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Der Coming-of-Age Roman für unsere infantile Gesellschaft
Erwachsenwerden ist eine Lüge. Mit 30 treibt Ben Winter durch ein Leben voller Enttäuschungen, gescheiterter Beziehungen und Nihilismus. Doch als sich plötzlich eine unerwartete Chance bietet, gerät alles außer Kontrolle und er findet sich in einem postmodernen Albtraum wieder, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint…
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Stefan Hensch
Einzelspieler
Coming-of-Age Roman
Copyright © by Author/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Bärenklau Exklusiv, 2025
Korrektorat: Bärenklau Exklusiv
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau (OT), Gemeinde Oberkrämer. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
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Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
Einzelspieler
Kapitel 1: Das Ende
Erster Teil
Kapitel 2: Alltag
Kapitel 3: Dorsia
Kapitel 4: Retro
Kapitel 5: Heile Welt
Kapitel 6: Besuch aus der Vergangenheit
Kapitel 7: Mein Vater und ich
Kapitel 8: Neues Mindset
Kapitel 9: Ein ehrenwerter Gentleman
Kapitel 10: Der Algorithmus
Kapitel 11: Erniedrigung
Kapitel 12: Gewonnen und doch verloren
Kapitel 13: Kontrollverlust
Kapitel 14: Versuchung
Kapitel 15: Postapokalypse
Kapitel 16: Das Essen
Kapitel 17: Der Kombi
Kapitel 18: Reboot
Kapitel 19: Besuchszeit
Kapitel 20: Der Deal
Kapitel 21: Die Frau von der Tankstelle
Kapitel 22: Futter für den Dämon
Kapitel 23: Dem Drachen mit gezogenem Schwert entgegentreten
Kapitel 24: Geist
Kapitel 25: Implosion
Zweiter Teil
Kapitel 26: Dave Bricklayer
Kapitel 27: Uroboros
Kapitel 28: Shopping Time
Kapitel 29: Ein Traum mit Jesper Greybeard
Kapitel 30: Das Ende der Zivilisation
Kapitel 31: Ein Telefonanruf
Kapitel 32: Endgame
Kapitel 33: Die China-Connection
Kapitel 34: Am Thron sägen
Kapitel 35: Mitten durch die Nacht
Kapitel 36: Wiedergeburt eines Dämons
Kapitel 37: Als der Meister starb
Kapitel 38: Die Rückkehr des verlorenen Sohns
Kapitel 39: Optimierung
Kapitel 40: Draht nach draußen
Kapitel 41: Wer ist Dave Bricklayer?
Kapitel 42: Der Anschlag
Kapitel 43: Stirb und werde
Kapitel 44: Die Weisheit eines Clowns
Kapitel 45: Reise in die Vergangenheit
Kapitel 46: Jesper Greybeard
Kapitel 47: Die Macht des Wortes
Kapitel 48: Ein Brief und eine Entscheidung
Kapitel 49: Why does my heart feel so badly?
Kapitel 50: Das Ende von irgendwas
Der Coming-of-Age Roman für unsere infantile Gesellschaft
Erwachsenwerden ist eine Lüge. Mit 30 treibt Ben Winter durch ein Leben voller Enttäuschungen, gescheiterter Beziehungen und Nihilismus. Doch als sich plötzlich eine unerwartete Chance bietet, gerät alles außer Kontrolle und er findet sich in einem postmodernen Albtraum wieder, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.…
***
»Du musst eine Leere in dir schaffen.«
Der Coming-of-Age Roman für unsere infantile Gesellschaft von Stefan Hensch
Für Nilo, Natascha, Klaus und Monika. Ihr seid die Besten!
Es ist vorbei. Nicht das sprichwörtliche Kind ist in den Brunnen gefallen, eher ist es so, dass alle Kinder einem neuzeitlichen Herodes zum Opfer gefallen sind. Vielleicht ist auch eine Neutronenbombe direkt über meinem Haus abgeworfen worden. Meinem Haus? Ein Lachkrampf befällt mich, wenn dann gehört mir ja sowieso nur eine Wohnung darin - noch. Mir, Ben Winter, wird bald gar nichts mehr gehören. Ich bin verdammt nochmal pleite, verschuldet und werde im Knast landen, wenn mir vorher nicht einer von Rickermanns Leuten die Kehle durchschneiden wird. Grundsätzlich wird beides unweigerlich geschehen. Die Frage ist nur, wer schneller sein wird und in welcher Reihenfolge es geschieht: Schnappt mich zuerst die Polizei im Auftrag unserer geprellten Investoren, oder dieser verfluchte Rickermann?
Ich liege im Schlafzimmer meiner sechshundertfünfzigtausend Euro teuren Wohnung und warte auf meinen Tod. Passend dazu dröhnt Portishead aus den Boxen und Frontfrau Beth Gibbons berichtet leidvoll über Sour Times. Ich muss an Jesper Greybeard denken. Alles hat mit dem irren und zugleich genialen Philosophen aus der Zeit des amerikanischen Goldrausches angefangen. Oder ist es Beffert gewesen? Ist es das Werk des Dämons?
»Du bist erst tot, wenn du nicht mehr über den Tod nachdenken kannst, oder wenn dir jemand seine Lanze mit einem grimmigen Lächeln tief in den Leib treibt«, rezitiere ich aus Greybeards Das Wilde in Dir. So gesehen, habe ich noch etwas Leben in mir. Beffert war es, der mich mit Greybeards Denken infiziert und dem Dämon ausgeliefert hat. Ausgerechnet dieser Mann war jetzt mit dem gesamten Kapital der Firma, Steuerrückstellungen und den Einlagen der Investoren spurlos verschwunden. Unsere Investmentfirma Beffert&Winter ist über Nacht zu einem lebenden Toten geworden. Beffert, du verdammter Hurensohn!
Ich spüre mein Herz im gesamten Körper pochen. Mir wird speiübel und ich würde am liebsten Kotzen gehen, nur ist da nichts in meinem Magen. Dazu hätte ich heute etwas essen müssen, aber wenigstens habe ich meine Pillen genommen. Mühselig rappele ich mich aus meinem handgefertigten Boxspringbett und bleibe zusammengesunken auf der Bettkante sitzen. Zu gerne würde ich jemanden anrufen, aber wer sollte das sein? Mein Vater würde mich auslachen, um dann den Hörer mit Schmackes auf die Gabel zu knallen. Er hat es seinem Sprössling klipp und klar gesagt, da kann dieser doch jetzt nicht auf die Hilfe vom großen Mathematiker bauen. Natürlich könnte ich auch Katha anrufen. Während ich das denke, lache ich wieder. Meine Ex, die angehende Star-Internistin, die keinen Platz mehr für einen Verlierer wie mich in ihrem Leben hat. Vermutlich lutscht sie gerade an den Eiern irgendeines Vorgesetzten, der sie dafür protegieren und mit seinem Geld so richtig schön zuscheißen wird.
Langsam erhebe ich mich vom Bettrand und gehe ins Wohnzimmer. Die Füße tun mir entsetzlich weh und ich kann mich kaum aufrecht halten. Mir fehlt jede Kraft. Unschlüssig bleibe ich im Türrahmen stehen. Der Blick von Jesper Greybeards Büste fällt vom Sekretär auf mich und verhöhnt mich geradezu. Ich kann ihm nicht standhalten und sehe weg. Meine Gedanken zerfasern im Nichts und ich verliere mich bei der Betrachtung des Ebenholz-Parketts unter meinen nackten Füßen. Niemals zuvor habe ich mich unwürdiger als jetzt gefühlt, auch nicht, als ich arm war. Ich verdiene weder die Philosophie Greybeards, diese Wohnung, noch den sündhaft teuren Fußbodenbelag. Mir steht nur noch eine Kugel in den Kopf und eine knietiefe Grube mitten im Nirgendwo zu. Rickermann wird sich garantiert um beides kümmern. Soll ich ihn vielleicht anrufen, um das Unvermeidliche schnell hinter mich zu bringen?
Unschlüssig schlurfe ich zur Bar, zum Anbieten muss man ja immer etwas dahaben. Aus Verlegenheit habe ich bisher nur zehn Flaschen Smirnoff im Barfach deponiert, gut vielleicht sind es jetzt nur noch acht. Wodka geht schließlich immer. Ich schraube den Deckel einer Flasche ab, lasse ihn gleichgültig fallen und nehme einen tiefen Schluck. Es fühlt sich an, als würde ich Sprit direkt aus einer Zapfpistole saufen. Der Vorteil des farblosen Wässerchens gegenüber anderen Alkoholika ist seine gute Dosierung. Eine halbe Flasche garantiert einen entspannten Abend, mehr davon sorgt für heftige Kopfschmerzen und einen ruinierten Tag.
Ich höre ein Klopfen und halte inne. Mein Blick huscht zur Uhr eines mir völlig unbekannten Designers, die ich lediglich zum Protzen gekauft habe. Wer zur Hölle soll mich um viertel vor zwei in der Nacht besuchen wollen, außer…? Plötzlich scheint die Zeit stillzustehen und es ist, als würde eine eiskalte Klauenhand nach meinem Herzen greifen. Rickermann! Wer kann es sonst sein? Dieser verfluchte Bastard hat die Nachricht vom Cryptocrash gehört und wollte sich im Büro nach seinem Investment erkundigen. Nachdem er dort trotz anhaltenden Telefonterrors niemanden erreicht hat, will er es jetzt von mir persönlich wissen. Beffert ist weg, ich bin noch da. Last man standing, sozusagen. Ich schlucke. Vor meinem geistigen Auge erscheint die hagere Visage Rickermanns mit seinem silbergrauen Dreitagebart, wie sie flankiert von zwei bulligen Schlägern vor meiner Wohnung steht. Wird mein sehnlichster Wunsch erfüllt und ich kann endlich sterben? Ich starre das bronzene Antlitz des Philosophen an. Hatte Greybeard mir zugenickt, oder bilde ich mir das nur ein? Was denke ich eigentlich für einen Schwachsinn?
Wieder klopft es. Dieses Mal hört es sich drängender an. Was bleibt mir, als mich meinem Schicksal zu fügen? Ich räuspere mich laut. »Ich kommt sofort, muss mir nur was überziehen«, rufe ich in Richtung der Wohnungstür. Wie erstarrt bleibe ich an Ort und Stelle stehen, unfähig auch nur einen einzigen logischen Schluss zu ziehen. Ein Gedankenchaos wirbelt in meinem Kopf. Reflexartig entledige ich mich der Flasche, stelle sie wieder in die Bar und gehe mit steifen Schritten zur Tür. Die Türklinke fühlt sich kalt und bedrohlich an, dennoch drücke ich sie herunter. Ich wage es nicht, vorher einen Blick durch den Spion zu werfen. Es ist vorbei, wozu den Schrecken künstlich in die Länge ziehen?
Im Flur ist es dunkel. Wie könnte es auch sonst sein? Rickermann und seine Jungs ziehen es sicherlich vor, nicht gesehen zu werden. Alles andere wäre nicht unbedingt vorteilhaft für sie. Sekundenlang starre ich in die Finsternis des Treppenhauses. Niemand ist da. Haben mir meine überreizten Nerven einen Streich gespielt? Ich trete einen Schritt in die Dunkelheit hinaus und stehe lauschend auf der Fußmatte. Nichts. Irritiert schließe ich die Tür. Genau in diesem Moment ertönt das Pochen erneut. Ich habe mich also nicht getäuscht, meine Nerven spielen nicht verrückt. Die Erkenntnis trifft mich wie ein Hammerschlag: Das Geräusch kommt nicht von der Tür, sondern vom Fenster! Die Wohnung befindet sich im zweiten Stock (Ohne Balkon. Ich mag diese Galerien unter offenem Himmel, mit freier Sicht zum Erdboden nicht). Wie soll jemand an dieses Fenster schlagen können, wenn er keinen Leiterwagen der Feuerwehr geklaut hat und es sich auch nicht um Spiderman handelt?
Widerstrebend gehe ich zurück ins Wohnzimmer. Die Jalousien sind nicht heruntergelassen und mein Zimmer spiegelt sich im Glas vor dem Hintergrund der Nachtschwärze. Eines ist klar, Rickermann klettert bestimmt nicht die Fassade empor, um mich zu bestrafen. Wenn das Klopfen eine rationale Ursache hat, und daran will ich zumindest glauben, muss ich einfach nachsehen. Todesmutig trete ich ans Fenster und öffne es.
Auf der Fensterbank sitzt ein Rabe. Es ist ein großes, beeindruckendes Tier mit einem schwarzen Gefieder, das an manchen Stellen metallisch grün glänzt. Mit seinen dunklen Augen sieht er mich unverwandt an. Ich runzele die Stirn. Ist es tatsächlich der Vogel gewesen, der mit seinem Schnabel an die Scheibe geklopft hat? Und wenn ja, warum? Ich stelle mir gerade diese Frage, als der Rabe seine Schwingen spreizt. Die enorme Spannbreite der Flügel lässt mich zurückschrecken und das Fenster frei geben. Verwirrt folge ich seinem Flug und beobachte, wie er sich ausgerechnet auf dem Kopf Greybeards niederlässt, und mich von dort fast schon spöttisch mit seinen onyxartigen Augen fixiert. Der schwarze Vogel wirkt beinahe menschlich dabei, auch wenn sich das völlig verrückt anhören muss.
Kalte Luft weht vom Fenster herein und klärt meinen Verstand, noch bevor der Wodka ihn weiter vernebeln kann. Ich schlucke und stoße ein heiseres »Also« hervor. Die lebhaften Pupillen lassen mich nicht aus den Augen und ich glaube echte Intelligenz darin zu erkennen. Das ermutigt mich irgendwie, weiter zu sprechen. Zu Beginn bringe ich meine Worte nur langsam und stockend hervor und ich komme mir ziemlich dumm dabei vor. Weshalb erzähle ich einem Raben mein Leben, und welche Erwartungen habe ich dabei? Oder sind das nur die Auswirkungen des Valiums, das ich vor etwa einer Stunde genommen habe? Wie auch immer, das Tier hört mir zu, klebt förmlich an meinen Lippen und ich schütte mein Herz aus.
Während ich spreche, habe ich einen Einfall. Zuerst muss ich noch grob den Weg beschreiben, der mich überhaupt in diese Situation gebracht hat. Geduldig lauscht der Rabe meinen Worten bis ich zum Ende komme. Nun ist es an der Zeit und ich nehme meinen ganzen Mut zusammen. »Komme ich jemals wieder aus dieser Nummer heraus?«, frage ich mutig und doch verzweifelt.
Kaum haben die Worte meinen Mund verlassen, komme ich mir lächerlich vor. Was bilde ich mir eigentlich ein? Dieser Vogel kann mich weder verstehen, noch kennt er meine Zukunft. Wie hilflos kann ein Mensch sein, wenn er sich genötigt sieht, zu so einem Strohhalm zu greifen? Vermutlich kenne ich die Antwort auf diese Frage am besten. Gerade will ich mich schon abwenden, als der Rabe seinen Kopf schräg legt. Etwas in mir zieht sich zusammen und ich starre gebannt auf seinen grauen, langen, dicken Schnabel, der sich langsam öffnet.
»Nimmermehr«, krächzt mein schwarzer Gast. Im nächsten Augenblick stößt er sich behände von der Büste ab, schlägt mit seinen kräftigen Flügeln und schießt an mir vorbei, durch das geöffnete Fenster und zurück in die Nacht. Mein Magen krampft. Nimmermehr. Das ist völlig beknackt. Bescheuert oder nicht, der Rabe hat meine Frage beantwortet. Aus der Sache komme ich nicht mehr raus, ich habe es geahnt. Das hier ist wirklich mein Ende, meine Geschichte geht nicht mehr weiter. Stumm nicke ich Jesper Greybeard zu. Mir hat niemand eine Lanze in den Leib getrieben und ich kann noch über den Tod nachdenken. Dennoch bin ich totes Fleisch, mein Körper weiß es nur noch nicht. Also können sich auch große Philosophen irren. In mir reift ein Plan heran, den ich schon früher in groben Strichen skizziert habe. Gedankenverloren gehe ich zum Fenster und mache es zu. Schließlich soll es nicht hereinregnen, wenn ich nicht mehr bin.
Taubheit breitet sich in mir aus, so als hätte mich jemand mit Watte ausgepolstert. Mechanisch klaube ich den Schlüssel meines Mercedes auf und steige die Treppe zur Tiefgarage hinunter, ich habe noch etwas zu erledigen.
Die Fahrt durch die Nacht erlebe ich wie ein Zuschauer in meinem eigenen Körper. Was, wenn mich jetzt eine Polizeistreife anhält? Augenblicklich verblasst die Frage wieder, verliert jede Bedeutsamkeit. Irgendwoher nehme ich die feste Gewissheit, dass mich niemand bei meinem Vorhaben aufhalten wird. Jetzt nicht mehr. Nimmermehr. Ich bremse ab und lenke den Wagen auf einen Schulhof. John von Neumann-Gymnasium lese ich auf einem Schild. Fieberhafte Erregung packt mich. Motor aus, Lichter aus, Handschuhfach auf, Plastikbox raus. Verdammt, ist die schwer. Einmal um den Wagen herum, Kofferraum auf und Schraubenschlüssel mitnehmen. Den Wagen lasse ich offen, es kümmert mich nicht. Die Leasingraten kann ich sowieso nicht mehr zahlen. Ich halte einen Moment inne und fasse ein paar klare Gedanken. Leasingraten zahlen? Zur nächsten Fälligkeit werde ich tot sein!
Mein Bewusstsein trübt sich wieder ein und ich bekomme als nächstes mit, wie ich aushole und den Glaseinsatz der Schultüre mit nur einem Schlag zertrümmere. Ich setze den Schraubenschlüssel an, übe massiven Druck aus. Holz splittert und es gibt einen dumpfen Knall. Schließlich bin ich drin. Wie im Schlaf finde ich den Weg zu meinem alten Klassenzimmer. Die Tür ist offen und ich mache Licht an. Neue Tische und Stühle, aufgestellt auf dem erneuerten, aber schon wieder abgenutzten PVC-Boden. Whiteboard anstelle einer Tafel. Mein Platz ist ganz hinten am Fenster gewesen. Ich setze mich, stelle die Kunststoffkiste auf der Tischplatte vor mir ab. Der Schraubenschlüssel ist weg, keine Ahnung wo er ist. Egal, ich brauche ihn nicht mehr. Ich brauche gar nichts mehr.
Mit geübten Griffen öffne ich die Plastikbox. Grell spiegelt sich die Deckenbeleuchtung auf dem polierten Lauf der Browning. Meine Rechte packt sie beim Griff, die Linke zieht den Schlitten nach hinten und transportiert ein Projektil in den Lauf. Ready for Action. Wie in Trance entsichert mein Daumen die Waffe mit einem leisen Klicken. Ich hebe sie an, öffne den Mund und schiebe sie zwischen meinen Zähnen hindurch. Eigentlich habe ich mir die Pistole aus Sicherheitsgründen zugelegt, zumindest ist das meine Ausrede.
Mein Blick wandert aus dem Fenster, so wie es in meiner Schulzeit eine Millionen Mal geschehen ist. Jetzt ist da nur undurchdringliche Dunkelheit, schwarze Nacht, sonst nichts. In Wahrheit ist dort nie etwas anderes gewesen, wir konnten es als Schüler nur noch nicht sehen. Das Nichts. Ich bin der einzige Mensch auf diesem Planeten und für mich wird es nie wieder eine Morgendämmerung geben. Konsequent schließe ich die Augen und mein Zeigefinger findet den Abzug. Millimeter um Millimeter ziehe ich ihn nach hinten, bis ich den Druckpunkt erreiche. Das ist der Ausgang, oder?
Vor etwa zwei Jahren
Kennst du diese Leute, die mit fast dreißig alles erreicht haben? Beruflich alles top, Haus gebaut und der Plan für die nächsten dreißig Jahre ist auch schon eingetütet. Nun, das ist bei mir nicht der Fall. Natürlich könnte man es übertreiben und deshalb in Depressionen verfallen, oder man verklärt es positiv und betrügt sich selbst, indem man darin schwelgt, was das Leben noch alles für Geschenke bereithält. Ich bin schon einen Schritt weiter und habe auch am erfolgreichsten Selbstbetrug meine Zweifel.
Während ich diesem Gedanken nachhänge, ist es Mittag. Ich stehe auf der Mitte der Trainingsfläche und sehe aus dem Panoramafenster. Im Radio wird so ein disharmonisches Dreckslied gespielt, dessen Titel ich mir gar nicht merken will. Der Bahnhof ist zu sehen. Ein ICE fährt ein. Der Bahnsteig ist schwarz gesprenkelt vor Menschen, die auf das Einsteigen warten. Egal wer sie sind und weshalb sie in den einfahrenden Zug steigen wollen, in gewisser Weise sind sie freier als ich. Tag ein, Tag aus bin ich dazu verdammt, meine Arbeitszeit hier im Rehazentrum abzureißen und komme dabei niemals heraus. Ein Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht, denn eigentlich will ich nicht verreisen. Vom imaginären Mangel ging für mich schon immer ein besonderer Reiz aus. Im Gegensatz zu einem realen Defizit, kann ich diesen rein fiktiven Schmerz ohne große Anstrengungen aushalten.
Die schwache Februarsonne scheint durch das Fenster hinein und ich sehe mikroskopisch kleine Staubkörner darin aufsteigen. Meine Giesswein Sneakers halten meine Füße warm, sind aber auch fein atmungsaktiv. Ich lenke meine Aufmerksamkeit wieder auf den Mann neben mir. Sein Name ist Peter Otto und er ist mein Klient.
Er hält zwei Hanteln in den Händen und sieht mich mit einem seiner merkwürdigen Blicke an. »Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich eine Ausbildung gemacht, oder kann man einfach so Fitnesstrainer werden?«
Ich sehe ihn mit gerunzelter Stirn an. »Mussten Sie eine Ausbildung machen, oder konnten Sie sich einfach so Versicherungskaufmann nennen?«, gebe ich die Frage an ihn zurück. Sein schwarzes T-Shirt beleidigt mich, denn es ist absurd. Offensichtlich ist es von Adidas, dennin goldener Schrift steht The Brand With The Three Stripes. Für Vollidioten ist darunter das Logo abgebildet und darunter steht Judo. Otto hat höchstens mal im Fernsehen Judo gesehen, denn das ist ein ehrlicher Sport, wo es auch mal einen auf die Fresse gibt. Bei dem Thema Adidas muss man Butter bei die Fische tun. Die Firma war mal das deutsche Unternehmen überhaupt und verkörperte unsere Ideale. In gewisser Weise waren wir alle bis zu den Neunzigern Adidas. Dann geschah das Undenkbare und der Sportartikelhersteller wurde verkauft. Es tut mir leid, wenn ich das sagen muss, aber seitdem ist es nur noch Rotz. Jeder der klar denken kann, weiß das.
»Nun ja, Herr Winter«, er denkt nach. »Das ist ja etwas anderes«, fügt er dann hinzu.
Das ist mir natürlich schon klar gewesen. Ich kenne diesen Typus Mensch mittlerweile zur Genüge. Wenn es um einen selbst geht, ist es natürlich immer etwas anderes. Mir ist der Sinn nach Konversation vergangen und ich nicke stumm. »Runde zwei«, sage ich entschlossen. Der Blödmann ist schließlich zum Trainieren da. Im Radio läuft jetzt Pump up the jam von Technotronic.
Otto hebt die Hanteln parallel vor seinen Bauchnabel und führt sie seitlich nach oben, bis sie fast auf Schulterhöhe sind. Mister Superversicherungsvertreter macht es sogar richtig gut, seine Haltung muss ich nur minimal korrigieren. Nach der fünften Wiederholung stöhnt er lautstark. Natürlich hat der Klient seine Hausaufgaben nicht gemacht, ansonsten hätte er wesentlich weniger Probleme mit dem Gewicht. Um seine Faulheit zu kaschieren, fragt er mich andauernd nach neuen Übungen, die er natürlich wieder nicht machen wird. Vermutlich ist der Wunsch Vater des Gedankens, dass ich durch die Vielzahl der Übungen vergesse, was er genau für Hausaufgaben nicht gemacht hat. Eine idiotische Strategie. Hält der exaltierte Schreibtischhengst mich wirklich für so simpel gestrickt?
Als er die geforderten zehn Wiederholungen schafft, lässt er seufzend die Gewichte sinken. Wieder erfasst er mich mit seinem Blick. Sofort ist mir klar, dass er gleich eine weitere Spitze auf mich abfeuern wird, und so ist es auch.
»Glauben Sie eigentlich, dass das Training irgendetwas bringt?«
Ich spürte, wie sich meine Gesichtszüge verhärten. »Wen es nichts bringt, weshalb sind Sie dann hier?«, frage ich betont neutral.
Otto sieht mich wieder mit seinem typischen Ausdruck an und ich würde ihm ganz gerne die Blasiertheit aus dem Gesicht prügeln. »Sie müssen jetzt gar nicht so empfindlich reagieren.«
Ich nicke. »Zeit für den nächsten Durchgang.«
Widerwillig hebt der Mann wieder die Hanteln und führt verbissen die geforderte Übung durch. Als er fertig ist, legt er die Gewichte auf das Gestell zurück. Sofort fällt er wieder in seine schiefe Haltung zurück, drehte den Kopf um mich anzusehen, und erinnert mich dabei an eine gekonnte Imitation von Gollum aus Herr der Ringe. »Ich frage ja nur, weil man bei Herrn Niemeyer schon viel mehr Erfolge sieht.«
Niemeyer? Wer zur Hölle ist das jetzt wieder? »Trainiert Herr Niemeyer hier bei uns?«, frage ich.
Otto sieht mich konsterniert an. »Natürlich nicht«, meint er verächtlich. »Deshalb denke ich ja darüber nach, ob dieses Training hier überhaupt das Richtige für mich ist.«
Ich dirigiere ihn zur Kabelzugmaschine. Auf diese Weise bleibt mir mehr Zeit für eine Antwort. »Was trainiert ihr Freund denn?«, frage ich und stelle die Gewichte ein. Ruhig ein paar Kilogramm mehr, eine Strafe für das blöde Geschwätz muss sein.
»Mein Nachbar«, presst er vorwurfsvoll hervor und glotzt mich wie ein blöder Fisch an.
»Okay, ihr Nachbar.« Entweder glaubt er, dass ich ihm Homosexualität andichte, oder dass Niemeyer zu sehr unter seinem Niveau rangiert, als dass er mit diesem befreundet sein könnte.
»Er macht dieses Programm von Lichtenstein-Brügger.« Otto setzt sich auf den Platz vor der Maschine und greift nach der Stange. Deshalb sieht er auch nicht, wie ich reflexartig die Augen verdrehe. Lichtenstein-Brügger sind die Geißel eines jeden Fitnesstrainers und Physiotherapeuten. Wenn es in unserem Geschäft jemals mediale Allgegenwärtigkeit gegeben hat, dann hat sie dieses Ehepaar erreicht. Einer von beiden ist Mediziner, der andere Tanztherapeut. Beim besten Willen weiß ich aber nicht mehr, wer von beiden welchen Job hat. Durch ein in YouTube investiertes Vermögen wurde ihr Trainingskonzept so bekannt, wie der sprichwörtliche bunte Hund. Dabei kochen Lichtenstein-Brügger auch nur mit Wasser, das man nebst Trainerlizenzen und dämlichen Therapiehilfsmitteln richtig teuer verkauft. Bei Laien hat das Ehepaar schnell Guru-Status erlangt. Es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht mindestens einmal auf dieses wahnsinnig tolle Programm angesprochen werde. Otto ist in dieser Woche sogar schon der zweite Klient.
»Wissen Sie, was der Nachteil des Lichtenstein-Brügger-Konzeptes ist?«
Er zieht die Seilzugstange nach unten, lehnt sich zurück und startet die Übung. »Dass Sie es nicht können?«, vermutet er trocken und hält es nicht für nötig, mich beim Reden anzusehen.
Touché. Bei dem trocknen Humor muss ich grinsen, was er glücklicherweise nicht mitbekommt. »Lichtenstein-Brügger basiert ganz ausdrücklich auf einer ganzen Anzahl intensiver Heimübungen. Vielleicht machen sie erst einmal meine Hausaufgaben und schauen dann, wie das bei Ihnen anschlägt?«
Sein Kopf ruckt hoch. Er sieht in den Spiegel an der gegenüberliegen Wand und sucht meinen Blick. »Was wollen Sie damit sagen?«, spuckt er aus. Unter der Oberfläche der falschen Gelassenheit höre ich die unterdrückte Wut aus seiner Stimme heraus.
»Dass Sie Ihre Hausaufgaben machen müssen«, antworte ich ruhig und halte seinem stechenden Blick stand. Mir ist klar, dass er sich über mich beschweren wird und so ist es dann auch. Was für eine kleine Pussy.
»Du bist Dienstleister!«, blafft mich Michael an und sieht mich dabei mit funkelnden Augen über seinen Schreibtisch hinweg an. Natürlich bin ich das und ich kenne meine Rolle nur zur Genüge, und bereue sie deshalb nicht selten. Den ersten Teil sage ich zu meinem Chef, den anderen lasse ich aus. Auf dem Schreibtisch vor ihm liegt sein iPhone 13 Pro Max und vibriert leise. Kurz geht das Display an und ich sehe eine recht lange Kurzmitteilung. Ich bin überrascht, dass er so lange Nachrichten bekommt. Ob er sie ohne fremde Hilfe lesen kann?
»Einen Scheiß weißt du! Hast du das Pizza-Buden-Theorem vergessen?«
Das ist natürlich eine rein rhetorische Frage. Niemand, der je für Michael Hecht gearbeitet hat, würde jemals die Metapher mit der Pizzeria vergessen. Und weil er sehr fürsorglich ist, wiederholt er diese grenzdebile Metapher fast täglich.
»Warum gehen Menschen in eine Pizzeria? Die Pizza an sich schmeckt überall gleich und der Service ist beinahe überall identisch. Weshalb also gehen die Menschen in eine bestimmte Pizzabude?«
Ich mag keine Pizza. Gut, das ist eine streitbare Position, aber ich finde italienisches Essen generell überbewertet. Vielleicht mag es in Edelrestaurants anders sein, aber Fleisch können Italiener meiner Meinung nach nicht. Ich will aber Fleisch essen, eigentlich immer. Ich liebe Fleisch. Tomaten, Nudeln oder Pizzen sind Pussygerichte. Das tut hier leider nichts zur Sache, deshalb räuspere ich mich. »Freundlichkeit«, antworte ich und betrachte die Oberseite des aufgeklappten MacBook. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er darauf Pornos schaut und sich dazu gemütlich einen schrubbelt. Auf einem Bügel hinter ihm hängt eine grüne Barbour-Jacke auf einem Haken. Warum ist sie nicht blau?
»Richtig«, ruft Michael aus und deutet mit dem Zeigefinger auf mich »Warum musstest du diesem Orten geradewegs auf den Kopf zu sagen, dass er eine faule Sau ist?«
Ich stutze. »Orten?«, frage ich verwundert nach.
Der Blick meines Chefs flackert »Ja … Ich meine, nein. Wie heißt der Typ nochmal?«
»Otto«, helfe ich aus.
»Otto, Diesel oder Schmitz, ist doch völlig egal. Du musst freundlich sein, Ben. Sonst verkaufen wir hier bald keine Pizza mehr und sitzen alle auf der Straße.«
Ich lehne mich im Stuhl zurück. »Er stellt den Sinn des Trainings infrage und will lieber nach Lichtenstein-Brügger trainieren.«
Michael zuckt mit den Schultern. »Na, und? Dann trainiere ihn doch so, wenn er das unbedingt will?«
Ich muss laut lachen. »Woher soll ich wissen, was Lichtenstein-Brügger genau machen?«
Stille. Mein Chef denkt nach und erinnert mich dabei an eine Ratte. Kleine gemeine Augen mit gelblichen Zähnen, es fehlt nur noch die spitze Schnauze mit den Barthaaren. »Warum machst du nicht die Fortbildung?«
Müdigkeit breitet sich in mir aus. Noch eine Fortbildung. Noch mehr lernen, und ganz viele Kosten. Ich habe keine Lust mehr. Keine meiner Ausbildungen, Kurse und Seminare hat irgendetwas für mich besser gemacht. Sicher, ich bin nicht dümmer geworden. Umgerechnet fünf Euro mehr Einkommen im Monat sind keine unglaublich sexy Motivation. »Der Grundkurs kostet viertausend Euro«, entgegne ich.
»Die Fahrtkosten würde ich zahlen«, erklärt Michael großspurig.
Am liebsten würde ich laut loslachen, aber das würde die Situation eskalieren lassen. Er schuldet mir immer noch die Fahrtkosten der letzten Fortbildung, vier Mal habe ich ihn darauf angesprochen. Jedes einzelne Mal hat er so getan, als hätte er es vergessen und verspricht mir, sich sofort darum zu kümmern. Daran erinnert er sich jetzt natürlich nicht mehr, mein Geld werde ich nie sehen, und mir ist das mittlerweile sogar egal.
»Wenn du den Kurs inklusive Fahrtkosten im Voraus bezahlst, würde ich mir das sogar antun«, gebe ich den Ball zurück. Daraufhin ist das Gespräch recht schnell beendet. Natürlich will Michael faktisch kein Geld ausgeben.
Es ist kurz vor sechs Uhr und der nächste Klient wartet vermutlich schon auf mich. Ich schlendere am Empfang vorbei. Ute, unsere Rezeptionistin, sitzt mit einem Headset lächelnd hinter dem Tresen. »Gute Nachrichten, Ben«, flötet sie und mir schwant Böses. »Deine letzten beiden Kunden haben abgesagt, du kannst früher Feierabend machen.«
Prima. Das bekomme ich natürlich vom Gehalt abgezogen. Wer würde sich darüber nicht freuen? Willkommen in der kostenoptimierten Welt der outgesourcten Abteilungen, in der sämtliche Kosten auf die Angestellten verteilt werden. Dir gefällt das nicht? Dann beschwer´ dich doch beim Nicht-Existenten-Betriebsrat oder beim ebenso nicht vorhandenen Vertrauensmann der Gewerkschaft. Ich rege mich schon gar nicht mehr auf, sondern hole meinen nächsten gesichtslosen Klienten ab und spule das Training herunter. Ende des Tages.
Ein ganz normaler Freitagabend. Naja, nicht ganz. Katha und ich haben gemeinsam frei, was in den letzten Monaten nur selten der Fall gewesen ist. Ich habe jeden Freitagabend frei, Katha nicht. Entweder hat sie regulär Dienst im Krankenhaus, Bereitschaftsdienst oder muss einspringen. Für mich stellt das kein großes Problem dar, denn das gehört wohl zu einer Beziehung mit einer Assistenzärztin. Wenn es nach mir geht, würden wir unseren gemeinsamen freien Abend allein verbringen. Meine Freundin hat jedoch andere Pläne. Wir treffen uns mit Christiane und Sven, sowie mit Jens und Janina zu einem Pärchenabend im Dorsia.
Ich bin frisch geduscht und umgezogen, während Katha sich noch im Badezimmer fertig macht. Da uns noch etwas Zeit bleibt, hänge ich an meiner Playstation. Ja, richtig gelesen, Playstation, ohne 4 oder 5 dahinter, sondern meine gute alte PS One aus dem Jahre 1995. Das kleine graue Gerät ist meine erste Konsole überhaupt gewesen. Von da an besitze ich sie alle, egal ob Sony, Microsoft, Nintendo, oder Sega. Die Playstation ist jedoch mein absolutes Heiligtum, der Link in eine bessere Zeit. Als ich das Ding bekommen habe, war ich ein kleiner Junge von ungefähr neun Jahren. Damals hatte die Ehe meiner Eltern noch funktioniert, zumindest dachte ich das. Meiner Mutter ging es gesundheitlich noch bestens und ihr Krebs war noch lange nicht ausgebrochen.
Konzentriert starre ich auf den Flatscreen, auf dem mein Mazda RX-7 A-spec ´96 die Korkenzieher-Kurve in Laguna Seca hinunterrast, selbstverständlich ohne jegliches übersteuern. Niemals wieder konnte ich mit einem Spiel so verschmelzen, wie mit Gran Turismo 2. Einerseits hatte ich nie wieder so viel Zeit zum Zocken, andererseits halte ich meine Verbindung zu diesem speziellen Sim Racer für geradezu magisch. Eine Einheit aus Mann und Konsole.Als ich auf die vorletzte Kurve zurase, habe ich nur noch einen Nissan Skyline vor mir. Ich sauge mich in seinem Windschatten an ihn heran und bremse einen winzigen Tick später. Der gegnerische Wagen ist jetzt direkt vor meiner Stoßstange, und es trennt uns nur noch eine tückische Linkskurve mit einer nachfolgenden Geraden vom Ziel. Die Zeit geht mir aus, die Strecke auch.
Das Heck des Nissan wird größer und größer, als plötzlich seine Bremslichter aufflammen. Ich muss eine Entscheidung treffen und zwar schnell. Computergegner wählen fast immer die sicherste Variante, um Kurven zu meistern. Ich schere nach rechts aus, verzögere früher und härter. Dann gebe ich Vollgas und räubere über den inneren Curb. Mein Fahrzeug droht ins Schlingern zu geraten, stabilisiert sich kurz darauf und schiebt sich schlussendlich am Nissan vorbei. Ich gewinne mit gut anderthalb Fahrzeuglängen Vorsprung. Gleichzeitig höre ich, wie sich die Badezimmertür öffnet. Katha erscheint im Türrechteck. Die langen braunen Locken frisch frisiert, das Make-Up auf den Punkt. Hellblaue Bluse, schwarze Jeans und vermutlich halbhohe Boots dazu. Sie sieht mehr als gut aus und das sage ich ihr auch. Eigentlich wäre Sex jetzt eine gute Idee.
»Wir können fahren«, sagt sie als Antwort und dreht sich zum Gehen um. »Mach das Ding aus.«
Gemeinsam gehen wir zu meinem Ford Focus ST, der direkt vor der Haustür geparkt ist. Ich halte ihr die Beifahrertür auf und rieche ihr Parfüm, Scandal von Jean Paul Gaultier. Der Honigduft steigt mir in die Nase und unsere Blicke begegnen sich. Wann haben wir zuletzt miteinander geschlafen? Ich weiß es nicht. Es ist zu lange her, viel zu lange. Der kräftige Motor des Ford erwacht zum Leben und augenblicklich erscheint im Display die Erinnerung an den überfälligen Werkstatt-Termin. Inspektionen kosten Geld und mein Konto ist kräftig überzogen. Was soll ich also machen?
»Wir hätten auch allein ins Dorsia fahren können«, sage ich betont beiläufig, während ich zurücksetze.
»Nein, hätten wir nicht. Normalerweise bekommt man keinen Tisch, zumindest sicher nicht vor Mai. Sven hat seine Connections aus der Agentur spielen lassen, um heute einen Platz für uns alle zu bekommen.«
Ich verkneife mir ein Seufzen. Die beiden Begriffe »Sven« und »Agentur« erzeugen einen nicht zu unterschätzenden Brechreiz in mir. Sven ist Kathas bester Freund. Irgendwann muss es mal einen kurzen Fluchtversuch aus der Friendzone gegeben haben, der nicht von Erfolg oder beidseitiger Befriedigung gekrönt gewesen war. Was da genau passiert ist, habe ich trotz intensiver Investigationen nicht herausbekommen können. Diese Episode hat lange vor unserem Beziehungsstart stattgefunden und so ist sie mir letztlich egal. Wie soll ich auch sonst damit umgehen? Einige Zeit habe ich mich auf die Suche nach einer geilen besten Freundin gemacht, ohne Erfolg.Sven Heinrichs ist ein Arschloch, daran gibt es nichts zu deuteln und das hat auch gar nichts mit seiner Vorliebe für Rolex Uhren zu tun. Die Dinger sind halt angesagt und jeder Affe will eine davon haben, selbst wenn man sie für ein Vielfaches des Ladenpreises auf dem Graumarkt kaufen muss. Irgendwann hat Sven Philosophie studiert und das Studium sogar zu Ende gebracht. Seit seinem mehr oder minder erfolgreichen Abschluss arbeitet er für Fleischhauer & Reinhold, eine bekannte PR-Agentur. Sein Job besteht im Wesentlichen aus dem, was er auch ohne Bezahlung macht: Lügen und manipulieren. Hast Du schon einmal gehört, dass SUVs eines bestimmten Herstellers sogar zur Verringerung der Feinstaub-Belastung in Großstädten eingesetzt werden können, weil ihre Filter so effektiv sind? Ja? Das ist bisher Svens Meisterleistung. Klasse, oder? Dummerweise verdient der Großkotz als professioneller Lügner extrem gut, was er selbstredlich als Legitimation seiner Tätigkeit ansieht.
Schweigend steuere ich den Wagen durch den typischen Freitagabendverkehr. Im Radio gehen die Nachrichten zu Ende und Sabotage von den Beastie Boys fängt an. Ich halte an einer roten Ampel und werfe meiner Freundin einen Seitenblick zu. Was findet sie nur an einer Kreatur wie Sven? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Dass Katha mit so einem Menschen befreundet sein kann, ist zweifellos nicht besonders schmeichelhaft für sie. Sag mir, mit wem du gehst und ich sage dir, wer du bist.Sicher, sie kennt Sven noch von der Schule. Vielleicht war er damals noch nicht so ein Vollidiot. Aber was, wenn doch? Was ich über den Typen gesagt habe, trifft in gewisser Hinsicht auch auf seine Freundin Christiane zu. Sie ist nichts anderes als eine intrigante Bitch mit einer Essstörung. In dieser Kombination sind die zwei wirklich ein liebenswürdiges Paar.
Ich lenke den Wagen auf die Autobahnauffahrt und werfe dabei einen Blick auf die Tanknadel. Noch steht sie nicht auf Reserve, das ist gut. Irgendwer hat gesagt, dass das Dorsia krank teuer ist. An diesem Wochenende wird der Tank des Focus also leer bleiben.
»Jens und Janina haben wir auch schon lange nicht mehr gesehen«, meint Katha nachdenklich.
Wie schade, ich bin für jeden Tag dankbar, an dem ich sie nicht gesehen habe. Die launige Hollywood-Komödie mit dem Titel Dumm und Dümmer ist das perfekte Motto für diese Beziehung zweier eigentlich ganz lieber Menschen. Wie der Zufall es will, kommen beide aus reichen Familien. Jens Vater besitzt eine Dübelfabrik, Janinas Eltern produzieren eine Soap für einen Privatsender. Janina fand ich zu Anfang irgendwie interessant, allerdings kannte ich sie da noch nicht richtig. Als ich sie mal gebeten habe, mir mehr über die Soap zu erzählen, tat sich ein bodenloser Abgrund vor mir auf. Vielleicht kennst Du ja die Billigprodukte aus Fernost, denen man aus Verlegenheit eine vermeintlich deutsche Betriebsanleitung beilegt? Nun, gegen Janinas Bericht über die Serie, sind diese Übersetzungen Sternstunden deutscher Literatur. Positiv muss ich erwähnen, dass sie weder unsympathisch, noch manipulativ ist. Sie sieht wie eine provinzielle Britney Spears aus und ist mit etwa so viel Verstand gesegnet. Grundsätzlich keine ganz schlechte Kombination. Manchmal frage ich mich jedoch, ob sie ohne fremde Hilfe nicht verhungern würde. Gleiches trifft auch auf Jens zu. Ein Mann, wie ein Baum, mit Muskeln bepackt, und einem Lausbubenlächeln. Sobald man zwei Sätze mit ihm gewechselt hat, weiß man, was Sache ist: Gut aussehend, lieb, aber dumm wie das berüchtigte Bohnenstroh. Da gehen recht schnell die Gesprächsthemen aus.
Die Autobahn führt in einem weiten Bogen um die Stadt herum und wir ersparen uns auf diese Weise den üblichen Stau vor den Discountern und den von außerhalb hereinströmenden Fahrzeugen. Ich setzte den Blinker nach rechts und fahre von der Autobahn herunter. Die Sonne geht in spätestens einer halben Stunde unter. Plötzlich geht alles ganz schnell. Ein schwarzer Audi zieht von der rechten Spur im letzten Moment direkt vor uns herüber. Seine Bremslichter gleißen auf, er ist noch viel zu schnell. Eigentlich. Reflexartig bremse ich und verhindere damit knapp einen Auffahrunfall. Der Audi schlingert etwas, schafft die Kurve aber. Als ich die Initialen SH auf dem Nummernschild erkenne, betätigt der Fahrer zum Dank das Warnblinklicht. Es ist Sven. »Arschloch«, sage ich leise. Die Ampel am Ende der Abfahrt schaltet auf gelb. Unser Freund will natürlich nicht anhalten und gibt Gas. Als wir die Haltelinie erreichen, ist die Ampel tiefrot und er ist weg.
»Reg´ dich nicht auf, er ist halt so. Sven meint das nicht böse, Ben«, nimmt Katha ihren besten Freund in Schutz. Ich schweige, was soll ich dazu schon sagen? Vermutlich würde sie ihm immer noch die Stange halten, wenn er mal Russland überfällt.
Im Dorsia ist es schummrig, es gibt keine direkten Lichtquellen. Alles wirkt extrem hochwertig und ich habe beinahe Angst, den Fußboden mit meinen brandneuen Schuhen zu beschmutzen. Wir sitzen auf rustikalen Holzbänken, die augenscheinlich aus einem gigantischen Stück Holz geschnitzt wurden. Die Bedienungen sehen allesamt extrem heiß aus, sind aber mindestens genauso arrogant. Beides scheint zur Personalpolitik des Betreibers zu gehören.
Innerhalb kürzester Zeit werden uns in Schweinsleder gebundene Speisekarten gebracht, die sich extrem edel und teuer anfühlen. Ehrfürchtig klappe ich die Karte auf und höre, wie der liebe Jens für uns alle ein paar Flaschen Wasser bestellt. Alleine diese nette Geste kostet in dem Laden vermutlich fünfzig Euro.
Während ich die Karte durchgehe, beginnt mein Herz schneller zu schlagen. Alles nur Pasta und Pizza. Antipasti nicht unter dreißig Tacken, keine Hauptspeise unter fünfzig. Selbstverständlich muss der Wein flaschenweise geordert werden. Die Bierpreise sind auch alles andere als auf Discounterniveau, entsprechen aber noch am ehesten meinen Möglichkeiten als Geringverdiener. Also entscheide ich mich für eine Flasche Bitburger, während Sven irgendeinen italienischen Rotwein für über hundert Euro bestellt. »Den müsst ihr probieren,«, kommentiert er fröhlich. »Ist ein absoluter Geheimtipp!«
Ich hasse Rotwein und ich hasse Sven, deshalb ignoriere ich den Penner und tue so, als würde ich weiter die Karte studieren. Mein Magen hängt mir auf den Knien, während mein Kontostand am besten mit ein paar Bruschetta in Einklang zu bringen ist. Eine Currywurst wäre geiler.
Katha beugte sich zu mir. »Ich habe auch Geld dabei«, raunt sie mir zu.
Ich schlucke. Das soll mich höchstwahrscheinlich beruhigen, tut es aber nicht. Mein finanzieller Spielraum reicht schon unter normalen Bedingungen, in einem nicht ganz so luxuriösen Restaurant, ohnehin kaum für uns beide. Im Dorsia wird von dem Geld vermutlich nicht einmal einer satt. Ich will kein Spielverderber sein, deshalb zucke ich nur mit den Schultern. »Lass gut sein«, flüstere ich. Welchen Unterschied machte es, ob mein Konto nun tausend, oder zwölfhundert Euro im Minus ist?
Sie lächelt. »Es sind auch wirklich leckere Sachen auf der Karte, du isst doch so gerne Italienisch.«
Also bestellen wir die Vorspeisen und ich gehe zur Toilette. Bodentiefer Spiegel im Vorraum, dazu dudelige Fahrstuhlmusik. Die Herrentoilette ist ganz in schwarz gehalten. Grobe Granitfliesen an den Wänden, die Kabinenwände, Pissoirs und Waschbecken – alles schwarz. Ich summe die Melodie von Paint it black und stelle mich an eines der Pissbecken. Hinter mir geht die Tür auf und ich höre Schritte.
»Der Benny«, höre ich Svens Stimme und er stellt sich direkt an das Pissoir neben mir. Muss das sein? Es sind doch genügend andere frei. Ob er irgendwie schwul ist und mir auf den Schwanz glotzen will? Während ich mich beeile fertig zu werden, höre ich seinen Reißverschluss aufgehen.
»Wie gefällt Dir der Laden hier?«, fragt er.
»Ziemlich cool«, antworte ich knapp und möglichst unbeeindruckt. Dann schüttele ich ab, mache die Hose zu und lasse das Pissoir hinter mir. Am Waschbecken holt er mich wieder ein. »Ist sicher teurer, als die Restaurants, wo ihr sonst so hingeht, oder?«
Betont langsam seife ich mir die Hände ein. Das ist gerade so ein typischer Sven Heinrich-Spruch. Krass und schnodderig aus der Hüfte geschossen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich sehe ihn an, doch er hält meinem Blick stand. »Weißt du«, fange ich an und trockne meine Hände ab. »Durch Kathas wechselnde Dienste haben wir gar nicht mehr so viele Gelegenheiten, gemeinsam auszugehen. Und wenn, dann gehen wir lieber dorthin, wo es sich auch wirklich lohnt.«
»Das habe ich mir fast schon gedacht.«, lacht er auf. »Als Fitnesstrainer könntest du dir das hier sonst wohl kaum leisten.«
Auch wenn ich es mir nicht anmerken lasse, bin ich kurz vor der Explosion. Was will dieser dreiste Kerl eigentlich? Soll ich ihn in meiner Verzweiflung um Geld anpumpen, oder was?
Bevor ich mich zur Tür umdrehen kann, um die Flucht zu ergreifen, schlägt er mir kumpelhaft auf die Schulter. »Du nimmst mir meine Offenheit doch jetzt nicht übel, oder? Ist ja kein Staatsgeheimnis, dass man mit deinem Job keine großen Sprünge machen kann.« Er lächelt freundschaftlich und zieht ein kleines Döschen aus der Tasche. Sven deutet mit dem Kopf auf eine offenstehende Kabine. »Näschen pudern, Benny? Bestes kolumbianisches Pulver, du bist natürlich eingeladen!«
Ich lehne dankend ab. Kokain fehlt mir jetzt gerade noch. Als ich die Tür aufziehe, höre ich ein lautstarkes Schniefen und hoffte, dass ihn dieser Scheiß irgendwann in die Gosse bringt. Aus dem Vorraum tauche ich zurück in die Geräuschwolke aus Gesprächsfetzen, klirrendem Besteck und der kaum wahrnehmbaren Musik. Noch benebelt von der Situation, finde ich meinen Platz und setze mich. Der restliche Abend läuft wie ein Film vor mir ab. Nach ein paar Stunden habe ich es hinter mich gebracht. Das Essen war wie erwartet, ich lasse mir nichts anmerken. Im Anschluss sitzen Katha und ich schweigend im Auto und fahren durch die Nacht. Aus den Boxen dringt jetzt Royals von Lorde. Es ist kalt und ich schalte die Sitzheizung an.
»War es wirklich so schlimm?«, fragt sie mich.
Ich denke kurz nach. Wahrheit oder Lüge? »Schlimmer«, sage ich.
Sie seufzt. »Warum?«
Ich lasse einen Wagen links an uns vorbeiziehen und setze ebenfalls zum Überholen an. »Sven hat mich wissen lassen, dass er glaubt, dass das Dorsia über meinen Verhältnissen liegt.«
Stille. Meine Freundin dehnt und streckt sich, bis sie sich nach zwei Minuten räuspert: »Er wollte nur aufmerksam sein.«
Ich lache ein humorloses Lachen und bin kurz davor, ihr vom Koks zu erzählen. Anstelle dessen gebe ich bissig zurück: »Klar, weil Sven Heinrich überall für seine Empathie bekannt ist.«
Sie sieht beleidigt aus dem Fenster. »Du kennst ihn doch gar nicht richtig.«
Da kann ich ihr nur zustimmen. »So einen Idioten will ich auch gar nicht kennenlernen.«
»Er ist mein bester Freund, mit dem ich wesentlich länger befreundet bin, als wir zusammen sind.«
Ich schaue sie von der Seite an und bemerkte, dass sie mich mit einem lodernden Blick ansieht. Soll ich ihr jetzt sagen, dass ich sie unter diesen Umständen durchaus für eine ähnliche Idiotin halte? Besser nicht. Stattdessen zucke ich nur mit den Achseln, starre für den Rest der Fahrt auf die Fahrbahn und schweige. Aus irgendeinem Grund fällt mir der Film Karate Tiger ein, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe.
Alleinsein hat nichts mit Einsamkeit zu tun, ganz im Gegenteil. Einsam war ich mit meinem Vater, nachdem meine Mutter gestorben ist. Allein bin ich, wenn Katha im Nachtdienst ist, und ich zelebriere es regelrecht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich liebe meine Freundin, aber sie ist auch nur ein Mensch. Im Rehazentrum bin ich den ganzen Tag von Menschen umgeben. Laute Menschen, leise Menschen. Freundliche und weniger freundliche Wesen. Kreaturen mit berechtigen und solche mit völlig irrationalen Bedürfnissen. Wenn ich ehrlich bin, mag ich keine Menschen mehr. Im Speziellen hat mir niemand etwas angetan, ihre Nähe kotzt mich einfach an. Mir reicht die bloße Existenz eines menschlichen Lebewesens in meiner direkten Nähe, damit ich gestresst bin.
Kathas Nachtschichten sind zu einem Paradies für mich geworden. Inseln der Stille, mitten in der Kakophonie des Existenzlärms. Ich komme kurz nach acht Uhr nach Hause und finde die Wohnung leer vor. Manchmal stellt sie mir etwas zu Essen in den Kühlschrank, oder ich mache mir schnell ein paar Brote. Letztlich spielte es keine Rolle, Mahlzeiten stellen für mich Energieaufnahme dar, nicht viel mehr. Meist dauert es kaum zwanzig Minuten, bis es still im Haus wird. Der normale Alman-Nazi isst früh zu Abend und geht zeitig zu Bett, so richtig ordentlich eben. Das soll sich jetzt nicht despektierlich anhören, ganz im Gegenteil, diese Roboter tun mir damit einen großen Gefallen. Sobald ich mein eigenes Blut wie einen fernen Wasserhahn in meinen Ohren rauschen höre, setzt die Tiefenentspannung ein.
Den ganzen Tag über sehne ich mich nach diesem Zustand, verzehre mich richtig danach. Das leise Summen des Kühlschranks kann bei mir durchaus die gleiche Befriedigung auslösen, wie bei anderen das lächerliche ASMR-Geschmatze. Sobald ich in meinem Ozean der Stille angekommen bin, rückt die Welt mit ihren Problemen gefühlte Lichtjahre von mir weg. Ich befinde mich in einer Zwischenwelt, die nur mir allein gehört, und in der ich völlig unerreichbar bin. Die Last des Alltages fällt von meinen Schultern ab und ich kann endlich wieder frei durchatmen. Manchmal bleibe ich einfach in der Küche sitzen und lausche der Stille bei geöffnetem Fenster. Dieses ferne Rauschen der Autos hat etwas Heilsames und unglaublich Verlockendes. Nur wer sich je der Ruhe hingegeben hat, ist sich über das damit verbundene Suchtpotenzial im Klaren.
Der Sonnenuntergang löst stets Vorfreude in mir aus, wohingegen mich der Sonnenaufgang ernüchtert. Ich kenne wirklich kaum einen traurigeren Moment, als das Aufgehen der Sonne. Mit jedem einzelnen wieder erwachten Sonnenstrahl rückt der Alltag mit seinem Lärm, seiner Monotonie und seinen Verpflichtungen näher.
Für heute habe ich genug der Stille gelauscht und durchforste das Internet. Meine Mutter hat mich in meiner Kindheit mit den Actionfiguren meines zehn Jahre älteren Cousins ausgestattet. Im Wesentlichen waren das die Masters of the Universe, Transformersoder MASK. Irgendwann ist mein Spielzeug verschwunden. »Dafür bist du jetzt schon zu alt«, hat mein Vater auf Nachfragen erklärt. Wo die Sachen hingekommen sind, weiß ich bis zum heutigen Tage nicht. Jetzt ist es mir auch egal, denn ich habe einen beträchtlichen Teil meines lächerlich geringen Einkommens zum Aufbau einer neuen Sammlung aufgewendet. Dazu leistet das Internet großartige Hilfe. Durch meine nächtlichen Suchaktionen konnte ich beinahe alle wesentlichen Figuren in meinen Besitz bringen: He-Man, Skeletor und Orko, genauso wie Optimus Prime und Megatron, sowie Miles Mayheam.
Momentan bin ich auf der Suche nach Ausgabe 22 des MASK-Comics aus dem Jahre 1991. Selbstverständlich werde ich mich nicht weniger als mit einem Heft in Topqualität zufriedengeben. Katha hat für keine meiner Leidenschaften Verständnis. Notgedrungen akzeptiert sie die Vitrine im Wohnzimmer, die ich einmal im Monat liebevoll umdekoriere, schüttelt aber vehement mit dem Kopf, wenn der Paketbote Nachschub bringt. Immer wieder habe ich versucht, etwas aus ihrer Kindheit zu erfahren. Meist weicht sie mir aus, oder beteuert, was für eine schöne Zeit sie hatte. Außer einem Tamagotchi, hat kein Spielzeug bleibende Eindrücke bei ihr hinterlassen. Mir kommt das bedenklich vor. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ihre Eltern noch leben.
Endlich finde ich bei eBay das, wonach ich gesucht habe. Keine einzige Sekunde denke ich darüber nach, ob ich mir das Comicheft überhaupt leisten kann. Ich will es und kaufe es, einfach so. Das einzig Perverse an meinem Hobby ist ein Umstand, den ich selbst nicht so richtig erklären kann. Nur ganz selten beschäftige ich mich wirklich mit meinen neuen Trophäen. Was mich antreibt, ist der Besitz der mittlerweile extrem seltenen Spielzeuge. Ich will sie aber nicht einfach nur, ich muss sie haben. Dabei ist mir nicht entgangen, dass sich meine Sammelleidenschaft vor allem auf Actionfiguren bezieht, die ich als Kind besessen habe.
Ich starre auf den Bildschirm, wo die Kaufbestätigung zu sehen ist. Da fällt mir eine Ausnahme in meiner Sammlung auf: Ninjor, der Ninja aus dem Masters of the Universe-Kosmos. Die Figur hatte ich früher schon immer haben wollen, jedoch konnte ich sie damals nirgends ergattern. Jetzt, zwanzig Jahre später steht sie stolz auf meinem Bücherbord zwischen Unter Null und Fight Club. Nachdem ich noch zwei weitere Comicalben erstanden habe, will ich mein geschundenes Konto nicht noch weiter strapazieren. EBay ist für heute teuer genug gewesen, jetzt ist YouTube an der Reihe. Von meinen Kollegen und Klienten im Rehazentrum weiß ich, dass die Website hauptsächlich als Quelle für Videos angesehen wird, und das stimmt natürlich, aber man kann dort noch unglaublich viel mehr finden. Da ich als kleiner Junge sehr oft krank war, durfte ich relativ viel fernsehen. Damals hatten es mir besonders amerikanische Fernsehserien angetan. Später konnte man die Serien noch in drittklassigen Privatsendern anschauen, mittlerweile setzen auch die auf Trash aus Eigenproduktion. Und hier kommt dann das Videoportal ins Spiel. Von manchen Serien gibt es ganze Folgen auf YouTube, aber dafür interessiere ich mich gerade nicht so sehr. Um mich ins richtige Retrofeeling zu versetzen, reichen mir Titelmelodien. Ich fange bei Streethawk an, wechsele zu Airwolf, McGyver, Dallas, Miami Vice, A-Teamund höre irgendwann mit Magnum auf.
Es ist verflucht spät geworden, ich habe völlig die Zeit vergessen. Meine Augen brennen von der andauernden Glotzerei auf den Bildschirm, und es fühlt sich sogar so an, als würden meine Augenlider über meine Augäpfel scheuern. Trotzdem kann ich noch nicht aufhören, die Titelmelodie von Karate Tiger muss einfach noch sein. Gebannt sehe ich dem Hauptdarsteller Kurt McKinney beim Training zu, während er sich die Seele aus dem Leib sportelt und dazu dröhnt Hold on the Vision von Kevin Chalfrant aus dem Lautsprecher. Zufrieden lächelnd lehne ich mich in meinem Stuhl zurück und wohlige Behaglichkeit breitet sich in mir aus. Der Film hat mich echt beeindruckt, obwohl seine Handlung mindestens so übertrieben wie belanglos ist. Im Wesentlichen geht es um einen ziemlich durchschnittlichen Teenager, der von keinem anderen als dem Geist von Bruce Lee persönlich trainiert wird, damit er seinem Vater gegen eine Schlägerbande beistehen kann. Trotzdem halte ich den Film für eine verdammte Legende. Gleichzeitig ist es ein Paradebeispiel für die Ironie, wie sie in dieser krassen Form wohl nur in Hollywood vorkommt: Während der Hauptdarsteller, trotz seiner sympathischen Verkörperung eines klassischen Jungen von nebenan, früh in Vergessenheit geriet, gelang einem anderen der beteiligten Schauspieler ein kometenhafter Aufstieg. Dabei handelt es sich um den Bösewicht, der von keinem anderen als Jean Claude van Damme dargestellt wurde.
Langsam drehe ich mich zu meinem DVD-Regal um. In meiner Sammlung sind sie alle: Karate Tiger, Bloodsport, Karate Tiger 3, Cyborg, Mit stählerner Faust und viele andere mit dem flippigen Belgier. Mittlerweile macht der Action Star nur noch Direct-to-DVD-Filme, bzw. Produktionen für Streamingdienste. Wen juckt das schon? Von 1986 an ist er ununterbrochen bis heute im Einsatz und das können beileibe nicht viele Akteure der Traumfabrik von sich behaupten. Ganz anders ist es da dem sympathischen Familienvater Willie Tanner aus der Serie ALF ergangen, die auch in meinem Regal steht. Im realen Leben heißt der gute Mann George Edward Maxwell Wright und konnte an seinen Erfolg nicht mehr anschließen. Anstelle dessen wurde er Crackhead, drehte Schwulenpornos und starb zweitausendneunzehn. Das Leben beißt eben unbarmherzig zu. Gerade das Schicksal des Karate Tiger Hauptdarstellers ist beinahe symptomatisch für einige Menschen aus meiner Generation. So viele Leute sind einfach verschwunden, und ich habe mich schon mehr als einmal gefragt, wo sie eigentlich sind. Mir wird schwindelig vor Müdigkeit und meine Zunge klebt an meinem Gaumen. Wenn ich in der Nacht keinen Schlaganfall bekommen will, sollte ich unbedingt noch einen Schluck Wasser trinken, besser noch einen etwas größeren.
Stöhnend kämpfe ich mich in die Höhe und gehe in die Küche. Plötzlich habe ich eine Szene aus Karate Tiger vor Augen. Der Geist Bruce Lees steht vor dem jungen Helden des Films und hält ein Glas Wasser in der Hand. »Dieses Glas stellt den Inhalt deines Geistes dar«, sagt der Kung-Fu-Lehrer mit einem entrückten Gesichtsausdruck. Kopfschüttelnd gehe ich zum Schrank, um ein Glas herauszunehmen. Wie ist die Szene weitergegangen? Es dauert einige Sekunden, dann fällt es mir wieder ein. »Du musst eine Leere in dir schaffen«, ist die Anweisung des Meisters. Als Kind habe ich das nicht verstanden. Es geht um das Abschalten des Verstandes, um wirklich etwas Neues erfahren zu können. Das geht nur ohne das dämliche Geschwätz des inneren Kritikers.
Ich trinke einen Schluck Wasser. Er ist kalt und tut unglaublich gut. Nachdem ich das Glas geleert habe, fülle ich es nach und kippe es nochmals runter. Danach lege ich mich ins Bett. Zu meiner Überraschung gelingt es mir nicht, einzuschlafen. Immer wieder durchlaufe ich in Gedanken Karate Tiger. Bruce Lee doziert vor meinem geistigen Auge: »Schnell und direkt wirst du nur mit Chi! Das Resultat ist Power!« Ein Lachkrampf packt mich und schüttelt meinen Bauch durch. Das Resultat ist Power. Langsam komme ich wieder zur Ruhe und eine tiefe Traurigkeit erfüllt mich. Jetzt sind da keine Szenen mehr aus dem Film in meinem Kopf, sondern Bilder von mir selbst, wie ich Karate Tiger zum ersten Mal gesehen habe. Mein Vater ist auf Dienstreise und hat meine Mutter und mich zu Hause gelassen. Wir haben uns einen schönen Tag gemacht, es muss an einem Wochenende gewesen sein. Zum Abendessen gibt es Backofenpommes und die Chicken Nuggets von McCain. Nach heutigen Maßstäben vermutlich furchtbar, damals ein wahres Festessen. Nach dem Mahl hatte meine Mutter den Fernseher eingeschaltet und besagter Film begann. Wir haben mit dem Helden gefiebert, gelacht und sogar gekämpft. In meinem Hals bildet sich ein Kloß, den ich hinunterschlucken will. Es geht aber nicht. Meine Erinnerung verblasst langsam, was es auch nicht besser macht. Die Gedanken an den Film haben mich in meine Kindheit geführt, eine schöne Zeit. Vermutlich bin ich einer der wenigen Menschen, die kein Trauma in dieser Zeit erlitten haben. Nein, für mich war es eine wunderbare Zeit. Die Welt ist erst viel später hässlich und gemein geworden, dann habe ich ihre Krallen und Zähne zu spüren bekommen. Ich lebte im Paradies, aus dem ich gnadenlos vertrieben wurde, und bin in der Realität geschleudert worden. Eine empathielose, egoistische und grausame Wirklichkeit. Vielleicht ist es menschlicher, wenn man direkt in dieser Wüstenei die Augen aufschlägt. In dem Fall kennt man es nicht anders und vermisst so nichts. Am Ende spielt es wohl keine Rolle, denn niemand fragt uns je nach unserer Meinung …
Die Welt ist wieder ganz. Alles ist sonnendurchflutet und warm. Zeit hat keine Bedeutung. Ich bin ein Kind und nichts stört mich daran. War ich denn je etwas anderes, auch wenn ich älter geworden bin?
Ich liege auf der Wiese meines Elternhauses und sehe zum stahlblauen Himmel empor. Obwohl ich weiß, dass dieses Haus bereits vor Jahren abgerissen wurde, habe ich kein Problem damit. In dieser Welt, die ich jetzt erlebe, ist es vollkommen real. Dies ist ein Traum und er gefällt mir besser, als die Realität. Rote Pille, oder blaue Pille? Ich habe zu viel von Wahrheit, gib´ mir mehr von der Illusion.
In der Ferne höre ich das Klingeln eines Eiswagens, ob Mama mir heute eines kaufen wird? Urplötzlich stelle ich mir die Frage, ob die Fahrer dieser Wagen in der Jetztzeit alle tot sind, oder was sie sonst tun, um ihr Geld zu verdienen. Seit Ewigkeiten jedenfalls habe ich Eiswagen weder gehört noch gesehen. Übergangslos halte ich einen Eisbecher in der Hand und sitze auf dem Baumstumpf neben meinem Sandkasten. Der Platz, der für mich Kindheit ist. Wie ich dort hingekommen bin, spielt keine Rolle. Hauptsache, ich habe das Eis! Es ist köstlich und schmeckt, wie Eis nur in der Kindheit schmeckt. Das muss auch so sein, weil dies ja meine Kindheit ist. Nein, denke ich nach einer Weile und lächele vor mich hin. Was ich gerade erlebe, ist nur eine Vorstellung meines erwachsenen Gehirns, so wie es sich diesen Lebensabschnitt eben vorstellt. Woher ich das weiß? Nun, mein Eis ist doch ein eindeutiger Beleg. Ich esse es und es ist lecker, aber welchen Geschmack hat es eigentlich? Mein Verstand ist ein Minimalist und will mich narren. Erst als ich genau hinsehe, materialisieren meine Gedanken im Becher zu zwei Eiskugeln mit Schlagsahne. Vanille und Amarena. Obwohl es eine Täuschung ist, freue ich mich. Ein so guter Fake hat allen Respekt verdient. Für eine Sekunde frage ich mich, ob mich mein Gehirn auch außerhalb des Traumes auf diese Weise in die Irre führt. Eine Stimme lenkt mich ab. »Du musst eine Leere in dir schaffen.« Erschrocken schaue ich mich um. Im Garten ist niemand, der das gesagt haben könnte. Woher ist die Stimme gekommen und was bedeutet das?
»Schnell und direkt wirst du nur mit Chi! Das Resultat ist Power!«, fährt die Stimme fort. Sie kommt mir bekannt vor und erinnert mich an etwas. Ich denke nach, finde keine Antwort, da rutscht mir der Eisbecher aus der Hand. Er landet auf der Wiese und ich will danach greifen, lasse es aber bleiben. Das Pappding ist zu gespenstischem Leben erwacht und es brodelt förmlich darin. Ameisen. Das müssen tausende sein, die sich gierig auf die klebrige Masse stürzen. Ich bekomme Angst und will zu meiner Mama, renne ins Haus.
In der Küche läuft das Radio, das einen Song von INXS spielt. Mystify ist es nicht. Merkwürdigerweise ist es hier drinnen eiskalt. Eben war es doch noch Sommer?
Meine Mutter ist nicht in der Küche. Der Tisch ist gedeckt und es stinkt. Was auch immer sie gekocht hat, es ist verdorben. Innerhalb kürzester Zeit hat das Essen wohl Aussehen und Geruch dessen angenommen, was mal mein gammeliges Schulbrot war, das ich über die Sommerferien im Rucksack vergessen hatte: Unförmig aufgequollen, grünlich schleimig, ähnlich einem Schwamm. Ob das mit der Eiseskälte im Haus zu tun hat? Ich gehe ins Wohnzimmer und finde meine Mutter. Sie sitzt mitten im Raum auf einem Stuhl und sieht mich an. Noch jemand ist dort, eine andere Frau. Sie ist jünger als Mama, trägt ein geblümtes Kleid aus dem ihre Brüste hervorquellen und steht hinter dem Stuhl meiner Mutter, so als würde sie sie frisieren. Es dauert eine Weile bis ich die Frau erkenne. Es ist Iris, die Sekretärin meines Vaters. Ich habe sie nur ein paar Male gesehen, aber sie muss es sein. Sie sieht mich, und nickt mir stumm zu.
Gerade will ich vom Eis erzählen, als Mama zu stricken beginnt. Das irritiert mich ziemlich, denn eigentlich kann sie das gar nicht. Auch Iris fängt mit einer Handarbeit an. Sie legt meiner Mutter einen Strick um den Hals und zieht zu. Sicher wollen die beiden etwas Schönes basteln. Iris holt ein Holzstück und dreht es in den Strick hinein. Schnell verstehe ich, dass sie damit einfacher arbeiten kann. Wenn es meine Mutter stören sollte, lässt sie sich jedenfalls nichts anmerken und strickt konzentriert weiter. Die Sache mit dem Eis habe ich schon wieder vergessen, so sehr nimmt mich das Geschehene gefangen. Iris muss sich nun kräftig anstrengen, ihre Finger zittern, während sich der Strick tief in Mamas Haut gräbt. Irgendwer hat mir einmal gesagt, dass es bei Handarbeiten vor allem um Präzision geht. Wahrscheinlich strengt sich Iris deshalb auch so an.
Nach einer Weile erscheint auf dem Gesicht von Vaters Sekretärin ein zufriedenes Lächeln, offensichtlich ist sie mit ihrer Arbeit zufrieden. Während ich immer noch darüber rätsele, was die beiden eigentlich tun, höre ich das typische Schlüsselklirren an der Haustür. Mein Vater ist von der Arbeit nach Hause gekommen. Schon sind auch seine Schritte im Flur zu hören.
»Das ist aber schön, dass ihr alle da seid«, höre ich seine Stimme hinter mir.
