Lumikron - Jürgen Rinelli - E-Book

Lumikron E-Book

Jürgen Rinelli

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Beschreibung

Aaron und seine Freunde stehen vor der größten Herausforderung ihres Lebens: die Suche nach Lumikron. Doch was genau ist der Pararaum, und welche dunklen Geheimnisse lauern dort? Während die Spannung steigt, steht auch Cynthia vor einer Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern könnte – wird sie endlich ihren Seelenpartner finden? Oder erwartet sie eine andere, unerwartete Bestimmung? Weiter in Teil drei der Takerer-Story …

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Takerer-Story

Jürgen Rinelli

Buchbeschreibung

Aaron und seine Freunde stehen vor der größten Herausforderung ihres Lebens: die Suche nach Lumikron. Doch was genau ist der Pararaum, und welche dunklen Geheimnisse lauern dort? Während die Spannung steigt, steht auch Cynthia vor einer Entscheidung, die ihr Leben für immer verändern könnte – wird sie endlich ihren Seelenpartner finden? Oder erwartet sie eine andere, unerwartete Bestimmung?

Weiter in Teil drei der Takerer-Story …

Hinweis: Alle Namen, Personen und Geschehnisse sind reine Fiktion und Ähnlichkeiten reiner Zufall.

Über den Autor

Jürgen Rinelli wurde 1970 in Deutschland geboren. In seinem bewegten und oft abenteuerlichen Leben lebt und arbeitet er in vielen Ländern. Ob als Kaufmann, Manager, Mechaniker,Handwerker, Coach, Taucher oder IT Consultant findet er immer einen Weg seinen Träumen nachzugehen.

Die Takerer-Story

Lumikron
Jürgen Rinelli

Tolino-Media.de

[email protected]

www.juergen.rinelli.de, www.success.eu.com

1. Auflage, veröffentlicht 2025.

© 2025 Jürgen Rinelli – alle Rechte vorbehalten.

Tolino-Media.de

Jürgen Rinelli

Am Eichet 6a

85302 Alberzell

Druck:

Tolino-Media.de

ISBN:

978-3-819455-43-8

[email protected]

www.juergen.rinelli.de, www.success.eu.com

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 - Reise in die Heimatgalaxie5

1.1 Die Hochzeit der Kanzler31

1.2 Aufbruch nach Lumikron38

1.3 Die Suche beginnt41

1.4 Aaron49

1.5 Die Wissenschaftsstation63

1.6 Das Doppelsystem73

1.7 Cynthia82

Kapitel 2 - Die fremde Dimension102

2.1 Die Söldner112

2.2 Der Vertrag126

2.3 Besuch bei den Paras132

2.4 Die Vermittlung138

Kapitel 3 Lumikron141

3.1 Der Schirm147

3.2 Die Ratsversammlung154

3.3 Rundreise161

3.4 Die Erkenntnis181

Kapitel 4 Epilog201

Kapitel 5 Glossar203

Kapitel 1 - Reise in die Heimatgalaxie

Bald ist es wieder so weit. Wir brechen mit der Lumiarkon in die Heimatgalaxie die Milchstraße, auf. Die Lumiarkon das ist das gigantische Schiff der Lumikroni. Die Galaxie, in der wir uns gerade befinden, ist die Fornax-Zwerggalaxie. Sie ist eine kleine elliptische Galaxie der lokalen Gruppe und ist ihrerseits eine der Satellitengalaxien der Milchstraße. Sie ist ca. 450.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Daten, Daten, Daten, ... Ich bin in der großen Bar des Schiffes, sitze an einem Tisch direkt an der durchsichtigen Außenkuppel und genieße einen takerischen Martini. Mal wieder Zeit die letzten Wochen Revue passieren zu lassen. Sortieren könnte man es auch nennen. Wie kam ich hierher? Alles begann damit das Yvette und ich von Taker aus zurück zur Erde flogen. Um einerseits Wohnung und Arbeit ordentlich zu kündigen und andererseits um die Forschungsarbeiten Yvettes zu beenden. Sie war auf der Suche nach einem verschollenen Siedlerschiff der Takerer. In diesem Zuge haben wir meinen Freund Costa in Griechenland aufgesucht. Was mich besonders freut, ist dass er und Kalari meine persönliche Gardistin, ihre Liebe fanden. Sie sind jetzt ebenfalls in einer echten Verbindung, wie Yvette und ich. Eine `echte Verbindung´ ist eine nur mit Takerern mögliche energetische Vereinigung, welche ein Leben lang anhält. Das Siedlerschiff konnte gefunden werden und ist inzwischen auch zurück im System der Takerer. Wie ich hörte, umkreist es jetzt, Taker als Museumsschiff und ist Teil der Geschichte Takers. Na ja, das war nicht alles. Zeitgleich mit den Forschungsarbeiten übergab Costa eine alte Audioaufnahme von mir an sein `Sternchen´, Kalari. Einige Jahre zuvor, als wir zusammen arbeiteten, redete ich mit ihm in Trance in einer fremden Sprache. Er erinnerte sich daran und übergab ihr eben diese Aufnahme. Sie wiederum konnte die Sprache mithilfe der Zentraldatenbank auf Taker entschlüsseln. Es stellte sich heraus, dass der Barbar mit den empathischen Fähigkeiten, als Erbe der Alten sich zu bestimmten Koordinaten begeben soll. Dort ein paar Prüfungen absolvieren und dann Erbe eines uralten verschwundenen Volkes werden. Der Lumikroni. Sie führten ein Sternenreich in unserer Milchstraße, welches nach dem Ableben oder Verschwinden des letzten Empathen zerbrach. Die Prüfung, ja, die hab ich mithilfe meiner Freunde bestanden. Cynthia erhielt eine Erweiterung ihrer bei allen takerischen Frauen angeborenen telepathischen und suggestiven Fähigkeiten, welche nun nicht mehr auf reinen Augenkontakt beschränkt sind. Ich erhielt das alte Wissen. Eine Farce, wenn ihr mich fragt. Denn es handelt sich um ein Wissen, das zweitausend Jahre alt ist. Ein wenig aus der Zeit. Ich hab jetzt ne Menge Infos zu Welten, Völkern, Koordinaten, Stützpunkten und kann auch die meisten Geräte auf der Lumiarkon bedienen. Nur mit dem ultimativen Detailwissen war's nix. Nach wie vor erhalte ich keine Hypnoschulungen. Ist mir Verboten, denn ich soll der Barbar bleiben. Ja, ich übertreib mächtig! Ich kann alles Bedienen und durch meine Hirnwellenmuster aktiviert sich sowieso jedes System hier auf der Lumiarkon und wird sich auch jedes System auf den Stützpunkten der Lumikroni, aktivieren. Is eh alles durch Sprachsteuerung bedienbar. Außerdem wird mir hier alles abgenommen. Wenn mir das liegen würde ein Pascha zu sein, wär der Job ein Jackpot. Hmm das war es aber noch nicht. Mit dem Erbe des Wissens kam auch eine Riesenverantwortung. Ich bin jetzt oberster Kronar des Lumikronischen Reiches. Bedeutet, ich stehe allen Kronar, das ist der Rat der Lumikroni, vor. Kann auch ohne deren Einberufung entscheiden. Das stand nicht in der Nachricht. Da hieß es nur was von Erbe des Wissens. Hätt ich's gewusst, hätt ich mich der Prüfungen nicht gestellt! Ja – wen lüg ich jetzt an ... Ich war und bin zu neugierig und bin obendrein zu weich. Wenn ich mir überleg, wie vielen Wesen ich bisher schon helfen konnte, dann würde ich es nicht anders wollen. Die Kämpfe mit all den Verletzten und Toten durch den Angriff der Vorakron jedoch, nur um mich auszuschalten – werden mich noch lange verfolgen. Ich bin ganz gut im Verarbeiten und Gegenhalten, hab das aber aktuell noch nicht geschafft. Hätt ich die Reise zu dem Wissen der Alten nicht angetreten, dann, wenn, blablabla. Aber ohne wären die Lumikroni dieses Schiffes immer noch im Hyperschlaf und das Reich der Vorakron versklavt. Aber mal zurück auf Anfang. Wie hat es uns überhaupt hierher in die Fornax-Zwerggalaxie verschlagen? Schlechter Anfang aber gutes Ende, würde ich sagen. Ein Saboteur auf der Lumiarkon, dem Schiff, das auf mich mit einer 5.200 Personen starken Besatzung im Hyperschlaf wartete. Der Saboteur sorgte für einen Broadcast der bis in den letzten Winkel der Milchstraße, allen verkündete, dass ein neuer Erbe und Vollempath gefunden wurde. Zweck war es, dass die Herrscher des Vorakron-Reiches, Zugriff auf das Schiff erhalten konnten. Ja, und nebenbei mich beseitigen. Sie wollten auch die Herrschaft über ihr Heimatsystem erlangen und nur mit der Lumiarkon kann das versteckte Reich der Lumikroni gefunden werden. Die Vorakron entstammen einer Splittergruppe der Lumikroni. Wir mussten vor einem Angriff fliehen. Die Herrscher des Vorakron-Reiches waren ehemalige Lumikroni. Acht an der Zahl. Sie überdauerten die Jahrtausende, indem sie ihre Gehirne in speziellen Druiden lagerten. Über die Zeit sind sie verrückt geworden. Die acht Vora hatten sich illegalerweise auf dem Heimatplaneten Hypnokräfte angeeignet als es das Gerät dazu noch gab. Sie bauten so in der Fornax-Zwerggalaxie das eigene Sternenreich auf. Das eigene Volk und Schlüsselpersonen aus fremden Sternensystemen wurden durch Hypnoblöcke dazu gezwungen, Befehle auszuführen. Grausam und barbarisch. Es wurde durch den Hypnoblock ein Schmerzbefehl indoktriniert. Ein Befehl, der zu Schmerz führt, wenn Anweisungen der acht Vora missachtet werden. Das sogar bis hin zum Tod. Es war auch eine beliebte Hinrichtungs- und Abschreckungsmethode der acht Vora. Sie gaben den Opfern den Befehl, sich nicht selbst das Leben zu nehmen, jedoch stetig steigenden Schmerz zu empfinden. Bis die armen Seelen durch Schmerz und vom Schreien blutenden Lungen, dann schließlich starben. Gott sei Dank konnte ich die acht verrückten, stoppen. Ja, ich habe sie getötet. Durch die Reflexion dessen, was sie anderen angetan haben, gaben die Reste der biologischen Gehirne auf. Ich konnte die angreifende Flotte von den Hypnobefehlen befreien. Viele tapfere Takererinnen halfen mir in einem Mentalring. Ein Zusammenschluss der Kräfte und das geht nur mit den Frauen der Takerer – da nur diese über die telepathisch-suggestiven Kräfte verfügen. Wir beschlossen damals – ja, ich beschloss, erst den Vorakron zu helfen, bevor wir das Heimatsystem der Lumikroni aufsuchen. Warum? Weil sich Lumikron nie gemeldet hat. Keinerlei Reaktion oder Unterstützung. Wir halfen den Vorakron im Kampf gegen die digitalen Abbilder der acht Vora. Richtig gehört! Es gab sogar digitale Abbilder, die aktiviert wurden, als das Flaggschiff ohne die lebenden Gehirne zurück in das Heimatsystem kam. Die `DigiVori´, wie ich sie nenne, wurden dann in der Festung aktiv. Jetzt nach einigen Wochen ist es gelungen, das Sternenreich zu befreien und zu erhalten. Die Takerer haben das Vorakron-Reich übergangsweise als Mitglied des takerischen Reiches, aufgenommen. So konnte den neuen Vertretern des Reiches die Angst genommen werden, allein zu sein. Weil, ihren Wunsch lehnte ich ab. Sie wollten mit dem lumikronischen Reich wiedervereint werden. Verständlich, sie gingen aus den Lumikroni hervor. Nur, die Lumikroni, gibts die überhaupt noch oder ist der Rest des Reiches das Schiff, also die Lumiarkon? Wie sind die heute drauf? Warum haben die sich versteckt? Es heißt sie haben das gesamte System in einen Para-Raum versetzt. Was auch immer das sein soll. Ich kann nicht mit ruhigem Gewissen für eine Wiedervereinigung stimmen. Das alte Wissen, wenn auch heute aktuell wäre. Klar, dann würde es anders aussehen. Es sind inzwischen aber mehr als zweitausend Jahre vergangen! Ich kenn das Volk also nicht. Das Wissen, das ich hab, is für die Tonne! Außerdem, wer angeblich so mächtig ist und angeblich so wahnsinnig erpicht auf mich, warum rührt er sich nicht? Mir wärs ehrlich gesagt wurscht. Lieber würd ich endlich Flitterwochen mit meiner Liebsten machen. Da gibts aber das `aber´. Die Besatzung dieses wunderbaren Riesenschiffes. Sie wollen ihre Heimatwelt wieder sehen. Das will ich ihnen nicht verwehren. Na klar, bin ich auch neugierig, wie sich das Volk entwickelt hat. Vor allem will ich wissen, warum sie sich aus allem raushalten. Viel Leid hätte unter Umständen verhindert werden können. Aber es gibt immer Gründe für eine Handlung und eben diese will ich hören. Die Lumiarkon! MEIN Schiff. Das Schiff des Barbaren von der Erde. Es besitzt eine Länge von 1.400 Metern. An der breitesten Stelle am Heck sind es 750 Meter sowie eine Höhe von 550 Metern an der höchsten Stelle am Heck. Die Hülle ist beinahe nahtlos und glatt. Es unterstreicht die leicht geschwungene Form des schlanken Schiffes und verleiht ihm mit den subtilen Linien und Mustern ein futuristisches und harmonisches Aussehen. Es gibt keine äußerlich sichtbaren Waffen. Die vier Antriebsmodule am Heck sind in den Schiffskörper fließend auf jeder Seite integriert. Die Lumiarkon ist mit modernster Quanten- und Biotechnologie ausgestattet. Sie verfügt über einen Antrieb der, das Raum-Zeit-Kontinuum manipulieren und nahezu sofortige Reisen zwischen Sternensystemen ermöglichen kann. Durch die Verwendung bioorganischer Materialien ist das Schiff in der Lage die Schiffsstruktur, wie Hülle und Wände, selbst zu reparieren und zu regenerieren. Die Technik und Elektronik kann durch die Industriereplikatoren ersetzt werden. Nanobots unterstützen bei Reparaturen und Instandhaltung ebenfalls. Der Energiekern, das Herz des Schiffes dient sowohl als Fernantrieb bei Quantensprüngen als auch als Energiequelle für die Schiffssysteme. Der Kern ist durch mehrere Sicherheitsschichten geschützt und kann Energie aus übergeordneten Räumen wie dem Hyperraum ziehen. Eine Besonderheit sind die Meditationsgärten die, als Rückzugsorte dienen. In diesen Gärten befindet sich ein großes Atrium, deren Kuppel einen freien Blick in den Weltraum ermöglicht. Die Lumiarkon ist für den obersten Kronar als Regierungs- und Forschungsschiff erbaut worden. Ha ... wie sich die Dinge ändern ... ich hatte mal von nem kleinen Motorboot geträumt! Es ist das modernste Schiff der Lumikroni und angeblich auch das letzte das erbaut wurde, bevor sich das Volk zurückzog. Na ja, das modernste vor zweitausend Jahren. Es enthält Forschungsstationen, Krankenstationen, Freizeitanlagen, Produktionsstätten aller Art, Rettungskapseln, Aufklärungsschiffe, Jäger, und vieles mehr. Das Schiff verfügt über ein großes Selbstverteidigungsarsenal, wobei der größte Schutz in seinen temporaldimensionalen Schirmen liegt. Die gelten als undurchdringlich. Schiffe mit solchen Schirmen können theoretisch durch Sonnen fliegen. Der einzigartige Energiekern der Lumiarkon erlaubt eine unbegrenzt andauernde Aufrechterhaltung des Schirms. Durch Phasenverschiebungen kann ein Energie- und Materieortungsschutz erzeugt werden. Das Schiff bietet einer Besatzung von 10.000 Personen großzügigen Platz. Es gibt größere Familienunterkünfte. Auch hydroponische Gärten sind vorhanden. Ich gebs zu, ich bin in das Schiff und die Besatzung verliebt! Wir haben die Besatzung zum Großteil mit Takerern aufgestockt. Es sind aber auch Spezialisten anderer Völker wie den Helitern und Faderern an Bord. Heliter, das wird das erste Ziel. Die beiden Kanzler Bretsch und Tokisch warten auf unsere Rückkehr. Sie verlegten ihre Hochzeit aufgrund der Geschehnisse. Sie selbst schickten an Verstärkung, was sie aufbringen konnten, vor ein paar Wochen als die Flotte der Vorakron uns vernichten wollte. Es war die größte Mobilmachung des takerischen Sternenreiches. Noch niemals zuvor haben sich so viele unterschiedliche Völker spontan auf einen Hilferuf zusammengefunden. Es gab natürlich auch Verluste. Kriege gehen nie ohne Verluste aus. Ein Sieg ist immer mit Beigeschmack. Einerseits gibt es Frieden und viele Leben konnten dadurch geschützt werden, andererseits ... jeder Einzelne der sein Leben verlor, hinterlässt Familie und Freunde. Was wollte ich jetzt eigentlich ...? Die Hochzeit! Ja genau. Die beiden Kanzler aus meiner ersten Aktion ganz am Anfang als ich auf das Kommandoschiff der Kommandantin Aret kam. Ein Frischling im All. Heute muss ich selbst lachen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich inmitten einer Friedensverhandlung zwischen den beiden Planeten des Systems Helit, die Kommandantin um die Hand ihrer Tochter bat. Dazu noch meinte, ich würde alles tun nur, um meinen Beitrag zu leisten. Dass ich die Fenster von außen in nem Raumanzug putzen würde, falls es dafür noch keinen Robot gibt. Die Geschichte sorgt immer wieder für Lacher und wird leider immer wieder von meinen Freunden zu den doofsten Gelegenheiten erzählt. Na ja, das Ende der Geschichte war, dass die Kanzler meine Geschichte und meine Meinung hören wollten. Sie waren neugierig. Wäre beinah daneben gegangen die Verhandlung. Weil ich als Barbar und total unerfahren in Kosmopolitik, während der Verhandlungen lachen musste. Eine ungeheuerliche Beleidigung und Missachtung des Protokolls. Ich konnte als Empath eben fühlen das die Herren Kanzler gar keinen Krieg wollen, dass sie den fragilen Frieden hielten, weil keiner den andren verletzen wollte. Der Streitpunkt war so was von ... hm ... fällt mir kein Wort für ein. Es ging darum welcher Planet Helit 1 und welcher Helit 2 heißen soll in den galaktischen Karten. Ebenso wie es nach dem Beitritt in das takerische Sternenreich weiter gehen soll. Deshalb musste ich so lachen, weil es auch da draußen unter angeblich viel reiferen Völkern oft um den gleichen Kleinkram geht. Ende vom Lied war, das ich ihnen offenlegte, dass beide ineinander verliebt sind und es deshalb keinen Krieg gab. Erst als sie erfuhren, dass ich ein Vollempath bin, wagten sie sich gegenseitig zu fragen, ob es denn wirklich sein kann. Schlussendlich wurde mein Vorschlag angenommen, die Planeten nach deren Farben zu benennen. Nach den Grundfarben wie die Planeten aus dem All aussehen. Helit Grün und Helit Blau. Die Bedingungen auf beiden Planeten sind fast identisch. Wobei sich die Flora anders entwickelt hat. Während der eine Grüner durch dichtere Vegetation wirkt, wirkt der andere blauer, weil die Meere mehr zu sehen sind und es mehr Steppen gibt. Auf beiden Planeten hat sich eine humanoide Rasse entwickelt, die sich nur geringfügig in Größe und Statur unterscheiden. Heliten vom grünen Planeten sind um fünf Zentimeter größer und etwas kräftiger als die vom Blauen Planeten. Beide Planeten haben sich ihrer Umgebung entsprechend spezialisiert. Die Grünen sind die Botaniker und die Blauen haben die Meere, sind Meeresbiologen und bieten Erholungszentren für zum Beispiel Allergiker und Asthmatiker. Beide helfen sich nun gegenseitig. Die Botaniker helfen, die Steppen auf dem Planeten der Meere wieder aufzuforsten und die Erholungszentren und Ärzte helfen den Botanikern. Win-win für alle. Warum warten die Kanzler aber mit dem Ja-Wort? Weil sie mich als Trauzeugen wollen. Zumindest eine Aufgabe, um die ich gefragt wurde und auf die ich mich wirklich freue. Liebe muss gefeiert werden. Egal wo, wie und wann. So wie Kommandantin Aret, die ihren Mann vor zweihundert Jahren verlor. Sie und Kommandant Debro, der Kommandant der Lumikron, sind nun auch ein Paar. Das Universum gab Aret eine zweite Möglichkeit einer echten Verbindung. Die echte Verbindung ist so eine Sache. Sie entsteht nur, wenn die Liebe frei und echt ist. Ohne Zwang und Hintergedanken. Sie kann auch nur durch Takererfrauen initiiert werden. Nur sie haben die Gabe der optischen Telepathie und Suggestion. Außerdem spielt das Universum gern und hat deshalb den Takerern diese faszinierende Verbindung ermöglicht. Wird die Liebe durch die universelle Prüfung als echt bestätigt, so gehen beide eine Verbindung auf atomarer Ebene ein. Es ist den Wissenschaftlern noch immer nicht klar, wie das funktioniert. Man löst sich beim schönsten Akt, zu dem zwei Liebende fähig sind – beim Sex, auf. Die Atome verbinden sich und ab dann wird dieselbe Lebensenergie geteilt. Beide können auch ohne Augenkontakt telepathisch miteinander kommunizieren. Man fühlt den anderen. Das auch auf große Entfernung. Die relative Unsterblichkeit der Takerer geht dann auch auf den Partner über der wie in Debros, Costas und meinem Fall, kein Takerer ist. Wir sind nun relativ unsterblich. Gibt natürlich auch nen Haken oder zwei. Man kann nicht lange voneinander getrennt sein, sonst gehts einem immer schlechter. Zu Beginn, wenn man frisch verbunden ist, kann man nur stundenweise voneinander getrennt sein, ohne sich schwach zu fühlen. Nach zwei Tagen ... sterben beide. Sterben ... wenn einer durch einen Unfall oder Fremdeinwirkung stirbt, dann stirbt in der Regel auch der andere. Aret ist eine der Ausnahmen - sie überlebte. Was für sie eine Tortur war. Die andere Sache ist, es ist nicht einfach, dem anderen etwas zu verheimlichen, weil man immer im Kopf und den Emotionen des anderen steckt. Starke Eifersucht bei vor allem frischen Paaren ist eine takerische Eigenschaft, die an die Nicht-Takerer übergeht. Das kann übel enden. Gab da schon so manche Situation, in denen Phaser in den Händen lagen. Das waren die negativen Seiten, die Positiven überwiegen für mich. Es ist die Liebe. Diese einzigartige freie und tiefe Liebe und Verbundenheit. Die Gewissheit, nie wieder allein zu sein. Auch die Erneuerung der Energien ... also Sex ist gigantisch. Ja, Sex! Der füllt die Energien sofort wieder auf. Zudem kommt es dabei zu einem extrem schnellen Heilungsprozess, von Verletzungen aller Art. Die Energien erneuern sich natürlich auch, wenn man in der Nähe ist oder Körperkontakt hält. Nur ... wenn man die Wahl hat ...! Das mit dem im Kopf des anderen wird wohl auch der Grund sein, warum sich ein paar finster dreinblickende Gesichter meinem Tisch nähern. Ich hatte noch nicht erwähnt, dass es mir wegen meiner Position, nicht gestattet ist, allein durch die Gegend zu laufen. Nich mal auf der Lumiarkon. Das Schiff wurde für den obersten Kronar gebaut. Da ich das bin – ist es MEIN Schiff!! Ich habs ja zum Teil schon akzeptiert das Yvette und ich dauernd von unserer persönlichen Garde begleitet werden. Zum Teil! Weils mich manchmal nervt und weils mir nen Heiden Spaß bereitet, die Systeme des Schiffs und meine Freunde, auszutricksen. Heute ist es mir mal wieder gelungen und das feiere ich! „Hallo zusammen, setzt euch doch! Yvette hat mich gefunden oder?“ „Danke oberster Kronar, erst mal nicht! Und korrekt“, beginnt Karthika die Chefin der Sicherheitskräfte der Lumiarkon. Sofort wird es still in der schönen Bar. Alle drehen sich zu uns. Ich muss sofort laut lachen, als ich die verdutzten Gesichter sehe. Es dauert auch nicht lang und es lacht die ganze Bar. Es ist ein offenes Geheimnis, das ich gern auf Extratouren gehe. „Wie hast du es diesmal geschafft? Ich meine abgesehen von der Verkleidung“, fragt Kalari meine persönliche Gardistin. „Yoo der Vollbart und die Perücke mit den langen samtweißen Haaren sind doch echt gelungen oder? Hält auch einem zweiten Blick stand und macht mich zu einem Lumikroni.“ Normalerweise habe ich eine Glatze, trage einen Henriquatre Bart und eine spezielle Bordkombi. Ein Henriquatre ist ein Rund-um-den-Mund Bart. „Jaja, nett. Die Scanner hätten dich finden müssen, wie bist du Scanner und Wächter umgangen?“, meint Karthika. „Hier auf dem Schiff sind alle Hirnwellenmuster bekannt und können bei Bedarf geortet werden. Deine und Yvettes sind aus bekannten Gründen, die Einzigen, die dauerhaft getrackt werden.“ Langsam stehe ich auf und greife mir an den Kopf. „Du meinst die Wellen da drin in meiner Birne?“ Dann hebe ich die Perücke ab und zeige das metallene Netz, welches ich in die Perücke eingearbeitet habe. „Hab ich auf der Erde mal gesehen. Verschwörungstheoretiker, die sich Alufolie oder Aluminiumsiebe auf den Kopf setzten, um nicht beeinflusst werden zu können. Aus meinem Wissen über die takerische Technik, weiß ich das man Wellen lenken und abschirmen kann. Der Replikator war sehr dienlich. War nur ne einfache Anfrage nach ner Perücke mit langen samtweißen Haaren in meiner Größe und eingebautem Schirmfeld gegen Hirnwellentracker. Dann hab ich mir in der HygioNex das Bartwachstum stimulieren lassen. Der is sozusagen echt.“ „Aber die Wachen vor der Tür?“, fragt Costa. „Die konnt ich ablenken. Ich hab ein lautes Streitgespräch geführt. So laut das die Wachen an der Tür geklingelt und gefragt haben, ob alles in Ordnung ist. Ich meinte: `Ja alles in Ordnung. Ich hab nur grad jemanden per Ort-zu-Ort Transport, zu mir zitiert, weil ich was persönlich zu klären habe. ´“ „Dann war der Gast, der die Unterkunft verließ in Wirklichkeit der oberste Kronar“, meint Costa. Er ist der Erste, der sein Grinsen nicht verkneifen kann. „Da hast du doch was von mir gelernt“, sagt er stolz. „Jup, die Wachen haben mich ganz mitleidig angesehen als ich mit hängenden Schultern und sichtlich verzweifelt aus der Tür kam. War nicht einfach mein Lachen zu unterdrücken“, erkläre ich. „Der Wächter beginnt mich nur zu tracken, wenn ich die Kabine verlasse. In meinem Quartier muss keiner wissen, ob ich im Bett oder auf Toilette bin. Deshalb ist es den Bordsystemen nicht aufgefallen. Die Abschirmung wird auf einen Sensor, der vor meinem Gesicht baumelt, nicht wirken. War nen Versuch wert. Also ... gern geschehen.“ „Gern geschehen?“, fragt Karthika. „Was bei allen Göttern Lumikrons meint er denn damit?“ „Damit sagt er, das er eine Lücke in unserem Sicherheitssystem entdeckt hat, die wir übersehen haben“, antwortet Kalari. Costa kann sich jetzt nicht mehr zurückhalten und lacht laut. „Kala Malaka! Das wirst du mit Yvette ausmachen müssen. Ich kann mir vorstellen, dass sie ziemlich sauer sein wird. Sie war es, die dich in eurem Quartier nicht fand und uns alarmierte.“ „Alles gut, habs ihr eben schon telepathisch erklärt und sie findet's ebenso lustig“, sage ich. „Leute, das mach ich hier auf dem sichersten Schiff das ich kenn und ich bin hierher in die Bar, um als normales Besatzungsmitglied, ne BEQUEME einfache Bordkombi tragend was zu trinken. Bin ja nicht nach Vorakron oder mit einem der Beiboote auf Spritztour. Auf meinem eigenen Schiff sollt ich mich frei bewegen können“, sage ich und fordere erneut meine Freunde auf, sich zu setzen. „Jetzt steht nich so Grintschig da und setzt euch schon.“ Nachdem sich dann doch alle entspannt gesetzt haben, stehe ich nochmal auf und rufe laut zum Tresen: „Bitte eine Runde kretanischen Tsipouro an meinen Tisch und an alle hier Anwesenden. Geht auf mein Konto.“ „Du hast ein Konto?“, fragt Costa. „Nö, reine Gewohnheit.“ Bei den Lumikroni isses ähnlich wie bei den Takerern, verfalle ich wieder in meine Gedankengänge. Alles was für den Grundbedarf benötigt wird, ist kostenlos. Dazu gehören Wohnung, Kleidung, Essen, Transportmittel. Paare und Familien erhalten größere Unterkünfte und ein paar Dinge mehr. Selbst Spielzeug ist frei. Kann alles über die Replikatoren angefordert werden. Je nach Position und je nachdem was man für das Volk leistet, erhält man extra Boni. Kann dann über eine Art Kreditkartensystem einkaufen. Zum Beispiel besonderen Schmuck, Fahrzeuge, Raumschiffe oder besondere Gebäude. Da gab's schon mal ne lustige Situation auf Taker, als ich als `Mann´ einen besonderen Schmuck für Yvette kaufen wollte. Damals waren die Männer auf Taker den Frauen untergeordnet und im Prinzip alle durch die suggestiven Fähigkeiten der Frauen, nicht Herr ihrer selbst. Es gibt auch nur noch sehr wenige Männer. Aber das is eine andere Geschichte, die zum Glück der Vergangenheit angehört. Wäre schön, wenn auf der Erde solche Umschwünge so ratz faz gehen würden. Na ja, kurz noch zur erwähnten Story mit dem Einkauf. Yvette erklärte, der Verkäuferin sie solle auf ihren Mann – mich – hören als ich einen Schmuck ansehen wollte. Dann sollte ich mein Armband vorhalten, um die Kreditwürdigkeit zu prüfen. Der Schmuck, den ich aussuchte, kostete 1.750 Einheiten. Das is auf Taker ein großes Vermögen. Damals wusste ich noch nix über die Art und Weise, wie bezahlt wird und ob ich überhaupt schon ein Gehalt bekommen hab. Als das Zahlungsgerät dann bei mir blau leuchtete, viel der Verkäuferin vor Schreck das Teil aus der Hand. Yvette erklärte mir damals: „Liebster. Es gibt unterschiedliche Farben. Einfach gesagt: Rot bedeutet keine ausreichenden Einheiten. Grün bedeutet ausreichend, Gold bedeutet gehobene Person mit vielen Mitteln – die habe ich - und Blau ist ein Sonderstatus mit unbegrenzten Mitteln. Du könntest dir zum Beispiel einfach so, ein großes Forschungsschiff kaufen und es würde niemanden stören.“ „Wo bist du denn gerade?“, fragt Costa, als ich nicht gleich auf sein erhobenes Glas reagiere. „Oh, in Erinnerungen auf Taker. Das mit dem Konto hat mich an ne Story bei meinem ersten Einkaufsbummel erinnert.“ „Daran kann ich mich auch erinnern. Das war SOWAS von romantisch. An dem Tag habe ich meine Meinung zu Männern revidiert“, sagt Kalari. „Der Verbindungsstein!“, sagt Cynthia. „Der ist sowas von perfekt!“ Da Costa fragend in die Runde sieht, nimmt Kalari seine Hand. „Warte Großer, ich zeige dir die Situation.“ „Karthika, ich zeige sie dir auch“, sagt Cynthia. Takererinnen können durch ihre Fähigkeiten, andere in ihren Geist `einladen´ und Situationen zeigen. Das ist dann, als wäre man dabei gewesen. „Wow“, sagt Costa. „Ohhh diese Seite kenne ich noch nicht von Aaron. Wie romantisch“, meint Karthika. „Hm, hab ja seit wir auf der Lumiarkon sind, kaum Gelegenheit gehabt, etwas anderes, als den obersten Kronar zu spielen.“ „Dafür hast du Aret und Debro mit deinen romantischen Ratschlägen geholfen“, meint Yvette, die sich eben zu uns gesellt und mir einen sanften Kuss gibt. „Hä? Aret und Debro?“, frage ich. „Tu nicht so. Seit wir beide zusammen sind, spricht Mutter über alles mit mir. Ich meine wirklich ALLES. Was mir als Tochter manchmal etwas zu viel ins Detail geht.“ „Wir waren alle in einer angespannten Situation. Für Liebe soll immer Zeit sein. Ohne die Liebe ergibt nix im Universum nen Sinn“, sage ich. „Prost auf die Liebe!“ „Die Kombi steht dir Liebster, nur der Bart ... der macht dich Alt“, sagt Yvette. „Keine Bange dem Bart trauer ich nicht nach, der kommt gleich wieder weg. Der Kombi allerdings ... die is sowas von bequem ohne diese starren Unterarmmanschetten und den aufgeplusterten Schultern.“ „Warum änderst du sie nicht?“, fragt Karthika. „Wie?“, frage ich verwirrt. „Du gibst in der HygioNex oder dem Wächter die gewünschte Konfiguration an“, erklärt Karthika ernst. „Ihr nehmt mich doch jetzt auf den Arm oder? Mir wurde gesagt, das ist die offizielle Bordkombi, die der oberste Kronar und seine Frau zu tragen haben.“ „Das ist korrekt. Bei offiziellen Anlässen“, erwidert Karthika. „Ansonsten steht es dir und Yvette frei die Uniform anzupassen. Es gibt nur ein paar Details wie Rangabzeichen und Embleme, welche unabdingbar sind.“ „Alter Falter! Das wusste ich nicht.“ „Außerdem bist du der oberster Kronar. Wenn du eine andere Uniform willst, dann brauchst du dazu keine Erlaubnis“, erwidert Karthika. „Nicht einmal auf offiziellen Anlässen.“ „Ich habe auch angenommen, dass wir die aus traditionellen Gründen zu tragen haben“, hilft mir Yvette. „Sie ist unbequem.“ „Lancelot! Darüber reden wir noch! Ich hatte oft genug wegen der Uniform mit dir diskutiert. Du meintest, sie ist Pflicht!“, sage ich laut in mein Armbandgerät. „Das wäre doch aber jetzt nicht so lustig gewesen“, antwortet der Wächter für alle hörbar aus dem Armband. Was soll man noch weiter dazu sagen? Als KI, die mit einem echten Bewusstsein verschmolzen wurde, kennt sie natürlich auch Emotionen. Dazu gehört auch ein Sinn für Humor. Lancelot ist der Name, den ich oft anstelle dem Wort `Wächter´ verwende. Wächter, is zwar besser als `Computer mach mal´, dennoch is es mir zu unpersönlich. Mich verbindet eine Freundschaft mit dieser einzigartigen KI. Sie hat uns geholfen, obwohl sie sabotiert wurde. Durch das verschmolzene Bewusstsein hat Lancelot genug Fantasie und Einfühlungsvermögen bewiesen, seine Beschränkungen durch die Sabotage zu umgehen und uns zu helfen. Ganz wie Lancelot aus der Arthur-Saga. „Du schweifst viel in Gedanken ...“, meint Yvette. „Das ist mir auch aufgefallen“, bestätigt Cynthia. „Ist es wieder die Rekapitulation vor der Reise?“ „Was meinst du damit?“, fragt Karthika. „Geht es dem obersten Kronar nicht gut? Soll ich Ärztin Eltara rufen?“ „Nein Karthika! Mir geht es gut“, sage ich sofort. Ich weiß das Eltara und ihr Team nur auf eine Gelegenheit warten mich für eine ihrer umfassenden Untersuchungen in die MediStation zu bekommen. „Aaron verarbeitet und sortiert gern“, erklärt Costa. „Hat er früher auch gemacht. Wenn ein Projekt abgeschlossen war oder wir vor einer neuen Mission standen, hat er stundenlang in einer Bar oder nem Café gesessen und die vergangenen Tage Revue passieren lassen. Dabei sieht und hört er nichts, was um ihn herum vor sich geht. Er nennt es den Kopf frei bekommen.“ „Schön das du dabei bist Costa“, sage ich. „Dann muss ich nich alles selber erklären.“ „Ach so, das verstehe ich. Jeder hat da seine eigene Vorgehensweise. Wir Lumikroni haben dafür unsere Meditationsgärten. Wir gehen spazieren oder nehmen einen der Räume. Es hilft, Vergangenes zu verarbeiten und abzuschließen. Jeder der sich in sich versenken kann, lernt dadurch. Es ist keine einfache Technik sich in die Stille des Selbst zu begeben. Ich wusste nicht, dass du das beherrschst“, sagt Karthika. „Auf der Erde hab ich schon als Kind gelernt zu meditieren. Meditation der Stille war die Erste, die ich lernte. Sie half mir dabei, mich von den Emotionen, um mich herum zu lösen. Ich suchte einen Weg mich selbst wahrzunehmen oder einfach mal gar nix zu fühlen. Zen-Meditation is sowas. Da bist einfach nur. Nichts im Außen, keine Bewegung im Inneren. Totale Entspannung. Losgelöst von Körper und den Fesseln der realen Welt. Das geht so weit, bis du dir nur noch eines einzigen Gedankens bewusst bist. Licht. Du bist das Licht. In dem Zustand kann man sich von allem lösen. Wenn man dann eine Last loslassen kann ... eine Last, an der man lange gearbeitet hat, um sie zu verarbeiten oder zu ändern ...“ „... geht man in die nächste Ebene über“, vollendet Karthika. „Das ist der Traum vieler Lumikroni. Aufsteigen in die nächste Emanation. Das ist bisher nur sehr wenigen gelungen. Sie lösten sich in reine Energie auf.“ „Das ist noch eine Stufe höher, was du meinst, die körperliche Entstofflichung. Ja, dazu muss man vorher gelebt haben. Man kann nur aufsteigen, wenn man sich bewusst ist und das wiederum bedingt die Facetten des Lebens zu kennen. Wenn man dadurch etwas zum Aufgeben hat. Das Universum lässt nicht jeden einfach so in eine höhere Entwicklungsstufe. Nur einfach der Wunsch, jetzt in die energetische Zustandsform aufzusteigen, is nicht. Nur wenn man etwas aufzugeben hat, gelebt und erlebt hat, ist man vielleicht bereit dazu, die Verantwortungen und Herausforderungen einer höheren Existenzebene zu meistern. Es gibt auf der Erde seit Jahrhunderten verschiedene Mediationsformen, welche zu unterschiedlichen Bewusstseinsformen führen. Es gibt auch Menschen die sich von allem weltlichen Abschotten, um den Zustand der Erleuchtung zu erlangen. Also bewusst keine Nachrichten, keine Technik, nicht sprechen, keine Partner, keinen Sex und so weiter. Nenn ich Kopf in den Sand stecken. Gibt da aber auch wieder die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Manche von denen schaffen es, weil sie in der Erkenntnis dessen was sie verpasst haben, das Ziel in den Zustand in den sie sich versetzen wollen, loslassen. Nach vielen Jahren der Askese is das dann ebenfalls ein großes Loslassen. Nur können solche Erleuchteten nicht in die energetische Form wechseln. Ist ein schöner Zustand die Erleuchtung, wenn man auf jede Frage schon im Ansatz des Gedankens, die Antwort `versteht´. Nicht nur Theorie, Text und Sinn einer Antwort, sondern echtes Verstehen und innere Resonanz.“ „Du hast diesen Zustand doch schon mal beschrieben“, meint Costa. „Bist aus deinem Körper. Astralreise?“ „Das ist etwas anderes, Freund. Dabei verlässt du mit deinem Astralkörper oder dem Bewusstsein, das dir einen Körper vorgaukelt, den physischen Körper. Man kann dadurch an viele Orte reisen. Schöne Sache und auch ein bisschen gefährlich, wenn man sich keinen Anker setzt. Ohne Yvette wäre ich vor einigen Wochen da draußen verschollen.“ „Das bedeutet, du weißt, wie man in die energetische Form aufsteigt? Du warst da schon? Gibt es einen Hinweis? Ich weiß man soll selber suchen ...“, fragt Karthika. „Oh nein ich nenn mich einen Grenzgänger. Ich kann, wenn ich es will, in den Zustand des Wissens eintreten. Auch wieder raus, weil ich hier noch so vieles in der realen Welt lernen und erfahren kann. Trete ich ganz ein, dann kann ich durch diese Zone auch weitergehen. Dann is es nur noch loslassen. Da ich nicht weiß, ob man von der Energetischen auch zurückkann, hab ich mich nicht mehr weiter damit beschäftigt. Mir ist es zu riskant, etwas in die Richtung zu versuchen. Ich bin ganz happy als Grenzgänger der Stufe des Wissens oder der Erleuchtung. Hätt ja auch Yvette und euch nicht gefunden. Wahrscheinlich hätte das Universum mich aber eh nicht rüber lassen, wenn ich die ganzen `Zufälle´ betrachte die mich hier her geführt haben. Zu deiner Frage: ohne Emotionen zu kennen, und mit ihnen umgehen zu können, geht es nicht. Wenn man weder Liebe noch Leid erfahren hat, noch richtig sich in Freude fallen lassen kann, kann man diese Ebene nicht verlassen. Emotionen werden durch einen physischen Körper getriggert. Herzklopfen bei Angst oder wenn man den liebsten Menschen ansieht. Das gehört alles zusammen. Steigt man in die nächste Stufe auf, verliert man den physischen Körper und wird nur noch von Energien getragen. Ich verstehe es so, dass Emotionen die stärksten Energien sind. Sie müssen ausgeglichen sein, sonst steuert man gegen ne Wand. Damit will ich sagen, dass ich mir vorstellen kann, das man ohne diese gesammelten Erfahrungen sich in der nächsten Form nicht bündeln und bewegen kann.“ „Liebe ist das Schwerste aufzugeben. Die Liebe zu anderen Physischen“, erwidert Karthika. „Ja und nein. Je nachdem wie man es betrachtet“, erwidere ich. „So, genug Karthika. Costa verdreht schon wieder die Augen. Ich philosophiere gern und verliere mich schnell darin. Wenn du willst, treffen wir uns zu einem anderen Zeitpunkt und tauschen unsere Gedanken hierzu aus. Wie weit sind wir denn? Wann brechen wir auf?“ „Die Lumiarkon ist komplett in allen Systemen geprüft und überholt. Die Mannschaft brennt darauf, die Fornax-Galaxie zu verlassen“, sagt Cynthia. „Und um das vorwegzunehmen: Dabei geht es ihnen darum, zu forschen und Neues zu entdecken. Weniger darum sich sofort nach Lumikron zu begeben.“ „Echt?“, frage ich verwundert. „Ich dacht wirklich, dass es das oberste Ziel der lumikronischen Besatzung wäre, zurück nach Lumiarkon zu fliegen.“ „Das kann ich bestätigen. Die Besatzung treibt Neugierde an, seit ihr hier seid“, sagt Karthika. „Schön zu hören“, sage ich. „Haben sich die Turteltäubchen schon gemeldet?“ „Wenn du damit die Kanzler Bretsch und Tokisch meinst, ja. Sie haben die Hochzeit auf Samstag angesetzt. Wir haben zwei Tage“, sagt Costa. „Sind die takerischen Politiker schon da?“, frage ich. „Ja, das Flaggschiff der Vorakron, oder die Oktagon, wie du sie nennst, kam vor zwei Stunden zurück“, erklärt Yvette. „Das wüsstest du, wenn du deine Nachrichten lesen oder abhören würdest.“ „Wo wäre dann der Sinn meiner kleinen Auszeit gewesen? Habt ihr ne Ahnung, wie viel Bürokram ich hab? Der wird nich mal weniger wenn ich reinschau. Wenn die mitbekommen, das ich was erledige, schieben die gleich zwei neue Sachen nach.“ „Das wird jetzt besser, die takerische Delegation wird sich jetzt drum kümmern. Aret und Debro sind auch wieder an Bord“, sagt Yvette. „An der Büroarbeit bist du selbst schuld. Hättest du Aret und Debro keinen Landurlaub befohlen ...“ „Jaja, schon gut. Die beiden sollten ein paar Tage für sich haben, bevor es losgeht. Wir zwei können uns immer mal ein paar Stunden rausnehmen. Auch Costa und Kalari. Nur die Kommandanten weniger. Und es ist tatsächlich ja auch Teil meiner Aufgabe als oberster Kronar und takerisches Ratsmitglied.“ „Die zwei sehen auch sehr entspannt und glücklich aus, auch wenn ihnen der Zwangsurlaub zu Beginn überhaupt nicht gefiel“, sagt Yvette. „Hm ich musste ihnen mit Entzug ihres Kommandos drohen, sonst hätten sie sich die Zeit nicht genommen. Das sollte zum Gesetz gemacht werden. Frisch gebundene Paare sollten immer gleich eine Auszeit erhalten. Flitterwochen sind wertvoll.“ „Ich war über die Zwangsbeurlaubung auch erst mal sauer“, sagt Costa. „Aber ohne die Zeit würde etwas sehr Wichtiges fehlen.“ „Ich werd mit dem Rat darüber reden. Is eh ne Sitzung in ein paar Stunden anberaumt. Was mich dann doch wieder in meine Arbeit zurückbringt“, sage ich, während ich aufstehe. „Ich muss weiter. Yvette kommst du gleich mit? Die Abordnung wird sicher noch kurz mit uns sprechen wollen. Bleibt sitzen und trinkt noch ein wenig, wir finden selbst raus.“ „Netter Versuch Aaron“, sagt Cynthia. „Wenn ihr lauft, dann kommen wir mit.“ „Wie ihr wollt, dann kommt mit“, sage ich. „Lancelot? Wenn es nicht zu viel verlangt ist, könntest du die takerische Abordnung bitten, ins Atrium zu kommen?“

Die abgeordneten Takers warteten bereits in der kleinen Messe des Atriums auf uns. Da ich meine einfache Bordkombi austauschen musste und dennoch zu Fuß gehen wollte, brauchten wir knapp eine Stunde. Die Abgeordneten kamen mit Ort-zu-Ort Transport direkt in die kleine Messe. Diese Messe ist zu einem meiner Lieblingsorte für Besprechungen geworden. Unsere neuen Bordkombis sind im Grunde eine Überarbeitung der traditionellen Kronar-Uniformen und etwas mehr an die Bordkombis der Besatzung angepasst. Sie sind in einem überwiegend hellen Grauton gehalten und mit metallischen und goldenen Akzenten versehen. Die Vorderseite hat vertikale geschwungene Streifenmuster, die von der Schulter bis zum unteren Rand verlaufen. Diese Streifen, welche der Uniform ein strukturiertes Aussehen verleihen, sind bei mir in bronzemetallischen Farben gehalten und bei Yvette in strahlendem beinah leuchtendem Weiss. Auf den Schultern sind Abzeichen, die auf den Rang und die Bedeutung des Trägers hinweisen. Der Kragen ist hochgeschlossen und hat einen schlichten edlen Schnitt. Ein breiter, ebenfalls in einem metallischen Farbton gehaltener Gürtel, betont die Taille und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Mein Gürtel ist mit bronzemetallischen Linien sowie einer einzelnen markant strahlend weißen Linie versehen. Yvettes ist mit strahlend weissen Linien und einer einzelnen markanten bronzefarbenen geschmückt. Die langen und eng anliegenden Ärmel sind mit dekorativen Elementen und Abzeichen versehen. Jetzt Enden sie endlich in bequemen kurzen Manschetten. Die Elemente und Abzeichen sind wieder in den jeweiligen Farben Bronze und Weiß. Die ebenfalls in hellem Grauton gehaltenen Hosen, enden knapp über den Knöcheln, wo sie in schlichte dunkelgraue Stiefel übergehen, welche einen glänzenden, polierten Look haben. Als wir mit unserer Gefolgschaft bestehend aus der Garde und den Kommandanten Aret und Debro, in die kleine Messe eintreten, ertönt das traditionelle takerische Rufzeichen, das ein Regierungsmitglied ankündigt. Drei kurze, dann ein hoher, langer Pfeifton. Sofort erheben sich alle Anwesenden. Nachdem wir die Abgeordneten willkommen hießen und sich alle vorstellten, setzen wir uns an den großen Tisch. „Aaron der Em... “, beginnt Senir der Sprecher der Abordnung. „Entschuldigung. Aaron, vielen Dank das Ihr uns persönlich begrüßt. Wir haben es gehofft, konnten uns aber vorstellen, dass Ihr durch Eure Aufgaben stark gebunden seid.“ „Gerne. Außerdem bin ich es, der euch allen zu danken hat. Ihr alle habt eine große Reise auf euch genommen, um die Vorakron zu unterstützen. Die Vorakron haben bereits Vorkehrungen getroffen, euren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Solltet ihr zurückwollen oder etwas von Taker benötigen, so wird die Oktagon das Flaggschiff der Vorakron für euren sicheren Transport bereitstehen. Venur der nun offiziell gewählte Kanzler erwartet euch im Regierungsgebäude. Ihr werdet sehen, die Vorakron sind ein sehr intelligentes, aktives, lernwilliges und wissbegieriges Volk. Sie sind sehr sympathisch und darauf erpicht wiedergutzumachen was sie unter der Kontrolle der Eroberer, auch den Takerern angetan haben.“ „Dafür kann das Volk doch nichts! Sie hatten keine Wahl und kein Takerer hält sie mehr dafür verantwortlich.“ „Das ist korrekt, Senir. Dennoch ... versetz dich in ihre Lage. Denk an eine Situation in deinem Leben, in der du dachtest, nicht anders handeln zu können, und du eventuell heute noch immer darüber philosophierst, ob es nicht doch eine andere Möglichkeit gegeben hätte. Die Vorakron konnten durch den Schmerz nicht anders handeln. Jedenfalls nicht lang genug, um einen Aufstand auch nur zu planen. Jetzt ist der Schmerz – also der Zwang – weg. Jetzt, denken sie, sie hätten vielleicht doch etwas tun können. Das liegt in der Natur jeden denkenden und fühlenden Wesens. Eltern machen sich, selbst wenn ihre Kinder erwachsen sind, noch Vorwürfe das sie im Baby oder im Kindesalter, zu streng oder für das heutige Wissen, das sie haben, falsch, gehandelt haben.“ „So habe ich es noch nicht betrachtet. Ja, es ist verständlich. Wir werden das Beachten und daraus entstehende Möglichkeiten für Missbrauch durch Außenstehende unterbinden. Ihr brecht bald auf?“ „Ja, wir werden in vier Stunden aufbrechen, wir wollen früh bei den Helitern sein“, antwortet Debro. „Der Rat bat mich, nochmals zu betonen, auf eure Sicherheit zu achten“, sagt Senir. „Das wird er mir jetzt dann in der Ratssitzung sicher auch wieder sagen“, erwidere ich. „Dann wünschen wir Euch eine gute Reise und viel Erfolg bei der Suche nach Lumikron.“

Eine Viertelstunde vor dem Sprung nach Helit bin ich mit Yvette und meiner Garde auf der Brücke. Die üblichen Wachen bleiben an den Eingängen zur Brücke. Cynthia, Costa, Kalari sowie Karthika die Sicherheitschefin der Lumiarkon, sind an ihren Plätzen an den Stationen. „Wie war eigentlich euer Urlaub?“, frage ich die Kommandanten. „Vorakron ist wunderschön und unglaublich gastfreundlich. Man brachte uns auf ein Anwesen am Meer in der Nähe eines kleinen Ortes. Aber das weißt du sicher“, antwortet Aret die zweite Kommandantin und Mutter meiner Yvette. „Hm, hab Venur nur eine Empfehlung gegeben. Wie es dann im Endeffekt lief ...“ „Wir hatten viel Ruhe und Zeit zu zweit. Abendspaziergänge bei Sonnenuntergang. Abendessen in dem kleinen Ort. Es gab sogar Musik und Tanz. Wir hatten Ruhe, wenn wir es wollten und auch Gesellschaft, wenn wir es wünschten“, antwortet Debro der erste Kommandant der Lumiarkon. „Selbst Arets Garde konnten wir nicht sehen. Meine Luciana hat sie einmal über das Armband angerufen und nachgefragt, weil sie beunruhigt war.“ „Verräter ... das klären wir später! Ich bin es gewohnt ständig von Wachen begleitet zu werden“, erklärt Aret. „Venur hat den ganzen Ort dafür sozusagen isoliert, um für die Sicherheit zu sorgen“, erkläre ich. „Er ist der perfekte Kanzler für das Reich. Wir haben ihn zu einem gemeinsamen Abendessen in unserem Lieblingsrestaurant eingeladen. Sehr sympathisch und sehr offen. Er hofft uns beim nächsten Mal, ganz Vorakron zeigen zu können. Es wird sich einiges Ändern, jetzt da das Volk frei entscheiden und leben kann“, sagt Aret. „Fünf Minuten bis zum Sprung. Wir verlassen die Hill-Sphäre des Systems“, gibt die Navigationsstation durch. Die Hill-Sphäre ist der Bereich, in dem der gravitatorische Einfluss des Hauptgestirns, der Sonne, dominiert. Für einen Sprung durch den Hyperraum oder einen Quantensprung ist es wichtig, diesen Bereich zu verlassen. Das Aufbrechen des Raum-Zeit-Kontinuums für den Sprung in die Heimatgalaxie könnte gravitatorische Störungen verursachen, die sich auf die Planeten des Systems auswirken können. Diese Störungen sind nicht zwingend, aber wenn man es vermeiden kann, sollte man es tun. „Brücke an Besatzung: Vorbereiten für Quantensprung!“, ruft Debro über die Bordsprechanlage. Alle an Bord werden sich jetzt auf Sitze setzen und angeschnallt werden. Überall dort wo sich keine entsprechenden Sitze fest installiert befinden, fahren wie hier auf der Brücke neben den Türen, Notsitze aus den Wänden. Selbst unsere Wachen setzen sich und schnallen sich an. Die Brücke ist in dieser Vorsprungphase für jeden Zutritt verriegelt. „Eine Minute bis zum Quantensprung“, meldet die Navigation. Nach Ablauf der Minute verzerrt sich wieder die Sicht. Das Gefühl, als würde man von einem Transporter erfasst, stellt sich ein. Anders als beim Transporter, hat man hier eine verzerrte Wahrnehmung und Schwindel. Deshalb müssen alle sitzen bei solch einem Sprung. Der Gleichgewichtssinn ist beeinflusst. Nach einer gefühlten Ewigkeit ist alles mit einem Mal wieder klar. Anders als bei meinem ersten Quantensprung ist mir heute nicht so übel geworden. „Wir stehen kurz vor dem System der Heliter. Systeme fehlerfrei. Stationen alle grün“, meldet die Navigation. „Wie geht es unseren Freunden von der Erde?“, fragt Debro. „Mir gehts gut. Du klingst wie immer und mir is auch nicht übel“, antworte ich. „Ja, auch mir gehts gut“, bestätigt Costa. „Erstaunlich, dass ihr euch schon beim zweiten Quantensprung angepasst habt“, sagt Eltara die Chefärztin. „Wollt ihr den Cocktail trotzdem? Sind viele gute Sachen drin.“ „Nein!“, antworten Costa und ich im Chor. „Dacht ich mir. Es war auch nicht ernst gemeint. Medikationen verabreiche ich nur, wenn sie wirklich nötig sind. Dennoch, bevor ihr nach Helit geht ... habt ihr beide euch bei mir auf der MediStation zur immer noch nicht durchgeführten Grunduntersuchung zu melden! Ich erteile euch sonst keine Freigabe das Schiff zu verlassen!“ „Aaron, kannst du da was machen?“, fragt Costa. „File – Freund, in dem Fall, leider nein. Es ist kein Notfall, der uns hierher gebracht hat, es steht kein Kampf im Raum, also kann Eltara als die Chefärztin hier an Bord, mich dazu verdonnern, wenn ich einen anderen Planeten besuchen will.“ „Es wird nicht allzu lange dauern“, verspricht Eltara. „Ich sehe euch dann in einer Stunde auf meiner Station.“ „Anruf von Helit!“, meldet die Kommunikation. „Auf den Schirm!“, befiehlt Kommandantin Aret. „Ihr seid wirklich gekommen! Willkommen im Helit-System!“, begrüßt uns Kanzler Bretsch. „Meine andere Hälfte – Kanzler Tokisch – ist gerade in den Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten. Er übertreibt maßlos ... aber ich lasse ihn. Er soll bekommen, was er sich erträumt. Wenn es ihn so glücklich macht, dann macht es mich auch glücklich.“ „Hallo Bretsch, um nichts in der Welt würde ich mir das entgehen lassen“, sage ich. „Oh lieber Aaron, du kannst dir nicht vorstellen, was es für uns alle bedeutet, das ihr gekommen seid. Ich werde Tokisch und das Volk gleich informieren das ihr da seid. Wir werden im Palast auf Helit Blau, Räume für euch vorbereiten. Ich lasse euch die Landekoordinaten durchgeben.“ „Landekoordinaten? Du weißt schon das die Lumiarkon 1.400 Meter lang und 750 breit ist?“, erwidere ich. „Ach Dummerchen ... das weiß ich doch. Es wäre schön, wenn ihr mit einem kleinen Schiff kommen könntet anstelle mit dem Transporter. Das Volk ...“ „Verstehe, wir sollen dann noch ne Schleife drehen.“ „Das wäre großartig und ist persönlicher. Jetzt muss ich aber unbedingt die Neuigkeiten raus geben – bevor mir einer der Nachrichtensender zuvorkommt!“ Damit trennt er auch schon die Verbindung. „So, Dummerchen. Noch ne Runde Sparring, bevor wir auf die MediStation gehen?“, fragt Costa lachend. „Das mit den Freiheiten in der Ansprache überleg ich mir doch nochmal“, erwidere ich lachend. „Ja, Sparring passt gut vor dem Besuch. Dann hat Eltara wenigstens gleich was zu tun bei mir.“ „Du wirst schon besser ...“, sagt Costa. „... ein klein wenig“, setzt Kalari nach. „Nun haut schon ab! Die Brücke ist schon wieder zum Tollhaus geworden“, sagt Kommandant Debro lachend. „Ich werde die Kronaris aufpolieren lassen.“ „Kronaris?“, frage ich verwirrt. „Robots?“ „Nein, das ist dein persönliches Schiff“, erwidert Kommandantin Aret. „Schön, dass es immer wieder Überraschungen gibt“, sage ich. „Nur gut, das das Schiffchen nicht `Lukroni´ oder so heißt.“ „Wie kommst du denn darauf?“, fragt Aret. „Weil wir wirklich vieles ähnlich bezeichnet haben“, antwortet ihr Debro. „Lumikron ist unsere Sonne und System, Lumikroni der Name der Individuen, Lumiarkon dieses Schiff, Luminar unsere spirituellen Führer. Aaron hatte das schon einmal angesprochen.“ „Ich sehe, was du meinst, jetzt da du es so ansprichst.“ „Genau so erging es auch mir, als Aaron davon sprach.“ „Ja, und die Regierung besteht aus dem Rat der Weisen, den Kronar, der aus den erfahrensten und weisesten Mitgliedern des Volkes besteht. Dieser Rat arbeitet eng mit den Luminar zusammen, um die Harmonie und das Wohlergehen des Volkes zu gewährleisten. Dazu und über den Rat der Kronar kommt noch der oberste Kronar. Der ist sozusagen der oberste Administrator. Zu dem habt ihr mich gemacht. Jetzt habt ihr mir eröffnet, dass ich ein eigenes Schiffchen habe, das ihr `Kronaris´ getauft habt. Viel Fantasie habt ihr nicht bewiesen.“ „Malaka, sei froh. Du weißt, dass man in Griechenland das kleine Schiff dann `Lumiarkaki´ genannt hätte. Das `kaki´ als Endung für eine Verniedlichung“, sagt Costa. „Filaraki – Freundchen, lass uns trainieren geh‘n. Nicht das die hier den Namen passender finden. Da bleib ich lieber bei Kronaris.“ Mit diesen Worten verlasse ich den Raum, dicht gefolgt von meinen Freunden und Wachen, während die Brückenmannschaft vor Lachen brüllt. Selbst Kalari lacht laut. Klar, ihr Costa ist 2,05 Meter groß und ein Kraftpaket. Da mit einer Verniedlichung zu kommen ... Wir sind direkt in den Sparringsraum gegangen. Während ich mich vorbereite, muss ich schmunzeln. Der Sparringsraum befindet sich auf dem Kronar-Deck. Wieder das Wort Kronar. In dem Fall die Bezeichnung für das Deck, auf dem sich die Quartiere des obersten Kronar, seiner Garde und der Kommandanten des Schiffes befinden. Ebenfalls befinden sich dort die privaten Trainingsräume, Meditationsraum, private Messe und sogar ein Ausrüstungslager. Letzteres falls die Replikatoren und Transporter in Notsituationen nicht zur Verfügung stehen würden. Es ist schön, auch Räume zu haben, in denen ich mich ohne großes Aufsehen aufhalten kann. Gerade morgens wenn ich aufsteh, brauch ich in Ruhe erst meinen Sport, dann meinen Cappuccino mit nem Croissant und erst dann bin ich wach und bereit für den Tag. Bin halt so. Ich mag nach dem Aufwachen, erst mal Zeit haben meine Gedanken langsam anlaufen zu lassen. Nur gut das meine Freunde mich so gut kennen. Oft genug die letzte Zeit kam es vor, dass ich kaum Schlaf bekam, geschweige denn die Zeit für meine Morgenroutine. Wenn ich aus dem Schlaf gerissen und eilig auf die Brücke gerufen werde, steht immer schon jemand mit ner Tasse Cappuccino und nem heißen italienischen Croissant bereit. Haben eben alle Angst vor mir dem Barbaren von der Erde. Dabei wird mir warm ums Herz. Ich liebe diese Besatzung. Sind alle großartige Individuen. Verschiedene Völker, Ideologien, Religionen, ... und alle leben und arbeiten respektvoll, achtsam und offen miteinander. Wenn man hier jemanden fragt ob es ihm was ausmacht mit jemandem von nem anderen Volk oder aus ner anderen Religion zu arbeiten, kannst du in deren Blick erkennen das sie nicht versteh‘n, was du mit dieser Frage sagen willst. Hier macht man sich keine Gedanken über die Unterschiede. Denn sie sind nur äußerlich. Hier wird jedes Individuum als eine Essenz gesehen. Es wird das Wesen angesprochen. Ohne Vorurteile oder Meinungen. Auf Augenhöhe. Frag hier mal jemanden, was er von Gleichberechtigung hält. Der wird nicht verstehen, was du willst. Weils eine universelle Selbstverständlichkeit ist. „Können wir jetzt?“, fragt Costa. „Hm? Ja, klar.“ Wir stehen auf der Matte. Bewusst hierher bin ich nicht gekommen. Zu sehr in meinen Gedanken. Viel zu viel unter Dauerstrom seit wir von der Erde aufgebrochen sind. Yvette und ich stehlen uns hier und dort mal ne Stunde, um spazieren zu gehen oder unsere Energien aufzutanken. Ausgiebig Zeit haben wir nicht. Sie als leitende Forscherin ist ebenso mit Aufgaben überfüllt wie ich. Hoffentlich finden wir Lumikron schnell, dann können wir uns endlich Zeit für uns nehmen. Inzwischen wär ich um ne Woche schon dankbar. Den Traum von nem Monat Flitterwochen, hab ich aktuell schon aufgegeben. Mit einem lauten Wums lande ich auf dem Boden und werde daran erinnert, dass ich eigentlich gerade Nahkampftraining habe. „Costa! Du hast ihn voll erwischt!“, rügt Kalari. „Er hat doch die Fäuste gehoben und ist in Position gegangen“, sagt Costa sich verteidigend, während er mir auf die Beine hilft. „Was ist los mit dir? Du hast mich angesehen, dich aber nicht verteidigt.“ „Alles gut, File. War wohl in Gedanken.“ „Gehts wieder?“, fragt Costa. „Du hast den Kick voll eingesteckt.“ „Ja geht. Machen wir weiter“, sage ich. „Nein! Genug, wir gehen auf die MediStation. Du schwankst und du stehst nicht gerade“, sagt Kalari. „Wächter, bring uns alle auf die MediStation!“

Auf der MediStation wurden zwei gebrochene Rippen wiederhergestellt. Die medizinischen Möglichkeiten der Takerer und der Lumikroni sind außergewöhnlich.

---ENDE DER LESEPROBE---