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Der gutaussehende Phönix Trystan ist ein Frauenschwarm. Für den wortkargen Waffenhändler ist jedoch Debbie die erste, die ihn interessiert. Seit damals… Trystans leidender Gesichtsausdruck hat einen Grund, der in der Vergangenheit liegt. Er hat nur Augen für Debbie und nutzt jede Gelegenheit, um ihr nahe zu kommen. Debbie fühlt sich von seiner Art und den unglaublichen Augen angezogen, doch sie lebt bereits in einer Beziehung. Verzweifelt versucht sie ihm zu widerstehen. Als Debbie der Versuchung dann doch nachgibt, wird Trystan von seiner Vergangenheit eingeholt und beide sind in großer Gefahr. Wird Trystan seine Liebe retten können und seine Vergangenheit bezwingen?
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Seitenzahl: 322
Veröffentlichungsjahr: 2021
Michaela Weber
Magie der Asche 2
Flammender Kuss
© 2021 Michaela Weber
Verlag und Druck:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-347-27535-5
Hardcover:
978-3-347-27536-2
e-Book:
978-3-347-27537-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Für
Autorin Janette Altinsoy,
deren Hilfe unbezahlbar ist.
Neue Liebe, neues Leben
Herz, mein Herz, was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes, neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr.
Weg ist alles, was du liebtest,
Weg, warum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh-
Ach, wie kamst du nur dazu!
Fesselt dich die Jugendblüte,
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen,
Mich ermannen, ihr entfliehen,
Führet mich im Augenblick,
Ach, mein Weg zu ihr zurück.
Und an diesem Zauberfädchen,
Das sich nicht zerreißen lässt,
Hält das liebe lose Mädchen
Mich so wieder Willen fest,
Muss in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise.
Die Veränderung, ach, wie groß!
Liebe! Liebe! Lass mich los!
Johann Wolfgang von Goethe 1775
Die Schwestern Debbie und Selena setzten zur Landung in der Lichtung im Park, neben der Wohnung ihrer Schwester Mia an. Die beiden hatten eine ihrer Flugstunden als Phönixe beendet und versuchten den Bäumen auszuweichen, während sie sich sinken ließen. Debbie bekam die Landung einigermaßen elegant zu Stande, ganz im Gegensatz zu Selena, die eine Schleifspur im gepflegten Rasen hinterließ. Sie wurde von einer dicken Birke gebremst, die daraufhin ein paar Blätter fallen ließ, aber ansonsten unbeschadet blieb. Zum Glück war sie als Phönix hart im Nehmen.
Es war noch ungewohnt, dass sie sich verwandeln konnten, da sie erst vor kurzem erfahren hatten, das sie nicht nur menschlich waren. Die beiden Phönixe Trystan und Lennox, die sie begleitet hatten, flogen über ihren Köpfen noch eine Schleife, begleitet von ihrem Vater. Als sich die beiden Mädchen zurück verwandelt hatten, und zu Fuß über den Rasen gingen, drehten die mächtigen Vögel ab. Mit ihren riesigen Schwingen glitten sie über die Wipfel der wunderschönen Tannen davon. Menschen konnten sie nicht sehen, wenn sie in ihrer magischen Gestalt waren.
Es war von Vorteil, dass man sie erst sah, wenn sie zurück verwandelt waren.
Nur Ihresgleichen oder andere magische Wesen konnten sie wahrnehmen.
>> Tolle Landung. <<, lachte Debbie und klopfte eine kleine Flamme auf ihren Ärmel aus.
>> HaHa. <<, gab Selena etwas beleidigt zurück, musste dann aber doch auch lachen und versuchte ihrerseits die Flammen auf ihren Armen auszuklopfen.
>> Brenne ich noch irgendwo? <<, wollte Debbie wissen, während sie sich um die eigene Achse drehte. Selena klopfte ihr die glühenden Stellen am Rücken aus und drehte sich dann zu ihrer Landespur um.
Gemeinsam versuchten sie, mit den Schuhen, den Rasen wieder in Form zu bringen, doch es war aussichtslos. Die Spur war einfach zu breit und tief. Sie sahen sich gegenseitig an und zuckten mit den Schultern. Niemand würde eine Erklärung dafür haben, außer Derjenige wäre selbst ein Phönix. Und Jake, Mias Freund, wusste bestimmt wie man solche Dinge wieder hinbekam.
Zusammen machten sie sich auf den Weg zur Wohnung, die direkt am Rande des Parks lag. Sie schritten durch die abendlichen Sonnenstrahlen über die weiche Wiese und traten vor die Tür. Selena drückte auf die Klingel, während sie bereits die Tür öffnete.
Marc kam ihnen bereits entgegen und umarmte sie stürmisch. Danach führte er sie zu seiner Mutter in die Küche.
Mia hatte schon auf sie gewartet und der erste Kaffee lief gluckernd durch die Maschine während Mia einen Kakao für Debbie, die niemals Kaffee trank, zubereitete.
>> Mama Film? <<, bettelte Marc. Mia stellte den Kakao auf den Tisch und schaltete für ihn den Fernseher ein. Er durfte vor dem Zubettgehen immer eine Folge seiner Lieblingsserie sehen.
>> Danach geht’s ins Bett mein Baby. <<, ermahnte sie ihn streng, was Marc geflissentlich überhörte. Debbie und Selena kicherten und ließen sich auf der Bank nieder.
Mia musste ebenfalls lächeln.
>> Und, wie lief es mit euren Übungsflügen? <<, war Mia neugierig und zupfte Selena ein Blatt aus den Haaren. Für Mia war das Fliegen schon nichts neues mehr. Sie genoss es sehr mit Jake ihre Runden zu drehen. Meist flogen sie nachts eine Runde, während abwechselnd ihre Geschwister oder ihre Eltern, auf den schlafenden Marc achteten. Dafür war sie ihnen sehr dankbar.
Debbie fing an zu lachen und Selena schubste sie leicht.
>> Gut…sehr gut. Das Fliegen funktioniert sehr gut. Wir waren ungefähr eine Stunde durchgehend in der Luft und wir haben Loopings gedreht.
Das Gleiten gefällt mir am besten…oder…warte nein, wenn wir uns fallen lassen, dass ist echt cool, wie es im Bauch kitzelt. Das ist wie früher, wenn wir als Kinder sehr hochgeschaukelt sind. <<, erzählte Selena begeistert.
>> Nur mit der Landung haben wir es noch nicht so ganz drauf. <<, lachte Debbie.
>> Muss Jake den Park wieder einmal in Ordnung bringen? <<, prustete Mia. Debbie nickte und lachte mit.
>> Tut mir leid. <<, flüsterte Selena etwas verlegen und zuckte mit den Schultern.
>> Macht doch nichts, er kennt das ja von mir zu Genüge. Er hat schon Übung darin. Ausserdem, mit Magie ist das ein Klax. Bin neugierig, wann sie uns mal zeigen, wie das mit der Magie funktioniert…Debbie wie hat dir das Fliegen gefallen? <<, wollte sie wissen, während sie ihr den Kakao brachte und einen Teller mit Keksen auf den Tisch stellte.
>> Super, diese Freiheit… Als wäre ich ein Vogel. Es ist unglaublich. Zwischendurch kam ich ein bisschen ins Trudeln und bin etwas in die Tiefe gefallen, aber es ist so großartig, so schwerelos dahinzusegeln. <<, schwärmte sie und nahm einen vorsichtigen Schluck aus ihrer Tasse.
Mia verstand das. Sie liebte es und konnte sich an den Flügeln nicht sattsehen.
Wenn sie in ihrer menschlichen Gestalt war und die anderen verwandelten sich, konnte sie ihre Hände nicht von dem feinen Gefieder lassen. Es war ihr egal, ob das eine ihrer Schwestern war oder Jake, sie fuhr immer wieder mit den Fingern in die weichen Federn und bewunderte die Farben.
Während die Federn ihrer Schwester Selena in allen tönen von schwarz über grau bis weiß gingen, und ihre Schwingen von einem Engel stammen könnten, waren Debbies feuerrot.
Debbie stach so richtig heraus, wenn sie gemeinsam unterwegs waren. Mia fand sie beide wunderschön. Bei Debbie wirkte es als würden sie dauerhaft in Flammen stehen, so sehr strahlte das Rot. Mia kam es so vor, als würde sie von innen leuchten. Wenn Selena flog, glaubte man einen wahrhaften Engel vor sich zu sehen, vorausgesetzt man sah über den Schnabel und die Krallen hinweg.
Inzwischen war Marcs Film bereits zu Ende und Mia brachte ihn zu Bett.
Als sie zurückkam, hatten die beiden den Keksteller schon geleert.
>> Fliegen macht hungrig. <<, stellte sie fest und holte gleich die ganze Dose zum Tisch.
>> Tschuldigung. <<, murmelte Debbie mit vollem Mund, und grinste als sie geschluckt hatte.
>> Sind eh noch genug da. <<, kicherte Mia und öffnete die Dose, um sie ihren Schwestern vorzusetzen.
>> Wie geht’s euch mit den Flammen? Habt ihr die schon unter Kontrolle? <<
Mia erinnerte sich nur zu gut daran, wie viele ihrer Shirts sie in den Müll hatte werfen müssen, da sie von Brandlöchern übersäht waren.
>> Geht so, ein paar Brandlöcher haben wir wieder. Es ist so, dass wir es unter Kontrolle haben, wenn wir die Flammen bewusst herbeirufen. Das Problem liegt bei den Verwandlungen…da machen die was sie wollen. <<, gestand sie, und zeigte auf ein paar Löcher am Ärmel.
>> Das wird schon werden…passiert mir auch noch manchmal. <<, erklärte sie und trank auch von ihrem Kaffee.
>> Aber wir sind nicht die einzigen, die brennen. <<, gluckste Selena und zwinkerte Debbie zu, die daraufhin rote Wangen bekam und die Augen verdrehte.
>> Ah, lass mich raten…Trystan? <<, feixte Mia.
>> Sel bildet sich das nur ein. Sie sieht Gespenster, er hat kein Interesse an mir. <<, machte Debbie deutlich.
Jakes Freund Trystan war eine echt imposante Erscheinung. Debbie fand er war der typische Bad Boy. Das er als Waffenhändler arbeitete und fast immer eine Lederhose in Kombination mit schweren Boots trug ließ ihn noch gefährlicher wirken. Wer ihn sah, fing zu sabbern an bei den Brustmuskeln. Doch was Debbie an ihm besonders interessant fand, war sein Gesicht. Es war so kantig und doch so weich gezeichnet zugleich. Er hatte immer so einen leidenden Gesichtsausdruck, bei dem man ihn sofort in die Arme schließen und trösten wollte.
>> Da bin ich mir nicht sicher…ähm es kam mir auch schon die ganze Zeit so vor. <<, stimmte Mia ihrer Schwester Selena nachdenklich zu.
>> Siehst du…sag ich doch. Er hat dich immer im Blick und heute hat er sogar den anderen abgedrängt, um dich aufzufangen. Deb wirklich…, wenn ich es dir doch sage. Er steht auf dich. <<
>> Das ist doch gar nicht wahr…Trystan hat den anderen vermutlich gar nicht gesehen und ich habe auch gar kein Interesse an ihm, ihr wisst genau warum. <<
Das war nicht ganz die Wahrheit…
Sie hatte sehr wohl Interesse an ihm, aber sie war bereits in einer Beziehung.
>> Echt,…du meinst der Trystan, der blind jemanden erschießen könnte, hat den riesigen Phönix übersehen der in deiner Nähe war? <<
Selena fand das ganze echt zum Brüllen.
Debbie schüttelte den Kopf und schaute hilfesuchend zu Mia.
>> Außerdem sieht er jedes Mal so aus als will er jeden der dir zu nahe kommt auffressen. <<, prustete Selena.
>> Sel…du weißt ich bin vergeben. <<, versuchte Debbie es erneut. Sie musste sich was einfallen lassen, um die Mädels abzulenken. Zu schnell würden sie herausfinden, dass auch sie sich zu Trystan hingezogen fühlte, obwohl sie mit Noah zusammen war.
Sie fühlte sich schon schlecht genug, weil sie Trystan gut fand. Das gehörte sich einfach nicht.
In ihrer Familie wurde allen beigebracht loyal zu sein und das war auch gut so. Noah war ein guter Kerl, aber ihre Beziehung war eingeschlafen.
Sie gab sich unglaublich viel Mühe, aber er schien sie einfach nicht mehr wahrzunehmen. Er setzte sich immer gleich nach der Arbeit auf die Couch und kippte sich ein Bier nach dem anderen hinunter. Er hatte auf nichts Lust. Wollte nie etwas unternehmen und wenn sie sich gemeinsam einen Film anschauen wollten, war er nach ein paar Minuten eingeschlafen. Debbie wurde immer öfter von dem Gedanken getrieben, ob sie schuld an Noahs Bierkonsum war. Auch wenn sie der Meinung war das jeder selbst für sein Leben verantwortlich war, plagten sie diese Gedanken sehr.
>> Debbie…Noah kriegt von der Welt nix mehr mit…Ähm, er ist ja ein lieber Kerl aber wir sehen alle, dass du nicht mehr happy bist. Du bist immer alleine bei uns. Außerdem unternehmt ihr nichts mehr zusammen, oder? Ich weiß, ihr hattet mal viel Spaß und viele Gemeinsamkeiten, aber ich glaube jetzt habt ihr nichts mehr gemeinsam. <<, versuchte Mia sich heranzutasten.
>> Deb ich will ja nicht sagen, dass es wie bei Mia und Bob ist, weil er dich nicht schlägt, aber ich glaube auch, dass es vorbei ist und ihr beide einfach zu bequem seid, es zu beenden. So ist das halt…na ja egal. Du musst wissen, wie du es haben willst, aber wir sind da, wenn du uns brauchst. <<, verkündete Selena großzügig.
Mia hatte Mitleid mit Debbie denn man sah ihr an, wie unangenehm ihr das Gespräch war.
Debbie nickte nur und nahm dann einen Schluck von ihrem Kakao, da sie ihnen nicht in die Augen schauen konnte.
Sie wusste genau, auf was die beiden hinauswollten, aber sie war einfach noch nicht bereit. Insgeheim wünschte sie sich die Zeit zurück, in der sie mit Noah noch glücklich gewesen war.
Da war Leidenschaft gewesen. Wenn sie ihn angesehen hatte, dann hatte sie das Glühen in seinen Augen gesehen. Sie hatten sich in die Arme genommen, wenn es schwierig geworden war. Sie hatten sich die Nächte mit Kartenspielen um die Ohren geschlagen. Hatten nächtelang geplaudert- über Gott und die Welt. Sie waren wie beste Freunde gewesen und doch ließ Noah keine Gelegenheit aus, sie zu schnappen und ihr Küsse zu stehlen.
Debbie hatte keine Ahnung was passiert war, oder wann es passiert war. Sie sehnte sich nach starken Armen, die sie an sich zogen und sie trösteten, wenn sie es brauchte.
Sie wollte wieder diese Geborgenheit und Verbundenheit fühlen.
Sie wollte wieder diese Schmetterlinge im Bauch spüren und das Knistern, wenn man zusammen war.
Ach, sie wusste auch nicht. Eigentlich wäre sie schon zufrieden, wenn er irgendwie Anteil an ihrem Leben nehmen würde, oder an irgendwas außer seinem Spiel und dem Bier.
Sie wollte jetzt auch einfach nicht mehr über das Thema reden, deshalb lenkte sie das Gespräch auf Marc und Jake.
Mia und Selena ließen es auf sich beruhen, da sie merkten wie sehr Debbie das Thema mitnahm. Sie lachten darüber, dass Jake noch immer nicht mit dem Kater klarkam und waren begeistert darüber wie gut sich Marc mit Jake verstand. Er hatte ihn gleich als seinen Vater akzeptiert, obwohl er ihn noch gar nicht lange kannte. Niemand hatte das verlangt, es war einfach geschehen. Man sah Mia an, wie glücklich sie war, und niemand hatte das mehr verdient als sie, fand Debbie.
Am Ende des lustigen Abends, brachte Mia die beiden mit dem Wagen nach Hause.
Als Debbie in ihrer Wohnung ankam, lag Noah wie gewöhnlich auf der Couch. Der Fernseher war zwar eingeschaltet, aber Noah bekam nichts mehr davon mit, denn er schlief bereits tief und fest. Vor sich auf dem kleinen Tisch, stand eine halbvolle Dose Bier. Debbie seufzte.
>> Hallo Schatz, bin wieder da. <<, versuchte sie es. Auf der Couch rührte sich Noah kurz, aber er öffnete nicht einmal die Augen. Er brummte nur etwas Unverständliches und drehte sich auf die andere Seite, bevor er weiterschlief. Debbie hatte auch nichts anderes erwartet, obwohl sie gehofft hatte, es würde diesmal anders sein.
Sie stellte ihre Tasche ab und zog sich ihre Schuhe aus. Sie räumte sie in den Schrank und auch die von Noah, verstaute sie gleich. Da sie ohnehin ins Bad wollte, nahm sie gleich alle Klamotten mit, die Noah fallen gelassen hatte, und gab sie in die Wäschetonne. Auf der einen Seite war es ja gut, dass Noah schon schlief, denn so sah er ihre Brandlöcher nicht.
Es war gar nicht schwierig, ihre Phönixseite vor ihm zu verbergen. Meist war er nicht mehr wach, oder betrunken, wenn sie nach Hause kam.
Oder er war einfach von seinem Computerspiel so abgelenkt, das er es gar nicht bemerkte. Sie entledigte sich ihrer Kleidung und stellte sich unter die Dusche.
Der Wasserstrahl prasselte ihr auf den Rücken, und das warme Wasser ran ihren Körper nach unten. Ihre Anspannung floss mit dem Wasser durch den Abfluss von ihr weg. Der Tag war schön gewesen, aber auch sehr anstrengend und nun freute sie sich auf ihr kuscheliges Bett. Erst war sie arbeiten und dann auch noch die Flugstunde, die sehr an den Kräften zehrte. Sie liebte die Zeit in der Luft. Es war als wäre man schwerelos. Alles von oben zu sehen war wirklich wunderschön. Man fühlte sich verloren und überlegen zugleich, wenn man all die schöne Natur und das flinke Treiben unter sich sah.
Sie wusch sich die Haare und schrubbte ihren Körper. Als sie schließlich wieder aus der Dusche stieg fühlte sie sich etwas erfrischt und entspannt. Sie befüllte noch die Waschmaschine und putzte sich die Zähne, ehe sie noch ihre Haare mit einem Kamm bändigte. Ihre rote lange Mähne hatte die Vorliebe sich ordentlich zu verknoten. In Top und Short ging sie schließlich wieder ins Wohnzimmer und versuchte Noah wach zu bekommen. Er musste unbedingt ins Bett gehen, denn wenn er auf der Couch liegen bleiben würde, müsste er morgen wieder viele Schmerztabletten nehmen, um seine Nackenschmerzen zu beseitigen.
>> Noah…Noah. <<, versuchte sie es immer wieder.
>> Noah du musst ins Bett gehen. <<, es war so ermüdend. Immer wieder das gleiche Spiel. Natürlich rührte er sich nicht. Sie rüttelte an ihm, aber auch das half nichts.
>> Noah!! <<, immer energischer versuchte sie es. Es dauerte über eine Viertelstunde, bis sie es geschafft hatte, ihn so wach zu bekommen, dass er sich von dem Polstermöbel erhob.
Sie leitete ihn noch zur Toilette und ging dann zurück, um das restliche Bier und seinen Teller abzuräumen. Sie sehnte sich nach seiner Zuneigung, aber nicht einmal am Wochenende, nahm er von Debbie Notiz. Wie war es nur so weit gekommen. Debbie wurde nicht mal gefragt, wo sie hin ging oder was sie machte, es interessierte ihn schlichtweg nicht. Sie konnte sich einfach verabschieden und gehen und er fragte nie nach. Als wären sie einfach nur zwei Leute, die sich die Wohnung teilten und kein Paar. Andere würden sich vermutlich darüber freuen, wenn sie keine Rechenschaft ablegen mussten. Bei Debbie war es genau umgekehrt. Sie würde sich freuen, wenn er ein bisschen eifersüchtig wäre und einmal Anteil an dem nahm, was sie machte. Im Vorraum rumpelte es und dann hörte sie wie Noah fluchte. Sie trat einen Schritt zur Seite, um zu sehen, was da passiert war, aber sie sah nur mehr wie Noah weiterhumpelte.
>> Alles okay? Hast du dir weh getan? <<, versuchte Debbie es wieder, bestimmt hatte er sich den Fuß angestoßen. Wieder kam keine Antwort. Debbie war zu müde, um sich Gedanken darüber zu machen.
Sie drehte noch eine Runde durch die Wohnung und sperrte die Tür ab.
Hier und da räumte sie noch was weg und machte sich dann auf den Weg ins Schlafzimmer. Sie knipste die Lichter aus und half Noah ganz ins Bett, da seine Füße noch den Boden berührten.
Sie hob sie ins Bett und deckte ihn zu, bevor sie selbst unter ihre Decke schlüpfte. Sie drehte sich auf die Seite und schloss ihre Augen. Es dauerte nicht lange und sie schlug die Augen wieder auf. Noah lag ihr mit dem Gesicht zugewandt gegenüber, und hauchte Debbie seinen Bier- Atem voll ins Gesicht. Mittlerweile hasste Sie den Geruch. Sie hasste Bier. Debbie drehte sich auf die andere Seite und eine einzelne Träne ran ihr über die Wange, bevor sie sich wieder fassen konnte.
Es hatte doch keinen Sinn deswegen traurig zu sein…
Sie versuchte an etwas anderes zu denken, und schloss erneut die Augen. Gleich darauf fing Noah zu schnarchen an. Debbie seufzte, jetzt würde sie ewig brauchen, um einschlafen zu können, und dabei musste sie morgen zur Arbeit. Am liebsten würde sie Noah wecken, damit das Schnarchen endete, aber auch Noah musste morgen wieder arbeiten und dann wäre er bestimmt nicht ausgeschlafen. Sie musste einfach die Zähne zusammenbeißen. Sie presste die Augen zusammen. Vielleicht hatten Sel und Mia recht und es wäre besser sich von Noah zu trennen.
Wenn sie ehrlich war, hatten sie nichts mehr gemeinsam.
Sie lebten eigentlich nur mehr nebeneinanderher. Entweder zockte er mit anderen übers Internet, oder er trank Bier und schlief vor dem Bildschirm. Debbie hingegen wollte etwas erleben. Sie wollte in die Natur. Sie wollte ins Kino oder spazieren gehen. Vielleicht auch mal baden oder im Winter eislaufen.
Sie wollte ein romantisches Dinner mit ihm, in einem Restaurant oder abends ausgehen zum Tanzen. Einfach nur gemütlich auf der Couch ein Brettspiel spielen und die Zweisamkeit genießen. Mehr wollte sie nicht.
Seit kurzem war natürlich auch fliegen ihr Favorit, dass konnte sie aber nicht mit Noah teilen, denn der durfte davon nichts wissen. Das war noch so ein Thema, denn Noah durfte davon niemals erfahren. Sie hatte gedacht, dass es schwierig werden würde, das zu verheimlichen. Vor allem, die Brandflecken auf ihrer Kleidung, sollten Fragen aufwerfen, aber Noah hatte noch nie etwas bemerkt. Einerseits war sie erleichtert, aber andererseits, fragte sie sich, wie es denn so sein konnte, dass man nichts mehr von seinem Partner mitbekam. Und dann war da ja auch noch Trystan. Er ließ ihr Herz schneller schlagen, einfach nur wenn er in Erscheinung trat. Ihr waren die heißen Blicke aufgefallen, die er ihr zuwarf, auch wenn sie das ihren Schwestern gegenüber abstritt, hatte sie genau bemerkt, dass er Gefallen an ihr fand.
Es war, als würde er sie mit jedem Blick verschlingen. Sie versuchte seinen Blicken auszuweichen, denn jedes Mal wurden ihre Wangen rot und ihr Puls schnellte nach oben. Sie kam sich so schäbig vor.
Es war wie Verrat an Noah, obwohl sie doch nichts tat.
Für ihre Gedanken und Gefühle konnte sie schließlich nichts. Trotzdem fühlte es sich an, als würde sie Noah betrügen. Sie versuchte, sich so gut es ging von Trystan fernzuhalten, ohne dass es den anderen auffiel. Manchmal war das ganz schön schwierig. Ihre Schwestern waren der Beweis, dass es ihr nicht gelungen war.
Wenn Selena und Garet bei den Übungsstunden dabei waren, stellte sie sich immer wie zufällig neben einen anderen Phönix, der dann für sie zuständig war. Leider schien Trystan das nicht abzuhalten, und er flog mit seinem zugeteilten Schützling immer in ihrer Nähe. Das machte Debbie oftmals sehr nervös, und sie musste sich zusätzlich konzentrieren. Sie war immer sehr erleichtert, wenn er nicht an den Stunden teilnahm, weil sie dann jedes Mal gute Fortschritte machte. Bestimmt würde das ihren Schwestern auch bald auffallen, oder vielleicht hatten sie es auch schon bemerkt.
Debbie gähnte herzhaft und versuchte erneut einzuschlafen. Ihre Gedanken drehten sich weiter im Kreis und sie war einfach zu aufgewühlt. Umständlich krabbelte sie aus dem Bett, um Noah nicht zu wecken, und machte es sich mit ihrer Decke, vor dem Fernseher bequem. Sie schaltete eine Dokumentation ein und die angenehm monotone Stimme ließ sie ziemlich schnell einschlummern.
Die Arbeitswoche war sehr schnell vergangen. Debbie war heute mit ihrer Familie verabredet. Noah sollte eigentlich auch mitkommen, aber obwohl er zugesagt hatte, lag er nun wieder auf der Couch und sah Debbie an, als hätte er noch nie davon gehört.
>> Noah, du hast doch versprochen, dass du mitkommst…das wird bestimmt lustig…na komm schon… <<, bettelte Debbie.
Noah sah Debbie nur kurz an, und nahm dann einen großen Schluck aus seiner Dose, bevor er wieder zum Bildschirm sah.
Na toll, …
Debbie wollte sich die Freude an dem Ausflug einfach nicht nehmen lassen. Sie liebte Tiere, und ihre Familie wollte gemeinsam einen Tierpark besuchen. Da Noah sich ohnehin nicht überreden ließ, verabschiedete sie sich von ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Noah ließ ein leises Brummen hören. Sie schnappte sich ihren kleinen Rucksack und überprüfte noch einmal ihr Aussehen im Spiegel. Debbie drehte sich noch ein letztes Mal zu Noah um, aber es kam keine Reaktion mehr.
Er wollte nicht einmal wissen, wann sie denn wieder da sein würde. Debbie hatte wirklich verzweifelt versucht, ihn irgendwie aus dem Haus zu bekommen. Sie hatte sich zu ihm gesetzt, um mit ihm zu zocken, aber sie war ihm gleichgültig wie immer geblieben. Wenn sie es nicht besser wüsste, würde sie vermuten, dass er eine Affäre hatte, aber er war immer zu Hause, also konnte sie das Ausschließen. Seine Affäre war der Bildschirm.
Etwas enttäuscht griff sie nach der Tür und ging nach draußen. Sie sperrte ab und hüpfte in ihren Wagen. Eigentlich wäre sie lieber geflogen, aber das sollte sie alleine noch nicht, und außerdem würde es Fragen aufwerfen, wie sie denn zu ihren Eltern gekommen wäre, da sich alle dort trafen. Sie startete den Wagen und stellte den Radio an. Noch bevor das zweite Lied zu Ende war, traf sie bei ihren Eltern ein. Voller Vorfreude hüpfte sie aus dem Auto, bevor sie abrupt stehen blieb. Mitten in der Gruppe stand Trystan. Sofort erfasste sein intensiver Blick sie. Er schien nur sie zu sehen. Ihr Herz klopfte sofort so wild, als wollte es ihr aus der Brust springen und ihre Hände wurden ganz zittrig. In ihrem verräterischen Bauch flatterten bestimmt eine Million Schmetterlinge. Wenn sie ihn betrachtete in seiner Lederhose und den schweren Boots in Kombination mit dem Hemd, welches er trug, wurde ihr ganz heiß.
Wieso nur?
Sie wusste warum, aber musste ihr Körper sich immer so gegen ihren Kopf wehren?
Da sie so abrupt stehen geblieben war, wandten sich ihr die Blicke der anderen zu, und Debbie ging schnell weiter.
Verdammt, was machte er denn hier?
Das würde ein sehr, sehr langer Tag werden, wenn sie ihn meiden wollte. Aber ein Tierpark war ja schließlich ein weitläufiges Gelände. Vielleicht hatte sie Glück, und sie würde ihn nicht allzu oft zu Gesicht bekommen.
>> Hallo ihr alle. <<
>> Hallo. <<
>> Hi. <<, kam es von überall. Doch die kratzige, tiefe Stimme von Trystan stach natürlich heraus, und jagte Debbie prickelnde Schauer über die Haut. Sie versuchte es zu ignorieren, so gut es eben ging, aber sie spürte, wie sich sein Blick in ihren Rücken bohrte.
Um sich abzulenken, sah Debbie sich um, und stellte fest, dass niemand einen Rucksack oder eine Tasche dabei hatte.
>> Nimmt von euch niemand einen Rucksack mit? <<
>> Doch, die warten da vorne, wir haben schon vermutet, dass du ohne Noah kommst, und da haben wir entschieden, dass wir auch fliegen können. Mama und Papa fahren mit dem Auto wegen Marc, damit Mia auch mitfliegen kann. Sie nehmen die ganzen Taschen mit. <<, zwinkerte ihr Bruder Garet.
Sie ging direkt auf das Auto zu, und ließ ihren Rucksack in den Kofferraum fallen.
Tja, das Noah nicht dabei sein würde, war ja auch nicht schwer zu erraten gewesen.
Sie freute sich auf das Fliegen, auch wenn es anstrengend werden würde. Es waren alle da. Garet, Selena, Mia, Jake, ihre Eltern und außerdem schienen auch Lennox, Aaron und Trystan mitzukommen.
Ihre Schwester Mia verabschiedete sich von ihrem Sohn Marc und winkte, als ihre Eltern mit ihm davonfuhren.
Während Garet das Haus und die Garage schloss und absperrte, holte Debbie ihre Schwestern auf die Seite.
>> Gebt es zu. Dass Trystan mit uns mitkommt, habt doch ihr eingefädelt. <<, warf sie Mia und Selena vor. Die beiden sahen sich komplett unschuldig an.
>> Ehrlich? Das denkst du von uns? Also ich bin echt meeeeega enttäuscht von dir. <<, gab Selena übertrieben entsetzt zurück und tat, als würde sie sich nach einem Schuldigen umsehen.
>> Na toll, was habt ihr euch dabei gedacht? Das ist nicht lustig. <<
>> Also da sind wir anderer Meinung. <<, kicherte Mia.
>> Außerdem machst du dir ja angeblich nichts aus Trystan.
Und du bist ja der Meinung, dass er kein Interesse an dir hat, da sollte das ja kein Problem sein, wenn Jakes Freunde mitkommen. <<, gluckste auch Selena.
Debbie verdrehte die Augen. Na toll, das hatten sie aber gut eingefädelt. Schuld war ganz allein sie selbst, schließlich hatte sie es ja abgestritten.
>> Haha, echt lustig. <<, warf Debbie beleidigt ein.
>> Ach Debbie, da ist doch nichts dabei. <<
Sie konnte ihren Schwestern nicht böse sein. Schließlich konnten die beiden doch nichts dafür.
>> So alle bereit? Dann geht’s jetzt los, hopp, hopp, sonst sind die mit dem Auto noch schneller als wir. <<, lachte Garet.
Da nicht genug Platzt war, verwandelten sie sich nacheinander und erhoben sich in den wolkenlosen Himmel. Die Verwandlung faszinierte Debbie am meisten. Es war unglaublich, wenn ein Mensch zum Phönix wurde. Es war schon ein ganz besonderes Schauspiel. Die ersten riesigen Vögel kreisten über dem Elternhaus und es wurden immer mehr. Die riesigen Schwingen brachten die Luft in Wallung. Rund um Debbie flatterten Blätter, und die Sträucher neben dem Haus wiegten sich in den Luftverwirbelungen. Debbie blickte nach oben und sah sich das wunderschöne Gefieder an. Jake und Mia drehten sich umeinander und sahen aus wie ein bunter Wirbelsturm. Die beiden waren als Phönixe sehr verspielt.
Debbie konnte auch noch immer nicht fassen, dass Menschen sie nicht sehen konnten, wenn sie verwandelt waren. Sie wurden nur von anderen magischen Wesen gesehen.
Sie würde es nie zugeben, aber Trystans sehr dunkle Flügel, gefielen ihr sehr gut. Das tiefe Dunkelblau, zog sich bis in ein Schwarz das intensiver war als die Nacht. Doch im Sonnenschein schien es, als würde es schillern wie Metalliclack.
Als sich sein großer Phönixkopf in ihre Richtung drehte, fühlte sie sich ertappt, sah zur Seite und bemerkte, dass sie die Letzte war. Schnell konzentrierte sie sich und spürte das Prickeln in ihrem Körper. Gleich darauf erhob sie sich in die Luft. Mittlerweile konnte sie sich sehr schnell verwandeln. Sie hoffte nur dass sie beim Zurückverwandeln, nicht wieder ihre Kleidung ruinieren würde. Sie schraubte sich sehr gewagt steil nach oben. Ihre Muskeln kamen schnell an ihre Grenzen und sie nahm sich zurück.
Lennox flog gleich voraus, und alle folgten ihm. Er gab ein tolles Bild ab mit seinen violetten und schwarzen Federn. Aber sie waren kein Vergleich zu Trystans. Mal wirbelten alle durcheinander, und dann schwebten sie wieder nebeneinander. Eigentlich war es schade für die Menschen, dass sie das Schauspiel nicht sehen konnten. Sie versäumten wirklich Unglaubliches. Die Sonne wärmte Debbies Gefieder, und sie war heilfroh, rote Federn zu haben. Das dunkle Gefieder heizte sich an so einem schönen Tag bestimmt sehr auf. Bei der richtigen Gelegenheit musste sie Jake einmal Fragen, wie das so war.
Unter ihnen waren Äcker, Wälder und Bäche zu sehen. Es wirkte, als würde man ein Foto sehen, das so sehr vergrößert war, dass man die Pixel sehen konnte. Häuser und Menschen wirkten wie Spielzeug. Alles bewegte sich wie in einem Ameisenhaufen. Es war unglaublich. Fliegen war unwahrscheinlich toll.
Debbie hatte gedacht, es wäre furchtbar anstrengend, die riesigen Schwingen immer auf und ab zu bewegen, aber es fiel ihr immer leichter. Natürlich strengte es sie auch an, aber nur, weil sie noch nicht viel Übung hatte. Sie spürte ihre Muskeln. Zwischendurch glaubte sie, um Hilfe bitten zu müssen, aber dann trug sie ein Luftstrom weiter und ihr Körper entspannte sich wieder.
So musste sich Schwerelosigkeit anfühlen. Debbie glitt durch die Lüfte. Sie blickte seitlich auf ihr knallrotes Gefieder. Sie konnte es noch immer nicht glauben, dass sie ein Phönix war. Das war so unglaublich. Sie fand ihr Federkleid einfach wundervoll. Glücksgefühle durchfluteten sie und sie wurde übermütig. Sie schraubte sich höher und immer höher. Mia und Selena schlossen sich ihr an. Natürlich kam auch Trystan gleich hinterher. Sie waren so hoch, dass die Häuser nur mehr Punkte darstellten, und Menschen gar nicht mehr zu sehen waren.
>> Schrauben wir uns gemeinsam runter, auf drei? <<, wollte Mia wissen.
Es war für Debbie noch immer nicht zu fassen, dass sie mit den anderen reden konnte, obwohl sie als Phönixe in der Luft waren.
Sie hatten anfangs gedacht, das ginge nur bei Gefährten.
Jake hatte ihnen erklärt, dass auch Familienmitglieder oder Freunde miteinander in ihren Gedanken kommunizieren konnten.
>> Klar doch. <<, erwiderte Debbie.
>> Eins, Zwei, Drei. <<, kicherte Selena, und schraubte sich in einem Höllentempo nach unten, in die Richtung, in die alle anderen weitergeflogen waren.
Debbie hörte das Lachen von Mia in ihren Kopf, ehe auch sie sich fallen ließ. Debbie folgte ihnen sofort. Sie fühlte sich frei und unbekümmert, obwohl Trystan wie ein Babysitter, immer an ihren Fersen hing. Wie ein Kreisel trudelte sie nach unten und genoss das Kitzeln in ihrem Bauch. Viel zu schnell hatten sie die anderen wieder erreicht, und schlossen sich ihnen wieder an. Die Wipfel der Bäume bogen sich in die Richtung, in die sie sich bewegten, da sie von ihrem Sog mitgerissen wurden.
Debbie bewunderte die Wiesen und Seen. In einiger Entfernung fiel ihr ein Pferd ins Auge, das in einem halsbrecherischen Tempo in die gleiche Richtung galoppierte wie sie. Es machte fast den Eindruck als nähme es die gleiche Route.
Oder es spürte die Anwesenheit der Phönixe und wollte fliehen. Es war ein wunderschönes, schneeweißes Tier. Debbie fand Pferde einfach unglaublich. Sie bewegten sich so grazil, so elegant und majestätisch. Das weiße Tier hob den Kopf, als würde es sie sehen.
Es stieg mit den Vorderhufen auf und wieherte, bevor es wieder weiter galoppierte.
Vielleicht konnten Tiere sie ja sehen, aber Debbie vermutete eher, dass sie instinktiv fühlten, dass sie da waren.
Aber da das Pferd direkt in ihre Richtung gesehen hatte, konnte es sie vielleicht doch wahrnehmen. Das Pferd war so weiß, dass es schien, als würde es strahlen. Als würde es von innen heraus beleuchtet.
>> Seht ihr das weiße Pferd auch? Bilde ich mir das nur ein, oder sieht es so aus, als würde es leuchten? Einfach unglaublich, oder? << wollte Debbie begeistert wissen.
>> Sieh genauer hin Deb. <<, kicherte Mia.
>> Was meinst du? <<
>> Sieh ganz genau hin. <<
Debbie wandte sich wieder dem Pferd zu, und konzentrierte sich auf das, was sie nicht zu sehen schien. Was meinte denn Mia bloß? Sie kniff die Augen zusammen. Das Leuchten schien intensiver zu werden und sich auszubreiten. Da traf es sie wie ein Schlag ins Gesicht.
Ein Horn.
Das Pferd hatte ein Horn mitten auf der Stirn.
Einfach unglaublich.
War das zu glauben?
Sie musste halluzinieren, das konnte einfach nicht sein. Das konnte doch nicht wirklich ein Einhorn sein. So etwas gab es einfach nicht. Einhörner waren Fabelwesen. Es gab sie in der Wirklichkeit nicht. Sie existierten nur in Büchern und Filmen.
Auf keinen Fall konnte das sein…
Plötzlich musste sie lachen. Phönixe waren auch Fabelwesen, die gab es eigentlich auch nicht. Debbie hatte erst kürzlich mit ihren Schwestern darüber geplaudert. Sie hatten überlegt, welche Wesen aus der Phantasiewelt es wohl noch geben mochte.
Ihre Schwester Mia hatte eine Menge Fantasybücher verschlungen, die viele verschiedene Wesen beinhalteten. Mindestens zwei Drittel davon, wollte Debbie nicht kennenlernen. Abgesehen davon, dass diese außergewöhnlichen Wesen, vermutlich nirgends richtig beschrieben waren. Der beste Beweis war, dass es auch hieß, Phönixe würden nach dem Verbrennen aus einem Ei schlüpfen, und doch war Jake so zurückgekehrt, wie er schon vorher gewesen war.
>> Ein Einhorn, das gibt’s doch nicht, ein echtes, wirkliches Einhorn! <<, flüsterte Debbie ehrfürchtig, in den Köpfen ihrer Schwestern.
>> Jup, gut beobachtet. <<, kicherte Mia.
>> Was? Ein Einhorn? Wo? Verdammte Scheiße wie gibt es denn sowas? <<, wollte Selena wissen.
>> Sieh nach unten, das weiße Pferd. <<, lachte jetzt auch Debbie.
>> Sie kommt auch zum Tierpark, sie ist eine Freundin von Jake, Trystan und den anderen, außerdem ist sie auch Polizistin. <<, ließ Mia sie stolz wissen.
>> Wir werden sie kennenlernen? <<, die Überraschung war deutlich in Debbies Stimme zu hören.
>> Jup, sie ist cool. Jake hat sie mir gestern vorgestellt. Sie ist total nett. <<
>> Super, also da bin ich wirklich neugierig. <<
Durch die Ablenkung hatten sie gar nicht bemerkt, wie weit sie inzwischen schon gekommen waren. Der Zoo war bereits in Sichtweite.
Die Tiere spürten die Anwesenheit der großen Raubvögel und reagierten nervös, auf die unbekannte Gefahr. Einige versteckten sich in ihren Bauten oder Höhlen, andere wie die Löwen oder Tiger, liefen unnatürlich rastlos an den Gittern hin und her und brüllten. Pferde und Zebras galoppierten in Gruppen durch ihre Gehege.
>> Zeit zu landen, bevor die Tiere anfangen durchzudrehen. <<, verlautbarte Lennox.
Sofort ließen sich alle sinken. Die Gruppe landete auf einer großen Wiese, in der Nähe des Parks. Sie würden den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen.
Während sich alle zurückverwandelten, kam auch das Einhorn auf die Wiese, und in einem weißen Funkenregen verwandelte es sich in seine menschliche Gestalt. Debbie war beeindruckt. Das Einhorn war eine wunderschöne Frau. Debbie fand sie atemberaubend.
Sie hatte schneeweißes Haar und eine ziemlich heiße Figur. Das waren bestimmt die schmalsten Hüften die Debbie je gesehen hatte.
Sie war als Mensch genauso beeindruckend, wie in ihrer mystischen Gestalt. Sie stellte sich den anderen vor. Sie hieß Kaja. Ihr Name bedeutete anscheinend „Lebendig, die Reine und Licht“. Also das passte wirklich perfekt, fand Debbie. Sie wirkte zerbrechlich und unglaublich stark zugleich. Ihre Bewegungen waren so graziös.
Sie fuhr sich mit ihren zarten Fingern durch ihr schneeweißes Haar, um sie sich aus dem Gesicht zu streichen. Bei jedem anderen hätte es überheblich gewirkt. Aber nicht so bei Kaja, bei ihr wirkte jede Bewegung so elegant und natürlich.
>> Garet läuft der Sabber aus dem Mund. <<, lachte Selena. Debbie sah zu ihrem Bruder und musste ebenfalls grinsen. Garet stand mit offenem Mund da, und glotzte Kaja mit großen Augen an.
In seiner Bewegung einfach erstarrt, als hätte jemand auf den Pausenknopf gedrückt, rührte er sich nicht einen Millimeter.
Er schien nicht zu merken, dass alle ihn schon belächelten.
>> Klappe zu, es zieht. <<, lächelte Kaja ihn an, ohne es böse zu meinen und zwinkerte ihm zu. Erst da schien Garet zu merken, dass ihn auch die anderen bereits alle beobachteten. Er fuhr sich verlegen durch die Haare und drehte sich in Richtung Zoo um.
>> Die Show ist vorbei. <<, murmelte er und eilte los.
Kichernd folgten ihm die anderen auf dem Weg zum Eingang, wo sie auf Marc und seine Großeltern warten wollten.
Als alle am Eingang des Tierparks angekommen waren, hatte Garet bereits die Eintrittskarten gekauft. Er verteilte sie, und da stießen auch schon Marc und Debbies Eltern zu ihnen. Ihr Vater hatte alle Taschen und Rucksäcke aus dem Auto mitgebracht. Jeder schnappte sich sein Teil, und sie marschierten durch die gepflegte Parkanlage in Richtung Zoo. Wunderschöne Sträucher und Blumen waren kunstvoll nebeneinandergesetzt und bildeten Schnörkel oder kleine Labyrinthe. Die Sonnenstrahlen reflektierten sich in kleinen Springbrunnen wieder. Wunderschöne Farbreflektionen bildeten sich dadurch, und wurden zum optimalen Motiv für Selfies.
Auf der linken Seite des Weges, führte ein kleiner Weg, zu dem etwas abseitsstehenden Palmenhaus. Ein riesiges Glasgebäude, in dem gigantische Palmen und wunderschöne zarte Pflanzen wuchsen. Auch Vögel und kleine Echsen tummelten sich darin.
Auf der rechten Seite des Weges war ein Wüstenhaus zu sehen. Darin konnte man jede Menge Kakteen und kleine Eidechsen bewundern.
Danach machte der Weg noch eine leichte Biegung und man sah den Eingang in den Tierpark.
Sie gingen einer nach den anderen durch das Drehkreuz, und konnten schon die ersten Tiere sehen.
>> Mama, Mama, da sind Löwen! <<, schrie der kleine Marc, und hüpfte wie ein Gummiball auf und ab. Mia wollte ihn an die Hand nehmen, um ihn nicht zu verlieren, doch Jake schnappte ihn sich, und setzte ihn einfach auf seine Schultern.
>> Juhu, ich bin der Größte! <<, jubelte der Kleine wieder.
Sie alle schlenderten in kleinen Gruppen von Gehege zu Gehege und sahen sich die Tiere an. Debbie hängte sich an Selena, sie gingen zu den Zebras und Nashörnern und schauten den Eisbären beim Schwimmen zu. Es war ein toller Tag für den Zoo. Die Sonne schien und ein laues Lüftchen wehte. Große Bäume zwischen den einzelnen Gehegen sorgten für Schatten. Jeder machte Fotos mit dem Handy, um viele Erinnerungen zu haben. Die Anlage war wirklich atemberaubend schön.
