Marcello Maulwurf - Christine Jörg - E-Book

Marcello Maulwurf E-Book

Christine Jörg

0,0
3,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Christine Jörgs Erstlingswerk erzählt die Geschichte eines kleinen Maulwurfs mit einem großen Traum. Begleitet von zahlreichen Weggefährten kämpft Marcello um die Eroberung der Lüfte, erlebt Freud und Leid, überwindet Hindernisse, steht sich selbst im Weg und erlebt einem starken Willen, seiner Tapferkeit, einer gehörigen Portion Größenwahn und wahrlich guten Freunden zum Dank das Abenteuer seines Lebens. Marcello Maulwurf wartet mit tollkühnen Ideen, unerwarteten Wendungen und großen Gefühlen auf. Ein Kinderbuch für Erwachsene, das kein Auge trocken und kein Herz unberührt lässt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



www.tredition.de

Christine Jörg

Marcello Maulwurf

www.tredition.de

© 2015 Christine Jörg

Umschlagzeichnung: Theresa Wagner

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:

978-3-7323-1817-9

Hardcover:

978-3-7323-1818-6

e-Book:

978-3-7323-1819-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Für alle Träumer.

Vorwort

Freunde der gehobenen Montagsunterhaltung!

Nahezu ein Jahrzehnt ist es her, dass die erste Folge von Marcello Maulwurf eines Montagmorgens im Juni 2005 einer anfänglich kleinen Leserschaft den Wochenstart versüßte.

Schnell wurde bekannt, dass der Protagonist der die wöchentlich wiederkehrende Montagsdepression bekämpfenden Fortsetzungsgeschichte im Garten einer in Süddeutschland wohnenden Familie lebt. Möglicherweise hat er italienische Wurzeln, dies ist jedoch nicht zweifelsfrei überliefert. Dieses Nichtwissen, vielleicht auch die Ignoranz, die in Marcellos Familie verbreitet ist oder schlicht sein Drang, immer etwas Besonderes sein zu müssen, führten dazu, dass sich entweder bei der Aussprache oder der Schreibweise seines Namens ein Fehler eingeschlichen hat. Der kleine Choleriker der Buchenallee wird „Marsello“ gerufen, nicht „Martschello“.

Er hielt seine Anhänger 52 Wochen lang in Atem hinsichtlich des Gelingens seiner Mission oder vielmehr seiner Vision. Dies ist die erste Gesamtausgabe seiner Abenteuer, doch auch wenn sie nun gesammelt vorliegen, ändert sich dennoch eines nicht: Montag ist Maulwurfstag.

Christine Jörg, Januar 2015

1.

„Hmpf! Hüämpfh… aaah… wüähphgrr uah!… Puh!“

Erschöpft ließ sich Marcello gegen die feuchte Wand fallen. Sein kleines Gesicht war dreckverkrustet und sein Herzchen pochte wie verrückt. Was war denn heute nur los? Marcello hatte den ganzen Morgen damit zugebracht, seinen Anschlag auf den Garten der Kloppstocks sorgfältig vorzubereiten. Den richtigen Fleck für sein Vorhaben hatte er schon Tage vorher ausgewählt. Und heute war er schon unzählige Male durch seine vielen Gänge gesaust, hatte seine Arbeitsmaterialien gewissenhaft bereitgelegt und außerdem hatte er den einzig richtigen Zeitpunkt ausgesucht, um sein Werk zu vollbringen.

Es war 11 Uhr an einem sonnigen Mittwochvormittag und genau in diesem Augenblick würde sich die liebe kleine Frau Kloppstock mit einem Glas frisch gepressten Orangensaft auf die Terrasse setzen, ihre mit braunen Pailletten besetzten Hauspantoffeln abstreifen, die Füße hochlegen, einen kräftigen Schluck aus dem Glas nehmen, sich zurücklehnen und ihr Buch aufschlagen. Und genau in diesem Moment wollte Marcello einen denkwürdigen Hügel mitten auf der hübsch gepflegten Rasenfläche platzieren.

Die Kloppstocks hatten Marcello das Leben nicht immer leicht gemacht. Genau genommen eigentlich nie. Bevor sie in die alte Villa gezogen waren, stand das Haus leer und niemand beschwerte sich über Marcellos Haufen. Kaum waren jedoch die Neuen eingezogen, begann der Terror! Große Maschinen walzten den Boden platt und hart, neuer Rasen wurde angesät und jedes Mal, wenn sich Marcello nur näherte, drang ein unglaublich schriller Ton an seine Ohren, so dass es kaum mehr auszuhalten war, sich unter dem Garten der Kloppstocks fortzubewegen.

Darum war er ausgezogen, ließ seine Gänge zurück und beschloss, sich fürs Erste zwei Häuser weiter niederzulassen.

Aber Marcello Maulwurf vergaß nicht!

2.

Er ließ einen Herbst und einen Winter verstreichen und als ein neuer Frühling die Welt erfreute, begann Marcello, seinen Vergeltungsschlag vorzubereiten. Und er hatte ihn für diesen Mittwoch geplant, 11 Uhr. Er hatte alles perfekt durchdacht und stellte nebenbei mit Freuden fest, dass das Ding, das den unsäglichen Ton verursacht hatte, nicht mehr da war, so dass er sich wieder ungehindert unter dem Garten der Villa fortbewegen konnte.

Dass es den armen Heinz, der kleinen braunen Feldmaus, das Leben kostete, als dieser das dazugehörige Stromkabel annagte, konnte Marcello schließlich nicht wissen.

Alles, was Marcello an diesem Morgen also noch tun musste, war, den bereitgeschobenen Haufen Erde ans Tageslicht zu befördern.

Aber – es ging nicht! Er hatte alles versucht, aber die Erde über ihm bewegte sich keinen Zentimeter. Marcello rannte den Gang zurück, suchte sich den schnellsten Weg nach oben, raste in den Garten, wobei er sich selbstverständlich im Schatten der Sträucher hielt, kramte aufgeregt sein Monokel aus der Tasche hervor, das er alsbald aufsetzte und – Marcello blieb die Luft weg! Sein kleiner Maulwurfskörper zitterte vor Wut. Auf der auserwählten Stelle stand ein funkelniegelnagelneues Gartenhäuschen!

Marcello japste nach Luft, steckte zornig seine Sehhilfe wieder in die Tasche seiner Lederhose, wischte sich energisch den Schmutz aus dem Gesicht und machte sich auf dem schnellsten Weg auf zu seiner besten Freundin Hertha, die auf dem Nachbargrundstück wohnte.

Hertha hatte bei den Nachbarn ein fantastisches Leben. Sie konnte tun und lassen, was sie wollte, bekam genug zu fressen und meistens lag sie hinter dem Gemüsebeet faul in der Sonne.

Marcello peilte auch sofort die Beete an und – natürlich! Hertha räkelte sich genüsslich im warmen Sonnenschein und hatte eine aufgeweichte Sesamsemmel zwischen den Zähnen. Manchmal wünschte sich Marcello fürwahr, ein Hausschwein zu sein.

3.

„Hertha!“ Marcello raste auf sie zu. „Hertha! Du glaubst ja nicht…“ Dicht vor ihrer Nase bremste er ab und ließ sich keuchend ins Gras fallen.

„Du kannst dir nicht vorstellen, was…“ Er brach ab und holte erst einmal tief Luft.

Hertha öffnete träge ihr linkes Auge, blinzelte einmal und kaute zweimal auf ihrer Semmel herum.

„Waas ist denn?“

„Hertha“, sagte Marcello, indem er sich wieder aufrichtete und dem Schwein direkt ins Auge blickte. „Sie haben mir den Krieg erklärt!“

„Ach jaa?“, gähnte Hertha und schloss das Auge wieder. „Was du nicht sagst…“ Sie biss erneut auf dem Brötchen herum.

„Da steht eine Hütte! Auf der Stelle, an der ich heute einen Hügel machen wollte, den Rache-Hügel, du weißt schon! Gestern stand sie da noch nicht, Hertha! Das ist eine Verschwörung, jemand muss es ihnen gesagt haben, eine andere Möglichkeit gibt es nicht! Hertha“, er tippte ihr energisch auf den Rüssel, „wer wusste noch davon außer dir und mir?“

Hertha zuckte mit der Nase, ließ ein unwilliges Brummen vernehmen und nuschelte nur: „Stress dich nicht immer so rein, Marcello, es gibt wichtigeres auf der Welt als deine Rachefeldzüge…“

„Wer wusste es, Hertha?“ fragte Marcello aufgebracht.

„Bernd und Jason.“

„Bernd? Und Jason?!“ ereiferte sich Marcello. „Was…? Wieso denn?!… Ich… ich bin enttäuscht, Hertha“, brachte er schließlich hervor. „Wie konntest du nur?“

Hertha ließ die Semmel ins Gras fallen. „Reg dich nicht auf, Marcello. Ich musste es sagen. Bernd musste mir helfen, die Duschhaube für dich zu besorgen, und die Paketschnur. Und ohne Jason kommt Bernd nicht von zu Hause raus, das weißt du. Und du weißt außerdem, dass Jason nichts umsonst tut. Ich musste ihm was bieten, sonst hätte er Bernd nicht rausgelassen. Und da hab ich ihm eben von deinen Plan erzählt.“

„Jason hat mich verraten!“ platzte es aus Marcello heraus. „Unsinn!“ sagte Hertha, richtete sich ein wenig auf und öffnete beide Augen. „Jason ist ein fauler Hund, der geht keinen Schritt zuviel, wenn er nicht muss, der hat gar nichts verraten!“

„Ach ja?“ Marcello griff in Herthas Nasenlöcher und rüttelte sie. „Wer war’s dann? He? He? Wer denn? Du etwa? Bernd konnte ja nicht raus!“

Hertha wischte ihn ärgerlich von ihrem Rüssel weg und Marcello purzelte ins Gras.

„Keiner war’s, Marcello, mach keinen Aufstand! Leute brauchen eben Schuppen in ihren Gärten, ob da so ein popliger Maulwurf Hügel aufschütten will oder nicht!“ Marcello sah sie beleidigt an. Ihm fehlten die Worte. Schweigend drehte er sich um und ging in Richtung nächster Eingang unter die Erde. Weil er dabei demonstrativ gekränkt in die Luft starrte, stolperte er über eine Walderdbeere, die im Gras lag. Er rappelte sich auf und setzte seinen Weg fort.

„Wir treffen uns heute Abend um 5!“ rief ihm Hertha hinterher. „Vergiss deine Mütze nicht – und setz endlich deine Brille auf, Marcello, sonst fällst du nochmal hin!“

Marcello tat, als habe er nichts gehört. Als er aber noch einmal – diesmal über ein Erdklümpchen – stolperte, zog er widerwillig sein Monokel aus der Tasche, kniff es ins rechte Auge und verschwand kurz darauf endgültig in einem seiner Gänge.

4.

Marcellos Ärger war schnell verflogen. Er sah bald ein, dass Hertha wohl Recht haben musste. Denn wieso sollte sie ihn anlügen? Er log sie ja schließlich auch nicht an.

Außerdem wuchs seine Spannung bezüglich des Treffens mit ihr. Er hatte sehr wohl gehört, was das Schwein über die Duschhaube und die Schnüre gesagt hatte, nur war er zu jenem Zeitpunkt zu aufgebracht gewesen, um darauf einzugehen.

Marcello hatte sich das alles so oft genauestens überlegt und dank Bernd wusste er inzwischen endlich auch, warum seine alten Pläne alle zum Scheitern verurteilt waren. Er hatte Federn von Amalie, dem Wellensittich-Weibchen verwendet, Libellen-Flügel und so vieles mehr. Keines davon war für seine Zwecke geeignet gewesen und darum war er gezwungen, seine Überlegungen zu überdenken und vor allem zu perfektionieren.

Denn Marcello hatte einen Traum. Einen Traum, der so alt war wie die Menschheit, so tief verwurzelt, wie der Wunsch nach Freiheit und der so lange in Marcellos Kopf herumspukte, wie er sein Monokel besaß.

Marcello Maulwurf hatte den Traum vom Fliegen.

Er war schier besessen davon, einmal wie ein Vogel durch die Luft zu schweben. Aus diesem Grund hatte er sich all die Utensilien besorgt und sich abenteuerliche flügelähnliche Gebilde zusammengeschustert, die ihn hoch in die Lüfte tragen sollten. Anfangs hatte er sich immer auf Herthas Rüssel gestellt. Das Hausschwein hatte ihn dann mit einer Kopfbewegung hoch in die Luft geschleudert und es hatte jedes Mal dazu geführt, dass Marcello irgendwo unsanft auf dem Boden landete. Die beiden hatten das zu Beginn darauf geschoben, dass Herthas Katapultfunktion wohl nicht das Wahre war, weswegen sie dazu übergegangen waren, Marcello auf den Hühnerstall zu befördern, von wo aus er abspringen und auf dem Komposthaufen landen sollte, auf dem das gemähte Gras zusammengetragen wurde. Zwar waren die Landungen von nun an sanfter, aber als „Flug“ war das, was Marcello jedes Mal vorführte, trotzdem schwerlich zu bezeichnen. So ging das Trauerspiel mit seinen Abstürzen unzählige Male mit unzähligen Flügelkreationen und es wäre wohl noch so weitergegangen, wenn Hertha nicht einen sehr klugen Freund gehabt hätte. Der kleine Schlaumeier hieß Bernd und lebte im selben Haus wie Hertha. Sie hatte ihm von Marcellos Versuchen erzählt und Bernd klatschte sich die Pfote an die Stirn, als er davon hörte.

5.

„Bring mir diesen Maulwurf her!“ hatte Bernd gestöhnt. Das war zwar leichter gesagt als getan, aber Hertha passte eines Morgens den richtigen Augenblick ab und brachte Marcello unbemerkt ins Haus. Bernd erklärte Marcello, dass es selbstverständlich zum Scheitern verurteilt sei, wenn er versuche, sich mit Tierfedern und -flügeln zum Flieger zu machen.

„Du bist kein Vogel, darum kannst du auch nicht mit Vogelfedern fliegen, das ist doch glasklar!“ hatte Bernd gemeint. „Du musst es wie die Menschen machen, die fliegen auch, aber mit ihren Sachen, nicht mit denen von Vögeln.“

Das leuchtete ein. Allerdings hatte Marcello keine Ahnung, womit Menschen fliegen konnten. Schließlich war er ein Maulwurf und somit hielt er sich in der Regel unter der Erde auf. Ab und zu verließ er sein Zuhause, um Hertha zu besuchen oder um neue Plätze für schöne Hügel auszumachen. Von der Welt der Menschen, den Dingen, die sie herstellten und der Art und Weise, wie sie sie benutzten wusste er wenig.

Anders Bernd, dessen Hamsterzuhause sich mitten im Haus, genauer gesagt im Wohnzimmer der freundlichen Familie Pürschi befand. Bernd hatte den fantastischen Vorteil, dass sein Käfig so aufgestellt war, dass er in den Fernseher schauen konnte, was ungemein zu seiner Allgemeinbildung beitrug. Daher wusste Bernd auch einiges über die verschiedenen Möglichkeiten für Menschen zu fliegen. Am geeignetsten für Marcello erschien ihm etwas, was er „Fallschirmspringen“ nannte. Er erklärte auch gleich, wie das aussah.

Marcello verstand genau, was Bernd meinte. Er brauchte also einen Fallschirm. Dabei dachte er an große Blätter oder ähnliches, aber Bernd verdrehte sogleich die Augen.

„Nein, kein Blatt! Ich schlage eine Duschhaube vor. Hast du so was schon mal gesehen?“

Marcello blickte etwas ratlos drein. Er hatte noch nie eine Duschhaube gesehen. Überhaupt sah Marcello recht wenig, weil er ein eitler Geck war und sich einfach zu fein für seine Sehhilfe war.

Also erklärte Bernd seinen Konstruktionsplan. Marcello und Hertha hörten angestrengt zu und versuchten, sich jede Kleinigkeit zu merken, die Bernd von sich gab.

6.

Als es kurz vor 17 Uhr war, machte sich Marcello wieder auf den Weg zu Hertha. Diese würdigte ihn zunächst jedoch keines Blickes.

„’Tschuldigung“, murmelte Marcello schließlich kleinlaut. „War’s das? Das ist doch keine Entschuldigung! Man sagt: „Liebe Hertha, es tut mir Leid, dass ich mich dir gegenüber falsch verhalten habe. Ich war egoistisch, bin ein erbärmlicher, kleiner Egozentriker, aber ich versuche, mich zu bessern. Ich Zukunft nehme ich ernst, was du sagst und lege Wert auf deine Meinung – verzeihst du mir?“ – so geht das… ach! Was kannst du eigentlich?!“

Etwas ärgerlich kramte Hertha unter dem Heuhaufen ein Ding aus grüner Folie, eine Rolle mit brauner Schnur und ein Stück Papier hervor.

„Das hab ich ja gemeint“, murmelte Marcello kleinlaut.

„Ja, ja“, brummte Hertha. „Ich weiß… ist schon in Ordnung. – Also schau mal, hier ist alles, was wir brauchen; Bernd hat uns aufgemalt, wie wir das zusammenbauen sollen.“

Sie schob Marcello das Papier hin und der faltete es nicht ganz ohne Anstrengung auseinander. Die beiden betrachteten Bernds Zeichnung eingehend und begannen schließlich mit der Arbeit. Das gestaltete sich allerdings etwas schwieriger, als sie zuerst vermutet hatten, denn Herthas Hufe waren einfach zu groß und zu ungeschickt, um an dem kleinen Fallschirm mitzuarbeiten; tja und Marcello war eben einfach sehr klein. Es bedeutete schon einen enormen Kraftaufwand für den kleinen Maulwurf, all diese Dinge zu bearbeiten und miteinander in Verbindung zu bringen. Zwar war Marcello so stark, dass er sogar Sachen tragen konnte, die bestimmt 20 mal so schwer waren wie er selber, aber das alles hier war um ein Vielfaches größer als er selbst. Das machte die Sache zum Problem. Am kniffligsten war aber in jedem Fall die Aufgabe, die Paketschnur in gleich lange passende Stücke zu bringen. Er biss sich fast die Zähne aus.

„Wo is’ eigentlich Heinz?“ nuschelte er, während er an der Schnur nagte. „Nie da, wenn man ihn braucht!“

„Keine Ahnung“, meinte Hertha. „Den hat schon seit Wochen keiner mehr gesehen… Frühjahrsmüdigkeit? Oder noch Winterschlaf vielleicht?“

„Macht der nicht, schaut ab und zu bei mir vorbei, wenn’s kalt wird.“

„Ja dann… ausgewandert vielleicht“, schlug Hertha vor.

„Hmm…“, grummelte Marcello mit zusammengekniffenen Augen.

„Hätt’ sich ja auch mal verabschieden können!“ knurrte Hertha.

„Schon… Ignorant!“

Damit war das Thema Heinz wieder erledigt und Marcello knabberte die Schur weiter selbst entzwei.

7.

Als er es endlich geschafft hatte, war der Rest ein Kinderspiel. Beim Anbringen der Schnüre stellte er sich ziemlich geschickt an und bald hatten Hertha und Marcello eine abenteuerliche Konstruktion vor sich. An den Rändern der Duschhaube waren in vier gleichmäßigen Abständen Schnurstücke angebracht, die an ihrem anderen Ende mittig zu einer Art Sitz verknüpft waren, in welchen Marcello nun einstieg. Dann zurrte er die Schnur um seinen Körper ordentlich fest.

Dann stand, in die Ecke des Zettels gekritzelt, Bernds letzter Hinweis:

„Aufs Hühnerhaus – abspringen – fliegen“

Aufs Hühnerhaus… leichter gesagt als getan, denn mit den Hennen war nicht gut Kirschen essen, das hatte Marcello schon erleben müssen.