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Wenn essen keine Freude mehr macht...
Essen, Kochen, Genuss, Sinnlichkeit und Lebensqualität gehören scheinbar untrennbar zusammen - was aber, wenn Essen eher als Belastung empfunden wird? Wenn ein voller Teller keinen Appetit auslöst, sondern Beklemmung? Ob nach Operationen, bei Krankheit oder im Alter: manchmal fällt es schwer, sich ausreichend zu ernähren. Gerade in solchen Situationen ist es jedoch wichtig, den Körper optimal zu versorgen - und mit den richtigen Strategien ist es auch möglich!
Gewusst wie:
Spezielles Besteck, weiche oder süße Speisen - oft genügen schon kleine Hilfsmittel und Kniffe, um das Essen zu erleichtern. Entdecken Sie nützliche Tipps für den Umgang mit Ihren Angehörigen.
Klein aber fein:
Fingerfood, Smoothies oder Häppchen - die Rezepte in diesem Buch haben es in sich und liefern mit einem einzigen Happen Kalorien und Vitamine satt. Ein Buch für die Beratung und zu Hause - damit Essen wieder Freude macht!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2019
Prof. Dr. med. Christian Löser ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Sportmedizin, Palliativmedizin und ein international renommierter Ernährungsmediziner. Ein Schwerpunkt seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit ist seit vielen Jahren die Unter- und Mangelernährung und besonders Ernährungsprobleme bei chronisch Kranken, älteren Menschen oder Tumorpatienten. So ist er unter anderem verantwortlich für die europäischen Leitlinien zur künstlichen Ernährung, z. B. über PEG-Sonden. Prof. Dr. med. Christian Löser hat auf dem Gebiet der Unter- und Mangel ernährung eine Vielzahl international beachteter wissenschaftlicher Studien, Fachartikel, Übersichtsarbeiten sowie mehrere Bücher publiziert. Er ist aktives Mitglied in 12 medizinischen Fachgesellschaften und als Vorsitzender verschiedener Konsensuskonferenzen mitverantwortlich für die Erstellung verschiedener nationaler und internationaler medizinischer Leitlinien und Standards. Prof. Dr. Christian Löser leitet als Chefarzt die Medizinische Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses in Kassel, wo er im Rahmen des Schwerpunktes »klinische Ernährungsmedizin« speziell für die Behandlung von Patienten mit Unter- und Mangelernährung das »Kasseler Modell« etabliert hat.
Dr. rer. med. Angela Jordan ist Diätassistentin und Diplom-Oecotrophologin mit langjähriger Erfahrung in Klinik, Praxis und Industrie. Als freiberufliche Ernährungstherapeutin bietet sie unter anderem eine ambulante ernährungsmedizinische Sprechstunde im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel an. Ihr Spezialgebiet ist die Beratung und Begleitung von Menschen in schwierigen Ernährungssituationen. Vor allem Patienten mit Krebserkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen und ältere Menschen mit Ernährungsproblemen suchen ihre Sprechstunde auf. Aus langjähriger Praxiserfahrung weiß sie, wie sehr Patienten von einer begleitenden Ernährungstherapie profitieren und neue Kräfte schöpfen können. Die Unterstützung von Menschen, bei denen Essen und Trinken mit Problemen behaftet sind, ist ihr deshalb ein besonderes Anliegen.
Ellen Wegner ist ausgebildete Krankenschwester und Fachkraft für enterale und parenterale Ernährung. Gesundheit und Ernährung waren für sie schon immer wichtige Themen. Nach dem sie viele Jahre in der Krankenpflege gearbeitet hat, machte sie als Leiterin des Ernährungsteams am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel ihre Leidenschaft, die klinische Ernährung, zum Beruf. Im Rahmen der komplexen Aufgaben eines Ernährungsteams in einer modernen expandierenden Klinik mit ernährungsmedizinischem Schwerpunkt ist ihre Haupttätigkeit die Erstellung von individuellen Ernährungsstrategien für Patienten, denen eine adäquate Nahrungsaufnahme nur eingeschränkt möglich ist. Sie begleitet mit ihrem reichhaltigen praktischen Erfahrungsschatz auf dem Gebiet der modernen Behandlungsstrategien von Unter- und Mangelernährung die betroffenen Menschen und deren Angehörige auf dem Weg zu Gesundheit und Wohlbefinden.
Prof. Dr. med. Christian Löser Dr. rer. med. Angela Jordan Ellen Wegner
Mangel- und Unterernährung
Liebe Leserinnen und Leser …
Gesund zunehmen bei Mangelernährung
Unter- und Mangelernährung
Was ist Mangelernährung?
Wie häufig ist Mangelernährung?
Mangelernährung – wie kommt es dazu?
Wie äußert sich Mangelernährung?
Wie erkenne ich Mangelernährung rechtzeitig?
Warum sollte rasch gehandelt werden?
Mangelernährung – grundsätzliche Behandlungsstrategien
Stufe I – Ursachen gezielt behandeln
Stufe II – Individuelle Ernährungsmodifikationen
Stufe III – Energiedichte steigern
Bewährte Allgemeinmaßnahmen
Einsatz von Hilfsmitteln
Wann helfen, wann schaden Medikamente?
Stufe IV – Trink- und Zusatznahrung
Stufe V – enterale Sondenernährung
Stufe VI – parenterale Ernährung
Wie sieht eine bedarfsgerechte Ernährung aus?
Soviel Energie und Eiweiß benötigen Sie
Häufige appetitanregende Mahlzeiten
Genug trinken
Ernährung bei spezifischen Problemen
Wenn Kauen und Schlucken schwerfallen
Wenn das Essen nicht mehr schmeckt wie früher
Wenn das Kochen keinen Spaß mehr macht
Wenn Nahrungsmittelunverträglichkeiten bestehen
Wenn der Darm träge ist
Rezepte für den Alltag
Besondere Lebensmittel und Produkte
Frühstücksideen
Dinkelmüsli mit Früchten
Fitmacher-Müsli
Schokoladensuppe mit Schneebällchen
Erdbeer-Kaltschale mit Eierschaumklößchen
Zwiebackbrei
Haferbrei
Grießbrei
Reisbrei
Arme Ritter
Buntes Rührei auf Toast
Kleinigkeiten für zwischendurch
Tomatencremesuppe
Blumenkohlcremesuppe
Kartoffelsuppe
Käsestangen
Bunte Muffins
Pizzamuffins
Kräuter-Avocado-Quark
Schinken-Kräuter-Creme
Gefüllte Blätterteigtaschen
Mozzarella-Häppchen
Käsesalat mit Äpfeln
Heidelbeermuffins
Grieß-Dukaten
Feine Kaffeepralinen
Walnusspralinen mit Aprikosen
Mandellikör-Kugeln
Müslikugeln mit Kokosflocken
Pistazien-Kugeln
Frischkäsebällchen im Schnittlauchmantel
Shakes
Fruchtshake
Birnenshake à la Helene
Nuss-Nougat-Shake
Schlemmermilch
Aprikosenshake mit Marzipan
Zwetschgenshake mit Zimtsahne
Kirsch-Marzipan-Shake
Blaubeer-Buttermilch-Shake
Himbeer-Buttermilch-Shake
Tomaten-Buttermilch-Shake
Gurken-Kefir-Shake
Hauptspeisen
Fruchtige Geflügelsuppe
Kichererbsencremesuppe
Feine Kartoffelsuppe mit Lachs
Käse-Porree-Suppe mit Hackfleisch
Grundrezepte für Brühe
Tortellini mit Spinat, Ricotta und Ei
Kartoffel-Thunfisch-Soufflé
Nudelgratin mit Hackfleisch und Spinat
Kichererbsen-Gemüse-Auflauf
Lachsterrine
Brokkoli-Möhren-Timbale
Kartoffel-Möhren-Püree mit Orange
Bananenpfannkuchen
Reibekuchen mit Apfelmus
Omelett
Kirsch-Quark-Auflauf
Beilagen
Käsespätzle
Tortellini oder Cappelletti in Salbeibutter
Polentaschnitten
Hirserisotto
Curryreis mit Mandeln oder Pinienkernen
Kartoffelpüree – ein Klassiker mit vielen Gesichtern
Kartoffel-Käse-Auflauf
Braune Sauce auf Gemüsebasis
Helle Sauce auf Gemüsebasis
Dillsauce
Desserts
Rote Grütze mit Vanillejogurt
Mascarpone-Creme auf frischer Mango
Schokoladeneis mit Orangen-Vanille-Sauce
Nussjoghurt mit Pflaumenmus
Schwarzwaldbecher
Beeren-Tiramisu
Milchreis mit Erdbeerpüree
Vanillepudding mit Obst
Tageskostpläne
Glossar
Adressen, die weiterhelfen
Register
… Sie haben sich für den Kauf dieses Ernährungsratgebers entschieden, der Ihnen bzw. Ihren Angehörigen oder den von Ihnen betreuten und beratenen Betroffenen viele praktische Tipps und konkrete Hilfestellungen geben soll, um auf einfache und für die Betroffenen angenehme Weise den Ernährungszustand zu verbessern. Damit verbessert sich auch die körperliche Fitness und das Wohlbefinden und die Lebensqualität nehmen wieder zu. Dieses Buch richtet sich an alle, die mangelernährte Patienten professionell in ihrer Ernährungsberatung betreuen, aber auch an Betroffene selbst sowie deren Angehörige und Freunde, die bereit sind, sich zu engagieren und Verantwortung in Bezug auf eine nachhaltige Verbesserung des Ernährungszustandes zu übernehmen.
Die Entwicklung von Unter- beziehungsweise Mangelernährung hat für die betroffenen Menschen eine Vielzahl von schwerwiegenden negativen Folgen, wie die Schwächung der Immunkompetenz, die Zunahme von medizinischen Komplikationen wie Infektionen bis hin zur deutlich erhöhten Sterblichkeit. Aber auch die emotional-seelischen Konsequenzen, wie die Verschlechterung des Allgemeinbefindens und der Lebensqualität, oder die Verminderung der funktionellen und kognitiven Fähigkeiten sind nicht zu vernachlässigen. Vor diesem – auch wissenschaftlich gut belegten Hintergrund – ist es für die Betroffenen von höchster Wichtigkeit, dass sie selbst, Angehörige oder betreuende Ärzte Zeichen einer beginnenden Unter- und Mangelernährung frühzeitig erkennen und gezielt behandeln.
Der Inhalt dieses Buches ist das Resultat jahrelanger praktischer Erfahrungen in der Betreuung und Behandlung von Patienten mit Unter- und Mangelernährung. Es soll Ihnen helfen, eine Unter- beziehungsweise Mangelernährung bei Betroffenen rechtzeitig zu erkennen und mit einfach durchführbaren und wohlschmeckenden Maßnahmen effektiv gegenzusteuern. Dabei möchten wir Ihnen einfache Veränderungen nahe bringen, die sich im Alltag mit wenig Aufwand effektiv umsetzen lassen. So greifen unterernährte Menschen wieder mit Appetit zu – und das Gewicht sowie die Lebensqualität gehen langsam wieder nach oben!
Wir hoffen, dass die Anregungen und Rezepte in diesem Buch vielen Menschen, die durch Krankheit, Schicksalsschläge oder Alterungsprozesse Gewicht verloren haben, eine Hilfe sind. Wir wünschen Ihnen, dass Sie, Ihre Angehörigen oder die von Ihnen betreuten Patienten mithilfe der leckeren Rezepte wieder körperliche Substanz zulegen und dadurch Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zurückgewinnen.
Kassel, im Sommer 2012
Christian Löser Angela Jordan Ellen Wegner
Liegt bei dem Betreffenden eine Mangelernährung vor? Der Fragebogen zur Selbsteinschätzung auf →
S. 21
gibt Aufschluss: Wird mehr als eine Frage mit »Ja« beantwortet, ist die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Energie eventuell in Frage gestellt. Auf alle Fälle sollten Sie den weiteren Verlauf gut beobachten und eventuell über ein paar Tage ein Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll führen lassen.
Welche Probleme erschweren die Ernährungssituation? Gehen Sie die Tabelle »Ursachen von Unter- und Mangelernährung« auf →
S. 15
durch. Fragen Sie gezielt bei jedem Punkt, ob derjenige davon betroffen ist. Überlegen Sie, wer Ansprechpartner für das vorliegende Problem sein könnte (z. B. Hausarzt, Zahnarzt, Sozial-/Pflegedienst).
Wie hoch ist der individuelle Energie- und Eiweißbedarf? Die Bedarfsberechnung finden Sie auf →
S. 39
.
Welche Speisen und Getränke mag der Betreffende besonders gern? Lassen Sie sich inspirieren durch unsere Rezepte auf den →
S. 71
–
132
. Vielleicht sind einige Lieblingsgerichte in Vergessenheit geraten, die Sie hier wiederentdecken. Manche unbekannte Rezepte wecken vielleicht Appetit.
Wie könnte ein persönlicher Tageskostplan aussehen? Anregungen bieten die Tageskostpläne auf den →
S. 134
–
137
. Stellen Sie einen Tageskostplan entsprechend des Energie- und Eiweißbedarfs und der individuellen Vorlieben des Betreffenden zusammen. Ergänzen Sie gewohnte und lieb gewonnene Menüzusammenstellungen mit energiereichen Komponenten oder probieren Sie einfach mal neue Gerichte aus.
Der Betreffende hat etwas zugenommen und fühlt sich wieder fit und leistungsfähig? Dann geht es schrittweise zur gewohnten Kost zurück. Die Kost sollte sich nun wieder an den Empfehlungen zu einer gesunden, nicht mehr ganz so kalorienreichen Ernährungsweise orientieren. Hinweise hierzu finden Sie auf den →
S. 32
–
39
.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung und hoffen, dass die von Ihnen betreuten Betroffenen beziehungsweise Ihre Angehörigen mit den vorgestellten Maßnahmen und Rezepten wieder zu gutem Appetit und Freude beim Essen gelangen!
In unserer modernen übergewichtigen Wohlstandsgesellschaft stoßen Menschen mit Unter- und Mangelernährung oft auf Unverständnis. Doch eine starke Gewichtsabnahme und eine Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen wirken sich mindestens genauso negativ auf die Gesundheit aus wie Übergewicht. Wir zeigen Ihnen, wie Sie wirksam da gegen angehen.
Unter- und Mangelernährung frühzeitig erkennen und mit individuell zugeschnittenen Maßnahmen effektiv behandeln – das ist absolut unverzichtbar für die Betroffenen. So kann mit Ernährung oft mehr erreicht werden als mit jeder Medizin. Die Betreffenden fühlen sich wieder wohl und haben Freude am Leben!
Schon die alten Römer wussten: »Mens sana in corpore sano« – »In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist«. Ein guter Ernährungszustand ist eine wesentliche Voraussetzung für die Gesundheit. Das immer weiter verbreitete Übergewicht, aber eben auch Unter- und Mangelernährung verschlechtern die Leistungsfähigkeit und verringern nachhaltig das körperliche und seelische Wohlbefinden.
Auch Krankheitskomplikationen treten häufiger auf, wenn der Patient schlecht ernährt ist. Daher ist es besonders wichtig, rechtzeitig zu erkennen, wenn sich eine Unter- und Mangelernährung entwickelt. Dann gilt es, effektiv gegenzusteuern. Hier ist die gezielte individuelle ernährungsmedizinische Behandlung nicht nur Teil der notwendigen Grundversorgung, sondern ein hocheffizientes therapeutisches Instrument.
Ob ein guter Ernährungszustand vorliegt, kann zum Beispiel mithilfe des sogenannten Body-Mass-Index (BMI) festgestellt werden. Er ist durch das Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße definiert (siehe → S. 20). Liegt der BMI eines Menschen im Normalbereich, dann kann man davon ausgehen, dass der Ernährungszustand gut ist, wenn nicht gerade ein relevanter Gewichtsverlust vorliegt (siehe → S. 19).
Es verschlechtern sich …
Vermehrt treten auf …
Immunkompetenz Allgemeinbefinden Leistungsfähigkeit psychische Verfassung Therapietoleranz (z. B. bei Chemotherapie oder Bestrahlung) Lebensqualität medizinische Prognose von Krankheiten
allgemeine Komplikationen Infektionen, Krankheitsanfälligkeit Wundheilungsstörungen, Dekubitus (Wundliegen) Immobilität, Stürze Hilfs- und Pflegebedürftigkeit Gebrechlichkeit Krankenhauseinweisung verzögerte Genesung von Krankheiten Todesfälle
Das Wort »Mangelernährung« wird von Fachleuten sehr unterschiedlich verwendet und es gibt im internationalen Sprachgebrauch noch keine verbindliche Definition. Grundsätzlich liegt immer dann eine Mangelernährung vor, wenn der Betreffende weniger Nahrung aufnimmt als er an Nährstoffen benötigt. Auch wenn die Nährstoffverwertung gestört ist oder es zu unkontrolliertem Abbau von Körpersubstanz kommt, entwickelt sich eine Mangelernährung.
Die Gefahr, dass sich eine medizinisch relevante Mangelernährung entwickelt, besteht vor allem bei schweren akuten oder chronischen Erkrankungen. Aber auch in Lebenskrisen und anhaltenden Belastungs- oder Stresssituationen kann sich der Ernährungszustand verschlechtern. Des Weiteren sind ältere Menschen besonders gefährdet – nachlassender Appetit sowie Geschmacksveränderungen beziehungsweise Kau- und Schluckprobleme, die mit zunehmendem Alter auftreten, sind hierfür die häufigsten Ursachen.
Begriff
Definition
Mangelernährung
Alle Zustände, bei denen es zu einem Ungleichgewicht zwischen Nahrungszufuhr und Nährstoffbedarf, einer gestörten Nährstoffverwertung oder einem unkontrolliertem Abbau von Körpersubstanz kommt.
Unterernährung
Zustand einer unzureichenden Kalorienzufuhr mit primärer Reduktion der Körperfettmasse
Kachexie
»Auszehrung des Körpers«, komplexes metabolisches Krankheitsbild mit Gewichtsverlust sowie zusätzlich Verminderung der Muskelkraft, Müdigkeit, Entzündungsreaktionen und Verminderung der Körperzellmasse
Anorexie
Störung der Appetitregulation mit unzureichender Nährstoffzufuhr
Sarkopenie
Verlust von Muskelmasse und -kraft im Rahmen von physiologischen Alterungsprozessen mit zunehmender Minderung der Lebensqualität, steigendem Grad der Behinderung und zunehmend funktionellen Defiziten
Leider tritt Unter- und Mangelernährung auch in den wohlhabenden westlichen Industriestaaten immer häufiger auf: Gut 25% aller im Krankenhaus betreuten Patienten sind zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme unter- oder mangelernährt. Während unabhängig lebende, gesunde Senioren nur selten betroffen sind, liegt das Risiko bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen bei mehr als 50%. Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, ist die Häufigkeit von Unter- und Mangelernährung in den industrialisierten Staaten nicht gesunken.
Im Gegenteil: Aktuelle Studien belegen, dass die Häufigkeit weiter zunimmt. Die wichtigsten Gründe hierfür sind vermutlich die weitere Zunahme von chronischen Erkrankungen und der steigende Alterdurchschnitt der Gesamtbevölkerung.
Die Ursachen für das Auftreten einer Unter- und Mangelernährung sind vielschichtig: Eine verminderte Nahrungsaufnahme, ein erhöhter Nährstoffbedarf oder eine gestörte Nährstoffverwertung können Gründe sein. Häufig kommen bei den betroffenen Menschen verschiedene Ursachen zusammen. Dabei kommen nicht nur rein medizinische Gründe infrage – vielfach spielen auch psychische Faktoren wie Depressionen oder Demenz, soziale Aspekte wie Geldmangel oder Einsamkeit sowie seelische Gründe wie Stress, Ängste, Lebenskrisen und Unzufriedenheit eine zentrale Rolle.
WISSEN
Risikogruppen für Mangelernährung
Unter- und Mangelernährung findet sich am häufigsten bei älteren und betagten Patienten sowie bei Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen und Tumorleiden. Auf diese Patientengruppen muss daher in der medizinischen Betreuung ein besonderes Augenmerk gelegt werden, um eine Mangelernährung nicht zu übersehen.
Ältere, betagte PatientenTumorpatientenPatienten mit chronischen Lungenerkrankungen (Asthma, chronische Bronchitis)Patienten mit komplexen Grunderkrankungen (gleichzeitiges Vorliegen verschiedener Erkrankungen)psychische Erkrankungen (z. B. Depressionen, Demenz)einsame, isolierte Menschenkörperlich eingeschränkte, zunehmend pflegebedürftige MenschenPatienten mit chronischen Verdauungskrankheiten (Magen, Darm, Leber, Pankreas)Personen mit chronischem Alkohol- oder NikotinkonsumDarüber hinaus gibt es noch eine Menge vermeintlich einfacher Ursachen, die häufig unterschätzt werden und doch zum Teil vermeidbar sind: ein schlechter Zahn status, eine defekte Zahnprothese, die zunehmende Unfähigkeit, für sich selbst Nahrung einzukaufen und zuzubereiten, altersbedingte Geschmacksänderungen, Schluckstörungen und chronischer Alkohol- oder Nikotinkonsum.
Verminderte Nahrungszufuhr
Gestörte Nahrungsverwertung
Erhöhter Nährstoffbedarf
chronische Entzündungen
chronische Organerkrankungen (Magen, Darm, Leber)
Entzündung oder Engstellen im Magen-Darm-Trakt
Bewegungsstörungen im Darm
Medikamente
chronische Schmerzen
Chemotherapie, Strahlentherapie
Veränderung des Geschmackssinns
Änderung des Geruchssinns
Kau- und Schluckstörungen
Übelkeit, Erbrechen
schlechter Zahnstatus, defekte Zahnprothese
psychosoziale Probleme wie Depression, Demenz, Trauer, Einsamkeit
Probleme bei Kauf, Zubereitung und Einnahme von Nahrung
Geldmangel
soziale Isolation
Tumorerkrankungen
chronische Infektionen
schwere Traumata
Organerkrankungen wie Leberzirrhose
Schilddrüsenüberfunktion
Alkoholismus, Nikotinkonsum
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie oder Kurzdarmsyndrom
operative Resektionen an Magen und Darm
chronischer Durchfall
bakterielle Fehlbesiedlung
Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Milchzucker- oder Fruchtzuckerintoleranz
Tipp
Der zentrale Schritt in der Behandlung einer Unter- beziehungsweise Mangelernährung ist, dass die Betroffenen, ihre Angehörigen oder betreuende Personen wie Hausärzte oder Ernährungsberater die jeweils individuell zugrunde liegenden Ursachen frühzeitig erkennen und konsequent behandeln.
Plötzlich wurde ich gebrechlich …
Irmgard W., 74 Jahre
Karin S meldet sich in der ernährungsmedizinischen Sprechstunde. Sie macht sich große Sorgen um ihre Mutter, die 74-jährige Irmgard W.: »Meine Mutter war immer richtig fit, dynamisch, lebenslustig und gesund. Vor 6 Jahren war sie auch noch ziemlich »kräftig«; sie wog 83 kg bei einer Größe von 1,63 m (BMI 31 kg/m2). Aufgrund ihres Übergewichtes hat sie sich jahrelang jegliches Naschen versagt und darauf geachtet, nur 3 Mahlzeiten am Tag zu essen. Doch dann starb vor 6 Jahren mein Vater – und damit begann sich allmählich alles zu ändern. Verständlicherweise nahm der Tod ihres Mannes meine Mutter sehr mit; phasenweise war sie regelrecht depressiv. Innerhalb von 3 Jahren hat sie 9 kg abgenommen (BMI 27,5 kg/m2)! Dann kam noch eine schwere Lungenentzündung dazu, von der sie sich nur ganz langsam erholt hat. Durch die Lungenentzündung hat meine Mutter noch einmal 7 kg abgenommen, wobei sie davon nur 1 kg mühsam wieder zunehmen konnte (BMI 25,2 kg/m2). In den letzten 2 Jahren hat sie sich immer weiter zurückgezogen. Immer wieder sagt sie, sie habe keinen Appetit. Und tatsächlich hat sie noch weiter abgenommen, inzwischen sind es wohl noch einmal 4 kg.«
Und damit nicht genug – Karin S. berichtet weiter: »Vor 2 Monaten ist meine Mutter gestürzt und hat sich einen Schenkelhalsbruch zugezogen, der operiert werden musste. Gleichzeitig hatte sie auch noch eine schwere Bronchitis; daher kam sie nur ganz langsam wieder auf die Beine. Bei der Entlassung aus der Reha-Klinik hatte sie noch einmal 5 kg Körpergewicht verloren. (BMI 21,9 kg/m2). Ich mache mir wirklich Sorgen um meine Mutter … sie ist so schlapp, hat gar keine Lust mehr, etwas zu unternehmen. Und mit ihrer Hüfte wird es auch nicht wirklich besser, trotz Krankengymnastik. Kürzlich hatte meine Mutter dann auch noch eine Grippe. Als sie krank war, hat sie fast gar nichts gegessen und deswegen 3 kg abgenommen. Jetzt wiegt sie nur noch 56 kg – im Vergleich zu früher ist sie damit doch fast abgemagert! (aktueller BMI 20,8 kg/m2).
Obwohl sich ihre Tochter regelmäßig um sie kümmert, ist Irmgard W. antriebsarm, wenig aktiv und mit ihrer ganzen Lebenssituation unzufrieden. Außerdem ist es ihr unangenehm, dass sie nun von der Hilfe ihrer Tochter abhängig ist. Kein Wunder, dass sich ihre Tochter Karin ernsthafte Sorgen macht und professionellen Rat sucht, wie sie ihrer Mutter im häuslichen Umfeld helfen kann, dabei aber ihren eigenen Verpflichtungen gegenüber ihrer Familie mit 2 Kindern weiter zufriedenstellend nachkommt.
Der fortschreitende Gewichtsverlust ist nur eine der Auswirkungen einer Unter- und Mangelernährung. Darüber hinaus treten ganz verschiedene körperliche Symptome auf – beispielsweise nimmt die Muskelkraft und -koordination ab, die Haut wird dünn und empfindlich und das Immunsystem ist geschwächt. Negative Auswirkungen einer Mangelernährung auf verschiedenste Organe und Organsystem sind jedoch nicht das Einzige; auch die Psyche leidet: Von Konzentrationsschwäche bis zu depressiven Verstimmungen können die Folgen einer Unterernährung reichen. Bei jedem Betroffenen muss kritisch auf die verschiedenen Beschwerden (Tab. unten) geachtet werden.
Wenn die Mangelernährung rechtzeitig erkannt und gezielt behandelt wird, lassen sich diese Beschwerden aber auch wieder deutlich und nachhaltig verbessern – dies belegen systematische wissenschaftliche Untersuchungen. Auch unter diesem Aspekt ist aus medizinischer Sicht das Vermeiden beziehungsweise frühzeitige Behandeln von Unter- und Mangelernährung effektiver Teil einer medizinischen Therapie.
Organsystem
Auswirkung
Muskulatur
reduzierte Muskelmasse und -kraft Störungen im Bewegungsablauf verzögerte Rehabilitation erhöhtes Sturzrisiko
Haut
zunehmend dünne, blasse, unelastische Haut verzögerte Wundheilung erhöhtes Risiko für Druckgeschwüre und »Wundliegen«
Skelett
verminderte Knochendichte vermehrte Knochenbrüche
Immunsystem
Verminderung der Immunkompetenz erhöhte Infektanfälligkeit erhöhte Komplikationsrate verzögerte Genesung verzögerte Wund- und Infektheilung Vitamin- und Mineralstoffdefizite
Gastrointestinaltrakt
gesteigerte Stuhlfrequenz, Durchfall zunehmender Abbau der Schleimhaut Fehlverdauung
Zentralnervensystem, Psyche
neurologische Störungen Reizbarkeit, Schwäche, Apathie depressive Verstimmung, Ängstlichkeit Introvertiertheit Konzentrationsschwäche
Lunge
reduzierte Lungenkapazität Abnahme der Atemmuskulatur schwächere, kürzere Atemzüge erhöhte Anfälligkeit für Lungenentzündungen
Herz
reduzierte Herzleistung Herzrhythmusstörungen
Niere
Störungen des Elektrolyt-, Flüssigkeits- und Säure-Basen-Haushalts erhöhte Infektrate der Harnwege erhöhter Anfall von Harnstoff durch Abbau von Muskel- und anderem Gewebe
Allgemeinbefinden
zunehmende Schwäche, Gebrechlichkeit Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Reizbarkeit Verlust von Lebensfreude vermehrte Schmerzempfindlichkeit vermehrte Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit verminderte Lebensqualität
