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Weltraumfahrer Marc ist wieder unterwegs! Mit an Bord des Raumschiffs sind sein bester Freund Ben und ein Reporter. Im Auftrag eines Milliardärs suchen sie auf dem fernen Jupitermond Io einen Schwefelkristall. Nach einer abenteuerlichen Reise erreichen sie die fremdartige Welt, wo es seit Jahren eine kleine Station mit drei Forschern gibt. Zunächst scheint alles planmäßig zu verlaufen, doch dann nehmen die Ereignisse eine völlig unerwartete Wendung… Neben einer spannenden Handlung erfährt der Leser so manches Wissenswertes über unser Sonnensystem, seinem größten Planeten und seinen Monden. Ein abschließender Sachteil gibt darüber Auskunft, was wirklich existiert und was sich der Autor "nur ausgedacht" hat...
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Seitenzahl: 189
Veröffentlichungsjahr: 2025
Für meinen Vater,der die Faszination für die Sterne und den Weltraum in mir weckte.
Axel Hahlweg
Marc und die Schwefelblume
Reise zum Vulkanmond
© 2025 Axel Hahlweg
Website: https://axelhahlweg.net/
Druck und Distribution im Auftrag des Autors:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Epilog
Erklärungsteil
Danksagung
Vorwort
Liebe Leserinnen und Leser!
Dies ist das dritte Buch, welches sich um die Weltraumabenteuer von Marc dreht. Vielleicht kennt ihr schon die Bücher ›Marc und der Weltraum‹ oder ›Marc und der Mars‹ – wenn nicht, ist es auch nicht schlimm!
In dieser Geschichte brechen Marc und sein bester Freund Ben zu einer Reise in die unendlichen Weiten des Weltraums auf. Sie führt in die Nähe des größten Planeten unseres Sonnensystems. Ihr Auftrag, der sich zunächst gar nicht so schwierig anhört, erweist sich dann aber als doch nicht so einfach und viel abenteuerlicher als anfangs gedacht. Aber ich will nicht zu viel verraten…!
In der Geschichte sind einige Sachen von mir einfach ausgedacht. Aber einiges gibt es auch in Wirklichkeit! Ganz zum Schluss des Buches gibt es einen Erklärungsteil, in dem ihr nachschlagen könnt, was es gibt und was (noch) nicht.
Aber genug der Vorrede: Gleich fängt die Geschichte an! Viel Spaß dabei wünscht Euch
Euer Axel
Der Tag, an dem das Abenteuer mit der Schwefelblume begann, blieb Marc nachdrücklich in Erinnerung. Zuerst war es ein Tag wie immer: Marc frühstückte zuhause, holte seine Aktentasche und fuhr dann mit seinem Auto in das Institut für Weltraumpflanzen. Als er das Gebäude betrat, lief ihm als erstes Ben über den Weg. Ben war bei den meisten Raumflügen sein Copilot – und zwar ein sehr guter! – und außerdem sein bester Freund.
„Guten Morgen, Ben“, begrüßte Marc ihn freundlich, aber etwas in Bens Gesicht machte ihn stutzig. „Ben, ist irgendwas nicht in Ordnung?“, fragte er ihn besorgt, „Du siehst so komisch aus…!“ Ben schaute sich um, ob noch irgendjemand auf dem Flur ihn hören könne und flüsterte dann in einem geheimnisvollen Ton: „Es geht um unseren Chef!“ „Unser Chef – ja und? Was ist mit ihm? Und warum flüsterst du so?“, wollte er wissen. „Unser Chef ist – na irgendwie komisch“, antwortete ihm Ben, „Er ist heute gar nicht er selber, er sagte zum Beispiel zu mir…“ Aber da brach Ben ab, denn er sah den Chef höchstpersönlich um die Ecke kommen. Er verdrückte sich schnell ins nächste Büro und ließ Marc allein stehen.
Der Chef kam auf Marc zu: „Schönen guten Morgen Ben! Ach Quatsch, ich meine Frank, äh, Marc! Schönes Wetter heute, nicht?“ Marc schaute ihn mit offenem Mund nach. Was war denn das…? Von schönem Wetter konnte nicht die Rede sein – der Tag war grau, und in der Nacht hatte es endlos geregnet. Was hatte der Chef nur? Nun, er würde es ja herausbekommen, um neun Uhr am Vormittag fand die tägliche Besprechung statt, wo die Aufgaben des Tages besprochen und verteilt wurden. Marc schüttelte den Kopf und ging in sein Büro, um den Rechner hochzufahren und seine E-Mails durchzugucken.
Um neun Uhr begann die Besprechung im Konferenzraum. Der Chef erschien in einem zerknitterten Hemd, was sonst gar nicht seine Art war. Er hatte eine Tasse Kaffee vor sich und schüttete sich zum dritten Mal Milch hinein. Ben warf Marc einen besorgten Blick zu, den Marc mit einem stummen Schulterzucken beantwortete. Schließlich ergriff der Chef das Wort: „Hallo Marc und Ben, wir wollen besprechen, was äh, heute also irgendwie anliegt…“ Sein Blick wanderte ziellos in der Umgebung herum, während er mit dem Kugelschreiber seinen Kaffee umrührte, obwohl der Teelöffel direkt daneben lag. „Chef, ist irgendwas Besonderes los? Sie wirken heute so unkonzentriert!“, sagte Marc besorgt. „Nun, eigentlich ist alles wie immer, ausgenommen...“, murmelte der Chef und stieß mit dem Ellenbogen den Kaffeebecher um. Eine riesengroße Pfütze bildete sich auf dem Tisch und Ben sprang auf, um einen Lappen zu holen.
Marc platzte die Hutschnur. „Chef“, sagte er, „wir arbeiten schon so viele Jahre zusammen und waren immer offen zueinander. Also, nun sagen Sie uns bitte, was los ist!“ Der Chef zuckte ein bisschen zusammen. „Also gut“, sagte er leise, „aber ihr müsst mir versprechen, dass ihr erst einmal nichts weitererzählt. Ich bin selber noch vollkommen durcheinander und kann es gar nicht glauben. Könnt ihr mir versprechen, dass das, was ich euch sage, erst einmal unter uns bleibt?“ „Klar“, sagte Ben, und auch Marc zeigte sich damit einverstanden. „Okay“, sagte der Chef, „hört also zu: Gestern bekam ich einen Anruf von Herrn Bonsoni…“ „Bonsoni, Bonsoni…“ unterbrach ihn Ben, „Genauso heißt doch auch dieser Parfüm-Fritze, der diese Werbung im Fernsehen und auf allen Plakaten macht! Bonsoni – der Duft der Frauen beglückt und Männer unwiderstehlich macht, so heißt es doch in den Werbespots – oder? Und der Mann der Sie gestern angerufen hat, heißt genauso?“ „Nein“, seufzte der Chef, „am Telefon war genau dieser Herr Bonsoni. Höchstpersönlich!“ Nach dieser Information herrschte erst einmal verblüfftes Schweigen. Schließlich fand Marc seine Sprache wieder und er fragte: „Okay, Monsieur Bonsoni rief Sie an – aber warum? Wir kümmern uns um Weltraumpflanzen – nicht um Parfüm! Was sollte so ein Herr Bonsoni von uns wollen?“ „Tja, Marc, das ist das Problem“, seufzte der Chef, „Er will von uns – eine Schwefelblume!“ „Eine … was? Eine Schwefelblume? Was, zum Kuckuck, soll denn eine Schwefelblume sein? So etwas gibt es doch gar nicht! Das ist doch völliger Quatsch!“, regte Marc sich auf. „Also, das habe ich auch versucht, ihm zu erklären“, meinte der Chef, „und nach langer Zeit habe ich herausbekommen, was er wirklich meint. Ihr kennt doch bestimmt Schwefelblüte aus eurer Chemievorlesung. Das sind winzige Kristalle aus Schwefel. Und er will genau diese Schwefelblütekristalle – nur eben in groß! Für eine Mineraliensammlung!“ „Also, ich verstehe immer noch Bahnhof“, entrüstete sich Ben, „soll er sich die Kristalle doch von hier besorgen! Wir beschäftigen uns mit Pflanzen und nicht mit Blumen aus Schwefel! Wo soll seine wundersame Schwefelblume denn überhaupt wachsen?“ „Na ja“, lenkte der Chef ein, „auf dem Jupitermond Io soll es einige sehr große Schwefelkristalle geben – größer als einen Meter!“ „Ich verstehe aber noch immer nicht, warum wir uns überhaupt mit diesem Bonsoni-Thema herumärgern“, meinte Marc, „wir besorgen Weltraumpflanzen und keine Schwefelkristalle aus dem Weltraum! Punktum! Außerdem wird das doch viel zu teuer, das wird auch ein Chef eines Parfüm-Imperiums niemals bezahlen! Wieviel wollte er denn ausgeben?“ „Das ist es ja eben“, sagte der Chef und tat einen riesengroßen Seufzer. Dann nannte er die Summe. Nun rutschte auch Marc die Tasse aus der Hand, und auch Bens Augen wurden groß wie Suppenteller.
„Meint er das wirklich ernst…?“, fragte Marc, und auch Ben meldete sich zu Wort: „Chef, die Summe ist ja eigentlich unwiderstehlich und würde unser Institut finanziell die nächsten Jahre retten, aber gibt es da nicht doch einen verborgenen Haken?“
„Ehrlich gesagt bin auch ich misstrauisch!“, gestand der Chef, „Es sind noch viele Fragen ungeklärt! Aber wenn wir den Auftrag ablehnen, und jemand anders für uns die Kristalle von Io holt und die Summe kassiert, würden wir uns bestimmt totärgern!“
„Und nun? Was machen wir jetzt weiter?“, wollte Marc wissen.
„Wir können jedenfalls nicht auf blauen Dunst hinaus zusagen! Wir müssen erst einmal die wichtigsten Dinge der Mission klären. Das habe ich auch Monsieur Bonsoni geantwortet, und er zeigte sich sehr verständnisvoll“, sagte der Chef. Dann fügte er hinzu: „Heute Morgen habe ich eine E-Mail von ihm bekommen. Er lädt uns ein, die wichtigsten Sachen zu besprechen. Wir sollen am Abend vorher für ein Kennenlernen anreisen. Am nächsten Tag könnten wir dann alle wichtigen Fragen klären.“
„Puh“, meinte Marc, „so einen Auftrag haben wir noch nie gehabt! Das Ganze ist ein ziemlicher Hammer! Ich muss das erst einmal verdauen.“ - „Klar, das verstehe ich“, meinte der Chef, „trotzdem frage ich euch jetzt: Wärt ihr bei so einer Mission dabei, oder soll ich gleich absagen?“ Ben rief: „Klar Chef – wir werden das Kind schon schaukeln! Das kann ein tolles Abenteuer werden!“ Marc meinte: „Hoffentlich nicht zu abenteuerlich…! Aber natürlich bin auch ich dabei!“
Der Chef erhob sich vom Konferenztisch. „Dann ist ja alles klar“ meinte er, „ich werde Monsieur Bonsoni antworten und einen Besprechungstermin arrangieren! Und außerdem muss ich mir mal ein paar Gedanken machen, wie man so eine Reise zur Io und wieder zurück am besten organisiert!“ Damit entließ er die beiden aus der Besprechung, damit sie ihren täglichen Aufgaben nachgehen konnten.
Als Marc mit Ben allein war, meinte er: „Ehrlich gesagt schmeckt mir dieser Auftrag überhaupt nicht! Dieser Bonsoni ist doch bestimmt so ein überkandidelter Milliardär, der mit Stinkewasser für Frauen reich geworden ist und mit dem Schwefel von der Io Eindruck schinden will!“ Ben fand das etwas ungerecht. „Du hast ihn doch überhaupt noch nicht kennengelernt! Vielleicht ist er ein ganz netter Kerl! Jedenfalls erfahren wir mal, wie so ein Milliardär wohnt! Das hat mich schon immer interessiert! Und jetzt: ab an die Arbeit! Wir müssen das Triebwerk, das wir gestern auseinandergebaut haben, wieder zusammensetzen!“ Grummelnd folgte Marc seinem Freund. Er war von Monsieur Bonsoni überhaupt nicht angetan.
Ein paar Tage später rief der Chef Marc und Ben wieder zusammen. „Ich habe mit Monsieur Bonsoni neu telefoniert. Nächsten Donnerstag sind wir zum Abendessen eingeladen. Am Freitag ist dann der eigentliche Arbeitstermin!“ – „Wo wohnt er überhaupt?“, wollte Ben wissen. „Monsieur Bonsoni hat eine Villa am Genfer See“, antwortete der Chef, „Er schickt uns einen Privatjet, der uns am Nachmittag abholt! Die Adresse hört sich recht fein an – also schaut, dass ihr nicht in euren ältesten Klamotten auftaucht! Ach ja – ich habe übrigens mal rumgehört bezüglich einer Mission zur Io! Auf diesem Mond gibt es eine kleine Forschungsstation mit drei Wissenschaftlern. Die könnten wir als Stützpunkt für die Suche nach den Schwefelkristallen nutzen.“
Die Woche verging quälend langsam für Ben. Wie würde es wohl sein, bei einem richtigen Milliardär zu Abend zu essen? Aber auch der Chef und Marc waren gespannt. Endlich kam der Donnerstag. Marc und Ben hatten sich für diesen Tag Arbeit am Computer vorgenommen, damit sie nicht in ihre ölverschmierten Arbeitsanzüge klettern mussten. Am frühen Nachmittag kam der Chef in den Computerraum und verkündete: „Es geht los! Der Jet landet in einer Viertelstunde!“ Marc und Ben fuhren ihre Computer herunter, holten ihre Koffer und spähten neugierig aus den Fenstern des Empfangsgebäudes. Am Himmel konnte man einen kleinen Punkt sehen, der schnell größer wurde. Es handelte sich um einen kleinen Düsenjet einer Nobelmarke – das allerneueste Modell, wie Marc schnell erkannte. In einem perfekten Winkel flog er die Landebahn an und kam direkt vor dem Empfangsgebäude zum Stehen. Der Pilot öffnete die Luke und begrüßte die drei. Sie kletterten in den Jet und machten es sich drinnen gemütlich, während der Pilot das Gepäck verstaute. „Der Flug dauert etwa zwei Stunden“, informierte sie der Pilot. „Wenn Sie etwas zu trinken wünschen, bedienen Sie sich bitte hier“, sagte er und zeigte ihnen die reichlich bestückte Bordbar. Es gab alle möglichen Getränke – sogar echten französischen Champagner. Marc, Ben und der Chef bedienten sich aber lieber bei Orangensaft und Mineralwasser – vielleicht brauchten sie ja heute Abend noch einen klaren Kopf.
Nachdem sich alle angeschnallt hatten, startete die Maschine, wobei die Passagiere kräftig in die Sitze gedrückt wurden. Anschließend genossen sie einen sehr schönen Flug über das Land und über die Alpen. Dann sank die Maschine langsam tiefer, während man eine große Wasserfläche sehen konnte – den Genfer See. Der Pilot flog eine scharfe Kurve und näherte sich der Landebahn eines kleinen Privatflughafens. Kurz danach setzte das Flugzeug auf dem Beton auf. Alle stiegen aus, und Marc blickte sich suchend um: Wo war denn jetzt die Villa von Monsieur Bonsoni? Davon war nichts zu sehen. Stattdessen erwartete sie eine auf Hochglanz polierte Limousine. Ein Fahrer hielt ihnen die Tür auf: „Hätten die Herrschaften die Güte hier einzusteigen? Ich werde Sie zum Anwesen von Monsieur Bonsoni chauffieren!“ Marc, der Chef und Ben stiegen ein. Um das Gepäck brauchten sie sich nicht zu kümmern, das wurde vom Piloten und dem Fahrer verladen.
Bald darauf setzte sich das Auto in Bewegung. Wunderbar leicht und sanft glitt die Landschaft an den Wagenfenstern vorbei. Der Motor war kaum zu hören. Echt angenehm – das musste selbst Marc zugeben, der sonst eigentlich kein Fan von Luxus war. Die Limousine fuhr eine Straße entlang, die sich in vielen Kurven einen Berghang hinaufwand. Schließlich hielt sie kurz an einem beeindruckenden schmiedeeisernen Tor, das wie durch Zauberhand von selbst zur Seite glitt. Dann ging es einen gepflegten Parkweg entlang, der vor einer prächtigen Villa endete – fast schon ein Schloss. Vor der Treppe stand ein mittelgroßer Mann in einem feinen Anzug. Er hatte schwarze Haare und einen gepflegten Schnurrbart. Als die drei ausstiegen, kam er auf sie zu und schüttelte jedem die Hand. „Bonsoni, mein Name“, sagte er lächelnd, „ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Anreise! Ich zeige Ihnen zunächst Ihre Zimmer, dann können Sie sich vor dem Abendessen noch etwas frisch machen!“ Sie stiegen die Außentreppe empor und gelangten durch die Tür in eine beeindruckende Eingangshalle mit viel Marmor und Statuen.
Danach ging es einen Flur entlang bis zu den Gästezimmern. Ben bekam das erste Zimmer. Als er eintrat, stieß er einen anerkennenden Pfiff aus: Wahrlich – das war endlich mal eine schicke Bude! Das Zimmer war riesig und besaß ein großes Fenster mit Ausblick auf einen Park. Es gab ein großes Himmelbett, mehrere Schränke und einen großen Schreibtisch. Und Blümchen: Blümchentapete, Blümchenbettwäsche, Blümchenvorhänge und auf dem Tisch eine große Vase mit frischen Blumen. Es klopfte an der Tür, und ein Diener brachte Bens Koffer. „Soll ich beim Auspacken helfen?“, fragte er. „Nein – das mache ich schon selbst“, entgegnete Ben. Bislang hatte er sein Gepäck immer selber ausgepackt. Sein kleiner Reisekoffer sah im Zimmer ziemlich verloren aus.
Nachdem Ben die wichtigsten Sachen ausgepackt und verstaut hatte, wurde er neugierig, wie die anderen untergekommen waren. Er verließ sein Zimmer und klopfte an der Nachbartür. Sein Chef öffnete. Er war gerade im Begriff, sich für das Abendessen umzuziehen und stand in Unterwäsche da. „Klasse Bude – nicht wahr?“, strahlte der Chef ihn an. „Das Badezimmer ist eine Wucht – oder? So riesig, dass man darin tanzen kann“, freute er sich. Ben wunderte sich. So aufgekratzt hatte er seinen Chef bislang selten erlebt. Der Chef zog sich noch schnell Hose und Hemd an, dann klopften die beiden bei Marc, der noch ein Zimmer weiter wohnte. Marc öffnete, und die beiden strahlten ihn an. „Na, alles gut mit dem Zimmer?“, wollten sie wissen. Marc verzog mürrisch sein Gesicht. „Vollkommen überkandidelt, wenn ihr mich fragt! Und die vielen Blümchen machen mich noch krank!“ Durch die geöffnete Tür konnten Ben und der Chef sehen, dass Marc sich überhaupt keine Mühe mit dem Gepäck gegeben hatte: Sein Koffer lag halb ausgeleert auf dem Boden, die Kleidung hatte er achtlos über den Stuhl geworfen und die Socken lagen in verschiedenen Ecken des Raumes.
„Na ja – jedem Tierchen sein Pläsierchen“, murmelte der Chef, „in einer Viertelstunde gibt es Abendbrot! Ich schlage vor, wir gehen gemeinsam hin.“ Das fanden die anderen auch gut, und nachdem jeder noch einmal auf seinem Zimmer verschwunden war, gingen sie gemeinsam den Flur entlang auf der Suche nach dem Speisesaal. Monsieur Bonsoni erwartete sie bereits in der Eingangshalle. „Folgen Sie mir, meine Freunde“, forderte er sie auf, „ich hoffe, sie haben ein wenig Appetit mitgebracht!“ Dann führte er sie in den Speisesaal. Marc, dem Chef und Ben blieben fast die Luft weg: So viel Marmor, Kristall und Gold hatten sie in ihrem Leben noch nicht gesehen! In der Mitte stand ein riesiger Tisch mit den edelsten Speisen, Kerzenleuchtern aus Kristall und exotischen Blumensträußen. Außerdem gab es allerfeinstes Porzellan und sehr teuer aussehendes Besteck an den einzelnen Plätzen. Bonsoni hatte sich übrigens anlässlich des Abendessens noch einmal komplett umgezogen. Er trug jetzt eine hellbraune Hose, ein lavendelfarbenes Seidenhemd mit Rüschen und Manschettenknöpfe mit Diamanten. Und natürlich hatte er sich parfümiert – ein dezenter aber trotzdem angenehmer Duft umwehte ihn.
„Bevor wir uns zu Tisch begeben“, sagte Bonsoni, „möchte ich Ihnen noch einen weiteren Gast vorstellen, der mit uns dinieren wird: Monsieur Ronald Krapp!“ Dabei schob er einen Mann in die Mitte, der bis jetzt unscheinbar an der Seite gewartet hatte. Herr Krapp war ein jüngerer, etwas pummeliger Mann mit strohblondem Haar. Anscheinend war auch er die feine Gesellschaft nicht gewohnt, denn er trug ziemlich legere Kleidung und machte einen lockeren und lebhaften Eindruck. Sie gaben einander die Hand.
„Und, Herr Krapp, sind Sie auch am Projekt Schwefelblume interessiert?“, wollte Ben wissen. Herr Krapp wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da fiel ihm Bonsoni ins Wort und sagte: „Ja – denn er wird Sie auf Ihrer Mission begleiten!“ Ben spürte, wie Marc sich neben ihm versteifte. Das würde bestimmt Ärger geben! Denn Marc flog erstens nicht gerne mit Leuten, die er nicht kannte in den Weltraum und zweitens nicht mit Leuten, die keine Erfahrung in diesem Gebiet hatten. Und Herr Krapp sah keineswegs wie ein Weltraumfahrer aus – Ben hatte inzwischen genug Erfahrung gesammelt, dass er sich dieses Urteil ohne weiteres zutraute. Auch der Chef hatte Marc aus den Augenwinkeln beobachtet. Er trat ihm unauffällig auf den Fuß, und bevor Marc irgendwas sagen konnte, antwortete er für ihn: „Sehr gut – die Details der Mission können wir ja morgen ausführlich besprechen!“ Damit war die Bombe vorläufig entschärft.
Bonsoni sagte: „Aber setzen wir uns doch zu Tisch und stärken uns! Dabei können wir uns natürlich weiter unterhalten und besser kennenlernen!“ Die Gäste nahmen Platz und bedienten sich an den Speisen. Anfangs aßen alle schweigend, bis schließlich Ben als erster das Eis brach und Bonsoni fragte: „Sie also verdienen Ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Parfum?“ Bonsoni erwiderte lächelnd: „Aber nein – so ist es keineswegs richtig! Meine Parfum-Kollektion ist zwar am bekanntesten von den Produkten, die ich vertreibe, aber daneben gibt es viele andere Warengruppen in meinem Konzern. Diese betreffen alles, was irgendwie mit Körperpflege zu tun hat: Seifen, Lotionen, Shampoos und alles rund um das Thema Make-up. Die Parfums machen kaum ein Zehntel meines Umsatzes aus!“ „Das hätte ich niemals gedacht“ rief Ben überrascht aus, „aber ich bin kein Fachmann, was das Thema Kosmetik angeht. Mein Herz hängt an ganz anderen Sachen – eben an Raumschiffen, Antrieben, Technik und den vielen Abenteuern, die ich auf unseren Flügen schon erlebt habe. Manchmal muss man in kürzester Zeit eine Entscheidung treffen – eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Wehe, wenn man sich falsch entscheidet!“ Bonsoni erwiderte ernst: „Da berühren sich unsere beiden Welten, junger Freund! Denn bei so einem Konzern, wie ich ihn führe – da gibt es genug Konkurrenten, die nur auf eine falsche Entscheidung meinerseits warten und dann zustoßen. Manchmal liege ich nachts wach und frage mich, ob ich hier und dort wohl richtig entschieden habe… Aber lassen wir dieses unerfreuliche Thema! Monsieur Krapp, erzählen Sie den anderen doch ein wenig von sich!“
Herr Krapp legte seine Gabel weg und begann: „Also, als Erstes wäre es mir lieb, wenn wir vom förmlichen ‚Herr Krapp‘ wegkommen! Das passt heute einfach nicht mehr in die Zeit – sie ist schnell, direkt und persönlich! Nennen Sie mich lieber Ronald oder ganz einfach Ron! Arbeiten tue ich beim Blitzz-Magazin – Blitzz mit Doppel-Z – Sie haben gewiss schon davon gehört – oder?“
Marc und der Chef starrten ihn nur fragend an: Blitzz-Magazin? Vollkommen unbekannt…! Nur Ben glaubte sich an die Zeitschrift zu erinnern – er hatte sie mal in einem Bahnhofskiosk gesehen – ganz unten in einem Zeitschriftenständer, wo die weniger seriösen Magazine lagen. Aus Langeweile hatte er das Heft durchgeblättert und war ziemlich abgestoßen vom reißerischen Charakter. Meistens bestanden die Artikel nur aus einem effekthascherischen Foto und einem kurzen Text. Und dieser Ron sollte sie auf einem Weltraumflug begleiten…?
Ron bemerkte nichts von Bens skeptischem Gesichtsausdruck und fuhr fort: „Blitzz! Das ist der Puls unserer Zeit! Knallhart, elektrisierend und kraftvoll auf den Punkt gebracht!“ Nun konnte Marc nicht mehr an sich halten und rief: „Und was ist mit der Aufmerksamkeitsspanne Ihrer Leser? Die können sich wohl auch nur noch einen Blitzschlag lang konzentrieren – oder?“ Diese Bemerkung brachte Ron sichtbar aus der Fassung. Er wollte gerade zu einer hitzigen Entgegnung anheben, da griff Bonsoni ein und sagte: „Nun ja, über den Journalismus der heutigen Zeit kann man geteilter Meinung sein! Jedenfalls wünsche ich, dass Herr Krapp mitfliegt und die Mission dokumentiert. Dies ist übrigens nicht verhandelbar. Wenn Sie diesen Punkt nicht akzeptieren, kommen wir nicht ins Geschäft!“ Da musste Marc erst einmal schlucken. Sie würden entweder mit Ron zur Io fliegen oder überhaupt nicht. Beides behagte ihm nicht.
Der Chef versuchte, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben und fragte: „Nun verraten Sie uns bitte, Monsieur Bonsoni, wozu Sie ausgerechnet Schwefelkristalle oder eine Schwefelblume von der Io benötigen! Für einen Bruchteil des Geldes könnte man in einem Labor einen Kristall künstlich züchten oder eine überzeugende Nachbildung anfertigen!“ Bonsoni erwiderte: „Genau das hasse ich! Künstlich! Wir geben uns so viel mit nachgemachten Dingen zufrieden und verschwenden unsere Lebenszeit daran! Ich will nicht das Nachgemachte sondern das Original! Und – was ich mit der Schwefelblume vorhabe – das will ich ihnen nicht sagen, sondern zeigen – heute Abend noch!“ Alle blickten Bonsoni überrascht an. Was hatte er mit den Kristallen vor? Sie wandten sich wieder dem Essen zu, hatten aber keinen rechten Appetit mehr, weil sie auf die Lösung des Rätsels gespannt waren.
Als alle fertig waren, sagte Bonsoni: „Jetzt lade ich Sie noch zu einem kleinen Ausflug ein! Wir werden ein Stück mit dem Auto fahren und eine kurze Strecke gehen – es sollte nicht zu anstrengend sein! Wir treffen uns um neun Uhr in der Eingangshalle!“
