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Mitreißende Gefühle, spannende Action, mystische Wesen und prickelnde Erotik ziehen den Leser in den Bann.
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Seitenzahl: 215
Veröffentlichungsjahr: 2022
MICHAELA WEBER
© 2022 Michaela Weber
Buchsatz von tredition, erstellt mit dem tredition Designer
ISBN Softcover: 978-3-347-53211-3
ISBN Hardcover: 978-3-347-53275-5
ISBN E-Book: 978-3-347-53276-2
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.
Michaela Weber
Magie der Asche 3
WEISSE GLUT
Für
meine Eltern
Hermelinde und Viktor,
die immer hinter ihren Kindern, Schwiegerkindern und Enkeln stehen. Ihr seid einfach großartig!
In deiner Seele klarem Leben
In deiner Seele klarem Leben da ruht mein wahres Glück allein, die Ferne kann mir Freude geben, mit dir nur kann ich selig sein.
In deines Geistes raschen Flügen trägt leicht das schwere Leben sichdas andre kann mir wohl genügendu nur allein befriedigst mich!
Aus deiner Liebe tiefen Quellen Strömt eine Kraft, die mich erhebt, auf deren lichtumsäumten Wellen mein Lebensschiff vorüberschwebt! Adele Schopenhauer, 1823
1
Garet saß auf einer weichen Matte und fuhr sich mit der Hand durch seine blonden Haare. Seine kurzen Stoppeln waren total verschwitzt. Er zog seinen Ärmel über die Stirn und verhinderte so, dass ihm die salzige Flüssigkeit in seine blauen Augen lief. Er warf einen kurzen Blick auf den vor ihm stehenden Trystan, der ihn angrinste und ihm seine Hand entgegenstreckte. Er verdrehte die Augen und ließ sich nach hinten auf den weichen Untergrund sinken.
Oh Mann, er war völlig aus der Puste.
Aber das intensive Training mit den Jungs zahlte sich wirklich aus. Er hatte, nach allem, was seinen Schwestern zugestoßen war, beschlossen, auch zur Polizei zu gehen und Jake, Trystan und die anderen tatkräftig zu unterstützen.
Außerdem hatte er es satt, dass Kaja ihn nicht für voll nahm.
Und er wollte so viel Selbstbewusstsein erlangen, dass er mit Kaja, ohne zu stottern, reden konnte.
Zumindest hatte er sich schon ein paar Mal mit ihr unterhalten.
>> Na komm schon…los geht’s, auf in die nächste Runde! <<, holte Trystan ihn aus seinen Überlegungen.
Garet verdrehte die Augen und raffte sich wieder auf. Er war schon richtig gut und die Jungs hielten sich nicht mehr zurück. Er hatte bereits mit Schusswaffen trainiert und auch mit Messern. Sogar als Phönix in der Luft hatten sie mit ihm Kampfübungen gemacht. Nahkampf stand auch täglich am Programm und so wie sich alles entwickelte, würde er es bald geschafft haben. Theorie musste er noch üben, aber im Großen und Ganzen hatte er bereits alles im Kopf.
Heute Abend wollte seine Schwester Selena nochmals alles mit ihm durchgehen.
Während Selena ihm half, waren seine anderen beiden Schwestern Mia und Debbie noch hin und her gerissen. Sie waren unheimlich stolz auf ihn, aber sie machten sich auch große Sorgen.
Trystans Hand tauchte abermals vor Garets Gesicht auf und er griff danach. Bereitwillig ließ er sich von seinem Freund hochziehen. Er stand den anderen eigentlich in nichts mehr nach.
Er lernte schnell, sehr schnell. Garet musste bloß noch an seiner Schnelligkeit arbeiten.
Es fehlte ihm an Routine.
Lennox meinte, dass er zu viel darüber nachdachte, was er tat und wenn Garet so darüber nachgrübelte, hatte Lennox damit auf jeden Fall Recht.
Immer wieder überlegte er, welcher Schlag oder welcher Tritt wohl am effizientesten wäre, bevor er handelte.
Und genau da lag das Problem. Bis er wusste, was er anwenden wollte, lag er bereits auf der Matte und in der Trainingshalle hörte man den Aufprall nachhallen.
>> Bereit? <<, wollte Trystan von ihm wissen.
>> Klar! <<, grinste Garet und schnappte sich seine Kappe von der Matte. Er ließ Trystan nicht aus den Augen, als er sie sich wieder auf den Kopf setzte. Das war die erste Lektion, die er gelernt hatte.
Auch wenn es sehr anstrengend war, machte es richtig Spaß. Ein anderer Nebeneffekt, der Garet gefiel, waren die Muskeln, die sich nun unter seinem Shirt abzeichneten.
Er war sich eigentlich immer wie ein Junge vorgekommen, doch jetzt fühlte er sich wie ein richtiger Mann.
Er fühlte sich stark und unbesiegbar.
Nicht zuletzt auch wegen der Gabe, sich in einen Phönix verwandeln zu können, aber hauptsächlich, weil er die Waffen und Kampfkünste gut beherrschte.
Trystan brachte sich in Stellung und Garet machte sich bereit. Trystan teilte den ersten Schlag aus und Garet konterte.
Sie blieben sich nichts schuldig und nach einer Weile standen sie sich grinsend gegenüber und wischten sich den Schweiß mit einem Handtuch ab.
An der Seite standen Lennox und Connor und beobachteten das Spektakel. Immer wieder unterhielten sie sich leise. Garet wusste, dass sie über ihn redeten.
Er war deswegen nicht böse. Sie berieten sich, ob er schon bereit sei, um bei den Einsätzen dabei zu sein. Die Truppe konnte Verstärkung wirklich sehr gut gebrauchen. Sie waren dauerhaft unterbesetzt. Klar gab es auch die menschlichen Polizisten, aber diese riefen nur zu gern die Spezialeinheit zur Hilfe.
Die Menschen wussten nichts über die Phönixseite der Jungs. Sie wussten nur, dass Lennox mit seiner Truppe nahezu jeden Einsatz löste und das fast ohne Verletzungen.
Bestimmt ahnten sie, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, aber da es ihnen nützte und sie sich dadurch nicht selber in Gefahr begeben mussten, war es ihnen wohl egal.
Niemand stellte Fragen. Selbst die eigenartigsten Berichte wurden von den menschlichen Kollegen wortlos hingenommen.
Trystan und er warfen ihre Handtücher zur Seite und legten wieder los. Es rasselte Schläge und Tritte und abwechselnd wurde ausgeteilt und gekontert.
Garet ächzte bei einem Treffer von Trystan und griff nach der Stelle, an der er getroffen worden war.
>> Böser Fehler. <<, grummelte Trystan und verpasste Garet eine auf der anderen Seite.
Garet stöhnte und knurrte zur gleichen Zeit. Er sprang einen Schritt zurück und hob seine Hände zur Verteidigung.
Das Quietschen des Eingangs war zu hören und automatisch blickte er auf die sich öffnende Tür.
Scheiße…
Gerade spazierte Kaja durch die Tür. Sein Blick blieb an der zarten Gestalt hängen. Wieso trug sie denn bloß immer diese Hüfthosen und die kurzen Tops, die ihren verführerischen Bauch frei ließen? Sie hatte ja eindeutig den Körper dafür, aber es machte ihn einfach verrückt. Genau wie ihr Gang.
Sie schwang die Hüften wie keine andere. Er starrte sie an, während sie sich zu den Jungs an die Mauer gesellte.
Mit ihrer schmalen Hand strich sie sich die weißen Haare aus dem Gesicht und wandte sich dann Garet und Trystan zu. Garet war wie immer gefesselt von ihr. Er konnte seine Augen nicht von ihr lösen, bis sein Kopf einfach zur Seite geschleudert wurde.
Prompt reagierte er und drehte sich mit dem Schwung mit. Er riss seine Arme hoch und brachte Trystan durch die Wucht zu Fall.
An der Wand wurde geklatscht.
>> Jetzt hat er es! <<, grinste Lennox begeistert und nickte Garet zu. Garet streckte stolz seine Brust heraus und konnte sich ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen.
>> Super…du bist bei den nächsten Einsätzen dabei! <<, rief Connor begeistert und kam auf die Matte, um Garet auf die Schulter zu klopfen.
>> Halte dich am Anfang bitte aus der Schusslinie und versuch nicht zu sterben… <<, befahl Lennox und Garet nickte stolz. Er blickte verstohlen zu Kaja und nahm ihren anerkennenden Blick stolz zur Kenntnis. Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
Plötzlich spürte er etwas an seinem Bein. Er blickte nach unten und sah Trystans Füße, die im Begriff waren, ihn zu Fall zu bringen.
Er konnte nicht mehr reagieren und nur eine Sekunde später flog er durch die Luft und landete hart mit einem atemlosen Knurren auf der Matte.
Ungelenk rutschte er auf seinem Hintern durch die Wucht weiter, bis er von der Matte glitt und hart am Boden landete.
Trystan brummte zufrieden und an der Wand wurde gekichert.
Garet blieb einfach liegen und stieß lautstark die Luft aus. So ein dummer Fehler.
Er wusste doch, dass er niemals seinen Kontrahenten aus den Augen lassen durfte.
Natürlich musste das genau dann passieren, wenn Kaja im Raum war. Kein Wunder, dass sie kicherte. Das war ein ganz böser Anfängerfehler.
2
Die ganze Truppe saß gerade zusammen im Einsatzraum und erklärte Garet, wie so ein Einsatz ablief und wie er sich zu verhalten hatte, wenn es wirklich ernst wurde. Sie gaben ihm Tipps, wie er sich selber am besten schützen konnte und auch wie gegenseitig aufeinander aufgepasst wurde. Als das Telefon von Lennox klingelte, waren alle Blicke sofort auf Garet gerichtet.
Der erste Einsatz kam schneller als erwartet.
>> Na, Küken, dann kannst du gleich zeigen, was du so draufhast. <<, zwinkerte ihm Connor zu.
Küken? Er nannte ihn wirklich Küken! Garet lief rot an und senkte den Blick.
Lennox ging ran und hörte aufmerksam zu. Trystan war bereits aufgestanden und öffnete den Waffenschrank. Lennox wirkte ernst am Telefon.
Als sich neben ihm alle erhoben, tat er es ihnen gleich. Garet klopfte das Herz bis zum Hals, als er sich mit den anderen zusammen fertig machte.
Die Kleidung bestand hauptsächlich aus schwarzen Lederhosen und dunklen Shirts, die sie bereits trugen.
Jeder konnte selbst entscheiden, ob er sich eine schusssichere Weste anzog, außer Garet, der bekam sie als Neuling einfach in die Hand gedrückt.
Er wehrte sich nicht, denn er war neu in der Gruppe und hatte keinerlei Erfahrung. Außerdem vermittelte sie ihm etwas Sicherheit.
Anschließend wurden Waffen verteilt und in Holstern verstaut, ehe sie nach draußen eilten. Er versuchte, nicht daran zu denken, dass auch Kaja dabei sein würde. Gerade jetzt durfte er sich nicht ablenken lassen. Erstens konnte das tödlich enden und zweitens wollte er sich beweisen. Er wollte ein würdiges Mitglied sein, das dazu gehörte. Den anderen ebenbürtig.
Kaja schielte immer wieder zu Garet, sie konnte immer noch nicht fassen, dass er nun Teil der Gruppe war. Sie hatte noch keine Ahnung, was sie davon halten sollte. Er war so ein netter Kerl und sie hatte Angst davor, was dieser Job aus ihm machen würde. Er stotterte sogar, wenn er mit ihr redete.
Konnte so jemand wirklich einem anderen Menschen das Licht auslöschen, wenn es darauf ankam? Vom seelischen Leid ganz zu schweigen. Sie selbst hatte damit kein Problem.
Ihre Vergangenheit hatte dafür gesorgt, aber jemand wie Garet, dem noch nie Leid zugefügt worden war, der behütet aufgewachsen war, konnte so jemand auch so handeln?
Sie hoffte es für ihn, denn ansonsten würde er daran zerbrechen.
Lennox, der immer noch sein Handy am Ohr hatte, rannte aus der Tür und sprintete in einem halsbrecherischen Tempo gezielt in eine Richtung. Alle folgten ihm. Der Einsatzort konnte nicht weit weg sein, wenn sie zu Fuß hinrannten. Gleich darauf beendete Lennox das Gespräch und bellte Anweisungen. Garet hörte aufmerksam zu.
>> Also…ein abservierter Typ bedroht seine Frau und ihr gemeinsames Kind. Lasst euch nicht killen von dem Arsch! <<, brüllte er den anderen atemlos zu, bevor er noch einen Zahn zulegte.
>> Keine Gnade?!? <<, knurrte Jake fragend in Lennox Richtung und jeder wusste, woran er dachte. Allen war die Geschichte von Mia, ihrem Sohn und Jake noch gut im Gedächtnis. Es war gut ausgegangen. Mia, Marc und Jake waren inzwischen eine glückliche Familie.
Außerdem war Mia schon ein kleiner Babybauch anzusehen, doch manchmal dachte wohl jeder zurück an die bangen Stunden.
>> Keine Gnade! <<, bestätigte Lennox.
Ein Raunen der Zustimmung ging durch die Truppe. Phönixe reagierten sehr sensibel, wenn es um Kinder ging, und machten sich ab und an ihre eigenen Regeln.
Bald würde auch Garet wissen, wie genau sie das machten, denn als Mitglied dieser Truppe musste man auch mal die Aufräumarbeiten erledigen.
Davor graute ihm schon jetzt, doch auch das gehörte nun einmal dazu und er würde gewissenhaft vorgehen.
Die schweren Boots der Truppe donnerten einen herben Rhythmus auf den gepflasterten Weg, als sie um eine Kurve liefen. Die Schuhe waren noch etwas ungewohnt für Garet, doch es fühlte sich gut an.
Als Lennox sich ans Ohr griff, machten es ihm die anderen nach. Jeder hatte einen Empfänger im Ohr. Auch Garet griff danach und schaltete ihn ein.
Die erste Anweisung galt ihm und teilte ihm mit, dass er zuerst vor dem Haus warten sollte, um die Tür zu sichern.
Garet war kein Drückeberger und doch war er froh, nicht gleich beim ersten Mal an vorderster Front zu stehen. Er wusste, dass alle Einsätze schwierig waren und sehr gefährlich.
Weitere Anweisungen wurden durch den Knopf gebrüllt und schon verschwanden Connor, Lennox und Trystan durch eine Tür. Der Rest wartete davor.
Gleich darauf war entsetztes Aufstöhnen durch die Ohrstöpsel zu hören.
>> Scheiße Mann…der hat sich sofort das Kind geschnappt, als er uns gesehen hat. Alle rein. Kaja, halte dich zuerst im Hintergrund, aber mach dich bereit! <<, brüllte Lennox in sein Mikro.
Sofort stürmte Garet mit Kaja und Jake los.
Sie marschierten einen heruntergekommenen grauen Gang entlang, an dessen Wänden sich mehr Schmutz als Farbe befand. Die Fenster waren so verdreckt, dass man fast nicht mehr hindurchsah. Der Boden war bestimmt schon ein Jahr nicht mehr gewischt worden und war klebrig. Garet rümpfte die Nase und versuchte flach zu atmen. Es roch muffig und nach Schimmel. Zügig, aber hoch konzentriert schritten sie auf die einzig sichtbare Tür zu. Jake und Kaja gingen als erste in den Raum und positionierten sich seitlich an der Wand, links und rechts der Tür.
Jake bedeutete Garet, er solle zu ihm kommen. Bestimmt hatte er von Mia den Auftrag bekommen, ein Auge auf ihn zu haben. Er kam seiner Aufforderung jedoch nur zu gerne nach und positionierte sich neben Jake. Als Garet sich umsah, lief es ihm kalt den Rücken hinunter, bei dem Anblick, der sich ihm bot.
Eine braunhaarige Frau saß wimmernd auf einem fleckigen Sofa und starrte auf das Mädchen in den Händen des Angreifers. In der Wohnung sah es nicht viel anders aus als am Gang. Es roch auch extrem nach Alkohol. Überall standen Essensreste und halbvolle Gläser herum. Fliegen krabbelten über die Reste.
Auf dem dreckigen Boden lagen zwischen halbleeren Flaschen Puppen, die ihre beste Zeit hinter sich hatten. Garet war richtig übel. Er blickte durch die Runde und als sein Blick an Connor hängen blieb, deutete dieser auf das verklebte Sideboard.
Garet sah sich das Ding genauer an und entdeckte zwischen Mülltüten und schmutzigen Tellern eine Spritze. Auch das noch. Drogen…
Immer wieder flehte die Mutter mit vor Tränen verquollenen Augen, er solle sie nehmen anstatt der Kleinen, doch der wütende Mann ignorierte sie völlig bis auf einen hasserfüllten Blick, den er ihr zuwarf.
Er stand vor einem kaputten Tisch, seine eigene Tochter vor sich festhaltend. Das arme Mädchen in seinen brutalen Armen wirkte wie erstarrt. Die blauen kindlichen Augen waren, weit aufgerissen, hilfesuchend auf die Mutter gerichtet.
Tränen rannen der Kleinen über die Wangen und sie zitterte unkontrolliert.
Die blonden Locken klebten seitlich an den schmutzigen und nassen Wangen.
Garets Gedanken rasten, er wollte dem Kerl am liebsten auf der Stelle eine Kugel in den Kopf jagen. Erschreckt von seinen eigenen Gedanken blickte er zu den anderen, die sich im Raum verteilt hatten und auch entsetzt auf den Kerl starrten.
Sein Blick blieb an Kaja hängen, die etwas im Hintergrund stand und mit ihren Zähnen mahlte. Es gab keinen Zweifel daran, dass sie alle dem Monster an den Kragen wollten. Er riss seinen Blick wieder von Kaja los und konzentrierte sich aufs Wesentliche. Er versuchte sich etwas zu beruhigen, bevor ihm sein Herz noch zur Brust raussprang.
Es klopfte wie wild und dass den anderen der Schweiß auf der Stirn stand und auch sie nervös aussahen, beruhigte ihn auch nicht wirklich.
Er sah, dass Lennox mit dem Angreifer sprach, doch er verstand kein Wort.
Er versuchte sich zu fokussieren und bekam noch mit, wie der Mann die Pistole in seiner Hand noch fester an die Schläfe seiner eigenen Tochter drückte. Garet ging der Hintern auf Grundeis. Ein Knurren erfüllte den Raum und die Hand an der Pistole zitterte. Nun war es Trystan, der versuchte, auf ihn einzureden.
Immer noch starrten ihn die anderen an, wenn er viel redete, da er es nach wie vor eher in der Nähe von Debbie tat und es ansonsten noch immer vorzog zu schweigen.
Im Gegensatz zu Lennox, der es gewohnt war Befehle zu bellen, versuchte Trystan es auf die nette Tour mit Überredungskunst.
>> Komm schon, Kumpel…das bringt doch nichts. Lass die Waffe sinken und du kannst einfach gehen. Du spazierst einfach hier raus… <<
Trystan zuckte lässig mit den Schultern als wäre das Ganze sonnenklar.
Allen war klar, dass das eine Lüge war. Vermutlich auch dem Angreifer.
>> Halt deine Klappe, Arschloch. Die beiden gehen mit mir. Wir sind eine Familie! <<, brülle er.
Fast hätte Garet Mitleid mit ihm haben können, da der Mann um seine Familie kämpfte, wäre da nicht die Tatsache, dass er schon des Öfteren übergriffig gegenüber seiner Frau gewesen war.
Die blauen Flecken am Arm der armen Frau waren ihm nicht entgangen. Einige waren schon älter und manche waren noch sehr frisch.
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis er auch bei seiner Tochter die Fäuste spielen ließ. Außerdem wusste er noch genau, wie es bei seiner großen Schwester Mia gewesen war.
Solche Männer änderten sich nie und verdienten keine Chance weiterzumachen.
Er blickte zu Jake, den es in den Fingern juckte, sich den Kerl zu schnappen. Er hatte sein Messer gezogen und ließ es durch seine Finger tanzen. Die Augen des Geiselnehmers hingen auch an dem Messer.
Mit seiner freien Hand wischte er sich den Schweiß von der Stirn und schluckte schwer. Er wusste, dass er verloren hatte.
Man sah, dass er fieberhaft überlegte, wie er noch lebend aus der Situation entkommen konnte oder ob er seine Familie mit in den Tod nehmen sollte.
Das kleine Mädchen hatte inzwischen auch begriffen, dass der Trupp zu ihrer Rettung angerückt war und versuchte, sich tapfer aus dem festen Griff ihres Vaters zu befreien.
Das Gezappel der Kleinen brachte den Vater kurz aus der Fassung und er riss brutal an ihrem Arm.
Das Mädchen wimmerte vor Schmerz auf und versuchte dann noch wilder, sich von ihm loszureißen. Die Mutter jammerte und bettelte ihren Exmann an, die Tochter endlich freizugeben.
Da die Nervosität zunahm und einige im Trupp bereits angespannt waren, deutete Lennox mit einem Wink an, dass sie noch die Füße stillhalten sollten.
Die Situation wurde immer angespannter. Das Mädchen schlug nun mit der freien Hand auf die ihres Vaters ein.
>> Hör auf! <<, blaffte dieser seine Tochter zornig an, doch sie ließ sich nicht mehr bremsen.
Da die Kleine immer aggressiver wurde und nun sogar mutig ihre Zähne einsetzte, konnte der Vater sich nicht mehr auf seine Gegner konzentrieren.
In diesem heiklen Moment wagte Connor, der sich seitlich von dem Vater in Position gebracht hatte, einen Versuch.
Er schnellte vor und griff nach dem Mann, doch dieser fuchtelte einfach mit seiner Waffe und zielte dann auf Connors Kopf.
Augenblicklich stoppte Connor in seiner Bewegung und hob langsam seine Hände.
Garet holte tief Luft, das war knapp gewesen.
Der Mann schwenkte seine Waffe durch die Runde und visierte jeden seiner Kontrahenten an. Allen trieb es den Schweiß auf die Stirn.
>> Alle bleiben, wo sie sind. Keiner bewegt sich mehr! Das gilt auch für dich! <<, schrie er und meinte damit auch seine Tochter, die er noch einmal rüttelte, um das klarzustellen.
Das kleine Mädchen jedoch sah vertrauensvoll zu Connor und den anderen.
Sie schien zu ahnen, dass sich diese Riesen sofort für sie dazwischenwerfen würden und riss weiter an ihrer Hand. Ihr Vater nahm ihr das übel und langsam reichte es ihm.
Sein Gesicht im Zorn verzogen, schlug er der Kleinen die Waffe so fest gegen ihre Wange, dass diese augenblicklich anschwoll und sofort aufplatzte, Blut quoll aus der zarten Backe.
Das Mädchen quietschte auf und heulte dann laut los. Die Mutter fing an, panisch zu schreien und zog sich selber an den verfilzten Haaren, weil sie nichts tun konnte. Lennox knurrte so animalisch laut auf, dass der Angreifer ihn mit großen Augen anstarrte.
>> Schluss mit dem Mist! <<, sagte Lennox in scharfem Ton. Er warf einen Blick zu Garet und zwinkerte einmal.
Was hatte denn das jetzt zu bedeuten?
>> Kaja! <<
Lennox bellte nur das eine Wort, steckte einfach seine Waffe zurück in den Holster und lehnte sich gemütlich mit einem Grinsen an die schäbige Wand hinter sich.
Was um Himmels Willen war denn jetzt so lustig?
Auch dem Angreifer schien das ganze suspekt zu sein.
Unsicher sah er sich um.
3
Plötzlich schritt Kaja aus ihrer verdeckten Position hervor und blieb kurz stehen. Der Mann gaffte sie unverhohlen an. Auch Garets Blick klebte an ihr. Mit vorgestreckter Brust und schwingenden Gang machte sie probeweise ein paar Schritte auf den Täter zu, um zu sehen, wie er reagierte. Dieser fixierte sie mit seinem Blick und seine Augen leuchteten auf.
Garet war entsetzt. So schnell hatte der Angreifer seine Frau vergessen, die er noch vor ein paar Minuten zwingen wollte, bei ihm zu bleiben. Kaja hielt kurz an und fuhr sich aufreizend durch die weißen langen Haare. Sie trug wie die anderen eine Lederhose. Sie zog verführerisch ihr Shirt aus der Hose und zog es ein Stück nach oben, nur um es an der Seite zu verknoten. Nun war wieder ein Stück ihres Bauches zu sehen und der Mann hing mit den Augen an dem kleinen Ausschnitt Haut fest.
Garet wollte protestieren.
Was hatte sie vor?
Er wollte schreien, sie solle sofort wieder zurück, aber als er den Mund öffnete, bedeutete ihm Lennox mit erhobenem Zeigefinger, dass er sich zurückhalten solle.
Er wollte sie beschützen, auch wenn er wusste, dass das unnötig war. Kaja gehörte der Truppe schon viel länger an, als er überhaupt wusste, dass er ein Phönix war.
Ihre zarte Figur, die so zerbrechlich aussah, rief in ihm den Wunsch hervor, sich sofort vor sie zu werfen. Doch wenn er eines im Training gelernt hatte, dann dass sich niemals jemand Lennox im Einsatz widersetzte. Er war innerlich zerrissen und kämpfte gegen sich selbst, um sich nur ja nicht von der Stelle zu rühren. Es kostete ihn eine Menge Kraft, aber würde er seinem Drang nachgeben, würde er an keinem Einsatz mehr teilnehmen dürfen.
Kaja warf ihm einen Blick zu, der besagte, er solle sich keine Sorgen machen. Unglaublicherweise beruhigte ihn das wirklich. Gleichzeitig senkte er verschämt den Kopf. Er wollte ihr nicht das Gefühl geben, dass er ihr das nicht zutraute, aber genau das hatte er gerade getan. Das gefiel ihr bestimmt nicht. Er hatte das wirklich gründlich verbockt.
Kaja ließ ihren Blick noch kurz auf Garet ruhen. Er hatte sie in Schutz nehmen wollen. Das hatte sie ihm gar nicht zugetraut, aber sie fand das echt süß.
Hoffentlich sah er sie nach dieser Aktion hier immer noch mit den gleichen Augen an wie bisher.
Sie hatte es sehr genossen, von ihm so vergöttert zu werden. Sie drehte sich wieder dem Vater zu, der sie nicht mehr aus den Augen ließ. Tja, auch wenn Garet sie danach vielleicht nicht mehr so ansah, würde sie keinen Rückzieher machen. Dieser Kerl verdiente, was sie gleich mit ihm machen würde. Er hatte seine Frau geschlagen und gerade eben seine eigene Tochter. Das, was gleich kommen würde, war eigentlich noch viel zu mild für ihn. Wenn es nach ihr ginge, würde er in der Hölle schmoren und jede Stunde aufs Neue auf qualvolle Weise sterben. Sie blendete die Gedanken an Garet komplett aus und sah dem heruntergekommenen Vater direkt in die Augen. Dessen trübe Augen klebten an ihrem Bauch und wanderten hinauf zu ihren Brüsten. Ekel machte sich in Kaja breit. Der schmierige Typ glotzte sie unverhohlen an. Kaja wollte sich nicht beschweren, genau das war ja auch der Plan. Sie wollte den Blick so lange auf sich ziehen, um nahe genug an ihn heranzukommen. Sie drückte ihren Oberkörper noch etwas raus und ließ ihre Hüften kreisen. Es wirkte, der Vater achtete nicht mehr auf die anderen.
Sie lächelte, weil ihr Plan wie immer aufging. Der schmierige Typ lächelte sie ebenfalls an. Er kapierte nicht, was da jetzt vor sich ging.
Kaja wunderte das nicht, denn sie sah an seinen Augen, dass er irgendwelche Drogen genommen hatte. Momentan spielte ihr das noch in die Hände, aber das konnte sich schnell ändern. Drogenabhängige waren sehr unberechenbar, schnell konnte sich ihre Laune ändern.
Zügig ging sie über den klebrigen Boden und versuchte, den Flaschen auf den Boden auszuweichen, um ihn nicht abzulenken. Sie gab sich Mühe, seinen Blick festzuhalten und hoffte, das Mädchen würde sich ruhig verhalten, bis sie es hatte. Nur noch ein Meter trennte sie von der Kleinen und sie spürte, wie ihr der Schweiß aus allen Poren trat vor Anstrengung. Kaja blieb kurz stehen und strich sich verführerisch durch die langen Haare, bevor sie ihm einen verführerischen Blick unter langen Wimpern zuwarf. Im Zimmer hätte man eine Nadel fallen gehört, so angespannt waren alle. Jeder hielt den Atem an. Allen voran Garet. Er bewunderte, wie Kaja den Kerl in ihren Bann zog.
>> Na, Süßer. <<, säuselte sie und leckte sich über die Lippen.
Der Typ hatte echt Nerven. Er grinste sie an und zog seine Hose zurecht, mit der Waffe in der Hand, bevor er die Waffe halbherzig wieder an den Kopf seiner Tochter hielt.
Kaja ging langsam weiter auf ihn zu. Am Ende stand sie fast Nase an Nase mit ihm.
Der Vater atmete schwer und seine Hose spannte. Er hatte die anderen im Raum scheinbar komplett ausgeblendet. Er zitterte schon fast in erregter Erwartung. Er unterschätzte Kaja komplett. Garet konnte das gut verstehen. Kaja wirkte so zerbrechlich, so zart, doch das täuschte. Er hatte sie in der Übungshalle gesehen, sie hatte Connor, der zwei Köpfe größer war als sie, mit einem Schwung auf die Matte verfrachtet.
