Magie der Schatten 3: Am Ende der Zeit - C.S. Steinberg - E-Book

Magie der Schatten 3: Am Ende der Zeit E-Book

C.S. Steinberg

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Beschreibung

"Am Ende der Zeit" ist Band 3 und damit der Abschlussband der Trilogie "Magie der Schatten" nach Band 1 "Barshim und Cashimae" und Band 2 "Feuerspuren im Eis". Über 600 Jahre ist es her, dass Barshim und Cashimaé in die Welt der Menschen ver-bannt wurden. Der Krieger ist zurück und sein Ziel ist es, Cashimaé in die Alte Welt zu holen. Über 600 Jahre, als Tamin seine Erinnerungen zurückerlangte und Savinama, dem Circanprefect von Liyiell, Rache schwor. Ein Intrigenspiel beginnt, das nur ein ein-ziges Ziel zu kennen scheint: Savinamas Ruf zu zerstören, egal zu welchem Preis. Nicht nur Barshim und Tamin spielen gegen den Magier, die Seherin Shaane verfolgt eigene Ziele. Sie weiß Savinamas Lebensgeschichte ist älter, als viele ahnen, und hat ihre Schachfigur bereits platziert. Ein Bann, der schon jahrhundertelang über den Elementen liegt, beginnt zu brechen. Mit dem Bruch wird der Circanprefect von Liyiell von seinen eigenen Erinnerungen und den Machtspielen überfahren. Zwischen Selbstzweifeln und einem anstehenden Krieg, gerät sein Glaube an den ewigen Frieden ins Wanken. Die Naturkräfte lassen sich nicht kontrollieren und am Ende steht nur ein einziges Wis-sen: Es kann nichts Neues entstehen, wenn nichts Altes geht. "Manchmal braucht es Liebe, um eine ganze Welt zu retten: Doch was ist, wenn du dir selber nicht mehr vertrauen kannst?" Was ist, wenn es deine eigene Geschichte ist, die sich dem Ende nähert? – Nuavera Ecares Vigil –

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Seitenzahl: 584

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C. S. Steinberg

Magieder Schatten

Band 3

Am Ende der Zeit

Grafik: Olaf Tischer

Lektorat: Gerd Fischer

eISBN: 9783947612192

Copyright 2019, mainbook Verlag, Gerd Fischer

Alle Rechte vorbehalten

Besuchen Sie uns im Internet: www.mainbook.de

Die Autorin

Geb. 1977 in Deutschland, schrieb C.S. Steinberg mit 12 ihr erstes Buch, einen Jugend-Liebesroman. Mit 18 Jahren folgte ihr erster Fantasy-Roman mit dem Titel „The last Thoughts“. Beide hat sie bis heute keinem Verlag vorgelegt.

2013 wird der mainbook Verlag auf die Autorin aufmerksam und Band 1 der Fantasy-Trilogie „Magie der Schatten“ erscheint unter dem Titel „Barshim und Cashimaé“. Frau Steinberg wird Mutter und legt eine Pause ein.

2017 folgt der zweite Band der Trilogie „Feuerspuren im Eis“. 2019 findet die Trilogie ihren Abschluss mit „Am Ende der Zeit“.

Für die Freunde der „Alten Welt“ ist es allerdings noch nicht zu Ende. 2020 soll bereits die Vorgeschichte erscheinen unter dem Titel „Schattenpfade – im Zeichen des Vigils“.

Zwischen dem Schreiben und der Familie beschäftigt sich die Autorin mit Fotografie, Kunst und Musik. Sie verbindet alle Aspekte und arbeitet an einer Visualisierung der Trilogie.

Was bisher geschah:

In der Alten Welt der Magier existiert die Legende, dass es vier Wächter gibt.

Einen für jedes Element. Ausgesandt von der Natur.

Dass eines Tages ein Bote erscheinen wird für Anfang und Ende, denn es kann nichts Neues entstehen, wenn nichts Altes geht. Ihn nennt man „Ecares Vigil“, den ersten Wächter von Leben und Tod.

Die Legende besagt, dass dies in der Geschichte bereits einmal passierte und Savinama diesen Boten bekämpfte, zum Preis seiner und dessen Erinnerungen. Er gab dem jungen Magier dadurch die Möglichkeit, ein normales Leben in der Alten Welt zu führen. Lange bevor er selber Circanprefect von Liyiell wurde. Dieser Bote war Tamin.

Ein Drache bringt Barshim und Cashimaé als Säuglinge in die Alte Welt und übergibt sie in die Obhut der Magier. Weil es ein Elementardrache ist, fürchten die Magier, dass sich die Geschichte wiederholen wird.

Dank Shorbos Einsatz, dem Circanprefect von Natriell, werden die Kinder am Leben gelassen und wachsen getrennt voneinander auf.

Tamin, der seit seinem Dasein ohne Erinnerungen in der Alten Welt als Kreismitglied lebt, treibt ein ruheloses Gefühl, allen zu beweisen, etwas Besonderes zu sein. Nicht nur ein Mann ohne Vergangenheit. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Er konzentriert sich auf Cashimaé, die nichts von Lernen oder Lesen hält.

Während sie lieber ihre Zeit in den Wäldern verbringt, richtet Barshim sein Augenmerk auf die alten Legenden. Sie finden zueinander und lernen sich zu lieben. Etwas, was nicht in Tamins Plan passt. Denn schnell wird klar, Barshim und Cashimaé sind Elementarmagier. Es gibt nur noch einen Einzigen weiteren mit dieser Magie, den Circanprefect von Liyiell.

Dies schürt die Vorurteile und Ängste der Magier zusätzlich. Aufgrund Cashimaés Ignoranz gegen Bücher kommt es zu einem Eklat in der Stadt Comoérta. Ein Mensch stirbt durch sie. Man gibt Shorbo die Schuld. Ihre Magie wird verbannt und sie wird Tamin zur Ausbildung zugewiesen.

Barshim wird nach Liyiell geschickt, weil er nicht eingriff. Während für Cashimaé ein Leidensweg beginnt, nutzt Barshim die Zeit, um sich weiter mit den Geschichten zu beschäftigen und stiehlt mithilfe von Mineshka, dem Mündel von Savinama, den magischen Stab Liyfaniell.

Als Cashimaé fast ums Leben kommt, setzt Shorbo all seine Fähigkeiten ein, um sie zu retten und stirbt selber dabei.

Barshim nutzt seine Kräfte, um mit Cashimaé in die Welt der Menschen zu flüchten. Wo sie erneut auf Ängste, Vorurteile und Verunsicherung treffen.

Als es Zeit wird, dass Cashimaé ihre Magie wieder erhält, kehren sie in die Alte Welt zurück. Nach einer Intrige von Tamin verwüstet Cashimaé im Zorn fast die Schulhallen, weil sie glaubt, Barshim für immer verloren zu haben. Ein Glaube, der sich als Irrtum herausstellt.

Das Paar verlässt die Stadt, um sich für eine lange Zeit in den Wäldern zu verstecken. Während die Politik die Alte Welt glauben lässt, dass sie ums Leben gekommen seien.

Es ist Tamin, der nicht locker lässt und immer wieder Jäger nach ihnen aussendet.

Zwischen Barshim und Tamin entsteht ein persönlicher Krieg um Cashimaé. Denn beide wissen, wenn sich die Elemente in der Magierin verselbständigen, scheint es keine Grenzen der Macht mehr zu geben. Als würde ein anderes Wesen in ihr leben. Wenn Cashimaé dieses Wesen beherrscht, wäre nichts mehr vor ihr sicher. Doch wenn es das andere Wesen ist, scheint es die Natur selber zu sein, gebannt in einen Körper. Auch Savinama begegnet diesem Wesen und es sind gerade diese Augenblicke, die in dem Circanprefect Erinnerungen wecken, die er nicht ordnen kann. Savinama setzt sich immer wieder für das Paar ein und erliegt dem Glauben, dass nur aufgrund der Vorurteile das Ganze jemals so eskalieren konnte, dass Barshim und Cashimaé sogar auf einen Rachefeldzug gehen.

Savinama ignoriert die Warnungen seines besten Freundes Karaz vor Tamin und erkennt zu spät, dass er dem Magier ein Dorn im Auge ist.

Aufgrund eines taktischen Zuges bringt Tamin den Anführer in die Lage, gegen die Grundgesetzte der Magie und damit gegen die Natur zu verstoßen, um eine ganze Welt zu retten.

Mit der Schlacht gegen Barshim und Cashimaé wird Savinama gezwungen, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Er siegt, doch der Preis, den er dafür zahlt, ist hoch. Durch seinen Geist wandern alle Emotionen, Sprachen, die es zu geben scheint und nur das Aufrechterhalten einer inneren Mauer schützten ihn davor.

Der Kreis verbannt das Paar in die Welt der Menschen. Dort sollen sie immer wieder geboren werden. Ohne Magie, ohne Erinnerungen, ohne sich zu finden. Erst kurz vor ihrem Tod sollen sie wissen, wer sie wirklich waren.

Doch nicht nur die Alte Welt wird bei der Schlacht Augenzeuge von Cashimaés anderem Ich und dem heldenhaften Auftreten des Anführers. Tamin wird von Savinamas Magie getroffen und erhält seine Erinnerungen zurück. Er ändert sein Ziel. Und während er nach außen den Sorgenvollen und Reuigen spielt, nimmt er sich die Zeit, geduldig seinen Rachefeldzug vorzubereiten, der nur noch ein einziges Ziel kennt: Savinama, den er für den größten Lügner hält, vor allen fallen zu sehen, damit er ihn am Ende töten kann.

Doch nicht nur Tamin spielt gegen den Circanprefect, auch Shaane, die Seherin, hat eigene Pläne und Ziele und schickt Failess auf das Spielfeld, um die Fäden selber in die Hand zu nehmen.

Ein Spinnennetz aus Intrigen und Legenden. Mitten drin nur ein Einziger, der nicht weiß, dass alles bei ihm zusammen läuft.

„Nuavera, Ecares Vigil“

Freundschaft ist ein kostbares Gut!

Einen besonderen Dank möchte ich dir senden, liebe Katrin.

Dass du bist, wie du bist, und mich sein lässt, wie ich bin.

Irgendwann werfen wir unser Popcorn und werden über alle Höhen und Tiefen, die uns begegnet sind und noch begegnen werden, lachen.

Aufgeben ist keine Option!

Deine Constanza

Die größte Herausforderung des Lebens ist es,den eigenen Egoismus zu überwinden

Inhalt

Die Autorin

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Danksagung

Prolog

Kalter Wind trieb ein einzelnes Blatt über die weiße Winterfläche bis hin zu den großen Stufen vor den Toren der Schulhallen Liyiells. Neben dem leisen Rauschen des Windes lag die Stille der Nacht über dem Land.

Die Kerzen bereits gelöscht, erleuchtete nur noch eine den Schreibtisch des Circanprefect von Liyiell.

Savinama saß in tiefer Konzentration über einem Buch, während die Federspitze sanft neue Worte hinein schrieb. Die Fingerkuppen des Anführers verrieten, dass er schon lange in diese Arbeit versunken sein musste.

Auf einmal hielt er inne. Die bernsteinfarbenen Augen ruhten einen Atemzug lang auf seiner rechten Hand. Nichts … er musste sich getäuscht haben.

Der Magier konnte ein Gähnen nicht unterdrücken, doch der Stapel der Arbeit, ein unerschöpflicher Quell an Anforderungen, wollte einfach nicht kleiner werden. Der Preis, ein Land zu regieren.

Für Sekunden wurde seine Aufmerksamkeit wieder auf sich selbst gezogen. Irritiert legte er die Feder zur Seite, öffnete und schloss die Hand zur Faust. „Ich arbeite zu viel.“ Er erhob sich und trat an die Fenster zum Balkon. Der Magier öffnete die Tür und schritt an die steinerne Brüstung hinaus.

Der Sturm hatte sich gelegt und ein Halbmond erleuchtete das Gelände des alten Gebäudes. Hoch lag der Schnee auf allem, silbern funkelten die Eiskristalle darin. Er mochte den Schnee, der alles so fern wirken ließ. Eine stille Idylle, die die vielen Gedanken und Worte des Tages zur Ruhe kommen ließ.

Savinama stützte sich mit den Unterarmen ab und verweilte in der frostigen Luft. Seine Gedanken schweiften ab. Sie hatten das Buch des Lebens immer noch nicht gefunden. Verschollen, seit es Barshim aus der Halle von Natriell entwendet hatte. Eine Suche, die schon so viele Jahre andauerte, dass aus ihnen Jahrzehnte und schließlich Jahrhunderte wurden.

Der Magier erhob sich wieder. Es war nicht mehr zu leugnen. Savinama drehte die rechte Hand und streckte die Finger aus. Sie zitterte. Aber warum? Er wollte sich abwenden, um ins Zimmer zurückzukehren, als ihn der Schmerz unvorbereitet und gnadenlos traf. Etwas explodierte in seinem Inneren und riss ihn von den Füßen.

Er traf auf dem harten Boden auf und unterdrückte einen Schmerzenslaut. Etwas jagte durch seine Adern, wie Feuer. Es verbrannte ihn regelrecht von innen.

Der Magier fiel auf die Seite und krümmte sich zusammen. Seine Sicht wurde dunkel und aus dem Hintergrund erklang ein Lachen.

Kinderlachen.

In einer Illusion aus Nähe und Ferne leuchteten Bilder in ihm auf. Ein kleiner Junge rannte über das Wasser, allen Naturgesetzen zum Trotz, und um dieses Kind erhoben sich Wasserperlen in die Luft. Sie tanzten und funkelten im Licht.

In den Schmerz der Bilder mischte sich das Lachen eines Mädchens. Leicht und frei. Glasklar wie die Nacht, die um ihn herum lag.

So schnell wie es kam, war es plötzlich vorbei und nur das leise Rauschen des Windes kehrte zurück.

Savinama blieb einfach liegen. Auf der einen Seite rang er nach Fassung, auf der anderen wagte er es nicht, sich zu bewegen, aus Furcht es könnte zurückkehren.

Erst nach einer gefühlten Ewigkeit stützte er sich vorsichtig ab und erhob sich. Kurz verschwamm seine Umgebung. Er fand Halt am Rahmen der Tür. Sein Körper fühlte sich plötzlich müde und erschöpft an, als wäre sämtliche Magie verlorengegangen. Der Kreisführer schleppte sich bis zu seinem Schreibtisch. Mit der rechten Hand goss er Wasser in ein Glas und öffnete mit der anderen den schweren Mantel.

Es war seltsam. Das Gefühl, das gerade in ihm war, kam ihm schrecklich vertraut vor. Der Circanprefect konnte es nicht erfassen. Nicht beschreiben. Er zog in Erwägung, den Heiler zu rufen, verwarf den Gedanken aber direkt wieder. Schwäche zu zeigen, wenn man stets im Mittelpunkt stand und damit für ein ganzes Land die Verantwortung trug, war nicht unbedingt ein Bild, das andere sehen wollten.

Der Magier trank einen tiefen Schluck und beschloss, ins Bett zu gehen. Wenn es morgen nicht besser wäre, würde er den alten Kräutersammler Gervan um Rat fragen. Er hob ein Buch vom Tisch, um es hinter dem Schreibtisch zurück ins Regal zu stellen, als ihn die zweite Welle noch rücksichtsloser als die erste traf. Sein Gleichgewichtssinn ausgehebelt, prallte die Schulter gegen das Regal und er ging erneut zu Boden.

Etwas flammte um ihn herum auf. Etwas, das so viel Macht besaß, dass es seinen eigenen Geist zu bersten schien. Es setzte seinen inneren Schutz gegen die alten Stimmen aus, die in ihm lebten, seit er damals auf der Lichtung die Schale leerte. Und mit dem verlorenen Schutz fluteten sie sein Denken. Ein leises Wimmern rang sich über seine Lippen. Die Augen fest geschlossen, im Kampf um das eigene Denken, während unzählige Gefühle und Gedanken der ganzen Welt ihn ertränkten.

Die Magie verbrannte ihn. Sie trieb das Fieber durch seinen Körper und brachte den Schüttelfrost mit sich. In diesem Elend, das ihn ohne Gnade auf den harten Boden degradierte, traf ihn eine einzige Erkenntnis: Er hatte dies schon einmal erlebt.

Verlorene Bilder einer Vergangenheit, die Savinama noch immer nicht zusammen bekam, fanden zu ihm zurück. Vor langer Zeit, als er noch ein Kind war. Zu jung, um das Leben zu verstehen, aber zu alt, um noch ein Teil der Magie zu werden.

Die Stimmen der Luft zerbrachen und formten seinen Geist neu. Sie berühren alte Narben. Ein Magier konnte sterben, wenn die Magie ihn erst so spät fand. Doch was war, wenn er die Magie bereits besaß? Warum kehrte ein Element zu ihm zurück? Oder verließ es ihn? Er wusste es nicht zu ordnen. Er rollte sich wieder zusammen und blieb einfach liegen. Gefangen im Schmerz, als sein Körper versuchte, diese unglaublichen Energien aufzunehmen. Er wollte es nicht, aber er wurde nicht gefragt und fand keine Kraft, dagegen anzugehen.

Magie war einfach. Die Elemente waren einfach. Sie kannten kein Gut und kein Böse. Für sie existierten keine Worte wie Ja oder Nein.

Wenn der Circanprefect Liyiells glaubte, als Elementarmagier zu wissen, was die Energien seien: Er hatte sich geirrt. „Ihr könnt ein Teil davon sein!“, hallte eine Stimme in ihm nach. Von einem Mann, dessen Klang ihm bekannt vorkam. Die Macht dieses uralten Seins streckte seine Fühler erneut nach ihm aus und als sie das Geflecht seiner eigenen Gedankenwelt erfassten, gab er auf.

Auf dem Schreibtisch leuchtete ein helles Licht. Zurück blieb ein Mann, der darauf hockte wie ein Raubtier. Bereit zum Sprung.

„Einsamkeit ist ein armseliges Gefühl, wenn die Erkenntnis eintritt, es wirklich zu sein.“ Barshims Stimme kam einem Knurren gleich und seine Augen leuchteten gelb im Dunkel des Zimmers.

Er lehnte sich vor und blickte auf den am Boden liegenden Mann.

„Ich wünsche euch alles Leid und Schmerz, den die Zeichen der Zeit in sich tragen. Allen Zorn und Hass, den ihr mich lehrtet durch die Gefangenschaft. Denn SIE! wird euch diesmal nicht beschützen!“ Barshim wandte sich zur Seite und hob die Kerze an.

„Nuavera, Ecares Vigil!“

Damit pustete er die kleine Flamme aus.

Zurück blieb eine Stille, die so alt war, dass ihre Einsamkeit Worte in die Nacht zu schreiben schien.

Kapitel 1

In der „Alten Welt“ – Welt der Magier Einige Wochen später

Am Rande der roten Wüste, auf der östlichen Seite Natriells, brannte ein kleines Lagerfeuer. Im Kreis gruppiert saßen im flackernden Licht zwölf Männer und Frauen zusammen. Gelächter und der Klang von einem Seiteninstrument durchwanderten die Schatten und erzählten von der aufgeheiterten Stimmung, die nicht nur die Ruhe des Ortes, sondern auch der Konsum von Wein mit sich brachte. Reste einer Beute, die halb verzehrt auf einem Stein lagen, zeugten von einer erfolgreichen Jagd.

Etwas abseits rupften die Pferde das kärgliche Grün, während das restliche Lager auf dem Sand ruhte. Die Nächte konnten noch sehr frisch werden, weswegen der aufgeheizte Boden eine willkommene Wärmequelle darstellte.

Ein gutes Stück entfernt von seinen Begleitern saß Tamin auf einem Felsen und blickte in die Nacht hinaus. Die Gruppe gehörte zu ihm. Sie glaubten, es sei ein Ausflug, um für einige Tage die erste warme Zeit des Jahres zu genießen. Zeit, um sich ungezwungen über politische Themen auszutauschen, die eine Landesführung mit sich brachte. Die Kapuze eines dunklen Mantels ruhte halb auf seinem Haupt. An den Rändern der Augen zeichneten sich kleine Falten ab. Das Haar noch immer an den Seiten kurz, kräuselten sich über der Stirn kleine Locken unter der Kapuze hervor. Seine Kleidung schwarz, an den Säumen dunkelblau und mit dezenten Stickereien besetzt, hob sich von denen der anderen ab. Tamin wirkte reifer und seine Ausstrahlung selbstsicherer. Vom Schüler zum Mann.

Er nahm einen Schlauch in die Hand, der neben ihm lag und zog den Stöpsel heraus. Der Wein rann seine Kehle hinab. Mit dem Handrücken wischte er sich über die Lippen.

Gut zwei Stunden saß er bereits hier und wartete. Er ließ das Wäldchen, das ein Stück vor ihm lag, nicht aus den Augen. Geduld, die er früher nicht besaß und daher oft unüberlegt handelte, war sein stetiger Begleiter geworden.

Ein Geräusch erklang aus dem Unterholz. Leises Rascheln, das Knacken eines Zweiges. Ein Moment von falscher Stille kehrte wieder ein.

Tamin verschloss das Gefäß und legte es zur Seite. Es waren nicht nur die Geräusche, die seine Aufmerksamkeit erregten. Der laue Wind wehte einen Geruch zu ihm herüber. Eine Mischung aus dem intensiven Duft von Moosen und verrottendem Boden. Dazwischen eine süßliche Ansammlung von Aas und fauligen Tümpeln. Es gab hier jedoch keine fauligen Tümpel.

Geschmeidig erhob er sich auf die Füße, ohne den Blick abzuwenden. Aus dem Gebüsch löste sich ein Schatten. Das silbrige Mondlicht fiel auf grauschwarzes Fell und ließ die gelben Augen des Jägers noch intensiver leuchten.

Da waren sie. Die Wesen, deretwegen er heute Nacht hier draußen war. Ihr Energiemuster tauchte das Land in eine Düsternis, die sich auf den Geist und das Herz legten. Sprachen von Trostlosigkeit und Finsternis. Tamin nahm sie in sich auf. Wehrte sich gegen das beklemmende Gefühl, einfach davon zu laufen. Sie waren hier, er war hier!

Das Schicksal rief nach ihm. Vor einigen Wochen war ein Bruch im Bann des Vigils entstanden. Oh ja, Tamin hatte es bemerkt. Fühlte die Rückkehr des ersten Elements in die Freiheit. Es war das Zeichen, auf das er schon solange wartete.

Weitere Tiere lösten sich aus dem Gehölz des Waldes. Das Rudel hatte die Witterung aufgenommen. Der stetige Hunger trieb sie an.

Tamin blickte ihnen voller Stolz entgegen und hob die Hände. Der letzte Kampf. Die Zeit der Rache. Es brauchte mehr als einfache Magie, um den Ecares Vigil zu vernichten. Der Circanprefect Liyiells glaubte vehement an das Licht, also würde er selber sein Schatten werden. Sein Gegenspieler.

Tamin konzentrierte sich auf seine Energieströme. Wie ein kühler Luftzug begannen sie in ihm zu wachsen. Der Mond schimmerte zwischen einzelnen Wolken hindurch. Ein grauer Nebel begann, Staub und Sandkörner in die Luft zu erheben. Kein Geräusch, doch um diesen Wirbel breiteten sich langsam aber beständig Eiskristalle auf den Blättern der Pflanzen aus. Er drehte die Handflächen nach oben und mit der Bewegung folgte der Wirbel. Wurde größer und höher. Die Schatten am Waldrand zogen sich zusammen. Das Rudel der Chrishkas ging auf Jagd. Tamin konnte sie spüren, in jeder Faser seines Körpers.

Endgültig verließen sie den Schutz des nahen Waldes. Sie fürchteten nichts und niemanden auf dieser Welt. Eine ihrer Pranken passte nicht in die Hand eines erwachsenen Mannes.

Und Tamin rief die Wesen, deren Erscheinen ankündigte, dass jemand die Magie missbrauchte. Er tat dies, indem er seine Magie einsetzte, um seine Kraft mit Hilfe der Natur zu verstärken. Sie würden das auf keinen Fall zulassen. Die Shalas!

Er verdrängte die Furcht vor dem Heulen und den roten Augen in den dunklen Wirbeln. Öffnete seinen Geist, um sie willkommen zu heißen. Unterdrückte die eigenen Instinkte, die normalerweise vor ihnen auf die Knie gehen würden. Fühlte, wie sich sein Körper mit den Energien der Shalas verband. Es war ein unglaublich intensives Gefühl. Er konnte die Dunkelheit spüren, die mit dem Näherkommen der Chrishkas noch tiefer wurde. Die Schatten der Steine und Pflanzen begannen, sich selbständig zu machen und zu bewegen. Wurden Teil des Strudels aus Macht, der sich weiter aufbaute.

Zur Rechten der Tiere öffnete sich der Ring, als würde er ihnen ein Tor in seine Welt öffnen. Ein letztes Zögern, doch die Aussicht auf Beute war einfach zu verlockend.

Das Knurren ihrer Kehlen klang deutlich zu ihm durch. Es trennten ihn keine acht Meter mehr, als sich der Ring hinter ihnen wieder schloss. Mit dem Schließen jagte ein Energiewall durch die Schatten und schlug auf Tamin ein. Erhob sich ein Heulen in den Tiefen, das ihn von innen zu zerreißen schien und etwas Neues prallte auf ihn. Ein unglaubliches Gefühl von Naturgewalt. Abgrundtiefe, unberechenbare Macht. Die Hände des Magiers ballten sich zusammen. Sein Kopf schien gesprengt zu werden, als er die Gesichter tausender Toter sah. Schreie von Sterbenden schossen durch seinen Geist. Sie peinigten seine Seele und zerbrachen in ihm. Er vernahm alte Stimmen, die ihm etwas zuflüsterten. Eine uralte Sprache, die er nicht kannte. Ihre Finsternis traf auf seinen Zorn. Den Schmerz der Enttäuschung. Sie vertieften ihn. Er glaubte, die Frage nach seinen wirklichen Ängsten zu hören. Und langsam wurden die Worte deutlicher, als würde mit der Verbindung der Schattengeister sein eigenes Wissen erweitert. Er schloss die Augen und presste die Lippen zusammen. Die Frage nach seinem tiefsten Hass.

Er brauchte nur die Hand danach ausstrecken, um ein Teil davon zu werden. Sie waren da. All die Dinge, vor denen sich der normale Verstand fürchtete. Sie riefen nach ihm. Ein „Aé“ fuhr über seine Lippen und als würde er damit alles in sich freigeben, explodierte eine unvorstellbare Kälte in seinen Eingeweiden. Fraß sich durch die Adern. Überflutete sein Denken und riss ihn mit. Einen lauten Aufschrei konnte Tamin gerade noch verkneifen, mit einer Staubexplosion stob der Nebel auseinander. Fielen Blätter zu Boden und die Schatten schlichen zu ihren angestammten Plätzen zurück. Tamin brach bewusstlos zusammen.

Über seine Lippen rang sich ein leises Stöhnen.

Er zog die Hand an den Kopf und rollte sich auf den Rücken. Kopfschmerzen. Er hatte unglaublich aggressive Kopfschmerzen und sein Körper brannte von innen, als hätte er stundenlang in einem Fluss voller Eis gelegen und man brachte ihn jetzt in ein aufgeheiztes Zimmer. Etwas drang an sein Ohr und er öffnete die Augen. Über ihm zeichnete sich ein unglaublich beeindruckender Sternenhimmel ab. Er ließ diesen Anblick auf sich wirken, als sähe er ihn zum ersten Mal. Etwas trat neben ihn und er wurde leicht angestoßen. Wie von selbst bewegte sich seine Hand nach rechts, griff in das dichte Fell und begann das Wesen zu kraulen. Der Chrishka ließ sich nieder, als würde er über ihn wachen und Tamin empfand nur eines, die Gewissheit, dass die Figuren, die er jetzt auf das Feld setzen würde, das sichere Ende jenes Mannes bedeutete, dem er Rache schwor.

„Zeit zu leiden und zu sterben, Magico.“ Sein Lachen klang laut und schallend durch die Nacht.

Kapitel 2

Die Welt der Menschen – „Ecare Ter“ (Unsere)

Tiefe Nacht lag über dem kleinen Wäldchen. Der Regen fiel kalt auf die Straßenpflaster über die hin und wieder ein Auto rauschte. Der April zeigte sich von seiner grauen Seite. Hüllte die Stimmung der Menschen in die gleichen Schatten, wie sie sich tagtäglich am Himmel abzeichneten. Ein wenig Sonne gegen die Kälte wäre gut, die sich immer tiefer in den Herzen verankerte.

Am Rande des Wäldchens stand eine junge Frau von ungefähr zwanzig Jahren. Das lange, braune Haar fiel ihr weit über die Schultern. Es klebte an ihren Wangen, von deren Spitzen das schwere Nass tropfte. Dazwischen bleiche Haut und müde Augen. Für die Temperaturen viel zu leicht angezogen, erkannte man deutlich, dass der Regen bereits sein übriges erledigt hatte. Sie musste schon sehr lange dort stehen. Die Arme wie schutzsuchend um sich geschlungen, machte sie einen ersten Schritt nach vorne, dem ein weiterer folgte.

Bis sie den harten Asphalt unter ihren Schuhen spüren konnte. Noch ein Schritt und sie stand auf der Mitte der Fahrbahn.

Sie schloss die Augen und senkte den Kopf. Eine Gestalt, so trostlos wie das Wetter. Ihre Position sprach davon, worauf sich ihr Ziel fokussierte. In der Kurve, die vor ihr lag, würde man sie nicht rechtzeitig sehen können. Der Regen und der Dunst schluckten das Licht der Scheinwerfer. Während sie die Augen schloss und sich tiefer in dieser inneren Leere und Verzweiflung vergrub, schossen Bilder in kleinen Fetzen durch ihren Kopf.

Bilder, die sie nicht greifen, nicht deuten konnte. Die ihrem Verstand die letzten Wochen klarmachten: In dieser Gesellschaft war es nicht normal, sich an Dinge zu erinnern, die nicht existieren konnten.

Ihr Leben bestand schon lange aus Einsamkeit. Manchmal waren dort Menschen gewesen, die sich um sie bemühten, doch irgendwann gaben alle auf.

Ob sie böse darum war? Nein. Denn sie hatte es so gewollt. Die Angst vor der Ehrlichkeit ihrer Probleme, was sie bei anderen bewirken konnten, war einfach zu groß.

In ihrer Kindheit hatte sie schnell gelernt, dass Andersartigkeit diesen Blick verursachte. Wenn ein Kind von Dingen erzählte, die kein anderer sehen konnte. Die wissenschaftlich nicht erklärt werden konnten und mit der Realität, die sich alle wünschten, nichts zu tun hatten.

Und wenn ein siebenjähriges Mädchen in der Leichtigkeit einer noch unbeschwerten Welt Sachen erzählte, von Schatten und Freunden, von einem anderen Leben, das bis zu dem Moment selbstverständlich für sie war, dann kamen sie: Mitleid, jener Blick, der sagte: „Sie ist nicht ganz richtig im Kopf.“ Aber auch die, die von Angst sprachen. Es war ein schleichender Prozess der Ausgestoßenen. Solange du niemanden verletzt oder schadest, wirst du toleriert, doch die Kluft zwischen dem Menschlichen wurde immer größer.

Einsamkeit. Sie schaute wieder auf. Bisher war das ersehnte Rauschen auf dem Asphalt und das Aufblitzen der Scheinwerfer nicht gekommen. Es war jenes Gefühl, niemanden zu haben, mit dem man sprechen konnte über die Bilder in ihrem Kopf. Die Gedanken. Irgendwann entstand das Bewusstsein, wirklich nicht „normal“ zu sein. Der Kampf, in eine psychologische Heilanstalt zu gehen, auf der anderen Seite der Versuch, sich der Welt anzupassen.

Es schlug fehl. Egal wie sehr sie sich bemühte, so wie alle anderen zu sein. Es schien etwas an ihr zu geben, das die Leute auf Abstand gehen ließ. Mit 18 wohnte sie bereits alleine. Keine Ahnung vom Leben. Verworren in sich und ihrer doppelten Welt.

Ein leises Wispern bewegte sich durch ihren Geist. „Geh weg!“ Und mit diesen laut ausgerufenen Worten kauerte sie sich dort im Regen auf die Straße. Zwischen den Schmerz der eigenen Seele begann sich Wut zu mischen. Warf ihre Emotionen von der einen Seite zur anderen. Zorn. All das, was um sie herum existierte, sollte verrecken. Sich in Nichts auflösen. Alle Menschen. Sie machte keinen Unterschied, ob es jemand verdiente oder nicht. Es war kein Bedürfnis, jemanden zu vernichten, der ihr Leid zugetragen hatte. Es ging um die Rasse Mensch, ein einzig barbarisches Volk, das es nicht länger Wert sein konnte, diese Welt zu bevölkern. Das die Natur aussaugt, nur des eigenen Nutzens wegen. Das den Puls und die Tiefe des Wunders nicht mehr fühlen konnte.

Ein kläglicher Laut rang über ihre Lippen. Das schlechte Gewissen meldete sich. Wer war sie schon, solche Gedanken zu hegen? Ein dummes, verrücktes Mädchen.

Das Wasser im Gesicht vermischte sich mit den verzweifelten Tränen. Und ihre Finger gruben sich tief ins Haar und pressten gegen die Kopfhaut. Diese Stimmen, all diese Bilder.

Wahnsinn! Es war das Einzige, was blieb. Es konnte nur Wahnsinn sein.

Das leise Plätschern erstarb nach und nach.

Irgendwann hob sie den Kopf. Ihr Zeitgefühl war schon lange verloren gegangen. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, als sie den Schritt heraus wagte und jetzt? Wo waren all die Autos hin? Warum kam keines?

Erschöpft erhob sie sich auf die Füße und lief wie betäubt zurück zum Wäldchen. Machte sich auf den Weg in ihr kleines Zuhause, das nur aus Chaos und Unordnung bestand. Kein Ort, der ein Stückchen Wärme versprach.

Nicht einmal der Gevatter wollte ihr heute Nacht Zutritt in seine Welt gewähren.

Die Stille dieser Welt ist so laut,dass sie jedes Geräusch überdeckt.

Kapitel 3

„Alte Welt“

„Ihr wollt wirklich jemanden in die Welt der Menschen schicken und an die Seite von Cashimaé stellen?“ Tamins Worte klangen nachdenklich. Er und zwei Kreismitglieder standen um einen großen Holztisch in den Hallen Natriells. Das Sonnenlicht des Nachmittags wanderte über den blutroten Marmor. Dessen schwarze Maserung ließ den Eindruck zu, dass der Boden lebte. Die ungläubigen Worte des Circanprefect von Natriell hingen eine Zeit lang im Raum, ehe Savinama bedächtig nickte. Ehrlichkeit lag in den bernsteinfarbenen Augen. „Die Spur von Barshim ist derzeit nicht zu verfolgen, doch Cashimaés Wesen steht vor einem Bruch. Ich denke, wir sollten ihr vorsichtig und ohne Aufsehen versuchen zu helfen. Es könnte unsere Chance sein, das ‚Buch des Lebens‘ wiederzufinden.“

Tamin legte einen Finger an das Kinn. Seine blauen Augen musterten den Magier aufmerksam. „Vielleicht habt ihr nicht so Unrecht. Wenn es wirklich ihr alter Geist ist, der sich mit ihrem menschlichen Dasein vermischt, wird früher oder später auch Barshim bei ihr auftauchen.“

„Ich möchte noch etwas hinzufügen …“, setzte der Kreisführer Liyiells an. „Es wäre zudem unverantwortlich, sollten wirklich auch ihre magischen Fähigkeiten zurückkehren, dass sie diese im Zustand der Zerrissenheit in Ecare Ter anwendet.“

Der blonde Magier trat auf ihn zu. „Allerdings, diesen Punkt habe ich noch gar nicht bedacht. Ich gebe zu, um die Menschen selber würde ich jetzt weniger trauern. Ich habe noch nie ein Volk gesehen, das so gnadenlos die Natur ausbeutet, wie sie es tun. Aber wir können nicht abschätzen, welche Auswirkungen es auch auf unsere Welt haben kann. Dafür sind die Bänder zu dicht miteinander verflochten.“ Erneut setzte Tamin an. „Habt ihr bereits mit eurem Kreis darüber gesprochen?“

Savinama bestätigte die Frage mit einem „Aé“ und die zwei Magier, in den weißen Roben Liyiells hinter ihm, ebenfalls. „Ich wollte euch nicht eigenmächtig einen Vorschlag unterbreiten, ohne zu wissen, was der eigene Kreis davon hält.“

Tamins Wohlwollen deutete sich in der Art seiner Antwort an. „Ich werde heute noch mit meinen Ratsmitgliedern darüber sprechen. Lasst uns morgen nach dem Aufstehen erneut zusammen kommen und über die Ergebnisse debattieren.“ Savinama verbeugte sich und verließ die Halle mit dem roten Marmorboden.

Eine Frau, groß von Gestalt mit langem, fast schwarzem Haar, schloss zu ihm auf. Ihre grünen Augen schauten den Circanprefect von der Seite an. Ihre weichen Rundungen gekleidet in ein dunkelgrünes Kleid, das in einem weit fallenden Rock endete. An den Ärmeln mit gleichfarbigen Stickereien besetzt. „Möchtest du den Rest des Tages etwas anderes unternehmen oder lieber arbeiten?“

Savinama blieb stehen und schenkte seine Aufmerksamkeit Failess. Jemand rumpelte ihn von der anderen Seite an. „Ich habe dich seit Wochen nicht gesehen, ich bin eindeutig für etwas anderes.“

Karaz grinste ihn frech an. Auch er hatte sich mit der Zeit verändert. Gekleidet war er in die blauschwarze Gewandung des Kreises. Das Haar trug er zwar kürzer, doch noch immer fiel es bis weit über die Ohren. Die grauen Strähnen an den Schläfen waren etwas breiter geworden und im Blick des Magiers lag nicht mehr nur der alte Schalk, sondern die Aufmerksamkeit eines Falken. „Ach ja? Und was wäre für dich was anderes?“ Savinama wandte sich dem Freund zu. „Mich ruft zuerst die Pflicht und ich muss nochmal in die Halle, wo dein Vorschlag auseinander gepflückt wird. Aber danach … Was hältst du von einem Ausritt?“

„Ich wollte mich eigentlich in die Bibliothek zurückziehen.“

Karaz verdrehte die Augen. „Du solltest dort langsam jedes Pergament und Buch auswendig können. Gut, ich werde der Besprechung beiwohnen und du gehst lesen. Danach wenigstens auf deinem Zimmer zu einem Glas Wein oder zwei. Vielleicht auch einer ganzen Flasche.“

Savinamas Gesicht streifte ein Hauch von Belustigung. „Glaube mir mein Freund, so gerne ich das machen würde, aber im Moment wartet zu viel Arbeit auf mich.“

Karaz´ Unmut ließ sich nicht mehr verbergen. „Lass mich raten, in all deinen Aufgaben hast du über die Jahrhunderte schon wieder vergessen, auch einmal an dich selber zu denken.“

Von hinten wurde nach dem Kreismitglied Natriells gerufen. „Wir werden uns einen Abend zusammen setzen. Heute ist es allerdings nicht möglich.“

Karaz strich sich mit der linken Hand nachdenklich durch den kurzen Bart, den er sich seit einiger Zeit wachsen ließ, seufzte dann laut und vernehmlich: „Wenn du das sagst.“ Er verneigte sich vor der Priesterin und ließ den Freund alleine zurück.

Savinama setzte seinen Weg fort. Failess folgte ihm über die Stufen, hinauf in das oberste Stockwerk, wo ein Zimmer für ihn bereit gestellt worden war.

„Er klang nicht sonderlich glücklich über deine Antwort, Savinama.“

Der Magier entledigte sich des schweren, weißen Mantels, während sein Blick zum Fenster wanderte.

Der Arbeitsraum war deutlich kleiner als der seine auf Liyiell. Dazu schätzte er den Ausblick vom Balkon zu Hause mehr. Die Schulhallen auf Natriell besaßen weder Balkone noch bodentiefe Fenster. Das runde Gebäude gab zur Hälfte den Blick auf den hohen Felsen frei, einen Teil auf den großen Platz und die Stadt. Nur zur Westseite über die Häuser hinweg aufs Meer. Ihm war das Glück beschert, den Felsen ansehen zu dürfen.

„Circanprefect?“

Erst jetzt wurde er sich der Gegenwart der Priesterin wieder gewahr. Sie stand abwartend hinter ihm. „Er wird es überleben.“

Failess nahm ihm den Mantel ab und mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck verließ sie das Zimmer.

Der späte Nachmittag zog über das Land und die Sonne berührte bereits den Rand des Horizontes.

In der großen Bibliothek Natriells hatte sich der Circanprefect, wie angekündigt, an einen großen Tisch zurückgezogen und war gänzlich vertieft in die Schriften, die vor ihm ausgebreitet auf dem Tisch lagen. Einige in Form von Büchern, andere in Pergamentrollen.

Die deckenhohen Regale aus dunklem Holz erhoben sich stolz an den Wänden und im Raum. Der Boden schimmerte wie flüssiges Blut im Schein der ersten Kerzen und Fackeln.

Das Wissen, das hier lagerte, war so alt wie die Kreise selbst. Zusammengetragen von den Halbelfen, die sich von jeher liebevoll um jedes Stück kümmerten.

„Ihr arbeitet viel, werter Circanprefect.“

Savinama sah auf. Vor ihm stand eine Frau. Mit dunklen, lockigen Haaren. Im Rücken mit zwei Ringen zusammengefasst. Ihre Figur fraulich gekleidet in ein schweres, lavendelfarbenes Kleid.

Sie schaute ihn an, ohne ihn wirklich anzusehen, denn ihre Augen waren weiß. Ohne Iris, ohne Pupillen. „Shaane.“ Die Seherin der Alten Welt. Der Magier hatte sie nicht herein kommen hören.

„Timadena, Savinama, Circanprefect Liyiells.“ Sie beugte ihr Haupt dezent zum Gruße, während ihre Hände vor ihrem Schoß wie ein Kelch zusammengelegt ruhten. Er fühlte die Autorität, die von ihr ausging.

Sie war die Einzige, die wie er nicht „Timadenara“ zum Gruße sprach, sondern „Timadena“. In all der Zeit, in der er sich nun mit den alten Schriften beschäftigte, hatte Savinama herausgefunden, dass es von einem der Ursprungssprachen herrührte, die in der Alten Welt gesprochen wurde, ehe man sich darauf einigte, eine allgemeine Sprache zu lehren, die alle nutzten.

In den fast 700 Jahren, die er als Kreisführer sein Land leitete, versuchte er manchmal seine Ausdrucksform zu ändern, allerdings verfiel er immer wieder in diese alte Wortwahl. Er erhob sich und verbeugte sich ebenfalls. „Timadena, voicisia di tempa. Ehre eurem Weg, Stimme der Zeit.“

Sie zeigte ein sanftmütiges Lächeln, dann strichen ihre Finger über eines der Pergamente. „Alte Geschichten, Savinama?“

„Aé.“ Eine Zeit lang herrschte Stille. Als würde sie ihn sondieren. Endlich wandte sie sich ab, schritt zu einem der Fenster und wandte ihm damit den Rücken zu.

Savinama bemerkte die eigene Anspannung und versuchte sich wieder zu besinnen. Shaanes Besuche waren selten, aber niemals ohne Grund. Innerlich wappnete er sich bereits auf die Vorwürfe, die garantiert wieder kommen würden. Immer wieder hing sie ihm mit unterschwelligen Worten in den Ohren über die Vergangenheit und die Zukunft, die er nicht deuten konnte. Der Circanprefect war sich bewusst: Sie war die Stimme der Zeit. Sie kannte die Vergangenheit, die Gegenwart und sie sah einen Teil der Zukunft. Doch sie durfte sich niemals direkt in die Ereignisse einmischen.

„Di elementare asure su ruease. Das Element Luft ist zurückgekehrt“, erklang schließlich ihre warme Stimme. Erschrocken machte der Magier eine Bewegung zur Seite, worauf er einen Becher umstieß, dessen Inhalt sich auf der hölzernen Platte ausbreitete und der goldgelbe Wein in die Seiten eines Buches und eines Pergamentes einsog.

„Are debra. Verfluchter Mist.“ Mit diesen deftigen Worten versuchte der Circanprefect zu retten, was zu retten war.

Wie aus dem Nichts erschien eine kleine, schmale Gestalt vor ihm. Mit gezielten Händen umfassten lange Finger die Schriften, legten alles zur Seite, breiteten ein Tuch aus und betteten darin das Pergament ein. „Entschuldigt.“

Bei seinen Worten schaute die Halbelfin auf. Ihre großen, warmen Augen deuteten ein Lächeln an, dann trug sie die Sachen davon. Als sie wieder alleine waren, wandte sich die Seherin dem Circanprefect zu. „Was hat euch daran so erschreckt? Dass ich weiß, was letzten Winter geschehen ist? Oder dass ich euch in einer Sprache angesprochen habe, die nur noch wenige beherrschen?“

Er konnte den Spott vernehmen. Savinama erinnerte sich daran, wie er damals bei ihr die Grundfeste der Magie erlernte. Als er ohne Erinnerung an die Vergangenheit sein Leben neu sondierte. Es gab eine Zeit, in der er zu ihr aufsah. Ihre Ruhe liebte, ihre Intelligenz. Shaane umgab etwas mystisch Geheimnisvolles. Es hatte ihn vor langer Zeit beeindruckt. Auf der Suche nach sich selbst, noch bevor er Circanprefect wurde. Das Tal, all die Wesen, die dort lebten und der Mut sich selber aufzugeben und damit in die Weisheit einer Charfea eintauchen zu dürfen.

Damals …

Seit er das Land führte und leitete, tauchte Shaane immer wieder auf. In ihrem Gesicht, ihrer Stimme, ihrer Gestik, einfach allem, was sie ihm gegenüber tat, verspürte er einen vorwurfsvollen Zug. Er war sich ihr gegenüber keiner Schuld bewusst. Zumindest keiner, an die er sich erinnern konnte. Warum fühlte er sich in ihrer Gegenwart immer so bedrängt? Und jedes Mal die Frage: was mit seinen Erinnerungen sei.

Am Anfang hatte er es eher leicht genommen, doch die letzten Jahre verursachte ihr Erscheinen eine Antipathie in ihm, die so gar nicht typisch für Savinama war und die er auch nicht erklären konnte. Innerlich gestand er sich gerade ein, er war genervt, wenn sie auftauchte. Vielleicht lag es daran, dass er wusste, vor ihr konnte er nichts geheim halten. Nicht so wie bei allen anderen. Und dass sie von seinem Zusammenbruch wusste, fühlte sich an, als würde sie in die intimsten Bereiche seiner Privatsphäre eindringen.

Seine bernsteinfarbenen Augen fixierten sie. Wahrscheinlich war das der Grund. Sie konnte in ihm lesen wie er in einem Buch.

Sie kam langsam wieder auf ihn zu. „Es geht nicht darum, was ich weiß, Savinama, sondern das, wogegen ihr euch wehrt.“ Ihre Hand legte sich auf eines der Bücher. Er verstand die Geste. Ja, sie hatte recht. Er wehrte sich und handelte im gleichen Atemzug dagegen. Indem er Antworten in alten Schriften suchte, jedes Mal, wenn neue Erinnerungen in ihm auftauchten. Aber es war das Gefühl, dass er selber bestimmte, wie weit er gehen wollte und nicht weil andere ihn dazu drängten.

Ihre Züge wurden ernst. „Ihr seid jemand, der immer die extreme Seite im Leben gewählt hat. Damals, in der Mitte und Heute.“

„Ist das so?“, antwortete er kurz angebunden.

Ihre Finger griffen in den Wälzer und schlugen die Seiten auf. „Ich habe es damals gesehen, als ich euch darum bat, Failess in den Stand einer Priesterin zu erheben. Da habt ihr es auch schon erkannt. Savinama Merat, aus Saantes.“ Er erstarrte in der Bewegung. „Ich darf euch nicht beeinflussen, aber nichts hindert mich daran, das, was ihr schon wisst, auszusprechen.“ Ihre Hand legte sich gegen seine Wange und von der Härte, die in ihren Worten lag, schwang ein Hauch von Wärme mit. „Damals habt ihr euch selber aufgegeben, in Verzweiflung, in Hass und Verachtung. Und doch wart und seid ihr der größte Magier, den diese Welt je gesehen hat. Wagt es, in euren eigenen Spiegel zu sehen, damit die Bilder wieder leben können.“

„Was …“, brachte er unfreundlich heraus. „Was habt ihr davon, wenn ich meine Erinnerungen zurückerlange, Shaane? Ihr wisst so viel, sagt ihr und kommt nie auf den Punkt. Wenn wir also bei offenen Worten sind, dann sprecht es aus. Welchen Nutzen zieht ihr daraus? Muss ich mich bei euch für irgendetwas entschuldigen? Statt stumpfsinnige Andeutungen zu machen, steigt doch einmal von eurer arroganten Position herunter und sagt es einfach.“ Seine Worte kamen schneidend und der Magier erschreckte sich vor seiner harschen Art. Doch gesagt war gesagt, also stand er dazu und schaute sie provozierend an.

Als habe sie eine Schlange gebissen, zog die Seherin ihre Hand zurück. Er beobachtete, wie ihr Kiefer arbeitete. „Ich und arrogant, Savinama? Ich bin nicht euer Feind, doch solltet ihr mich auch nicht dazu machen.“

Er pustete spöttisch die Luft über die Lippen. „Oh, ist das eine Drohung? Wollt ihr einen Krieg gegen mich beginnen? Wenn ja, wäre es nett, wenn ich wenigstens den Grund dafür kenne.“

„Den Krieg werdet ihr so oder so bekommen, Circanprefect. Der Friede herrscht schon viel zu lange unter eurer Führung. Das solltet ihr mit eurer Lebenserfahrung aber bereits erkannt haben.“

Die Worte verursachten tiefe Verärgerung in ihm. Savinama klappte das Buch wieder zu, ohne einen Blick hinein zu werfen. Es war ihm in ihrem Beisein gleichgültig, was dort stand. „Ich widerspreche euch, Seherin! Ich glaube an den ewigen Frieden und dies wird auch nichts daran ändern, dass ihr mit Worten immer wieder versucht, daran zu kratzen wie ein räudiger Chrishka.“

Sie machte einen Schritt zurück und nahm ihre unnahbare Art wieder an. „Ihr irrt Savinama. Wenn ihr ein Land führen wollt, dann gebt dem Volk den Frieden. Doch es wird der Tag kommen, an dem ihnen der Friede langweilig wird. Dann schenkt ihnen einen neuen Krieg. Damit sie wieder lernen, Achtung und Respekt vor den Dingen zu haben, die ihnen in der Langeweile selbstverständlich geworden sind. Wenn sie des Krieges überdrüssig sind, kehrt zum Frieden zurück. So leitet man ein Land, ein Volk, eine ganze Welt! So ist der Kreislauf der Natur. Werden und Vergehen. Es kann nichts Neues entstehen, wenn nichts Altes geht. Man kann nicht von der einen Seite erzählen, wenn man nie Bekanntschaft mit der anderen gemacht hat. Eine Wahrheit, der gerade ihr ins Auge blicken solltet!“ Sie schritt zur Tür, doch ehe sie hinaus ging, wandte sie sich ein letztes Mal um. „Ihr habt diesen Kreislauf mehr wie einmal zerstört und ich werde nicht zulassen, dass dies noch einmal geschieht.“ Damit schlug sie die Tür laut hinter sich zu.

Zornig starrte der Circanprefect die schwere Holztür an. Es waren wieder nur schwammige Worte einer Frau, die scheinbar etwas anderes von ihm wollte. Er wusste allerdings nicht was. Aber egal wie, nur weil sie es wünschte, würde es keinen Krieg geben.

– Langeweile – Er hatte die Worte schon mal gehört. Barshim äußerte sie, als er damals auf Liyiell lebte und sich mit ihm über die Magie unterhielt. Was wäre, wenn man die ganze Macht der Elemente beherrschte? Würde man nicht unweigerlich irgendwann zum Bösen werden, der aus Langeweile alles zerstörte, weil es für einen selber nichts Neues mehr gab? Keine Herausforderung, für die es sich lohnte, neu anzufangen?

– Es kann nichts Neues entstehen, wenn nichts Altes geht –

Er richtete sich auf. „Es gibt ihn, den ewigen Frieden, Shaane!“ Seine Worte hallten laut und vernehmlich durch die Bibliothek. Sie waren nur für ihn bestimmt.

Das Zittern, das am Rande durch seine Hände lief, nahm er im Moment der Verärgerung nicht wahr.

Tiefe Nacht lag über Natriell. Vereinzelnd spendeten Laternen den engen Gassen ihr Licht von einsam flackernden Kerzen. Die gepflasterten Straßen spiegelten sich in der Feuchtigkeit des Nieselregens, der vom Meer über das Land zog. Leise Schritte durchwanderten die Wege. Immer einen Blick auf die Flammen der Stadt, auf erlöschende Lichter, um sie gegebenenfalls austauschen zu können. Ein Nachtwächter.

Manchmal vermischte sich in die Stille ein letzter Gesang von Betrunkenen, die den Weg aus den Tavernen nach Hause suchten.

Unter einem Vordach, verschmolzen mit den Schatten, stand eine große Gestalt. Abwartend, mit einer Geduld, die nur jemand besitzen konnte, der die Unendlichkeit seinen Freund nannte. Irgendwann verwischte der Regen auch die letzten Geräusche der offenen Straßen. Er hob etwas den Kopf. Der Rand der Kapuze ließ nur die Nase und die weichen Lippen erkennen, alles andere verschwand im Dunkeln.

In der Höhe der Augen flammte etwas auf. Ein funkelndes Gelb. Den Kopf zur Seite geneigt lauschte er auf die Dinge, die das normale Gehör nicht mehr wahrnehmen konnte. Es formte sich in seinem Kopf zu Bildern schlafender Menschen. Dem Schnauben oder Scharren eines Pferdes. Dem Trippeln kleiner Mäusefüße, die auf Beutezug gingen.

Unter dem schweren Wollmantel kam eine Hand zum Vorschein. Männerhände, um deren Handgelenke sich dicke Lederbänder schmiegten. Er öffnete die Finger und darin erschien ein bläulich schimmernder Nebel. Mit einer Geste, schon fast zärtlich, entließ er den Schimmer in die Nacht hinaus.

Es floss über den Boden und breitete sich aus. Durchdrang die Gedanken und Träume aller. Der Magier lehnte sich wieder zurück und streckte den Kopf dem Himmel entgegen, die Augen geschlossen. Die Handflächen gegen die raue Hauswand gedrückt, als wollte er durch sie den Halt zur Realität nicht verlieren.

Wispernde Stimmen trugen Bilder in seinen Geist. Er sah lachende Erinnerungen von Kindern, die bei Tage am Strand spielten. Von Männern, innig verbunden mit ihrer Angebeteten. Von Frauen, die Babys in ihren Armen hielten. Der Schmied, wie er im Traum noch einmal das Schwert polierte, das er heute fertiggestellt hatte. Für ihn waren es lächerliche Bilder. Bilder, die so banal waren, dass es seinem Verstand versagt blieb zu verstehen, warum all diese Leute glücklich waren.

Es war nicht das, was er suchte. Der Nebel wanderte weiter und erreichte den großen Platz vor den Schulhallen Natriells. Behutsam sandte er seine Gedankenwelt weiter hinaus. Bilder breiteten sich aus, von Prüfungen, Schülern, die sich sorgten, von Streitereien. Vermischten sich mit den Gefühlen von Sorgen und Furcht. Berührten Unzufriedenheit von Lehrern und Ängsten, aufgrund von anstehenden Änderungen.

Es begann interessant zu werden. Etwas lag in der Luft. Vorsichtig verließ er seinen Platz und bewegte sich auf das Schulgebäude zu. Der Nebel erreichte eine hohe Doppeltür. Wie ein Windhauch floss er darunter hindurch. Über drei Stufen, die nach unten führten. Er bewegte die Finger und das Licht breitete sich auf dem Boden aus. Die heiligen Hallen von Natriell.

Worte aus vergangener Zeit füllten seinen Kopf. Erzählten von dem Unrecht, das ihnen damals widerfahren war.

– Bestraft mit dem ewigen Leben, was für ein Urteil –

– Es ist egal, was ihr tun werdet, wir kommen wieder. –

Es waren seine eigenen Worte gewesen. Vor so langer Zeit.

– Ihr habt versucht, uns zu besiegen. Ihr habt versagt! –

Ein dunkles Knurren drang aus seiner Kehle. Es war, als stünde er wieder dort mit Cashimaé. Als wäre es eben erst geschehen. Die Verachtung kehrte zurück und mit ihm vermischte sich uralter Hass. Der sich mit jedem Leben, das er in der Welt der Menschen ertragen musste, vertiefte. Wie das Wasser, das über Jahrhunderte den Felsen höhlte und als kleines Rinnsal eine Schlucht formte. Mit jedem neuen Erwachen jagte die Verzweiflung durch seine Adern, wenn er wieder ohne sie gehen musste.

Die Erkenntnis, belogen und betrogen worden zu sein.

Barshim hob den Kopf. Die Kapuze fiel in seinen Nacken. Das dunkelbraune Haar ebenso. Von den ersten Spitzen tropfte das Wasser. Auf seiner Stirn eine tiefe Falte. Die Hände zusammengepresst, dass die Knöchel weiß hervortraten.

Oh ja, er hatte der Alten Welt den Untergang prophezeit.

Ein düsteres Lachen entfuhr ihm.

– Bist du sicher, dass es so belustigend ist, Barshim? –

Damals war Barshim der festen Überzeugung gewesen, dass es einen Geheimen Rat geben musste, der alles und jeden leitete und über die Geheimnisse wachte. Damals besaß er keine Vorstellung davon, wie nah er der Realität kam und wie weit entfernt von ihr er sich bewegte. Dass die Wahrheit direkt vor ihm stand und er sie einfach nicht sah. Mit eigener Blindheit gesegnet. Cashimaés und seine Existenz nur durch eine Entscheidung besiegelt. Der Entscheidung eines einzelnen Mannes.

Barshim konnte ihn fühlen. Er war hier, in diesen Hallen. Die Zeit war gekommen. Die Zeit der Rückkehr und des Erwachens. Die Zeit der Rache.

Vielleicht hätte er niemals verstanden, was dieses Wort bedeutete, wäre er nicht in diesen Körper eingesperrt worden. Es war irrelevant darüber nachzudenken, denn es war geschehen. Er würde wieder frei sein. Und sie auch. Doch erst musste der Bann gelöst werden.

Oh ja, er würde den Mann zerstören, der ihn aussprach. Und damit alles, woran dieser glaubte. Dessen Vergangenheit auslöschen, bis nichts mehr von ihm übrig blieb und er am Ende auf Knien darum flehte, in Asche und Rauch aufzugehen. Sie würde ihn diesmal nicht retten. Denn er hatte sie den Hass gelehrt und die Liebe dabei vergessen.

– Die Ewigkeit trägt Grenzen, doch sie wird wieder grenzenlos sein –

Und damit legte er die unterschwellige Botschaft in die Energien. „Bringt sie zurück.“ Die Worte zerflossen in den Steinen. Breiteten sich in dem Raum aus, durchzogen die Schatten und gingen auf die Suche. Sie würden finden.

„Nuavera, Ecares Vigil“ Und mit diesen Worten löste sich Barshims Gestalt auf.

Kapitel 4

„Ecare Ter“

Sie saß in ihrer kleinen Wohnung in der Ecke zwischen dem Sofa und einem kleinem Schrank. Der Aschenbecher zu ihren Füßen voll, die Weinflasche daneben leer.

Seit einigen Monaten war sie arbeitslos. Es hatte ihr den letzten Halt geraubt, der sie vor der Düsternis ihres Inneren bewahrte. Es kamen Menschen, die ihr helfen wollten. Ihr erzählten, dass sie doch so liebenswert war und ein Licht im Dunkeln.

Ihr helles Lachen in dem kleinem Raum sprach von der Bitternis in ihr. Oh ja, Licht. Ein tolles Licht. Wenn sie alle wüssten, welch dunkle Schatten auf ihrer Seele lagen.

Alleine diese Träume.

Sie steckte sich eine neue Zigarette an und lehnte den Kopf gegen die Wand. Da war dieser Traum, der sie seit einigen Jahren verfolgte. Nacht für Nacht. Der auch im hellen Tageslicht einfach nicht verschwinden wollte.

Sie stand an diesem Strand. Sie wusste, sie war sie und doch jemand anderes. Den Blick aufs Meer gerichtet. Die Weite des Wassers. Sie konnte die Wärme der Sonne auf der Haut fühlen. Das Lachen von Menschen um sie herum. In sich fühlte sie eine solch tiefe Traurigkeit und trotzdem, …

Sie konnte spüren, wie sich die Energien um sie herum aufbauten. Wie etwas über das Wasser zog. In ihrem Kopf flüsterten leise Worte in einer Sprache, die so fremd und doch vertraut ihre Seele berührten: „Es kommt.“

Und damit wandte sie dem Wasser den Rücken zu und blickte auf das Land. Nicht weit von ihr entfernt spielte ein Kind im Sand. Vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Das Kind hob den Kopf und ihre Blicke begegneten sich. Unterbewusst nahm sie wahr, dass immer mehr Menschen auf das Meer starrten. Das Wasser war hinter ihr bereits weit zurückgetreten, ihre Aufmerksamkeit galt dem Kind. Keine entsetzten Schreie rissen sie heraus. Auch nicht, als viele versuchten fortzulaufen. Denn sie wusste, es war bereits zu spät. In ihr Herz brannte sich dieser Blick aus den klaren, unschuldigen Augen ein. Die Schwere in ihrem Inneren und sie fühlte, wie doch ein zärtliches Lächeln ihr Gesicht streifte. Voller Wärme und Liebe.

Und dann war sie da, die Welle. Sie zog die Arme zur Seite hoch und legte den Kopf in den Nacken. Die Welle raste über sie hinweg und durch sie hindurch. Es löschte die Welt um sie herum aus. Die Kraft in ihr war riesengroß, sodass es wehtat. Der Aufprall auf dem Land wie eine Erlösung, als die Fluten alles hinfort spülten.

Es gab einen Sprung in ihrem Traum und sie sah sich selbst barfuß über ein Land schreiten. Überall Wasserpfützen, die schillernd das Licht der Sonne widerspiegelten.

Es war rein. Für einen Moment war der Zorn und der Neid, den diese Rasse untereinander hegte, in einem einzigen Atemzug der Ewigkeit hinweggespült worden. Obwohl die Erinnerung an das Kind noch greifbar nachhallte, regte sich keine Reue in ihr. Nur tiefe Wärme. Die Luft war frisch und sauber. Es war eine erste Warnung. Etwas, das viel zu lange in ihr schlief, hatte für einen Moment einen Weg gefunden, das Herz der Welt wieder schlagen zu lassen. Die Welle machte keinen Unterschied darin, welchen Rang jemand besaß, ob er arm oder reich war, jung oder alt. Die Natur richtete nicht. Sie hatte sich nur einen Moment des Atmens erkämpft.

Und damit wachte sie immer wieder auf. Sie brauchte oft Stunden, um zurückzufinden und sich bewusst zu werden, dass es nur ein Traum war. Allerdings kehrte auch der Blick des Kindes zurück.

Es tat furchtbar weh. Der Gedanke, kein Mitleid zu kennen in diesem Moment, machte ihr schwer zu schaffen.

Und dann kam dieser Tag. Der Tag, an dem die Welt den Atem anhielt, fassungslos die Bilder in den Nachrichten verfolgte und Tausende von Menschen ihr Leben verloren. Und sie? Sie empfand eine unendliche Ruhe.

An jenem Abend saß sie an ihrem Computer und war nebenbei in einem Chat. Dort las sie aus den Augenwinkeln die Worte: „Wir haben versucht, unsere Energien zusammen zu schließen und gegen die Welle zu stellen, sonst wäre es noch viel schlimmer geworden.“

Schneller als sie denken konnte, flogen ihre Finger über die Tastatur, drückten die Enter-Taste und schickten damit die Botschaft in das www: „Ihr hättet niemals etwas tun können, denn ich war die Welle!“ Noch in der gleichen Sekunde starrte sie schreckensbleich auf diese Worte und löschte sich selber augenblicklich aus dem Chat, bevor jemand darauf reagieren konnte.

Gleichzeitig fing sie an zu lachen. Diese Möchtegern-Esoteriker mit ihrem ‚Licht und Liebe‘-Geschwafel. Sie hatten keine Ahnung. Die Welle aufhalten. Sie abschwächen. Gar nichts konnten sie. Niemand würde sich ihr in den Weg stellen. Diese dummen Menschen. Wer waren sie schon? Sie redeten von besonderen Mächten, von Kräften und benutzten das Wort Magie in einer Art und Weise, die nichts mit Respekt zu tun hatte. Zudem nutzten sie Hilfsmittel wie Zeremonien, irgendwelche Gegenstände und Ähnliches, um ihre angeblichen Kräfte nutzen zu können. Einfach erbärmlich. Sie beschmutzten die Elemente mit ihrem Dasein, keine Ahnung, was es bedeutete, die Natur zu achten. Dafür brauchte man nicht „erleuchtet“ zu werden.

Sie griff nach der Flasche, um festzustellen, dass sich kein Tropfen mehr darin befand. Plötzlich flammte ein Licht durch ihren Kopf. Stimmen durchbrachen ihren Geist. Worte, die so klar waren, als spräche sie jemand direkt zu ihr.

Ein Mann stand vor ihr. Dunkelbraune Augen, fast schwarz, blickten direkt auf den Grund ihrer Seele. „Nichts und niemand wird uns trennen, Breda.“

Und mit dem gleichen Atemzug verschwand er wieder. Sie schluchzte leise auf. Was war denn nur los mit ihr? Wie konnte es sein, dass Dinge in ihr auftauchten, als wären es ihre eigenen Erinnerungen, konnten es jedoch nicht sein. „Naishnema“, flüsterte sie in die Dunkelheit. Sie wusste, dass dieses Wort „Niemals“ bedeutete. Aber woher?

Eine ganze Weile wurde das Internet ihr bester Freund. Irgendwann rutschte sie in diese Gruppen mit Esoterikern, bereit mehr zu erfahren, als ihr logisch denkender Geist wahrhaben wollte.

Sie fand auch hier keine Antworten. Nur eine innere Antipathie, wenn Menschen davon berichteten, dass sie Engel sehen konnten. Sie fühlte sich fehl am Platz, von der realen Welt nicht verstanden. Alles war falsch und nichts richtig. Für eine Weile fand sie Menschen, mit denen sie normal über diese Dinge sprechen konnte, doch sobald es um den ewigen Frieden ging, übernahm etwas in ihr die Oberhand mit einer solchen Arroganz, dass es irgendwann Zeit wurde, diese Menschen wieder zu verlassen.

Sie war einsam. Der Gedanke festigte sich immer mehr, nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Eine einfache Erklärung, mit der sie sich abfinden konnte und dann doch nicht wollte. Vorsichtig versuchte sie aufzustehen und wäre fast über die eigenen Füße gefallen. Zu viel Alkohol im Blut, der die Koordination außer Kraft setzte. Sie schleppte sich zum Bett, warf ihre Kleidung achtlos zur Seite und rollte sich ein.

Der Schlaf kam schnell. In dieser Nacht war er anders.

Als sie die Augen öffnete, war sie sich bewusst, noch zu schlafen. Dass ihr Körper müde und krank auf der Bettdecke lag. Trotzdem war alles real.

Sie stand auf einer Wiese auf einer Anhöhe. Sie konnte den Duft von frischem Gras riechen, nach einem ersten Sommerregen. Schmetterlinge flatterten über kleine Blüten und Bienen summten in der Luft. Unterhalb des Hügels begann ein großer Wald aus Laubbäumen.

„Hallo.“

Sie fuhr bei den Worten herum. Für den Bruchteil einer Sekunde verschwamm die Umgebung. Es war, als stünde sie auf einem nachtschwarzen See und unter ihren Füßen bewegten sich kleine Ringe von ihr weg. Dann war diese Wiese zurück. Vor ihr ein kleiner Junge. Er lächelte sie an. Braune Augen und braunes Haar, das ihm bis zum Kinn fiel.

Er trug ein Leinenhemd und eine Hose, in ähnlicher Farbe wie sein Haar. Er war barfuß und mochte nicht älter als sieben oder acht Jahre sein. Er legte den Kopf zur Seite. Die Offenheit und Wärme, die von ihm ausstrahlte, berührte sie. „Wer bist du?“

Sollte nicht sie das fragen? Seltsam. Sie konnte es nicht erklären, etwas sagte ihr, dass er in ihr ein kleines Mädchen sah.

Und sie? Sie stand einfach da. Als wäre ihr der Sinn der Worte verlorengegangen. Sie nahm die Schwingungen in sich auf, die von ihm kamen. So rein und ehrlich. Eine andere Art von Liebe, ohne dass sie die Bedeutung darin verstand. Sie fühlte sich verbunden mit allem, was um sie herum existierte, als wäre sie selbst alles und nichts davon. Sie nahm auf seiner Brust ein Medaillon war. Ein silberner Ring. In seiner Mitte ein Dreieck, an dessen Enden kleine, blaue Steine funkelten.

Er hob die Hand, als wollte er sie berühren, in diesem Moment zog es sie zurück, oder tiefer in den Schlaf. Ein Wort hallte in ihrem Unterbewusstsein nach. Es schmerzte in ihrem Herzen, weil sich in diesem einen Wort so viel verband. Wärme, Hoffnung, Reinheit, Liebe.

– Sherafee –

„Alte Welt“

Barshim fuhr von seinem Lager hoch.

„Breda?“ Ungläubig sprach er das Wort in der kleinen Höhle am Rande der Berge aus.

Für einen Atemzug hatte er sie gefühlt, ihren Geist berühren können. Sie war wie ein sanfter Schmetterling durch seine Träume gezogen.

Er konnte sie beide sehen. Dort auf dem See. Im Inneren noch der Abstand, weil sie sich nicht an ihn erinnerte. Der Krieger war sich jedoch sicher, wenn sie sich im Schlaf schon so nahe kamen, würde es nicht mehr lange dauern, bis auch ihre Erinnerungen zurückkehrten.

Im Gegensatz zu ihr fand er die seinen schon vor zehn Jahren und es brauchte danach nicht viel, um zu wissen, wie er nach Hause kommen würde.

Seitdem wartete er. Trainierte seinen Körper, seinen Geist. Beobachtete und trug die letzten Puzzlesteinchen zusammen. Denn er schaffte es nicht mehr, nach Ecare Ter zurückzukehren, um dies selber in die Hand zu nehmen. Was er damals nicht wusste, dass der Kreisführer Liyiells das größte Puzzleteil darin ergeben sollte. Zwar konnte er nicht alles zusammensetzen, doch er legte die Einzelteile so, dass sie bald ein ganzes Bild ergeben würden.

Seine Cashimaé. Er erhob sich, trat vor die Höhle und blickte dem Sonnenaufgang entgegen. Barshim wusste, dass es ein Band in ihm gab, das zu einem uralten Drachen führte. Sein eigenes Sein. Und Cashimaé jene Waage bedeutete, nach der alle suchten. Das Buch des Lebens.

Der Krieger lachte. Sollten sie suchen. Ob die Magier je begreifen würden, dass sie einen Gegenstand suchten, der eigentlich nicht existieren durfte? Warum? Nur wegen einem Wächter, der aus Feigheit seine eigenen Erinnerungen verbannte. Barshim besaß eines, Geduld. Er fand das Spiel, das derzeit seine Kreise zog, amüsant. Solange Cashimaé noch nicht zurückkehrte, würde er die Alte Welt beobachten. Vielleicht hier und da etwas anstoßen, bis zu dem Tag, an dem sie wieder frei sein würden. Sie war auf dem Weg nach Hause.

Vielleicht sollte er dem Spiel etwas Würze verleihen, damit es bis dahin nicht langweilig werden würde.

Früh am nächsten Morgen schritt Savinama gedankenverloren durch die Flure der Schulhallen Natriells.

„Circanprefect?“ Er hob den Kopf und erkannte Tamin, der geradewegs auf ihn zukam. „Auf ein Wort.“

„Natürlich“, bestätigte dieser freundlich.

„Es geht um diese Geschichte mit Cashimaé. Wir haben gestern noch lange darüber gesprochen, wer sie aufsuchen sollte. Ich habe euch vorgeschlagen.“

Savinama hätte sich fast an seiner eigenen Spucke verschluckt. „Was? Wieso ich?“

Tamin wies mit einer Hand über den Flur, um ihm anzudeuten, dass sie gemeinsam ein Stück weitergehen sollten.

„Ihr seid jemand, der Menschen begeistern kann. Dazu hat es immer etwas Beruhigendes, gerade bei Frauen, wenn man schon älter und weiser wirkt.“ Der Circanprefect Liyiells runzelte die Stirn und warf Tamin einen kurzen Seitenblick zu.

Tamin wirkte restlos überzeugt von seiner Idee. Seine Augen strahlten Savinama an, dass dieser meinte, in ihm einen kleinen Jungen zu sehen, der zum ersten Mal an den Sommersonnenfeuern teilnehmen dürfe.