Mammadiagnostik für MTRA/RT - Uwe Fischer - E-Book

Mammadiagnostik für MTRA/RT E-Book

Uwe Fischer

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Beschreibung

Alles, was MTRA in der Mammadiagnostik für eine perfekte Mammografie wissen müssen - einschließlich der aktuellen Qualitätssicherungsmaßnahmen:

  • Anatomie, Physiologie und Entwicklung der Brustdrüse
  • Tumorentstehung, Pathologie
  • Alle Verfahren: analoge und digitale Mammografie, Mammasonografie, Mamma-MRT, Mammainterventionen
  • Praxisnah und auf den Punkt: Mammografietechniken, Einsatz und Befundung, Entwicklungen, Qualitätssicherung, Einstelltechniken
  • Hinweise und Tipps zur Arbeitsorganisation
  • Interaktion und Kommunikation mit den Patientinnen: Beratung, Aufklärung, Verhaltensempfehlungen

Basierend auf dem Lernzielkatalog des Zertifizierungskurses zum Erwerb der Qualifikation als Fachkraft in der Mammadiagnostik.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 357

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Edition Radiopraxis

Mammadiagnostik für MTRA/RT

Uwe Fischer, Friedemann Baum

Klaus-Peter Hermann, Anke Küchemann, Susanne Luftner-Nagel, Jutta Rüschoff

517 Abbildungen

Vorwort

„Gute MTRA sind nicht alles, aber ohne eine gute MTRA ist alles nichts“. Diese Weisheit stammt von Bernhard Lewerich, dem ehemaligen Geschäftsführer der Deutschen Röntgengesellschaft. Sie trifft sicherlich für alle Bereiche der bildgebenden Diagnostik zu, in besonderem Maße jedoch für den Bereich der Mammadiagnostik. Die Basis einer hochwertigen Diagnostik im Bereich der weiblichen Brust beruht auf verschiedenen Säulen: Moderne Untersuchungsgeräte, qualitätsgesicherte MTRA und erfahrene Ärzte. Keine Schwäche in einer dieser drei Säulen kann durch die Qualität der jeweils anderen beiden Säulen kompensiert werden. Das Gesamtergebnis kann daher nicht optimal sein, wenn einer der drei Bereiche eine Limitation aufweist. So limitiert die inkomplett abgebildete Brust im Mammogramm auch den besten Auswerter, und das optimal eingestellte Mammografiebild führt nicht zur korrekten Diagnose, wenn ein wenig erfahrener Arzt relevante Mikroverkalkungen fehlinterpretiert.

Für den Bereich der MTRA gibt es seit etwa 10 Jahren bundesweit die Möglichkeit zur „Zertifizierung zur Fachkraft in der Mammadiagnostik“ in Form eines 40-stündigen Kurses, der in verschiedenen Städten in Deutschland regelmäßig und mehrmals pro Jahr angeboten wird. Ergänzt wird dieses qualitätssichernde Programm durch Refresherkurse, die nach der primären Zertifizierung alle 3 Jahre empfohlen werden. Das aktuelle Angebot ist unter „https://www.vmtb.de/site/veranstaltungen/kategorie/zertifizierungskurse“ einsehbar.

Die erwähnten Zertifizierungs- und Refresherkurse stellten für die MTRA und Ärzte des Diagnostischen Brustzentrums Göttingen die wesentliche Motivation dar, für die Teilnehmerinnen ein kursbegleitendes Buch zu verfassen. Dieses Vorhaben konnte idealerweise innerhalb der bereits etablierten Reihe Edition Radiopraxis von Thieme verwirklicht werden. Hierfür möchten wir uns an dieser Stelle ausdrücklich bedanken beim Team vom Thieme Verlag und insbesondere bei Frau Susanne Huiss und Herrn Dr. Christian Urbanowicz.

Inhaltlich beschäftigt sich dieses Mammabuch mit den Themenkomplexen, die auch innerhalb der Zertifizierungs- und Refresherkurse gemäß definiertem Lernzielkatalog aufgeführt sind. So werden vorab die relevanten Grundlagen zur Anatomie, Physiologie und Tumorentstehung sowie zum Risikoprofil präsentiert, gefolgt von Ausführungen zur Pathologie gut- und bösartiger Mammaveränderungen. Ein wesentlicher Bestandteil des Buches beschäftigt sich mit den drei etablierten Untersuchungsverfahren (Röntgenmammografie, Sonografie und Magnetresonanztomografie) einschließlich der jeweiligen physikalisch-technischen Grundlagen, sinnvoller Indikationen, der Qualitätssicherung sowie den typischen bildgebenden Befunden in den jeweiligen Verfahren. Hierin integriert findet sich ein ausführliches Kapitel zur Einstechtechnik röntgenmammografischer Aufnahmen inklusive möglicher Fehleinstellungen und deren Beseitigung. Auch interventionelle Verfahrensweisen (Biopsie, Markierung) ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem das gängige Equipment vorgestellt und typische Vorgehensweisen demonstriert werden. Es folgen kurze grundsätzliche Ausführungen zu Untersuchungskonzepten sowie zur operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen Behandlung des Mammakarzinoms, bevor die zunehmend an Bedeutung gewinnenden Hygieneaspekte präsentiert werden. Abgerundet wird das Buch durch das Kapitel „Kommunikation und soziale Interaktion“, das sich sehr praxisbezogen mit den speziellen Anforderungen innerhalb einer Mammasprechstunde beschäftigt und hier viele Anregungen und Lösungen für den täglichen Umgang mit Frauen, Interessierten und Patienten anbietet.

Letztendlich stellt das vorliegende MTRA-Mammabuch einen Spiegel der gemeinsamen Zusammenarbeit der Mitarbeiter des Diagnostischen Brustzentrums Göttingen aus den letzten mehr als 10 Jahren dar. Für deren Engagement, Professionalität und Empathie in all den vielen Jahren seit der Eröffnung des Brustzentrums im Jahre 2003 möchten wir uns bei allen Mitarbeitern ausdrücklich und sehr herzlich bedanken. Ein großes Dankeschön geht zudem an Herrn Dipl.-Phys. Dr. rer. nat. Klaus-Peter Hermann aus dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universität Göttingen, mit dem die Ärzte des Diagnostischen Brustzentrums bereits zu Zeiten ihrer Tätigkeit in der Universität Göttingen exzellent kooperiert haben. Klaus-Peter hat es in diesem Buch erneut geschafft, die gelegentlich doch etwas „trockene“ Materie der Technik und Physik der Röntgenmammografie leicht verständlich und auch für einen Nicht-Physiker nachvollziehbar zu beschreiben.

Bleibt uns, allen Lesern beim Lesen, Nachschlagen oder Herumstöbern in diesem Buch viel Spaß an der Mammadiagnostik, aber auch jeweils klare Antworten auf offene Fragen zu wünschen. Hierbei sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dies nicht nur für MTRA gilt, sondern auch für die jüngeren Ärzte, die in der Mammadiagnostik tätig sind oder es werden wollen.

Göttingen, im Sommer 2014

Uwe Fischer

Friedemann Baum

Abkürzungsverzeichnis

2D, 3D 

zweidimensional, dreidimensional

Ampere

Pixelgröße

ACR 

American College of Radiology

ABVS 

Automated Breast Volume Scanner, Gerät für automatisierten Volumenultraschall

ADC 

analog-to-digital converter, Analog-Digital-Wandler

ADH 

atypisch duktale Hyperplasie

AEC 

automatic exposure control, Belichtungsautomatik

AGD 

average glandular dose, mittlere Parenchymdosis

Al 

Aluminium

ALH 

atypische lobuläre Hyperplasie

aSe 

amorphes Selen

aSi 

amorphes Silizium

BET 

Brusterhaltende Therapie

BI-RADS 

Breast Imaging Reporting and Data System

Bq 

Becquerel

BRCA 

breast cancer, Brustkrebsgen

CA 

Karzinom

CADe 

computer aided detection, computergestützte Detektion

CADx 

computer assisted diagnosis, computerunterstützte Befundung

CaWo4 

Kalziumwolfranat

CC 

kraniokaudal

CCD 

charge coupled device

cd 

Candela

CEDM 

contrast-enhanced digital mammography, digitale Kontrastmittelmammografie

CIS 

Carcinoma in situ

CLIS 

Carcinoma lobulare in situ

CR 

computed radiography, Radiografie mit Speicherleuchtstoff-Folien

CsJ 

Zäsiumjodid

CUP 

carcinoma of unknown primary

optische Dichte

D2/p2 

Füllfaktor

Dmin 

(optische) Minimaldichte

DBT 

digital breast tomosynthesis, Tomosynthese der Brust

DCIS 

duktales Carcinoma in situ

DEGUM 

Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin

DiCOM 

Digital Imaging and Communications in Medicine, digitale Bildgebung und -kommunikation in der Medizin, Bildformat

DIEP-Lappen 

Deep-Inferior-Epigastric-Perforator-Flap

DIN 

Deutsches Institut für Normung e.V.

DNA 

Desoxyribonukleinsäure

DQE 

detective quantum efficiency, detektive Quantenausbeute

DR 

direct radiography, Radiografie mit integriertem digitalen Detektor

EIC 

extensive intraduktale Komponente

ER 

Östrogenrezeptorstatus

EUREF 

europäische Referenz-Organisation

Fokus

FBA 

Fokus-Bildempfänger-Abstand

FDA 

Food and Drug Administration

FEA 

flache epitheliale Atypie

FFDM 

full-field digital mammography, digitale Vollfeldmammografie

FKDS 

farbkodierte Dopplersonografie, Farbdoppler

FNAB 

Feinnadel-Aspirations-Biopsie

FOA 

Fokus-Objekt-Abstand

FOV 

field of view

FSH 

Follikelstimulierendes Hormon

Gauge

Gd2O2S:Tb 

mit Terbium aktiviertes Gadoliniumoxylsulfid

GE 

Gradienten-Echo

GKV 

Gesetzliche Krankenversicherung

GnRH 

Gonadotropin-Releasing-Hormon

Gy 

Gray

µGy 

Mikrogray

HCG 

Choriongonadotropin

HER2 

human epidermal growth factor receptor 2

HK 

Hochkontrast-Testeinsatz

HPF 

High powered field

HR 

High Resolution, hochauflösend

Hz 

Hertz

i.v. 

intravenös

IDC 

invasiv duktales Mammakarzinom

ILC 

invasiv lobuläres Mammakarzinom

IR 

Inversion-Recovery

ISO 

International Organization for Standardization

KbE 

koloniebildende Einheiten

KBV 

Kassenärztliche Bundesvereinigung

keV 

Kiloelektronvolt

Ki-67 

Proliferationsindex, prozentualer Anteil der sich teilenden Zellen

KM 

Kontrastmittel

kp 

Kilopond

Ks 

Dosis in der Bildempfängerebene

kV 

Kilovolt

LH 

Luteinisierendes Hormon

LIN 

lobuläre intraepitheliale Neoplasie

LM 

lateromedial

Lp/mm 

Linienpaare pro Millimeter

LUT 

Look-up-tables, Zuordnungstabelle

Abbildungsmaßstab

µGy 

Mikrogray

µm 

Mikrometer

mAs-Produkt 

Röhrenstrom-Zeit-Produkt

MC 

medulläres Karzinom

MIP 

maximum intensity projection

ML 

mediolateral

MLO 

medio-lateral-oblique, mediolateral-schräg

Mo 

Molybdän

MR 

Magnetresonanz

MRSA 

Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

MRT 

Magnetresonanztomografie

MTF 

modulation transfer function, Modulationsübertragungsfunktion

mTOR 

mammalian Target of Rapamycin

MTRA 

Medizinisch-Technische/r Radiologieassistent/in

MX 

(Röntgen-)Mammografie

Newton

Nodulus, Knoten

NAR 

Normenausschuss Radiologie

Nm 

Nanometer

ORSA 

Oxacillin-resistenter Staphylococcus aureus

Pixelpitch

PAS 

Publicly Available Specification, öffentlich verfügbare Spezifikation

PASH 

Pseudoangiomatöse Stromahyperplasie

PgR 

Progesteronrezeptorstatus

PMMA 

Polymethylmethacrylat, Acrylglas, Plexiglas

PNL 

Pectoralis-Nippel-Linie

PVA 

programmverantwortlicher Arzt

QS-RL 

Qualitätssicherungs-Richtlinie

Rh 

Rhodium

RK 

Raumklasse eines Bildwiedergabegerätes

ROI 

region of interest

RöV 

Röntgenverordnung

RT 

Radiologietechnologe, Radiologietechnologin

speed, Empfindlichkeit eines Film-Foliensystems

SC 

speed class, Empfindlichkeitsklasse eines Film-Foliensystems

SE 

Spin-Echo

SFM 

screen film mammography, Film-Folien-Mammografie

SGB 

Sozialgesetzbuch

SN 

Sentinel node

SNEL 

Sentinel-Lymphadenektomie

SNLB 

Sentinel-Lymph-Node-Biopsie

SNR 

signal to noise ratio, Signal-Rausch-Verhältnis

SSK 

Strahlenschutzkommission

SV-RL 

Sachverständigen-Prüfrichtlinie

Tesla, Einheit für die magnetische Flussdichte

TC 

tubuläres Karzinom

TDLE 

terminale duktulolobuläre Einheit

TE 

Echozeit

TSH 

Thyreoidea-stimulierndes Hormon, Schilddrüsenwert

Ug 

geometrische Unschärfe

UDH 

usual ductal hyperplasia, duktale Hyperplasie

US 

Ultraschall, Sonografie

Volt

VGEF 

vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor

VNPI 

Van-Nuys-Prognose-Index

Wolfram

YTaO4:Nb 

niobdotiertes Yttriumtantaloxid

Ordnungszahl

Glossar

Aliasing

Überlagerung von Moire-Mustern

alimentär

durch Nahrungsaufnahme bedingt

Amastie

fehlende Brustanlage

Anisomastie

ungleiche Brustanlage

aSe-Detektor

Detektoren mit einer Absorberschicht aus amorphem Selen und einer darunterliegende Auslesematrix aus amorphem Silizium

aSi-Detektor

Flachdetektor aus amorphem, nicht kristallinem Silizium

Assessment

weitergehende Diagnostik

autolog

körpereigen

bilateral

beidseits

Bit

binary digit

B-Klassifikation

histologische Klassifikation am Stanzmaterial

bland

harmlos

BRCA1, BRCA2

Brustkrebsgen 1, Brustkrebsgen 2; die beiden Gene stehen für ein erhöhtes Brustkrebsrisiko

Ektasie

Ausdehnung eines Hohlorgans

Enhancement

Anreicherung von Kontaktrastmittel

Enzym

Botenstoff

Epithel

Deck- und Drüsengewebe

exprimiert

abgesondert

Fibrose

Vermehrung des Bindegewebes

Heterozygotenrisiko

Wahrscheinlichkeit, Träger einer pathogenen Genvariante zu sein

hyperdens

röntgendicht

hyperechogen

echoreich (Ultraschall)

hypodens

röntgentransparent

hypoechogen

echoarm (Ultraschall)

Impedanz

Schallwiderstand

Inflammation

Entzündung

Inhibition

Hemmung

Inspektion

Blickuntersuchung

Intervallkarzinom

Karzinom, das zwischen 2 Screeningrunden manifest wird

Inversion

Bildumkehr

Inzidenz

Anzahl der Neuerkankungen

isodens

Röntgendichte identisch zu der des Parenchyms

isoechogen

Echoverhalten identisch zu dem des Parenchyms (Ultraschall)

kaudal

Richtung Steiß

Kernpolymorphie

Zellkernvielfalt

Klaustrophobie

Angst vor engen Räumen, umgangssprl. auch „Platzangst“

Kompression

Quetschung eines Organs oder einer Körperstelle durch mechanische Einwirkung

Kontagiösität

Ansteckungskraft eines Krankheitserregers

Kontaktinhibition

Kontakthemmung

kranial

Richtung Schädel

K-Strahlung

charakteristische Röntgenstrahlung, die beim Wiederauffüllen der K-Schale eines Atoms entsteht

Kutis

Haut

Laktationsphase

Stillperiode

Lipom

Fettgeschwulst

Lobulus

Drüsenläppchen

Lobus

Drüsenlappen

Mamille

Brustwarze

Mastektomie

operative Entfernung der Brust

Mastodynie

Beschwerden in der Brust

Meningitis

Hirnhautentzündung

Mesenchym

Binde-, Füll- und Stützgewebe

metachron

zeitlich versetzt

Metastasierung

Tumorzellstreuung

Mitoserate

Anzahl sich teilender Zellen

Multifokalität

Mehrere Tumoren innerhalb eines Brustquadranten

multipel

zahlreich

Multizentrizität

Mehrere Tumoren mit Überschreiten eines Brustquadranten

myxoid

schleimartig

Nodge

Aussparung in einer Punktionsnadel

Non-Mass-Läsion

Läsionen ohne raumfordernden Charakter

nosokomial

Infektion im Rahmen eines Aufenthalts in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung

Obliteration

Verödung, Einengung

Palpation

Abtastuntersuchung

Panning

digitale Verschiebefunktion

Paraphrasieren

Wiederholen des Gehörten mit eigenen Worten

phylloid

blattförmig

Pixel

picture matrix element, kleinstes Element bei der gerasterten, digitalisierten Darstellung eines Bildes

post-fire

Stanzbiopsie-Dokumentation nach Abschuss der Nadel

Präkanzerose

Vorstufe zum invasiven Karzinom

pre-fire

Stanzbiopsie-Dokumentation vor Abschuss der Nadel

Proliferation

Zellwachstum, Zellvermehrung

radiär

strahlenförmig

Reader

Befunder

Recall Rate

Anteil der wieder einbestellten Teilnehmer einer Studie

Remanenzwirkung

Zeitrahmen, in dem das desinfizierte Objekt vor Neukontamination geschützt ist

Rezidiv

Wiederauftreten des behandelten Karzinoms

Rimsign, Ringenhancement

primär periphere Aufnahme des Kontrastmittels im MRT

Röntgenquanten

Photonen

Sedierung

Dämpfung des zentralen Nervensystems durch ein Beruhigungsmittel

Sekretion

Produktion und Absonderung eines Sekrets durch eine Drüse

Septikämie

schwere Allgemeininfektion mit Bakterien oder deren Toxinen im Blut

signalintens

helle Strukturen im MRT

Sinus lactifer

Milchsäckchen

Stroma

Stützgewebe

T1-Messung

fettsensitive Messung

T2-Messung

wassersensitive Messung

Tenazität

Fähigkeit eines Mikroorganismus auch unter nicht optimalen Bedingungen zu überleben

Terminalductulus

terminaler Milchgang

Thelarche

Entwicklung der Brustdrüse in der Pubertät

TRAM-Lappen

Transverser-Rectus-Abdominis-Myokutan-Lappen

Transducer

Ultraschallkopf

unilateral

einseitig

vaskularisiert

durchblutet

Venüle

peripherer Venenverweilkatheter

wash out

Auswaschen des Kontrastmittels im MRT

Zooming

digitale Ausschnittsvergrößerung

Zysten

flüssigkeitsgefüllte Hohlräume

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

1 Anatomie, Entwicklung und Physiologie der Brustdrüse

1.1 Anatomie

1.2 Entwicklung

1.3 Physiologie

2 Tumorentstehung und Brustkrebsrisiko

2.1 Karzinogenese

2.2 Risikofaktoren

2.2.1 Externe Risikofaktoren

2.2.2 Genetische Risikofaktoren

2.3 Wachstumsgeschwindigkeit

2.4 Epidemiologie und Prävention

3 Pathologie

3.1 Einleitung

3.2 Gutartige Veränderungen der Brust

3.2.1 Gutartige nicht-knotenbildende Befunde ohne pathologische Proliferation

3.2.2 Gutartige tumorbildende Befunde mit pathologischer Proliferation

3.2.3 Fibroepitheliale Tumoren

3.2.4 Mesenchymale Tumoren

3.3 Mammatumoren beim Mann

3.4 Postoperative Veränderungen

3.5 Intraduktale proliferative Veränderungen

3.6 Papilläre Läsionen

3.7 Lobuläre Neoplasie

3.8 Bösartige Veränderungen

3.8.1 Intraduktale Karzinome

3.8.2 Invasive Karzinome

3.9 Histologisches Grading des Mammakarzinoms

3.10 Rezeptorstatus des Mammakarzinoms

3.11 TNM-Klassifikation nach OP des Mammakarzinoms

4 Nichtbildgebende Diagnostik

4.1 Anamnese

4.1.1 Vorstellungsgrund

4.1.2 Vorausgegangene Interventionen oder Operationen

4.1.3 Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs

4.1.4 Medikamenteneinnahme

4.1.5 Hormone

4.2 Selbstuntersuchung

4.3 Klinische Untersuchung

4.3.1 Inspektion

4.3.2 Palpation

5 Mammografie: Physikalisch-technische Grundlagen

5.1 Grundprinzip der Röntgenmammografie

5.1.1 Röntgenstrahlerzeugung

5.1.2 Röhrenspannung

5.1.3 Anoden- und Filtermaterial

5.1.4 Brennfleckgröße

5.1.5 Streustrahlungsraster

5.1.6 Kompressionsvorrichtung

5.1.7 Vergrößerungstechnik

6 Mammografie: analoge Technik

6.1 Einleitung

6.2 Mammografiefilm

6.3 Verstärkungsfolie

6.4 Mammografiekassette

6.5 Filmverarbeitung

6.6 Systemempfindlichkeit

6.7 Belichtungsautomatik

6.8 Kenngrößen der Bildqualität

6.8.1 Kontrast

6.8.2 Schärfe

6.8.3 Rauschen

6.9 Betrachtungsbedingungen

7 Mammografie: digitale Technik

7.1 Einleitung

7.2 Digitalisierung der Bildinformation

7.3 Ortsauflösung und Pixelgröße

7.4 Dynamikbereich

7.5 Detektive Quantenausbeute

7.6 Digitale Detektorsysteme

7.6.1 Speicherleuchtstoff-Folien

7.6.2 CCD-Detektoren

7.6.3 Amorphes Silizium mit Szintillator

7.6.4 Amorphes Silizium ohne Szintillator

7.6.5 Doppelschicht-Selen-Detektor

7.6.6 Photonenzähler

7.7 Digitale Bildverarbeitung

7.7.1 Fenstertechnik

7.7.2 Ortsfrequenzfilterung

7.7.3 Digitale Vergrößerung

7.8 Computerunterstützte Befundung

7.9 Bildschirmbefundung

8 Mammografie: Qualitätssicherung

8.1 Grundlagen

8.1.1 Abnahme- und Teilabnahmeprüfung

8.1.2 Konstanzprüfung

8.2 Qualitätssicherung: Analoge Mammografie

8.2.1 Mammografie-Einrichtung

8.2.2 Filmverarbeitung und Dunkelraum

8.2.3 Filmkassetten

8.2.4 Filmbetrachtung

8.3 Qualitätssicherung: Digitale Mammografie

8.3.1 Aktuelle Entwicklungen

8.3.2 Mammografie-Einrichtung

8.3.3 Bildwiedergabesysteme

9 Mammografie: Weiterentwicklungen

9.1 Ausgangssituation

9.2 Digitale Tomosynthese

9.3 Brust-Computertomografie

9.4 Digitale Kontrastmittelmammografie

10 Mammografie: Rechtsfragen und Strahlenexposition

10.1 Rechtfertigende Indikation

10.2 Mittlere Parenchymdosis

10.3 Strahlenexposition

10.4 Strahlenrisiko

10.5 Strahlenschutz

11 Mammografie: Einstelltechnik

11.1 Vorbereitung

11.2 Zielsetzung der Einstelltechnik

11.3 Standard-Projektionen

11.3.1 MLO-Projektion

11.3.2 CC-Projektion

11.4 Zusatz-Projektionen

11.4.1 ML-Projektion, LM-Projektion

11.4.2 Vergrößerungsmammografie

11.4.3 Tubuskompressionsaufnahme

11.4.4 Kleopatra-Aufnahme

11.4.5 Cleavage-Aufnahme

11.5 Patientenbezogene Besonderheiten

11.5.1 Kyphose, Skoliose, Wirbelsäulenbeschwerden

11.5.2 Gehbehinderung, Rollstuhlfahrerin, Hemiparese, Parese

11.5.3 Schulterschmerzen, fehlende Möglichkeit der Armelevation

11.5.4 Variation der Brust

11.5.5 Variation der Thoraxform

11.5.6 Frauen mit Herzschrittmacher

11.5.7 Frauen mit Brustimplantaten

11.6 Mammografie beim Mann

11.7 Galaktografie

11.8 Qualitätssicherung in der Mammografie

11.9 Beispiele für fehlerhafte Einstellungen in der Mammografie

12 Mammografie: Einsatz und Befundung

12.1 Indikationen zur Mammografie

12.1.1 Früherkennungsmammografie

12.1.2 Abklärungsmammografie

12.1.3 Nachsorgemammografie

12.2 Terminologie in der Mammografie

12.3 Dichtetyptyp im Mammogramm

12.4 Befunde in der Mammografie

12.5 Auswertungskriterien in der Mammografie

12.5.1 Verkalkungen

12.5.2 Herdbefunde

12.5.3 Architekturstörungen

12.6 MX-BI-RADS

12.6.1 MX-BI-RADS 0

12.6.2 MX-BI-RADS 1

12.6.3 MX-BI-RADS 2

12.6.4 MX-BI-RADS 3

12.6.5 MX-BI-RADS 4

12.6.6 MX-BI-RADS 5

12.6.7 BI-RADS 6

12.6.8 Gesamt-BI-RADS

12.7 Normalbefund im Mammogramm

12.8 Typische Befunde in der Mammografie

13 Mammasonografie: Technik und Methodik

13.1 Grundprinzip

13.2 Eigenschaften von Schallwellen

13.3 Entstehung von Schallwellen

13.4 Wechselwirkungen von Schallwellen im Gewebe

13.4.1 Schallabschwächung

13.4.2 Reflexion

13.4.3 Brechung und Streuung

13.5 Entstehung eines Ultraschallbildes

13.6 Technische Komponenten

13.6.1 Schallkopf

13.6.2 Bedienoberfläche

13.6.3 Bildschirm und Dokumentationseinheit

13.6.4 Bilddokumentation

13.7 Methodik

13.7.1 Lagerung

13.7.2 Ankopplungsgel

13.7.3 Haltung des Schallkopfes

13.7.4 Untersuchungsablauf

13.7.5 Befunddokumentation

13.8 Ultraschalltechniken

13.8.1 Brightness-Mode

13.8.2 Dopplersonografie

13.8.3 3D-Sonografie

13.8.4 Panorama-Scan-Verfahren

13.8.5 Ultraschall-Elastografie

13.8.6 Automatisierter Volumenultraschall

13.9 Qualitätssicherung

14 Mammasonografie: Einsatz und Befundung

14.1 Indikationen zur Mammasonografie

14.2 Terminologie in der Mammasonografie

14.3 Gewebetyp im Sonogramm

14.4 Befunde in der Mammasonografie

14.5 Auswertekriterien in der Mammasonografie

14.5.1 Längsachse

14.5.2 Randsaum

14.5.3 Veränderung der umgebenden Strukturen

14.5.4 Echogenität

14.5.5 dorsales Schallverhalten

14.5.6 dynamische Kriterien

14.6 US-BI-RADS

14.6.1 US-BI-RADS 0

14.6.2 US-BI-RADS 1

14.6.3 US-BI-RADS 2

14.6.4 US-BI-RADS 3

14.6.5 US-BI-RADS 4

14.6.6 US-BI-RADS 5

14.6.7 BI-RADS 6

14.7 Normalbefund im Mammasonogramm

14.8 Typische Befunde in der Mammasonografie

15 Mamma-MRT: Technik und Methodik

15.1 Prinzip der Karzinomdetektion in der MRT

15.2 Technische Komponenten

15.3 Methodik

15.3.1 Prinzip

15.3.2 Tipps und Tricks

15.4 Bildnachbearbeitung

15.5 Untersuchungstechniken

15.5.1 Hochauflösende Mamma-MRT

15.5.2 Prothesen-MRT

15.5.3 Andere Magnetresonanz-Untersuchungsverfahren

15.6 Qualitätssicherung

16 Mamma-MRT: Einsatz und Befundung

16.1 Indikationen zur Mamma-MRT

16.1.1 Differenzierung zwischen Narbe und Rezidiv

16.1.2 Primärtumorsuche beim CUP-Syndrom

16.1.3 Brustkrebsfrüherkennung bei Hochrisikofrauen

16.1.4 Prätherapeutisches lokales Staging

16.1.5 Monitoring bei neoadjuvantem Behandlungskonzept

16.2 Terminologie in der Mamma-MRT

16.3 Gewebetyp in der Mamma-MRT

16.4 Befunde in der Mamma-MRT

16.4.1 Fokus

16.4.2 Herdbefund

16.4.3 Non-Mass-Läsion

16.5 MR-BI-RADS

16.5.1 MR-BI-RADS 0

16.5.2 MR-BI-RADS 1

16.5.3 MR-BI-RADS 2

16.5.4 MR-BI-RADS 3

16.5.5 MR-BI-RADS4

16.5.6 MR-BI-RADS 5

16.5.7 BI-RADS 6

16.6 Normalbefund in der Mamma-MRT

16.7 Typische Befunde in der Mamma-MRT

17 Lymphknotendiagnostik

17.1 Lymphatische Entsorgung der Brust

17.2 Bildgebende Diagnostik der lokoregionären Lymphknoten

17.3 Lymphknotenentfernung

17.4 Untersuchungstechnik

17.5 Strahlenschutzaspekte

18 Mamma-Interventionen: Biopsie

18.1 Gewebeentnahme

18.2 Entnahmeverfahren zur Gewinnung von Gewebe aus der Brust

18.2.1 Feinnadel-Aspiration

18.2.2 Stanzbiopsie

18.2.3 Vakuumbiopsie

18.2.4 Punchbiopsie

18.3 Methoden zur Steuerung der Gewebeentnahme

18.4 Befundklassifikationen

18.4.1 Zytologische C-Klassifikation

18.4.2 Histologische B-Klassifikation

18.5 Tumorzellverschleppung und mechanische Tumorinduktion

18.6 Qualitätssicherung

19 Mamma-Interventionen: Markierung

19.1 Markierung nach perkutaner Biopsie

19.2 Markierung im Rahmen neoadjuvanter Behandlungskonzepte

19.3 Präoperative Lokalisation

19.3.1 Drahtmarkierung

19.3.2 Equipment für Draht-Markierungen

19.3.3 Steuerung der Markierungsdrähte

19.4 Dokumentation der erfolgreichen Befundentfernung

20 Untersuchungskonzepte

20.1 Einleitung

20.2 Brustkrebsfrüherkennung

20.2.1 Mammografie-Screening

20.2.2 Individuelle Untersuchungskonzepte

20.2.3 Früherkennung bei Hochrisikoprofil

20.3 Abklärungsdiagnostik

20.4 Verlaufsuntersuchungen nach Brustkrebs

20.5 Prothesendiagnostik

20.6 Diagnostik bei Männern

21 Behandlungskonzepte

21.1 Operative Behandlung

21.1.1 Einleitung

21.1.2 Brustentfernung

21.1.3 Brusterhaltung

21.1.4 Wiederaufbau

21.1.5 Lymphknotenentfernung

21.2 Bestrahlungsbehandlung

21.2.1 Adjuvante Strahlentherapie nach brusterhaltender Therapie

21.2.2 Adjuvante Strahlentherapie nach Mastektomie

21.2.3 Terminierung der Bestrahlung im Rahmen multimodaler Behandlungskonzepte

21.2.4 Zielvolumen, Fraktionierung und Dosierung

21.2.5 Teilbrustbestrahlung

21.2.6 Nebenaspekte der Strahlentherapie

21.3 Medikamentöse Behandlung des Mammakarzinoms

21.3.1 Chemotherapeutische Konzepte

21.3.2 Hormontherapie

22 Hygieneaspekte

22.1 Einleitung

22.2 Infektion

22.3 Infektionsprophylaxe im medizinischen Alltag

22.4 Infektionsprophylaxe vor Interventionen

22.5 Gerätedesinfektion und Gerätesterilisation

22.5.1 Sterilisation durch Erhitzen

22.5.2 Chemische Sterilisation

22.5.3 Strahlensterilisation

22.5.4 Plasmasterilisation

22.5.5 Sterilfiltration

22.6 Infektionsprophylaxe in Räumen

23 Kommunikation und soziale Interaktion

23.1 Veränderungen im Gesundheitswesen

23.2 Veränderte Anforderungen an MTRA und MFA

23.2.1 Interaktionen in der Mammadiagnostik

23.2.2 Patienten in der Mammadiagnostik

23.3 Grundlagen der Kommunikation

23.3.1 Wahrnehmung

23.3.2 Kommunikation: Sender/Empfänger

23.3.3 Kommunikation: verbal/nonverbal

23.3.4 Kommunikation: Körpersprache deuten

23.3.5 Kommunikation: Gesprächsführung

23.3.6 Asymmetrische Kommunikation

23.3.7 Das Gespräch zwischen MTRA/MFA und Patientin

23.4 Strategien zur Gesprächslenkung

23.4.1 Fragen stellen

23.4.2 Aktives Zuhören

23.5 Die MTRA/MFA in der Diagnostik

23.5.1 Apparative Untersuchungen in der Mammadiagnostik

23.5.2 Betreuung der Patientin im Verlauf einer Mamma-MRT

23.6 Zusammenfassung

Anschriften

Sachverzeichnis

Impressum

1 Anatomie, Entwicklung und Physiologie der Brustdrüse

Friedemann Baum

1.1 Anatomie

Die Aufgabe der Brustdrüse ist die Milchproduktion. Die funktionelle Einheit der Brustdrüse stellt das Drüsenläppchen (Lobulus) dar. Hierin sind Drüsenzellen um einen Hohlraum angeordnet, in den sie die produzierte Milch ausscheiden. Die Drüsenzellen werden außen von netzförmig angeordneten, glatten Muskelzellen, den Myoepithelzellen umschlossen. Die Milch verlässt den Lobulus über den terminalen Milchgang (Terminalductulus). Die in Form einer Weintraube angeordneten Lobuli ergeben den Drüsenlappen (Lobus), wobei die Terminalductuli in einen Sammelgang, dem Ductus lactifer colligens, münden. Lobuli und anschließende Terminalductuli werden auch als „terminale ductulolobuläre Einheit“ (TDLE) bezeichnet. Über diese Gänge gelangt die Milch kurz vor der Brustwarze in den Sinus lactifer, um dann auf der Brustwarze zu münden. Es gibt ca. 15–20 Lobi, die sich kreisförmig um die Brustwarze herum anordnen. Lobuli wie auch Lobi sind in Fettgewebe eingebettet. Sowohl die Menge an Drüsengewebe wie auch die Menge an Fettgewebe unterliegt großen individuellen Schwankungen (▶ Abb. 1.1).

Die Mamille erhebt sich aus dem umgebenden, pigmentierten Warzenvorhof, der Areola. Die weitere äußere Begrenzung der Brust wird von der Kutis gebildet, wobei diese Haarfollikel, Talk- und Schweißdrüsen enthält. Wie die Kutis besitzt die Mamille ebenfalls Talk- und Schweißdrüsen jedoch keine Haarfollikel. Am Rande der Areola finden sich kleine Erhabenheiten, die sog. Montgomery-Knötchen. Sie sind die Mündungsgänge der Montgomery-Drüsen, einer Übergangsform von Schweiß- und Talgdrüse.

Neben dem Drüsengewebe und den Milchgängen finden sich in der Brustdrüse auch Lymphknoten. Deren Aufgabe ist es, den Körper vor bakteriellen Keimen zu schützen, die durch die Milchgänge an der Brustwarze in den Körper eintreten. Meist befinden sich diese Lymphknoten im oberen äußeren Quadranten, sie werden aber auch in den anderen Quadranten nachgewiesen. Der überwiegende Anteil der Lymphe fließt durch die Achselhöhle zunächst zum Wächterlymphknoten und von dort zu den weiteren axillären Lymphknoten. Nur ein sehr geringer Anteil gelangt über den parasternalen Lymphabfluss in den Brustkorb. Die arterielle Blutversorgung der Brustdrüse erfolgt über die A. thoracica interna (ca. 70%) sowie zu einem geringeren Anteil durch die A. thoracica lateralis (ca. 30%). Der venöse Abfluss der Brust geschieht über begleitende Venen.

Abb. 1.1 Aufbau der Brustdrüse.

Abb. 1.1a Auf der Brustwarze münden ca. 20 Milchgänge. Von dort ausgehend teilen sie sich mehrfach auf. In der Peripherie gehen die kleinsten Milchgänge am duktulolobulären Übergang in die Drüsenläppchen über.

Abb. 1.1b Das Drüsenläppchen (Acinus) geht am duktulolobulären Übergang in den Ductulus über.

Merke

Brustkrebs entsteht fast immer in der TDLE.

1.2 Entwicklung

Jeder Mensch verfügt über die Anlage einer Brustdrüse. Die schon vor der Pubertät beginnende Ausschüttung von Östrogen durch die Eierstöcke führt bei der Frau zu einer zunehmenden Entwicklung der Brustdrüse, der Thelarche. Zunächst teilen sich die Milchgänge und wachsen in das umliegende Bindegewebe ein. Unter der weiter zunehmenden Hormonsekretion im Rahmen der Pubertät kommt es neben einer Vergrößerung der vorhanden Lobuli auch zu einer weiteren Differenzierung sowie dem Aufbau von Fettgewebe. Die Brustentwicklung beginnt mit ca. 11 Jahren und ist üblicherweise mit ca. 15 Jahren abgeschlossen, sie kann sich aber auch bis ins 19. Lebensjahr hinziehen.

Es werden 5 Entwicklungsstufen der weiblichen Brust unterschieden (▶ Abb. 1.2):

B1: Brüste sind noch flach, Brustwarze ist nur eine sehr kleine Erhebung.

B2: Die eigentliche Pubertät beginnt: Milchdrüsen und Fettgewebe beginnen die Brust zu bilden.

B3: Die Brustwarze färbt sich dunkel.

B4: Die Umrandung der Brustwarze, der Warzenhof, bildet eine eigene Erhebung.

B5: Der Warzenhof schwillt wieder ab, bei manchen Frauen bleibt die Schwellung aber bestehen.

Abb. 1.2 Entwicklungsstadien der weiblichen Brust. In der Kindheit sitzt die noch kleine Brustwarze auf der flachen Brustwand (B1). Mit Pubertät beginnt sich die Brust durch die Entwicklung von Drüsen- und Fettgewebe zu bilden (B2). Im weiteren Verlauf färbt sich die Brustwarze dunkel (B3). Später bildet der der Warzenhof eine eigene Erhebung (B4). Zuletzt bildet sich die Schwellung des Warzenhofes wieder zurück (B5).

Entwicklungsgeschichtlich verfügt der Mensch als Säugetier über eine Milchleiste. Im Rahmen der Embryogenese verbleibt von den 5 Drüsenanlagen pro Seite im Normalfall jedoch nur eine. In seltenen Fällen finden sich aber auch beim Menschen mehrere Drüsenanlagen im Verlauf der Milchleiste.

1.3 Physiologie

Die physiologische Steuerung der Brustdrüse erfolgt ausschließlich hormonell. Kommt es im Rahmen einer Schwangerschaft zur Sekretion des Hormons Choriongonadotropin (HCG) durch die Plazenta, so hat dies die fortgesetzte Produktion von Progesteron im Eierstock zur Folge. Der erhöhte Gestagenspiegel führt zu einer weiteren Ausdifferenzierung der Lobuli. In der Stillzeit löst der Saugreiz die vermehrte Sekretion der Hormone Oxytozin und Prolaktin durch die Hypophyse aus. Hierunter erreicht die Brustdrüse ihre maximale Milchproduktion.

Nach dem Abstillen kommt es zu einem Rückgang der Oxytozin- und Prolaktin-Sekretion. In der Folge nimmt die Anzahl der Drüsenzellen in den Lobuli wieder ab, die Brustdrüse kehrt in ihren ruhenden Zustand zurück.

Auch die vorübergehende Progesteronsekretion, die nach dem Eisprung im Rahmen der monatlichen Ovulation stattfindet, geht häufig mit einer Stimulation der Lobuli einher. In der Folge können Spannungsgefühle und Schmerzen der Brustdrüse entstehen.

Merke

Beschwerden in der Brust (Mastodynie) wie Ziehen, Spannen und Stechen haben fast immer eine hormonelle Ursache. Nur sehr selten ist Brustkrebs hierfür verantwortlich.

2 Tumorentstehung und Brustkrebsrisiko

Friedemann Baum

2.1 Karzinogenese

Die Grundlage des Lebens in unserer Welt ist die Zellteilung. Im Rahmen jeder Zellteilung muss die gesamte genetische Information kopiert werden. Hierzu werden die Chromosomen und somit die DNA-Doppelhelix verdoppelt. Im Rahmen dieses Prozesses muss jeder Nukleinsäure das entsprechende Pendant zugeordnet werden. Bei fehlerhaften Zuordnungen spricht man von Mutationen. Da jedoch die meisten Regionen unserer Chromosomen genetisch nicht exprimiert werden, bleiben die meisten Mutationen ohne Konsequenzen. In anderen Fällen führt die Mutation zum Verlust der Funktion des kodierten Proteins und die betroffene Zelle ist nicht lebensfähig. In seltenen Fällen ist die Lebensfähigkeit einer mutierten Zelle in ihrem umgebenden Milieu jedoch gesteigert. Generationsübergreifend steht „Mutation“ für die Weiterentwicklung einer Art. Sie ist die Basis der Artenvielfalt auf unserem Planeten. Geschieht die Mutation jedoch außerhalb der Fortpflanzung und kommt es in einer solchen Zelle zu einer Folge von weiteren Mutationen, so kann aus ihr im Verlauf von etwa 6–8 Mutationen eine Krebszelle entstehen. Solche bösartigen Tumorzellen sind durch den Verlust ihrer Kontaktinhibition charakterisiert, sie respektieren also bei ihrem Wachstum nicht mehr die gesunden Nachbarzellen ().

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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