Lukrative Rohstoffmärkte - Dr. Torsten Dennin - E-Book

Lukrative Rohstoffmärkte E-Book

Dr. Torsten Dennin

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Beschreibung

Was hatte die Hurrikansaison 2005 mit den Preisen für Rohöl, Zink oder Orangensaft zu tun? Wie wirkt sich die Jahrtausend-Dürre in Australien auf die Rohstoffmärkte aus? Was macht Warren Buffett anders als George Soros und Bill Gates? Und was hat dies mit der Silber-Spekulation der Hunt-Brüder zu tun? Wie hängen die Ereignisse um Mother Rock, Amaranth und Brian Hunter zusammen? Wer trägt die Beinamen »Prince of the Pit« und »God of the Markets«? Und was passierte beim großen Diamanten-Crash? In seinem Buch beleuchtet Dr. Torsten Dennin einen der spannendsten und ältesten Märkte der Welt. Vom niederländischen Tulpenwahn im 17. Jahrhundert bis zum Untergang von Amaranth beschreibt der Autor spannend und einleuchtend die Schicksale, die sich rund um Spekulationsblasen und verheerende Naturkatastrophen ereignet haben. Sowohl dem Finanzmarktprofi als auch dem interessierten Laien bietet Dennin in diesem Buch einen Backstage-Pass für eine Bühne, auf der die Darsteller Tag für Tag um alles oder nichts spielen.

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Seitenzahl: 251

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Torsten Dennin

LUKRATIVE ROHSTOFFMÄRKTE

Torsten Dennin

LUKRATIVEROHSTOFFMÄRKTE

Ein Blick hinter die Kulissen

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

[email protected]

2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011

© 2010 FinanzBuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Matthias Michel

Umschlag: istockphoto

Satz: HJR, Jürgen Echter, Landsberg am Lech

Korrektorat: Sigrid Graf

Druck: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm

eBook: ePubMATIC.com

ISBN 978-3-89879-599-9ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-512-5

Weitere Infos zum Thema

www.finanzbuchverlag.de

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»The Wheel of Time turns and Ages come and go, leaving memories that become legend. Legend fades to myth, and even myth is long forgotten when the Age that gave it birth returns again.«

Robert Jordan (1948–2007), The Wheel Of Time

»Wall Street people learn nothing and forget everything […] to give way to hope, fear and greed.«

Benjamin Graham (1894–1976)

»Das Buch ist ein leichter, interessanter, ja erfrischend unterhaltsamer Zugang in die Welt der Rohstoffe. Torsten Dennin erzählt nicht nur Wissenswertes über Gold, Öl, Weizen & Co., er stellt darüber hinaus viele handelnde Personen vor und schafft etwas sehr Wichtiges: den Märkten Gesichter zu geben.«

Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Torsten Dennin schafft es, Boom&Bust-Zyklen einzelner Rohstoffmärkte wie Rohöl, Kupfer oder Gold mit dem Schicksal der handelnden Personen zu verbinden. Informativ und unterhaltsam geschrieben.«

Handelsblatt

»Charakteristika und Mechanismen der Rohwarenmärkte sind schwierig zu verstehen. Der Ökonom und Finanzexperte Torsten Dennin erläutert auch für Laien verständlich die teilweise dramatischen Folgen von temporären Ungleichgewichten bei Angebot und Nachfrage auf den Rohstoffmärkten. «

Neue Züricher Zeitung

»Torsten Dennin nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise durch die Welt der Rohstoffspekulation. Nach der Lektüre der kurzweiligen Episoden hat man ein Gespür dafür, wie die Rohstoffmärkte ticken.«

Wirtschaftswoche

»Tulpenzwiebeln und Glücksritter … Torsten Dennin beweist sich als gekonnter Chronist milliardenschwerer Skandale des Rohstoffhandels.«

DAS INVESTMENT

»Kaum etwas ist derzeit spannender als die Rohstoffmärkte. Ein starkes Wachstum der Weltbevölkerung und steigender Wohlstand werden sie immer weiter in den Fokus rücken. Und Torsten Dennin dröselt die ganze Vielfalt des Themas in seinem Buch wunderbar verständlich auf.«

Sissi Hajtmanek, ARD-Börsenkorrespondentin

»Hervorragend recherchiert und zusammengetragen – hier zeigen die Rohstoffmärkte ihre wilde Seite!«

Frank Meyer, n-tv

»Erfolg am Rohstoffmarkt bedingt das Wissen über dessen Geschichte!«

Rohstoff-Spiegel

»Spannend wie ein Krimi.«

Arbeitsgemeinschaft Edelmetalle

»Dr. Torsten Dennin beleuchtet in seinem Buch einen der spannendsten und ältesten Märkte der Welt.«

Frankfurt Main Finance

»Es überrascht, wenn man liest, was mit Rohstoffen alles möglich ist und wie eng Reichtum, Ruhm und der totale Absturz zusammenliegen können.«

Börse-Express

»Rohstoffe sind als wichtiger Bestandteil der globalen Kapitalmärkte nicht mehr wegzudenken. Jedoch mangelt es vielen Investoren an Verständnis für die fundamentalen Treiber von Gold, Öl & Co. Dr. Dennin setzt genau hier an und bietet auf anschauliche Weise neue Einblicke für Interessierte und Profis zugleich.«

Alexander Dinev, Barclays Capital

»Spannend wie ein Krimi, doch fundiert wie ein Sachbuch führt uns Dr. Dennin durch die Boom-Bust-Zyklen der Rohstoffmärkte. Ein Muss für jeden, der die Grundlagen der globalen Wertschöpfungskette und die Konsequenzen auf unser tägliches Leben besser verstehen will.«

Christoph Schmuck, Morgan Stanley

»Angefangen bei der Tulpenkrise in Holland des 17. Jahrhunderts bis zum Börsengang von Glencore in 2011 – Die Hintergründe zu vielen Spekulationen an den Rohstoffmärkten auf unterhaltsame Weise auf den Punkt gebracht!«

Joachim Paech, Silvia Quandt & Cie.

»Die Rohstoffmärkte drehen sich um die Frage WER macht WAS und sind Orte von Problemlösungen aller agressiven, innovativen und dynamischen Handelsstrategien. «

Markus Geisbüsch, Macquarie Capital Europe

»Rohstoffmärkte in ihrer Komplexität unterhaltsam darzustellen, ist eine Aufgabe. In diesem Buch wird dies durch kurzweilige Beispiele hervorragend gelöst.«

Marco Peters, Société Génerale

»Die Hintergründe der wichtigsten, historischen Extremsituationen an den Rohstoffmärkten, die unsere Welt prägten – spannend formuliert und auf den Punkt gebracht.«

Kai Martin, Commerzbank

»Erfolg und Misserfolg liegen an den Rohstoffmärkten eng beieinander. Dr. Dennin gelingt es die wirtschaftlichen Zusammenhänge mit den handelnden Personen zusammenzubringen. Eine spannende Lektüre für jeden Rohstoff-Interessierten!«

Christian Angermayer, Angermayer, Brumm & Lange Group

»Dieses unterhaltsam und dennoch anspruchsvoll geschriebene Buch ist sowohl für Rohstoffinteressierte, Privatanleger und Vermögensverwalter eine echte Bereicherung.«

Christoph Eibl, Tiberius Asset Management

INHALT

Vorwort

Einführung

Kapitel 1 – Flowerpower (Tulpen, 1637)

Kapitel 2 – Der Dojima Reismarkt und der »Gott der Märkte« (Reis, 1750)

Kapitel 3 – Der Kaiser von Kalifornien (Gold, 1849)

Kapitel 4 – Old Hutchs fette Beute (Weizen, 1866)

Kapitel 5 – Rockefeller und die Standard Oil Company (Rohöl, 1870)

Kapitel 6 – Der Große Brand von Chicago (Weizen, 1872)

Kapitel 7 – Midas Touch (Rohöl, 1956)

Kapitel 8 – Versteckspiel in New Jersey (Sojabohnen, 1963)

Kapitel 9 – Der russische Bär hat Hunger (Weizen, 1972)

Kapitel 10 – Die Ölkrisen der siebziger Jahre (Rohöl, 1973 und 1979)

Kapitel 11 – Der Crash der härtesten Währung der Welt (Diamanten, 1979)

Kapitel 12 – Der »Silver Thursday« und der Ruin der Gebrüder Hunt (Silber, 1980)

Kapitel 13 – Der Zweite Golfkrieg (Rohöl, 1990)

Kapitel 14 – Der Fall der Metallgesellschaft (Rohöl, 1993)

Kapitel 15 – Die drei Weisen (Silber, 1994)

Kapitel 16 – Mr. Five Percent bewegt die Märkte (Kupfer, 1996)

Kapitel 17 – Welcome to the Jungle (Gold, 1997)

Kapitel 18 – Teurer als Gold (Palladium, 2001)

Kapitel 19 – Le marché, c’est moi (Propan, 2004)

Kapitel 20 – Liu Qibing ist spurlos verschwunden (Kupfer, 2005)

Kapitel 21 – Treibgut und Beute (Zink, 2005)

Kapitel 22 – Der Untergang von Amaranth (Erdgas, 2006)

Kapitel 23 – Collateral Damage (Orangensaft, 2006)

Kapitel 24 – Die »Jahrtausenddürre« in Australien (Weizen, 2007)

Kapitel 25 – Rückspiel in Kanada (Erdgas, 2007)

Kapitel 26 – In Südafrika geht das Licht aus (Platin, 2008)

Kapitel 27 – Das Reis-Orakel (Reis, 2008)

Kapitel 28 – Working in Memphis (Weizen, 2008)

Kapitel 29 – Contango in Texas (Rohöl, 2009)

Kapitel 30 – Warten auf den Monsun (Zucker, 2010)

Kapitel 31 – Das Ende des Goldstandards (Gold, 1973)

Kapitel 32 – Der Seewolf (Fisch, 2006)

Kapitel 33 – Feel the Steel* (Stahl, 2006)

Kapitel 34 – Die Rückkehr der »Sieben Schwestern« (Rohöl, 2007)

Kapitel 35 – Charlie und die Schokoladenfabrik (Kakao, 2010)

Kapitel 36 – King of the Congo (Kupfer, 2010)

Kapitel 37 – The Spill (Rohöl, 2010)

Kapitel 38 – Weißes Gold im Höhenrausch (Baumwolle, 2011)

Kapitel 39 – Neodym, Dysprosium und Lanthan? (Seltene Erden, 2011)

Kapitel 40 – Glencore! (2011)

Schlusswort

Über den Autor

Anmerkungen

VORWORT

Der Handel mit Rohstoffen an den Warenterminmärkten ist einer der ältesten überhaupt. Waren Rohstoffe bis vor zehn Jahren bei Anlegern noch weitestgehend unbekannt, erfreuen sie sich heutzutage bei Investoren immer größerer Beliebtheit. Nicht nur institutionelle Investoren wagen sich heute an die Rohstoffmärkte, auch mehr und mehr private Anleger werden von der Anlageklasse Rohstoffe angelockt. Der Rohstoffmarkt boomt, doch auch hier gab es über die Jahrhunderte hinweg einige spektakuläre Hochs und Tiefs.

Doch wie viel weiß der Einzelne über die historischen Ereignisse an den Rohstoffmärkten? Die großen Begebenheiten wie Crashs und Booms an den Aktienmärkten sind den meisten hinreichend bekannt. Die Geschichten über die vielen Entwicklungen und Einzelschicksale am Rohstoffmarkt dürften jedoch einigen unbekannt geblieben sein. Bücher über Rohstoffe und Rohstoffinvestments gibt es viele, geschrieben vor allem in den letzten Jahren, seit dem großen Rohstoffboom. Im Mittelpunkt der meisten von ihnen stehen allgemein die Rohstoffmärkte und die verschiedenen Anlageinstrumente im Rohstoffbereich.

Im Gegensatz hierzu konzentriert sich Torsten Dennin auf die historischen Geschehnisse an den Rohstoffmärkten, zeichnet ihren Ablauf nach und analysiert ihre Hintergründe.

Mit seinem Buch leistet Torsten Dennin einen großartigen Beitrag dazu, dem Leser über die Entwicklungen und Ereignisse an den Rohstoffmärkten zu berichten. Es beleuchtet die interessanten Hintergründe und Fakten von Ereignissen, welche bis in das 17. Jahrhundert zurückgehen. Was hatte es mit dem Tulpenwahn in den Niederlanden auf sich? Durch was entstanden die Öl-Booms und -Krisen? Welche Rolle spielte Japan bereits im 18. Jahrhundert an den Rohstoffmärkten? Woran lag der massive Wertverlust der härtesten Währung der Welt? Woher stammt der Name »Silver Thursday«?

Auf spannende und unterhaltende Weise erzählt Torsten Dennin die Geschichten der bedeutenden und einschneidenden Geschehen der Rohstoffmärkte und ihrer Protagonisten.

Torsten Dennin gehört zu den wenigen Personen in der Rohstoffbranche, welche sich schon vor Beginn des Rohstoffbooms mit diesem Thema intensiv auseinandersetzten. Seit Jahren befasst er sich eingehend mit den einzelnen Rohstoffen und deren doch sehr heterogenen und eigenständigen Märkten.

Ich kenne Torsten Dennin bereits seit mehreren Jahren und schätze ihn und seine Rohstoffexpertise sehr. In den 30 Episoden dieses Buches versteht er es, dem Leser das Thema Rohstoffe und die Spekulation damit auf unterhaltsame, aber immer anspruchsvolle Weise näherzubringen – eine echte Bereicherung für Rohstoffinteressierte, Privatanleger und Vermögensverwalter.

Christoph Eibl

Tiberius Asset Management AG

EINFÜHRUNG

»The price of a commodity will never go to zero […]you’re not buying a piece of paper that saysyou own an intangible piece of company that can go bankrupt.«

Jim Rogers

Rohstoffe sind seit Beginn des neuen Jahrtausends en vogue. Denn die Geldanlage in Rohöl, Gold, Silber, Kupfer, Weizen, Zucker und Co. wurde von Banken als »Investment-Thema« und als »neue« Assetklasse eingeführt und vermarktet. Wurden die ersten investierbaren Rohstoffindizes Anfang und Mitte der 1990er Jahre entwickelt (S&P Goldman Sachs Commodity Index und Dow Jones UBS Commodity Index), bietet nach der Jahrtausendwende jedes größere Geldhaus einen eigenen Rohstoffindex an. Diese Indizes in Kombination mit innovativen Verbriefungsmethoden eröffnen institutionellen und vermögenden Privatkunden eine neue, attraktive »Assetklasse« und machen die Rohstoffmärkte in der Form vollständig besicherter Rohstofftermingeschäfte investierbar.

Für den Rohstoffboom, der sich seit der Jahrtausendwende abzeichnet, ist überwiegend das rasante Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft verantwortlich. Die »Werkbank der Welt« entwickelt einen gigantischen Rohstoffhunger: Die Importe von Eisenerz, Kohle, Kupfer, Aluminium und Zink schnellen in die Höhe, und schon bald dominiert China die weltweite Nachfrage. Das rasante Wachstum der chinesischen Wirtschaft katapultiert die Rohstoffmärkte in eine noch nie da gewesene Boomphase: Energieträger, Metalle und Agrargüter – China wirkt wie ein gigantischer Staubsauger, und die Preise steigen und steigen.

Bis der Kollaps der Investment Bank Lehman Brothers und die sich zuspitzende Finanzkrise die Entwicklung bremsen – zumindest vorübergehend. Der Ölpreis stürzt von seinem Hoch bei knapp 150 US-Dollar im Sommer 2008 auf unter 40 US-Dollar im Frühjahr 2009 ab. Im Laufe des Jahres 2009 erholt er sich und steigt wieder auf über 80 US-Dollar. Auch Industriemetalle profitieren von der einsetzenden konjunkturellen Erholung. Im Nachspiel der Finanzkrise und der Sorge um eine steigende Staatsverschuldung sowie einer drohenden Geldentwertung interessieren sich Investoren ebenfalls verstärkt für Gold: Der Goldpreis klettert erstmalig auf über 1.200 US-Dollar je Feinunze und durchbricht im Zuge der europäischen Schuldenkrise in 2010 auch erstmalig das Niveau von 1.000 Euro je Feinunze. Mit der Verschärfung der Krise und die Diskussion um die Kreditwürdigkeit der sogenannten PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) in der Eurozone fällt auch die Marke von 1.500 US-Dollar. Aber auch exotische Agrarprodukte wie Zucker, Kaffee und Kakao gehören zu den Gütern, die eine deutliche Verteuerung in 2009 erfahren – das Gespenst der Agrarpreisinflation kehrt zurück. Eine Entwicklung, die besonders für die Entwicklungsländer zunehmend Probleme aufwirft.

Über diese vergleichsweise junge Entwicklung wird zumeist übersehen, dass der organisierte Handel von Rohstoffen an Warenterminbörsen eine bedeutend längere Historie als der Aktienmarkt aufweist. So wurde die Chicago Board of Trade bereits 1848 gegründet, um eine Plattform für den Handel mit Agrargütern wie Weizen und Mais zu bieten. Der Handel und die Spekulation mit Rohstoffen sind jedoch nicht an organisierte Börsen gebunden: Dokumentiert sind beispielsweise Termingeschäfte im antiken Griechenland, bei denen Bauern ihre Olivenernte auf Termin veräußerten, oder der Terminhandel von Weizen im alten Rom. Im Getreidehandel mit Nordafrika sicherten sich römische Händler mit Optionen die Preise für die zukünftige Ernte, um sich gegen unerwartete Preisanstiege abzusichern.

Dieses Buch stellt 40 bedeutende Ereignisse aus fast 400 Jahren vor, die mit zum Teil extremen Preisfluktuationen an den Rohstoffmärkten einhergingen, und beleuchtet ihre Hintergründe. Die ersten sechs Kapitel greifen Episoden aus dem 17. bis 19. Jahrhundert auf. Der holländische Tulpenwahn im 17. Jahrhundert gilt als einer der ersten dokumentierten Börsencrashs in der Geschichte. Im 18. Jahrhundert werden am Dojima Reismarkt Vermögen verdient und verloren und – ganz nebenbei – die Candlestick-Charts erfunden, die noch heute in der Finanzindustrie verwendet werden. Rockefeller und der Aufstieg der Standard Oil Company markieren den Beginn des Ölzeitalters. Annähernd zur gleichen Zeit versuchen im Mittleren Westen der USA zwei Männer durch die Manipulation des Weizenmarktes Reichtümer anzuhäufen, während wenige Jahre zuvor in Kalifornien der Goldrausch ausbrach.

Die Episoden der Rohstoffspekulationen des 20. Jahrhunderts erinnern an das »Who-is-Who« der Wirtschaftsgeschichte: Aristoteles Onassis, Warren Buffett, Bill Gates und George Soros sind nur einige von ihnen. Außerdem spielt Rohöl eine immer gewichtigere Rolle.

Die Kapitel »Midas Touch« und »Versteckspiel in New Jersey« beschreiben den Aufstieg von Aristoteles Onassis und den Ruin von Anthony De Angelis. Die 1970er Jahre erleben einen wahren Boom der Rohstoffmärkte. Die Einkaufstour der Sowjetunion auf den Agrarmärkten in den USA verstärkt den bereits positiven Preistrend von Weizen, Mais und Sojabohnen. Der rasante Anstieg der Preise von Rohöl während der zwei Ölkrisen 1973 und 1979 ändert gar die bestehende Weltordnung. Ein Versuch, die Uhr zurückzudrehen, kann im Golfkrieg von 1990 gesehen werden. Der Ölpreis verdoppelt sich in dieser Zeit und wird der Metallgesellschaft zum Verhängnis – das Unternehmen gerät durch Rohöl-Termingeschäfte an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Dem Boom der Preise von Gold, Silber und Diamanten folgt der Crash – und die Gebrüder Hunt verlieren durch den Kollaps des Silberpreises ihr im Ölgeschäft aufgebautes Vermögen. Nach Nelson und Herbert Hunt finden auch Warren Buffett, Bill Gates und George Soros Gefallen am Silbermarkt. Und im Dschungel von Borneo nimmt derweil der größte Goldschwindel aller Zeiten seinen Anfang, der in der Pleite von Bre-X gipfelt. Auch die Spekulation des japanischen Händlers Hamanaka am Kupfermarkt mündet 1996 in einer riesigen Pleite, die sich knapp zehn Jahre später infolge der Machenschaften des chinesischen Händlers Liu Qibing wiederholt.

Der einsetzende Rohstoffboom des neuen Jahrtausends zieht auch neue Spekulanten an. Händler des Energieriesen British Petroleum manipulieren von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt eine Nische des Rohstoffmarktes: Propan. Die Pleite von Amaranth Advisors, verbunden mit einem in wenigen Wochen angehäuften Verlust von 6 Milliarden US-Dollar durch Spekulationen mit Erdgas, macht dagegen weltweit Schlagzeilen.

Eine besonders aktive atlantische Hurrikansaison sorgt nicht nur für steigende Ölpreise durch Schäden im Golf von Mexiko, sondern treibt auch den Preis für an der New York Mercantile Exchange gehandeltes Orangensaftkonzentrat auf neue Höchststände. Die Überflutung von New Orleans durch den Hurrikan Katrina lässt in London die Notierungen für Zink klettern, denn in New Orleans befindet sich ein Großteil der von der London Metal Exchange lizensierten Lagerhäuser für Zink.

Als eine »Jahrtausenddürre« dem australischen Kontinent zu schaffen macht, steigt der Preis von Weizen weltweit auf neue Rekordniveaus. Wenige Jahre später treibt dagegen eine Dürre in Indien den Preis für Zucker auf Niveaus, die seit 30 Jahren nicht mehr zu beobachten waren. Kurz davor führt in Asien der Zyklon Nargis zu einer menschlichen Katastrophe, Reis wird rationiert, und die steigenden Preise führen in mehreren Ländern zu Unruhen in der Bevölkerung. Steigende Nahrungsmittelpreise erweisen sich später auch als wichtiger Katalysator für die Unruhen in den Ländern des Mittleren Ostens und im Norden Afrikas in 2011, dem »Arabischen Frühling«.

Diese schicksalhaften Ereignisse stehen oft im Kontrast zu den Spekulationen Einzelner, bei denen es meistens um horrende Geldsummen geht. So wie beispielsweise im Fall von Evan Dooley, der sich nur wenige Wochen nach Bekanntwerden des Milliardenverlustes von Jérôme Kerviel mit Weizen-Futures verspekuliert und seinem Arbeitgeber einen Verlust von über 100 Millionen US-Dollar beschert. Oder von Anthony Ward, der im Sommer 2010 eine Milliarde US-Dollar in Kakao investiert. Die verschiedenen Episoden in diesem Buch zeigen stellvertretend, dass jeder einzelne Rohstoff aufgrund einer Veränderung von Angebot, Nachfrage und äußerer Einflussfaktoren einem eigenen Boom-Bust-Zyklus unterliegen kann. Angefangen bei einer von Südafrika dominierten Platinförderung über Frost bei der Kaffee- oder Orangenernte, Unruhen an der Elfenbeinküste, welche den Kakaopreis in die Höhe schießen lassen, bis hin zu Streiks chilenischer Minenarbeiter – die hier geschilderten Entwicklungen stellen unter Beweis, dass es für Investoren an den Rohstoffmärkten alles andere als langweilig zugeht!

Durch die Ereignisse der Jahre 2010 und 2011 inspiriert wurden in der 2. Auflage von »Lukrative Rohstoffmärkte« weitere zehn Episoden dem Buch hinzugefügt. Der aktuelle Stand der internationalen Schuldenkrise bildet den Rahmen, um das Ende des Goldstandards, der Bindung des internationalen Währungsgefüges an den Goldpreis, zu reflektieren. ArcelorMittal, Marine Harvest und Glencore sind Unternehmen, die in ihrem Segment den Rohstoffmarkt dominieren und interessante Geschichten zu erzählen haben. Ebenso wie die neuen und alten dominierenden Unternehmen des Ölgeschäftes – die sogenannten »Seven Sisters«. Goldgräberstimmung ist in den vergangenen Monaten im Segment der »Seltenen Erden« ausgebrochen, und unzählige Unternehmen setzen auf diese Karte – nur wenige werden sich als erfolgreich erweisen.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle für das vielseitige Feedback und die zahlreichen Anmerkungen der Leser, die diese erweiterte 2. Auflage von »Lukrative Rohstoffmärkte« maßgeblich bestimmt haben.

KAPITEL 1 – FLOWERPOWER(TULPEN, 1637)

In den Niederlanden greift im 17. Jahrhundert der Tulpenwahn um sich: Die Blumen avancieren zum Statussymbol der prosperierenden Oberschicht, und der Terminhandel mit Tulpenzwiebeln macht aus Familienvätern ruchlose Zocker, die Haus und Hof riskieren. Tulpenzwiebeln werden mit Gold aufgewogen, bis die Blase 1637 platzt.

»Like the Great Tulip Mania in Holland in the 1600’sand the dot.com mania of early 2000, marketshave repeatedly disconnected from reality.«

Tony Crescenzi, Pimco

Die Niederlande stehen zu Beginn des 17. Jahrhunderts an der Schwelle eines Goldenen Zeitalters, einer rund einhundert Jahre andauernden wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit. Die dort herrschende Religionsfreiheit zieht die unterschiedlichsten, andernorts aufgrund ihres Glaubens verfolgten Menschen an. In dieser Epoche steigt die kleine, gerade gegründete Republik der Sieben Vereinigten Niederlande zur Weltmacht und einer der führenden Handelsnationen auf, während die Entwicklung im übrigen Europa stagniert. Nicht zuletzt profitieren die junge Seemacht und ihre Kaufleute vom Niedergang der Hanse. Es werden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet: Neu-Amsterdam (das heutige New York), Niederländisch-Indien (Indonesien) und Kolonien in Südamerika und der Karibik wie Aruba und die Niederländischen Antillen. 1602 schließen sich niederländische Kaufmannskompanien zur Niederländischen Ostindien-Kompanie (Vereenigde Oostindische Compagnie; VOC) zusammen, die vom niederländischen Staat mit Hoheitsrechten und Handelsmonopolen ausgestattet wird. Die VOC ist der erste multinationale Konzern und eine der größten Handelsunternehmungen des 17. und 18. Jahrhunderts. Kaufleute aus Haarlem und Amsterdam erleben einen nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung.

Tulpen als exotische Blumen und als Schmuck avancieren im niederländischen Wirtschaftsboom des Goldenen Zeitalters zu einem exklusiven Statussymbol der neuen Oberschicht. Die Nachfrage wächst dynamisch, während sich das Angebot nur langsam ausweiten lässt. Die Kombination aus Knappheit und Begehrtheit treibt die Preise. Werden Tulpen und Tulpenzwiebeln anfangs noch direkt gehandelt, beginnt in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts ein spekulativer Tulpen-Optionshandel, der breite Bevölkerungskreise in »Zocker« verwandelt, die ihren gesamten Besitz aufs Spiel setzen. Die Aussicht auf großen Reichtum ohne harte Arbeit greift um sich, und es werden immer höhere Mondpreise bezahlt, Tulpenzwiebeln werden mit Gold aufgewogen. Viele Tulpenzwiebeln werden für mehrere 1.000 Gulden gehandelt. 10.000 Gulden verlangen Händler Anfang 1637 für die Sorte »Semper Augustus« (»Allzeit erhaben«): eine Summe, die dem Wert eines großen Stadthauses oder dem etwa Zwanzigfachen des Jahresgehaltes eines Handwerkers entspricht. Dann platzt die Blase. Der Tulpenwahn gilt als erster dokumentierter Börsencrash der Wirtschaftsgeschichte.

Die neureiche Klasse der Kaufleute eifert dem Fürstenstand durch große Anwesen mit riesigen Gärten nach, es entstehen Herrschaftssitze und Gartenlandschaften. Die Tulpe, die sich von allen anderen Blumen im Gartenbau des 17. Jahrhunderts unterscheidet, avanciert schnell zum Luxusgut und Statussymbol des neuen Geldadels. In der Oberschicht tragen Damen Tulpen zu gesellschaftlichen Anlässen als Schmuck im Haar oder an den Kleidern. Die exotischen Blumen gelangen aus Armenien und der Türkei im 16. Jahrhundert über Konstantinopel, Wien und Frankfurt am Main ins holländische Leiden und wecken im rasanten wirtschaftlichen Aufschwung schnell Begehrlichkeiten. Das Angebot an Tulpenzwiebeln wächst jedoch nur langsam, obwohl das Angebot nicht künstlich knapp gehalten wird: Nur zwei bis drei Zwiebeln entspringen jährlich einer Mutterzwiebel, die selbst nach wenigen Jahren eingeht. Dann dauert es wiederum Jahre, um aus den neuen Zwiebeln Blumen zu ziehen. So wächst das Angebot langsamer als die Nachfrage, die Preise steigen. Die hohe Nachfrage nach Tulpen und Tulpenzwiebeln eröffnet Zwischenhändlern eine lukrative Nische. Tulpen werden nun nicht mehr pfundweise von Gärtnern an die wohlhabende Kundschaft verkauft, sondern auf Auktionen. Statt an organisierten Börsen findet der Handel in Kneipen und Wirtshäusern statt. Später finden sich Gruppen zu sogenannten Kollegien zusammen und veranstalten Auktionen nach festen Regeln. Zunächst werden die Tulpenzwiebeln nur während der Pflanzzeit gehandelt. Da sich die Nachfrage jedoch über das ganze Jahr erstreckt, verkauft man auch solche Zwiebeln, die sich noch in der Erde befinden: Es werden nicht mehr die Blumen selbst gehandelt, sondern die Rechte an Tulpenzwiebeln (Terminhandel). Spätestens zu diesem Zeitpunkt in den 1630er Jahren ist der Tulpenhandel zum reinen Spekulationsgeschäft geworden, denn niemand weiß, wie die Blumen wirklich aussehen werden. Rund 400 Maler werden mit der Anfertigung von Bildern beauftragt, die potenzielle Käufer überzeugen sollen.

Züchter befriedigen die anspruchsvolle Kundschaft mit immer neuen und prächtigeren Kreationen, die sich durch besonders gleichmäßige Blütenblätter und auffällige Farbmuster auszeichnen. Schließlich macht das Auftreten des Mosaikvirus, ein durch Blattläuse übertragener Befall der Pflanze, aus seltenen Exemplaren kostbare Raritäten: Die bis dahin einfarbige Pflanze überrascht im Frühjahr mit zweifarbigen, geflammten Blütenblättern. In der Hochzeit wechseln die Terminkontrakte manchmal bis zu zehnmal am Tag den Besitzer. Die Preise explodieren und steigen von 1634 bis 1637 auf über das Fünfzigfache an: Für Tulpenzwiebeln wird in Einzelfällen bis zu 10.000 Gulden bezahlt, etwa das Zwanzigfache des Jahresgehaltes eines Handwerkers. Im Januar 1637 verdoppeln sich die Preise binnen kurzer Zeit – was dazu führt, dass in Amsterdam ein komplettes Haus für drei Tulpenzwiebeln verkauft wird. Den Höhepunkt erreicht die Spekulationsblase am 5. Februar 1637: In Alkmaar treffen sich Händler aus der gesamten Region, 99 Posten Tulpenzwiebeln erzielen rund 90.000 Gulden, was heute dem Gegenwert einer knappen Million Euro entspricht. Der Exzess trägt bereits den Keim des Untergangs in sich und bereits zwei Tage zuvor hat der Crash in Haarlem seinen Anfang genommen: Bei einer einfachen Wirtshausversteigerung findet sich zum ersten Mal kein Käufer. Das spricht sich schnell herum, und plötzlich wollen alle Marktteilnehmer verkaufen, keiner kaufen; der gesamte Tulpenmarkt in den Niederlanden bricht zusammen.

Tulpen avancieren schnell zum Statussymbol des neuen Geldadels. Die Preise explodieren und steigen zwischen 1634 und 1637 auf über das Fünfzigfache an.

Am 7. Februar 1637 stoppt der Handel ganz; die Preise sind um 95 Prozent gefallen. Die Anzahl der offenen Kaufverträge übersteigt das real existierende Angebot um ein Vielfaches. Käufer und Verkäufer stehen sich gegenüber und erhoffen sich von der holländischen Regierung eine Lösung. Der Terminhandel wird verboten; Käufer und Verkäufer sind gezwungen, sich untereinander zu einigen.

1637 platzt die Blase: Binnen kurzer Zeit fallen die Preise um 95 Prozent und der Handel kommt zum Erliegen.

Große Teile der niederländischen Bevölkerung waren vom Tulpenfieber infiziert worden; von Adligen über Kaufleute und Bauern bis zu Gelegenheitsarbeitern und Tagelöhnern stiegen viele ohne Kenntnis des Marktes in das Geschäft mit der exklusiven Zwiebel ein und verwetteten Haus und Hof, um ihr Startkapital im Tulpenhandel zu erhöhen. Die florierende Wirtschaft kann jedoch die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Spekulationsblase dämpfen.

Der Tulpenwahn gilt als erster dokumentierter Börsencrash der Geschichte und die Systematik des Ablaufs lässt sich zum Beispiel auf die Dotcom-Blase 1998 bis 2001 übertragen. In den Jahrzehnten nach dem Tulpenwahn entwickelt sich die Tulpe von einer Blume der Oberschicht zu einer weit verbreiteten Zierpflanze, was sie auch heute noch ist, über 350 Jahre nach der Tulpenmanie. Und noch immer stammen fast 80 Prozent der weltweiten Tulpenproduktion aus den Niederlanden.

KAPITEL 2 – DER DOJIMA REISMARKTUND DER »GOTT DERMÄRKTE« (REIS, 1750)

Am Dojima Reismarkt, Osaka/Japan, werden im 18. Jahrhundert Terminkontrakte auf Reis eingeführt. Der japanische Reishändler Homma Munehisa verdient sich durch seine Marktkenntnis den Beinamen »Gott der Märkte« und wird zum reichsten Mann Japans.

»After 60 years of working day and night I have gradually acquireda deep understanding of the movements of the rice market.«

Homma Munehisa, 1755

Osaka ist im 18. Jahrhundert das Zentrum des japanischen Reishandels. Während der Edo-Periode, der längsten ununterbrochenen Friedensperiode des Landes, erstarken der Binnenhandel und die Landwirtschaft. In dieser Zeit, zum Ende des 17. Jahrhunderts, entsteht in Osaka der Dojima Reismarkt (cho-ai-mai).

Zuerst wird in Dojima Reis gegen Waren wie Seide oder Tee getauscht. Eine gemeinsame Währung hat sich noch nicht durchgesetzt, aber Reis wird neben seiner Funktion als Hauptnahrungsmittel auch als Zahlungsmittel anerkannt (z. B. für Steuerzahlungen).

Aufgrund des Finanzbedarfs vieler Feudalherren beginnen Warenhäuser anstatt der Waren auch Schuldscheine zu akzeptieren, die eine Lieferung erst einige Monate später versprechen. Viele Landbesitzer verpfänden ihre Reisernten bereits auf Jahre hinaus. Bald werden diese Lagerscheine am Dojima Reismarkt eine eigenständige Handelsware.

In 1749 wechseln in Osaka rund 100.000 Ballen Reis durch »leere« Reiskupons den Besitzer – zur gleichen Zeit gibt es in Japan jedoch nur etwa 30.000 Ballen Reis.

An der Börse in Dojima entwickelt sich ein reger Handel mit den sogenannten Reiskupons. Doch mit der Zeit kommen in Dojima immer mehr Reiskupons in Umlauf, mehr als es tatsächlichen Reis gibt. Mitte des 18. Jahrhunderts wird in Japan beinahe die vierfache Menge an Reis durch Reiscoupons gehandelt, als zu dieser Zeit produziert wird.

Reiskupons versprechen in standardisierter Form eine zukünftige Reislieferung, bei der Preis, Menge und Lieferdatum festgelegt sind. Liegt der Marktpreis zum Liefertermin über dem vereinbarten Preis, macht der Händler einen Gewinn. Notiert der Reispreis zu diesem Zeitpunkt unter dem vertraglich festgelegten, erleidet er einen Verlust. Die Reiskupons sind die ersten bekannten Warenterminkontrakte der Welt und die Reisbörse von Dojima kann vor Amsterdam, London und New York als die erste Terminbörse angesehen werden. Homma Munehisa (1724–1803), japanischer Reishändler und Spekulant, erfindet den Candlestick-Chart und ist auch unter dem Beinamen »Gott der Märkte« bekannt. Durch Interpretation historischer Chartmuster und die Ausnutzung von Insiderinformationen bringt Homma an der Dojima-Börse den gesamten japanischen Reismarkt unter seine Kontrolle und wird zum reichsten Mann Japans und Finanzberater der japanischen Regierung.

In dieser Zeit übernimmt 1750 Homma Munehisa im Alter von 36 Jahren das väterliche Reis-Handelsunternehmen. Selbst Besitzer großer Reisfelder im Nordwesten Japans, hat sich Homma auf den Handel mit dem Getreide spezialisiert. Seine Handelsaktivitäten konzentrieren sich zunächst auf seine Heimat Sakata, später zieht er nach Osaka, das damalige Zentrum des Reishandels. Dort beginnt er mit Reis-Terminkontrakten zu handeln und baut hierzu ein eigenes Kommunikationssystem über rund 600 Kilometer auf, um in Osaka möglichst schnell über die aktuelle Erntesituation in Sakata informiert zu sein.

Die Reisfelder seiner Familie in Sakata bedeuten für Homma wertvolle Insiderinformationen. Daneben beschäftigt er sich wahrscheinlich als Erster in diesem Umfang mit historischen Preisbewegungen und erfindet eine graphische Darstellung, die später als Candlestick-Chart bekannt werden wird. Im Unterschied zum europäischen Linienchart zeigen die Kerzen nicht nur den Schlusskurs eines Tages an, sondern gleichzeitig Eröffnungs-, Tief- und Höchstkurs (vgl. Abbildung 1). Homma ist der Überzeugung, durch die Analyse der Kursbewegungen sich wiederholende Muster erkennen zu können, von denen er profitieren kann.

Abbildung 1: Wertentwicklung von Reis, Februar/März 2009, in US-Dollar/cwt an der Chicago Board of Trade

Überliefert ist folgende Episode: Über Tage kauft Homma an der Reisbörse von Dojima immer mehr Reis von den verkaufswilligen Reisbauern und scheint dabei über mehr Hintergrundwissen zu verfügen als seine Händlerkollegen. Immer wieder zieht er sein Papier mit den Symbolen zurate, die entfernt an Kerzen erinnern. Am vierten Tag trifft ein Bote aus dem Landesinneren in Osaka ein, der von Ernteeinbußen durch ein Unwetter berichtet. Die Preise für Reis an der Dojima-Börse schnellen in die Höhe, doch es ist kaum mehr Reis zu bekommen. So soll Homma innerhalb von vier Tagen den gesamten Reismarkt von Japan unter seine Kontrolle gebracht und dabei ein großes Vermögen verdient haben. Nach seinen Erfolgen an der Börse von Dojima geht Homma nach Edo (das heutige Tokio) und kann dort seine Erfolge fortsetzen. Sein Beiname »Gott der Märkte« begleitet ihn; Homma wird in den Adelsstand erhoben und fungiert als Finanzberater der japanischen Regierung. Es vergehen knapp 200 Jahre, bis seine Erfindung, der Candlestick-Chart, wiederentdeckt und populär gemacht wird.

KAPITEL 3 – DER KAISERVON KALIFORNIEN (GOLD, 1849)

Goldrausch! 100.000 Abenteurer strömen allein 1849 auf der Suche nach schnellem Reichtum nach Kalifornien. Der Wert der Goldproduktion übersteigt den gesamten amerikanischen Bundeshaushalt und aufgrund dieser Reichtümer wird Kalifornien 1850 als 31. Staat in die USA aufgenommen.

»Gold! Gold! Gold from the American River!«

Samuel Brannan

Nicht etwa Arnold Schwarzenegger, der aktuelle kalifornische Gouverneur, trägt den Beinamen »Der Kaiser von Kalifornien«, sondern Johann August Sutter, dessen Geschichte 1936 von und mit Luis Trenker als heroischer Western verfilmt wurde.

Vor 1848 gehört Kalifornien zu Mexiko, ein unwirtlicher und abgelegener Ort, an den Küstenregionen besiedelt von Spaniern und Mexikanern. Unter den noch wenigen Siedlern im Inland ist auch der Schweizer Johann August Sutter, der ein großes Stück Land im Sacramento Valley besitzt, bekannt als Neu-Helvetien. Dort, am Zusammenfluss des American River und des Sacramento River, errichtet Sutter ein Fort und entsteht später die Hauptstadt von Kalifornien: Sacramento. In der Nähe des Ortes Coloma am Südarm des American River lässt Sutter eine Sägemühle bauen. Bei den Arbeiten findet am Morgen des 24. Januar 1848 der Schreiner James Wilson Marshall im Wasser des Flusses einen Goldnugget. Sutter und Marshall beschließen, den Fund geheim zu halten, und kaufen nach und nach immer mehr Land. Aber die Nachricht von dem spektakulären Fund lässt sich nicht lange verheimlichen, denn Sutters Mitarbeiter bezahlen bei vielen Gelegenheiten mit dem gefundenen Gold.

Die nun folgende Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten: Um sein Geschäft mit Goldgräberausrüstung anzukurbeln, füllt Samuel Brannan, ein Ladenbesitzer aus Coloma, einige Goldnuggets in eine Flasche und reist nach San Francisco. Hier reitet er, dabei die Flasche schwenkend, durch die Straßen und posaunt den Goldfund heraus – dies markiert den Anfang des kalifornischen Goldrausches.