

Meine Mom drängelte sich mit einer Armladung Klamotten an Dad und mir vorbei in die Ankleide. »Also wirklich, Logan, jetzt lass das Mädchen mal. Ich habe mehr Schuhe als sie.«

»Oh, Marcy, das habe ich dir noch gar nicht erzählt …«

»Wird das eine lange Geschichte?«, unterbrach Dad sie.

»Und ob!«, konterte sie grinsend. »Mach’s dir schon mal bequem.« Sobald sie mit ihrer Geschichte über was auch immer anfing, drehte mein Dad sich um und schubste mich in das große Badezimmer.

»Habe ich dir denn gar nichts über Frauen beigebracht?«, fragte er leise.

»Was? Das sind grotesk viele Schuhe!«, zischte ich. Als ich mich umblickte, holte Rach noch mehr davon aus dem Karton. Bei Gott, dieser letzte Karton war wie die Tasche von Mary Poppins!

»Okay, fassen wir uns kurz. Erstens, deine Frau kann nie genug Schuhe, Klamotten, Handtaschen oder Schmuck haben. Zweitens, es spielt keine Rolle, ob du recht hast, denn deine Mutter irrt sich weiß Gott in … na ja, in so ziemlich allem, doch das ist egal. Sie haben immer recht. Sag einfach: ›Ja, Schatz, tut mir leid, dass ich ein Blödmann bin‹, und alles ist gut. Drittens, wenn sie dich fragen, wie sie aussehen, ist das eine Falle. Denn seien wir mal ehrlich, selbst wenn wir glauben, sie tragen die schlimmste Bluse, die wir je gesehen haben, ist die wahrscheinlich modern und wir haben nur keinen Schimmer. Also sehen sie immer fantastisch aus, merk dir das.«

Ich lachte. Rachel könnte einen Kartoffelsack tragen, und ich würde sie umwerfend finden. Oder sie könnte nichts tragen … was ich unbedingt vorziehen würde. Ich räusperte mich und musste wegsehen, als ich anfing, mir Rachel nackt vorzustellen.

»Viertens, und das dürfte der wichtigste Punkt sein, falls du deine Männlichkeit behalten willst, frage sie niemals, ob sie PMS hat. Egal was passiert. Damit schaufelst du dir nur dein eigenes Grab.«

Zu spät. Ich fragte Rach dauernd, ob sie deshalb mies drauf war. Und wenn ich im Recht war, würde ich einen Teufel tun, ihr zu erzählen, ich läge falsch. Da konnte sie herumzicken, so viel sie wollte, aber ich würde es ihr nicht leicht machen, nur um einen Streit zu vermeiden. Dafür stritt ich viel zu gerne mit ihr.

Ich nickte, klopfte meinem Dad auf die Schulter und sagte lächelnd: »Danke, Dad. Ich werde es mir merken.«

»… lass uns sehen, ob sie noch da sind.« Mom war wegen irgendwas aufgeregt, und so wie Rachel aussah, war sie es auch.

»Ja, machen wir! Jedenfalls musste ich dir das erzählen, weil ich wusste, dass du ausflippst«, murmelte Rach, als sie den letzten Schuhkarton zusammenfaltete. Gott sei Dank war Mary Poppins’ Tasche nun offiziell geleert.

»Das war eine wunderbare Geschichte«, spöttelte Dad, »und du erzählst sie so gut, mit so viel Begeisterung.«

Mom verdrehte die Augen und schüttelte lächelnd den Kopf, und Rachel sah meinen Dad an, als würde sie ihm gleich den Marsch blasen. In letzter Sekunde legte sie den Kopf zur Seite. »Warte mal. Forrest Gump … ernsthaft, Rich? Du benutzt ein Forrest-Gump-Zitat, um mich zu beleidigen?«

»Da ist dir aber jemand ebenbürtig, Schatz!«, jubelte Mom, und Dad murrte nur etwas, zwinkerte mir aber zu.

»Die lässt sich nichts bieten, was? Mein Sohn, ich sage dir, halte die Frau lieber gut fest.«

»Das habe ich vor, Dad. Rach, bist du fertig mit den Schuhen?«

»Ich weiß nicht. Wenn du mich noch mal auf meine Schuhe ansprichst, könnte ich mir überlegen, sie umzusortieren, vielleicht nach Farben, Absatzhöhe oder Länge der Stiefel.«

»Weib, komm aus der verdammten Ankleide raus! Ich muss das hier aufstellen, und solltest du deine Schuhe jetzt umräumen, schwöre ich dir, dass sie demnächst alle in einem Haufen auf dem Boden liegen werden.«

»Logan Kash Ryan!«, schimpfte meine Mom, während Rachel fauchte: »Ich kill dich.«

Meine kleine Sour Patch. Sie war so verflucht niedlich, wenn sie mir mit Mord drohte.

»Warte mal. Was willst du denn aufstellen?«, fragte sie, als sie aus der Ankleide kam. Der Raum war groß genug, dass man darin einen Wagen parken könnte.

»Die falsche Wand.«

»Äh, warum?«

»Als eine Art richtig billigen Safe-Room. Nein, das ist gelogen. Die ist dazu da, damit du dich verstecken kannst, sollte mal jemand einbrechen oder so.«

Sie lachte und küsste mich auf den Hals. »Echt jetzt, Kash? Du bist ein bisschen paranoid. Wir bauen hier keine falsche Wand ein.«

Bevor sie weggehen konnte, schlang ich die Arme um sie und zog sie näher zu mir. »Babe, ich habe dich schon einmal fast verloren, und ich arbeite zu den beklopptesten Zeiten, was bedeutet, du wirst hier oft nachts alleine sein. Es ist nur für meinen Seelenfrieden, also sei bitte nicht schwierig.«

»Nichts wird …«

»Rachel, hör auf. Wir bauen die Wand ein.«

»Du bist paranoid!«

Ich küsste sie, bevor ich sie sanft wegschob. »Gut möglich, aber das ist mir egal. Bei den vielen Sachen, die hier hängen werden, wirst du sie gar nicht mehr wahrnehmen. Und falls etwas passiert, kannst du dich dahinter verstecken. Ich liebe dich, aber in diesem Punkt gebe ich nicht nach, okay?«

Sie verdrehte die Augen und warf meiner Mom einen Blick zu, den sie offensichtlich verstand, denn sie lachte. »Na gut, Kash. Wenn du eine falsche Wand aufstellen willst, damit du nachts besser schlafen kannst – äh, damit du bei der Arbeit beruhigt bist –, dann sollst du sie haben.«

Rachel

»Oh Mann, das ist eine Katastrophe«, flüsterte ich, als ich mir ein weiteres Shirt auszog und es aufs Bett warf, bevor ich zurück in die Ankleide ging.

Seit zwei Wochen war ich in Florida, und wir hatten jeden Tag mit Mason, seiner Familie oder mit Kashs Eltern verbracht. Deshalb sagte Kash gestern, dass er mich heute Abend ausführen wolle. Ich hatte mich auf Zeit mit ihm allein gefreut … bis zur letzten Nacht.

Seit über einem Monat träumte ich zum ersten Mal wieder von Blake, und um es noch schlimmer zu machen, war Kash weg, weil er einen Anruf vom Revier bekam, als wir gerade ins Bett gehen wollten, und Minuten später los musste. Anscheinend gab es Gerüchte, dass ein Krieg zwischen zwei Gangs bevorstand. Ich lachte und sagte, es hörte sich wie West Side Story an, doch dann erzählte mir Kash, dass es zwischen den beiden Gruppen schon einiges Blutvergießen gegeben hatte, und man mit reichlich Leichen rechnen musste, sollten sie den Bandenkrieg nicht verhindern. Da hielt ich den Mund.

Seit ich heute um drei Uhr morgens schweißgebadet aufgewacht war, war ich angespannt, ängstigte mich im Haus und hatte Flashbacks von allem, was im letzten Jahr mit Blake gewesen war. Dabei hatte ich ihn doch längst aus meinem Leben verbannt, und es war lächerlich, dass er mich selbst tot noch quälte.

Jetzt war ich eine Viertelstunde zu spät dran und konnte immer noch nichts finden, das all meine Narben verdeckte. Eigentlich beachtete ich sie nicht mehr besonders, und die meisten waren schon sehr verblasst, aber nach dem Traum kamen sie mir wie Neonzeichen auf meinem Körper vor, die schrien: Sieh hin, sieh hin, sieh hin, SIEHHIN!

Ich griff ein dünnes langärmliges Shirt und streifte es über, aber das MEIN auf meiner Brust leuchtete mir grell entgegen; also nahm ich eine Bluse zum Drüberziehen. Obwohl ich die obersten Knöpfe nicht schließen konnte, weil dann meine Oberweite zu sehr betont sein würde, verdeckte der Kragen die kleine Narbe.

Na also. Jetzt bin ich bereit.

»Rach, was hast du denn da an? Draußen ist es heiß.«

Egal. »Es ist Winter«, entgegnete ich, als ich Kashs Blick im Spiegel begegnete.

Seine grauen Augen wanderten zu meinem nicht vorhandenen Hintern, und obwohl ich es mochte, dass er die Aussicht genoss, war ich jetzt nicht in der Stimmung, abgecheckt zu werden. Ich kämpfte gerade mit einem kleinen Nervenzusammenbruch. Der heutige Abend würde ein riesiger Reinfall, wenn ich nicht aufhören konnte zu denken, dass Blake plötzlich im Kino oder im Restaurant auftauchte.

Blake ist tot. Er starb in Texas. Blake ist tot. Er starb in Texas, betete ich stumm vor mich hin, aber es nützte nichts.

»Ja, aber wir haben einundzwanzig Grad«, unterbrach Kashs Stimme mein inneres Mantra. »Zieh das Shirt darunter aus.«

»Nein, mir geht es gut.«

Er legte einen Arm um meine Taille und zog mich zurück, sodass mein Rücken an seiner Brust war. Dann berührten seine Lippen die empfindliche Stelle unter meinem Ohr. »Ich weiß, dass es dir gut geht, aber du wirst schwitzen«, flüsterte er, und seine Stimme wurde tiefer, während er begann, langsam die Blusenknöpfe zu öffnen.

Ich bekam eine Gänsehaut, als das kühle Metall seines Lippenrings meine Haut streifte, und ich war drauf und dran ihm zu sagen, dass ich alles tun würde, worum er mich bat. Er war so gemein, denn er wusste ganz genau, was sein Piercing mit mir anstellte.

»Mach die Augen auf, Rachel.«

Ich tat es und stellte fest, dass mich seine stahlgrauen Augen direkt ansahen. Selbst im Spiegel konnte ich die Hitze in ihnen fühlen und sein Verlangen spüren. Seine Hände glitten über meine Brust, meine Taille, meinen Bauch. Sie übten nur sehr leichten Druck aus, trotzdem richtete es Irrsinniges mit meinem Bauch an, und mein Atem wurde schneller. Ich beobachtete, wie er mir langsam die Bluse auszog. Seine Bewegungen waren so kalkuliert und beherrscht, dass es sich wie ein Vorspiel anfühlte.

Nachdem er die Bluse aufs Bett geworfen hatte, berührte er sacht meine Brüste und wieder die Taille, bis er beim Saum des T-Shirts angelangt war. Eine Hand tauchte darunter, und ein gehauchtes Wimmern drang aus meiner Kehle, als seine warme Hand meine nackte Haut streichelte. Er lächelte und knabberte zärtlich an meinem Hals. Ich wollte die Augen schließen und die Berührung genießen, aber alles in mir schrie danach, diesem erotischsten Entkleiden zuzusehen, das ich je erlebt hatte.

Wieder waren seine Bewegungen langsam und kontrolliert, als er das Shirt höher zog, nur dass er seine Fingerspitzen nun bewusster über meine Haut streifen ließ. Bis er mir das Shirt über den Kopf gezogen und auf den Boden fallen gelassen hatte, stand ich völlig in Flammen und keuchte fast vor Verlangen.

»Rachel.« Seine Stimme wehte wie ein Streicheln über meine nackte Schulter, und ich sank gegen ihn.

»Hmm?«

Plötzlich war er weg, und ich stolperte rückwärts, bevor ich mich abfangen konnte. Als ich mich umdrehte, flog mir meine Bluse ins Gesicht.

»Was zum …«

»Zieh dich an. Wir müssen los.«

»Echt jetzt, Kash? Du kannst so was nicht mit mir machen und dann aufhören!«

»Hast du vergessen, wie sich Frust anfühlt?«, fragte er heiser. Ich wollte ihn schlagen.

»Ich hasse dich.«

Seine Lippen bogen sich zu diesem spöttischen Grinsen, das ich so liebte, und er zwinkerte. »Ich liebe dich auch, Sour Patch.«

Mistkerl.

2

Kash

»Rach, ich bin müde. Können wir schlafen gehen?«

»Hmm?«

Ich sah hinüber zum Fernseher, auf den sie so gebannt starrte, und lächelte. Sie war solch ein verdammter Sturkopf. »Babe.«

»Ja?«

»Ins Bett. Jetzt.«

Ihr Lachen füllte das Wohnzimmer, und ihre blauen Augen blitzten, als sie zu mir sah. »Es ist gleich zu Ende. Warte noch kurz.«

Oh nein. Ich hatte andere Pläne, und die würde ich nicht aufgeben. Also ging ich hinüber zur Couch, auf der sie lag, nahm ihr die Fernbedienung aus der Hand und schaltete den Fernseher aus. Als Rachel sich aufsetzte, um sich die Fernbedienung zurückzuholen, zog ich sie an mich und hob sie über meine Schulter.

»Lass mich runter! Ich wollte das noch zu Ende sehen!«

»Du nimmst es doch sowieso auf, also hat es Zeit bis morgen.«

»Aber das ist Duck Dynasty«, jaulte sie, und ich konnte mir gut vorstellen, wie sie die Stirn runzelte, als ich sie durch den Flur trug.

»Und es kann warten.«

Sie schlug mir auf den Hintern, so fest sie konnte, und ich zahlte es ihr direkt heim. »Idiot! Ich zwinge dich auch nicht, deine Serien zu unterbrechen.«

»Weil meine Serien gut sind.«

»Duck Dynasty ist fantastisch!«

»Du wirst es überleben, Rach.« Ich umfing ihre Taille und beugte mich vor, um sie von meiner Schulter aufs Bett zu kippen. Sie setzte sich sofort auf. Ich kletterte über sie und drückte sie wieder nach unten.

»Du bist so ein …« Sie brach ab und stöhnte, als ich ihr sanft in den Hals biss und ihre Hände über ihrem Kopf auf das Bett drückte.

Ich küsste mich ihren Hals hinauf bis zu ihrem Mund und grinste, als sie sich mir entgegenbog, kaum dass ich mich ein wenig aufrichtete. »So ein was?«

»Hab ich vergessen«, sagte sie an meinem Mund und presste ihre Lippen auf meine.

»Dachte ich mir schon, Sour Patch.«

Sie knurrte, lächelte aber noch, als ich ihre Handgelenke mit einer Hand umfing und die andere unter das Kissen schob, bis ich ertastete, wonach ich suchte. Rachels Lippen bewegten sich zu meinem Kinn, und sie schlang ihre langen Beine um mich.

Der heutige Abend verlief bereits völlig anders, als ich erwartet hatte, und als sie dies hier tat, wollte ich meine Pläne aufschieben. Andererseits konnte ich auch nicht länger warten. Rachel war seit einem Monat hier, und obwohl das nicht besonders lange war, wusste ich, dass sie hierfür mehr als bereit war.

»Rachel.«

»Ja?«, fragte sie hauchend und wiegte ihre Hüften.

Mist, das ist jetzt wirklich nicht hilfreich! Ich hielt ihre Hände fest und setzte mich ein Stück zurück, sodass sie ihre Beine wieder von mir lösen musste, auch wenn ich über ihr blieb.

»Was …«

»Ich weiß, dass ich es schon mal versaut habe«, fiel ich ihr ins Wort. »Ich werde nie bereuen, dich vor einiger Zeit gefragt zu haben, ob du mich heiraten willst, doch mir ist klar, dass ich dir vorher alles über mich hätte erzählen müssen.«

Ihre blauen Augen verengten sich zunächst, bevor Rachel sie weit aufriss, als sie begriff, was ich sagte.

»Ich kann dir nicht beschreiben, welchen physischen Schmerz ich täglich durchgemacht habe, als ich glaubte, dass ich alles versaut und dich für immer verloren hatte. Ich werde dich oder deine Vergebung nie als selbstverständlich nehmen, und ich schwöre, dass ich dir nie wieder eine unverzeihliche Lüge auftische.«

»Kash«, flüsterte sie, und ich beobachtete, wie sie mich ansah.

»Ich möchte für dich sorgen, dich beschützen, dich lieben und für den Rest meines Lebens mit dir streiten.«

Sie lachte leise, und ihr Mund öffnete sich leicht, als ihre linke Hand den Ring umfing, den ich ihr eben hineingelegt hatte.

»Rachel, würdest du mich bitte heiraten?«

»Ja!« Sie kam mir mit ihrem Mund entgegen, und ich zog sie nach oben, während ich ihre linke Faust zwischen uns zog. Als ich ihre Hand öffnen wollte, brach sie den Kuss ab und schnappte nach Luft, sowie sie den neuen Ring sah.

»Den darfst du nie wieder abnehmen.«

»Werde ich nicht«, versprach sie. Ich steckte ihr den Ring an, und ehe ich ihr sagen konnte, dass ich sie liebte, schlang sie die Arme um meinen Hals und küsste mich, bis wir beide auf das Bett sanken.

Ihre Hände zogen mir hastig das T-Shirt über den Kopf und glitten dann meinen Oberkörper hinunter, bis sie beim Bund meiner Workout-Shorts ankamen. Rachel trug eines von meinen Shirts, und ich half ihr, es auszuziehen. Ich warf es hinter mich und streifte ihr die Shorts ab. Nun betrachtete ich ihren fast nackten Körper, als ich wieder auf sie stieg und mich vorbeugte, um einen Nippel in den Mund zu nehmen. Sie stöhnte und bog mir die Hüften entgegen, während ihre Hände in mein Haar tauchten.

Ich lehnte mich auf einen Unterarm, ließ meine freie Hand über ihren Bauch nach unten wandern und zog ihr die Unterwäsche aus. Meine Finger glitten ihre langen Beine wieder hinauf, und an ihren Knien benutzte ich die eine Hand, um ihre Schenkel zu spreizen und weiter nach oben zu streichen. Sie rang nach Luft, und ich lächelte an ihrer Brust, während ich ihre Öffnung neckte. Es war verdammt schön, wie bereit sie für mich war. Sie drückte meinen Kopf noch fester an ihre Brust. Ich wollte mich der anderen Brust widmen, doch ehe ich dort ankam, hatte Rachel sich und mich herumgedreht, sodass ich auf dem Rücken lag und sie rittlings auf mir hockte. Sie küsste mich und führte mich zu sich. Ich stöhnte an ihren Lippen, als sie auf mich sank und begann, ihre Hüften zu wiegen.

Ihr Mund bewegte sich zu meinem Ohr und strich sanft darüber, während sie sagte: »Kein Ärgern und keinen Frust. Heute Nacht will ich dich einfach.«

Sie hatte mich. Immer.

Rachel

Meine Kehle begann zu brennen, und ich blinzelte heftig, um die Tränen zu stoppen, die mir in die Augen stiegen, als ich mich im Spiegel ansah. Das war es. Irgendwie wusste ich es ganz genau, und dennoch fühlte sich etwas an alldem hier unglaublich falsch an. Ich drehte mich lächelnd zu Kashs Mom, Marcy, und Masons Schwester und Mutter, Maddie und Mrs. Gates um, und sah ihnen an, dass sie mir zustimmten. Ich war unglaublich dankbar, dass sie heute mitgekommen waren, trotzdem konnte ich nicht umhin mir zu wünschen, dass jemand anderes dort im Sessel säße, während ich mit der Hand über den weißen Tüllstoff strich.

Meine Mom hätte dabei sein sollen. Sie sollte hier bei mir sein.

In den drei Wochen seit Kash mir noch einmal den Antrag gemacht hatte, waren Marcy und ich ganz im Hochzeitsplanungsmodus und würden nicht eher Ruhe geben, bis wir alles bis ins kleinste Detail arrangiert hatten. Dazu gehörte auch, dass wir den ganzen Vormittag auf Kleidereinkauf waren. Ich wollte das Aussuchen des Brautkleids aufschieben, um zuerst die für die Brautjungfern und die Mutter des Bräutigams auszuwählen, aber dann bugsierten mich die drei gemeinsam mit einer Verkäuferin in einen Raum, wo diese mir ziemlich auf die Pelle rückte, während sie mir in ein Kleid nach dem anderen half.

Nach fünf Fehlversuchen fand ich dieses Kleid. Das eine Kleid, das ich mir eigentlich nicht mal hatte ansehen wollen – doch die Verkäuferin flehte mich an, es »nur mal anzuprobieren«. Ich hätte ahnen müssen, dass irgendein böser Geist es schaffen würde, mich zum Heulen zu bringen.

Das trägerlose Kleid fiel fließend bis zum Boden und verlieh mir etwas Ätherisches. Fast sah ich aus, als gehörte ich eigentlich ins antike Griechenland. Das Beste aber war das gewickelte Miederteil, das in eine Empire-Taille überging. Ich blickte wie benommen in den Spiegel und glitt mit den Fingern über die Raffungen. Es war perfekt. Kash würde es lieben – und wäre meine Mom hier, sie auch. Einige verräterische Tränen liefen mir über die Wangen, und ich wischte sie eilig weg, als alle Frauen voller Bewunderung und Mitgefühl reagierten.

»Du siehst atemberaubend aus, Rachel«, sagte Marcy erstickt und begann, in ihrer Handtasche zu wühlen.

»Ich wollte dich gerade fragen, wie du dich darin fühlst, aber das steht dir ja ins Gesicht geschrieben. Du leuchtest richtig«, sagte Mrs. Gates und tätschelte Marcys Schulter, als die sich die Wangen mit einem Papiertaschentuch abtupfte.

Maddie stand auf, kam zu mir und drehte mich wieder zum Spiegel. »Wie wäre es hiermit?«, fragte sie eher sich selbst als mich und löste die Spange aus ihrem Haar, bevor sie meines nach oben raffte.

Ich beobachtete stumm, wie sie einen losen, aber recht gestylt wirkenden Knoten wand und ihn tief seitlich mit der nunmehr versteckten Spange fixierte. Dann trat sie einen Schritt zurück. Ich schnappte nach Luft, und Maddie lächelte.

»Perfekt.«

Ich brachte keinen Ton heraus, stimmte ihr aber voll und ganz zu. Ich hielt beide Hände an meine Wangen, wo die Tränen hinunterliefen, und starrte mein verwandeltes Spiegelbild an.

»Was meinen Sie? Ist es das richtige Kleid?«, fragte die Verkäuferin, und ich lächelte ihr zu.

»Ja«, krächzte ich, räusperte mich kopfschüttelnd und fing mich wieder. »Ja, ist es. Es ist ein Traum.«

Sie klatschte erfreut in die Hände, was mich sehr an Candice erinnerte, und ich bat Maddie, ein Foto mit meinem Handy zu machen, damit ich es an Candice und ihre Mom, Janet, schicken konnte. Nach den gleich darauf folgenden Anrufen einer quiekenden Candice und einer schluchzenden Janet kehrte ich widerwillig in die Umkleide zurück, um mir wieder meine Sachen anzuziehen.

Nachdem die Kleider gekauft waren und wir ein Brautjungfernkleid bestellt hatten, das Candice in Texas anprobieren könnte, gingen wir zum Mittagessen und planten weiter. Wir hatten schon Räumlichkeiten, einen Fotografen und Essen für den 28. Juni; und nun, da ich das Kleid hatte, kam es mir vor, als würde sich alles andere wie von selbst ergeben. Zum ersten Mal in den letzten drei Wochen war mir nicht nach Planen. Ich wünschte, meine Mom wäre hier, und nichts konnte den Schmerz darüber auslöschen, dass sie nicht bei mir sein konnte.

»Oh, Maddie! Du hättest mich nie mit hernehmen dürfen«, flüsterte ich, als ich mir einige Tage später all die winselnden und bellenden Hunde in den Zwingern des Tierheims ansah.

»Warum nicht?« Besorgt drehte sie sich zu mir um. »Hast du Angst vor Hunden?«

»Nein, jetzt will ich unbedingt einen mit nach Hause nehmen!«

»Ha! Sie sind süß, und sie anzugucken bricht einem fast das Herz, oder?«

Mein Blick fiel auf einen Pitbull, der nur Fell und Knochen war und aussah, als würde er gleich weinen. »Das ist die Untertreibung des Jahres. Wie kannst du hier arbeiten und die nicht alle mit nach Hause nehmen wollen? Ich flenne schon, wenn Sarah McLachlan im Fernsehen zu singen anfängt, weil ich weiß, dass gleich misshandelte und deprimiert aussehende Tiere kommen.«

Maddie klatschte sich eine Hand vor den Mund, um ihr Lachen zu unterdrücken, während sie mich weiter zwischen den Hunden hindurchführte. »Oh Gott, ja! Da kann man gar nicht schnell genug die Fernbedienung finden und den Sender wechseln!«

Ein Hund, der so hässlich war, dass es schon wieder süß wirkte, warf sich neben mir an die Gitter, und im Geiste hörte ich ihn betteln, ihn mitzunehmen. »Wir müssen gehen, bevor ich die alle adoptiere. Warum hast du mich denn mit hergenommen?«

»Ich muss nach meinen Babys sehen. Als ich vor ungefähr einer Woche hier war, hatte jemand eine Hündin und ihre Welpen vor der Tür ausgesetzt. Er hatte sie an den Türgriff gebunden und den Karton mit den Welpen danebengestellt. Sie dürfen seit zwei Tagen vermittelt werden, und ich halte es nicht aus, sie nicht jeden Tag zu sehen, weil ich weiß, dass sie alle weg sein werden, bis ich am Samstag wieder hier arbeite.«

Dich will ich mitnehmen! Und dich, oh, du siehst so traurig aus. Ich muss aufhören, dich anzusehen. Das ist so eine schlechte Idee. Ich muss hier raus … Oh, dich will ich auch mitnehmen! »Maddie, ich meine es ernst, wir müssen …«

»Ach, nur noch zwei übrig?«

Mir stand der Mund offen, und ich blieb stehen. »Oh mein Gott.«

»Sind die nicht klasse?«

»Ich bin total verliebt«, flüsterte ich, als Maddie einen Golden-Retriever-Welpen aus dem kleinen Zwinger holte.

»Der hier ist richtig klasse. Der Schürzenjäger des Wurfs, voll auf dem Flirt-Trip. Rüden interessieren ihn nicht, aber er liebt alle Hündinnen.«

Ich nahm ihr den Welpen ab und starb fast vor Entzücken, als er seine großen Pfoten um meinen Arm schlang, als wollte er mich drücken. »Du weißt ganz genau, wie niedlich du bist, und nutzt es auch aus, was?«, säuselte ich und kuschelte ihn an mich, als er seinen Kopf an meine Brust lehnte. »Ja, ein echter Junge.«

Maddie lachte und hielt den anderen Welpen. »Ich könnte jetzt schon heulen, weil sie bald alle weg sind.«

»Warum nimmst du denn keinen?«

»Klar.« Sie schnaubte. »Um dann tausend Dollar Haustierkaution für mein Apartment zu zahlen? Ähm, nein danke.«

»Tausend Dollar? Im Ernst? In Texas waren das nur zweihundertfünfzig.«

»Das hätte ich auch gern. Und ich müsste monatlich noch eine ›Haustiermiete‹ bezahlen. Ist das nicht bescheuert?«

»Deshalb arbeitest du hier und adoptierst keinen von ihnen. Schon kapiert.« Ich sah hinunter und beobachtete, wie mein kleiner Flirt auf meinem Daumen kaute. In dem Moment, in dem er mitbekam, dass ich ihn ansah, versuchte er, mir aus den Armen und ganz auf die Brust zu springen. Er hat Welpenatem! »Kash wird stinksauer sein«, murmelte ich an seiner Nase. »Maddie, ich bin verliebt.«

»Ich weiß. Die sind so verflucht niedlich.«

»Wie viel kostet es, wenn ich ihn mitnehme?«

Sie schnappte nach Luft und vollführte einen komischen kleinen Tanz mit dem Welpen auf dem Arm. »Warte! Kash wird irre!«

»Das habe ich Trip auch eben gesagt.«

»Wem?«

Ich zeigte auf den Welpen. »Du hast gesagt, dass er auf dem Flirt-Trip ist, und ich finde, Trip als Name klingt süß. Also, wie viel?«

»Oh, ist das toll! Es kostet nur fünfunddreißig Dollar. Aber ich denke ehrlich, dass du vielleicht noch warten solltest. Willst du nicht erst mal mit Kash reden?«

»Ich habe doch gesagt, dass ich verliebt bin! Ich will ihn jetzt.« Dann sah ich den Welpen an und flüsterte laut: »Wir erzählen Daddy einfach nichts, bis er nach Hause kommt.«

Maddie lachte und setzte den zweiten Welpen in den Zwinger zurück. »Oh Mann, er wird so wütend sein!«

»Egal. Ich liebe diesen Welpen.«

»Meinetwegen. Aber sag hinterher nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.«

»Schon klar. Ich gebe dir allein die Schuld.« Trip schleckte mich ab, und ich wusste, der Ärger, der mir bevorstand, war es allemal wert.

Kash

Was mich in der Küche erwartete, war äußerst verräterisch. Rachel wollte etwas. Sie machte nur freiwillig Pancakes, wenn sie etwas wollte oder sich für irgendwas bei mir bedankte. Und da ich die letzten dreizehn Stunden gearbeitet hatte, konnte es Letzteres nicht sein.

»Hi, Babe! Wie war die Arbeit? Ich habe dich so vermisst und bin froh, dass du zu Hause bist. Hast du Hunger? Du warst heute so lange unterwegs. Musstest du Überstunden machen? Wie spät ist es? Willst du dich schon mal gemütlich hinsetzen, während ich das hier fertig mache?«

Was zum Geier? Ich riss die Augen weit auf, als sie ihre Arme um meinen Hals schlang. Sie plapperte, was bedeutete, dass ich falschlag. Sie wollte nichts, sondern sie hatte irgendwas angestellt. »Was hast du getan?«

»Was meinst du?«

»Du bist wahnsinnig schlecht, wenn du versuchst so zu tun, als sei nichts. Und du machst Pancakes, ohne dass ich dich darum gebeten habe.« Sie lächelte mich weiter strahlend an, und ich beschloss, hartnäckiger zu werden. »Du bist außerdem sauschlecht darin, mir Sachen zu verheimlichen, weißt du das?«

»Also, wie viele willst du?«

»Keinen. Nein, warte, das ist gelogen. Ich will vier. Aber wer zum Henker ist die Barbie in meiner Küche und was hat sie mit meiner Rachel gemacht? Meine Rachel hätte mir jetzt eben gesagt, ich soll mir gefälligst selber Pancakes machen.«

»Ich wollte doch nur …«

Irgendwo hinten im Haus polterte etwas, und Rachel erstarrte, wirkte jedoch nicht verängstigt. Ich zog meine Waffe und entwand mich Rachels Armen.

»Nein, Kash! Bitte, pack die Waffe weg. Ich will nicht, dass du ihm Angst machst!«

»Ihm? Wer ist in meinem Haus, Rachel?!« Ohne auf ihre Antwort zu warten, ging ich den Flur hinunter und direkt zur geschlossenen Schlafzimmertür. Das konnte nicht sein. Sie würde mich nie betrügen. Ich wusste, dass sie das nicht würde. Noch ein lautes Poltern erklang, und ich schwor mir, dass ich den Mistkerl umbringen würde. Erst schießen, dann Fragen stellen.

»Kash, warte!«

Ich warf die Tür auf und sah zu dem gemachten Bett und der Lampe, die eben zu Boden gefallen war. Bevor ich etwas sagen konnte, hörte ich ein Winseln aus der Zimmerecke und marschierte direkt darauf zu.

In der Ecke neben dem zweiten Nachttisch kauerte ein Welpe und sah mich an, als wüsste er genau, was er eben getan hatte. Rachel redete schnell, und mir war klar, dass sie zu erklären versuchte, warum der Hund hier war, aber ich hatte alle Mühe, nicht zu lachen. Ich steckte die Waffe weg und bückte mich, um den zitternden Welpen hochzuheben.

»… bitte, zwing mich nicht, ihn zurückzubringen!«

Ich drehte mich zu meiner wunderschönen Verlobten um. Zu gerne hätte ich mit ihr gespielt, doch wenn sie mich mit diesem Welpenblick ansah, der es ohne Weiteres mit dem des kleinen Scheißers in meinen Armen aufnehmen konnte, wollte ich ihr schlicht alles auf der Welt geben, was sie sich wünschte.

»Hast du den aus dem Tierheim, in dem Maddie arbeitet?«

»Kann sein.«

Ich nickte und kraulte den Welpen hinter den Ohren. »Und ich nehme an, Maddie war mit dir da?« Auf Rachels Nicken hin fuhr ich fort: »Hat sie irgendwas dazu gesagt? Wie zum Beispiel … lass es?«

»Aber ich bin total in ihn verliebt! Ich wollte ihn so unbedingt, entschuldige. Bitte, sei nicht sauer auf mich. Ich wusste, dass du Nein sagen würdest, und ich hielt den Gedanken nicht aus, dass ihn jemand anders holt.«

Hüstelnd überspielte ich mein Lachen und sah ihre flehende Miene an, wobei ich fest an meinem Lippenring sog, damit ich nicht grinste. »Maddie hat dir wahrscheinlich erzählt, dass die Welpen ganz schnell vermittelt sein würden und sie sie sich ansehen musste, weil sie bis Samstag alle weg wären?«

»Warte mal, was? Woher weißt du das?«

»Weil, meine geliebte Frau, die ich manchmal erwürgen möchte, Maddie dich mit ins Tierheim genommen hat, um zu sehen, welcher der zwei Welpen dir am besten gefällt. Sie waren offiziell bereits vermittelt und nur noch da, weil ich einen für dich haben wollte.«

»Wolltest du?«

»Ja, aber offensichtlich bist du mal wieder schneller gewesen. Also, ähm, Überraschung …?«

Sie quiekte, stürzte sich auf mich und nahm mir den Welpen ab. »Oh, danke, danke, danke! Ich liebe ihn. Du bist der Beste!«

Ich verdrehte die Augen und sank auf das Bett. »Wie wollen wir ihn nennen?«

»Trip.« Ihrem Tonfall nach war da kein Raum mehr für Diskussionen, also lächelte ich nur.

»Na gut, also Trip. Machst du mir jetzt Pancakes?«

»Mach sie dir selbst. Ich habe den ganzen Tag gezittert, wie du reagierst, und jetzt will ich mit ihm spielen.«

Ja, das war doch viel eher meine Rachel.

3

Rachel

»Immer noch alles okay?«, fragte Kash und küsste mich sanft auf den Hals.

»Ja, deine Familie ist witzig. Ich habe das Gefühl, dass ich gar nichts sagen muss, weil sie die ganze Unterhaltung liefern.«