Lustoase - Kerstin Dirks - E-Book

Lustoase E-Book

Kerstin Dirks

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  • Herausgeber: SALAX
  • Kategorie: Erotik
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
Beschreibung

Kerstin Dirks ist eine der erfolgreichsten Erotik-Autorinnen Deutschlands. Fernab der ausgetretenen Klischees erschaft sie fesselnde, inspirierende Geschichten, um ihre Fans zu begeistern. Lustoase ist eine Sammlung heißer Kurzgeschichten mit verheißungsvollen Titeln wie Lustportrait Wilder Barbar Spiel mit dem Feuer Cyberlove Roomservice von einer Meisterin der erregenden Worte. Dabei verwebt sie geschmackvolle SM-Szenarien mit zärtlicher Lust zu einer unwiderstehlichen Mischung, die Lust macht auf mehr ... im wahrsten Sinne des Wortes.

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Seitenzahl: 285

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Kerstin Dirks

Lustoase 1

1. Auflage März 2014

Cover by Agnieszka Szuba, tbwcreative.com unter Verwendung eines Bildes© Subbotina Anna – Fotolia.com

©opyright 2014 by Kerstin Dirks

Lektorat: Franziska Köhler

Ebook-Erstellung: nimatypografik

ISBN: 978-3-944154-07-7

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder

eine andere Verwertung ist nur mit schriftlicher

Genehmigung des Verlags gestattet.

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U-LINE

Edition Dunkelkammer

U-line UG (haftungsbeschränkt)

Neudorf 6 | 64756 Mossautal

www.u-line-verlag.de

Inhalt

Lustporträt

Wilder Barbar

Spiel mit dem Feuer

Cyberlove

Roomservice

Lustporträt

Babette rekelte sich in einem Meer aus Kissen, die leise unter ihr raschelten. Sie spürte den samtenen Stoff an ihrer nackten Haut und bedeckte ihre Scham lediglich mit einer Feder.

«Wundervoll, jetzt schau in die Kamera», forderte Max sie auf.

Babette gehorchte und setzte einen lasziven Blick auf, als wollte sie den Zuschauer verführen. Der Film, der um Mitternacht im Keller von Maximilians Villa mitten in Los Angeles gedreht wurde, würde allerdings niemals in die Kinos kommen. Dafür war er zu verrucht, zu unanständig.

«Du bist die nächste Leinwandgöttin, das prophezeie ich dir», hatte er gesagt, als sie sich kennengelernt hatten. «Ich mache dich zum Star!»

Das war nun schon fünf Jahre her und Babette war damals noch sehr blauäugig gewesen. Tatsache war, sie hatte in mehreren Filmen mitgespielt, hatte jedoch immer eher kleinere Rollen ergattert. Und das obwohl Max in der Branche viel Einfluss hatte. Dieser Film jedoch sollte eine ganz andere Qualität erreichen.

«Spreiz die Beine», forderte er sie auf.

Babette gehorchte abermals. Ihre Tanzausbildung kam ihr zugute, denn sie konnte die Beine problemlos so weit spreizen, dass sie fast im Spagat mündeten. Die Feder blieb jedoch, wo sie war, darauf achtete Babette stets. Wenigstens dieses kleine Geheimnis wollte sie wahren.

«Spiel mit deinen Brüsten.»

Ihre linke Hand glitt über ihre Rundungen, sie zog an ihren Nippeln, damit sie schön lang und steif wurden. Zu schade, dass man ihre rote Farbe nicht erkennen würde. Manchmal fragte sie sich, ob die Filme eines Tages auch in Farbe zu sehen sein würden. Max lachte über solche Gedanken. Er fand sie albern und unnütz.

In solchen Momenten bereute es Babette, diesen Mann geheiratet zu haben. Er war anfangs ein anderer gewesen. Zuvorkommend, liebevoll, zärtlich. Aber der erwartete Erfolg war ausgeblieben und hatte ihn verändert. Einfluss mochte er haben, doch er war alles andere als populär.

«Nimm deinen Finger in den Mund.»

Sie lutschte an ihrem Finger. Babette liebte die Schauspielerei. Sie konnte sich nicht vorstellen, irgendetwas anderes zu machen. Die Kunst lag ihr im Blut. Das hatte Max gleich erkannt. Bei einem Vorsprechen waren sie sich zum ersten Mal begegnet. Er hatte eine junge Schauspielerin gesucht, die genau ihrem Typ entsprach. Hochgewachsen, schlank, mit einem puppenhaften Gesicht. Dennoch war sie schüchtern und zurückhaltend, was man ihr auch in ihren Rollen anmerkte.

Max liebte es, sie in eine Verführerin zu verwandeln. Er mochte diese beiden Seiten an ihr, die sie perfekt verkörperte, weil beide Seiten ein Teil von ihr waren.

Ihre Zunge glitt an ihrem Finger hoch und wieder runter. Max stöhnte leise, und als sie zu ihm blickte, erkannte sie die Beule in seiner Hose.

«Wir machen hier einen Schnitt», erklärte er und setzte sich zu ihr.

Babette ließ es zu, obwohl sie schon seit Langem keine ­Gefühle mehr für ihn hegte. Nachdem er sich so gewandelt hatte, war auch ihre Zuneigung für ihn verschwunden. Max ahnte davon nichts. Es hätte ihn wütend gemacht und Babette wollte ihn nicht unnötig aufregen.

Seine Hand legte sich auf ihr üppiges Dekolleté, streichelte ihren Busen. Eine Gänsehaut bildete sich an dieser Stelle. Er griff nach ihrem Handgelenk, führte ihren Zeigefinger, den sie eben noch liebkost hatte, zu seinem Mund und lutschte an diesem.

Plötzlich überlegte er es sich anders. «Wir drehen doch noch weiter», sagte er und ließ von ihr ab. So geschah es oft. Immer wenn er kurz davor stand, Zärtlichkeiten mit ihr auszustauchen, brach er ab und flüchtete.

Babette seufzte leise, beklagte sich aber nicht, denn auch das hatte keinen Sinn. Sie konnte nicht mehr mit Max reden, zumindest nicht so wie früher. Es schien, als wäre er völlig in seiner Welt gefangen und unerreichbar für sie.

Er veränderte die Lichteinstellungen, war wie besessen von der perfekten Aufnahme, doch diese wollte ihm einfach nicht gelingen.

«Ändere bitte deine Position.»

«Wie soll ich mich denn hinlegen?»

«Ich weiß auch nicht, mach einfach etwas anderes.»

Sie wechselte die Seite, legte sich nun auf den Bauch und kreuzte ihre Beine über ihrem Po. Die Lage war sehr angenehm, doch sie gefiel Max nicht.

«Vielleicht solltest du mal eine Pause einlegen?»

«Red nicht dazwischen, wenn ich nachdenke!», fuhr er sie an.

Jetzt war es aber genug. Babette hatte Verständnis für die Künstlerseele ihres Mannes, doch sie ließ sich von ihm nicht wegen einer Nichtigkeit anschnauzen. Zumal sie es nur gut mit ihm gemeint hatte.

«Na schön, dann denk weiter nach, ich jedenfalls brauche eine Pause.»

Sie verließ den Keller und ging ins Bad, um sich ein wenig frisch zu machen. Obwohl es Hochsommer war, fror sie und eine Gänsehaut bildete sich entlang ihres Körpers. Das kühle Wasser tat sein übriges. Sie trocknete sich rasch ab. Anschließend verschwand sie in der Küche, weil sie durstig war. Sie presste sich eine Apfelsine aus, überlegte, ob sie Max auch frischen Orangensaft machen sollte, befand dann aber, dass er dafür wahrscheinlich sowieso keine Zeit hatte.

Max war in seinem Element. Filme zu machen war das Größte für ihn. Da konnte ihn selbst eine attraktive nackte Frau kaum ablenken. Sie setzte sich an den Küchentisch, trank ihren Saft und blickte nachdenklich aus dem Fenster. Ihre Ehe verlief nicht, wie sie es sich erhofft hatte. Manchmal fragte sie sich, ob sie Max überhaupt noch liebte, weshalb sie bei ihm blieb.

«Ich habe eine Idee», vernahm sie seine Stimme plötzlich hinter sich. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass er in die Küche gekommen war. Aufgeregt lief er hin und her. Kein einziges Mal sah er sie dabei an, obwohl sie nach wie vor nackt war. «Wir brauchen einen Mann.»

«Wovon redest du?»

«Für die Szene. Es fehlt ein Mann, der einen Frauenkörper liebkost.»

Einen Frauenkörper? Wieso sagte er nicht: «Der deinen Körper streichelt», schließlich war es nicht irgendeine Frau, die in dem Bett lag, sondern sie, seine Ehefrau. Sie versuchte gar nicht erst, eine Erklärung für seine seltsame Wortwahl zu finden. Viel mehr schreckte sie, dass er es tatsächlich ernst meinte.

«Du willst, dass ich mit einem anderen Mann nackt im Bett liege und er mich auch noch berührt?»

Max setzte sich und fuhr sich durch die Haare. «Verstehst du denn nicht? Es haucht der Szene Leben ein. Ich will dich festhalten, so wie du bist. Du wirst unter den Berührungen erblühen. Und ich werde es einfangen, für die Ewigkeit festhalten. Das ist es, was ein Porträt ausmacht.»

Sie roch keine Alkoholfahne aus seinem Mund, aber es klang dennoch, als hätte Max ein wenig zu tief ins Glas geschaut.

«Es wird ein fantastisches Kunstwerk.»

«Das nie jemand sehen wird.»

«Eines Tages womöglich doch. Wenn die Zeit reif ist», ­prophezeite er. Aber bis dahin waren sie beide vermutlich längst tot.

«Wo soll dieser fremde Mann denn herkommen?»

Da es Max ja nicht wirklich interessierte, ob sie damit überhaupt einverstanden war oder nicht, wollte sie zumindest das wissen.

«Ich habe ein paar vielversprechende Talente ausgemacht. Ich werde ein Vorsprechen veranstalten. Wir wollen sehen, mit wem du die beste Chemie hast.»

«Du bist verrückt.»

«Was?»

«Glaubst du wirklich, ich lasse mich von deinen Bubis betatschen, die du hierher einlädst. Das kannst du gleich vergessen.»

Er ergriff ihre Hand und verhinderte, dass sie aufstand und ging. «Du bist meine Muse, meine Darstellerin, ich will dich nur ins rechte Licht rücken.»

Sie schüttelte den Kopf. Er hatte versprochen, sie zu einem Star zu machen. Was war daraus geworden? Nichts! Und jetzt wollte er sie auch noch demütigen, indem er einen fremden Schauspieler nach dem anderen in ihr Bett rief. Mit denen sollte sie die erotischen Szenen ausspielen, während Max ­dabei zusah.

«Hast du dich einmal gefragt, ob ich das alles überhaupt machen will?»

Max sah sie erstaunt an. «Ich dachte, wir wollten beide dasselbe. Den Erfolg! Der Kunst dienen.»

«Natürlich. Aber doch nicht um jeden Preis.» Sie befreite sich aus seinem Griff.

Max starrte auf seine Hände. «Na schön, du hast recht, Babette. Du weißt, ich verliere mich gern in meinen Fantasien.»

«Allerdings.» Sie schmunzelte und war froh, dass er endlich zur Vernunft kam.

«Ich mache dir einen Vorschlag. Ich treffe eine Vorauswahl. Ich werde mit den Männern Probeaufnahmen machen, du wirst sie dir ebenfalls ansehen und dann entscheiden wir gemeinsam, welchen Darsteller wir nehmen.»

Babette stöhnte innerlich auf. Max ließ einfach nicht locker. Zumindest war er zu Kompromissen bereit. Das war mehr als üblich. Sie nahm noch einen Schluck von ihrem Orangensaft und nickte schließlich.

«Also schön. Sehen wir uns deine Bubis an. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei mir, denn ich bin es, die diese intimen Szenen spielen muss.» Sie reichte ihm die Hand hin. «Einverstanden?»

Max lachte und schlug ein. «Na fein, du wirst schon die richtige Wahl treffen.»

*

Babette saß auf einer Couch in Maximilians Büro und beobachtete die drei Kandidaten, die er zum «Vorsprechen» eingeladen hatte. Tatsächlich ging es lediglich darum, einen ersten Eindruck von den Schauspielern zu gewinnen.

Einer von ihnen stammte aus Großbritannien, war nach Los Angeles gereist, um in Hollywood Karriere zu machen. In Maximilians Augen war er ein vielversprechender Kandidat, doch Babette hatte ein Auge auf einen anderen Darsteller geworfen. Er war groß, dunkel und strahlte Kraft und Männlichkeit aus. Sein Name war wie eine schöne Melodie. Vincent Calovera. Und beim Klang seiner tiefen Stimme lief Babette ein Schauer nach dem anderen über den Rücken. Schon als Vincent das Büro betreten hatte, ihr einen charmanten Blick zugeworfen hatte, hatte für sie festgestanden, dass nur er als ihr Partner in Frage kam.

Der dritte Mann war recht unscheinbar, nachdem er das Büro verlassen hatte, wusste Babette schon gar nicht mehr, wie er aussah.

«Wer ist dein Favorit? Wen laden wir zur Probeaufnahme ein?», wollte Max schließlich wissen.

«Vincent Calovera.»

«Tatsächlich?» Max schien erstaunt. «Ich favorisiere den Briten. Er hat so eine vornehme Art.»

Genau das langweilte Babette. Sie wollte lieber einen echten Kerl haben, der zupacken konnte und wusste, was er tat.

«Der Junge hat viel Ausstrahlung. Und den berüchtigten britischen Charme.»

Max schien ganz besessen von seiner Wahl, sie musste Veto einlegen. Sie war diejenige, bei der die endgültige Entscheidung lag. So war es abgesprochen gewesen.

«Ich bleibe bei meiner Meinung. Vincent Calovera sollte den Part spielen. Das ist mein letztes Wort.»

Zähneknirschend gab Max sich geschlagen. «Also schön, laden wir ihn zu einer Probeszene ein.»

«Fein.»

Das konnte tatsächlich interessant werden.

*

In der Nacht vor dem Dreh lag Babette lange wach. Sie stellte sich vor, wie sich Vincents Haut an ihrer anfühlte, ob sie sehr heiß war, vielleicht schweißbedeckt? Ob ihn ein wilder männlicher Geruch umgab, der ihr den Atem raubte? Und wie hart wohl seine Muskeln waren?

Sie drehte sich zur Seite, blickte ihren schlafenden Ehemann an. Neben ihm zu liegen fühlte sich nicht halb so aufregend an wie ein Gedanke an Vincent. War das bereits Fremd­gehen? Vielleicht hätte Babette ein schlechtes Gewissen haben sollen, doch Max ließ es an der nötigen Aufmerksamkeit und Zuneigung mangeln. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre dieses «Lustporträt» auch ohne männlichen Darsteller ausgekommen. Max war derjenige gewesen, der auf einen Mann am Set bestanden hatte.

Sie freute sich zusehends mehr auf den Probedreh. Ihre Hand verschwand in ihrem Höschen, streichelte ihre Scham, die heiß und feucht war. Babette seufzte leise, kuschelte sich in ihr Kissen und dachte an Vincent, stellte sich vor, dass er es war, der sie zum Höhepunkt streichelte, ihr die schönsten Gefühle bescherte.

Sie bekam einen süßen Orgasmus, strengte sich aber an, nicht allzu laut zu werden, während sie vom Höhepunkt überwältigt wurde, da sie Max nicht wecken wollte. Sie biss sich auf die Unterlippe, erlag dem aufregenden Prickeln in ihrem Innern und hörte erst auf, sich zu streicheln, als auch das Nachklingen verschwunden war.

Am nächsten Morgen wachte Babette früh auf. Sie fühlte sich gestärkt und voller Tatendrang, obwohl sie normalerweise ein Morgenmuffel war, der selbst wenn ein Dreh in Hollywood anstand, kaum aus den Federn kam. Sie verschwand in der Dusche, kümmerte sich anschließend um das Frühstück, als schließlich auch Max gähnend in die Küche kam.

«Guten Morgen, Liebling», sagte er, aber er sah sie nicht einmal an, versteckte sich gleich hinter der Morgenzeitung. Ein anderes Verhalten war Babette nicht von ihm gewohnt und sie machte sich nichts mehr daraus. Stattdessen fieberte sie dem aufregenden Dreh entgegen.

Um Punk zwölf Uhr klingelte es an der Tür und ein Hausmädchen ließ den jungen Mann ein, den sie für heute einbestellt hatten.

Er trug einen edlen Anzug, in dem er in Babettes Augen großartig aussah, noch männlicher als beim Vorsprechen. Seine breiten Schultern kamen gut zur Geltung, genauso wie die schmalen Hüften. Jetzt fiel ihr auch auf, wie strahlend seine azurblauen Augen waren. Sie wirkten auf sie wie ein Magnet und Babette konnte nicht anders, als sie immerzu anzusehen.

«Guten Tag, Mr. Calovera, bitte gesellen Sie sich zu uns auf die Terrasse», bot Max an, wo bereits Getränke bereitstanden.

«Sehr gern, Max.» Er schüttelte Max Hand, nahm dann die ihre und hauchte ihr charmant einen Kuss auf den Handrücken. Hatte er also doch die Qualitäten eines englischen Gentlemans. Babette fühlte sich in ihrer Wahl bestärkt.

Sie nahmen gemeinsam am kleinen Tisch auf der Terrasse Platz und unterhielten sich über das Projekt und die Anforderungen, die Max an seine Hauptdarsteller stellte. Vincent aber interessierte sich vor allem für ihre Belange, testete aus, wie weit er während des Drehs bei ihr gehen und sie berühren durfte. Solche Dinge hatten Max nie interessiert. Er schien sogar irritiert, dass Vincent diesen Details Aufmerksamkeit schenkte.

«Ich würde nichts gegen den Willen Ihrer Frau tun», rechtfertigte sich Vincent.

Das machte ihn nur noch sympathischer.

«Na schön, wir werden das alles austesten. Am besten ­machen wir uns gleich auf den Weg zum Studio.»

Studio war übertrieben. Es handelte sich um einen Kellerraum, den Max wie ein Schlafzimmer ausstaffiert hatte. Ihnen stand auch nur eine Kamera zur Verfügung, die er irgendwann einer Filmproduktion abgekauft hatte. Ein älteres Modell, das aber immer noch seinen Dienst tat.

Der Drehort war mit ein paar Spots ausgeleuchtet. Die eher dunkle Atmosphäre der Location passte jedoch gut zum ­Thema des Privatfilms.

Babette begab sich ins Bad, um sich umzuziehen und zu schminken. In einen Bademantel gehüllt kehrte sie schließlich in den Keller zurück. Es war ziemlich kalt, obwohl die Temperaturen draußen sehr angenehm waren. Sie bemerkte, dass Vincent sich unterdessen auch schon ausgezogen hatte. Im Gegensatz zu ihr fror er allerdings nicht. Sie bestaunte, wie sie hoffte unauffällig, seinen athletischen Körper. Er war wahrlich perfekt geformt, einer idealisierten Statue gleich. Ein wenig hoffte sie, dass Vincent nur Maximilians zweite Wahl gewesen war, weil er eifersüchtig auf ihn war und fürchtete, dass dieser seine Frau verführen könnte. Doch wenn sie in das Gesicht ihres Ehemanns sah, sah sie nicht den Hauch von Zuneigung in seinen Augen. Babette interessierte ihn schlichtweg nicht.

«Leg dich schon mal hin», sagte er und sie tat es. Max leuchtete die Szene aus. Erst als er zufrieden war, stellte er sich hinter die Kamera. «Wir machen einfach mal eine Aufnahme», schlug er vor und Babette rekelte sich wie immer in den Kissen, während Max sie filmte.

Aber heute war es dennoch anders. Denn ein zweiter Mann war anwesend und der sah sehr genau zu, was sie machte. Erst glaubte sie, es sich nur einzubilden, doch dann war sie sich sicher, dass Vincent die Augen gar nicht von ihr lassen konnte. Er wirkte hochinteressiert, leckte sich sogar einige Male über die Unterlippe. Machte sie ihn etwa an?

Babette wurde ganz heiß und ihre Wangen glühten. Das würde Max nicht gefallen.

«Cut. Du musst noch mal nachpudern», sagte er und Babette stieg aus dem Bett, schlüpfte in ihren Bademantel und eilte aus dem Keller ins Erdgeschoss der Villa, wo sie im Bad verschwand.

Ihre Hände zitterten, als sie das kleine Puderdöschen öffnete.­ Obwohl der Film schwarz-weiß war und der Zuschauer eine Rötung gar nicht sehen würde, würde ihre Haut jedoch unrein aussehen. Aber das war nicht das, was sie beschäftigte. Dieser Vincent machte sie ausgesprochen nervös! Er musste kaum ­etwas dafür tun, seine Anwesenheit genügte bereits. Das konnte ja noch heiter werden!

Rasch kühlte sie ihre Wangen mit Wasser, trocknete sich das Gesicht mit einem Handtuch ab und trug Puder auf. Dann kehrte sie zum Set zurück, legte sich ins Bett und Max fing wieder an zu filmen.

Vincent beobachtete sie erneut. Ihm gefiel, was er sah, daran gab es keinen Zweifel. Nur dieses Mal wollte sie sich von ihm nicht aus der Ruhe bringen lassen.

«Gehen Sie zu ihr hin», forderte Max den jungen Schauspieler auf, und ahnte dabei nicht einmal, was er anrichtete.

Die Anziehung zwischen Vincent und ihr war für beide spürbar und Max war offensichtlich blind, wenn er das nicht bemerkte und sie sogar noch in Vincents Arme trieb.

Doch der Künstler hinter der Kamera sah nur das Bild, nahm nicht das Verlangen seiner Akteure wahr. Vincent setzte sich neben sie. Sein Geruch strömte in ihre Nase und betörte sie. Er roch nach Moschus!

Sie schloss die Augen, sog diesen Duft ein, schmeckte ihn auf der Zunge. Es war berauschend. Gab ihr das Gefühl, am Leben zu sein. Sie spürte seine Nähe, die Wärme, die sein wohlgebräunter Körper ausstrahlte, während er sich langsam hinter sie setzte, seine Hände auf ihre Schultern legte, um diese sanft zu massieren.

«Sehr gut, improvisiert. Tut, was euch gerade in den Sinn kommt», befahl Max.

Auch das war ein Fehler. Vincent schmiegte seine Brust an ihren Rücken, und sie spürte jeden harten Muskel und noch etwas anderes, das sich an ihre Pobacken drückte.

Das konnte Max doch nicht gutheißen! Er musste etwas sagen, etwas tun! Das Ganze unterbinden, bevor Vincent zu weit ging. Aber Max sagte nichts, er schaute fasziniert dem Treiben zu, als wäre sie eine völlig Fremde, nicht seine Ehefrau, die gerade mit einem anderen im Bett lag.

«Lass dich fallen», flüsterte Vincent. Seine Stimme machte sie schwach.

Sie ließ sich in die Kissen sinken, drehte sich um, sodass sie auf dem Rücken lag und Vincent ansehen konnte. Der beugte sich über sie, küsste ihre Wange, ihre Halsbeuge. Ein sinnliches Prickeln breitete sich an der Stelle aus, machte sie nervös, erregte sie.

Vincents Lippen wanderten tiefer, bestäubten jeden Zentimeter ihrer Haut, hinterließen feuchte Küsse auf ihr. Was für eine wohltuende Kühlung! Babette hatte das Gefühl, innerlich zu verbrennen. Sacht nahm Vincent ihren rechten Nippel in den Mund, saugte an ihm, und sie spürte, wie er einer Knospe gleich erblühte. Das Prickeln breitete sich in ihrer Brustwarze aus, überzog auch ihren Vorhof. Einen kurzen Moment lang ließ Vincent von ihrer Brustspitze ab, leckte stattdessen über die halbrunde Form ihres Busens, ehe er sich erneut ihrem Nippel widmete, ihn abermals in seiner feuchten Mundhöhle einschloss. Dieses Mal brachte er auch seine Zähne zum Einsatz und zwickte leicht in ihre Haut. Babette stöhnte auf. Etwas Derartiges hatte Max nie getan. Natürlich hatte er sie gestreichelt, auch geküsst, aber nie war er auf die Idee gekommen, an ihrem Nippel zu saugen, sogar hineinzuzwicken. Der leise Schmerz gefiel ihr und törnte sie noch etwas mehr an.

Vincents Lippen wanderten zu ihrem zweiten Nippel, ­wiederholten das Spiel, brachten auch diesen zum Blühen. Aber das Prickeln breitete sich unaufhaltsam weiter in ihrem­ Körper aus, schoss einem süßen Gift gleich durch ihre Adern, sammelte sich in ihrer Mitte, die immer heißer wurde. Babette­ verlor die Kontrolle über ihren Körper. Sie vergaß, wo sie war und dass Max zusah. Sie konnte ihren Unterleib nicht stillhalten, rieb ihre Schenkel aneinander, weil sie es vor Lust kaum noch aushielt.

«Das gefällt mir nicht», unterbrach Max die Szene und riss Babette durch seine harschen Worte in die Wirklichkeit zurück. «Versuchen wir es andersherum», schlug er vor.

«Andersherum?», fragte Babette verwundert, denn sie wusste nicht, was er meinte.

«Dreh dich auf den Bauch.»

Vincent ging von ihr runter, setzte sich auf die Matratze, während sie sich umdrehte.

«Versuchen wir es. Achtung! Es geht los!»

Vincent kam dieses Mal von hinten, seine Lippen berührten ihren Nacken, zupften an den winzigen Härchen, die sich dort kringelten. Babette hatte gar nicht gewusst, dass sie dort eine solch erogene Zone hatte. Ein heiß-kalter Schauer jagte ihr über den Rücken, wann immer seine feuchten Lippen über ihre Haut glitten.

Langsam arbeitete sich Vincent nach unten, liebkoste ihre Schultern, küsste sie entlang ihrer Wirbelsäule und verteilte zärtliche Küsschen auf ihrem nackten Po. Zu gern hätte sie sich wieder zu ihm umgedreht, sich ihm geöffnet. Babette erschrak über ihre eigenen Gedanken und ihr unbändiges Verlangen. Wollte sie sich ihm tatsächlich hingeben?

Etwas in ihr drängte sie genau dorthin. Sie wollte seinen Körper ganz nah an ihrem spüren, sich vielleicht sogar mit ihm vereinen. Schamesröte stieg ihr ins Gesicht, als ihr klar wurde, dass ihr Ehemann all dies aus nächster Nähe mitbekommen würde. Sie schaute zu Max und dadurch versehentlich direkt in die Kamera. Ein No-Go.

«Verdammt! Die Aufnahme ist ruiniert», brüllte Max und stieß im Zorn einen Hocker um. So wütend hatte sie ihn noch nie gesehen. Unwillkürlich fing sie an zu zittern. Vielleicht auch nur vor Kälte. «Wir machen eine Pause», rief Max, dann hob er den Hocker wieder auf und setzte sich hin.

«Ich bin kurz im Bad», sagte Vincent und ging.

Kaum war er verschwunden, verspürte sie schon Sehnsucht nach ihm und eine Leere, die nur er füllen konnte. Max hingegen verunsicherte sie zusehends mehr. Wie er dasaß, auf dem Hocker, gekrümmt, den Kopf in die Hände gestützt.

Sie musste ihn trösten. Sie war schließlich seine Ehefrau! Sie stieg aus dem Bett, setzte sich vor ihn hin und legte ihre Hände auf seine Knie. «Es tut mir leid», flüsterte sie.

«Das war ausgesprochen unprofessionell. Du kennst doch die oberste Regel. Niemals in die Kamera sehen.»

«Vielleicht können wir die Szene stückeln, mehrere Schnitte einbauen.»

Max atmete tief durch, schien sich aber allmählich zu beruhigen. «Wahrscheinlich lässt sich das machen.»

Sie atmete auf. Wenn Max wütend war hatte sie auch immer ein bisschen Angst vor ihm.

«Sag mir, was ich besser machen soll», forderte sie ihn auf. Wenn er in seinem Element war und Tipps geben konnte, um die Szene zu verbessern, würde gewiss auch seine Laune steigen. Tatsächlich hellte sich sein Gesicht auf.

«Mehr Intimität. Die erste Position war doch besser», überlegte Max laut. «Du musst die Zärtlichkeit erwidern. Bisher geht die Initiative nur von Vincent aus. Ich will, dass du ihn mehr verführst, ihn streichelst, liebkost, vielleicht sogar küsst.»

Der Gedanke gefiel ihr. Sie wollte nur zu gern herausfinden, wie diese sinnlichen Lippen schmeckten. Wenn er auch nur ähnlich gut schmeckte, wie er roch, wäre sie alsbald Wachs in seinen Händen.

Babette nickte Max zu. «Ich bekomme das hin», versicherte sie.

Da ging die Tür auf und Vincent kehrte zurück. Mit jeder Faser seiner Körpers strahlte er Selbstbewusstsein aus.

«Vincent, ich würde gern etwas mit Ihnen besprechen», sagte Max und erhob sich. Beide Männer gingen zum anderen Ende des Raumes.

Sie hörte nur ein paar Bruchfetzen. Offenbar ging es um die neue Änderung und die Tatsache, dass ihre Rolle nun auch Eigeninitiative beweisen musste. Babette legte sich ins Bett zurück. Über den Kissen und Decken schwebte noch der sinnlich herbe Geruch von Moschus, den Vincent ausgestrahlt hatte. Sie konnte nicht genug von dem Aroma bekommen. Sie griff nach einem Kissen, führte den samtenen Stoff zu ihrer Nase und sog den Geruch in sich auf. Sogleich prickelte es heftig zwischen ihren Beinen und sie wurde feucht.

«Alle auf ihre Plätze», wies Max an.

Vincent setzte sich zu ihr ins Bett, legte sacht eine Hand auf ihren Oberarm und lächelte sie an. Es wirkte auf sie, als wollte er ihr Mut machen. Aber Mut brauchte sie in diesem Fall gar nicht. Auch wenn es sie anfänglich Überwindung gekostet haben mochte, mit einem fremden Mann intim zu sein, so hatte sich das nun gänzlich gewandelt. Sie mochte ihren Rollenpartner sehr.

«Und … wir fangen an!», rief Max.

Vincent beugte sich über sie, streichelte ihre Wange und kam näher, wollte sie offenbar auf die Stirn küssen, aber ­Babette wollte Initiative zeigen. Ihre zierliche Hand umschloss sein Handgelenk und führte dadurch seine Hand zu ihrem Mund. Sie hauchte ein Küsschen auf die Kuppe seines Zeigefingers. Vincents Augen weiteten sich erstaunt und bekamen einen sehnsüchtigen Glanz. Ihr gefiel sein Blick, weil er von Verlangen kündete. Das war nicht geschauspielert! Babette küsste seinen Finger abermals, umschloss die Kuppe mit ihren Lippen und saugte sanft an dieser.

Der Moment war unbeschreiblich intim und Babette vergaß Max und die Kamera, tauchte ein in diese wahrgewordene Fantasie. Ihr Körper verzehrte sich nach Vincents und ihm ging es nicht anders. Obwohl er noch eine Unterhose trug, spürte sie die Beule in seiner Hose, die beständig an ihrem Slip rieb. Es wurde unerträglich heiß in dem kleinen Kellerzimmer. Es prickelte heftig in ihrem Schoß. Schweiß perlte von Vincents Stirn und auch über ihre eigene. Die Hitze breitete sich überall aus und mit ihr der männliche Geruch ihres Schauspielpartners.

Babette ging in diesen Moment auf, fühlte sich wie eine Rose, die immer zu wenig Wasser bekommen hatte, die nun aber geliebt und versorgt wurde und daher aufblühte, schöner denn je.

«Ausgezeichnet. Alles im Kasten», unterbrach Max den Zauber, der sich über Vincent und sie gelegt hatte.

Vincent ließ von ihr ab, doch sie sah in seinem Blick, dass er das nur ungern tat. Ihr ging es nicht anders. Wie furchtbar das eigentlich war, denn ihr wurde klar, sie begehrte einen Mann, der nicht ihr Gatte war! Die Situation war ihr mit einem Mal peinlich, rasch hielt sie sich ein Kissen vor ihre Blöße. Vincent stieg aus dem Bett und verschwand durch die Tür. Babette blickte zu Max, auf dessen Lippen sich ein Lächeln abzeichnete. Der Künstler war zufrieden, doch er ahnte gar nicht, was hier vor sich gegangen war. Er hatte die feinen Zeichen nicht gesehen oder nicht sehen wollen.

«Ich ziehe mich zurück, wenn es dir recht ist», sagte Babette. Max hob den Blick und nickte nur. Babette beeilte sich aus dem Keller zu kommen, sie wollte schnell in den zweiten Stock, duschen und einen klaren Kopf bekommen.

*

Zwei Tage später war Max in Hollywood unterwegs. Er bereitete einen Film vor, der nichts mit seinem Lustporträt zu tun hatte. Viel mehr handelte es sich um eine Komödie. Beliebter Stoff in diesen Tagen. Babette fühlte sich frei, seit Max außer Haus war. Nicht, dass er besonders kontrollierend gewesen wäre, aber seine Dominanz schien auch im Alltag durch. Alles musste immer perfekt sein. Sie sollte immer perfekt aussehen, tat sie das nicht, strafte er sie mit Nichtachtung. Es war nicht einfach, die Frau eines aufstrebenden Regisseurs zu sein.

Babette saß gerade in der Hollywoodschaukel, als ihr Angestellter die Terrasse betrat. «Ein gewisser Mr. Calovera ist hier.»

«Vincent?», fragte sie erstaunt. Was wollte der denn hier? Heute war kein Drehtag angesetzt und Max war auch nicht da. Wollte er etwa zu ihr? Die Vorstellung machte sie ganz nervös und ihre Wangen fingen an zu glühen.

«Bitten Sie ihn herein, Anthony.»

«Sehr wohl!»

Der Angestellte deutete eine höfliche Verbeugung an und ging, kurz darauf kam er mit Vincent wieder, der einen Strauß roter Rosen bei sich hatte. Babette erhob sich und kam ihm entgegen. Wie blendend er wieder einmal aussah. Er strahlte vor Lust und Leben, vor Männlichkeit und Kraft. Der edle Anzug betonte seine Figur, seine Augen leuchteten förmlich. Er nahm ihre Hand, küsste sie galant und reichte ihr die Blumen.

«Für mich?», fragte Babette erstaunt und gerührt.

«Selbstverständlich.» Er lächelte gewinnend.

Babette steckte ihre Nase in die Blüten, nahm den süßen Duft auf. Dann reichte sie Anthony den Strauß. «Bitte geben Sie den Blumen Wasser.»

«Sehr wohl», sagte er und verabschiedete sich.

Babette deutete auf die Hollywoodschaukel. «Bitte, setzen Sie sich doch.»

Vincent nahm Platz und sie tat es ebenfalls. Immer noch strahlte er übers ganze Gesicht, und es schien, als könne er den Blick gar nicht von ihr abwenden.

«Sie sollten eines wissen: Mein Mann ist derzeit nicht hier.»

«Ich weiß. Ich wollte auch gar nicht zu ihm, sondern zu Ihnen.»

«Tatsächlich?» Ihre Wangen wurden noch röter und prickelten heftig. Es tat fast weh. «Was verschafft mir denn die Ehre Ihres Besuches?»

Sein Lächeln wurde größer. «Ich weiß es selbst nicht so genau. Ich musste Sie einfach wiedersehen, Babette. Ich habe nach unserem letzten gemeinsamen Dreh oft an Sie … an dich gedacht.»

Jetzt schlug auch noch ihr Herz zu allem Überfluss viel zu schnell. Rasch fächelte sie sich mit einer Hand frische Luft zu. «Mir erging es ganz ähnlich, lieber Mr. Calovera.»

«Bitte, nenn mich Vincent.»

«Vincent.» Sie nickte. Wie schön dieser Name klang. Mystisch, geheimnisvoll, aber auch sinnlich.

«Es scheint, als hätten wir beide dasselbe empfunden.»

Sie wich seinem Blick aus. Natürlich hatte er recht, aber was war sie für eine Ehefrau, wenn sie Vincent in dem Punkt einfach zustimmte. «Du hast sicherlich etwas falsch verstanden», sagte sie gequält.

«Habe ich das? Ich sah Lust in deinen Augen.»

«Lust?», empörte sie sich. Was für ein ungehobelter Kerl. Und doch hatte er ja recht, sie wollte es nur nicht wahrhaben.

«Ich sehe sie selbst jetzt noch.» Erneut ergriff er ihre Hand, hauchte wieder einen Kuss auf diese. Sogleich bildete sich eine Gänsehaut entlang ihres Arm und jedes noch so kleine Härchen stellte sich auf. «Und sie ist auch spürbar», fügte Vincent hinzu.

«Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?», unterbrach Anthony die Szene.

Babette wich ein Stück von Vincent weg. «Sie haben mich erschreckt, Anthony.»

«Das tut mir leid.»

Sie fuhr sich durch ihre Haare, ordnete diese, obwohl sie gar nicht durcheinandergekommen waren.

«Darf es also eine Erfrischung sein?»

«Für mich nichts, danke», sagte Vincent, den die Situation­ offenbar gar nicht aus der Ruhe brachte. Er wirkte nach wie vor selbstbewusst, vielleicht sogar noch etwas stolzer als ­zuvor.

«Und für Sie?»

Babette schüttelte den Kopf. «Nichts. Ich brauche nichts. Danke, Anthony.»

Anthony ging, doch sein Blick verriet, dass ihn die Situation äußerst misstrauisch machte. Hoffentlich würde er Maximilian­ gegenüber keine Andeutung machen. Babette wusste nicht, wie Max auf Derartiges reagieren würde. Sie traute ihm alles zu. Vom Desinteresse bis zum Wutausbruch.

«Jetzt sind wir wieder ungestört», flüsterte Vincent und rückte wieder etwas näher.

Sie spürte die Hitze seines Körpers, die sich auf ihren übertrug. «Bitte, Vincent, das dürfen wir nicht.»

«Was dürfen wir nicht? Unseren Herzen folgen?»

«Das ist falsch, das wissen Sie so gut wie ich.»

«Du …»

«Wie bitte?»

«Wir sind beim Du.»

«Ja, richtig.» Sie konnte ihm einfach nicht in die Augen sehen, die Gefahr, sich in ihnen zu verlieren, war viel zu groß.

«Anthony wird uns jetzt nicht mehr stören», versicherte Vincent. Doch wie wollte er da sicher sein? Er rückte nochmals näher, ergriff abermals ihre Hand und legte sie frech in seinen Schritt, damit sie die dicke Beule spürte, die wild in seiner Hose pulsierte.

Babette erschrak, doch mit einem Mal fühlte sich ihr Mund trocken an und sie spürte einen dicken Kloß im Hals. Alles in ihr wollte diesen Mann. Sie wollte seinen Körper ganz nah an ihrem spüren, sich mit ihm vereinen. Aber das durfte sie nicht. Sie hatte einen anderen geheiratet. Einen kalten Klotz, der kein Interesse mehr an ihr hatte.

«Bitte», flüsterte Vincent zärtlich. «Ich weiß, dass du es genauso sehr willst wie ich.»

Babette schloss die Augen, und als er ihr Handgelenk endlich losließ, ließ sie die Hand liegen, wo sie war, weil sie es nicht anders wollte. Weil er recht hatte.

«Nicht hier», sagte sie leise, hob den Blick und sah ihm in die Augen. «Hier kann man uns sehen. Die Nachbarn. Anthony.» Sie erhob sich und ging ins Haus zurück. Vincent folgte ihr. «Warte einen Moment, ich schicke Anthony fort», sagte sie und läutete ein Glöckchen, das auf dem Regal lag.

Anthony kam sogleich und beäugte beide misstrauisch, wie er es auch schon zuvor getan hatte. Sie konnte ihm kaum einen Vorwurf machen, sie wusste, wie merkwürdig die Situation aussehen musste.

«Anthony, ich brauche noch etwas vom Markt. Bitte seien Sie so gut und besorgen mir geräucherten Lachs.»

«Für das Mittagessen hatte ich etwas anderes geplant.»

«Ich habe großen Appetit auf Fisch.»

«Na schön, ganz wie Sie meinen.» Sein Blick glitt zu Vincent Calovera, dann verneigte er sich jedoch und ging.

«Wir haben nicht viel Zeit», sagte Babette und ergriff Vincents Hand, lief mit ihm zum Gästezimmer, das sie rasch aufschloss.

Vincent lachte leise. «Das ist ein Abenteuer.»

«Ja, das uns Kopf und Kragen kosten kann», erinnerte sie ihn. Sie öffnete ihm die Tür, merkte dann aber, dass sie derart nervös geworden war, dass sie dringend etwas zur Beruhigung brauchte. «Ich hole uns Champagner», erklärte sie und eilte in die Küche.

Mit einem Kübel voll Eis und einer ungeöffneten Flasche kehrte sie zu Vincent zurück. Als sie das Gästezimmer betrat, lag dieser bereits nackt im Bett. Fast fiel ihr der Kübel aus der Hand. Dieser Mann sah einfach traumhaft aus. Die starken Schultern, die harten Brust- und Bauchmuskeln, er hätte das Werk Michelangelos sein können. Sie stellte den Kübel auf das Nachtschränkchen neben dem Bett, dann setzte sie sich zu ihm und knöpfte ihre Bluse auf.

«Lass mich dir helfen», bat Vincent und beugte sich vor. Seine starken Hände griffen nach den Knöpfen, öffneten Stück für Stück ihre seidenweiche Bluse und befreiten ihre nackten Brüste, die ihm entgegenwogen.

«Kein BH?», staunte er.

Tatsächlich benötigte sie keinen, sie war von Natur aus sehr schlank. Seine Hand legte sich auf ihr Dekolleté, strich über die zarte Haut, unter der sich feine Äderchen erhoben. Sie ging ungern in die Sonne und wenn dann auch nur mit Sonnenschirm.

«Vornehme Blässe», sagte er leise. «Bist du eine Adlige?»

Babette lachte. «Nein. Meine Familie stammt zwar aus Frankreich, aber wir haben kein blaues Blut in den Adern. Zumindest nicht, dass ich es wüsste.»

«Aber Französisch beherrschst du wohl?»

«Mais oui.» Sie lachte, aber erst dann fiel ihr die Zweideutigkeit seiner Äußerung auf und sie gab ihm einen kleinen Stoß in die Seite. «Ich erwarte eigentlich, dass du mich verführst.»