Mädchen im Ocean - Axel Rudolph - E-Book

Mädchen im Ocean E-Book

Axel Rudolph

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  • Herausgeber: SAGA Egmont
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2019
Beschreibung

Eine Geschichte, die den Leser direkt in die Geschehnisse hinein zieht!Mr. Bond leitet in Singapur das Unternehmen "Immobilien-Verwertungskontor J.H. Bond & Co. Ltd.". Doch darüber hinaus muss er auch darauf achten, dass keine Informationen durch gegnerische Agenten nach außen geraten. Doch trotz all der Mühen werden doch Auskünfte weiter gegeben. Und währen Mr. Bond versucht alles unter seiner Kontrolle zu halten, sammelt die junge Frau Lis van Dersen weiterhin Intel, um ihre Existenz zu bewahren....-

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Seitenzahl: 239

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Axel Rudolph

Mädchen im Ocean

Roman

Saga

Mädchen im Ocean

Copyright © 1938, 2018 Axel Rudolph und Lindhardt og Ringhof Forlag A/S

All rights reserved

ISBN: 9788711445143

1. Ebook-Auflage, 2018

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für andere als persönliche Nutzung ist nur nach Absprache mit Lindhardt og Ringhof gestattet.

SAGA Egmont www.saga-books.com und Lindhardt og Ringhof www.lrforlag.dk – a part of Egmont www.egmont.com

1.

Mr. Bond, Chef des „Immobilien-Verwertungskontors I. H. Bond & Co., Ltd.“ in Singapore tat einen scharfen Pfiff in das Sprachrohr neben seinem Schreibtisch.

„Hallo, Jackson! Was ist das mit Ihnen heute? Wie lange soll ich noch auf die Dechiffrierung warten, he?“

Die harte, kalte Stimme verfehlt ihre Wirkung nicht. Kaum fünf Minuten später legt Mr. Jackson, der erste Clerk, die Mappe mit den eingegangenen Morgendepeschen vor seinen Chef hin.

„Excuse, Sir. Einige postalische Wortverstümmelungen erschwerten die Entzifferung.“

Mr. Bond knurrt nur etwas Unverständliches und überfliegt schnell die Blätter. Eine det Depeschen scheint ihn besonders zu interessieren. Er behält sie in der Hand, liest den Inhalt noch einmal sorgfältig und hebt dann überrascht den Kopf zu dem wartenden Angestellten.

„Taylor meldet aus Yokohama: Alle Zerstörer-Einheiten der japanischen Flotte zur Zeit in ihren Heimathäfen, einschliesslich des Zerstörers „Sakura“. — Hm. Das stimmt überein mit den Meldungen, die wir gestern aus Tschemulpo und aus Nagasaki erhielten.“

Jackson zuckt die Achseln. „In der Tat, Mr. Bond. Aber das ist doch einfach unmöglich!“

„Sie setzen Zweifel in die Richtigkeit der Meldung unserer Leute?“ fragt Mr. Bond sachlich und vertieft sich sofort wieder in die Depeschen.

Mr. Jackson macht eine verneinende Bewegung. „Taylor weiss, was er meldet. Aber wie soll man sich das erklären, Chef? Alle Zeitungen berichten übereinstimmend, dass vor einigen Tagen ein japanischer Zerstörer im südchinesischen Meer gesunken ist. Die japanische Admiralität bestätigt die Nachricht amtlich und fügt hinzu, dass es sich um den Zerstörer „Sakura“ handelt, und dass die Besatzung von dem Zerstörer „Taschibena“ aufgenommen und gerettet werden konnte. Und nun berichtet Kollege Taylor auf einmal, dass die gesunkene „Sakura“ mohlbehalten und friedlich in ihrem Heimathafen liegt. Das versteh ein anderer!“

„Satteln Sie um, Jackson, und werden Sie Sandwichman!“ Mr. Bonds faltiges Gesicht verzieht sich zu einem verächtlichen, kurzen Feixen. „Was ist da viel zu verstehen? Es handelt sich natürlich um ein ganz anderes Boot, das . . .“ Er unterbrach seinen Satz und wendet die Augen ärgerlich nach der Tür, in der ein anderer Angestellter erschienen ist und sich mit einem Stenogrammblock dem Schreibtisch nähert. „Was ist los, Deep?“

„Ein Mann, der Kapital sucht“, bemerkt der Angestellte knapp und deutet auf die Blätter, die er vor Mr. Bond hinlegt. „Er verhandelt im vorderen Kontor mit Kinsley.“

Mr. Bond nimmt ohne Überraschung die Blätter zur Hand. Es gehört zu den Gepflogenheiten der Firma Bond & Co., dass ein in einem Nebenraum sitzender Angestellter die Verhandlungen mitstenographiert, die neue, bisher unbekannte Kunden mit dem sie empfangenden Clerk führen.

Mr. Bond hat auf diese Weise den Vorteil, stets bereits im Bilde zu sein, wenn er nachher selbst den betreffenden Kunden empfängt.

„Klaus Dirk, geboren am 13. 5. 1908 zu Rostock, Deutschland“, liest er schweigend von dem Stenogramm ab. „Im Jahre 1930 aus Wladiwostock nach Batavia gekommen und dort in die holländische Kolonialarmee eingetreten. Nach fünfjähriger Dienstzeit entlassen.“ Er sieht ungeduldig fragend den Clerk an. „Was wünscht der Mann?“

„Er behauptet, eine kleine Insel entdeckt zu haben und ist auf der Suche nach Kapital, um dort eine Gummiplantage anzulegen.“

„Wo liegt das Land?“

„Nach den Angaben Mr. Dirks genau neunundzwanzig Seemeilen westlich der Tambelan-Inseln. Ich habe bereits in der Kartothek nachgesehen, Mr. Bond. Es kann sich nur um die kleine Insel handeln, die dort vor etwa zwei Jahren nach dem grossen Seebeben kartographisch festgestellt wurde.“

„Und?“

Der Clerk zuckte die Achseln. „Kein Geschäft, Mr. Bond. Es handelt sich nach den Berichten der Kartographen um ein von sehr flachem Wasser umgebenes atollartiges Neuland. Keine Landungsmöglichkeiten für Schiffe, also auch keine Exportmöglichkeiten.“

Mr. Bond nickt. „Will den Mann trotzdem sehen. Bringen Sie ihn her, Deep.“

Während Mr. Deep hinausgeht, überliest der Chef noch einmal das aufgenommene Stenogramm und macht mit einem Rotstift einen dicken Strich unter die Worte „aus Wladiwostok gekommen“. Er hat kaum noch Zeit, die Blätter in ein Schubfach zu schieben, als Mr. Deep den Kapitalsuchenden hereinführt.

Mr. Bond betrachtet mit raschem, abrvägendem Kennerblick das sympathisch offene Gesicht, die hellen blauen Augen und die schlanke Gestalt Klaus Dirks.

„Ich weiss bereits“, wehrt er freundlich ab, als der junge Mann sein Anliegen vortragen will. „Wer hat sie zu uns gewiesen?“

„Eine Maklerfirma in Pontiamak riet mir, mich an die Firma Bond & Co in Singapore zu wenden, Sir. Ich habe versucht, in Pontimak, wo ich früher als Kolonialsoldat stationiert war, Kapital für meine Siedlung aufzutreiben. Leider vergebens.“

„Kann ich mir denken, Sie sind russischer Staatsangehöriger, Mr. Dirk?“

„Nein. Ich bin Deutscher.“

„Oh, wirklich? Man sagt mir, Sie kämen aus Wladiwostock.“

Klaus Dirk nickt. „Ja. Mein Vater geriet in Kriege in russische Gefangenschaft, wurde nach Sibirien geschickt und siedelte sich dort nach Beendigung des Krieges an. Da meine Mutter starb und die Verhältnisse in Deutschland damals keine Zukunftshoffnungen für mich boten, liess Vater mich nachkommen. Er hatte sich ein schönes Sägewerk an der Selenga erarbeitet. Als er 1927 an einer Lungenentzündung starb, übernahm ich es.“

„Und es rentierte sich nicht?“

„Das wohl. Ich hatte mein leidliches Auskommen. „Klaus Dirks Gesicht verdüstert sich unwillkürlich. „Aber die ganzen Verhältnisse passten mir nicht. Ausserdem sollte ich, um in Sibirien bleiben zu dürfen, in die Sowjetarmee eintreten. Da gab ich lieber mein Anwesen auf und wanderte über Wladiwostock aus.“

„Was sicher nicht ohne Schwierigkeiten war?“

„Es hat geklappt“, sagt Klaus Dirk knapp. Er ist hierhergekommen, um einen Finanzier für die geplante Siedlung zu suchen, und hat wenig Lust, seine russischen Abenteuer zum Besten zu geben. „Ich versuchte zuerst, mir in Shanghai eine Existenz zu gründen und ging dann nach Java. Als ich keine Mittel mehr hatte, blieb mir nichts übrig, als mich bei den „Kolonial Legers“ anwerben zu lassen. Wenn es Sie interessiert, hier sind meine Papiere.“

Mr. Bond überfliegt scheinbar leichthin den holländischen Militärpass, aus dem hervorgeht, dass Klaus Dirk seine vorschriftsmässige Dienstzeit bei der Kolonialarmee ohne Strafen abgedient hat und auf seinen Wunsch ordnungsgemäss entlassen worden ist. „Also sind Sie doch Soldat geworden“, stellt er, die Papiere zurückgebend, fest. „Statt in der russischen eben in der holländischen Armee. Ist das nicht dasselbe?“

„Es ist nicht dasselbe, Sir“, sagt Klaus Dirk kurz.

Mr. Bond schweigt einen Augenblick und sieht nachdenklich zur Decke empor. Dann knarrt seine heisere Stimme:

„Well, Mr. Dirk, ich glaube kaum, dass Ihre Insel eine Chance hat. Ganz abgesehen davon aber sind Sie hier am unrechten Platz. Die Leute, die Sie hierhergewiesen haben, waren Idioten. Bond & Co sind eine „real estate Agentur“, die sich nicht mit der Finanzierung neuer Unternehmungen befasst, sondern mit Kauf und Verkauf von Grundstücken und Ländereien. Wenn Sie die Absicht haben, Ihr Inselland zu verkaufen, Mr. Dirk, will ich gern bemüht sein, einen Käufer zu finden.“

„Ich denke nicht daran, Herr. Ich will selber siedeln.“

Mr. Bond macht eine bedauernde Bewegung. „Dann bin ich nicht Ihr Mann. Wenden Sie sich an die „Planters und Settlers Bank“. Oder haben Sie es dort schon versucht?“

„Nein.“

„Well, dann tun Sie es.“ Mr. Bond reicht dem jungen Mann wohlwollend die Hand über den Tisch. „Will Ihnen einen guten Tip geben, Mr. Dirk. Gehen Sie nicht erst in die Bank Office. Gehen sie gleich zu Mr. Tsugeno, dem Inhaber der Planters und Settlers Bank. Victoria Street 14. Privatwohnung. Wenn Sie Mr. Tsugeno für Ihr Projekt interessieren können, haben Sie gewonnenes Spiel.“

Als Klaus Dirk mit einer Dankesäusserung für den Rat das Büro verlassen hat, hält Mr. Bond seinem Sekretär wortlos seine rechte Hand hin. Mr. Jackson hat bereits ein mit einer dunklen Masse getränktes dünnes Papierblatt bereit, das er sorgfältig auf die Handfläche seines Chefs drückt und dann langsam abzieht. Mr. Bond betrachtet befriedigt die wohlgeratenen Fingerabdrücke Klaus Dirks, die auf der vorher heimlich präparierten Hand zurückgeblieben sind.

„Daktyloskopieren, Jackson. Der Bursche sah zwar nicht aus wie ein Agent, aber eben deshalb. Die Gefährlichsten sind immer die, denen man es nicht ansieht. Und da er aus Sowjetrussland kommt . . .“

Mr. Bond wird abermals unterbrochen. Eine Ordonnanz in der Uniform der in Singapore stationierten Marineinfanterie steht in der Tür und überreicht dem Sekretär einen länglichen gelben Briefumschlag.

„Damn it!“ Mr. Bond steckt das Schreiben in die Brusttasche und wirft den Umschlag ärgerlich auf den Tisch. „Der Teufel hole diese Eile! Wenn sie uns Zeit gelassen hätten, richtig auf den Jungen einzuwirken, hätten wir vielleicht doch etwas aus ihm herausgebracht! Ich will doch noch einmal . . . Jackson! Lassen Sie meinen Wagen vorfahren!“

„Sofort, Mr. Bond. Was gibt’s denn jetzt wieder?“

Mr. Bond hat schon seine dünne Seidenjoppe mit einem Rock vertauscht. Sein Gesicht zuckt vor verhaltener Erregung. „Die Exekution ist auf morgen früh 5 Uhr festgesetzt. John Turner wird erschossen!“

Der Sekretär Jackson begleitet seinen Chef vor die Tür und wartet, bis Mr. Bond sich leise fluchend hinter das Lenkrad geklemmt hat und Gas gibt. Dann kehrt er bedächtig in die vorderen Kontore zurück, wo vier junge Leute, unter ihnen Mr. Deep, eifrig der Geschäftskorrespondenz obliegen und gedruckte Prospekte verkünden, dass die „Real Estate Agency I. H. Bond & Co“ erfolgreich und unter günstigsten Bedingungen Kauf und Verkauf aller Arten von Grundstücken, Pflanzungen und Ländereien vermittelt.

Drinnen im vereinsamten Chefbüro aber liegt auf dem Schreibtisch noch der gelbe Umschlag des Briefes, den vorhin die Ordonnanz gebracht hat. „Mr. Bond“ steht kurz und bündig darauf und oben in der Ecke stehen vier schwarze, gedruckte Buchstaben: D. H. M. S. — „On His Majesty’s Service!“

Denn die Immobilienagentur I. H. Bond & Co ist die Geschäftsstelle des Intelligence-Service, des britischen Geheimdienstes in Singapore.

Schlüssel rasseln. Eine Zellentür öffnet sich knarrend in den Kasematten der Festung Singapore. Der Soldat John Turner erhebt sich von seinem Schemel und nimmt gewohnheitsmässig Stellung, als Mr. Bond in Begleitung des diensttuenden Offiziers die Zelle betritt. Früher hat John Turner diesen Mr. Bond oft genug in den Strassen und auf dem Rennplatz gesehen und nichts anderes gewusst, als dass der grauhaarige Gentleman mit dem verknitterten Altmännergesicht der Besitzer der bekannten Maklerfirma Bond & Co war. Seitdem John Turner aber unter der schweren Anklage des Landesverrats hier sitzt, hat er zu seiner Überraschung erfahren, dass „Mr. Bond“ ein Vorgesetzter ist, der Major I. H. Bond vom Intelligence Corps.

„Ich komme noch einmal zu Ihnen, Turner“, sagt Mr. Bond, sich ohne Umstände auf die Kante des schmalen Bettes setzend und dem Gefangenen winkend, sich ebenfalls niederzulassen. „In zwölfter Stunde, mein Junge. Sie wissen, dass das Urteil des Kriegsgerichts bestätigt worden ist. Geben Sie sich nur ja keinen Täuschungen hin! Es wird vollstreckt, ehe die nächste Sonne aufgeht.“

„Ich weiss es, Major. Aber ich bin unschuldig.“

„Nonsens“, gibt Mr. Bond barsch zurück. „Wenn das der Fall wäre, müssten Sie uns erklären können, woher das Geld stammt, das bei der Haussuchung in Ihrem Schrank gefunden wurde. Versteckt, mein Lieber! Sogar sehr gut versteckt.“

„Ich habe nichts davon gewusst, Major. Ich kann nur wiederholen, was ich vor Gericht sagte: Das Geld gehört nicht mir. Ich habe keine Ahnung, wie es in meinen Schrank gekommen sein kann.“

Ruhig und leidenschaftslos ist die Stimme John Turners. Die Stimme eines Mannes, der nach qualvollen langen Verhören, nach der langen Schmach der plötzlichen Verhaftung, der Gerichtsverhandlung und der Urteilsverkündung es aufgegeben hat, sich dem Schicksal entgegenzustemmen. Mr. Bond betrachtet mit uneingestandener Teilnahme das Gesicht des jungen Soldaten. Ein ruhiges, einfaches Gesicht, nicht anders als die Gesichter tausend anderer britischer Soldaten. Ein gewerbsmässiger Landesverräter ist der Junge bestimmt nicht. Verlockt, verführt — wie so viele andere.

„Turner, ich mein’s gut mit Ihnen“, sagt er mit einem Anflug aufrichtiger Herzlichkeit. „Ich will sogar so offen sein, zuzugeben, dass man das Geld ohne Ihr Wissen in Ihren Schrank geschmuggelt haben könnte. Wäre nicht das erste Mal. Aber auch ohne das gefundene Geld bleibt die Tatsache bestehen: Nur Sie und Ihr direkter Vorgesetzter in der Nachrichtenabteilung, Leutnant Hoste, kannten die geplante neue Wellenlänge unseres Senders. Well, Leutnant Hoste ist genau so verhört worden wie Sie. Er hat nachgewiesen, dass er zu der Zeit, da Ihnen die neue Wellenlänge vom Stabs-Office bekannt gegeben wurde, auf Urlaub war und erst bei seiner Rückkehr davon erfuhr. Zu einer Zeit, Turner, wo diese Wellenlänge bereits einer ausländischen Macht bekannt geworden war!“

„Leutnant Hoste hat sicherlich nichts mit dem Verrat zu tun, Major.“

„Anständig von Ihnen, dass Sie Ihren Vorgesetzten nicht zu verdächtigen suchen, Turner. Aber wir haben Leutnant Hoste scharf vorgenommen. Er kann es nicht gewesen sein. Bleiben also nur Sie übrig. Und Tatsache ist, dass die neue Wellenlänge dem Ausland bekannt ist. Wir haben einwandfrei festgestellt, dass nicht nur die Japaner sie kennen, sondern auch noch die Russen.“

„Seien Sie vernünftig, Turner“, fährt Mr. Bond eindringlich fort, als der Soldat keine Antwort gibt. „Zum Kuckuck mit der Wellenlänge. Sie nützt dem Ausland nichts mehr, denn seitdem wir wissen, dass sie verraten wurde, haben wir natürlich längst eine andere. Aber — ich spreche ganz offen zu Ihnen — es ist mehr und Wichtigeres verraten worden. Wir wissen es und wissen auch, dass hier in Singapore ein Gegner am Werk ist, der eine Gefahr für die Festung bildet. Ich gehe noch weiter und gestehe Ihnen, dass wir trotz aller Mühen noch nicht wissen, wer der Mann ist. Wir kennen ihn nicht. Sie aber, Turner, Sie kennen ihn oder wenigstens einen seiner Agenten!“

„Nein, Herr Major.“

„Sie haben es nicht gewollt, nicht wahr?“ fährt Bond fort ohne den Zwischenruf zu beachten. „Ich habe Ihr Leben genau durchforscht. Ich weiss, Sie spielen nicht, trinken mässig und haben keine kostspielige Liebschaft. Also ist es etwas anderes. Vielleicht haben Sie einen Traum, einen Wunsch, einen Ehrgeiz, den Sie erfüllt sehen möchten. Da kommt denn eines Tages jemand und gibt Ihnen eine Chance. Sie sehen eine Möglichkeit, Geld zu erhalten, viel Geld. Sehen Ihren stillen Traum Gestalt annehmen. Und es ist so leicht! Es ist so wenig, was der Mann verlangt! Kein Verrat, Gott bewahre! Eine Kleinigkeit, nicht wahr? Irgend eine Dienstvorschrift, einen Befehl, ein belangloses Schriftstück. Es ist zwar strafbar, so etwas einem Zivilisten auszuliefern, aber Sie sind Soldat und wissen genau: Das betreffende Zeug ist unwichtig. Selbst wenn es in die Hände eines Feindes fallen sollte, er kann herzlich wenig damit anfangen. Sie tun dem Mann den kleinen Gefallen. Und dann sind Sie drin in dei Falle. Der Mann fordert mehr, Auskünfte, Nachrichten, die wichtiger, die wirklich geheim sind. Sie sträuben sich. Sie weisen das entrüstet weit von sich. Da droht der Mann mit dem Schriftstück, das Sie ihm unvorsichtigerweise ausgeliefert haben. Auf der einen Seite Bestrafung, Entehrung, Verlust jeder Aussicht auf Ihre militärische Karriere. Auf der anderen Geld, ein Vermögen, Verwirklichung der schönsten Träume und Wünsche. Sie können die Nachrichten verschaffen, ohne dabei Gefahr zu laufen. Und niemand wird davon erfahren. Der Auftraggeber hat ja bestimmt kein Interesse daran, seine durch Sie erlangte Kenntnis zu verraten. Nicht wahr, Turner, dann kommt es so. Dann wird man schwach, willenlos und . . . nicht wahr, ich kenne die Sache?“

John Turners Mundwinkel zucken in stillem Schmerz. „Es mag wohl sein, Major. Aber ich weiss von alledem nichts. Ich habe nichts verraten.“

„Überlegen Sie es sich wohl, Turner. Es ist Ihre letzte Chance in diesem Leben. Ihr Schicksal ist besiegelt. Der Exekutionstrupp für morgen ist kommandiert. Der Mann, dem Sie Ihr Wissen verkauft haben, kann nichts mehr für Sie tun, kann Ihnen weder schaden noch nützen. Aber i ch kann’s! Wenn Sie uns die Wahrheit gestehen, wenn es gelingt, durch Sie auf die Spur des unbekannten Gegners zu kommen, dann . . . Ich gebe Ihnen mein Wort, dann werden Sie nich t erschossen! Schriftlich gebe ich es Ihnen, wenn Sie wollen! Es ist sogar möglich, dass Sie England dann einen Dienst erweisen, der vieles wett machen kann, und dass Ihre Bestrafung gelinder ausfallen wird, als Sie denken. Also — wer ist’s?“

John Turners Kiefer mahlen. Gedanken kommen und gehen in seinem Kopf. Soll er dem Major jetzt ein Märchen auftischen? Irgend etwas erfinden, eine Geschichte von einem geheimnisvollen Unbekannten, dessen Namen er nicht kennt? Oder einen ausgedachten Namen nennen? Es nützt wohl nicht viel, denn dies alte, menschenkundige Gesicht da lässt sich nicht lange an der Nase herumführen. In ein paar Tagen wird Major Bond festgestellt haben, dass er ihn belogen hat. Aber immerhin . . . ein Aufschub, eine Gnadenfrist! Wenn auch nur ein paar Tage! Herrgott, man ist erst einundzwanzig Jahre! Das Leben ist so schön! Und morgen . . .

„Vielleicht ist es auch anders gewesen“, sagt Mr. Bond überlegend. „Vielleicht haben Sie gar kein Geld gewollt. Nur unvorsichtigerweise im Gespräch mit irgend jemand etwas erwähnt, ein bisschen mit Ihren Kenntnissen geprahlt . . . ohne Arg . . .“

John Turner stutzt. Die Worte des Majors lassen plötzlich eine Erinnerung in ihm emporsteigen. Eine Erinnerung an einen schönen Frühlingsmorgen. Wie war das doch gewesen? Er hatte dienstfrei und war mit Lis van Dersen auf dem Tennisplatz. Mit der schlanken Lis van Dersen, der Sekretärin der Planters und Settlers Bank! Und nachher . . . im Clubhaus draussen, hatten sie da nicht zusammen über die — Wellenlänge gesprochen? Ja, richtig, so war es gewesen? Lis van Dersen hatte ihm erzählt, dass sie sich einen kleinen Sender zulegen wollte. Nur so zum Privatgebrauch. Einen Sender mit der Wellenlänge 2010. Und da hatte er lachend geantwortet, sie möge sich denn doch lieber eine andere Länge aussuchen, denn 2010 sei ausgerechnet seine eigene.

Ja, ja, so war es gewesen. Lis van Dersen hatte er damals diese Wellenlänge gesagt, ohne sich irgend etwas dabei zu denken. Aber — konnte denn das . . .? Nein! Das war ausgeschlossen! Lis van Dersen, das schlanke, blonde Mädel mit den ernsten grauen Augen und dem lieben, reinen Gesichtchen war keine Spionin! Lächerlich, so etwas auch nur zu denken! Lis van Dersen lebte schon jahrelang in Singapore, war die vertraute Sekretärin des reichen Mr. Tsugeno. Man munkelte sogar davon, dass er sie an Kindesstatt angenommen habe. Und Mr. Tsugeno selbst war sogar in Singapore geboren, war einer der reichsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Stadt. Der hatte es wahrhaftig nicht nötig, sich mit Spionage abzugeben.

Mr. Bond hat das Stutzen und Überlegen in Turners Gesicht wohl bemerkt und wartet gespannt. Aber das Warten ist vergeblich. John Turner hat den auftauchenden Gedanken bereits als vollkommen lächerlich abgetan und sein Gesicht sieht wieder unbewegt und ruhig aus.

„Heraus mit der Sprache, Turner“, mahnt Major Bond. „Also wer ist der verdammte Schurke, dem Sie die Wellenlänge verraten haben?“

Das Schimpfwort lässt jene kleine Episode endgültig in John Turners Unterbewusstsein wieder hinabtauchen. Es passt so gar nicht auf Lis van Dersen, das liebe Mädel.

„Niemand, Major“, sagt er ruhig. „Ich habe niemand etwas verraten.“

Eine Minute noch sieht Major Bond den jungen Soldaten scharf an. Dann erhebt er sich. „Sie haben noch eine ganze Nacht vor sich, Turner“, sagt er sehr ernst. „Wenn Sie anderen Sinnes werden und mir eine Meldung machen wollen, so rufen Sie den Wachhabenden. Ich werde für Sie zu sprechen sein. Auch in der Nacht. Aber wenn Sie in Ihrem Schweigen beharren, dann . . . kann ich Ihnen nicht helfen. Dann wird das Urteil vollstreckt.“

Mr. Bond ist nicht in rosiger Laune, als er sein Büro wieder betritt. Seine Stimme klingt knarrender und barscher denn je, als er Jackson beauftragt, Mr. Deep und den zweiten Clerk, Mr. Harryman, zu rufen. Jackson will, als alle versammelt sind, noch schnell seinem Chef einige inzwischen eingegangene Nachrichten vorlesen, aber Mr. Bond schiebt alles mit einer ärgerlichen Handbewegung zur Seite.

„Zuerst das Wichtigste. Sie, Jackson, fragten mich heute morgen, welche Bewandtnis es mit der „Sakura“ habe. Der Fall liegt klar. Ein japanischer Zerstörer ist nachweislich gesunken. Tokio erklärt, es sei die „Sakura“, ein altes Boot der japanischen Marine. Wir haben festgestellt, dass die „Sakura“ wohlbehalten im Hafen von Nagasaki liegt. Auch alle anderen Zerstörer der japanischen Flotte sind vorhanden. Folglich kann es sich bei dem gesunkenen Schiff nur um ein ganz neues, bisher unbekanntes Boot handeln, das vielleicht mit den neuen Torpedorohren ausgestattet ist, die in den Werkstätten von Kure hergestellt werden, und über die wir noch wenig wissen. Well, es ist von Wichtigkeit, darüber Näheres zu erfahren. Lassen Sie die genaue Position des gesunkenen Schiffes feststellen, Jackson, Fadentiefe und Bergungsmöglichkeiten.“

„Ich war noch einmal bei Turner“, fährt Mr. Bond fort. „Er schweigt. Und ich fürchte, er wird schweigen, bis ihn die Kugel für ewig stumm macht. Ein Zeichen mehr, welch verdammte Macht unser Gegenspieler hier über seine Kreaturen ausüben muss. Reden Sie nicht, Jackson! Ich seh es Ihnen an, Sie wollen mir wieder damit kommen, dass der Mann gar nicht existiert! Sie waren zu lange bei der Kriminalpolizei und haben daher eine Abneigung gegen den „grossen Unbekannten“. Aber ich sage Ihnen, er muss existieren! Seit zwei Jahren werden hier von Singapore aus Dinge verraten, die nur ein ganz Durchtriebener herausfinden kann. Wir müssen den Mann finden, Gentlemen! Das geht nicht so weiter, dass wir hier wie die Blinden herumtappen und höchstens einen armen Teufel wie diesen Turner festnageln können!“

Die Mitarbeiter Mr. Bonds machten bedrückte Gesichter. Die Stimmung des Chefs ist nur zu verständlich, aber wie soll man hinter das Geheimnis kommen? Fast zwei Jahre lang hat man schon jedes Mittel versucht, ohne auch nur den Schatten eines Verdachts, geschweige denn den „grossen Unbekannten“ selbst zu finden.

Mr. Bond sieht die Niedergeschlagenheit in den Augen seiner Leute und beeilt sich, sie aufzumuntern.

„Zum Glück bekommen wir Hilfe“, fährt er etwas weniger bärbeissig fort. „Das Hauptquartier hat seinen besten Mann hergeschickt. Captain Glany ist unterwegs.“

Mr. Jackson sieht überrascht auf. „Captain Glany? Der den geheimen Flughafen auf Kusai fand?“

„Der beste Mann im I. C. Departement“, nickt Mr. Bond. „Der Mann, der vor ein paar Jahren in London den Russen Krunzin entlarvte und seine ganze Organisation auffliegen liess. Der es fertig brachte, als „Spezialarbeiter“ sier Monate auf der Staatswerft Yokosuka zu arbeiten. Ich freue mich, ihn wiederzusehen.“

Der Gedanke an den angekündigten Mitarbeiter lässt Mr. Bond Ärger und Sorgen einen Augenblick verminden. Fast freundlich nickt er seinen Leuten zu. „Sonst wäre für den Augenblick nichts, Gentlemen. Oder haben Sie etwas Wichtiges, Jackson?“

„Nein, Sir. Höchstens, dass wir bereits einige Informationen über diesen Mr. Dirk inzwischen erhalten haben. Seine Personalien stimmen. Er ist gestern hier in Singapore angekommen und hat im Hotel Seymour Wohnung genommen. Verdächtige Bekanntschaften sind bisher nicht zu ermitteln gewesen. Mac Ligh hat ihn unter Beobachtung.“

„Gut so. Und . . .?“

„Nichts Interessantes, Sir. Mr. Dirks ist von hier aus, wie Sie ihm geraten haben, direkt zu Mr. Tsugeno gegangen.“

2.

Kitsao Tsugeno arbeitet nur gelegentlich in den weitläufigen, mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten Büros des Gebäudes am Malakka Square, das den Sitz der „Planters und Settlers Bank“ darstellt. Dafür sind die Angestellten da, erfahrene, langjährige erprobte Bankbeamte und Kaufleute, denen man ruhig den laufenden Geschäftsgang überlassen kann. Mr. Tsugeno ist Japaner, aber unter den Angestellten der „Planters und Settlers Bank“ befinden sich nur wenige seiner Landsleute. Die meisten sind Europäer. Vor ein paar Jahren, als die politische Lage zwischen England und Japan gespannt war, hat sogar einer von Mr. Bonds Leuten eine Zeit lang unter der Maske eines Bankassistenten dort gearbeitet. Allerdings ohne Erfolg, denn in der „P. & S. Bank“ gibt es nichts Geheimnisvolles ausser dem Geheimbuch der Firma.

Mr. Tsugeno hält sich meist in seinem Privatheim auf und erledigt die geschäftlichen Anfragen und Anordnungen auf fernmündlichem Wege. Sein Haus in der Victoria Road, gegenüber dem Central Park, ist ein Wunderwerk des raffiniertesten Luxus. Mr. Tsugeno ist nicht der einzige Gelbe, der hier in Singapore einen derartigen Palast besitzt. Die reichgewordenen chinesischen und japanischen Teehändler, Seidenfabrikanten und Reeder setzen ihren Stolz darein, es den amerikanischen Dollarkönigen gleich zu tun. Aber Kitsao Tsugenos Palais und Park stellen alles andere in den Schatten.

Und der Mann, der jetzt eben in dem von Punkhas und Ventilatoren gekühlten, zauberhaften Wintergarten vor dem zierlichen kleinen Teetisch sitzt, passt in diese Umgebung von Reichtum und Luxus. Kitsao Tsugeno ist etwa dreiundfünfzig Jahre alt, ein Mann mit einem edelgeformten Samuraigesicht, ruhigwürdevollen Bewegungen und klugen Augen. Wer ihn sieht, denkt unwillkürlich an die geschweiften Dächer einer alten, japanischen Daimio-Burg, an krumme Schwerter und chrysanthemenbestickte Gewänder. Aber Mr. Tsugeno trägt auch hier in seinem Heim keinen Kimono und keine Seidenpantoffeln, sondern einen rohseidenen Tropenanzug nach bestem englischen Schnitt. Sogar das ewige Lächeln Dai Nippons hat er sich im Laufe der Jahrzehnte abgewöhnt. Mr. Tsugeno sieht ebenso kühl und ernst aus wie irgend ein respektabler britischer Gentleman, das Musterbild eines vollkommen europäisierten Japaners.

Die Dienerschaft allerdings besteht aus Söhnen Nippons, gutgedrillte, saubere Boys, die lautlos und flink durch die Räume gleiten. Auch sie tragen europäische Uniform. Nur die beiden Teebereiterinnen mit ihren schlanken, langen Händen und den niedlichen Puppengesichtern tragen lange, bunte Gewänder und grosse, kunstvoll gewundene Schleifen.

Dafür ist die junge Dame, die eben in einem hellen Strandanzug vom Park her durch die grosse Glastür kommt, wieder ausgesprochen europäisch. Ihr blondes, volles Haar, die grauen Augen und das schmale Gesicht lassen keinen Zweifel an ihrer Rassenzugehörigkeit aufkommen.

Es hat einiges Gerede gegeben in der europäischen Kolonie von Singapore, als Miss van Dersen vor einem Jahr ihre Arbeit in den Büros der „P. & S. Bank“ aufgab und zu Mr. Tsugeno ins Haus zog. Böse Zungen munkelten sogar von einem intimen Verhältnis zwischen ihr und dem gelben Gentleman. Aber sie wurden rasch zum Schweigen gebracht. Bei Mr. Tsugeno verkehrten angesehene weisse Gentlemen, Offiziere der Garnison, wohlhabende Kaufleute, Söhne bekannter englischer Familien. Sie alle erklärten ganz energisch die Gerüchte für niederträchtige Verleumdungen. Miss van Dersen sei die Privatsekretärin und Hausdame Mr. Tsugenos geworden, weiter nichts. Und es liess sich nicht lengnen: Lis van Dersen mit ihrem offenen, selbstbewussten Wesen sah nicht danach aus, dass sie sich von einem Gelben in einen goldenen Käfig sperren liesse. Sie blieb auch nach ihrer Übersiedlung zu Tsugeno, was sie vorher gewesen war: ein guter Sportkamerad, eine junge Lady, die selbstsicher durch die Welt ging und zu den Gerüchten, die ihr zu Ohren kamen, so verächtlich die Achseln zuckte, als wolle sie sagen: Gott, was müsst ihr dumm sein, wenn ihr so etwas glauben könnt! Ausserdem war es ja kein beliebiger Gelber, sondern eben Mr. Kitsao Tsugeno, der angesehenste und reichste Mann der Stadt, dessen vornehmes Denken und Fühlen allgemein bekannt war. Es gab einige Leute, die trotzdem noch Bedenken hatten. Eine weisse Lady als „Dienende“ im Hause eines Gelben, das ging doch gegen die Ehre der weissen Rasse. Aber auch die schwiegen bald. Es wurde schnell bekannt, dass Miss van Dersen im Hause Tsugenos viel weniger in „dienender Stellung“ war als in der Bank. Sie besass in einem Seitenflügel des Hauses ein wunderschönes eigenes Appartement. Sie schaltete souverän mit den Dienstboten und Angestellten. Sie war an keine „Dienstzeit“ gebunden, sondern erschien zum Tennis, auf der Rennbahn und dem Golfplatz, wann immer es ihr selbst beliebte, und bei den Gesellschaften im Hause Tsugenos repräsentierte sie frei und selbständig als einzige Dame des Hauses.

So gab man sich mit der Tatsache zufrieden. Mr. Tsugeno war alt, unbeweibt und einsam, und wer die jugendfrische, heitere Lis van Dersen kannte, vermochte sich wohl vorzustellen, dass der reiche Japaner sich entschlossen hatte, sein Heim durch diese Jugendblüte zu verschönen.

„Um elf Uhr wollte Mr. Dirk wiederkommen“, mahnt Lis van Dersen mit einem Blick auf die Uhr, als Kitsao Tsugeno sich anschickt, vom Teetisch aufzustehen und einen Gang durch den Park zu machen. „Sie haben ihn für diese Zeit bestellt.“

„Richtig“, lächelt der Japaner mild und nimmt wieder seinen Platz ein. Lis van Dersen ist nicht nur schön und jung, sondern auch geschäftlich sehr tüchtig. Eine Sekretärin, wie man sie sich nicht besser wünschen kann. Sie erinnert sich immer genau an alle Kleinigkeiten, auch wenn Tsugeno selbst sie längst vergessen hat. „Nun ich werde den jungen Herrn erwarten, wenn auch die Antwort, die ich ihm heute geben muss, nur negativ ausfallen kann.“

Lis van Dersen sieht von ihrer Teetasse auf. „Sie wollen ihm nicht helfen, Mr. Tsugeno?“

„Helfen? Warum nicht?“ nickt der Bankier ruhig. „Aber Mr. Dirk kommt ja nicht, um meine Hilfe in Anspruch zu nehmen, sondern um ein Geschäft zu machen, und da . . . Die Erkundigungen, die ich gestern einzog, sind keine Grundlage für ein solches. Ich wäre ein schlechter Geschäftsmann, wenn ich mich darauf einliesse.“