Magic Money - Christina Kanese - E-Book

Magic Money E-Book

Christina Kanese

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  • Herausgeber: epubli
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2017
Beschreibung

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ (Einstein) Ich möchte Sie mit diesem Buch zum/r Geld-Held/in, der/die entspannt und befreit mit Geld umgehen kann. Zuerst analysieren wir gemeinsam, welche psychologischen Muster, also welche Gefühlsverknüpfungen, bei Ihnen mit dem Thema Geld verbunden sein können. Das Buch soll Ihnen nicht nur dabei helfen: 1. zu verstehen, wie unser Verhalten beim Geld begründet wird. 2. zu ergründen, wodurch Ihr Verhalten bei Geld bestimmt wird. sondern besonders auch: 3. wie ungewolltes Verhalten beim Geld in erwünschtes Verhalten verändert werden kann. Eltern führen selten ein Gespräch mit ihren Kindern über Funktionen von Geld in unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Es wird auch selten als Schulfach behandelt. Deshalb bleibt die Vorstellung, was Geld ist oder bedeutet, bei den meisten unbewusst. Mehr noch werden diese unbewussten Vorstellungen unbewusst an die eigenen Kinder weitergeben. Außerdem wird in Deutschland kaum über das Thema Geld und vorhandene Vorstellungen gesprochen. Deshalb entwickeln sich sehr individuelle Perspektiven zu diesem Thema. Jede Betrachtungsweise zum Aspekt Geld ist wie ein persönlicher Fingerabdruck. Dies führt zu ganz individuellen Blockaden und hemmenden Verhaltensweisen, die nur durch eine ebenso individuelle und „maßgeschneiderte“ Herangehensweise überwunden werden können. Ich möchte aufzeigen, welche unterbewussten Verknüpfungen beim Thema Geld vorliegen können. Dann werden ökonomische Grundlagen zum Geld vorgestellt und danach die Möglichkeiten zur Veränderung hinderlicher Verhaltensmuster aufgezeigt. Dabei möchte ich in erster Linie, dass Sie beim Lesen Spaß haben und alles mit einem kritischen und offenen Auge betrachten. Übernehmen Sie nur die Gedanken, die Ihnen plausibel und übernehmenswert erscheinen. Ich bin auf Ihre Gedanken und Hinweise sehr gespannt. Schreiben Sie mir gerne unter www.kanesecoaching.de.

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G.E.L.D. - Ganz Entspannt Leben Dürfen

C. Kanese

erschienen 2016

1. Auflage 2016

Copyright: (c) 2016 C. Kanese

Bildrechte: (c) C. Kanese oder Creative Commons

Umschlaggestaltung: C. Kanese

E-Book Version: M. Hoffmann

Inhaltsverzeichnis

1 Vorspiel

2 Vorwort und Leseleitfaden

3 Was ist Geld?

4 Was ist Geld-Intuition?

5 Was soll Geld?

6 Was ist Geld nicht?

7 Was ist hilf-reiche Geld-Intuition?

8 Reichtumserlaubnis & familiärer „Finanzcode“

9 Magic Money Meditation

10 Reiche Vorbilder als Wegweiser finden

11 Ihre persönliche Geld-Heldengeschichte

Literaturverzeichnis

Kapitel 1

Vorspiel

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Fällt Ihnen dazu etwas ein? Nein? Dann suchen Sie aus Ihrem Portemonnaie einen beliebigen Euro-Schein heraus und sehen Sie ihn sich genau an.

Kapitel 2

Vorwort und Leseleitfaden

„Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

Albert Einstein

Das Gehirn erfasst das Thema Geld nicht auf kognitive, sondern auf affektive Weise. Das heißt, das Bild, das sich unser Unterbewusstsein beim Thema Geld bildet, bestimmt unser Verhalten.

Das Unterbewusstsein lernt durch Imitation von den Vorbildern und schaut sich schon im frühen Kindesalter von 3 bis 4 Jahren die Verhaltensweisen der Vorbilder an und interpretiert sie.

Auf diese Weise wird das Motiv Geld ganz eng mit einem oder mehreren weiteren Aspekten verknüpft. Diese Punkte müssen an sich nicht unmittelbar etwas mit dem Gegenstand Geld zu tun haben, wie z.B. die Themengebiete Konflikt oder Sicherheit.

Zu diesen Angelegenheiten entwickelt das Unterbewusstsein ein Gefühl. Wenn z.B. die Eltern sich oft gestritten haben, wenn Geld im Spiel war, wird eventuell das Geld mit Streit oder Konflikt verknüpft. Verursacht Streit oder ein Konflikt ein Gefühl von Verkrampfung oder Schmerzen im Bauch, kann es passieren, dass Geld mit einer Verkrampfung oder mit Schmerzen im Bauch verknüpft wird.

Wenn dagegen die Eltern immer sehr sicher und gelassen regiert haben, weil genug Geld da war, und diese Sicherheit einem entspanntes und weiches Gefühl im Bauch hervorgerufen hat, wurde wahrscheinlich das Thema Geld mit Sicherheit und einem entspannten Gefühl verknüpft.

Dieses Gefühl bestimmt unser Verhalten bei Geld.

Viele Menschen wissen vom Kopf her bzw. kognitiv ganz genau, wie sie am besten mit Geld umgehen. Auch wenn sie immer wieder von Freunden oder Verwandten gut gemeinte Ratschläge hören, wie z.B. „Kauf doch nicht so viel“ bei Kaufsüchtigen oder „Spar Dein Geld doch lieber“ bei Menschen, die chronisch im Dispo sind.

Diese gut gemeinten Ratschläge sind den meisten Menschen selber klar. Und dennoch ist das Gefühl beim nächsten Kaufrausch in der Übermacht und bestimmt mit großer Stimmenmehrheit das Verhalten. Deshalb heißt es so salopp in Dan Arielys Buch über ökonomische Verhaltensforschung: „Denken hilft zwar, nützt aber nichts.“

Hierbei soll dieses Buch weiterhelfen.

Ich möchte Sie mit diesem Buch zum/r Geld-Held/in machen, der/die entspannt und befreit mit Geld umgehen kann. Zuerst analysieren wir gemeinsam, welche psychologischen Muster, also welche Gefühlsverknüpfungen, bei Ihnen mit dem Thema Geld verbunden sein können.

Das Buch soll Ihnen nicht nur dabei helfen:

zu verstehen, wie unser Verhalten beim Geld begründet wird, zu ergründen, wodurch Ihr Verhalten bei Geld bestimmt wird, sondern besonders auch wie ungewolltes Verhalten beim Geld in erwünschtes Verhalten verändert werden kann.

Gerade in Deutschland gibt es kaum finanzielle Ausbildung. Eltern führen selten ein Gespräch mit ihren Kindern darüber, welche Funktionen Geld in unserer Wirtschaft und Gesellschaft hat. Es wird auch selten als Schulfach behandelt. Deshalb bleibt die Vorstellung, was Geld ist oder bedeutet, bei den meisten unbewusst. Mehr noch werden diese unbewussten Vorstellungen unbewusst an die eigenen Kinder weitergeben. Außerdem wird in Deutschland kaum über das Thema Geld und vorhandene Vorstellungen gesprochen. Deshalb entwickeln sich sehr individuelle Perspektiven zu diesem Thema. Jede Betrachtungsweise zum Aspekt Geld ist wie ein persönlicher Fingerabdruck. Dies führt zu ganz individuellen Blockaden und hemmenden Verhaltensweisen, die nur durch eine ebenso individuelle und „maßgeschneiderte“ Herangehensweise überwunden werden können.

Zu Beginn möchte ich aufzeigen, welche unterbewussten Verknüpfungen, Muster und Vorstellungen beim Thema Geld vorliegen können. Dann werden ökonomische Grundlagen zum Geld vorgestellt und danach die Möglichkeiten zur Veränderung hinderlicher Verhaltensmuster aufgezeigt.

Dabei möchte ich in erster Linie, dass Sie beim Lesen Spaß haben und alles mit einem kritischen und offenen Auge betrachten. Übernehmen Sie nur die Gedanken, die Ihnen plausibel und übernehmenswert erscheinen. Ich bin auf Ihre Gedanken und Hinweise sehr gespannt. Schreiben Sie mir gerne unter www.kanesecoaching.de

Kapitel 3

Was ist Geld?

Geld denkt nicht! Also was ist Geld?

„Das Geld soll den Menschen dienen, nicht die Menschen dem Geld.“

(Seneca)

Ich saß mal bei einem Blind Date mit einem Mann im Café Paris in Hamburg. Das Gespräch entwickelte sich, und es schien ein netter Abend zu werden. Bis der Herr mir unbedingt seine Erfahrungen aus seiner Fastenzeit erzählen musste, bis hin zur Veränderung seiner Ausscheidungen während dieser Zeit. Schnell wurde mir das Gespräch zu viel, und ich ging im Geiste alle Gesprächsthemen durch, die noch unangenehmer wären, und mit denen ich den Mann in die Flucht treiben könnte. Welches Thema wäre noch unattraktiver als der Toilettengang?

Spinnen? Naja, damit würde ich vielleicht Frauen abschrecken, aber ob Männer das auch ekelt? Kuscheltiere? Da kamen wir der Sache schon näher.

Und dann fiel es mir ein: Geld! Es gibt wohl kein unattraktiveres Thema als Geld, Anlage und Wirtschaft, das eine Frau bei einem Kennenlerntreffen anschneiden könnte. So habe ich mir tatsächlich mit diesem Gesprächsfaden weitere unschöne Folgetreffen vom Hals gehalten.

Und - kennen Sie das auch? Es gibt sogar ein Sprichwort: „Über Geld reden bringt Unglück“. Denken Sie sich im Stillen, dass da etwas dran ist?

Diese Geschichte hat mich auf jeden Fall tatsächlich zu „meinem“ Themengebiet Magic Money gebracht. Ich habe mich dem Thema intensiver gewidmet und habe Bücher aus verschiedensten Fachgebieten dazu gelesen. Sie werden also in dieser Lektüre nicht nur wirtschaftliche, sondern auch philosophische Hintergründe, psychologische und manchmal auch spirituelle Faktoren zum Thema Geld kennen lernen. Sie werden unglaubliches, bestürzendes und unterhaltsames erfahren, das jedes Gespräch über Geld in den Schatten stellt.

Ist Ihnen jetzt ein wenig mulmig? Keine Angst! Es wird noch schlimmer!

Eine Forsa-Studie [2] fand heraus, dass die Deutschen sich eher über ihr Liebesleben und den Tod als über Geld auslassen. Offenbar wird hier ein Tabu berührt. Ist Ihnen beim Sprechen über Geld auch mulmig? Haben Sie dabei ein ungutes Gefühl? Dann sind Sie in Deutschland in guter Gesellschaft. Der Volksmund sagt sogar „Über Geld spricht man nicht“. Aber woher kommt das Sprichwort eigentlich?

Noch im Alten Testament war Reichtum mit Segen verbunden. Damals gab es aber auch schon das Zinsnahmeverbot, welches interessanterweise nicht nur für Geld galt, sondern auch für alle anderen Dinge [3].

Der Umgang mit dem schnöden Mammon und insbesondere das Verleihen von Geld war im Christentum nicht gerne gesehen. Auch im Mittelalter gab es lange Zeit ein absolutes Zinsverbot. Daran hat die katholische Kirche bis ins 20. Jahrhundert festgehalten. Im Judentum dagegen durften Zinsen genommen werden.

Im Mittelalter brauchte die Wirtschaft das Geld als Dreh- und Angelpunkt des Tausches und zur Entwicklung der Spezialisierung und Arbeitsteilung. Dazu werden Sie noch mehr im Kapitel 3.1 'Wie ist Geld entstanden?' erfahren. Kurz gesagt, die Wirtschaft brauchte Investitionen und dafür brauchte sie Kredite. Also mussten die Geldgeber dazu gebracht werden, Geld zu verleihen. Der Anreiz dafür war der Zins. Für jüdische Mitbürger war es verboten, im Handwerk tätig zu werden, und im Judentum galt das Zinsverbot nicht. Deshalb spezialisierten sie sich in Handel und Geldgeschäften. Obwohl die Wirtschaft ohne die Geldversorgung gar nicht florieren konnte, wurden die Geldgeschäfte von der Kirche als Inbegriff der Sündhaftigkeit gebrandmarkt.

Ist dieser geschichtliche Hintergrund wohl immer noch Grundlage dafür, dass in Deutschland über das Thema Geld so ungern gesprochen wird? Oft wird das Reden über Geld mit einem extrem unwohlen Gefühl assoziiert. Wirkt sich hier das Sündenbild der Kirche aus und kommt noch ein dumpfes Gefühl zur Schuld hinzu?

Im Laufe des Buches werden wir dort genauer hinschauen und ergründen, welche Denkmuster bei Ihnen mit Geld verbunden sind. Gemeinsam machen wir uns auf eine Reise, in der Sie Ihre unbewusste Sichtweise zu Geld entdecken und so verändern können, dass Sie am Ende mit Geld ganz entspannt Leben dürfen und zum/r Helden/in der Geschichte werden.

[2] Forsa-Studie März 2009: es wurden 1.060 Personen befragt, worüber sie mit Bekannten und Freunden sprechen.

[3]

3.1 Wie ist Geld entstanden?

„Geld ist, wie das Rad, eine sehr angenehme Erfindung des Menschen und ein Meilenstein in der Entwicklung. Nicht mehr und nicht weniger.“

C. Kanese

Warum ist Geld eigentlich entstanden? Es gibt einen plausiblen Grund: um einfacher Tauschen, also Wirtschaften zu können. Stellen Sie sich vor, wie unbequem und umständlich eine Tauschwirtschaft ohne Geld heute noch wäre. Deshalb ist das Geld als Zwischentauschmittel entstanden, das zum weiteren Tausch mit dem nächsten Handelspartner eingesetzt werden kann.

Erst als Naturalgeld, dann als Münzgeld und schließlich als Papiergeld und Buchgeld. Als Naturalgeld oder Warengeld wurden Muscheln, Kamele oder auch Zigaretten verwendet. Dabei besaß das Naturalgeld immer einen Wert an sich.

Auf der Insel Yap in Mikronesien wurden Steine als Geld eingesetzt. Anhand der idyllischen Insel im Pazifik in der Nähe der Philippinen wird Studenten der Volkswirtschaftslehre im ersten Semester gerne erklärt, warum das Papiergeld entstanden ist. Es gehört zwar in das Reich der Legenden, aber dennoch lässt sich anschaulich erklären, warum so etwas wie Papiergeld entstanden ist.

Das Volk der Yap hatte also Steine als Geld. Die Größe eines Steins zeigte an, wie hoch sein Wert war. Sehr reiche Inselbewohner besaßen daher riesige Mühlsteine. Mühlsteine sind nun natürlich sehr umständlich zu transportieren und auch ansonsten ziemlich unhandlich.

Schließlich wurden in der Yap-Gemeinde, in der sowieso jeder jeden kannte, bei einem Tausch nicht mehr die Mühlsteine hin und her geschleppt, sondern ein Zettel mit dem Besitznachweis und dem Standort des Mühlsteines ausgetauscht. Irgendwann hat keiner mehr nachgesehen, wo die Mühlsteine lagen und ob es sie überhaupt gab, denn jeder hatte Vertrauen darin, dass die Zettel „gedeckt“ sind und sie wurden als Tauschmittel anerkannt.

In Europa waren es Goldmünzen, die in Goldsäcken mühsam transportiert werden mussten. Sie wurden z.B. vom Templerorden verwahrt, bewacht und später in einem Tauschsystem, das wie eine Bank funktionierte, gegen Geldanleihen getauscht [4].

Geld ist also von den Menschen wie das Rad erfunden worden. Geld ist dabei eine Erfindung, die nur durch unsere höheren Gehirnfunktionen verstanden werden kann. Es repräsentiert bestimmte Funktionen, die nichts mit dem materiellen Wert des Stückchens Papier zu tun haben. Geld representiert nur den Wert. Es ist ein Stellvertreter. Die aufgedruckte Zahl beziffert den representierten Wert, auch Nennwert bzw. nomineller Wert genannt.

Nicht direkt durch unsere Sinne können wir die Funktion des Geldes erfassen, sondern erst durch einen Denkvorgang verstehen und zuordnen. Geld an sich ist sozusagen ein Paket ohne Inhalt oder im übertragenen Sinne eine leeres Blatt Papier. Aber dazu später mehr im Kapitel über das Unterbewusstsein. Zum besseren Verständnis muss ich ersteinmal auf die Funktionen des Geldes eingehen.

3.2 Euro – Getting together

„Wat de Buer nich kennt, dat fret he nich.“ (Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.)

(Plattdeutscher Volksmund)

So sagte mein Großvater immer und biss genüsslich in seine Leib- und Magenspeise: Kartoffeln. Er probierte noch nicht einmal so etwas Neumodisches wie Spaghetti oder Reis mit eben der Begründung, was er nicht kennt, das isst er nicht. Die Einstellung mag für Sie sehr veraltet klingen, doch tatsächlich funktioniert unser gesamtes Denken oft so. Damit Menschen etwas Neues und völlig Unbekanntes ausprobieren, bedarf es oft eines großen (Leidens-)Druckes oder großer Neugier.

So gibt es die Geschichte, dass auch die Kartoffel erst durch eine List von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen den Norddeutschen schmackhaft gemacht werden konnte. Die war ja schließlich auch ursprünglich fremd, kam aus Südamerika und wurde erst 1738 in Preußen angebaut.

Die ersten Verbreitungen der Erdäpfel im ehemaligen Preußen sind kläglich gescheitert, weil die Norddeutschen nicht wussten, wie sie zubereitet wurden, und vor allem, welche Teile der Pflanze überhaupt genießbar sind. So manchem ging es nach dem Verzehr der leicht giftigen Früchte sehr schlecht. Schnell wurden alle misstrauisch und wollten von der Kartoffel nichts mehr wissen.

Die negativen Neuigkeiten über das neue Gestrüpp verbreiteten sich schnell. Niemand glaubte mehr, dass die Kartoffel gegen die winterlichen Hungersnöte helfen könne. Auch Aufklärung mit Kartoffelrezepten brachte keine Wende. „Der alte Fritz“ fühlte ich für das Überleben seines Volkes verantwortlich. So kam er auf die ungewöhnliche Idee, die Kartoffelfelder von Soldaten bewachen zu lassen. Kartoffeln mußten also sehr wertvoll sein. Da wurden die Norddeutschen neugierig.

Die Soldaten klauten heimlich hier und da ein paar Knollen, kochten sie und fanden sie sehr schmackhaft. Als dies auch andere mitbekamen, siegte die Neugier und die Kartoffel wurde schließlich zu einem Hauptbestandteil des norddeutschen Mittagessens.

Ob diese Anekdote wahr ist oder nicht, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist es bewiesen, dass nur mit Mut und Überwindung Neues und Fremdes ausprobiert wird. Auch Kinder müssen immer wieder zu neuem Essen ermuntert werden. Und es hilft, dieses Neue erst einmal kennen zu lernen.

Leider gibt es in der Erziehung kaum Kennenlern- und Aufklärungsgespräche zum Thema Geld, wie zum Beispiel die „Bienchen & Blümchen“-Aufklärungsgespräche über Sexualität. Bei den meisten Eltern ist das Thema Geld selbst kaum bewusst und auch in der Schule gibt es dazu keinen Unterricht. Selbst die Forschung steckt mit interdisziplinären Fächern wie Neuroökonomie oder Verhaltensökonomie noch in den Kinderschuhen.

Doch es gibt schon ein paar Erkenntnisse, und vor allen Dingen hilft es, mehr über unser Geld zu verstehen.

Als Erstes möchte ich Ihnen den Euro vorstellen.

Wussten Sie, dass die Euroscheine aus Baumwollfaserpapier sind? Deswegen sind sie besser haltbar als Papier aus Holzfasern und können auch noch nach einem versehentlichen Waschgang verwendet werden. Haben Sie Lust, einmal Ihr Portemonnaie hervorzuholen und die Geldscheine in die Hand zu nehmen? Befühlen Sie die Banknoten ganz bewusst, sie sollten sich griffig und fest anfühlen. Zudem sind erhabene Reliefs an den Rändern, beim Hauptmotiv und an der Zahl erfühlbar.

Fällt Ihnen etwas an den Motiven auf den Scheinen auf?

Ja, jede Banknote hat eine andere Farbe und ein anderes Motiv auf ihrer Vorder- und Rückseite. Bei den Motiven haben sich die Gründer zwei besondere Oberthemen für den Euro ausgedacht. Auf der Vorderseite sind Fenster und auf der Rückseite sind Brücken unterschiedlicher Architekturstile abgebildet. Die Brücken stehen für die Verbindungsfunktion der Währung beim weiteren Zusammenwachsen der europäischen Länder und die Fenster oder Tore stehen für Offenheit gegenüber den anderen europäischen Kulturen.

Gegen das Licht gehalten sehen Sie ein Portrait der Göttin Europa als Wasserzeichen und es gibt einen dunklen Sicherheitsfaden, auf dem sich das €-Zeichen und der Nennwert der Banknote (bei einem Fünf-€-Schein also 5) hell absetzen. Beim Kippen aller €-Scheine erscheinen außerdem Hologramme, und die Farbe der Zahl changiert von grün zu blau.

3.3 Funktionen des Geldes

„Arme, die Reiche hassen, sollten mal reich sein, um zu beweisen, dass sie anders wären.“

David Tatuljan

Das Geld im Grab

Ein reicher Mann liegt auf dem Sterbebett. Er will sein Vermögen mit ins Grab nehmen und lässt deshalb in seiner letzten Stunde seinen Arzt, seinen Anwalt und einen Pfarrer zu sich rufen. Jedem der drei übergibt er 100.000 Euro mit der Bedingung, dass sie dieses Geld bei der Beerdigung in sein Grab hineinlegen sollten.

Auf der wenig später stattfindenden Beisetzung des Mannes treten nun nacheinander der Pfarrer, der Arzt und der Anwalt an das Grab. Jeder von ihnen wirft einen großen Briefumschlag hinein.

Auf dem Weg nach Hause laufen dem Pfarrer die Tränen aus den Augen und er sagt mit brüchiger Stimme: „Ich habe gesündigt. Ich muss euch gestehen, dass ich nur 80.000 Euro in den Umschlag gesteckt habe. 20.000 habe ich für die Reparatur der Orgel in unserer Kirche genommen.“

Darauf sagt der Arzt: „Ich muss euch sagen, dass ich sogar nur 60.000 Euro ins Grab geworfen habe. Meine Praxis braucht dringend neue medizinische Geräte, dafür habe ich 40.000 Euro abgezweigt.“

Der Anwalt erwidert: „Meine Herren, ich bin zutiefst erschüttert! Selbstverständlich habe ich dem Verstorbenen über die volle Summe einen Scheck ins Grab gelegt.“

Diese Geschichte verdeutlicht sehr schön die Funktionen des Geldes. Denn das Geld an sich hat keinen Nutzwert, sondern es erfüllt bestimmte Funktionen in unserer Gesellschaft. Im Prinzip enthält jeder Geldschein und jede Geldmünze einen Gesellschaftsvertrag, der die Funktionen Tauschmittel, Wertmaßstab und Wertaufbewahrung festlegt, auf den wir uns alle geeinigt haben.

In der Geschichte ist zum Schluß jedem klar, dass der Rechtsanwalt am besten dasteht, obwohl er doch wie alle anderen Papier mit dem Versprechen auf Gegenleistung ins Grab getan hat.

3.4 Tauschmittel

„Geld haben ist schön, solange man nicht die Freude an Dingen verloren hat, die man nicht mit Geld kaufen kann.“

Salvador Dalí

Nun haben Sie schon die Mühlsteine und Banknoten oder Papiergeld als Tauschmittel kennen gelernt. Das ist die erste und intuitiv verständlichste Funktion des Geldes.

In den westlichen Gesellschaften hat das Tauschen eine lange Tradition: So tauschten schon die Wikinger und bauten Handelsbeziehungen bis Byzanz auf. Kolumbus tauschte mit den nordamerikanischen Einheimischen Waren aus.

Das ist schon Kindern begreiflich zu machen: Ich gebe Dir etwas, und dafür gibst Du mir etwas. Kinder fangen schon in der Grundschule mit Tauschsystemen an. Also verstehen wir intuitiv und sehr schnell, dass wir nur dann etwas bekommen, wenn wir im Tausch etwas ähnlich Wertiges dafür geben.

So ist z.B. die Tauschwirtschaft im Zuge der Arbeitsteilung entstanden. Solange jeder alles, was er braucht oder haben will, selber machen kann, ist ein Tausch nicht sinnvoll. Doch sehr schnell kristallisierte sich heraus, dass es verschieden verteilte Talente und Fertigkeiten gab. Und dass verschiedene Menschen unterschiedlich viel Spaß daran hatten, etwas herzustellen und aufgrund von Talenten und Fertigkeiten diese Dinge verschieden ausfielen.

Es entwickelte sich mit der Arbeitsteilung ein Tauschsystem, das auch gleich sicherstellte, dass sich alle an dem System mit ihrer besten Fähigkeit beteiligten. Dieses Tauschsystem mit Waren und Diensten (auch Tauschwirtschaft oder Tauschhandel genannt), brachte mehr Wohlstand und Zufriedenheit. Jeder tat, was er am besten konnte und steigerte so die Qualität der Produkte und Dienste. Allerdings ging ein Großteil der Zeit bei der Suche nach den richtigen Tauschpartnern verloren und konnte nicht für die Herstellung von Gütern und Diensten verwendet werden. Da entdeckten sehr bald findige Menschen, dass sich durch ein allgemein anerkanntes Tauschmittel sehr viel Zeit sparen ließ. Die Gesellschaft musste nur dafür sorgen, dass dieses Tauschmittel glaubhaft für einen festen, materiellen und ertauschbaren Wert (Produkt oder Dienst) stand. Dieses Konzept des universellen Tauschmittels gehört in jede Währung.

Die Funktion des Geldes als Tauschmittel ist noch am ehesten intuitiv für das Unterbewusstsein erfassbar. Tauschen ist ein Vorgang, den schon kleine Kinder verstehen und anwenden. Es werden Pokemon-Karten, Murmeln oder Klebebilder getauscht, weil der Eine etwas hat, was der Andere gerne haben möchte. Hier wird Wert gegen Wert getauscht, und „der Markt“ entscheidet, zu welchem Tauschverhältnis die gegenseitig begehrten Stücke ihre Besitzer wechseln.

Doch auch hier kostet das Auffinden des richtigen Tauschpartners viel Zeit und Mühe. Ich muss nämlich denjenigen finden, der das besitzt, was ich suche (Tauschwert), und gleichzeitig etwas von mir eintauschen möchte, was ich dafür anbiete (Gegentauschwert).

Stellen Sie sich vor, ich (als Coach) müsste, z.B. wenn ich ins Kino gehen wollte, erst versuchen, den Kinobesitzer davon zu überzeugen, dass er als Tausch gegen die Kinokarte einen Coaching-Gutschein anerkennt. Ich müsste also an der Kinokasse erst in Verhandlungen treten und mein Angebot darstellen, damit der Kinobesitzer überhaupt eine Vorstellung davon bekommt, ob er ein Coaching gebrauchen kann. Beim normalen Marketing gehört das natürlich dazu, ist aber für die Transaktion an der Kinokasse viel zu umständlich. Denn wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind und eine Einigung in Sicht ist, ist der Film, den ich sehen wollte, unter Umständen auch schon fast zu ende.

Um also den Zeitaufwand beim Tauschhandel so gering wie möglich zu halten, ist es am besten, einen Joker zu besitzen, der gegen alles eingetauscht werden kann. Der Ökonom spricht davon, die Transaktionskosten so gering wie möglich zu halten. Transaktionskosten entstehen dabei virtuell durch jeden zusätzlichen Aufwand, der im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Transaktion steht (z.B. die Suche nach einem Verkäufer eines passenden Produktes).

Beim Tauschhandel entsteht durch die Suche des entsprechenden Tauschpartners für die Transaktion ein hoher Aufwand. Das Geld hingegen spart also Suchaufwand und ist unser Joker im System, bei dem sich unsere Gesellschaft darauf geeinigt hat, dass es gegen alles eingetauscht werden kann. Es besteht sogar in vielen Ökonomien ein Annahmezwang. Dadurch haben sich der Zeitaufwand und die Transaktionskosten des Tauschhandels extrem verringert, und jeder Marktteilnehmer kann sich nun darauf konzentrieren, seine Profession und sein Talent zu optimieren und sein Produkt qualitativ zu verbessern. Es war Voraussetzung dafür, dass wir eine so gut funktionierende und spezialisierte Wirtschaft aufbauen konnten. Das Geld ist das Schmiermittel der Wirtschaft.

Dabei muss ich der Vollständigkeit halber festhalten, dass es durchaus Gesellschaften gibt, die auf einem anderen Prinzip aufgebaut sind z.B. nach dem Prinzip des Schenkens oder Teilens unter allen.

3.5 Wertmaßstab

„Gerüchte über Preiserhöhungen sind keine.“

Manfred Hinrich (1926 - 2015)

Durch die Einführung des Euro brauchen wir bei einer Reise durch Europa (zumindest durch alle Euro-Länder) kein Geld mehr zu wechseln, und das Gefühl für die Veränderung des Wertes unserer Währung ist uns noch etwas fremder geworden als es ohnehin schon ist.

Im eigenen Land oder den Ländern des Euroraumes bekommt man die Schwankungen der eigenen Währung nur indirekt mit durch veränderte Preise. Bei einer moderaten Preissteigerungsrate (bei der die Preise von Jahr zu Jahr steigen, und alles von Jahr zu Jahr teurer wird) im einstelligen Prozentbereich macht sich das auch erst über Jahrzehnte bemerkbar, und wir wundern uns verdutzt, dass eine Kugel Eis, die jetzt 1 Euro kostet, in unseren Kinderjahren doch umgerechnet nur 10 Cent gekostet hat (bzw. 20 Pfennig).

Dass auch unsere Währung nicht ständig stabil im Wert bleibt, bekommen wir erst bei einer Hyperinflation mit, die es zum Glück zuletzt in Deutschland 1914-1923 gab. Bei einer Hyperinflation entwertet sich das Geld so schnell bzw. steigen die Preise der Güter so schnell, dass die Preisschilder täglich angepasst werden müssen. Das Geld muss so schnell wie möglich ausgegeben werden, damit nicht noch weniger dafür gekauft werden kann. Innerhalb kurzer Zeit müssen dann für tagtägliche Waren wie Brot, Milch oder Butter das 100-fache oder mehr bezahlt werden.

Inzwischen sind die Menschen verstorben, die noch darüber berichten könnten, dass z.B. ein Brot 105 Milliarden Reichsmark kostete. Eine Hyperinflation kann entstehen, wenn es viel zu viel Geld im Verhältnis zu den Waren und Dienstleistungen einer Wirtschaft gibt.

By Reichsbank (Aus Zeitschrift eingescannt), via Wikimedia Commons

Für mich war der Wertmaßstab des Geldes unmittelbar mit der Intuition erfahrbar, als wir in eines der ärmsten Länder Afrikas, nach Malawi reisten. Es gab kaum oder nur sehr teure Möglichkeiten, unser Geld in Deutschland in Kwacha (die malawische Währung) umzutauschen. Wegen der 20% Inflationsrate rieten uns unsere Freunde vom Auswärtigen Amt in Malawi, das Geld dort umzutauschen. In den ersten Tagen in Malawi fuhren wir also mit 1.000 € zur Bank. Unser Bekannter fragte noch, ob wir einen Rucksack hätten und bestand darauf, diesen zum Umtausch mitzunehmen. Uns wurde erst am Schalter der Bank klar, wofür wir den Rucksack brauchten: als uns der Bankbeamte 453.000 Kwacha in 1000 Kwacha-Scheinen vorzählte. Bündelweise stapelten sich die Kwacha-Noten zu je 100.000 pro Bündel. So hatten wir also viereinhalb ca. 10 cm hohe Stapel, die wir niemals in einem Portemonnaie hätten verstauen können.

Eine Cola kostete ca. 500 Kwacha, die es dann in Münzen gab. Hotels, Benzin und Supermarktbesuche wurden meist mit fünfstelligen Beträgen bezahlt. Dafür mussten wir immer zwischen Rucksack mit den Kwacha-Stapeln und unserem Portemonnaie hin und her disponieren.

Sollten Sie je in so eine Situation geraten, hier ein Tipp: Bündeln Sie die Kwacha-Scheine im Portemonnaie in Zehner-Haufen, indem Sie den zehnten Schein in der Mitte falten und die anderen neun da hineinlegen. So behielten wir damals einen besseren Überblick und das Geld abzählen dauerte mit den 10.000 Bündeln nicht mehr ganz so lange.

Ebenfalls in Malawi haben wir zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn es bestimmte Güter nicht gibt. Wir wollten in der zweiten Woche eine Cola kaufen, doch es gab im ganzen Supermarkt weder Wasser noch Cola. „So ein Mist“, dachten wir bei uns, „dann versuchen wir es eben beim nächsten Supermarkt“. Als auch der 10. Supermarkt keine Cola hatte, wurde uns klar, dass es überall in dieser Region derzeit keine Cola gab, und später - zum Glück erst am Ende unserer Reise - gab es auch kein Benzin mehr. Wir erfuhren so am eigenen Leib, was es bedeutet, nichts mehr kaufen zu können selbst wenn genügend Geld da ist.

Weitere Malawi-Anekdoten können Sie übrigens auch im meinem Buch „Malawi – Aus dem warmen Herzen von Afrika“ nachlesen.

Für das Unterbewusstsein ist das eine sehr direkte Erfahrung: zu erkennen, dass Geld nur bestimmte Funktionen hat, aber nicht an sich einen Wert besitzt.

Diese weitere Funktion des Geldes als Wertmaßstab bedeutet, dass es in der Wirtschaft für jedes Gut oder jede Dienstleistung einen Preis gibt. Mit diesem Preis wird der Wert im Verhältnis zu den anderen Gütern und Dienstleistungen gemessen, und es wird angezeigt, in welchem Verhältnis Nachfrage und Angebot zueinander stehen. Je mehr nachgefragt wird, und je geringer das Angebot, desto höher steigt der Preis. Dabei ist sozusagen das Geld ein Messwert für alle Güter und Dienstleistungen einer Gesellschaft.