Monikas Reifenpanne - Christine Jörg - E-Book

Monikas Reifenpanne E-Book

Christine Jörg

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Beschreibung

Nichts deutet daraufhin, dass sich daraus eines Tages eine Liebesbeziehung bilden könnte. Die beiden könnten nicht aus unterschiedlicheren Verhältnissen stammen. Monika die Bodenständige gegenüber Herbert dem weltgewandten Mann. Durch zufällige oder auch herbeigeführte Begegnungen laufen sie sich immer wieder über den Weg. Regelmäßig ist die Atmosphäre spannungsgeladen. Während Monika sich gegen Herbert sträubt, übt sie bei Herbert die magische Anziehungskraft eines Magneten aus. Immer wieder versucht Herbert Monika davon zu überzeugen, dass er der Richtige für sie ist. Die Zusammentreffen laufen selten harmonisch ab oder "was sich liebt, das neckt sich".

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Seitenzahl: 367

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Christine Jörg

Monikas Reifenpanne

Er liebt sie, sie liebt ihn nicht

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Impressum neobooks

Kapitel 1

„So eine Scheiße!“, ruft Monika laut. Kraftausdrücke gehören normalerweise nicht zu ihrem Repertoire. „Mist aber auch!“

Ratholz hat sie gerade hinter sich gelassen. Da, paff, ein platter Reifen! Am Großen Alpsee, in der Höhe des Parkplatzes zum Badeplatz beim Kiosk hält sie in Fahrtrichtung Immenstadt in einer Parkbucht an.

Im Sommer ist hier alles zugeparkt. In der Regel findet man keinen Stellplatz mehr. Aber heute, Samstagnachmittag, Anfang März, ist keine Menschenseele zu sehen. Noch dazu bei diesem Wetter!

Zunächst bleibt Monika im Auto sitzen und kramt ihr Handy aus dem Rucksack. Jetzt muss sie Konrad, ihrem Bruder, Bescheid geben, dass sie nicht rechtzeitig zum Kaffee erscheint.

Inzwischen hat es zu nieseln begonnen. Monika kramt ihre hellblaue Jacke vom Rücksitz hervor und zieht sie an. Dann steigt sie schweren Herzens aus. Langsam geht sie um das Auto herum. Ja, die Vermutung war richtig. Der Rechte hinten, der ist platt.

Sie friert. Die Jacke ist nicht dazu gedacht, hier und jetzt Autoreifen zu wechseln. Sie hat sich nur fein gemacht um mit ihren Eltern und dem Bruder in Oberstdorf-Rubi Geburtstag zu feiern. Die feuchte Kälte dringt jetzt schon durch den dünnen Stoff der Jacke.

‚Klasse‘, sagt sie sich, ‚das habe ich mir immer schon gewünscht. Im Regen Reifen zu wechseln. Gut gemacht, altes Haus!‘

Tja, wie wechselt man ein Rad? Gute Frage. Gehen wir doch gleich zur Nächsten über. Wo sind Wagenheber, Schraubenschlüssel oder wie das Ding sonst noch heißt und vor allem, wo ist das Reserverad?

Monika öffnet den Kofferraumdeckel ihres Opels Corsa. Mensch, was liegt da nur für Mist drin. In den Regen möchte sie das Zeug nicht stellen, also öffnet sie die hintere Türe und hievt die Utensilien auf den Rücksitz.

Aus den Augenwinkeln sieht sie wie ein Sportwagen an ihr vorbeizischt. Idiot! Hättest ja mal anhalten können.

Wieder wendet sie sich dem, nun leer geräumten, Kofferraum zu. OK, irgendwo da drunter könnte das Reserverad liegen. Sie sucht nach einer Möglichkeit, den Kofferraumboden zu öffnen, als ein schnittiger Sportwagen langsam in Gegenrichtung vorbeifährt.

‚War das derjenige, der soeben flott vorbeigebraust ist?‘, fragt sich Monika und achtet nicht weiter darauf.

So, der zweite Boden des Kofferraums ist offen. Volltreffer, das Reserverad liegt unversehrt da. Sieht so aus, als wären das die anderen Utensilien, die auch noch zum Radwechsel benötigt werden.

„Kann ich Ihnen helfen?“, hört sie eine männliche Stimme hinter sich.

Sie hebt den Kopf. Rums! Na ja, eine Beule mehr oder weniger macht jetzt auch nichts mehr. Ihr Kopf hat Bekanntschaft mit dem Kofferraumdeckel gemacht.

Instinktiv hebt sie die Hand und reibt sich die Stelle der zukünftigen Beule. Jetzt hebt sie den Kopf hoch, sehr hoch, und schaut zu einem Hünen empor. ‚Gleich bekomme ich Genickstarre‘, denkt sie sich. „Na ja, ich habe einen Platten.“ Sie zeigt auf das rechte Hinterrad.

„Der Kandidat hat hundert Punkte“, lacht der Mann. „Das haben Sie gut erkannt. Gratuliere.“

So ein Idiot. Weshalb hat er angehalten, wenn er sich jetzt nur lustig macht?

„Sehen Sie den Parkplatz da drüben?“, der Riese zeigt auf den großen Parkplatz genau gegenüber. Artig nickt sie. „Gut, dort fahren Sie jetzt rein. Da haben wir allen Platz der Welt um das Rad zu wechseln.“ Damit senkt er den zweiten Kofferraumboden, knallt den Kofferraum zu und dreht sich zu seinem Auto, besagten Mercedes-Sportwagen, um.

Auch Monika besteigt ihr mickriges Gefährt und fährt langsam zur Einfahrt des Parkplatzes. Ihr Helfer erwartet sie bereits. Nur noch in Hemd. Das Jackett hat er im Auto zurück gelassen. Aus seinem Auto hat er Handschuhe, Wagenheber und Schraubenschlüssel geholt. Es fehlen nur Monikas Auto und das Reserverad.

Monika ist noch nicht richtig ausgestiegen, als der rasierte Glatzkopf schon den Kofferraum geöffnet hat und sich am Boden zu schaffen macht.

„Haben Sie schon mal ein Rad gewechselt?“, will der Fremde wissen.

Monika schüttelt den Kopf. Als der Mann den Kopf hebt und sie fragend anschaut, sagt sie: „Nein, noch nie.“

„Dann wird es aber Zeit!“ Er grinst sie mit herausforderndem Blick an.

‚Was soll das denn? Ich dachte, der hält an und erledigt das jetzt‘, sagt sich Monika. Und dann zaghaft: „Ja.“

Zu Monikas Erleichterung macht er sich mit dem Wagenheber am Auto zu schaffen. Sie steht tatenlos daneben und interessiert schaut zu.

Nächstes Mal, wenn die Verkehrswacht ein Frauentraining anbietet, bin ich dabei, das schwört sie sich.

„Jedes Auto hat bestimmte Stellen, an denen man den Wagenheber ansetzen darf“, hört sie die Erklärung ihres Retters. „Wenn Sie nicht wissen wo, dann können Sie es in der Betriebsanleitung nachlesen.“

„Danke.“

„Ihren Drehkreuzschlüssel können Sie vergessen, der taugt nichts. Als Frau können Sie mit dem keine Schraubenmutter öffnen. Sie brauchen so einen.“ Er streckt ihr ein Schlaginstrument entgegen, bei dem man den Hebel verlängern kann. War da nicht was mit Hebelwirkung und so? Der Physikunterricht ist schon so lange her. Hört sich doch logisch an. Das muss sie zugeben.

Kraftvoll macht er sich an den Schraubenmuttern zu schaffen. „Sie dürfen nicht eine Mutter vollkommen lösen. Lockern sie alle nach und nach.“ Fein säuberlich legt er die abgenommenen Muttern auf den Asphalt. Dann hebt er das defekte Rad ab und legt es auf den Boden. Nun holt er das Reserverad aus seinem Versteck und steckt es auf die Schrauben.

„Jetzt müssen Sie diese beiden Muttern zuerst ein wenig anschrauben.“ Er zeigt es ihr. „So.“ Er hat in Monika wirklich eine aufmerksame Beobachterin gefunden.

‚Der hat Glück‘, Monika lächelt in sich hinein. ‚Mit der Glatze bekommt er bei dem Regen wenigstens keine nassen Haare‘.

Ich hasse Männer, die nicht zu ihrer angehenden Glatze stehen. Früher haben sie sich die Haare quer über den Kopf gelegt um kahle Stellen abzudecken. Oder sie haben ein Toupet draufgelegt. Wie schrecklich! Der Trend heute neigt zur Rasur. Auch nicht der Renner, aber besser als drei Haare über den Kopf ziehen. ‚Wie oft rasiert man die Glatze. Also, mir wäre das zu blöd‘, sagt sie sich.

„Sie sollten an der nächsten Tankstellen den Druck auf dem Rad kontrollieren“, schreckt sie die Männerstimme aus ihren Gedanken auf. Er stößt mit der Schuhspitze gegen das angeschraubte Rad. „Und nicht vergessen, nach fünfzig Kilometern das Reserverad nachziehen.“

Etwas verwirrt antwortet sie stotternd: „Ja, gut. Wie viel muss denn da rein.“

„Das steht irgendwo geschrieben.“ Der Fremde öffnet den Tankdeckel. „Das ist bei jedem Auto anders. Haben sie noch nie die Luft geprüft?“ Ungläubig starrt er Monika an. „Hier steht, wie viel sie brauchen. Überhaupt kein Problem.“

„Doch“, entfährt es ihr, „das heißt nein.“ Der Fremde hebt fragend den Kopf und schaut sie verwundert an.

Oh, diese Augen, stellt sie jetzt fest. Verwirrt erklärt sie: „Das macht immer mein Bruder.“

„Aha“, dabei hievt er das gewechselte Rad in den Kofferraum. „Das“, er deutet auf das kaputte Rad, „sollten Sie so schnell wie möglich reparieren lassen.“

„Ja, danke.“

‚Nun‘, sagt sie sich,‘ der Mann, wie bringt er nur seine Hände wieder sauber.‘ Schwarze Flecken haben sich auch auf dem Hemd breit gemacht. Sie bekommt Schuldgefühle. Irgendetwas muss ich ihm anbieten. Aber was?

Sie kann ihm schlecht vorschlagen, das Hemd mitzunehmen und zu waschen.

Der Unbekannte begibt sich zu seinem Auto und räumt sein Werkzeug ein. An einem Papiertaschentuch reibt er sich die Hände ab. Alle verschmierten Stellen verschwinden natürlich nicht.

Monika folgt ihm rasch. „Entschuldigung. Sie haben sich schmutzig gemacht. Ich möchte für die Reinigung aufkommen.“

Der Mann lächelt sie mitleidig an. „Schon in Ordnung. Eine Waschmaschine habe ich gerade noch. Schönen Tag noch.“ Bevor sie sich versieht, sitzt er in seinem Sportwagen und fährt los.

„Danke noch“, murmelt Monika leise vor sich hin. Dann dreht sie sich zu ihrem Auto um. Die Sachen aus dem Kofferraum lässt sie auf dem Rücksitz liegen. Schließlich muss sie den Reifen zum Reparieren herausholen.

Nachdenklich und feucht vom Regen fährt sie zum Geburtstagskaffee. Was hat sie einmal mehr falsch gemacht? Weshalb hat sie sich nicht ordentlich bedankt. Wie peinlich sie doch immer auffällt.

Kapitel 2

„Hallo, Monika“, vernimmt Monika die Stimme ihrer Freundin Anne, als sie am Telefon antwortet.

„Grüß dich, Anne“, antwortet Monika prompt. „Wie geht’s?“

„Kann nicht klagen. Der übliche Stress mit Sohnemann. Sei du nur froh, dass du keine Kinder hast.“ Anne lacht laut. „Sag mal, Monika, weshalb ich anrufe. Am Samstag beginnt in Kempten der Jazz-Frühling. Hast du nicht Lust?

„Ach weißt du, Jazz ist nicht so mein Ding.“

Anne unterbricht die Freundin: „Es ist aber sehr nett. Tagsüber spielen im Stadtzentrum verschiedene Bands. Jazz, Dixie und so weiter. Macht wirklich Spaß. Das Wetter soll ja auch gut werden.“

„Und Eintritt?“, will Monika nun wissen.

Anne lacht schon wieder. „Das ist draußen auf der Straße. Das kostet doch keinen Eintritt. Du bist gut!“

„Na ja, wir können ja hinfahren, zuhören und schauen. Ich wollte schon länger mal wieder einen Einkaufsbummel in Kempten machen.“

„Siehst du“, meint Anne sofort. „Dann können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

„Wann und wo treffen wir uns?“, will Monika nüchtern wissen.

„Komm doch zu mir zum Frühstück“, schlägt Anne vor. Sie wohnt in Sonthofen.

„Oder wir treffen uns in Immenstadt am Viehmarktplatz“, überlegt Monika laut.

„Ja, das ist auch eine Möglichkeit. Sagen wir um elf in Immenstadt Viehmarktplatz. Ich fahre“, bietet Anne an.

„Einverstanden. Dann sehen wir uns übermorgen. Danke, Anne. Gruß an Sohnemann von mir.“

„Ich freu mich schon. Schönen Abend noch, Monika. Bis Samstag. Tschüs.“ Anne hängt ein. Monika hört nur noch das Besetztzeichen.

Ja, weshalb soll sie nicht am Samstag mit Anne nach Kempten fahren. Alleine kann sie sich doch nie aufraffen.

Inzwischen sind die Pellkartoffeln durch. Der Quark ist auch fertig. Sie setzt sich zum Abendessen hin und ist zufrieden mit ihrer Entscheidung.

*

Monika kommt nicht gerne zu einem Treffen zu spät. Ganz im Gegensatz zu Anne.

Um zehn vor elf trifft Monika auf dem Viehmarktplatz in Immenstadt ein. Sie parkt ihr Auto und steigt aus. Weshalb soll sie bei dem schönen Wetter im Auto sitzen bleiben.

Es bleibt ihr Zeit, sich umzusehen. Auf der einen Seite erhebt sich der Mittag. Im Winter verwandelt er Immenstadt in eine schattige und eisigkalte Stadt. Monika bedauert immer die Menschen, die hier wohnen. Was bezahlten sie wohl an Heizkosten?

Auf der anderen Seite der Stadt geht es etwas flacher weiter, bis man auch hier an Anhöhen stößt.

Nein, definitiv, Immenstadt ist kein Wohnort für mich, entscheidet Monika.

Um zehn nach elf ist Anne immer noch nicht da. Fünf Minuten gebe ich ihr noch, sagt sich Monika. Warum kann diese Frau einfach nicht pünktlich sein? Ein Wunder, dass wir befreundet sind. Im Grunde genommen passt das doch gar nicht.

Viertel nach elf. Also gut. In fünf Minuten rufe ich an. Monika hat das Handy bereits in der Hand, lässt es dann aber wieder in die Handtasche zurückfallen.

Da endlich trudelt die Freundin ein. Wie üblich, wenn sie zu spät kommt, keine Entschuldigung, keine Frage, wie lange Monika schon dasteht.

„Guten Morgen“, sagt Anne dagegen freundlich als Monika sich zu ihrer Freundin auf den Beifahrersitz setzt. „Haben wir nicht ein Superwetter?“ Während sie den Gang einlegt schaut sie durch die verspritzte Windschutzscheibe zum strahlend blauen Himmel an dem nicht ein Wölkchen zu sehen ist.

Monika nickt. „Ja, wir haben es gut getroffen.“

Schweigend fahren die zwei bis zur Höhe Hauptschule an der Kemptener Straße.

„Und, wo willst du in Kempten parken?“, erkundigt sich Monika bei der Freundin. Sie selbst fährt nicht gerne mit dem Auto nach Kempten. Parken war noch nie ihre Stärke.

„An der Allgäuhalle“, antwortet sie fröhlich. „Da werden wir schon noch ein Plätzchen finden.“

„Meinst du?“

Anne zuckt die Schulter und wirft der Freundin einen kurzen Blick zu. „Einen Versuch ist es wert. Bestimmt gibt es ein kleines Plätzchen für mein Auto.“ Fast zärtlich streichelt sie mit der Hand über das staubige Armaturenbrett.

Auf der neuen B19 kommen sie zügig voran. Nach Monikas Geschmack zu zügig, das heißt zu schnell. Sie hat sich noch nie besonders gerne auf die Fahrkünste der Freundin verlassen. Schon zu oft hatte diese aus Unachtsamkeit kleine Unfälle gebaut.

„Was möchtest du einkaufen?“ Anne blickt Monika an.

„Schau lieber auf die Straße“, knurrt die nur.

„Sei doch nicht so verkrampft“, empfiehlt Anne freundlich der Freundin.

„Bin ich doch gar nicht“, widerspricht Monika schnell.

Anne bremst. Sie sind auf der Höhe des Parkplatzes vor Herzmanns angelangt.

„Was machst du denn?“

Anne fragt: „Willst du aussteigen.“

„Anne, du kannst doch nicht hier abbremsen. Du bist nicht alleine auf der Straße. Fahr weiter.“ Sie stehen halb in der Einfahrt zum Parkplatz.

Hinter den beiden Frauen hupen die ersten Autos. Anne legt den Gang ein und würgt das Auto ab. Es war wohl der falsche Gang. Das Hupkonzert nimmt an Lautstärke zu. Anne legt den Leerlauf ein und dreht den Schlüssel wieder. Der Motor summt. Jetzt legt sie schwungvoll den ersten Gang ein und fährt mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz ein um auf der anderen Seite wieder auf die Schnellstraße hinauszufahren.

Monika hätte zu gerne gefragt, was das eben sollte, doch sie wagt es nicht, noch ein Wort über den Vorfall zu verlieren. Stattdessen fragt sie: „Hattest du wieder Stress mit Sohnemann.“

„Frag nicht!“, kommt die knappe Antwort.

‚Ins Schwarze getroffen‘, sagt sich Monika. Seit der Junge alt genug ist, selbst zu gehen und die ersten Worte zu sprechen, gibt es Ärger und Zoff zwischen Mutter und Sohn. Anne scheint nicht bereit zu sein, mehr Erklärungen abzugeben. Monika zieht es vor, keine weiteren Fragen zu stellen. Sie wollen heute einen angenehmen Tag in Kempten verbringen. Mehr nicht.

Als wäre nichts gewesen, wiederholt Anne ihre Frage von vorhin. „Und, wo und was möchtest du einkaufen?“

„Eine Hose, T-Shirt und Sandalen könnte ich schon brauchen“, überlegt Monika laut, „aber eigentlich möchte ich in erster Linie in Ruhe bummeln gehen.“

Von der Seite sieht Monika wie Anne konzentriert auf die Straße blickt und nickt. „Dann sind wir ja schon zwei, die in Ruhe bummeln möchten.“

In der Nähe von Edelweiß fährt Anne rechts über die Brücke unter der die Bahnschienen zum Hauptbahnhof Kempten sich entlang ziehen. Dann geht es lange geradeaus auf der Eich und über den Ring. Nun sind sie in der Kottener Straße angelangt. Rechter Hand ist die Einfahrt in den Parkplatz.

„Da ist doch alles voll“, lautet Monikas Urteil.

„Warte doch. Wir fahren eine Runde. Irgendwo finden wir schon ein Plätzchen.“ Anne sollte Recht behalten. Tatsächlich in einer der hintersten Ecken machen sie ein freies Plätzchen aus.

‚Annes Fahrkünste sind nicht die besten. Aber eines muss man ihr lassen‘, denkt Monika neidisch, ‚sie kann wenigstens einparken. Schon stehen sie in der engen Parklücke und zwängen sich aus dem Auto heraus.

Monika hat wie üblich eine Bauchtasche um. Handtaschen mag sie nicht. Anne muss sich vom hinteren Sitz den Rucksack hervorhangeln. Kein einfaches Unterfangen, wenn man in das Nebenauto keine Delle drücken will.

Jetzt gehen die Freundinnen untergehakt über den Parkplatz.

„Nachdem wir bummeln wollen, rollen wir die Einkaufsmeile von unten auf“, schlägt Monika vor.

„So etwas Ähnliches habe ich mir auch gedacht.“

Zwischen Forum und Big Box schlendern sie die Bahnhofstraße Richtung Fischerstraße hinunter.

Von unten aufrollen bedeutet in der Regel, man fängt beim Kaufhof an. Der wird ihr erstes Ziel.

Schon von der Bahnhofstraße aus können sie auf das Gewimmel in der Fischerstraße hinunterschauen.

„Sollen wir uns das wirklich antun?“, stöhnt Monika. Sie mag Menschenmassen nicht besonders. Zumindest nicht, wenn es ums Einkaufen oder Volksfest oder Ähnlichem geht. Der einzige Ort an dem sie Menschenmassen erträgt ist beim Start eines Marathons.

Anne, die die Ängste der Freundin kennt, sagt daraufhin: „Stell dir einfach vor, du läufst einen Marathon.“

Abrupt bleibt Monika stehen. „Wie bitte?“

Anne lacht. „Wenn du Marathon läufst, bist du auch nicht allein.“

„Du kommst aber auch auf Ideen!“ Monika lacht jetzt auch und zieht die Freundin weiter.

Die leichte Brise trägt die ersten Töne der Musik zu ihnen. Je näher sie zur Fußgängerzone kommen, desto lauter wird die Musik. Beschwingt drängeln sie sich durch die Fischerstraße und gehen am Kaufhaus Reischmann vorbei. Auf dem Residenzplatz steht eine Kapelle und spielt Musik.

„Mensch, heute ist ja Wochenmarkt!“, ruft Anne aus. „Komm lass uns einmal durchgehen.“

„Früher gab es da gute Würste“, erinnert sich Monika. „Leisten wir uns eine?“

„Nach dem Ärger, den ich heute Morgen schon hatte, ist mir die Lust zum Frühstück vergangen“, gibt Anne zu. „Eine Wurst würde mir schon schmecken.“

Sie gehen zum Stand an der hintersten Ecke und genehmigen sich jede ein Paar Wienerle und eine Brezel. Derart gestärkt schlendern sie an der Residenz vorbei.

Als sie vor den Toren des Gerichts stehen, sagt Anne: „Als Kunde möchte ich da nicht mehr rein.“

Monika grinst. „Ich tue alles dafür, dass ich diesen Advokaten mein schwer verdientes Geld nicht mehr zukommen lassen muss.“

Die Freundinnen haben hier ihr Scheidungsdrama über die Bühne gebracht.

Anne nickt nur. Am Zebrastreifen überqueren sie die Straße und betreten den Kaufhof. Planlos streunen sie durch die Damenbekleidung, dann die Herrenbekleidung. Schließlich gelangen sie in dem zweiten Stock.

„Ich geh hier mal für kleine Mädchen“, erklärt Anne, die an einer Konfirmandenblase leidet.

„Gut, ich schau mich hier um.“ Anne geht von der Rolltreppe geradeaus auf das Restaurant zu, während Monika sich zu HiFi und sonstigen Elektrogeräten begibt.

Als Anne zu ihrer Freundin stößt, fahren sie mit der Rolltreppe wieder hinunter und verlassen das Kaufhaus.

Den Weg, den sie gekommen sind, kehren sie wieder zurück. Das Kaufhaus Reischmann lassen sie rechts liegen und schlendern die Fischerstraße entlang.

Auf der Höhe der Freitreppe ist kein Weiterkommen. Die Musik wird lauter. Eine der Bands, eine Holländische, kommt musizierend die Treppe herauf und bahnt sich den Weg durch die Menschenmassen.

Die Freundinnen können bei der Musik nicht still stehen und tänzeln ein wenig vor Ort.

„Klasse!“, stellt Monika fest. „Dort unten spielen sie auch Musik. Weißt du was, ich lad dich auf dem Rathausplatz zu einem Cappuccino oder so was ein.“

Monika hakt sich wieder bei der Freundin unter. „Da sage ich natürlich nicht nein“, erwidert diese.

Langsam steigen sie die Treppe hinunter. Auf dem Absatz in der Mitte steht schon die nächste Kapelle. Hier bleiben die zwei Frauen das nächste Mal stehen und lauschen der Musik.

Dann endlich wenden sie sich dem Rathausplatz zu.

„Wir sind nicht die einzigen, die den Einfall hatten“, meint Monika nüchtern und will schon wieder umkehren.

„Da vorne am Tisch.“ Anne deutet mit dem Finger auf einen Tisch.

„Da sitzen doch schon zwei Männer“, stellt Monika fest.

„Hast du Angst vor Männern?“

„Blöde Kuh.“

Ohne auf die Bemerkung zu reagieren, steuert Anne den Tisch an. Monika bleibt nichts anderes übrig, als der Freundin zu folgen.

„Ist da noch frei?“, hört Monika die Freundin fragen. Und dann ein überraschtes „Hallo!“

In sicherer Entfernung bleibt Monika stehen und wartet ab, was Anne jetzt veranstaltet und wen sie getroffen hat. Schließlich sieht sie, wie Anne dem einen Mann einen Kuss auf die Wange drückt und zwei Stühle zurechtrückt. Ein sicheres Zeichen, dass sie sich hier niederlassen. Also tritt sie an den Tisch.

Der freundliche Gruß, den sie aussprechen will, bleibt ihr beinahe im Hals stecken. Schließlich bringt sie ein gepresstes „Hallo“ hervor und hofft, der eine der Männer erinnert sich nicht mehr an sie.

„Na, hallo, aber“, sagt da einer der Männer, bevor der andere den Mund überhaupt öffnen kann. „Und, alles klar mit dem Auto?“

Anne und der zweite fremde Mann schauen wie Fragezeichen auf Monika und den Menschen, der ihr damals das Rad gewechselt hat. Monika hatte es dienlich vermieden ihrer Freundin vom peinlichen Vorfall mit dem Radwechsel zu berichten.

Monika nickt und sagt nur: „Ja.“

„Ach, ihr kennt euch?“, kommt seitens der überraschten Anne.

„Nein“, antworten Monika und der Fremde wie aus der Pistole geschossen im Chor.

Anne und der zweite Mann schauen sich sichtlich erstaunt an.

Jetzt setzt der damalige private Automechaniker an: „Ich habe nur bei Nacht und Nebel einen platten Reifen gewechselt.“

„Bei Nacht und Nebel?“, wiederholt Anne ungläubig. Dann schüttelt sie den Kopf. „Ist ja auch egal. Darf ich dir Monika Zenert vorstellen. Herbert Schmid“, damit weist sie auf den anonymen Retter, der somit auch einen Namen hat.

Monika nickt Herbert dezent und verhalten zu.

„Was darf es sein?“, mischt sich der Kellner ein, der gerade an den Tisch tritt.

„Für mich einen Cappuccino“, sagt Monika schnell.

„Ja für mich auch.“

Die Männer fragt er nicht mehr, die haben bereits jeder eine Portion Kaffee vor sich stehen.

Anne, das weiß Monika schon jetzt, wird sie im Auto auf der Heimfahrt löchern. Da muss sie durch.

„Wenn wir schon bei der Vorstellungszeremonie sind“, Herbert weist auf seinen Begleiter. „Frank Neuner , Anne Michel.“

Die beiden reichen sich die Hand. Also macht Monika es ihnen nach.

Anne und Herbert unterhalten sich angeregt, während Frank und Monika nur Zuhörer sind und sich einen Schwank aus der Jugend der beiden anhören.

So bleibt Monika Zeit zu überlegen, was dieser Herbert wohl für ein Mensch ist. Offensichtlich kommen Anne und Herbert aus dem gleichen Ort, nämlich Fischen oder besser Umgebung.

Dieser Frank spricht Hochdeutsch. Vielleicht ein Urlauber, dem Herbert ein wenig vom Allgäu zeigen will. Alles in allem, uninteressant. Nicht wert, sich weiter den Kopf zu zerbrechen.

Die Herren haben ihren Kaffee bereits ausgetrunken. Herbert beordert den Kellner an den Tisch. Schon zückt er den Geldbeutel und hält dem Ober einen Geldschein hin.

„Das wollte ich bezahlen“, sagt Monika zaghaft.

Herbert grinst sie an: „Sie geben wohl nie auf?“

Monika, der wie üblich der passende Spruch fehlt, wird rot und starrt auf ihren Kaffee. Das Wort Idiot wagt sie nicht auszusprechen.

Dann erheben sich die Männer. Herbert klopft auf den Tisch und beide verabschieden sich mit einem „Man sieht sich.“

Schweigend schauen Anne und Monika den zwei davon schlendernden Männern nach. Sie trinken schnell ihren Cappuccino leer und wenden sich wieder der Fischerstraße zu.

„So, wir haben einiges getan“, stellt Anne nüchtern fest, „aber du hast noch nicht einen Schuh anprobiert und noch keine Hose gesehen.“

„Das machen wir jetzt“, schlägt Monika vor. „Was wolltest du denn sehen.“

„Nichts. Ich wollte dich einfach begleiten und bei schönem Wetter ein bisschen gute Musik hören.“

An und in verschiedenen Geschäften, die für eventuelle Käufe in Frage kommen, schauen die Freundinnen die Waren an den Ständern an. Doch nichts will ihnen gefallen.

Am Freudenberg stehen sie an der Ampel und warten auf das grüne Männchen um die Straße zu überqueren, als Anne ihre Neugierde nicht mehr zügeln kann.

„Sag mal, was hat Herbert denn eigentlich damit gemeint, dass er bei Nacht und Nebel dein Rad gewechselt hat? Und dann noch, ihr kennt euch nicht. Das ist doch ausgemachter Quatsch.“

„Na ja, er hat übertrieben. Als ich zum Geburtstag meiner Mutter gefahren bin, habe ich am Alpsee meinen Reifen platt gefahren. Nachmittags um zwei wohl gemerkt! Es war kalt und hat genieselt. Ich war etwas überfordert. Tja, und da hat der Mensch mir geholfen. Aber ich habe ihn wirklich nicht gekannt. Wir haben uns nicht vorgestellt. Mir war es schrecklich peinlich, weil sein Hemd verdreckt war. Von den Händen gar nicht zu reden. Bevor ich mich richtig bedanken konnte, war er dann schon weg.“

Anne schüttelt ungläubig den Kopf. „Herbert als Samariter. Ich glaub es nicht. Es geschehen noch Zeiten und Wunder. Ich hätte ihm noch nicht einmal zugetraut, dass er in der Lage ist, ein Rad zu wechseln.“

„Ist er“, versichert Monika nun. „Er hat mir sogar noch Erklärungen abgegeben, wie man das machen muss.“

Immer noch schüttelt Anne den Kopf. Sie überqueren die Straße und gehen die Bahnhofstraße hoch. Bei C & A wird Monika fündig. Zumindest für Hose und T-Shirt. Die Schuhe müssen eben noch warten.

Es ist schon beinahe ein Muss. Auf dem Rückweg spazieren sie durch das Forum. Im zweiten Stock bei der Buchhandlung Hugendubel spielt ein Pianist leichte Musik. Anne und Monika setzen sich auf ein Bänkchen und lauschen der Musik ein wenig.

Nach einer Weile erheben sie sich und kehren zu Parkplatz und Auto zurück.

Während der Rückfahrt wird Monika neugierig. „Woher kennst du eigentlich diesen Herbert?“

„Ganz einfach“, erklärt Anne, „der ist mit meinem Bruder in die Volksschule und aufs Gymi gegangen.“

„Ach ja?“, sagt Monika desinteressiert.

Anne fährt fort: „Herbert setzt sich ins gemachte Nest. Der Vater hat ein Hotel.“

Monika muss laut lachen. Nach einiger Zeit, die Monika schweigend neben ihr sitzt, sagt sie: „Dann war das mit dem verdreckten Hemd ja gar nicht so schlimm. Er hatte bestimmt einen Hiwi, der ihm den Dreck herausgeschrubbt hat.“

Jetzt lacht auch Anne. „Und du hattest ein schlechtes Gewissen.“

Dann endlich erzählt Anne von dem Ärger, den sie morgens mit dem Sohn Markus gehabt hat. Monika versucht Ratschläge zu geben, obwohl sie weiß, dass sie nur Kennerin für Kinder im Kindergartenalter ist.

Schließlich kommen sie gegen sechs Uhr in Immenstadt an. Anne liefert die Freundin auf dem Viehmarktplatz ab. Sie verabschieden sich herzlich.

Dann steigt Monika in ihr Auto und fährt nach Hause. Sie freut sich auf einen ruhigen Abend und eine Radtour am Sonntag.

Kapitel 3

Das Wetter ist die nächste Zeit nicht mehr so schön und für die Jahreszeit zu kalt, doch das hindert Monika nicht daran, ihren sportlichen Aktivitäten nachzugehen. Zwar ist nicht daran zu denken eine Bergtour in höheren Lagen zu machen, da dort oben immer noch Schnee liegt, aber radeln und joggen ist immer möglich.

Als ab Mitte Juni endlich sommerliche Zeiten anbrechen, ist Monika im siebten Himmel.

Wie jedes Jahr lässt sie sich auch jetzt gerne wieder für ein Wochenende von Annes Bruder Peter zum Einbringen der Heuernte einspannen.

Schon seit ihrer Realschulzeit hat es sich eingebürgert, dass die Freundinnen des Öfteren die Wochenenden auf dem Bauernhof von Annes Eltern verbringen. Diese Tradition haben die zwei Frauen auch später beibehalten.

Wieder einmal steht so ein Wochenende an. Anne vereinbart mit Monika, dass sie sich am ersten Juliwochenende treffen. Auch Annes Sohn Markus wird mit von der Partie sein.

Monika freut sich schon darauf das Wochenende in Annes gemütlichem Elternhaus zu verbringen.

Freilich, Monika ist es nie entgangen, dass die Eltern und auch Anne gerne gesehen hätten, wenn aus Monika und Peter ein Paar geworden wäre, doch es blieb und bleibt bei einer herzlichen Freundschaft. Eher Geschwisterlich.

Für die nächsten Tage ist sommerlich warmes Wetter angesagt. Genau richtig für die Feldarbeit.

Nachdem Monika am Freitag den Kindergarten verlässt, radelt sie eilig zu ihrer Wohnung zurück. Hurtig packt sie ihre Tasche zusammen, trinkt eine Tasse Kaffee und verlässt die Wohnung.

Eine gute halbe Stunde später trifft sie bei der Freundin in Sonthofen ein. Wie Monika es nicht anders erwartet hat, hat Anne noch nicht einmal zu packen begonnen. Die Stimmung zwischen Mutter und Sohn ist wieder einmal gespannt. Markus Gesicht hellt auf, als er der Patentante die Wohnungstüre öffnet.

„Na, Alter“, begrüßt Monika den Jungen und pufft ihn mit der rechten Faust leicht an die linke Schulter.

Markus strahlt. „Hallo, Monika.“ Erstaunlicherweise hat ihr Patenkind sie nie Tante genannt. Monika ist nicht böse darüber. Sie bildet sich ein, dass ihr das einen Touch von Jugend gibt.

„Und, schon gepackt?“

Markus grinst. Dann kommt ein lang gezogenes: „Ja, ich schon. Aber Mama nicht.“

„So“, ist alles, was Monika dazu sagt. „Wo ist sie?“

Inzwischen sind sie an Markus Zimmer und Esszimmer vorbei im Wohnzimmer angekommen.

„Hier bin ich.“ Annes Stimme kommt scheinbar aus dem Schlafzimmer.

Markus macht noch eine Geste Richtung Schlafzimmer und verzieht sich in sein eigenes Zimmer. Monika verlässt das Wohnzimmer wieder und betritt das Schlafzimmer. Vor ihr steht Anne in T-Shirt und Höschen.

„Bei der Hitze reicht das was du anhast“, stellt Monika fest. Und dann: „Grüß dich.“

„Grüß dich“, kommt die Antwort. „Bin gleich fertig.“

Monika, die das „gleich fertig“ kennt, schlägt vor: „Ich koche uns Kaffee.“

Normalerweise dauert Packen bei ihrer Freundin immer ewig, auch wenn sie nur für ein Wochenende ins Elternhaus fährt.

„Ja, mach das.“ Weiter Anweisungen folgen nicht. Monika kennt sich in der Küche bestens aus. Sie stellt den Kaffee auf und öffnet den so genannten Krabbelschrank in dem normalerweise allerlei Knabberzeug gelagert ist. So auch heute. Die Kekse legt sie in der Verpackung auf den Tisch im Esszimmer, zwischen die Sachen, die da sonst noch herumliegen. Aus dem Geschirrschrank nimmt sie zwei Tassen und stellt sie zu den Keksen. Löffel, Zucker und Milch brauchen sie nicht. Beide trinken den Kaffee schwarz. Wenigstens eine Gemeinsamkeit, denkt Monika.

Das Geräusch aus der Küche sagt ihr, der Kaffee ist gleich durch. Also ruft sie durch die Wohnung: „Kaffee ist fertig.“

Markus trottet aus seinem Zimmer heran. Zuerst macht er einen Schwenk in die Küche und holt sich aus dem Kühlschrank eine Flasche Cola. Aus dem Schrank angelt er sich ein Glas. Dann setzt er sich an den Tisch, reißt die Packung Kekse auf und beginnt zu futtern.

Monika hat sich unterdessen zur Freundin ins Schlafzimmer gesellt. Als die beiden Frauen sich ebenfalls an den Tisch setzen, ist von den Keksen nicht mehr viel übrig.

Anne stöhnt. „Meine Erziehung.“ Müde fügt sie hinzu: „Du hättest wenigstens auf uns warten können.“

„Damit ihr mir alles wegfuttert?“ Markus schiebt sich die letzten beiden Kekse auf einmal in den Mund. „Ist besser für eure Linie, wenn ich sie esse“, hebt das Glas und spült mit dem Rest Cola die Kekse hinunter.

Ohne auf weitere Kommentare zu warten erhebt sich der Junge. Er ist etwa ein fünfundsiebzig und vollkommen untergewichtig. Man könnte ihn als einen Strich in der Landschaft bezeichnen.

„Und da soll ich nicht verzweifeln?“, meint Anne ratlos.

„Ich könnte jetzt sagen, das ist das Alter, aber das hilft auch nicht weiter“, sagt Monika nur.

Anne seufzt. Sie trinkt den letzten Schluck Kaffee und sagt: „Ich packe noch den Rest.“

„Anne, wir fahren nur für zwei Tage nach Rotfischbach. Viel brauchst du nicht. Du bist zum Heuen abgestellt.“

„OK, OK.“ Weg ist sie.

Monika steht auf. Sie räumt die Tassen, das Glas und die Kaffeekanne in die Spülmaschine. Die leere Kekspackung landet im Müll.

„So, das war’s.“ Anne kommt mit einer Reisetasche aus dem Schlafzimmer. „Markus bist du fertig?“

„Klar.“ Schon tritt er mit einem Rucksack aus dem Zimmer und öffnet die Wohnungstüre.

„Hast du deine Zahnbürste?“, erkundigt sich Monika, die aus Erfahrung weiß, dass Markus die gerne vergisst.

Markus grinst sie an. „Ich wusste, dass du mich das fragen wirst und habe sie vorsichtshalber gleich eingepackt.“

Monika lacht und sagt nur: „Bravo!“

Zu dritt gehen sie zu Monikas kleinem Corsa. Annes Tasche passt noch in den „riesigen“ Kofferrau. Markus nimmt seinen Rucksack mit auf den Rücksitz.

„Ach, ich habe vergessen“, sagt Anne, als sie auf der Beifahrerseite einsteigt, „Mama hat mir eine kleine Einkaufsliste durchgegeben.“

Von hinten kommt ein genervtes: „Mama.“

Monika vermutet, dass es sich um ein gewolltes Vergessen handelt, aber sie fragt: „Wohin?“

„Aldi.“

Der liegt auf dem Weg. Am Kreisel biegt Monika zu Aldi ab.

„Ich bleibe im Auto“, eröffnet ihnen Markus und setzt sich Kopfhörer auf.

Anne und Monika steigen wortlos aus. Nachdem Monika ein Ein-Euro-Stück aus dem Geldbeutel gekramt hat, lösen sie einen Einkaufswagen aus.

Die kleine Einkaufsliste entpuppt sich als gar nicht klein. Der Einkaufswagen ist halb gefüllt. Taschen oder Kisten haben sie keine.

Monika macht kurzen Prozess. Sie stellt Annes Tasche zu Markus Rucksack auf die Rückbank und packt alles lose in den Kofferraum. Anne fährt den Einkaufswagen weg. Monika setzt sich ins Auto und startet den Motor.

Anne steigt zu. Monika hält ihr die rechte Hand offen hin.

„Was?“ Anne versteht nicht.

„Mein Euro“, erklärt Monika, die die Freundin nur zu gut kennt.

Anne, die sich inzwischen angeschnallt hatte, schnallt sich wieder ab, pult das Geldstück aus der Hosentasche und reicht es der Freundin. Monika legt es in den Aschenbecher und fährt an, als man erneut das Knacken des Verschlusses vom Einrasten des Gurts hört.

Auf der B19 herrscht reger Verkehr. Monika fädelt sich vorsichtig ein. Nur langsam kommen sie bis Langenwang voran. Es herrscht Feierabendverkehr Richtung Oberstdorf.

In Langenwang biegen sie ab und fahren zu Michels Hof am Ortsausgang in Rotfischbach.

Als sie in den Hof einfahren, springt ihnen bellend der Schäferhund Max entgegen. Monika stellt den Wagen neben die drei Autos, Peters und der Feriengäste, die bereits hier parken. Anne öffnet die Autotür und ruft nach Max. Der stürzt sofort mit dem Schwanz wedelnd und freudig bellend auf sie zu. Er hat Annes Stimme erkannt. Jetzt da der Hund begriffen hat, dass nicht Feind, sondern Freund im Anmarsch ist, beginnt ein großes Begrüßungszeremoniell.

„Da seid ihr ja endlich“, hören die drei Ankömmlinge die Stimme von Annes Mutter Margarethe. „Ich dachte schon, ihr kommt gar nicht mehr.“

„Grüß dich Mama“, sagt Anne zunächst um dann hinzuzufügen: „Du weißt doch, dass wir arbeiten. Da geht das nicht so früh.“

„Hallo Oma.“ Markus geht auf seine Großmutter zu und gibt ihr einen Kuss auf die Wange. Jedem verweigert er das Recht ihn zu küssen oder von ihm geküsst zu werden, außer seiner Oma. Monika hat das nie so recht verstanden, findet es aber jedes Mal rührend.

„Du wirst ja immer noch dünner“, stellt die Großmama vorwurfsvoll fest. „Gibt dir deine Mutter nicht genug zu essen?“

„Also heute hat er vor unserer Nase eine ganze Packung Kekse weggefuttert“, lacht Monika, bevor sie zur Begrüßung fortfährt, „Grüß dich Gretl.“

„Mama“, erklärt nun Anne, „der Kerl futtert mich noch arm. Es wächst einfach nichts an ihn hin. Ich hab ihn schon auf Würmer untersuchen lassen. Nichts.“

„Du wächst halt zu schnell“, stellt Margarethe abschließend fest. „Ward ihr nicht beim Einkaufen?“, wechselt sie das Thema.

„Liegt alles lose im Kofferraum.“ Monika deutet auf dem offenen Kofferraum, aus dem sie gerade ihre Reisetasche hievt.

Oma Michel nähert sich dem Kofferraum und wagt einen neugierigen Blick hinein. „Was ist das denn?“, ruft sie aus und lacht. „Hat Anne wieder einmal die Einkaufskiste vergessen.“

Markus, der schon an der Haustüre angekommen ist, ruft zurück: „Hundert Punkte. Oma, du hast gewonnen.“

„Ja, ja“, sagt Anne scheinbar geknickt, „immer auf die kleinen Dicken mit den kurzen Beinen.“ Dann lacht auch sie, als sie einen Blick in den Kofferraum wagt. Alles ist durcheinander gerollt. Ein richtiges Stylbild.

Die Oma wendet sich zur Haustüre. Von Markus ist nichts mehr zu sehen. „Ich schicke euch Markus mit einer Kiste heraus. Dann könnt ihr das einsammeln.“ Sie dreht sich schnell um und geht auf das Haus zu.

Anne und Monika stehen vor dem Kofferraum. Ihre Taschen haben sie wieder abgestellt. Mit den Schultern zuckend warten sie auf Markus, der kurz darauf im Schlenderschritt eine Kiste herträgt, abstellt und wieder verschwinden will.

„He, nicht so schnell, junger Mann“, hält Anne ihren Sohn zurück. „Die Kiste darfst du dann deiner Lieblingsoma in die Küche tragen.“

Gelangweilt bleibt der Junge neben den Frauen stehen und wartet, bis sie den Einkauf des Nachmittags in die Kiste gestapelt haben. Dann hebt er sie auf und trägt sie, wie ihm geheißen, in die Küche.

Monika zieht den Kofferraumdeckel zu, hebt ihre Tasche auf, verschließt das Auto und folgt ihrer Freundin ins Haus. Die zwei Frauen gehen sofort in das Zimmer, das ihnen zugeteilt ist. Es ist immer das gleiche. Sie kennen also den Weg. Jede stellt ihre Tasche in eine Ecke. Dann beziehen sie ihre Betten.

Anschließend gehen sie in die Küche zu Annes Mutter. Die deckt gerade den Tisch für die Brotzeit am Abend.

„Es dauert noch“, weist Margarethe die zwei Frauen daraufhin, dass sie noch nicht so schnell mit einem Abendessen rechnen können. „Die Frieda kalbt.“

‚Hurra, wir sind auf dem Land und auf dem Bauernhof‘, denkt sich Monika. Mit Landwirtschaft ist sie erst in Berührung gekommen, als sie sich in der Realschule mit Anne angefreundet hat. Zu Hause gab es den Holzgeruch der Schreinerei, der sich bis ins Haus zog.

„Gehe ich richtig in der Annahme, dass Markus bei Frieda ist?“, äußert Anne die Vermutung.

„Ja.“

„Hat er sich umgezogen?“, will Anne nun wissen.

„Das weiß ich nicht.“ Margarethe schüttelt den Kopf.

„Also eher nicht“, stellt Anne nun nüchtern fest.

Normalerweise hat Markus alte Klamotten bei der Oma. Die soll er anziehen, wenn er zu seinem Patenonkel in den Stall geht.

Auch wenn Markus sonst ein eher aufmüpfiges Kind ist, bei Oma und Onkel ist er wie ausgewechselt. Gerne hält sich der Junge im Stall bei den Kühen, Kälbern und Schweinen auf. Er hilft beim Ausmisten, Striegeln und Melken. Dafür steht er sogar früh morgens mit dem Onkel auf.

„Sind die Wohnungen zurzeit belegt?“, erkundigt sich Anne dann bei ihrer Mutter.

„Bis Mitte September, ja“, gibt die zur Antwort.

„Beide?“

„Beide. Und jedes Mal mit Kindern.“

Anne lehnt sich an die Arbeitsfläche auf der die Mutter sich zu schaffen macht. Sie blickt der Mutter ins Gesicht. „Mama, wird das nicht zu viel?“

„Na ja, irgendjemand muss den Putz beim Wohnungswechsel ja machen. Dein Bruder hat dafür nicht auch noch Zeit und eine Frau findet er ja nicht.“

„Warum rufst du mich dann nicht an?“ Anne streichelt die faltige Wange ihrer Mutter.

Diese lächelt und meint: „Ach, Kind, du hast doch selbst schon genug zu tun.

Monika steht am gedeckten Küchentisch und wundert sich wieder einmal, wie liebevoll Anne mit ihrer Mutter umgeht. Die Chemie stimmt zwischen den beiden. Im Gegensatz zum Sohn.

„Ich muss mal mit Peter reden“, beschließt Anne ernst. „Er kann dir das doch nicht alles auflasten.“

Die Küchentüre wird aufgerissen. Herein stürmt Markus und mit ihm ein strenger Geruch nach Stall. „Die Frieda hat ihr Kalb!“, ruft er den Frauen entgegen.

„Und, ging alles glatt?“, will die Oma als erstes wissen. Dabei vergisst sie die strenge Hausordnung. Wer aus dem Stall kommt muss sich zuerst waschen und umziehen und darf erst danach in den Wohnteil des Hauses.

„Ja“, Markus nickt eifrig. „Peter sagt, so schnell ging es noch bei keiner Kuh. Dabei hatte die Frieda letztes Mal solche Schwierigkeiten.“

Anne schreitet ein. „Seid ihr fertig im Stall?“

„Ja, für den Augenblick schon.“

„Gut, dann zieh dich bitte um. Die Sachen kannst du gleich draußen lassen. Ich hole dir aus dem Rucksack frische Wäsche. Monika, reiß doch bitte mal das Fenster auf.“

„Ups“, Markus führt die Hand an den Mund. „Ich hab mich nicht umgezogen“, fügt er kleinlaut hinzu. Schnell verlässt er, gefolgt von seiner Mutter, die Küche.

„So ein lieber Junge“, stellt Margarethe fest, nachdem sie jetzt mit Monika alleine ist.

Monika seufzt. „Ja. Nur die zwei können nicht miteinander. Aber Anne hat Glück. So aufsässig Markus oft ist, er weiß was er will und das zeigt er auch in der Schule. Wenigstens da ist er gut.“

„Das stimmt“, gibt die Oma zu. „Wie läuft es bei dir?“, will Annes Mutter dann wissen.

„Och, ich kann nicht klagen. Obwohl es mit den Kindern immer schwieriger wird. Sie kennen zum Teil keine Grenzen mehr. Die Eltern kommen nicht zu den Elternabenden und Gesprächsterminen, und wenn sie dann doch kommen, sind sie oft uneinsichtig oder sprechen sehr wenig Deutsch.“

„Ja, ja, es wird immer problematischer.“ Margarethe nickt zustimmend.

„Aber mir macht die Arbeit Spaß“, sagt Monika nun, „und das ist das Wichtigste.“

„So“, vernimmt Monika, als die Küchentüre aufgeht. Peter kommt herein. Frisch geduscht und in „Zivilkleidung“, spricht T-Shirt und Jeans. „Grüß dich Monika.“ Er geht auf sie zu und drückt ihr kräftig die Hand.

„Grüß dich Peter“, antwortet die Angesprochene und reibt die beinahe zerdrückte Hand.

„Ist Anne nicht mitgekommen?“, will Peter dann wissen. „Drückt sie sich wieder vor der Arbeit.“

„Wer drückt sich vor der Arbeit“, erkundigt sich Anne, die gerade die Küche betritt.

„Hallo Schwesterlein.“ Peter lacht. „Du bist ja doch mitgekommen. Willst wohl wieder einmal bei der Feldarbeit sonnenbaden?“

„Hallo, Bruder.“ Zur Begrüßung pufft Anne ihren Bruder leicht in den Bauch.

„Wo ist mein Lieblingsneffe?“, erkundigt sich Peter.

„Wäscht sich und zieht sich um“, erklärt Markus Mutter.

„Warum hat er sich nicht umgezogen, bevor er in den Stall gekommen ist?“, wendet sich Peter an die Oma.

Margarethe schaut ihren Sohn an. „Weil er dir beim Kalben helfen wollte.“

„So viel Zeit wäre noch gewesen.“

„Das musst du schon Markus sagen.“

„Was habe ich schon wieder verbrochen?“ Markus kommt gerade zur Tür herein.

„Du hast dich nicht umgezogen bevor du zu Peter in den Stall gegangen bist.“

Markus zuckt die Schultern. „Gibt Schlimmeres.“

„Du könntest dich aber so langsam an die Spielregeln halten“, rügt der Onkel.

„Ja, ja“, sagt Markus gelangweilt.

„Nichts, ja, ja. Tun!“, setzt Peter noch einen drauf.

„Oma gibt es Essen?“, wendet sich Markus an die Großmutter.

„Fünf Minuten.“

Unaufgefordert setzt sich Markus an den Tisch. Die anderen legen letzte Hand an die Abendbrotzeit.

Während dem Abendessen führen die fünf eine angeregte und fröhliche Unterhaltung. Danach wird der Tisch abgeräumt und die Spülmaschine bestückt.

„Habt ihr Lust Federball zu spielen?“, erkundigt sich Peter bei den Frauen und Markus.

„Oh, ja, wir zwei ein Doppel gegen die Frauen!“, ereifert sich Markus sofort und hakt sich beim Onkel unter.

„Hört sich gut an“, bestätigt Peter. „Oma ist Schiedsrichter.“

„Ich?“ Oma lacht erstaunt.

„Oder du spielst mit mir im Team“, bietet Markus großzügig an.

„Dann doch lieber Schiedsrichter.“

Peter holt Schläger und Federball, Monika und Anne passende Schuhe. Dann treffen sich alle in der Abendsonne vor dem Haus.

Die Mannschaften haben sich noch nicht warm gespielt, als sich die Familien aus den Ferienwohnungen dazu gesellen.

Schnell wird umdisponiert. Volleyball ist das Stichwort.

Auf der Wiese mit den Apfelbäumen werden zwischen zwei Bäumen zwei Bänder gespannt. Die Grenzen des Spielfeldes werden festgelegt.

Dann geht es an die Einteilung in zwei Gruppen. Gar nicht so einfach. Familien werden auseinander gerissen. Wer nimmt die Kleineren. Auch die Männergruppe hat eine ungerade Zahl. Schwierig, die Entscheidungen zu fällen.

„Oma“, Markus geht auf die Großmutter zu, „du bist Schiedsrichter.“

Mit beiden Händen wehrt Margarethe ab. „Ich kenne doch die Spielregeln gar nicht.“

„Das ist ganz einfach“, beginnt Markus mit den Erklärungen. „Du passt auf, dass der Ball nicht ins Aus geht. Außerdem darf jede Mannschaft den Ball nur maximal dreimal berühren bevor er ins gegnerische Feld geschlagen wird. Das ist schon alles.“

„Ich kann doch nicht um das ganze Feld rennen“, gibt die Oma zu bedenken.

„Warum sollen wir dann nicht zwei Schiedsrichter haben?“, wendet eine Mutter ein. „Sie nehmen diese Seite“, damit zeigt sie auf die eine Seite, „und ich nehme die Seite. Ich denke, so haben wir einen einigermaßen Überblick.“

„Das ist gut.“ Die Männer erklären sich einverstanden. Die anderen äußern sich nicht, was als OK angenommen wird.

„Welche Mannschaft fängt an?“ Markus, der Logische, will das wissen. „Hat jemand eine Münze?“

„Ja, ich“, meldet sich ein Vater zur Stelle und reicht Markus das Euro-Stück.

Der wirft das Geldstück in die Höhe, fängt es auf und legt es auf seinen Handrücken. „Zahl, wir haben gewonnen“, ruft er sofort.

Monika geht auf ihn zu und fasst ihn am linken Oberarm. „He, he, Freundchen, so geht das nicht. Seit wann lost ein Spieler die Spielseite und die Mannschaft aus, die Aufschlag hat? Das machen, meines Wissens, die Schiedsrichter. Außerdem war nicht ausgemacht, wer Zahl und wer Bild hat.“

Beleidigt gibt Markus das Geldstück wieder ab und entfernt sich ein wenig.

„Hier“, Monika reicht Margarethe das Geldstück.

„Wir nehmen die Zahl“, mischt sich ein Ferienkind ein.

Anne nähert sich. „Bild.“

Margarethe wirft das Geldstück hoch, kann es aber nicht so elegant auffangen wie ihr Enkel. Es landet im Gras und liegt schief. Die Aktion muss nochmals gestartet werden. Diesmal landet das Euro-Stück in ihrer Hand und sie legt es, wie zuvor ihr Enkel, auf den Handrücken. Wieder liegt die Zahl oben.