Maddrax 542 - Stefan Hensch - E-Book

Maddrax 542 E-Book

Stefan Hensch

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Beschreibung

Im nächsten Band kehren die Freunde dorthin zurück, wo ihr Parallelwelt-Abenteuer begann: nach Lancaster. Dort hat sich seitdem einiges verändert - und nicht zum Guten! Besucher aus der anderen Welt kamen durch den flackernden Riss in Raum und Zeit; Kreaturen, die das Sonnenlicht fürchten und sich von Blut ernähren!
Um der Bedrohung zu begegnen, schmiedeten die Stadtoberen einen Plan - und machten den Bock zum Gärtner! Matt und Co. müssen nun retten, was noch zu retten ist ...

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Cover

Impressum

Was bisher geschah …

Auf Blut gebaut

Leserseite

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Lektorat: Michael Schönenbröcher

Titelbild: Melkor3D, e71lena/Shutterstock

Autor: Stefan Hensch

eBook-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-7517-0495-3

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Mensch­heit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, „Maddrax“ genannt, dessen Staffel durch einen Zeitstrahl vom Mars ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese ihm fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch in ein Ringplanetensystem versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht. Matt findet Hilfe und Verbündete und die Rettung gelingt in letzter Sekunde – aber etwas geht schief: Areale aus verschiedenen Parallelwelten manifestieren sich plötzlich auf der Erde…

Um diese 50 Kilometer durchmessenden Parallelwelt-Areale, die von hohen Dornenhecken umgeben sind, aufzuspüren, nutzen Matt und Aruula ein Satelliten-Netzwerk im Erdorbit. Mit ihrem Gleiter überwinden sie die Pflanzenwälle. In einem parallelen Rom treffen sie auf einen zeitreisenden Archivar namens Patrem, der mit Hilfe gefährlicher Artefakte herrschen will. Matt setzt dem ein Ende. Seine Waffen deponiert er im Hort des Wissen.

Da erscheint ein weiteres Areal: die Stadt Coellen – und mit ihr der Neo-Barbar Rulfan, ein in ihrer Welt längst verstorbener Freund, der sich ihnen anschließt.

Matts Erzfeind Colonel Aran Kormak wird derweil auf der Suche nach Verbündeten Chefexekutor der Reenschas in Glasgow. Er greift den Hort des Wissens an, eine Enklave befreundeter Retrologen und Wissenschaftler,scheitert aber und landet im Kerker. Matt und Aruula erleben mit, wie er auf der Flucht in einem Ballon von einem Artefakt verkleinert wird! Später dringt er in den Hort ein, erfährt vom Zeitstrahl und versucht ihn zu durchqueren.

Da empfängt Aruula einen Hilferuf der Pflanzenentität GRÜN. In Neuseeland treffen die Freunde auf eine botanische Seuche, die aus einer Parallelwelt herübergekommen ist. GRÜN, der für die Dornenhecken rund um die Anomalien verantwortlich zeichnet, ist dagegen machtlos. Gemeinsam mit den Hydriten – Fischmenschen, die seit Äonen auf der Erde leben – entwickelt man eine Waffe gegen die Rote Pest.

Inzwischen wissen die Archivare, dass ihre Reisen in die Vergangenheit für die Weltenwechsel verantwortlich sind: Wo immer sie ein Portal schufen, wurde die Raumzeit geschwächt und bricht nun durch den Wurmloch-Unfall auf! Spätere Generationen entwickeln ein Gegenmittel, das aus ferner Zukunft in einer Stasiskugel zurückversetzt wird. Doch als die Freunde die Kapsel finden, ist sie leer! Das Wesen darin hat vier Menschen okkupiert, die „Krieger des Lichts“, die einen Feldzug gegen den Weltrat in Washington führten! Nun mutieren sie zu mächtigen Wesen, die auf der Suche nach Energie eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. In einem verfallenen Freizeitpark holen die Gefährten sie ein – und müssen sich gegen mutierte Gejagudoos erwehren. Als Worrex den Gleiter bruchlandet, können die Krieger abermals entkommen. In einer Mormonen-Siedlung bringen sie drei X-Quads in ihren Besitz, mit denen sie die letzte Etappe ihrer Reise antreten.

Es zieht die Krieger des Lichts zu einem atomaren Endlager, wo sie von Scorpocs angriffen werden und mit ihnen verschmelzen. So finden sie die Gefährten, und Worrex mcht dem Wesen klar, dass es auf seiner Suche nach Energie nie Erfüllung finden kann, denn letztendlich wurde es nur für einen Zweck geschaffen: die Strahlung innerhalb der Parallelwelt-Portale zu absorbieren. Es gelingt ihm, die Kreatur zu überzeugen, mit ihnen zu kommen – in der Stasiskapsel, die der Android Miki Takeo zwischenzeitlich repariert hat.

Auf Blut gebaut

von Stefan Hensch

Ein anderes Lancaster

Dekker rannte mit rasendem Herzschlag über die Felder. Die Morgendämmerung war bereits als Silberstreif am Horizont zu sehen. Von der Dunkelheit konnten die beiden Männer also nicht mehr lange Deckung erwarten. Doch das war gut so, denn die Dunkelheit war der Freund der Bleichen.

Einmal mehr blickte Dekker zurück zu seinem Freund Asgaad. Der jüngere Mann würde das Tempo nicht mehr lange durchhalten. Er war schon länger auf der Farm, und das sah man ihm auch an. Sein sehniger Körper schien nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen. Die harte Arbeit und die Behandlungen hatten ihre Spuren hinterlassen. Es gab ein unausgesprochenes Gesetz, das jeder kannte: Niemand würde überleben. Deshalb hatte Dekker eine Entscheidung getroffen. Er wollte nicht auf der verfluchten Farm sterben.

Asgaad hatte sich ihm angeschlossen. Er war vor einigen Monaten auf die Farm gekommen. Seit seiner Ankunft war keine Sekunde vergangen, in der er nicht argwöhnisch seine neue Umgebung beobachtet hätte. Dabei waren ihm Details aufgefallen, die den meisten anderen Gefangenen entgangen waren.

In der Zeit vor dem Morgengrauen waren die Wachen irgendwie unruhig. Anfänglich hatte Dekker vermutet, dass die Bleichen schon in Vorfreude auf die anstehenden Behandlungssitzungen am Morgen waren. Nach einiger Zeit hatte er den wahren Grund herausgefunden.

Während die Wachen in der Nacht übernatürlich wach und fit wirkten, schien sie das Morgengrauen Kraft zu kosten. Dabei vernachlässigten sie regelmäßig auch den Rhythmus ihrer Kontrollgänge. Dekker hatte auch dieses komplexe Muster der Sicherheitsmaßnahmen ganz genau analysiert: Der Wachwechsel am Haupttor fand immer etwas früher als in den Quartieren statt, da die Posten außerhalb des Gebäudes von Kameraden in lichtundurchlässiger Kleidung abgewechselt werden mussten.

Aus diesem Grund entstand für kurze Zeit ein toter Winkel direkt vor dem Gebäude, in dem Dekker und Asgaad untergebracht waren. Sobald die Wachen in ihrem Trakt nachlässig wurden, konnten sie während dieser Zeitspanne ungesehen durch ein Fenster hinaus in die Nacht schlüpfen.

Sie mussten ungesehen die ehemalige Scheune umrunden und sich Richtung Süden halten. Dabei würde ihnen die Wachablösung in diesem Bereich ebenfalls in die Karten spielen. Wenn die Männer leise genug waren, konnten sie einen Busch an der Südmauer erreichen. Dort hatte Dekker eine grobe Decke versteckt, die er gegen etwas Brot aus seinem Proviant von den Näherinnen erstanden hatte.

Der Rest war ein Kinderspiel gewesen. Er hatte die Decke über den Stacheldraht geworfen und sich dann an der Mauer hochgezogen. Von dort hatte er Asgaad hochgeholfen, und mittels der Decke hatten sie unverletzt den Draht überwinden können.

Beim Rest des Plans ging es nur noch um Geschwindigkeit und Ausdauer. Sie mussten möglichst viel Distanz zur Farm schaffen, denn ihr Verschwinden würde schnell bemerkt werden. Die Bleichen waren verdammt gute Fährtenleser und würden auf ihren Horsays hinter ihnen herjagen. Waren die beiden Männer zu langsam, würden sie ihr Ziel nicht erreichen.

Dekker verzog das Gesicht zu einem harten Grinsen. Er war auf einer Farm ganz in der Nähe großgeworden. Es war eine gute Zeit; damals waren die Bleichen noch nicht hier gewesen. Die Familie hatte sich nahezu mit allem selbst versorgen können. Was ihnen zum Überleben gefehlt hatte, konnten sie gegen eigenes Obst und Gemüse auf dem Markt in Lancaster eintauschen.

Doch mit dem Frieden war es irgendwann vorbei gewesen. Eines Nachts verschwanden die ersten Menschen aus der Gemeinde. Niemand wusste, wer oder was dafür verantwortlich war. Doch die Ungewissheit war irgendwann der brutalen Wahrheit gewichen.

Die Bleichen hatten sich in der Farm der Marstens eingenistet. Dies war die Keimzelle gewesen, von der sich die Geschwulst ausgebreitet hatte. Vielleicht hätte man der Plage damals noch Herr werden können, doch die Bewohner von Lancaster hatten gezögert. Schließlich war es zu spät gewesen.

Dekker hörte Asgaads Keuchen und drehte sich alarmiert um. Sein Freund konnte das Tempo nicht mehr halten. Panisch sah sich der Ältere in der Dunkelheit um. Er sah keine Verfolger, aber das musste nichts bedeuten. Die Dunkelheit war das Element der Bleichen. Nur weil er keinen von ihnen sah, bedeutete das nicht, dass dies auch umgekehrt der Fall war.

Dennoch blieb er kurz stehen und ließ Asgaad wieder zu sich aufschließen. „Reiß dich zusammen, Mann. Wir müssen es nur zur Farm meiner Eltern schaffen.“

Asgaad biss die Zähne zusammen und gab alles. Dekker wusste, dass diese Strecke für seinen Mitgefangenen eine Tortur war.

Nun, sein eigener Zustand war auch nicht viel besser. Er hatte tief in den Höhlen liegende Augen und die gleichen eingefallenen Wangen wie Asgaad, die lediglich von einem Vollbart verdeckt wurden. Dennoch kam er mit der körperlichen Belastung besser klar, denn er war sie zeit seines Lebens gewohnt. Seinen Freund dagegen hatte es aus der Stadt hierher verschlagen.

Dekkers Augen hatten sich an die mondlose Nacht gewöhnt. Der Silberstreifen am fernen Horizont war sichtbar breiter geworden. Bisher lief alles nach Plan.

Oder spielen die Bleichen nur mit uns? Eiskalt lief es Dekker den Rücken hinunter. Seine Blicke stachen durch die Dunkelheit, doch immer noch sah er keine Verfolger.

Durch die Ablenkung hob er beim Laufen seinen Fuß nicht hoch genug und geriet ins Straucheln. Um ein Haar wäre er gestürzt, fing sich aber im letzten Moment wieder. Sein Herz pumpte das Blut in seine Ohren und machte ihn taub.

Immer wieder blickte er über seine Schultern zurück. Einmal glaubte er die glühenden Augen seiner Verfolger hinter sich auszumachen, doch da war nichts. Das Produkt seiner überreizten Sinne! Seine Füße hämmerten über den weichen Boden. Er achtete nicht mehr auf Asgaad. Jetzt ging es nur noch ums Überleben.

Dekkers Blut wurde mit Adrenalin geflutet. Sein Körper funktionierte nur noch, trieb ihn voran. Erst als er das heruntergekommene Farmhaus im Zwielicht des anbrechenden Tages sah, registrierte er, wo er war.

Sein altes Zuhause! Tiefe Erleichterung durchflutete ihn.

Doch sofort war da die Ungewissheit. Er war seit fast einem halben Jahr nicht mehr hier gewesen. Hatten die Bleichen das Heiligtum seines Vaters in der Zwischenzeit entdeckt?

Dicht gefolgt von Asgaad, umrundete Decker das Haupthaus der Farm. Max Dekker war vor etwas mehr als einem Jahr gestorben. Erst danach waren die Bleichen in Lancaster aufgetaucht.

Endlich tauchte das schwarze Objekt seiner Begierde hinter dem Farmhaus auf. Es stand scheinbar unberührt so da, wie er es zurückgelassen hatte. In der Dunkelheit wirkte es wie ein Zelt oder etwas Ähnliches. Doch das war es nicht.

Er hörte Schritte hinter sich und fuhr herum. Am Schnaufen erkannte er, dass es Asgaad war, und atmete erleichtert auf. Ohne sich mit Smalltalk aufzuhalten, suchte er die in den Boden getriebenen Heringe, zog die Stahlstifte einen nach dem anderen heraus. Als er gut die Hälfte geschafft hatte, glaubte er, sein Herz müsse aussetzen.

Hufgetrappel!

„Da sind sie!“, sprach Asgaad das Offensichtliche aus.

„Halt den Mund und hilf mir endlich“, stieß Dekker hervor und ignorierte die dunklen Schemen, die sich aus der Ferne schnell der Farm näherten.

Mit gemeinsamer Kraft rissen die beiden Männer die letzten Heringe aus dem Boden. Decker fasste in den schweren Leinenstoff und setzte sein ganzes Körpergewicht ein. Mit einem schleifenden Geräusch rutschte das grobe Tuch herunter.

Die schwachen Strahlen des neuen Morgens rissen das Chassis eines kanariengelben Helikopters aus der Dunkelheit. Die Maschine wirkte auf dem Farmgelände wie ein Fremdkörper.

Dekkers Vater hatte ihn vor mehr als zwanzig Jahren im Hangar eines ehemaligen Flughafens entdeckt. Das Gebäude war völlig von Pflanzen überwuchert gewesen, die Halle aber trotzdem intakt genug, um das Fluggerät vor schädlichen Umwelteinflüssen zu bewahren.

In einem Fach im Cockpit hatte Max Dekker die technischen Unterlagen des Helikopters gefunden. Agusta Westland AW109 stand darauf. Dekker kannte die Unterlagen seit seiner Kindheit; er hatte damit lesen gelernt.

Sein Vater hatte Monate im Hangar verbracht. Natürlich hatte der Zahn der Zeit an dem Artefakt aus der Vergangenheit genagt. Er hatte den Helikopter mehrfach auseinandernehmen müssen. Die mechanischen Teile mussten gefettet werden, zu stark beschädigte Komponenten hatten bei Besorgungsgängen zu den Retrologen neu beschafft werden müssen.

Ein größeres Problem war die Hydraulik gewesen, denn die Flüssigkeit musste komplett getauscht werden. Hydraulikflüssigkeit war jedoch selten und deshalb extrem wertvoll.

Der Tank des Helikopters war randvoll, aber Max Dekker wagte dennoch keinen Startversuch. Der Treibstoff hatte mit dem Sauerstoff reagiert und dabei seine leicht entzündlichen Bestandteile verloren. Auf diese Weise sank zuerst die Oktanzahl; mittelfristig wurde das Flugbenzin unbrauchbar. Im schlimmsten Fall verlor das Kerosin nicht nur seine Funktion, sondern beschädigte auch die Turbine des Vogels.

Nach einigem Suchen fand Max aber einige Stahlfässer im hinteren Teil des Hangars. Sie waren zwar von außen verrostet, doch weiterhin intakt und hatten das Kerosin darin luftdicht gelagert. Also hatte Dekkers Vater zuerst den alten Treibstoff abgelassen und anschließend das neue Kerosin nachgefüllt. Erst dann hatte er einen ersten Start der Turbine gewagt.

Die Maschine war stotternd angelaufen.

Nachdem sich Max mit den Unterlagen der Maschine beschäftigt hatte, unternahm er erste Flugversuche und brachte den Helikopter schließlich zur Farm. Seitdem hatte er vor allem beim Sprühen eines selbst hergestellten Pflanzenschutzmittels über den Feldern der Gegend wertvolle Hilfe gegen Ungeziefer geleistet.

Mit den Jahren waren die Reserven an Kerosin geschrumpft. Es war zwar in Kleinstmengen auf den Märkten erhältlich, aber sündhaft teuer. Jetzt war der Tank des Helikopters nur noch knapp zu einem Viertel gefüllt. Dies würde also sein letzter Flug werden – sofern er überhaupt abhob.

Dekker wurde von der Gegenwart aus seinen Gedanken gerissen. Das Hufgetrappel war lauter geworden; die Reiter hatten die Farm fast erreicht.

Er öffnete die Cockpittür und setzte sich den Pilotenhelm auf, bevor er in die Maschine kletterte. Asgaard umrundete die Maschine und zog sich, immer noch schwer keuchend, auf den Copilotensitz.

Derweil tat Dekker, was er von seinem Vater gelernt hatte. Immer wieder und wieder hatte er ihm zugesehen und sich die Reihenfolge eingeprägt. Er bediente Kippschalter, drehte an Reglern, blickte dabei gehetzt immer wieder durch die staubverkrusteten Cockpitscheiben.

Die Schatten waren da, gleich würden sie zuschlagen!

Kaltstart, dachte Decker. Er musste das größtmögliche Risiko eingehen. Wenn die Turbine dabei beschädigt wurde, konnten die Bastarde damit wenigstens auch nichts mehr anfangen. Also startete er die Maschine.

Für einige Sekunden passierte nichts. Decker glaubte, sein Herz würde stehen bleiben.

„Nun starte endlich“, keuchte Asgaad neben ihm.

Es gab einen gut hörbaren Schlag, dann hörte er das Heulen der Turbine. Der Helikopter lief an! Zu allem entschlossen, schob der Pilot den Schubregler ganz nach vorne und setzte so die Maschine einer maximalen Belastung aus. Sein Vater hatte ihn immer davor gewarnt. Aber dies hier war ein absoluter Notfall.

Das Heulen der Turbine verwandelte sich in ein spitzes Kreischen. Die Rotorblätter peitschten durch die Luft.

Direkt vor dem Helikopter erschien ein Schatten. Es war ein Horsay samt Reiter. Der Bleiche trug eine Kutte. Sein Gesicht lag im Schatten einer Kapuze, aber Dekker glaubte flammende Augen erkennen zu können.

Der Bleiche hielt eine Armbrust in den Händen und richtete sie direkt auf die Kanzel. Der Bolzen würde mühelos das Glas durchdringen und Dekker töten. Egal. Besser auf diese Weise sterben, als langsam auf der Farm dahinzusiechen. Der Wind der Rotoren ließ den Arm der Kreatur zittern. Schieß doch, dachte Dekker fatalistisch.

„Sie haben uns!“, schrie Asgaad.

Um die Maschine herum brodelte es nun vor Schatten. Abgebrüht sah Dekker auf den Drehzahlmesser. Die Maschine war so weit. Er drückte den Schubregler und den Steuerknüppel nach vorne. Der kanariengelbe Helikopter hob ab, sackte gleich wieder einige Zentimeter nach unten, hielt sich aber in der Luft und bewegte sich auf den Reiter zu. Dabei neigte sich der Helikopter gefährlich nach vorne. Die Rotorblätter schnitten durch die Luft, näherten sich dem Kopf des Bleichen. Der Reiter erkannte die Gefahr. Er ließ die Armbrust sinken und gab dem Horsay die Sporen. Der Weg war frei!

Irgendetwas schlug seitlich gegen den Hubschrauber, wurde aber vom Chassis funkensprühend abgelenkt. Beide Insassen wussten, dass es ein Bolzen gewesen war. Sie waren noch lange nicht in Sicherheit!

Trotz voller Triebwerksleistung gewann der Helikopter nur langsam an Höhe. Außerdem kostete es viel Mühe, ihn auf Kurs zu halten. Die mangelnde Wartung machte sich bemerkbar. Immer wieder musste Dekker kleine Korrekturen vornehmen. Irgendetwas stimmte nicht mit den Stabilisatoren. Außerdem war da ein klopfendes Geräusch bei den Rotoren. Das alles war nicht gut, gar nicht gut.

Glücklicherweise stimmte die Geschwindigkeit. Im Tiefflug donnerte der schlanke Helikopter über das Farmgelände hinweg und ließ die Reiter hinter sich zurück.

Dekker wandte sich um. Im Licht des beginnenden Tages sah er zahlreiche Gestalten. Die meisten trugen ihre Ledermasken, um sich vor dem Sonnenlicht zu schützen. Aber sie waren zu spät gekommen.

Gerade als er sich abwenden wollte, sah er einen Reiter, der weder Kapuze noch Maske trug. Er saß hochaufgerichtet auf seinem Horsay und fixierte den Helikopter mit flammendem Blick.

Er war es: Ranock. Die rechte und grausame Hand von Bragos.

„Das war knapp!“, schrie Asgaad über den Triebwerkslärm hinweg. Zumindest glaubte Dekker das zu verstehen. Die Aufmerksamkeit des Piloten wurde von etwas anderem gefesselt.

Vor ihnen am Himmel waren grüne und bläuliche Schlieren zu sehen. Das ist das seltsamste Morgengrauen, das ich jemals gesehen habe, dachte Dekker. Und er sollte recht behalten…

Ranock sah den Hubschrauber kleiner und kleiner werden. Bisher hatte er nur in Waashton Helikopter gesehen, aber das war lange her. Wehmütig dachte er an die dortige Community. Er war noch so jung gewesen, dennoch erinnerte er sich an jedes Detail.

Der Horizont hatte sich mehr und mehr aufgehellt. Ranock spürte bereits ein unangenehmes Brennen auf der Haut. Seine Augen des wurden trocken; es fühlte sich an, als wäre Sand hineingeraten.

Der Nosfera griff in seine Manteltasche und zog eine getönte Brille hervor. Die meisten seiner Männer schützten sich mit Ledermasken gegen die Sonnenstrahlen, aber das war Ranock zuwider. Er setzte die große Sonnenbrille auf und zog seine Kapuze nach vorn.

Länger zu bleiben, war ein Risiko. Außerdem änderte es nichts an den Tatsachen: Er hatte versagt. Ranock trug die Verantwortung für die fehlgeschlagene Mission, niemand sonst. Er musste Bragos Rechenschaft ablegen und die Konsequenzen tragen.

Der Weißhaarige hatte keine Angst vor einer Strafe, würde sie mit aufrechtem Haupt akzeptieren. Ranock kannte es nicht anders. Alle Söhne seiner Blutlinie waren Krieger gewesen und dachten so.

„Wir reiten zurück!“, befahl er mit lauter Stimme.

Ranock führte seine Männer zurück zum Hauptquartier. Als sie dort ankamen, war die Nacht fast gänzlich vom Tageslicht verdrängt worden.

Bragos persönlich stand am Tor des Stützpunkts. Genau wie sein jüngerer Vertreter trug auch er keine Maske, hatte stattdessen einen breitkrempigen Hut aufgesetzt, der sein Gesicht vor der schädlichen Sonneneinwirkung schützen sollte. Dennoch musste auch er Schmerzen verspüren.

Ranock stieg aus dem Sattel und kniete sich vor seinen Herrn. „Herr, ich habe versagt. Die Geflüchteten sind mit einem Hubschrauber entkommen.“

Bragos schwieg. Ranock war es, als könne er den Blick seines Herrn auf der Schädeldecke spüren. Vor dem inneren Auge sah er schon, wie dieser seinen Degen aus der Scheide zog, um ihn damit zu enthaupten.

„Wir sollten ins Haus gehen“, hörte er die dunkle Stimme des Anführers.

Irritiert erhob Ranock den Kopf. Erst als Bragos ein Nicken hinzufügte, wagte er es, aufzustehen. Seite an Seite schritten sie auf die offene Tür zu.