Maddrax 474 - Science-Fiction-Serie - Lucy Guth - E-Book

Maddrax 474 - Science-Fiction-Serie E-Book

Lucy Guth

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1,49 €

Beschreibung

In San Antonio treffen sich die Gefährten endlich wieder - am Rand der Hölle! Denn das Wurmloch ist außer Kontrolle, die Todeszone hat sich auf fünf Kilometer Radius ausgeweitet, und ohne Hordelabs Sprungfeldgenerator gibt es keine Möglichkeit für eine Passage ins Ringplanetensystem. Aber Matthew Drax muss zu den Initiatoren vorstoßen; ansonsten gibt es keine Hoffnung mehr für die verbliebenen Enklaven. Der Plan, den er schmiedet, ist selbstmörderisch: Ein Sturzflug in die Hölle ...

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EPUB

Seitenzahl: 144




Inhalt

Cover

Impressum

Was bisher geschah …

Sturzflug in die Hölle

Leserseite

Cartoon

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Lektorat: Michael Schönenbröcher

Titelbild: Arndt Drechsler

Autor: Lucy Guth

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7325-5951-0

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, „Maddrax“ genannt, dessen Staffel ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese für ihn fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch, das sich im Forschungszentrum CERN auftut, in ein Ringplanetensystem versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht.

Auf dem Ringplaneten herrschen die Initiatoren, die Spezies aus allen Teilen der Galaxis durch das Wurmloch entführen, um sie Kompatibilitäts-Tests zu unterziehen. So geraten auch Matthew Drax, Aruula und Matts Tochter Xaana in das fremde Sonnensystem, stoßen jedoch durch die Einmischung der Kontras auf das dunkle Geheimnis der Systemherren: Man will einen Teil der Menschheit auf den Mond Novis umsiedeln, um deren Gehirne für eine Art Superrechner zu nutzen, und macht sich deren Notlage zu Nutze. Die Gefährten werden ihrer Erinnerungen beraubt; so helfen sie in gutem Glauben den Initiatoren.

Während Aruula und Xaana auf Novis bleiben, reisen Matt und der Initiator Hordelab zur Erde, um Peilsender an hochstehende Zivilisationen zu verteilen, damit sie später geortet und evakuiert werden können. Begleitet von Xij, der Mutter Xaanas, und deren Mann Tom Ericson macht sich Matt mit dem Amphibienpanzer PROTO auf den Weg und trifft dabei auf die Kolonie Colonel Kormaks, erkennt aber dessen Machtgier und überlässt ihm keinen der Peilsender. Darum überfällt Kormak die benachbarte Community und eignet sich deren Sender an.

Aus Agartha stoßen die Daa’muren Grao und Ira zu den Gefährten. Als sie von einem Dorf mit überlebenden Artgenossen in Indien erfahren, wollen sie es ausfindig machen. Matt überlässt ihnen PROTO und springt mit Hordelab und den anderen via Sprungfeldgenerator nach Meeraka. In Agartha wird derweil nach den Plänen der Initiatoren eine Transportplattform fertiggestellt, mit der Hordelab das Wurmloch bändigen und an jeden beliebigen Ort der Erde versetzen soll, um die Enklaven „einzusammeln“.

Grao und Ira haben unterdessen die Daa’muren gefunden, doch sie führen Krieg gegen die Menschen! Erst im letzten Moment steht Grao zu Ira und hilft, ein bedrohtes Menschendorf mit dem Wurmloch nach Novis zu evakuieren.

Weitere Missionen folgen, alles läuft – aus Sicht der Initiatoren – gut. Dann jedoch erfahren die Rev’rends von der Evakuierung und sind überzeugt davon, dass Satan seine Hand im Spiel hat. Sie zerstören die Transportplattform und verursachen eine Entladung, die die vier Gefährten – Matt, Xij, Tom und Hordelab – ohne Erinnerung an verschiedene Ort versetzt. Die ersten drei meistern die Gefahren und suchen den Weg zurück nach San Antonio. Nur Hordelab erlangt sein Gedächtnis nicht zurück und strandet ausgerechnet in Roswell, der Hochburg der UFO-Gläubigen …

Sturzflug in die Hölle

von Lucy Guth

Es war ein bizarrer Anblick, der sich vor Matts Augen bis zum Horizont erstreckte: Die Luft über der öden Wüste schien zu wabern – so, als ob sich die Todeszone noch immer ausbreiten würde. Aber das war sicher nur Einbildung. Das Wurmloch ist stabil, sagte sich Matt.

Trotzdem fühlte er die Bedrohung – so, als ob er Strom riechen würde. Dort, wo sich vor kurzem noch San Antonio befunden hatte, war von Matts Standpunkt aus nur ein Strudel aus schmutzig grauen Wolken zu sehen, die darauf zu strebten, als würden sie von Fäden gezogen. Unsichtbar in diesem Zentrum befand sich das Wurmloch – der einzige Weg der Erdenbewohner in die neue Heimat.

Matt warf noch einen letzten Blick auf die Todeszone und wandte sich dann mit einem resignierten Seufzer um. Er machte sich vorsichtig an den Abstieg von dem kleinen Hügel, was nicht ganz einfach war; ständig rutschte er auf lockerer Erde aus. Er musste sich konzentrieren, um nicht ins Straucheln zu geraten, und brauchte erheblich länger für den Rückweg. Als er das kleine Lager erreichte, in dem Tom und Xij auf ihn warteten, war die Dunkelheit bereits hereingebrochen.

Es hatte ein paar Tage gedauert, bis sie sich wiedergefunden hatten, nachdem sie durch die Zerstörung der Transportplattform und der Fehlfunktion von Hordelabs Sprungfeld-Generator getrennt worden waren.1)

Matt hatte zu einem so einfachen wie wirkungsvollen Trick gegriffen, als er bei San Antonio angelangt war: Rauchzeichen. Zwei Tage lang hatte er in einem verrosteten Ölfass ein stark qualmendes Feuer in Gang gehalten, dessen fette Schwaden in höheren Luftschichten zum Zentrum der Zone gezogen wurden, und es immer wieder abgedeckt, um zu signalisieren, dass es kein gewöhnlicher Brandherd war.

Seine beiden Freunde hatten das bei ihrer Ankunft schnell erkannt und nach der Quelle der Rauchfahne gesucht. Zuerst war Tom, am nächsten Tag Xij aufgetaucht. Erleichtert waren sie sich in die Arme gefallen und hatten ihre Erlebnisse ausgetauscht.

Sowohl Tom als auch Matt waren auf Trikes der hiesigen Rev’rends unterwegs, die sie beide für ihren Rückweg erbeutet hatten. Xijs museumsreifes Motorrad hatte auf den letzten Kilometern den Geist aufgegeben, sodass sie nun bei Tom mitfuhr. Der wenige verbliebene Sprit, den sie in Kanistern im Beiwagen mitgeführt hatte, wurde unter den Trikes aufgeteilt.

Sie waren bis zu dieser Anhöhe weitergefahren, von wo sie eine gute Aussicht auf das ehemalige San Antonio hatten und wo sie ihr Lager aufschlugen. Und erneut ein Feuer entfachten. Obwohl sie nicht wussten, ob Hordelab darauf reagieren würde; ja ob er überhaupt noch lebte. Bis jetzt war er nicht aufgetaucht.

Tom hatte aus den Konserven, die Xij in der Hütte eines Hillbillys gefunden hatte, eine einfache Mahlzeit zubereitet. Seine Frau brütete über einer zerschlissenen Straßenkarte aus derselben Hütte. „Wahrscheinlich ist sie seit Jahrhunderten nicht mehr aktuell“, sagte Matt, während er sich auf einem kniehohen Felsbrocken niederließ.

Xij zuckte die Schultern. „Darum geht es mir gar nicht“, sagte sie. „Ich versuche zu bestimmen, wie groß die Todeszone um das Wurmloch herum ist. Konntest du von dort oben etwas erkennen?“

„Das Zentrum wird von Wolken verdeckt“, sagte Matt. „Ein unheimlicher Anblick! Aber die Grenze der Zone ist eh unsichtbar. Wenn uns übel wird, haben wir sie betreten.“ Er beugte sich über die Karte und tippte darauf. „Ihr Zentrum liegt im Alamodome, die Zone ist kreisrund. Wenn wir morgen weiterziehen, wissen wir es.“

Tom kratzte das dürftige Mahl, das er kreiert hatte, auf drei Blechtellern zurecht. Er betrachtete die braungelbe Masse stirnrunzelnd und reichte die Portionen dann an seine Gefährten weiter. „Denkst du, das Wurmloch ist noch intakt?“, fragte er.

„Der Sog der Wolken spricht dafür“, meinte Matthew. „Es ist schließlich nicht kollabiert, sondern hat nach seiner Freisetzung die Todeszone geschaffen.“ Er nahm einen Bissen von Toms Kochkünsten. Erstaunlicherweise schmeckte es besser, als es aussah. Aber vielleicht war es auch nur der Hunger, der ihm dieses Gefühl gab.

„Weit werden wir ohne Schutzanzüge nicht kommen“, sagte Xij kauend. „Bis zum Wurmloch sowieso nicht. Was uns vor die Frage stellt: Wie erreichen wir die Initiatoren, um ihnen die Lage zu schildern?“

„Wenn nur Hordelab mit seinem SFG hier wäre“, seufzte Matt. „Dann könnten wir direkt ins Wurmloch springen.“

„Wenn das Ding nach der Fehlfunktion überhaupt noch funktioniert“, gab Tom zu bedenken und kratzte den Rest der Mahlzeit von seinem Teller. „Ich meine gesehen zu haben, dass ein Blitz darin einschlug.“

Das entsprach auch Matts letzten Eindrücken. Und es erklärte ansatzweise, warum sie an verschiedenen Punkten materialisiert waren – denn es gab eine Gemeinsamkeit. Bei ihrer Ankunft hatten sich an allen drei Orten Gewitter entladen; gut möglich, dass die Spannungsspitzen die Zielpunkte des durchbrennenden SFG markiert hatten.

„Selbst wenn Hordelab hier und der Generator noch intakt wäre, es ist leider nicht das einzige Problem“, sagte Matt. „Auf der anderen Seite des Wurmlochs kämen wir über dem Pol der Systemsonne im Weltall heraus, bevor wir nach Novis weitergeleitet würden.“

„Und wir haben keine Transportkapseln mehr“, fügte Tom hinzu. „Und auch kein Raumschiff.“

„Das bringt mich auf eine Idee!“ Matt sprang auf. „Wir könnten Miki Takeo um Hilfe bitten. Er hat noch mindestens einen raumtauglichen Gleiter. Mit dem müssten wir das Wurmloch durchfliegen können.“

Xij runzelte die Stirn. „Aber dafür müssten wir nach El’ay – oder sogar Sub’Sisco. Der Androide pendelt doch ständig zwischen beiden Städten hin und her.“

Das ehemalige San Francisco, wo sie Takeo zuletzt getroffen hatten, war rund vierhundert Kilometer weiter entfernt.

„Ich hoffe, dass er in Los Angeles ist und dort auf uns wartet“, sagte Matt. „Beide Städte wurden noch nicht evakuiert, aber El’ay wäre als Nächstes dran gewesen.“

Was sich erst einmal erledigt hat. Er sprach den Gedanken nicht aus, aber es war klar, dass seine beiden Gefährten das Gleiche dachten. Der Angriff der Rev’rends hatte alle weiteren Pläne für die Rettung der Menschheit zunichtegemacht.

Vorerst, hoffte Matt. Wenn es ihnen gelang, nach Novis vorzudringen und die Greys, wie er die Initiatoren oft nannte, von den Geschehnissen zu informieren, würden sie die zerstörte Transportplattform vielleicht ersetzen und die Evakuierung fortsetzen können.

„Dann heißt unser nächstes Ziel also El’ay“, resümierte Tom. Er klang bemüht optimistisch. „Rund zweitausend Kilometer – ein Kinderspiel.“

„Wir brauchen ausreichend Treibstoff für die Trikes“, sagte Matt. Mit PROTO wären wir natürlich deutlich schneller.“ Aber der Amphibienpanzer war mit Grao und Ira ins ferne Agartha unterwegs.

Mit Hordelabs Sprungfeldgenerator auch“, sagte Xij lapidar. „Erschreckend, wie schnell man sich daran gewöhnt, auf diese Art zu reisen.“

Matt nickte zustimmend. Das nächste Problem: Was war mit dem Initiator? Sollten sie hier auf ihn warten oder ohne ihn losfahren? Die Zeit bis zur globalen Katastrophe wurde immer knapper; eigentlich konnten sie sich keine Verzögerungen leisten.

„Vielleicht kommt Hordelab ja doch noch zurück“, sagte Tom, doch der Zweifel stand ihm ins Gesicht geschrieben.

„Nach ihm suchen können wir nicht“, sagte Xij und bewies, dass sie Matts Überlegungen teilte. „Das kostet nur unnötig Zeit, die wir nicht haben. Wir sollten uns schnellstens auf den Weg machen.“

„Du hast recht“, stimmte Matt ihr zu. „Ich werde unseren letzten Peilsender aktivieren, dann ist es Hordelab vielleicht möglich, uns anzumessen und später zu uns zu stoßen.“ Falls er noch lebt.

Sie schwiegen einen Moment, denn irgendwie glaubte keiner von ihnen so recht daran, dass das passieren würde.

„Na schön, dann lasst uns jetzt eine Runde schlafen und morgen in aller Frühe aufbrechen“, sagte Matt schließlich. „Der Weg nach El’ay wird kein Zuckerschlecken.“

Drei Tage später

Unruhig rutschte Xij auf dem ledernen Sitz hin und her. Der Sozius des Trikes mochte eigentlich ganz bequem sein, doch nach fast tausendvierhundert Kilometern in dieser Position, eng an Tom geklammert, sprach ihr Hintern eine andere Sprache. Und es würde noch eine Weile dauern, bis sie ihr Ziel erreicht hatten.

Zunächst hatten sie ohnehin noch einen Tag ihrer Zeit opfern müssen, um ausreichend Treibstoff für die beiden Trikes ausfindig zu machen, damit ihnen während der Fahrt durch vorwiegend unbesiedeltes Gelände nicht plötzlich der Sprit ausging. Sie waren in einer Speditionsfirma namens ROCKFORD TRUCKING COMPANY nördlich von San Antonio fündig geworden und hatten mehrere Kanister hinten auf die Trikes geschnallt. Seitdem waren sie beständig nach Westen unterwegs.

Xij hatte die ewige Fahrerei satt, ebenso wie die monotone Landschaft, die von den Naturkatastrophen ebenso gezeichnet war wie der Rest der Erde. An vielen Stellen war der Boden aufgerissen wie von riesigen Klauenhänden. Zum Glück war diese Gegend ohnehin nur dünn besiedelt gewesen. Sie hatten hier und da eine verlassene und zerstörte Farm gesehen, sie aber aus Zeitgründen nicht näher untersucht. Mit jeder Stunde, die verstrich, wuchs Xijs Nervosität. Sie wollte so schnell wie möglich nach Novis und herausfinden, wie es ihrer Tochter Xaana ging.

Sie konnte auch nicht recht erklären, woher ihre plötzliche Unruhe kam. Vielleicht, weil sie bislang immer die Gewissheit gehabt hatte, über Hordelab jederzeit mit der fremden Welt in Kontakt treten und sich nach Xaanas Befinden erkundigen zu können. Nachdem nun der Weg nach Novis und auch jegliche andere Verbindung abgerissen waren, hatte sie ein ungutes Gefühl, das sich stetig zu steigern schien.

Derzeit fuhren sie am Gila-River entlang, der sich wie ein blaugrünes Band durch die Landschaft schlängelte. Immer wieder tauchten unvermutet Hindernisse auf der Straße auf, denen sie ausweichen mussten, doch Toms vorausschauende Art zu fahren brachte sie sicher daran vorbei.

Sie suchten eine Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Die Strömung war reißend und die Ufer steil; eine Furt oder Brücke war weit und breit nicht zu sehen. Tom und Matt hatten angehalten und steckten die Köpfe über der alten Straßenkarte zusammen, die Aufschluss über den Verlauf des Flusses gab.

„Dort vorne müsste ein Canyon sein, vielleicht geht es da“, meinte Matt und wies in die Richtung, in der sie bislang ohnehin unterwegs gewesen waren.

„Dann lasst es uns versuchen“, sagte Xij und bemühte sich, nicht allzu ungeduldig zu klingen.

Matt und Tom stiegen wieder auf ihre Maschinen und Matt fuhr voran.

Der Canyon, den sie bald darauf erreichten, war enger als erwartet – sie konnten nur hintereinander hinunterfahren. Die roten Felswände weckten Beklemmungen in Xij – wenn es jetzt wieder zu einem Erdbeben kam, könnten sie von einer Gerölllawine überrascht werden.

Am Fuß des Canyons wurde der Fluss tatsächlich seichter und ruhiger. Allerdings war der ohnehin schon schmale Weg mit Baumstämmen verrammelt.

„Das ist eine künstliche Barriere!“, stellte Tom verwundert fest und hielt sein Trike hinter dem von Matt an. Sie stiegen ab und gingen darauf zu.

„Die Bäume sind frisch geschlagen“, bestätigte Matt, als er über die Stämme strich. „Es kann noch nicht lange her sein, dass dieses Hindernis errichtet worden ist.“

„Und da ist auch schon das Empfangskomitee“, sagte Xij tonlos und wies hinter die Barriere. Dort waren drei Indianer auf Horsays aufgetaucht. Sie hatten sich auf der anderen Seite des Flusses verborgen gehalten und kamen nun herüber. Instinktiv drehte sich Xij um und stöhnte auf. Sie saßen in der Falle! Hinter ihnen standen drei weitere Horsays, auf denen Indianerinnen saßen, und versperrten den Rückweg.

Eine der jungen Frauen saß ab und trat mit erhobenen Handflächen auf Xij und ihre Gefährten zu.

„Wir wollen euch nichts tun“, sagte sie auf Englisch. Ihre Stimme war melodisch und kräftig, ihre dunklen Augen blickten ruhig. „Wisst ihr, dass ihr auf dem Gebiet der Keli Akimel O’Odham unterwegs seid?“

Xij wechselte einen Blick mit Tom und Matt. Matt hatte am Vorabend tatsächlich die Vermutung geäußert, dass sie durch ein ehemaliges Indianerterritorium fahren könnten – doch wer hätte gedacht, dass diese Grenzen auch nach über fünfhundert Jahren noch galten?

„Wir haben es vermutet“, sagte Matt. „Ist das ein Problem? Wir sind nur auf der Durchreise.“

Die junge Indianerin schüttelte sachte den Kopf. „Wenn ihr auf dieser Seite des Flusses bleibt, ist es kein Problem“, sagte sie. „Doch auf der anderen Seite des Gila River bis zum Colorado River und darüber hinaus bis zum großen Salzsee ist Heiliges Land, das ihr nicht betreten dürft.“

„Was?“, entfuhr es Xij. „Aber wie sollen wir dann nach El’ay kommen?“

Die Indianerin sah sie unbeeindruckt an. „Ihr könnt dem Fluss nach Süden folgen. Er knickt an den großen Felsen Richtung Westen ab, dort könnt ihr weiter Richtung El’ay.“

„Aber das ist ein Umweg, der uns Tage kosten wird!“, protestierte Xij.

„Ein Umweg, den ihr in Kauf nehmen müsst“, sagte die Indianerin. „Denn nur den Keli Akimel O’Odham ist es erlaubt, das Heilige Land zu betreten.“

„Das ist inakzeptabel“, begehrte Xij auf. „Wir müssen so schnell wie möglich nach El’ay, versteht ihr das nicht?“

Tom versuchte sie zu beruhigen, doch Xij wehrte seine Hände, die ihre Schultern berühren wollten, ab.

„Das verstehen wir in der Tat nicht“, sagte einer der Indianer auf den Horsays hinter der Barriere mit ruhiger Stimme. Er war nur unwesentlich älter als die junge Wortführerin und hatte die Federn eines Habichts in seine blauschwarzen, hüftlangen Haare geflochten. Er deutete gen Himmel. „Wisst ihr nicht, dass der Mond bald auf die Erde stürzen wird? Die Welt geht unter – da besteht kein Grund mehr zur Eile.“

„Gerade darum geht es doch“, konterte Xij. „Vielleicht können wir noch einen Teil der Menschheit retten, wenn wir schnell genug sind.“ Energisch stapfte sie auf die Barriere zu. Doch ehe sie sie erreicht hatte, war der Indianer mit den Habichtfedern von seinem Horsay über die Stämme gesprungen, hatte ein Messer gezückt und stellte sich ihr drohend in den Weg.

Die anderen Indianer hatten sich ebenso schnell bewegt – die beiden Männer flankierten nun Matt, die beiden Frauen hatten sich drohend vor Tom aufgebaut. Alle hielten Messer in den Händen – mit Ausnahme der Frau, die zuvor gesprochen hatte. Sie hatte plötzlich eine Schrotflinte im Anschlag.

„Wenn ihr uneinsichtig seid, nehmen wir euch gefangen“, sagte die Indianerin gelassen.

„Das ist doch nicht nötig!“ Matt hob beschwichtigend die Hände, um Deeskalation bemüht. „Hört euch doch erst einmal an, warum wir euer Gebiet so schnell wie möglich durchqueren müssen, und dann reden wir in aller –“

„Wer bist du, dass du dich gegen unsere Götter stellst?“, fiel ihm der Mann ins Wort.

Matt schien einen Moment zu überlegen, seine Worte abzuwägen. Dann sagte er: „Man nennt mich Maddrax, und bei einigen Völkern gelte ich selbst als Gott. Ich komme aus der Zeit vor Kristofluu und gehöre zu den Alten.“

Autsch! Xij zuckte zusammen. Diese Behauptung konnte nach hinten losgehen – wenn einer der Indianer ausprobieren wollte, ob es sich um einen unverwundbaren