Vor 18 Mio.–6450 Jahren
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Küste bei Porto Moniz: Noch heute findet man dort Spuren vulkanischer Aktivität, die Madeira vor 18 Millionen Jahren aus dem Meer hob
Rund 630 Kilometer vor der Küste Nordafrikas und 900 Kilometer von Europa entfernt strömt in rund 4000 Metern Tiefe Lava aus, die sich auftürmt und Berge formt – die Geburt Madeiras. Die Insel macht das oberste Viertel der Vulkane aus.
6. Jh. v. Chr. Entdeckung Madeiras durch die Phönizier.
ca. 60 n. Chr.Der römische Historiker Plinius der Ältere (23–79) erwähnt erstmals den Madeira-Archipel und bezeichnet ihn als die »Purpurinseln«.
1351Madeira taucht erstmals auf der florentinischen Medici-Seekarte unter dem Namen Isola della Lolegname(Holzinsel) auf.
ab 1415 Unter dem portugiesischen Prinzen Heinrich dem Seefahrer erzielt Portugal große Fortschritte im Kartografieren der Küstengewässer vor Westafrika. In Folge wird auch der Seeweg nach Indien möglich.
1418 Entdeckung und Besitznahme der Insel Porto Santo durch die jungen portugiesischen Kapitäne João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira.
1419Entdeckung undBesitznahme Madeiras durch João Gonçalves Zarco und Tristão Vaz Teixeira sowie Bartolomeu Perestrelo im Auftrag Heinrichs des Seefahrers für die portugiesische Krone. Erste Hauptstadt wird zunächst Machico, später dann Funchal. Prinz Heinrich befiehlt die sofortige Besiedlung der Insel, die drei Entdecker teilen Madeira in drei Regierungsbereiche auf. Die ersten Familien kommen aus der portugiesischen Algarve-Region.
1420 Für Getreideanbau und Viehzucht wird die Insel vielerorts brandgerodet. Das kostbare Holz der Lorbeerbäume, die auf Madeira wachsen, ist im Schiffsbau sehr begehrt. Sklaven von der afrikanischen Guineaküste und den Kanarischen Inseln werden nach Madeira gebracht und machen das Land urbar.
1421Gründung des Orts Funchal durchJoão Gonçalves Zarco. Funchal bedeutet Fenchel, der in der Bucht wohl üppig wuchs.
ab 1440Beginn des Weinbaus mit Malvasier-Trauben (von Kreta) auf Madeira. Auch Zuckerrohr wird ein wichtiges Exportgut. Ende des 15. Jahrhundert ist Madeira der weltgrößte Zuckerproduzent.
1479–82Christoph Kolumbus lebt auf Porto Santo und Madeira als Zuckerhändler und heiratet Filipa de Perestreio e Moniz, die Tochter des ersten Legatskapitäns von Porto Santo Bartolomeu Perestrelo. Hier soll er die Idee für seine Entdeckungsreisen westwärts entwickelt haben.
Ab 1480 Viele Europäer, vor allem italienische und flämische Händler, lassen sich auf Madeira nieder.
1493–1514Bau der Kathedrale Sé in Funchal, des Wahrzeichens der Altstadt.
1493
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Christoph Kolumbus auf einem posthumen Porträt von Sebastiano del Piombo (1519)
Auf seiner Amerika-Rückfahrt ankert Kolumbus vor Santa Maria. Die Einwohner halten ihn für einen Piraten und wollen ihn in Ketten legen.
1495–1521Unter König Manuel I. erlebt Portugal seine große Blüte. Portugiesische Schiffe erobern die Weltmeere. Sie bringen Gold und Gewürze aus den neuen Kolonien und nutzen die Inseln im Atlantik als Stützpunkte.
1508 Funchal, die Hauptstadt Madeiras, erhält Stadtrechte.
ab 1513Der Reichtum lockt Piraten. Bau der Befestigung São Lourenço in Funchal.
1515 Madeira zählt bereits 19 000 Einwohner, davon 3000 Sklaven.
ab 1521 Niedergang der Zuckerrohrproduktion wegen ausgelaugter Böden und zunehmender Konkurrenz aus den Kolonien in der Karibik und Brasilien. Etliche Plantagen werden daraufhin mit Weinreben bepflanzt. Die Reben stammen aus Zypern, Kreta und Sizilien. Madeira wird Exporteur von Wein.
1570Die Jesuiten kommen nach Madeira und machen sich um die Entwicklung der Inseln verdient.
1580Portugal gerät unter spanische Führung, weil die portugiesische Thronfolge nicht fortgeführt werden kann. Die Festungen auf Madeira werden weiter ausgebaut, denn wie die Spanier schätzen auch Piraten die Insel.
1640Die Portugiesen revoltieren gegen die spanische Herrschaft.1668 Portugal wird nach dem Frieden von Lissabon wieder ein unabhängiges Königreich, muss aber starke Zugeständnisse an England machen. Für die Segelschiffe nach Amerika und Indien ist Madeira eine wichtige Zwischenstation, das gilt auch für Sklavenhändler.
ab 1700Der Weinexport wird zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig, weil der Madeira-Wein auf den Transkontinentalrouten wegen seiner Haltbarkeit geschätzt wird. Wein aus Madeira zählt im 18. und 19. Jahrhundert zu den erlesensten in der westlichen Hemisphäre. Weinhändler sind häufig Engländer, da Portugiesen der Weinexport in Folge von Handelsverträgen mit der britischen Krone nicht erlaubt ist.
1748Ein starkes Erdbeben erschüttert Madeira.
1755Ende der Sklaverei.
1760Die Jesuiten müssen die Inseln wieder verlassen.
1801–14Englische Truppen okkupieren Madeira als Stützpunkt gegen Napoleon. Weitere englische Familien siedeln sich an.
1803
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Alte Ansicht des Hafens von Funchal aus »Ferdinand Hirts Geographische Bildertafeln« (Metallstich von 1886)
Gewaltige Überschwemmungen mit 600 Toten zerstören fast ganz Funchal, danach beginnt man mit der Eindeichung der Flüsse.
1834Säkularisierung. Verbannung aller Mönche von den Inseln, nur die Nonnen dürfen bleiben.
ab 1850Mehltau befällt die Reben auf Madeira, ein paar Jahre später vernichtet auch die Reblaus zahlreiche Weinstöcke. Der Weinbau gerät in eine dauerhafte Krise, viele Händler verlassen die Insel.
1856Eine Cholera-Epidemie auf Madeira fordert 10 000 Tote.
1885
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Korbschlittenfahrt im viktorianischen Monte (Funchal) des 19. Jahrhunderts
Bau erster Tunnel für Reiter, in der Nähe von Rabacal.1891 Laut einer Volkszählung leben 132 223 Einwohner auf der Insel.
1893Die Zahnradbahn nach Monte wird eröffnet.
1897Elektrisches Licht erreicht Funchal.
1910Ende der portugiesischen Monarchie, in Lissabon wird die Republik ausgerufen.
1916/17Bombardierung von Funchal durch die deutsche Luftwaffe. Französische Schiffe werden im Hafen von deutschen U-Booten versenkt.
1921Erster Flug mit einem Wasserflugzeug von Lissabon nach Funchal.
1926Ein Militärputsch beendet die Republik.
1931Durch die »Hungergesetze« wird den Feudalherren auf Madeira das Monopol für Mehlimporte verliehen. Es kommt zur »Hungerrevolte« wegen der schlechten Lebensmittelversorgung. Viele Madeirer werden zur Strafe auf die Azoren und Kapverden umgesiedelt.
ab 1933Diktator Salazar (bis 1968) gründet den faschistischen Ständestaat Estado Novo. Salazar zeigt für Madeira wenig Interesse. Eine Abwanderung aufgrund wirtschaftlicher Not ist die Folge.
1947Aufnahme des Linienflugverkehrs mit Wasserflugzeugen zwischen Southampton, Lissabon und Funchal.
1960Einweihung des Flughafens auf Porto Santo. Eröffnung des Botanischen Gartens oberhalb von Funchal mit exotischen Pflanzen und angeschlossenem Vogelpark.
1964Eröffnung des Flughafens auf Madeira.
1974Die Nelkenrevolution beendet die Diktatur.
1976Der Madeira-Archipel erhält den Status einer autonomen Region mit weitreichenden Selbstverwaltungsrechten. Auf Madeira wird Dr. Alberto João Jardim erster Präsident. Hauptstadt Madeiras bleibt Funchal. Das Archipel gibt sich auch eine eigene Flagge: gelb-blau mit dem Kreuz des Christusritterordens.
1981Der kommerzielle Walfang wird auf Madeira eingestellt.
1985 Geburt von Cristiano Ronaldo in Funchal, dem berühmtesten portugiesischen und einem der weltbesten Fußballer.
1986EG-Beitritt des Landes. Portugal, das Armenhaus Europas, wird finanziell enorm unterstützt. Mehr als fünf Milliarden Euro sind seit dem Beitritt nach Madeira geflossen.
1988Gründung der Universität in Funchal.
ab 1995Auf Madeira wird das Straßennetz ausgebaut, aufgrund der Topografie der Insel ist das ein aufwendiges und teures Unterfangen. Allein für die 140 Kilometer Auto bahn auf der Insel mussten über 100 Tunnel gebaut werden. Die Zahl der Tunnel nimmt noch weiter zu.
2000Der Flughafen wird ausgebaut und die Start- und Landebahn auf 2777 Meter verlängert, damit auch größere Jets landen können.
2004 Eröffnung des Mudas. Museu de Arte Contemporânea in Calheta, ein spektakulärer Museumsbau für zeitgenössische Kunst aus Vulkangestein.
2006Start der Linhea Eco in Funchal – Elektrobusse, die im Zentrum fahren.Sie halten auf Handzeichen.
2011Madeira steht kurz vor dem Bankrott. Die Schulden werden auf 7,5 Milliarden Euro geschätzt.
2012 Mit 80 Milliarden Euro wird Portugal von der EU gestützt. Im Kampf gegen die Staatsverschuldung werden die Überweisungen vom Festland nach Madeira gekürzt.
2013 Eröffnung des Ronaldo-Fußballmuseums in Funchal.
2014Portugal kann den EU-Rettungsschirm verlassen, die Reformpolitik wird fortgesetzt. Neue Promenade und neuer Kreuzfahrtschiffanleger in Funchal.
2015 Ende der 37-jährigen Regentschaft unter Regionalpräsident Alberto João Jardim von der liberal-konservativen Partei, der die Insel durch zahlreiche EU-geförderte Bauprojekte ohne Nutzen in die Krise geführt hat. Sein Nachfolger wird der Sozialdemokrat Miguel Albuquerque, vormals Bürgermeister von Funchal.
2016
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Madeiras berühmtester Fußballexport: Cristiano Ronaldo (links), hier im Spiel Portugal gegen Ungarn am 9. September 2009
Madeiras Jugendarbeitslosigkeit beträgt 53 Prozent. Portugal wird mit Ronaldo Fußball-Europameister.
2018/19 Madeira feiert das 600-jährige Jubiläum nach der Entdeckung des Archipels.2021 Portugal hat für die ersten 6 Monate des Jahres die EU-Ratspräsidentschaft inne.
2023 Der portugiesische Premierminister António Costa (Sozialistische Partei) tritt nach acht Jahren Amtszeit wegen Korruption im Umfeld zurück.
2024 Bei den Neuwahlen im März siegt die konservative Demokratische Allianz (AD). Luís Montenegro wird Ministerpräsident.
2025 Bei den vorgezogenen Regionalwahlen erhält die PSD die meisten Stimmen. Präsident der Regionalregierung wird wieder Miguel Albuquerque. Im Mai findet die vorgezogene Parlamentswahl in Portugal statt.