Maple-Creek-Reihe, Band 2: Save Me in Maple Creek (SPIEGEL Bestseller, die langersehnte Fortsetzung des Wattpad-Erfolgs "Meet Me in Maple Creek") - Alexandra Flint - E-Book
BESTSELLER

Maple-Creek-Reihe, Band 2: Save Me in Maple Creek (SPIEGEL Bestseller, die langersehnte Fortsetzung des Wattpad-Erfolgs "Meet Me in Maple Creek") E-Book

Alexandra Flint

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11,99 €

Beschreibung

"Bist du ihm wirklich nahe gewesen? Du weißt gar nicht, wer Joshka ist." "Das ist dem Herzen egal. Es verliebt sich trotzdem. Und tut umso mehr weh." Kein Tag vergeht, an dem Mira nicht an Joshkas übereilten Aufbruch aus Maple Creek denkt. Als sie für einen Termin nach New York muss, steht er plötzlich vor ihr. Obwohl die Anziehung zwischen ihnen stärker denn je ist, stößt er Mira von sich. Verletzt und bestürzt über seinen Zustand, fragt sie sich umso mehr, was ihm in den letzten Monaten widerfahren ist. Was sie nicht ahnt: Joshka hat sich auf einen riskanten Deal mit dem Untergrund eingelassen. Und der Einsatz ist Miras Leben. Die Bücher der Maple-Creek-Reihe: Band 1: Meet Me In Maple Creek Band 2: Save Me In Maple Creek

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Seitenzahl: 564

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Als Ravensburger E-Book erschienen 2022Die Print-Ausgabe erscheint im Ravensburger Verlag© 2022, Ravensburger VerlagText © 2022, Alexandra FlintDieses Werk wurde vermittelt durchdie Literarische Agentur Silke Weniger, Gräfelfing.Cover- und Umschlaggestaltung unter Verwendung von Motivenvon Adobe Stock (Aonprom Photo, millefloreimages)und Shutterstock (graphuvarov, Chim)Layout: Emely WenzelAlle Rechte dieses E-Books vorbehalten durch Ravensburger Verlag GmbH, Postfach 2460, D-88194 Ravensburg.ISBN 978-3-473-51142-6ravenburger.com

Für meinen Mann. Meine liebste und einzige Geschichte.

»Du mußt Dunkelheit spüren, um das Licht zu lieben.« Argyris Eftaliotis

Playlist

After The Landslide – Matt Simons

Don’t Call Me Up – Mabel

you broke me first – Tae McRae

Lovefool – Acoustic Version – twocolors

Not Gonna Cry – Emma Steinbakken

Cold Sets In – World’s First Cinema

Overthinking – Zoe Wees

Waving Goodbye – Sia

Brooklyn (feat. ClockClock) – Glockenbach

Like You Mean It – Ruelle

Either You Love Me Or You Don’t – Plested

Unsteady – X Ambassadors

Those Nights – Bastille

Bad (feat. Vassy) – David Guetta, Showtek, VASSY

Let You Know – Sody

Loveless – X Ambassadors

Beggin’ – Måneskin

Love Runs Out (feat. G-Easy & Sasha Alex Sloan) – Martin Garrix, G-Easy, Sasha Alex Sloan

Jump – Madonna

Fire – Doug Panton

Iris – The Goo Goo Dolls

Adrenaline – X Ambassadors

Give Me The Future – Bastille

Distorted Light Beam – Bastille

Love Story (Taylor’s Version) – Taylor Swift

Where The Lights Are Low – Toby Romeo, Felix Jaehn, FAULHABER

JANUAR

Time Flies By So Slowly Fast

Auszug aus Miras Notizbuch

Manchmal frage ich mich, wie die Zeit stillstehen und einem gleichzeitig so unfassbar schnell durch die Finger rinnen kann. Doch egal, wie oft ich darüber nachdenke, ich finde keine passende Antwort. Vielleicht, weil es sie nicht gibt. Weil es nur ein Gefühl ist, das mir unterschwellig die Luft zum Atmen nimmt. Mich erdrückt, rastlos und blind macht.

Seit siebenundachtzig Tagen bin ich in diesem Gefühl gefangen. Anfangs habe ich geglaubt, dass es irgendwann nachlassen würde. Nicht von heute auf morgen. Nicht von der einen auf die andere Sekunde. So etwas verschwindet nicht einfach, aber aus Erfahrung weiß ich, dass es normalerweise einen Punkt gibt, an dem Gefühle zu Erinnerungen werden. Und Erinnerungen verblassen.

Nun weiß ich, dass alle meine bisherigen Erfahrungen für den Arsch gewesen sind.

Es ist verfluchte SIEBENUNDACHTZIG Tage her und es brennt noch genauso wie in dem Moment Anfang November, als Joshka gegangen ist. Als mir Neal gesagt hat, er hätte sich entschieden. Für New York. Für den Untergrund, von dem ich bis heute nicht weiß, was er eigentlich genau ist. Für sein Alter Ego Tomber. Für die Dunkelheit. Und gegen mich.

Joshka Alexander Graveman hat sich gegen mich entschieden, obwohl ich ALLES mit ihm geteilt hätte. Meine Geheimnisse, meine Gedanken, mein kaputtes Herz. Er hätte all das haben können und doch war es für ihn nicht genug.

Vielleicht ist genau das das Problem. Vielleicht ist für Joshka einfach NICHTS genug. Aber ändert das irgendetwas an dem brennenden Gefühl in meiner Brust? Nein. Wenn überhaupt lodert es nur noch mehr auf. Es lodert, weil ich hier bin und er dort. Weil er mich fallen gelassen hat. Weil er nicht einmal zurückgeschaut hat. Weil er aus Maple Creek, aus meinem Leben verschwunden ist, als hätte es ihn nie gegeben. Als hätte es uns nie gegeben. Als hätte er mich nicht gehalten, geküsst und auf so unerträglich viele Arten berührt. Als wäre er nur ein Hirngespinst meiner verkorksten Gedanken. Ein Phantom.

Ich glaube, diese Rolle hat ihm letztlich einfach zu gut gefallen. Ein Phantom, ein Geist, der verblasst, der verschwindet. Etwas, das man früher oder später vergisst, sobald man es aus den Augen verloren hat.

Nur geht das nicht.

Zwischen all den Fragezeichen in meinem Kopf, den unzähligen Dingen, für die ich keine Erklärung habe, die keinen Sinn ergeben, sticht diese eine Gewissheit beinahe lächerlich deutlich hervor: Ich kann Joshka Alexander Graveman nicht vergessen. Ich kann es nicht. Ich werde es vermutlich niemals können. Und genau das löst dieses Gefühl in mir aus.

Die Zeit rennt an mir vorbei: mein erster Geburtstag, den ich mit Lilac, meinem ZWILLINGSBRUDER, gefeiert habe, Weihnachten, Silvester, Prüfungen, die ich verpatzt habe, und gleichzeitig steht sie vollkommen still. Rührt sich nicht, dreht sich höchstens im Kreis, seit er aus meinem Leben verschwunden ist.

Ich stehe still. Erstarrt. Mitten im Leben und doch meilenweit davon entfernt, wirklich zu leben. Ich bin genau dort stehen geblieben, wo Joshka mich zurückgelassen hat: in der Haustür in Maple Creek, als er sich umgedreht hat und abgehauen ist.

Und ich habe Angst, dass ich auch noch genau dort stehen werde, wenn er mich längst vergessen hat. Wenn die Zeit um mich herum noch schneller rennt, an mir zerrt und mich schließlich mit sich reißt.

Weil ich nicht vergessen kann.

MÄRZ – JETZT

About the Past and the Now

Auszug aus Lilacs Tagebuch

Hätte mir jemand vor einem halben Jahr gesagt, dass ich irgendwann in einer Kleinstadt am Arsch der Welt ein Literaturstudium beginnen würde, hätte ich denjenigen vermutlich ausgelacht. Und vom nächsten Gebäude geworfen. Nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Und doch bin ich jetzt genau hier.

In einer Kleinstadt. Am Arsch der Welt. Nur einen Tag davon entfernt, ein elendiger Streber-Student zu werden. Und das nach dem ganzen Scheiß der letzten Tage. Wochen. Monate. Jahre.

Fühlt sich irgendwie seltsam an. Seltsam gut. Seltsam schlecht. Seltsam beschissen. Irgendetwas dazwischen.

Das beschreibt es tatsächlich ziemlich treffend. Ich fühle mich, als würde ich zwischen zwei Leben stehen, zwei Versionen von mir, zwei Seiten – ohne in der Lage zu sein, mich endlich für eine zu entscheiden und die andere zum Teufel zu jagen. Obwohl es mir eigentlich leichtfallen sollte, den einen Teil, der nur aus Schmerz, Wut und Angst besteht, endlich hinter mir zu lassen und nach vorn zu schauen. Aber ganz offensichtlich hält mich noch zu viel zurück. Dinge, die mich eigentlich nicht zurückhalten sollten.

Was für ein abgefuckter Scheiß.

Meine Psychologin Dr. Hong wäre hellauf begeistert von dieser tiefschürfenden Kacke (na ja, von den Kraftausdrücken vermutlich nicht, aber sie meint, es wäre so wichtig, einfach mal alles rauszulassen). Oft belächle ich sie und denke mir meinen Teil, aber ich kann trotzdem nicht leugnen, dass die Stunden bei ihr etwas verändert haben. Ich habe Sachen ausgesprochen, die ich nie zuvor in Worte gefasst habe, und das hat sich befreiender und besser angefühlt, als ich gedacht hätte. Als ich mir einzugestehen bereit bin. Es ist nicht von heute auf morgen durch ein paar wundersame Worte von Dr. Hong verschwunden. Weder meine Narben noch die ganze andere Scheiße.

Ich habe immer noch Angst. Wache immer noch schweißgebadet auf. Greife immer noch mit feuchten Händen nach der Vierteldollarmünze um meinen Hals, weil sie manchmal das einzige kleine Ding ist, das mich im Hier und Jetzt hält. Das mich davon abhält zu fallen. Selbst, wenn Elias neben mir liegt.

Und doch hat sich etwas verändert. Einiges hat sich verändert.

Ich habe plötzlich eine Schwester. Einen Vater. Ich habe das erste Mal meinen Geburtstag, den ich sonst verfluche, mit Freunden gefeiert. Ich bin in einer Beziehung mit Eli, der mich aus irgendeinem Grund an seiner Seite will. Der mich will, obwohl ich, meiner Meinung nach, der kaputteste, abgefuckteste Mensch bin. Ich habe einen neuen Nachnamen (Lilac Aberdeen – klingt immer noch beknackt). Ich beginne ein Studium in einer Kleinstadt. Ich lebe sogar in besagter Kleinstadt. Nicht mehr in New Yorks ätzendsten Ecken, sondern in einem Luxus-Bonzenhaus mit Luxus-Bonzengästehaus. Allein. Ohne Josh.

Und manches ist geblieben, wie es war. Ist vielleicht sogar noch düsterer, noch verschlingender geworden. So düster, dass ich in meinen dunkelsten Momenten glaube, dass kein Licht der Welt diese Schwärze jemals durchbrechen könnte. Nicht in einer Million Jahren. Dass das schlichtweg unmöglich ist. Sie überdeckt all das Gute, das diese Veränderungen eigentlich in mein Leben bringen sollte und lässt immer nur ein kleines bisschen heraus. Genug, um mich zu locken. Genug, um mich zu verspotten. Genug, um mich dazwischen zu halten. Zwischen den beiden Seiten, Neu und Alt, Zukunft und Vergangenheit … – scheißpoetisch für ein Straßenkind wie mich.

Whatever.

Fakt ist, egal, wie oft ich mich auch bewusst für eine Seite entscheide, wirklich dort ankommen tue ich nicht. Kann ich gar nicht.

Nicht, solange Mira leidet. Mal stumm, mal laut, aber immer mit einem Ausdruck in den Augen, der sich wie stumpfe Klingen in meine Eingeweide gräbt.

Nicht, solange Josh nach wie vor in der Finsternis steckt, die uns beide beinahe umgebracht hat, und ich nicht weiß, ob es ihm gut geht, ob er überhaupt noch lebt.

Und auch nicht, solange ich in den Spiegel schaue und mir meine Dämonen wieder und wieder ins Gesicht schreien, dass ich eigentlich dort sein sollte, wo er jetzt ist. Dass ich bei ihm sein und mit ihm kämpfen sollte. Dass mein Platz an seiner Seite ist und nicht in dieser lächerlich harmonischen Kleinstadt mit all ihren dauergrinsenden Bewohnern. Dass Josh bei Mira sein sollte, weil sie verdammt noch mal zueinandergehören.

Und das alles zusammengenommen bedeutet, dass ich wirklich niemals ankommen werde. Nicht mit all diesen Tatsachen in meinem Rücken, an denen ich nicht das Geringste ändern kann.

Alles, was mir bleibt, ist weiterzumachen. Mira zu halten. In Elias’ Armen zu heulen und meinen Dämonen den Mittelfinger zu zeigen. Einen Schritt nach dem anderen zu gehen, zu rennen, wenn nötig, in der Hoffnung, dass ich irgendwann entgegen aller Logik ein imaginäres Ziel erreiche, das nicht von Finsternis verseucht ist.

Ein Schritt nach dem anderen.

So, ich habe es rausgelassen. Dr. Hong wäre stolz auf mich.

KAPITEL 1

Not Enough

Mira

Pfannkuchen-Mittwoche waren die neuen Pfannkuchen-Freitage.

Nicht im übertragenen Sinne, sondern eher praktisch gesehen. Denn in diesem Semester fiel mein vorlesungsfreier Tag auf den Mittwoch, nicht länger auf den Freitag, und damit waren auch die Pancakes, die ich mir traditionell an diesem Tag gönnte, dorthin gewandert. Normalerweise hatte ich nichts gegen Veränderungen. Nachdem mein Leben zwanzig Jahre lang einer geraden und ziemlich vorhersehbaren Bahn gefolgt war, hatte ich jede noch so kleine Abweichung vom Skript begrüßt. Doch nach den letzten Monaten hatte ich genug von Hiobsbotschaften aller Art. Genug davon, dass sich Bekanntes in Unbekanntes verwandelte und mich ohne Schirm im eiskalten Regen stehen ließ.

Und genau deswegen ging mir der Pfannkuchen-Mittwoch gehörig gegen den Strich.

»Mira, Schätzchen, kannst du mir bitte den Ahornsirup geben?«

Ich blickte von meinem Teller, auf dem die zwei goldbraunen, perfekt gebackenen Pancakes unangetastet lagen, auf und reichte meinem Vater Ben mechanisch die geschwungene Flasche.

»Du hast dich wirklich wieder selbst übertroffen. Ich sollte mir öfter den Mittwoch freinehmen und mit dir essen«, fuhr er fort, als ich nichts erwiderte und ertränkte sein Frühstück in dem dickflüssigen Ahornsirup, der nur ein paar Meilen von Maple Creek entfernt gewonnen wurde.

Wie hypnotisiert starrte ich auf die schimmernde Suppe und hasste, dass mich selbst dieser Anblick an Joshka erinnerte. An die Male, die wir zusammen Pancakes gegessen und er mich damit aufgezogen hatte, ob ich zu meinem Sirup nicht auch noch etwas Richtiges essen wollte.

Unwillkürlich ballte ich die Hand fester um meine Gabel und schluckte gegen den Kloß in meinem Hals an. Hundertdreiunddreißig Tage und fast dreitausend Meilen zwischen uns und er versaute mir immer noch mein Frühstück.

»Mira, hörst du mir überhaupt zu?«

Ich zog die Augenbrauen zusammen. »Hm?«

Mein Vater seufzte schwer, legte das Besteck zur Seite und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Das erste Mal an diesem Mittwochmorgen sah ich meinen Dad richtig an und hätte bei dem Ausdruck in seinem Blick am liebsten sofort wieder zur Seite geschaut. Seit Wochen – Monaten – sah mich nun jeder schon so an. Mit Mitgefühl, Sorge, Furcht und Vorsicht, als könnte ich jeden Moment die Fassung verlieren und durchdrehen. Ich wusste, alle meinten es gut, wenn sie sich erkundigten, wie es mir ging, aber die Wahrheit war, dass es das irgendwie schlimmer machte. Weniger erträglich. Denn bei jeder Frage, jedem nachsichtigen Blick wurde ich unwillkürlich an den Grund für die Dunkelheit in mir erinnert. An Joshka. An seine Wahl, die nicht auf mich gefallen war.

Ich zwang mich zu einem dünnen Lächeln und schüttelte leicht den Kopf. »Tut mir leid, ich war mit den Gedanken bei der Uni.«

Die Furchen auf Dads Stirn vertieften sich. »Genau danach habe ich ja gefragt.«

Mist.

Wieder seufzte er und dieses Mal klang es irgendwie endgültig. So, als hätte er sich ein abschließendes Bild gemacht und ein Urteil gefällt. Dabei konnte er das gar nicht. Dad wusste kaum von einem Bruchteil dessen, was ich mit mir rumschleppte. Für ihn hatte ein junger Mann mein Herz gebrochen und war dann sang- und klanglos zurück ans andere Ende des Landes abgehauen. Es fasste die Situation ganz gut zusammen, und doch ließ es all die hässlichen Details aus, die mir tagtäglich die Luft zum Atmen nahmen. Manchmal wünschte ich mir, so ahnungslos wie Dad zu sein. Nicht zu wissen, woJoshka war, wie sein Leben wirklich aussah. Denn dann wäre das alles wahrscheinlich etwas leichter gewesen. Vielleicht hätte ich es sogar geschafft, ihn zu vergessen. Dann wäre er einfach nur ein bedeutungsloser Typ gewesen …

»Wenn du nicht mit mir sprichst, dann kann ich dir nicht helfen, und das möchte ich«, setzte Dad an und griff nach einer meiner kalten Hände. »Ich sehe, dass es dir schlecht geht, und auch, wenn wir in der letzten Zeit einiges durchgemacht haben, bin ich immer noch dein Vater. Du kannst mit mir über alles reden, Schätzchen. Ich hoffe, das weißt du.«

»Das weiß ich. Das weiß ich wirklich.« Ich zog die Unterlippe zwischen die Zähne.

Nach der Bombe, die Dad über Lilacs und meine Trennung und unsere Mutter hatte platzen lassen, hatte unser liebevolles Miteinander ziemlich gelitten, aber er gab sich Mühe. Mit meinem Bruder und mit mir. Aber selbst, wenn es dieVergangenheit nicht gegeben hätte und alles so wie vor Lils Erscheinen in unserem Leben gewesen wäre, hätte ich Dad jetzt nicht mehr sagen können. Aus dem einfachen Grund, dass ich nicht viel mehr wusste, als dass ich Josh mit jeder Faser meines Körpers vermisste. Mich nach ihm sehnte, obwohl es verflucht noch mal so wehtat.

Dad drückte meine Finger. »In Sachen Liebe bin ich vermutlich kein besonders guter Ratgeber, aber ich bin für dich da. Egal, worum es geht und jederzeit, okay?«

»Okay«, erwiderte ich und ließ meinen Atem langsam entweichen. Keine Ahnung, wie oft wir dieses Gespräch schon geführt hatten. In letzter Zeit landeten alle Unterhaltungen irgendwie immer genau an diesem Punkt. Jemand wollte mit mir reden, ich verlor mich in meinen Gedanken, Sorgen über mein zurückgezogenes Verhalten wurden geäußert, und Ende.

Ich hatte es satt. Hatte es satt, im Fokus des allgemeinen Mitleids zu stehen und nicht länger die Mira zu sein, die ich davor gewesen war. Was für ein lächerlich kleines Wort für etwas so Großes. Und doch klammerte ich mich zwischen Pancakes und Sirup an das Davor. An die Mirella Elisabeth Aberdeen vor Joshka Alexander Graveman, um endlich mal ein anderes Gesprächsthema zu haben. Was ich tun würde, wenn ich wieder allein sein würde, stand auf einem ganz anderen Blatt. Jetzt zählte das Davor.

Also richtete ich mich merklich auf, ließ davon ab, meine Unterlippe zu malträtieren und suchte Dads Blick. »Du wolltest über die Uni sprechen?«

Kurz wirkte er überrascht, dann trat jedoch so etwas wie Erleichterung auf seine Züge. Erleichterung darüber, dass unter der jungen Frau, in die ich mich in den vergangenen Monaten verwandelt hatte, seine Tochter hervorlugte. Wenn auch nur für einen Sekundenbruchteil. »Ja, ähm, ich habe mit Professor Corringham gesprochen und er sagte, er würde sich sehr darüber freuen, wenn du endlich ganz in den Fachbereich Architektur wechselst.«

Ich konnte mir das Schnauben beim besten Willen nicht verkneifen. Wir sprangen von einem leidigen Thema zum nächsten. »Dad, ich habe dir doch gesagt, dass ich noch nicht weiß, für welchen Schwerpunkt ich mich entscheide.«

»Nach der letzten Prüfungsphase hatte ich angenommen, dass du das längst hast.«

»Weil ich durch zwei Matheklausuren gerasselt bin?«

Das hatte einen ganz anderen Grund. Einen mit grüngrauen Augen, dunkelblonden Haaren und mehr Geheimnissen, als ein Mensch haben sollte.

»Das habe ich nicht gemeint. Ich finde nur, dass es gezeigt hat, dass du eine Wahl treffen solltest. Nicht einmal du schaffst zwei derartig komplexe Fachbereiche in einem Studium gleichzeitig, Mira.« Dad ließ mich los und fuhr sich über das Kinn.

Das Wort Wahl zupfte unangenehm an meinen Nervenenden.

»Mir ist bewusst, dass du gerade eine … schwierige Zeit durchmachst, aber ein einzelner Junge sollte dich nicht davon abhalten, deinen Weg zu gehen, Kleines. Zumal du dein Studium doch liebst und schon so viel investiert hast.«

So konnte man es natürlich auch ausdrücken.

»Wann endet die Frist?«, fragte er dann, obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass ihm sein Freund Corringham das bereits mitgeteilt hatte.

Ich pustete mir eine lose Strähne aus den Augen und griff wieder nach meiner Gabel. »Nächsten Mittwoch.«

»Na siehst du. Da ist doch noch genügend Zeit. Und ich bin mir sicher, dass du, egal, ob du nun Mathematik oder Architektur wählst, einen großartigen Abschluss machen wirst.«

Mir kam es nicht so vor, als wäre das auch nur annähernd genügend Zeit. Wie sollte ich mich zwischen zwei Wegen entscheiden, die mich im Augenblick beide gleichermaßen einengten? Wo es mich gerade einfach nur wegzog? Raus. In die Weite. Weg von allem, was mich erstickte. Irgendwohin, wo mich nicht alles in jeder einzelnen Sekunde an die verschlingende Finsternis in mir erinnerte.

Seufzend nickte ich langsam. »Sicher.«

Ich hatte absolut richtiggelegen: Pfannkuchen-Mittwoche waren für den Arsch.

»Bitte sag mir nicht, dass du an deinem freien Tag nichts Besseres zu tun hast, als mit mir zu skypen.«

Ich gab ein Geräusch von mir, das irgendeine Mischung aus Lachen, Schluchzen und Schnauben war, und zog die Beine auf der hölzernen Gartenbank an. Mein Hund Flex, der vor mir im Gras lag, hob kurz den Kopf, ehe er weiterdöste. »Das liegt daran, dass es nichts Besseres gibt, als mit dir zu quatschen, Tami.«

Sie schürzte nur die Lippen und schüttelte langsam den Kopf. »Mira.«

»Du fehlst mir einfach, okay? Ich wollte dich sehen«, erwiderte ich, bevor sie die Schatten unter meinen Augen oder das leichte Zittern meiner Stimme ansprechen konnte.

Die Miene meiner besten Freundin wurde, wenn überhaupt möglich, noch ernster, während sie von der gestreiften Couch in ihrer WG in Downtown Manhattan aufstand und in ihr Zimmer lief. »Du weißt, dass du jederzeit herkommen kannst. Ich bin nur einen Flug entfernt und wir haben hier jede Menge Platz.«

»Und du weißt, dass das nicht einfach so geht. Mein Studium, Lilac …«

Tami wölbte eine ihrer dunklen Augenbrauen. Meine Argumente waren Ausreden und das wusste sie genauso gut wie ich. Es wäre kein Problem, meine Vorlesungen für ein paar Tage ausfallen zu lassen – ich arbeitete den Stoff ohnehin zu Hause immer noch einmal nach –, und Lilac hatte seinen Platz gefunden. Bei Elias und in seinem Literaturstudium. Zwar lief das neue Semester erst seit knapp einer Woche, aber bereits jetzt hatte ich bemerkt, dass ihm die Uni guttat. Die anderen Studierenden, das Lernen, seine Beziehung. Er litt auch still und leise vor sich hin, das wusste ich, aber seit Beginn der Kurse schien es für meinen Zwillingsbruder etwas leichter geworden zu sein, morgens aufzustehen. Weiterzumachen. Zu leben. In meinen dunkelsten Momenten beneidete ich ihn darum.

»New York ist unser Traum, Mira. Du kannst nicht ewig davonlaufen. Schon gar nicht wegen Joshka.«

Aber ich konnte es versuchen, oder nicht? Die Wahrheit war, dass schon allein die Vorstellung, mit ihm in einer Stadt zu sein, in dem Wissen, dass er irgendwo unter den achteinhalb Millionen Menschen war und mich aus seinem Leben gestrichen hatte, mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagte. »Können wir bitte über etwas anderes reden?«

»Oh, das mag vielleicht bei deinem Dad oder dem leichtgläubigen Eli funktionieren, aber ganz sicher nicht bei mir. Wie lange redest du schon um den heißen Brei herum, hm?«

Ich starrte meine Freundin, die etwas verzerrt auf dem Display meines Handys prangte, anklagend an. »Du willst das jetzt echt über Skype klären?«

»Wie denn sonst? Du kommst ja nicht her.«

Punkt für sie, sagte die kleine hässliche Stimme in meinem Hinterkopf.

»Hör zu, ich weiß, dass das scheiße gelaufen ist, Mira. Ziemlich scheiße sogar. Du hast dich in den kompliziertesten Untergrundboss der Welt verliebt und dein Herz verloren, aber irgendwann musst du weiterziehen.« Tami fuhr sich durch die gelockten, rosafarbenen Haare. »Ich sage ja nicht, dass du das alles vergessen sollst – das geht auch gar nicht –, aber du musst damit anfangen, es zu verarbeiten. Dich damit auseinanderzusetzen und klarzukommen. Und das kann man am besten, wenn man behutsam den Finger in die Wunde legt.«

Bei diesen Worten klang sie erschreckend wie Dr. Hong, Lils Psychologin. Ich hatte ihn zu ein paar seiner Sitzungen begleitet und die junge Frau dabei kennengelernt.

»Niemand legt gerne den Finger in die Wunde, schon klar«, fuhr Tami fort und schob den rot gestreiften WG-Kater Pages sanft von ihrem grünen Sessel, »aber dafür hat man ja eine beste Freundin.«

Ich kuschelte mich tiefer in meinen bunten Strickpullover. »Und wo soll ich anfangen?«, fragte ich dann leise.

Als würde Flex spüren, wie schwer mir dieses Gespräch fiel, stand er auf und stupste mich sanft mit seiner feuchten Schnauze an. Lächelnd begann ich ihn zu kraulen, während um uns herum die kleinen Solarleuchten im Garten angingen.

Tamis Miene wurde weicher. »Du gehst immer noch nicht ins Gästehaus, oder?«

Ich atmete langsam aus und sah zu dem kleineren Gebäude, in dem Lilac, Joshka und für eine Weile sogar ich gewohnt hatten. Eine Zeit, die mir jetzt wie ein anderes Leben vorkam.

»Nein. Lil ist oft mit Eli dort, aber ich … ich packe das irgendwie noch nicht. Mich erinnert dort zu viel an ihn. Alles irgendwie. Manchmal möchte ich einfach reingehen und schauen, was es mit mir macht, und gleichzeitig habe ich eine Scheißangst davor. Albern, oder?« Ich klang schon wie mein Bruder.

»Mira, das ist nicht albern. Hör auf, so etwas zu denken. Es gibt kein Regelbuch dafür, was du in so einer Situation fühlen darfst und was nicht, okay?«

»Okay.«

»Es darf wehtun, aber es sollte dich nicht ausbremsen oder daran hindern, das zu tun, was du für richtig hältst.«

»Hast du mit Eli gesprochen? Du klingst plötzlich so weise und verständnisvoll.«

Tami machte ein Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. »Autsch. Dabei versuche ich doch nur, eine gute Freundin zu sein und es mal mit Zuckerbrot statt der Peitsche zu probieren.«

Das brachte mich zum Lachen. »Die Peitsche passt aber irgendwie zu dir.«

Sie tat, als würde sie sich selbst auf die Schulter klopfen, bevor sie wieder ernst wurde. »Wir könnten zusammen ins Gästehaus gehen.«

Ich löste die Finger aus Flex’ weichem Fell und runzelte die Stirn.

»Ich bleibe am Telefon und damit virtuell an deiner Seite und du gehst rein.«

Wieder schaute ich zu dem Gebäude, das im Moment verlassen dalag. Lilac war noch unterwegs, seine Vorlesungen dauerten am Mittwoch immer bis weit in den Nachmittag hinein. Es war nur ein Haus. Ein Haus mit ein paar Zimmern und Erinnerungen, die dadurch, dass ich mich ihnen nicht stellte, nur immer mehr Macht über mich gewannen.

»Okay«, hörte ich mich dann sagen, als wäre nicht ich es gewesen, die diese Entscheidung getroffen hätte, sondern irgendein Impuls tief in mir.

Tami lächelte leicht. »Ich halte in Gedanken deine Hand.«

Ich stand auf und zupfte die Ärmel meines Pullovers über die Hände. Es war Mitte März und die Luft noch frisch vom Winter, der sich gerade erst aus Maple Creek verabschiedet hatte. »Das ist verrückt, oder?«

»Es ist das, was wir immer tun.«

Flex trottete hinter mir her, während ich den fein gestutzten Rasen überquerte und das Gästehaus ansteuerte. »Lenkst du mich ein bisschen ab?«

»Hier geht es um dich, Mira.«

»Wann haben wir eigentlich die Rollen getauscht?«

»Hey, nicht stehen bleiben!«

»Jaja.« Ich setzte brav wieder einen Fuß vor den anderen. »Erzähl mir trotzdem was. Ist ein langer Weg bis dahin.«

Tami seufzte nur, nickte dann aber mit einem schiefen Grinsen. »Die Gallery ist cool und die Leute dort sind echt entspannt. Genau wie in der WG. Ein kreativer, bunter Haufen. Stiles ist ein Genie mit der Haarbürste und der Schminke. Seit meinem Einzug hier gab es keinen Tag, an dem ich nicht top gestylt war«, begann sie ohne Punkt und Komma zu reden und schaffte es tatsächlich, mich für ein paar Augenblicke abzulenken. Ihre ganz spezielle Superkraft. »Und Bruna sorgt dafür, dass ich, wenn ich wieder in Maple bin, erst mal einen Bergmarathon mit dir machen muss. Ich fürchte, sie läuft dir den Titel für die besten Pancakes ab. Tja, und dann wäre da noch Constance …«

Ich sah von meinen braunen Doc Martens zurück aufs Handy, als ich den ungewöhnlichen Unterton in Tamis Stimme bemerkte. »Constance?«

Meine beste Freundin zuckte mit den Schultern und schaute kurz zur Seite. »Sie ist cool. Anders. Ziemlich still, aber wenn sie mich ansieht, dann … Egal, bist du am Gästehaus?«

»Tami.« Ich sprach ihren Namen in der gleichen Tonlage aus wie sie zuvor meinen.

»Von Conny erzähle ich dir ein anderes Mal, okay? Jetzt geht es, wie gesagt, um dich, Schätzchen.«

Dabei hätte ich liebend gern mehr über diese ominöse junge Frau erfahren, die die schillernde Fassade meiner besten Freundin ganz offensichtlich bröckeln ließ. Ich wusste schon lang, dass Tami sich in der Liebe nicht auf ein Geschlecht festlegte, doch bisher hatten sich immer nur Kerle in ihr Herz geschlichen – was die Sache mit Connie nur umso interessanter machte.

Und deutlich angenehmer als die kalte Klinke der Eingangstür unter meinen Fingerspitzen und das, was ich im Begriff zu tun war. Schlagartig rutschten New York, Constance und die bunte WG wieder in den Hintergrund und machten meinem eigenen, brennenden Herz Platz.

»Durchatmen und weitergehen, Mira. Ein Schritt nach dem anderen. Babysteps.«

»Babysteps.«

Ich befahl Flex, draußen zu warten, drückte den Griff nach unten und trat ein. Ging in das Gästehaus, in dem ich in den letzten fünf Monaten nur ein einziges Mal gewesen war, und blieb einen Moment bewegungslos im Flur stehen. Horchte. Wartete. Doch nichts geschah. Ich brach weder plötzlich zusammen noch spürte ich neue Klingen, die sich in meine Brust bohrten. Ich sah den Wohnbereich, der im Halbdunkeln lag, die Couch, auf der ich unzählige Male geschlafen hatte, und spürte … nichts. Es war nur ein Haus. Die schmerzhaften Erinnerungen waren nicht mit den Gegenständen hier verknüpft, sondern längst tief inmir verankert. Es änderte gar nichts.

»Mira?«

Ich hob das Handy wieder auf Höhe meines Gesichts und befeuchtete meine Lippen. »Es ist okay.« Der kurze Satz klang mehr wie eine Frage als eine wirkliche Antwort.

»Bist du sicher?«

»Ja, ich … ich meine, ich habe Bilder im Kopf, von Joshka und mir und unseren Momenten, und die tun nach wie vor weh, aber es ist nicht das Gästehaus.« Ich machte ein paar Schritte ins Wohnzimmer und drehte mich langsam um meine eigene Achse. »Es fühlt sich sogar etwas leichter an.«

Tami lächelte sanft. »Die Angst in deinem Kopf davor, hier den Dolchstoß verpasst zu kriegen, war größer als die eigentliche Gefahr.«

»Du bist wirklich weise geworden.«

»Conny ist ziemlich weise. So weise, dass es anscheinend nicht mal einen Monat gebraucht hat, um auf mich abzufärben.«

Ich öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, und erstarrte im nächsten Moment, als mein Blick auf die kleine Nische zwischen einem Bücherregal und der TV-Bank fiel. Auf die Leinwand, die dort vergessen stand, halb von einem Tuch bedeckt. Und doch erkannte ich sie sofort wieder.

»Mira, bist du noch da?«

Mein Herzschlag beschleunigte sich unwillkürlich, als ich wie ferngesteuert darauf zulief und langsam in die Hocke ging.

»Mirella? Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest.«

Ich riss mich von der Leinwand los und schaute wieder zu meiner besten Freundin, die plötzlich genauso angespannt wirkte, wie ich mich fühlte.

»Hey, rede mit mir, was hast du gefunden?« Tami kannte mich einfach zu gut.

»Später, ja? Ich … ich melde mich später. Ich muss Schluss machen. Hab dich lieb.« Ohne auf eine Antwort zu warten, beendete ich das Skype-Gespräch und ließ mein iPhone in die Hosentasche gleiten. Es surrte beinahe noch in derselben Sekunde, weil Tami zurückrief, doch ich ignorierte es und griff stattdessen nach dem Bild. Das Tuch glitt wie von selbst zu Boden und entblößte die herbstliche Szene, die Joshka für das Fallington-Fest im letzten Jahr gemalt hatte. Die leuchtende Hauptstraße Maple Creeks, den kleinen Kuchenverkauf in der Mitte und … mich. Er hatte mich gemalt, noch bevor wir einander wirklich nahegekommen waren.

Bist du ihm wirklich jemals nahe gewesen? Du weißt bis heute nicht, wer Joshka eigentlich ist.

Nein, aber das ist dem Herzen vollkommen egal. Es verliebt sich trotzdem. Und tut dann nur umso mehr weh.

Ich atmete tief durch, kam wieder auf die Beine und stellte das Bild zurück, als mein Blick auf einen kleinen Zettel fiel. Ein hastig ausgerissenes Blatt Papier, das mit einer Reißzwecke hinten an der Leinwand befestigt worden war.

Oktober in einer Kleinstadt am Arsch der Welt. Und ich male wieder. Keine Ahnung, warum. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht mal gewusst, dass ich es noch kann, aber hier stehe ich wie der letzte Vollidiot in einem befleckten Hemd mit einem beschissenen Pinsel in der Hand. Mit dem ich aus einem mir unbegreiflichen Grund ausgerechnet Mira gemalt habe.

Ich weiß nicht mal, wieso ich diese dämliche Notiz für das Bild schreibe, weil es ja kein richtiges Werk ist. Im Gegensatz zu früher habe ich keine Sekunde darüber nachgedacht, was ich da mache, aber es ist so leicht gewesen.

Mira zu malen, ist so leicht gewesen.

Irgendetwas an ihr hat mich dazu gebracht, es wieder zu tun.

Sie hat ausgereicht.

Sie war genug.

»Nein«, flüsterte ich und riss den Zettel ab. Zerknüllte ihn in meiner Hand, während stumme Tränen über meine Wangen liefen. »Es war nicht genug. Es hat dir nicht ausgereicht, um zu bleiben. Mich zu halten.«

Ich war dir nicht genug.

KAPITEL 2

The Pain of Letting Go

Mira

Ich musste eingeschlafen sein, denn als eine Tür lautstark ins Schloss fiel und ich hochschreckte, lag ich als verdrehtes Knäuel im Dunkeln auf dem Boden. Die Leinwand mit Joshkas Bild an mich gedrückt, einen zerknitterten Zettel in der Hand.

Ach ja. Der Zettel.

Aus dem Flur hörte ich ein gemurmeltes Fluchen, dann Schuhe, die achtlos in die Ecke geschleudert wurden. Lilac.

Meine Knochen und Muskeln protestierten ächzend, als ich mich langsam aufrichtete. Wie hatte ich überhaupt in dieser Position schlafen können? Und wie viel Zeit war vergangen? Ich beschloss, erst mal Lil zu begrüßen und mich dann um alles Weitere zu kümmern, als ich bemerkte, dass er telefonierte.

»Ich weiß, was du gesagt hast«, knurrte mein Bruder, Kleiderbügel schlugen klirrend aneinander. »Und es ist mir egal, Josh.«

In mir kam alles mit einem Ruck zum Stehen. Josh. Lilac telefonierte mit Josh. Und es klang nicht so, als wäre das ihr erstes Gespräch.

Was zum …?

»Du bist ein egoistisches Arschloch, wenn du das glaubst. Jedes einzelne Wort von dir ist eine Ausrede und das wissen wir beide.« Lilac klang genauso wie früher, als er nach Maple Creek gekommen war. Hart, emotionslos und gleichzeitig tief verletzt.

Unwillkürlich drückte ich mich enger an die Couch, hinter der ich mich versteckte. Und lauschte. Weil ich diesen Moment – dieses kurze Auftauchen von Joshka in meinem Leben – mehr brauchte, als gut für mich war. So viel zum Thema Verarbeiten, Vergessen, Weitermachen. Es war hoffnungslos und ich wie eine Süchtige auf Entzug.

Lilacs Stimme und seine Schritte kamen näher, dann hörte ich Wasser in der Küche laufen. »Das kann nicht wirklich dein Ernst sein! Hat dir New York jetzt auch noch den letzten Rest deines Verstandes geraubt? – Ich rede mit dir, wie ich will, Tomber! Du bist nämlich nicht hier, um mich davon abzuhalten, sondern am anderen Ende dieses Landes, um dich endgültig von dieser Scheiße umbringen zu lassen.«

Mir rauschte das Blut mittlerweile so laut in meinen Ohren, dass ich Schwierigkeiten hatte, Lils Worte über den Lärm in mir zu verstehen.

»Wenn du glaubst, uns würde es hier besser gehen, hast du ganz offensichtlich gar nichts kapiert.« Lilac ließ sich auf einen der Hocker am Küchentresen fallen. »Du hast keine Ahnung, wie es ist. Du weißt nicht das Geringste.«

Mein Magen zog sich bei der Resignation in seinen letzten Worten schmerzhaft zusammen.

»Vielleicht solltest du aufhören, jeden deiner Sätze mit Ich zu beginnen, Josh. Es geht hierbei nämlich nicht nur um dich. Es geht um Mira, verdammt. Darum, wie sie jeden Tag ein bisschen mehr leidet, weil du ihr das Herz herausgerissen hast, als es dir am besten in deinen verkorksten Kram gepasst hat.«

Ich fuhr zusammen und war nicht fähig, das Keuchen, das mir auf den Lippen lag, noch länger zurückhalten. Von meinem Versteck aus konnte ich sehen, wie sich Lils Schultern sofort anspannten. Er hatte mich gehört, und das machte die ganze Sache nur noch schlimmer, weil ich jetzt nicht mehr abhauen konnte. Weil ich mich dem Lodern in meiner Brust stellen und Lilac ins Gesicht sehen musste.

»Weißt du was, Josh? Fick dich.« Mein Zwillingsbruder knallte sein Handy auf den Tresen und fuhr sich fluchend übers Kinn. »Ich weiß, dass du da bist, Mira«, sagte er dann nach einem Moment der Stille und drehte den Kopf in meine Richtung.

Ich verzog das Gesicht, krabbelte vom Boden auf die Couch und verfolgte, wie Lilac seufzend aufstand und sich neben mir in das weiche Polster fallen ließ.

»Tut mir leid«, murmelte ich und zog eines der bunten Kissen auf meinen Schoß.

Er hob eine Braue. »Tut es nicht und das wissen wir beide.«

»Lil –«

»Scheiße war es trotzdem, Mira. Du hättest … du hättest das nicht hören sollen, okay?« Seine Augen, deren Farbton immer irgendwo zwischen Dunkelblau, Grün und Grau changierte, verdüsterten sich merklich.

Ich wandte den Blick ab und zog die Beine an. »Was hat er gesagt?« Meine Stimme war nicht mehr als ein belegtes Flüstern.

»Nicht. Lass es einfach, okay? Mach es nicht noch ätzender, als es ohnehin schon ist.«

Keine Ahnung, woran es genau lag, aber irgendetwas an seinem Tonfall legte meinen inneren Schalter von Starre und Schmerz auf Wut um. »Ist das dein Ernst?!«

Bei dieser plötzlichen Heftigkeit zuckte Lil zusammen.

»Seit fast fünf Monaten habe ich kein einziges Wort von Josh gehört. Herrgott, ich wusste nicht einmal, ob er überhaupt noch lebt, und du … du telefonierst mit ihm! Bist du wirklich nie auf die Idee gekommen, zumindest mal zu erwähnen, dass es ihn nochgibt? Dass ihr Kontakt habt?« Mein Herz schlug so stark und unkontrolliert, dass ich einen Augenblick lang fürchtete, es würde mir die Rippen zertrümmern.

Lilac sah wieder zu mir und zog die Augenbrauen zusammen. »Wir telefonieren nicht einfach miteinander, okay? Das war erst das zweite Gespräch in all der Zeit und außerdem … Du weißt nicht, worum es hierbei geht.«

»Nein, tue ich nicht. Und weißtdu auch, warum? Weil du mir nämlich kein Sterbenswörtchen über ihn verrätst.« Meine Wangen wurden warm. »Ich dachte, wir hätten keine Geheimisse mehr voreinander.«

Wieder huschte ein Schatten über Lils Züge. »Hölle, Mira, ich mache das nicht, um dich zu verletzen, okay?«

»Wenn du jetzt sagt, dass du mich nur schützen wolltest, dann verletze ich dich.«

Einer seiner Mundwinkel wanderte für einen Sekundenbruchteil nach oben, ehe seine Miene wieder ernst wurde. »Und doch ist es so. Das alles hier ist unser zum Scheitern verurteilter Versuch, dass du in Sicherheit bleibst.«

Ich schnaubte nur.Mich hatte niemand gefragt, ob ich überhaupt beschützt werden wollte.

»Außerdem …«

Ruckartig sah ich wieder zu Lilac. »Was?«

»Er will es nicht, Mira.«

»Wie bitte?«

Mein Bruder ließ seinen Atem hörbar entweichen und murmelte irgendetwas Unverständliches, bevor er sagte: »Josh will nicht mit dir sprechen. Er will nicht mal über dich sprechen.«

Mir wich schlagartig alle Farbe aus dem Gesicht.

»Wenn dein Name auch nur in einem Nebensatz fällt, macht er sofort dicht und wechselt das Thema. Du bist für ihn Vergangenheit. Jemand aus einem anderen Leben.« Auf seinen Zügen zeichnete sich der gleiche Schmerz ab, den auch ich spürte, als er zu Boden sah und sich die Haare aus der Stirn strich. Sie waren in den letzten Monaten länger geworden und hingen ihm wirr ins Gesicht. »Er ist glücklich dort.«

»Das ist nicht wahr«, hielt ich schwach dagegen, obwohl ich es besser wusste. Das alles hier klang so sehr nach Joshka, nach seinem Drang, alles kontrollieren zu wollen und die Reißleine zu ziehen, wenn es ihm zu viel wurde.

»Es tut mir leid, Mira. So leid, aber die Sache ist vorbei. Er kommt nicht wieder zurück. Weder zu dir noch zu mir, und daran wird sich nichts ändern. Er hat seine Wahl getroffen.« Mein Zwillingsbruder stand abrupt auf und wandte den Blick ab. Ich sah das Schimmern in seinen Augen dennoch. Den Kummer. Das Leid. Lilac hatte ihn genauso verloren wie ich. Seinen besten Freund. Seinen Bruder. Sein Ein und Alles.

Ich erhob mich ebenfalls und griff behutsam nach seinen Händen, doch Lil zog sie sofort zurück.

»Hör auf. Lass es einfach. Verschwende nicht noch mehr Zeit an ihn. Er ist gegangen, okay? Josh ist fort.«

Es war zum Durchdrehen. Egal, wie oft ich den Absatz über architektonische Grundstrukturen auch durchlas, kein einziges der Worte schaffte es wirklich in meinen Kopf. Ich sah Buchstaben, Satzzeichen, hervorgehobene Passagen, doch in diesem Moment ergaben sie für mich schlichtweg keinen Sinn. »Mist«, murmelte ich und griff nach meinem Kaffee, nur um festzustellen, dass die Tasse schon leer war.

Missmutig ließ ich den Becher sinken und sah mich in dem Unicafé um, wo ich schon seit einer Weile war. An diesem Freitagvormittag war es gut besucht. Fast jeder der Tische war belegt, Studierende saßen tief gebeugt über Bücher, Laptops und Tablets, versunken in einer eigenen Welt. Was würde ich dafür geben, es ihnen gleichtun zu können. Einfach in der Architektur – oder der Mathematik, denn ich hatte mich immer noch nicht entschieden – zu verschwinden und erst Stunden später wieder aufzutauchen. Die Gedanken zumindest für ein paar wertvolle Augenblicke abschalten zu können. Das fiel mir schon seit Joshkas Abreise aus Maple Creek schwer, doch nach dem Telefonat am Mittwoch, das ich halb mitbekommen hatte, war es schlichtweg unmöglich. Was Lilac gesagt hatte, die Härte und der Schmerz in seinem Ton, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Im Gegenteil, es grub sich nur immer weiter hinein.

Es geht hierbei nämlich nicht nur um dich. Es geht um Mira, verdammt. Darum, wie sie jeden verfluchten Tag ein bisschen mehr leidet, weil du ihr das Herz herausgerissen hast, als es dir am besten in deinen verkorksten Kram gepasst hat.

Als Lils Worte ein weiteres Mal durch meine Gedanken flogen, zuckte ich unwillkürlich zusammen.

So kann das doch nicht ewig weitergehen, oder?

Mein Handy gab ein leises Summen von sich, das Zeichen, dass meine Freistunde beendet war und ich in die nächste Vorlesung musste. Eigentlich hatte ich vorgehabt, zumindest einen Teil der Aufgaben, die sich bereits nach eineinhalb Wochen Semester bei mir angesammelt hatten, abzuarbeiten. Doch Pustekuchen. Stattdessen hatte ich nur Löcher in die Luft gestarrt, zwei Kaffees geleert und kein einziges der To-dos geschafft. Großartig.

Ziemlich miesgelaunt räumte ich meine Sachen zusammen, brachte meine Tasse zur Theke und trat dann aus dem Café in den trüben Tag. Selbst das Wetter schien sich meiner Stimmung angepasst zu haben. Graue Wolken hingen tief in den Bergen, saugten jedes Blau des Himmels in sich auf und ließen kaum Licht auf den Campus. Die Luft schmeckte nach Regen und der Wind war kalt und beißend.

Ich vermisste den Herbst. In so vielerlei Hinsicht.

Meine Tasche an die Brust gedrückt, folgte ich einem der Wege in Richtung des Indiana-Gebäudes, in dem meine nächste Vorlesung stattfinden würde, als sich eine Hand auf meine Schulter legte.

Erschrocken fuhr ich herum und fand mich einen Herzschlag später einem vertrauten Gesicht gegenüber. »Hey«, sagte Lilac leise und fuhr sich über den Nacken. »Können wir reden?«

Ich runzelte die Stirn. »Meine Vorlesung beginnt gleich – und deine auch, wenn ich mich richtig erinnere. Am anderen Ende des Campus.«

»Mira, bitte.«

Nach seinen harten Worten am Mittwoch hatten wir kein Wort mehr miteinander gewechselt. Er war verletzt, ich war verletzt, und das hatte uns irgendwie in unterschiedliche Richtungen getrieben, obwohl die Ursache unseres Schmerzes dieselbe war.

Eine Gruppe von Studierenden, die ich flüchtig aus meiner Stochastik-Vorlesung kannte, grüßte mich und schob sich dann an uns vorbei. Lilac und ich standen einander gegenüber wie zwei Seiten einer Medaille. Mitten auf dem Weg.

Ich seufzte. »Das ist nicht der richtige Ort dafür, okay? Außerdem hattest du recht. Er ist … Joshka ist fort.«

Lil verschränkte die Arme vor der Brust. »Das habe ich nicht gemeint, ich … Können wir nicht irgendwo anders hingehen, wo es ruhiger ist? Scheiß auf die Vorlesungen. Das hier ist wichtiger.«

»Lass das bloß nicht Dad hören«, murmelte ich, nickte schließlich aber trotzdem.

Gemeinsam setzten wir uns schweigend in Bewegung und liefen gegen den Strom an Studierenden in Richtung des Washington-Gebäudes mit seiner bunten Kuppel aus Glas und den zwei Türmchen, die links und rechts in den Himmel ragten. Darin befand sich neben ein paar Studienräumen die große Unibibliothek – kein Wunder, dass sich Lil ausgerechnet für diesen Ort entschieden hatte. Nachdem wir den Eingangsbereich hinter uns gelassen hatten, steuerte er zielsicher die doppelflügelige Tür aus dunklem Holz an und führte mich dann in sein Königreich. Reihen um Reihen voller Bücherregale. Mehr, als ein Mensch jemals lesen könnte. Balustraden waren entlang der Wände angebracht worden und unterteilten die Bibliothek in mehrere Stockwerke mit verschnörkelten Geländern und Eisentreppen, getaucht in das Licht, das durch die bunte Glaskuppel fiel.

»Komm«, wisperte mein Bruder, griff nach meiner Hand und zog mich nach links, wo, verborgen hinter ein paar Regalen, ein kleiner runder Tisch aus Marmor mit zwei Stühlen stand. Früher einmal musste er einer dieser alten Schachtische gewesen sein, doch jetzt fehlte von den Figuren jede Spur.

»Ich möchte mich entschuldigen, Mira«, begann Lil, als wir uns gesetzt hatten, und legte die Hände flach auf die kühle Platte vor sich. »Nicht für das, was ich gesagt habe, aber dafür, wie ich es gesagt habe.«

Ich presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und musterte ihn abwartend.

»Ich hätte nicht so hart zu dir sein dürfen. Ich weiß, wie beschissen das alles für dich ist, und deswegen … tut es mir leid.«

Mein Atem entwich mit einem leisen Seufzen, dann griff ich nach seinen Händen und verschränkte unsere Finger miteinander. »Es ist für uns beide beschissen.«

Einer seiner Mundwinkel zuckte. »Kann man wohl so sagen.«

»Und du hast Joshka genauso verloren wie ich, also entschuldige dich nicht dafür, dass dich das berührt und dir Angst macht.«

Lilac blickte von unseren Händen auf und mir direkt in die Augen. »Ja, ich habe Angst um Josh, aber noch viel mehr um dich.«

»Aber ich bin hier.«

»Bist du das wirklich?«

Physikalisch betrachtet, ja, aber was meine Gedanken anbelangte, meine Gefühle … da war ich meilenweit entfernt. Ziemlich genau zweitausendachthundert Meilen.

»Es geht ihm nicht gut«, sagte ich dann und schluckte. »Egal, was Joshka sagt, er lügt. Er ist nicht glücklich.«

Lilac sah mich lange an, bevor er nickte. »Ja, ich weiß. Auch, wenn er das immer behauptet, Josh ist kein besonders guter Lügner.«

»Warum macht er das dann? Warum zieht er diesen Mist durch, wenn es ihn doch genauso verletzt wie uns?«

Von irgendwoher drang ein leises Pssst zu uns, doch es erreichte uns kaum.

Mein Zwillingsbruder löste unsere verschränkten Finger und fuhr sich übers Gesicht. »Weil er dich liebt, Mira. Weil er dich mehr liebt, als gut für ihn ist, und er sich davor fürchtet, was diese Gefühle für dich bedeuten, in welche Gefahr sie dich bringen. Er hat Angst, dass er damit alles kaputtmachen könnte.«

Ich schüttelte langsam den Kopf, während mein Magen zu einem harten Knoten wurde. »Das ist doch absoluter Schwachsinn. Mit seinem Verschwinden hat er alles kaputtgemacht, mit seinem Schweigen, seiner Entscheidung und …« Ich brach ab, weil ich nicht wusste, was ich noch sagen sollte. Weil längst alles gesagt war und gleichzeitig doch nicht annähernd genug.

»Ich weiß«, gab Lilac zurück, als würde er das Chaos in mir nur allzu gut verstehen.

Wir schwiegen einige Momente lang, lauschten dem Regen, der mittlerweile leise auf die Kuppel trommelte. Dem Rascheln von Papier, dem Räuspern irgendwo zwischen den Regalen.

Dann fand ich meine Stimme wieder: »Warum hast du nichts gesagt? Warum hast du mir verschwiegen, dass du Kontakt mit Joshka hast?«

Mein Bruder legte die Stirn in Falten. »Ich musste es ihm schwören, Mira.«

»Und das hast du? Wie alt sind wir? Fünf?«

Er schoss einen scharfen Blick in meine Richtung. »Ja, das habe ich und ich halte mich daran. In Joshs Welt gibt es wenig, das wirklich zählt, aber Versprechen bedeuten dort alles.«

Ich sah ihn ungläubig an. »Dann hat er dir etwas erzählt? Was er macht? Was er in den letzten Monaten so getrieben hat?«

»Nein«, erwiderte Lil sofort. Seine liebste Antwort wohlbemerkt. »Er hat mir gar nichts erzählt. Mich nur immer wieder an mein Versprechen erinnert. Das war’s, und vermutlich ist es gut, dass wir nicht mehr darüber wissen. Josh hat sich für mich eingetauscht, der Teufel allein weiß, was das für ihn heißt.«

Von Lilac wusste ich, dass Cam, der amtierende Untergrundboss und absolute Mistkerl – seine Worte, nicht meine –, ihn entführt und wenig später mit den Worten »Tomber hat den Preis bezahlt« freigelassen hatte. Noch jetzt bekam ich eine Gänsehaut, wenn ich zu viel darüber nachdachte. »Wirst du ihn wieder anrufen? Ihn besuchen? Du weißt doch, wo er ist, oder?«

Lilacs Miene verfinsterte sich merklich. »Ich habe eine Ahnung, wo er sein könnte, aber meine Antwort lautet Nein. So funktioniert das nicht. Ich kann nicht einfach zu ihm gehen oder mit ihm telefonieren. Dort gelten andere Regeln und jeder Kontakt könnte ihm schaden. Könnte uns schaden. Der Untergrund ist kein Spiel, Mira, sondern gefährlicher Ernst.« Als er das sagte, klang er sehr vorsichtig und gleichzeitig so eindringlich, dass mir ein eiskalter Schauer über den Rücken rieselte. Das hier war die Seite ihres Lebens, die ich nie wirklich zu sehen bekommen hatte. Die ich nie wirklich verstehen und für die ich keine Erklärungen erhalten würde, egal, wie oft ich auch nachbohrte.

Ich schluckte gegen den Kloß in meinem Hals an. »Und Joshka ist auch so eine Gefahr?«

Lilac nickte langsam und bedächtig, das Grünblau seiner Augen wurde dunkler. »Ich weiß, es ist unmöglich, aber versuch wenigstens, ihn zu vergessen. Dort, wo er jetzt ist, können wir ihn nicht mehr erreichen, und es ist zu riskant für dich. Für uns alle.«

Ich verengte die Augen. »Du hast recht, es ist unmöglich.«

»Mira, bitte.«

Ein gequältes Lächeln trat auf meine Lippen, dann griff ich nach meiner Tasche und stand auf. »Ich sollte in die Vorlesung.«

Kurz wirkte Lilac so, als wollte er protestieren, doch dann nickte er nur und erhob sich ebenfalls. Vermutlich musste auch mein sturer Bruder irgendwann einsehen, dass jede weitere Diskussion zwecklos war. »Schätze, das sollten wir beide.«

Ich hob einen Mundwinkel und wandte mich ab, nur um im nächsten Moment noch einmal zu ihm zu schauen. »Lilac? Hast du das vorhin ernst gemeint?«

»Wovon genau sprichst du?«

Ich begegnete seinen Augen, die jetzt wieder ein sanftes Grünblau angenommen hatten. »Das, was du eben über Josh gesagt hast. Dass er mich liebt.«

Für einige Herzschläge lang wurde es beinahe totenstill in der Bibliothek – bis Lilac resigniert seufzte und seine Schultern schwer herabsanken. »Ja.«

Ein einzelnes kleines Wort und doch lag so unendlich viel in dieser einen Silbe. So viel Schmerz. So viel Leid. So viel Glück.

»Ja, das habe ich ernst gemeint. So etwas würde ich niemals leichtsinnig sagen. Josh liebt dich. Mehr, als er jemals etwas auf dieser Welt geliebt hat. Und genau aus diesem Grund musst du ihn gehen lassen.«

KAPITEL 3

The Dark Shades of New York City

Joshka

Meine Muskeln brannten und protestierten bei jeder Bewegung, trotzdem zog ich mich immer wieder nach oben, schloss die Finger um das kalte Metall und trieb mich voran.

So lange, bis mir der Schweiß übers Gesicht und den nackten Oberkörper lief.

So lange, bis meine Gedanken verstummten.

So lange, bis Mira endlich aus meinem Kopf verschwand.

Mach dich nicht lächerlich, Tomber. Egal, wie oft du diese Show hier abziehst, sie wirst du dadurch nicht los.

Leck mich, fuhr ich meine innere Stimme an, weil sie recht hatte, und fluchte, als ich im nächsten Moment ins Leere griff. Und fiel.

Die Luft wurde aus meiner Lunge gepresst, als ich ungebremst zwei Meter tiefer auf einer abgenutzten Matratze landete und mit zusammengekniffenen Augen reglos liegen blieb.

Fuck.

Stöhnend fuhr ich mir übers Gesicht und horchte einen Moment lang auf meinen rasenden Puls. Das hätte nicht passieren dürfen. Ich kannte diesen Trainingsclimb in- und auswendig und machte mich damit normalerweise nur warm. Ich stürzte nicht. Ich stürzte nie.

Zu dem lauten Rauschen meines Bluts in den Ohren mischten sich Schritte schwerer Lederstiefel, die sich über den nackten Beton näherten. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Diese Kakerlake hatte wirklich ein ungesundes Talent dafür, immer genau dann auf der Bildfläche aufzutauchen, wenn ich am Boden lag. Im wahrsten Sinne des Wortes.

»Du hast ganz schön abgebaut, Tomber«, begrüßte er mich mit seiner schmierigen Stimme, die mich unwillkürlich den Mund verziehen ließ. Mein Pokerface war auch schon mal besser gewesen. »Vielleicht sollte ich mich doch umorientieren und mir jemand anderen suchen.«

Nacheinander öffnete ich zuerst das linke, dann das rechte Auge und schob mich in eine halbwegs aufrechte Position. Mein geschundener Körper dankte es mir mit einer prickelnden Mischung aus Übelkeit und Schwindel.

Cams Lippen zuckten in Richtung eines kühlen Lächelns. Wie immer trug er einen langen, schwarzen Mantel mit aufgestelltem Kragen – als wäre er ein Mafioso, was jedoch einfach nur affig aussah – und darunter ein dunkles Longsleeve. Seine braunen Haare waren zur Seite gekämmt und seine blauen Augen so kalt und sadistisch wie eh und je. Wie sehr ich mich nach einem einzigen Tag sehnte, an dem ich diesen Widerling nicht sehen musste. Einem einzigen Tag nach fünf Monaten, die ich nun schon hier unten unter seiner Herrschaft verbrachte.

Dafür ist es jetzt ein bisschen zu spät, hm?

Cam seufzte. »So sehr ich meine einseitigen Unterhaltungen mit dir auch genieße, drängt sich mir doch eine Frage auf. Was machst du hier?«

Er breitete die Arme aus und schloss augenscheinlich diesen Teil des Untergrunds ein. Den Keller einer alten Lagerhalle mit eingeschlagenen Fenstern, unzähligen Pfeilern, Stahlträgern und Metalltreppen. Viele aus der Szene nutzten den Raum für ihr Parkourtraining, die Vorbereitung auf einen Coup oder als kostenloses Fitnessstudio. Die Treppen führten auf mehrere Ebenen und Gänge, die an Seilen aus Eisen über dem Boden schwebten und früher vermutlich zur Überwachung irgendwelcher Getriebe gedacht gewesen waren. Von den Maschinen und Arbeitern fehlte allerdings seit Jahren jede Spur, und so war diese Halle, wie so viele andere aufgegebene Gebäude, in die Hände des Untergrunds gefallen.

»Trainieren.« Ohne Cam eines weiteren Blickes zu würdigen, kam ich auf die Beine und schnappte mir dann meinen schwarzen Hoodie von einem der Geländer. Ganz offensichtlich war mein Work-out für heute beendet.

Die Hände in die Taschen seines Mafioso-Mantels gesteckt, machte er einen drohenden Schritt in meine Richtung. »Das habe ich nicht gemeint, Tomber, und das weißt du auch. Man möchte meinen, du hättest langsam kapiert, dass ich es nicht gern habe, wenn man sich mir widersetzt.«

Gegen meinen Willen zuckte ich bei seinen Worten zusammen. Wie von selbst erschienen Bilder vor meinem geistigen Auge. Von der Zeit in diesem verfluchten Loch, in das er mich immer wieder geworfen hatte. Die unzähligen Male, die ich vor ihm im Dreck kriechen musste. Die Ketten. In den vergangenen fünf Monaten hatte Cam sich nach und nach immer tiefer in meine Seele hineingegraben, um mich zu brechen, und es hatte viele dunkle Momente gegeben, in denen ich am liebsten einfach nachgegeben hätte. Ich hasste von ganzem Herzen, dass er diese Macht über mich besaß. Dass er diese schneidende Angst in mir auslösen konnte, wo ich mich jahrelang vor so gut wie gar nichts gefürchtet hatte. Ich hasste Cam.

»Womöglich brauchst du aber auch noch weitere … Unterweisungen, um es endlich in deinen arroganten Schädel zu bekommen.« Das Lächeln auf seinen schmalen Lippen wurde breiter, dann strich er sich selbst über die linke Wange, kurz unterhalb seines Auges.

Zähneknirschend unterband ich den Drang, mir an die gleiche Stelle zu fassen. Dorthin, wo mir Cam vor zwei, vielleicht waren es mittlerweile auch drei Monaten eine seiner Lektionen verpasst hatte. Eine fünf Zentimeter lange Narbe, die sich weiß von meiner Haut abhob und mich jeden Tag daran erinnerte, wo mein Platz war.

Vergiss nicht, dass du dir diesen Platz ausgesucht hast, Tomber. Dass du das alles aus einem guten Grund tust. Für sie.

Hastig verdrängte ich alle Gedanken an Mira aus meinem Kopf, aus Angst, Cam könnte sie irgendwie aufschnappen und gegen mich verwenden. Könnte sehen, dass da noch ein Funken übrig war, obwohl er sich alle Mühe gab, jedes Feuer in mir zu ersticken.

»Ich habe einen Auftrag für dich«, sagte er dann und verfolgte aus verengten Augen, wie ich mir den Pullover überzog und meine Tattoos und Narben unter dem dicken Stoff verschwanden.

»Welcher Art?« Noch immer vermied ich es kategorisch, ihm ins Gesicht zu schauen und zu viel von mir zu zeigen und pulte stattdessen an der Kruste meiner aufgeschlagenen Knöchel herum.

Im nächsten Moment spürte ich Cams Nägel an meinem Kinn, als er meinen Kopf herumriss und mich so dazu zwang, in direkt anzusehen. Er war zwei Jahre älter und einen Kopf größer als ich, nicht kräftiger, aber flink und schnell wie ein verlogenes Wiesel. Ich biss die Zähne aufeinander.

»Es wird dir gefallen. Ein bisschen Ausgang für dich nach all der Zeit im Käfig.« Cam drückte fester zu, und ich konzentrierte mich einzig und allein darauf, nicht zusammenzuzucken, nicht zu keuchen, ihm nicht den kleinsten Hinweis darauf zu geben, wie viel Macht er wirklich über mich besaß. Dass er gefährlich nah dran war, mich zu brechen.

Für Mira. Für Mira.

»Aber das sollten wir an einem anderen Ort besprechen, meinst du nicht auch?«

Ein kalter Wind fegte durch die Häuserschluchten Manhattans und ließ mich die Schultern hochziehen. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, seit ich das letzte Mal außerhalb des kleinen Radius gewesen war, den Cam sein Königreich nannte. Den Untergrund, der sich, wie sein Name vermuten ließ, größtenteils unterhalb der Erde befand. In stillgelegten U-Bahn-Tunneln, alten Schächten und gewaltigen Kelleranlagen längst vergessener Fabriken und Wohnhäuser. Kein Wunder, dass uns die Behörden nicht erwischten. Wie sollte man einen Ort finden, von dem man nicht wusste, wo er lag?

Seit ich mich im vergangenen Herbst gegen Lilacs Freiheit eingetauscht und damit Cam ausgeliefert hatte, war ich voll und ganz Teil der Szene. Nicht so wie früher, als ich beliebig zwischen meinen Leben als Joshka und Tomber gewechselt hatte. Jetzt war ich nur noch Tomber, eher eine blasse, machtlose Version davon, während Joshka nicht mehr zu existieren schien. Ich wohnte im Untergrund, der durch Cams Hände zu meinem Gefängnis geworden war. Ich hatte kein Handy, keinen Zugang zum Internet oder der Außenwelt. Musste jeden seiner Befehle befolgen und seine Schikanen anstandslos über mich ergehen lassen.

Weil Cam mich in der Hand hatte.

Weil er mein größtes Geheimnis kannte: meinen echten Namen. Joshka Alexander Graveman.

Und weil ich ihm, mit Mira als seinem Druckmittel, hoffnungslos ausgeliefert war.

Ich war Cams ganz persönlicher Gefangener. Er nutzte meinen Ruf und seine Macht über mich, um sich selbst größer zu machen. Profitierte von meinem Namen als berüchtigtster Climber und gestürzter Untergrundboss, dass einem davon schlecht werden konnte.

Der große Cam, dem es gelungen ist, sogar den gnadenlosen Tomber an den Eiern zu packen …

Fluchend riss ich mich aus meinen Gedanken zurück in das Hier und Jetzt. Die Hände tief in den Taschen meiner schwarzen Jeans vergraben, schob ich mich durch das Gewusel vor der Grand Central Station und tauchte wenig später in den Bahnhof ein. Vorbei an der Buchhandlung, in der ich vor ein paar Jahren mal ein Buch für Lil hatte mitgehen lassen, hin zu Barner’s Coffee Stop, wo ich einen zerknitterten Fünfdollarschein aus meiner Notreserve gegen einen schwarzen Kaffee eintauschte. Jene geheime Notreserve, die ich vor einer kleinen Ewigkeit als winzige Masche in einem meiner unzähligen Sicherheitsnetze angelegt hatte. Etwas Bargeld, ein altes Handy mit einer Nummer, die nur Neal kannte, und Zigaretten. Wie einfach das Leben mal gewesen war.

Für einen kurzen Moment schien es fast wieder wie früher: Ich war mit einem frischen Kaffee auf dem Weg zu einem Geschäftspartner, unsichtbar in der Menge und frei, dorthin zu gehen, wo auch immer es mich hinzog. Nur war ich nicht frei und der Moment verflog wie ein Wimpernschlag. Ich wusste, dass mir zwei von Cams Lakaien folgten und jeden meiner Schritte dokumentierten. Darauf achteten, dass Tomber spurte und nicht aus der Reihe tanzte. Doch hier oben, mit einigen Querstraßen Abstand zu Cams dunklem Rattenloch, wo mich jeder mit einer Mischung aus Verachtung, Furcht, Distanz und Spott musterte, fühlte ich mich wieder etwas mehr wie ich selbst. Gerissener, stärker, mutiger. Bereit, mir zumindest für ein paar Minuten die Kontrolle zurückzuholen, weil es sich nach all den Monaten einfach zu gut anfühlte. Zu verlockend war.

Also beschleunigte ich meine Schritte und folgte der inneren Karte in meinem Kopf. Ich kannte Grand Central wie meine Westentasche, jede versteckte Ecke, jede Fluchtmöglichkeit, jeden Schlupfwinkel. Jahrelang war das hier einer meiner Hauptumschlagpunkte gewesen, denn trotz der Kameras und den vielen Securitys war man nicht mehr als einer von vielen. Und genau das machte ich mir jetzt zunutze.

Innerhalb weniger Atemzüge war ich abgetaucht, zwischen zwei Zeitungsständen hindurch, vorbei an einer Frau mit Dreads, die einen Song von Amy Winehouse neu interpretierte und mir damit eine Menschenmenge verschaffte. Ich verschwand wortwörtlich direkt vor den Augen meiner Verfolger.

Kurz darauf verließ ich den Bahnhof in derselben Richtung, aus der ich gekommen war – eine der wichtigsten Regeln, denn niemand erwartete die Dreistigkeit und Dummheit, den gleichen Weg zweimal zu gehen. Gestatten, ich war so dreist und dumm.

Ich ließ die beiden Idioten – meine Leibwache – im Chaos von Grand Central zurück und folgte der 42nd nach Westen. Über ein paar Querstraßen und die Seventh Avenue betrat ich schließlich zwanzig Minuten später den Central Park und hatte das erste Mal seit einer Ewigkeit das Gefühl, wieder etwas freier atmen zu können. Zwar war mir bewusst, dass ich irgendwann zurückgehen musste und mein Verschwinden Konsequenzen, wie Cam es immer so schön ausdrückte, haben würde, aber für den Moment war mir das scheißegal.

Für einen Freitagvormittag war es recht voll im grünen Herzen Manhattans, vielleicht weil die Menschen darauf hofften, dass sich doch noch ein paar einzelne Sonnenstrahlen durch die dichten grauen Wolken kämpfen würden. Nun, ich glaubte nicht daran, aber das stand auf einem anderen Blatt Papier.

Ein paar Minuten lang ließ ich mich einfach treiben und folgte den breiten Wegen ohne wirkliches Ziel. Meine Gedanken sprangen von einem Thema zum anderen, während die Zahnräder in meinem Kopf endlich wieder in Gang kamen. Befeuert von meinem unverhofften Auslauf und dem einen Namen, den ich mir im Untergrund kategorisch zu denken verbot: Mirella Elisabeth Aberdeen.

Sie war der Grund, aus dem ich nicht einfach aufgab.

Warum ich aufstand, mich im Verborgenen gegen Cam auflehnte und nach Löchern in seinem engmaschigen Netz suchte, das sich immer fester um mich zog.

Warum ich seine Konsequenzen wieder und wieder in Kauf nahm. Es über mich ergehen ließ, dass er mich niedermachte, zu Boden schmetterte, vorführte wie eine Trophäe, die jetzt ihm gehörte.

Sie ganz allein war der Grund, warum ich noch so etwas wie Hoffnung besaß. Hoffnung, dass es einen Weg aus dieser Scheiße gab. Einen Weg zurück zu Mira. Zurück nach Maple Creek.

Ich erreichte den großen See des Parks, der den kunstvollen Namen The Lake trug, und stellte mich an das Geländer. Lilacs harte Worte drängten sich in meinen Kopf und sorgten dafür, dass sich alles in mir zusammenzog.

Mira leidet mit jedem Tag ein wenig mehr. Verfluchtes, egoistisches Arschloch. Fick dich, Josh.

Ich lächelte freudlos. Mich hatte schon lange niemand mehr Josh genannt. Josh. Joshka. Nur Cam ließ ab und zu meinen richtigen Namen fallen, um mich daran zu erinnern, dass er meine Existenz in seinen schmierigen Händen hielt. Als bräuchte ich eine Erinnerung daran.

Ich leide auch, Mira. Jeden Tag, seit ich dich verlassen musste, ein wenig mehr.