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**In einer Welt aus Glanz und Prestige kann Vertrauen der größte Fehler sein** Marigold Manor ist ein Ort der Champions. Ein Ort des Glanzes, der Macht – und der Ort, an dem River alles verloren hat. Seit sie die Pariser Ballettkompanie verlassen musste, die ihr alles bedeutete, ist sie ein Schatten ihrer selbst, gefangen in einem Leben, das nicht mehr ihres ist. Bis er sie tanzen sieht: Henry Audley, gefeiertes Voltigier-Talent, humorvoll, elegant und mit einer düster-faszinierenden Aura. Als er ihr einen Deal vorschlägt, sagt River zu und wird seine Trainingspartnerin. Doch immer mehr verstricken sich in dem gefährlichen Spiel, das sie selbst begonnen haben. Denn obwohl eine Beziehung zwischen den beiden verboten ist, verschwimmen die Grenzen zwischen Hingabe und Risiko. Und manchmal sind es nicht die Stürze, die am meisten wehtun – sondern das, was man zurücklassen muss. Ein tief berührendes und packendes New Adult-Buch, das in seinen Bann zieht. //Dies ist der zweite Band der knisternden High-Society-Romance-Dilogie »Marigold Manor«. Alle Bände der Buchreihe: -- Marigold Manor 1: Hidden Lies -- Marigold Manor 2: Veiled Ambitions// Die beiden Bände sind unabhängig voneinander lesbar, zum besseren Verständnis empfiehlt sich jedoch die Lektüre in chronologischer Reihenfolge. Diese Reihe ist abgeschlossen.//
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Lara Holthaus
Marigold Manor 2: Veiled Ambitions
Ihre Lüge ist zerstörerisch. Seine Berührung ihr Untergang.
Marigold Manor ist ein Ort der Champions. Ein Ort des Glanzes, der Macht – und der Ort, an dem River alles verloren hat. Seit sie die Pariser Ballettkompanie verlassen musste, die ihr alles bedeutete, ist sie ein Schatten ihrer selbst, gefangen in einem Leben, das nicht mehr ihres ist. Bis er sie tanzen sieht: Henry Audley, gefeiertes Voltigier-Talent, humorvoll, elegant und mit einer düster-faszinierenden Aura. Als er ihr einen Deal vorschlägt, sagt River zu und wird seine Trainingspartnerin. Doch immer mehr verstricken sie sich in dem gefährlichen Spiel, das sie selbst begonnen haben. Denn obwohl eine Beziehung zwischen den beiden verboten ist, verschwimmen die Grenzen zwischen Hingabe und Risiko. Und manchmal sind es nicht die Stürze, die am meisten wehtun – sondern das, was man zurücklassen muss.
Vorbemerkung für die Leser*innen
Playlist
Buch lesen
Danksagung
Contenthinweis
Vita
Liebe*r Leser*in,
dieser Roman enthält potenziell sensible Inhalte. Aus diesem Grund befindet sich hier ein Contenthinweis. Am Romanende findest du eine Themenübersicht, die demzufolge Spoiler für den Roman enthält.
Entscheide bitte für dich selbst, ob du diese Warnung liest. Gehe während des Lesens achtsam mit dir um. Falls du während des Lesens auf Probleme stößt und/oder betroffen bist, bleib damit nicht allein. Wende dich an deine Familie, Freunde oder auch professionelle Hilfestellen.
Wir wünschen dir alles Gute und das bestmögliche Erlebnis beim Lesen dieser besonderen Geschichte.
Deine Lara und dein COVE-Team
Für alle, die sich in einer Freundschaft selbst verloren haben.
Und für die Trashies, die Twisters, die Krachmacherin und für den HTB(ier).Weil ich mich in eurer Freundschaft wiedergefunden habe.
Escapism. – RAYE, 070 Shake
bury a friend – Billie Eilish
Somewhere Only We Know – rhianne
The Hills – The Weeknd
Liability – Lorde
River – Bishop Briggs
Devil In Me – Halsey
Dancing On My Own – Calum Scott
People You Know – Selena Gomez
Lust For Life (ft. The Weeknd) – Lana Del Rey
Gravity – Sara Bareilles
My Immortal – Evanescence (Boyce Avenue Cover)
Demons – Imagine Dragons
Dog Days Are Over – Florence + The Machine
We dance in a house made of glass
One wrong word and the whole thing cracks
Midnight talks and laughing days
I fall for you in a thousand ways
Your eyes find mine
I fall out of time
For you, my heart beats capriciously
But only secretly
(Sterling, River. »absolute«)
Zwei Jahre zuvor
Vielleicht hätte ich ahnen sollen, dass mir in wenigen Stunden das Herz aus der Brust gerissen wird.
Vielleicht gab es Anzeichen.
Vielleicht verändert sich in diesem Moment etwas in der Luft, und da ist eine Stimme, die mir zuflüstert, dass ich mein kleines naives Herz beschützen muss.
Doch gerade bin ich so betrunken, dass ich ein Warnsignal nicht mal erkennen würde, wenn es nackt vor mir herumtanzen würde, inklusive Schild mit der Aufschrift: Pass auf dein Herz auf, sonst wird es zu einem blutigen Fleischklumpen zerquetscht.
Meine Füße kleben immer wieder am ranzigen Boden des Busty Rusty fest, während ich nicht aufhöre zu tanzen. Ein letztes Mal ohne Spitzenschuhe. Ein letztes Mal in Belhaven. Ein letztes Mal mit einem Glas Aperol Spritz in der Hand.
Morgen fliege ich nach Paris, um Teil der Ballettkompanie der Opéra Garnier zu werden.
Wow. Ich kichere, weil sich der Satz auch nach Monaten noch völlig verrückt anhört, und bewege mich weiter im Takt der Musik. Die Lichter der alten Diskokugel tanzen auf dem Boden vor mir. Earl, der Keyboarder der Drunken Ducks, Belhavens stadteigener Band, deren Mitglieder hier in etwa so gefeiert werden wie One Direction in ihrer Prime, hat den Kopf auf einen der Tische gelegt und schnarcht vor sich hin.
Auf der Tanzfläche ist nicht mehr viel los. Nachdem die Band mir zuliebe ein Gracie-Abrams-Special hingelegt und am Ende sogar einen von mir geschriebenen Song performt hat, haben sich die meisten meiner Freunde verabschiedet.
Aber ich will nicht, dass der Abend schon endet. Ich will diese Version von mir noch nicht gehen lassen. Die Busty-Rusty-River. Die River, die hier jeder kennt, die an ihrem sechzehnten Geburtstag neben die Bar gekotzt und an ihrem siebzehnten zum ersten Mal geknutscht hat. Es war nicht besonders spektakulär. Das Knutschen, nicht das Kotzen. Viel feuchter als erwartet, als Billy Summers aus meinem Geschichtskurs mir zu Unholy die Zunge in den Hals gesteckt hat.
Ein Cocktail aus Wehmut und Melancholie wabert durch meine Brust. Nicht weil mir besonders viel an Billy Summers gelegen hätte – eher im Gegenteil, eine Woche später habe ich das Gleiche mit George Thatcher aus Mathe gemacht (weniger feucht, dafür zu viel Zahneinsatz). Nein, es ist der Gedanke, dass ich morgen einen großen und wichtigen Teil meiner selbst zurücklassen werde und noch keine Ahnung habe, wie Paris-River so sein wird. Ich weiß nicht mal, ob ich sie mögen werde, und das macht mir eine Scheißangst.
Hastig trinke ich einige große Schlucke Aperol. Keinen Bock, jetzt Angst zu haben. Keinen Bock, jetzt an morgen zu denken. Lieber noch für einige Stunde Busty-Rusty-River sein.
»Ahhh!« Mein erschrockenes Kreischen vermischt sich mit den Beats von Tate McRae. Schlanke Hände legen sich um meine Taille, und zarte Lippen drücken mir einen Knutscher in den Nacken.
»Fuck, ich werd dich so vermissen, du Nudel.« Florence ist nah an meinem Ohr, um gegen die Musik anzukommen, und drückt mich fest an sich.
»Laber nicht.« Ich löse mich aus ihrer Umarmung und drehe mich zu ihr. »Huch.« Kurz das Gleichgewicht verloren. Es dauert zwei Herzschläge, bis ihr Gesicht vor meinen Augen scharf geworden ist. Ich grinse sie an. Heute trägt sie die blaue Lockenperücke, die ich am liebsten an ihr mag, weil sie voll die Elfenvibes ausstrahlt. Aber auf eine coole, technomäßige Weise. »Du bist doch froh, wenn ich nicht ständig Klavier spiele und du endlich ungestört deine Animes gucken und Serienkillerpodcasts hören kannst.«
»WAS?«, schreit sie, weil Tate McRae meine Worte übertönt.
»Jetzt kannst du endlich deine Serienkillerpodcasts hören, ohne dass ich mich einscheiße vor Angst«, brülle ich zurück.
»Du scheißt dich ein?« Ihr Blick zuckt prüfend in Richtung meines Pos, und das ist so lustig, dass ich mich an meinem Lachen verschlucke. Vielleicht auch am Aperol, da bin ich mir nicht sicher.
»Was ist so lustig?« Rashid stellt sich neben uns und sieht fragend zwischen uns hin und her.
»River scheißt sich ein.« Florence kichert, und ich habe gar nicht erst damit aufgehört. Auch diese River will ich noch nicht loslassen. Die River, die ich mit Florence bin.
»Aha.« Rashid guckt verwirrt drein. Er ist noch neu in Belhaven, hat aber bereits gelernt, dass man manche Dinge nicht hinterfragen, sondern einfach hinnehmen muss. Ich umfasse seine Hände und tanze weiter, als jetzt Murder on the Dancefloor durch die stickige Luft des Pubs wabert.
»Wer ist das?« Rashid zeigt ungeniert auf jemanden, der irgendwo hinter meinem linken Ohr stehen muss. »Der Typ sieht aus, als würde er mich am liebsten abstechen.«
»Hm?« Ich drehe mich um.
»John McKane«, brüllt Florence an meiner Stelle. »So was wie Rivers …« Fragend schaut sie zu mir. »Ex-Freund?«
Ich zucke nur mit den Schultern und wende mich ab. »Keine Ahnung, warum er so guckt. Ich gehe nach Paris und er nach London, um Karriere zu machen. Das Ding weiterzuführen, das wir da am Laufen hatten, hätte keinen Sinn gemacht.«
»Weiß er das auch?«
»Was?«, schreie ich wieder.
»Ob er das auch weiß.« Florence hebt eine Augenbraue. »Er guckt nämlich wirklich so, als würde er gleich ein Verbrechen begehen.«
»Ach, mir egal.« John ist egal. Das, was war, ist egal, und das, was morgen ist, auch. Es zählt nur, dass ich jetzt hier bin und tanze und Orange schmecke und lache und dass Florence ihre schönste Perücke aufhat.
»Hast du wen Neues für die WG?«, fragt Rashid unvermittelt und lässt damit einen Klumpen in meinem Bauch heranwachsen.
Florence schüttelt den Kopf. »Ein heißer Student aus den Staaten wollte einziehen, aber seine Freundin ist jetzt schwanger.«
»Was?«, brüllt Rashid.
Florence winkt ab. »Nein, hab ich nicht.«
»Tsss, ich bin noch nicht mal weg, und ihr redet schon über meinen Ersatz«, tue ich beleidigt. »Heute Nacht bin ich noch hier.« Ich trinke die letzten Schlucke meines Aperol aus. »Was wollt ihr noch trinken?«
Meine Freunde tauschen einen Blick. »Hör mal, Riv …«, beginnt Florence zögerlich. »Morgen kommt ’ne Vertretergruppe von … keine Ahnung, irgendwas … in die Decantery. Da muss ich fit sein.«
»Du willst schon gehen?« Plötzlich wird mein Brustkorb von Abschiedsschmerz geflutet. »Aber es ist doch erst …« Mein Blick zuckt zur großen Uhr, die über dem Tresen hängt.
»Ein Uhr«, sagt Florence und verzieht entschuldigend den Mund. »Spät für einen Donnerstag.«
Meine Schultern sacken nach unten. »Das war’s also jetzt?« In meinem Hals formt sich ein Kloß. »Das war’s mit Florence und River?«
»Jetzt sei mal nicht so dramatisch.« Meine beste Freundin rollt lachend mit den Augen. »Ich komm dich in drei Monaten besuchen. Das wirst du schon schaffen.«
Ich nicke. Aber gerade fühlt sich nichts in mir danach an, als würde ich irgendwas schaffen.
Florence legt ihre Hände auf meine Schultern und sieht mich streng an. Dabei schüttelt sie mich ein bisschen, und das bringt mich erneut zum Kichern. »Das ist dein Traum, River! Du hast schon davon gesprochen, Tänzerin in Paris zu werden, als du an deinem dreizehnten Geburtstag alle gezwungen hast, diese weirde australische Tanzserie zu gucken.«
»Hey.« Streng hebe ich einen Zeigefinger. »Nichts gegen Dance Academy. Diese Serie ist meine Persönlichkeit.«
»Ich weiß.« Florence streicht mir eine Träne von der Wange. Oh, wo kommt die denn her? »Und weißt du, was? Ich werde sogar dein Geheule vermissen, wenn der eine stirbt.«
»Sammy.«
»Ja, Sammy.« Sie schließt die Arme um mich. »Mach’s gut. Schick mir unbedingt ganz viele Fotos!«
»Aber wehe, du klaust meine Idee und machst einen Insta-Account auf«, mischt Rashid sich ein.
»Laber keinen Mist.« Mit argwöhnischer Miene dreht sich Florence zu ihm. »Deine Idee ist einfach nur ein Abklatsch von Emily in Paris, der sich niemals durchsetzen wird.«
»Hä? Ein bodenständiger und hotter Pakistani auf einem Etepetete-Schuppen wie Marigold Manor? Das lieben die Leute, Florence. @rashidinbelhaven wird krass abgehen.«
»Mhm.«
»Du wirst schon sehen. Niemand will mehr das perfekte Leben dieser stinkreichen Fuzzis sehen.« Entschlossen nickt er.
»Redet ihr von mir?« Plötzlich steht Henry neben mir und grinst.
Sofort macht mein Herz eine Kapriole. Es hopst und hopst wie ein Kaninchen auf Koks. Das tut es immer, wenn er lacht. Oder mich ansieht. Oder dieses Ding mit seinen Haaren macht. Oder … Okay, mein Herz macht immer irgendwas, wenn Henry Audley in der Nähe ist.
Verknallt in den besten Freund. So ein bescheuertes Klischee.
»Florence will schon gehen«, sage ich schnell, werfe meiner Freundin einen halb ernst gemeinten bösen Blick zu und versuche wie immer, zu ignorieren, was unter meinen Rippen vor sich geht.
»Ähm …« Rashid kratzt sich etwas betreten dreinblickend am Kopf. »Ich würde dann auch …«
»Ist das euer Ernst?« Henry schüttelt missbilligend den Kopf.
»Ja, Henry«, sagt Florence nachdrücklich. »Es gibt Leute, die müssen morgen arbeiten.«
»Was für Loser.« Er zwinkert mir zu.
Herzkapriole. Ich schlucke und weiche seinem Blick aus.
»Lieber Loser als ein Audley-Bonze«, sagt Florence und streckt Henry die Zunge raus. Dann wendet sie sich wieder mir zu. »Dein Krönchen sitzt schief.« Mit einem traurigen Schimmer in den Augen rückt sie die glitzernde Plastikkrone zurecht, die sie mir für meine heutige Abschiedsparty verpasst hat. »Jetzt guck nicht so.«
»Wie denn?«
»Als würdest du gleich in Tränen ausbrechen.«
»Aber genau so ist es.«
»Nichts da.« Ungewohnt streng sieht sie mich an. »Morgen beginnt dein neues Leben, und du denkst nicht mehr an diesen stinkigen Pub.«
»Das hab ich gehört«, sagt Jen, die Mitinhaberin des Busty Rusty, die auf einmal hinter mir auftaucht.
»Das Herrenklo ist schon wieder verstopft, Jen«, sagt Florence ungerührt. »Das hier ist ein stinkiger Pub.«
»Ja, vielleicht.« Jen grinst und wirft mir plötzlich einen klobigen Schlüsselbund zu.
»Was soll ich damit?«
»Schließ ab, wenn du gehst. Ich muss ins Bett und irgendwie Earl dazu kriegen, das Gleiche zu tun.« Sie nickt zu der Drunken-Ducks-Ikone und schüttelt den Kopf. »Also jeder in sein eigenes natürlich«, ergänzt sie grinsend und deutet dann auf die Bar hinter mir. »Nimm dir, was du willst, River. Das ist mein Abschiedsgeschenk. Den Schlüssel kannst du mir nachher in den Briefkasten werfen.«
»Du vertraust mir das Busty Rusty an?« Ehrfürchtig starre ich erst auf den Schlüssel, dann auf Jen, die lächelnd nickt.
»OMG, River«, sagt Florence. »Das ist ’ne richtige Ehre.«
»Ich weiß!« Stolz recke ich den Schlüssel wie einen Pokal in die Luft. »Ich habe alles im Leben erreicht.«
Die Barbesitzerin lacht. »Fackel hier nichts ab, kleine Ballettprinzessin, und vergiss uns nicht in Paris.«
»Das könnte ich niemals.« Dieser stinkige Pub mit der besten Band der Welt ist so was wie mein zweites Zuhause. »Danke, Jen.«
Ich verabschiede mich von ihr, dann von Florence und Rashid.
Irgendwann ist der Pub leer. Da sind nur noch Henry und ich und das Konfetti auf dem Boden, das die Drunken Ducks bei ihrem großen Finale abgeschossen haben. Jen hat die Krise bekommen und sie schwören lassen, dass sie morgen zum Fegen auf der Matte stehen.
»Wir sollten auch gehen, hm?«, frage ich meinen besten Freund.
»Willst du das denn?« Er sieht mich an und macht diese Sache mit seinem Haar, bei der jedes Mal der Boden unter mir schwankt.
Ich überlege. Der Aperol kribbelt überall auf meiner Haut, und vielleicht kribbelt sowieso.
Weil Henry da ist.
»Nein«, sagen meine Lippen von ganz allein.
»Was willst du dann?« Warum klingt seine Stimme so kratzig? Und warum finde ich das wieder sexy?
»Ich will noch ein bisschen tanzen und Jens Vorräte leer trinken und nicht daran denken, dass sich morgen alles ändert.«
»Okay.«
»Okay?« Ich muss schmunzeln.
»Ich hab nichts vor morgen«, sagt er und zuckt mit den Schultern.
»Audley-Bonze.« Ich strecke ihm die Zunge raus.
»Immerhin ist da kein Job, der morgen auf mich wartet. Das Training kann ich absagen.« Er gräbt die Zähne in seine Unterlippe. Ich vergesse, wie man atmet.
»Okay.« Die zwei Silben kommen erstickt aus meinem Mund, wegen der Sache mit dem vergessenen Atem. »Lass uns bleiben.«
»Du kümmerst dich um die Musik, ich mich um die Drinks.« Er grinst. »Wünsche?«
»Hm.« Ich denke nach. »Kreier mir irgendwas, das macht, dass ich an nichts mehr denke.« Obwohl es um meine Denkfähigkeit ohnehin nicht mehr so gut bestellt ist. »Ich will nur fühlen.«
»Und was willst du fühlen?« Seine Stimme hat einen rauen, fast schon verheißungsvollen Ton angenommen, aber vielleicht ist das auch bloßes Wunschdenken.
»Diese Nacht, die Melancholie des Abschieds und dieses ganz bestimmte Busty-Rusty-Gefühl.«
Und dich. Mehr als alles andere dich. Aber Gott sei Dank habe ich noch genug Kontrolle, um das für mich zu behalten.
»Das ist ja sehr präzise.« Leicht belustigt rollt er mit den Augen. »Aber ich schau mal, was sich machen lässt.«
Während er zur Bar geht und sich an Jens Vorräten zu schaffen macht, gehe ich zu dem uralten Laptop, der mit der Musikanlage verbunden ist.
»Wünsche?«, rufe ich Henry zu, der gerade dabei ist, eine beängstigend große Menge Gin in ein Cocktailglas zu gießen.
»Mach was an, das mich vergessen lässt, dass meine beste Freundin morgen nach Paris abhaut.«
Mein Brustkorb zieht sich schmerzhaft zusammen.
Wegen Paris und wegen dem »beste Freundin«. »Hey! Neue Regel!«, sage ich und schiebe das drückende Gefühl in mir beiseite. »Wir reden nicht über Paris, oder nein … wir reden über nichts, was morgen ist.«
»Deal.« Es knallt. Henry hat eine Champagnerflasche geöffnet.
Ich scrolle mich durch Spotify und klicke irgendwann wahllos auf eine Don’t-think-about-tomorrow-Playlist.
Dance the Night von Dua Lipa wabert durch den Raum und kriecht unter meine Haut. Genau das will ich. Tanzen und lachen und nur Musik sein. Wie von selbst fange ich an, mich zu den Beats zu bewegen, und spüre dabei immer wieder Henrys Blicke auf mir, bis er irgendwann mit zwei Gläsern in der Hand auf mich zukommt.
»Einmal der Don’t Think.« Er drückt mir einen der Drinks in die Hand. »By Henry Audley.«
»Danke.« Ich halte die Flüssigkeit, die aus mir unerfindlichen Gründen lila ist, gegen das tanzende Licht der Diskokugel. »Auf was trinken wir?« Trotz aller Anstrengungen wäre es mir unmöglich, mich dem Bann seiner stechend blauen Augen zu entziehen.
»Auf diese Nacht.« Henrys Stimme ist belegt.
»Darauf, dass nichts zählt.« Meine auch.
Wir stoßen die Gläser aneinander. Don’t Think by Henry Audley läuft mir über die Hand. Ich lache laut und haltlos und lecke mir den Champagner von den Fingern.
Henrys Blick verändert sich auf eine Weise, die mein Herz wieder Kapriolen schlagen lässt.
»Und?«, fragt er und nickt zu dem Drink.
»Lecker.« Das ist eine Lüge. Es schmeckt ekelhaft.
»Du lügst. Es schmeckt ekelhaft.«
»Stimmt.«
Jetzt lachen wir beide. Lange und viel und so heftig, dass ich mich womöglich totlache.
»Hier.« Henry nimmt mir den Drink aka die nach Hustensaft schmeckende Plörre aus der Hand. Stattdessen holt er die offene Flasche Champagner.
Dance the Night wird zu Escapism von RAYE. Wir trinken abwechselnd Champagner, und ich ertrinke in seinem Blick.
Ganz von allein tanze ich wieder. Henry auch.
Wir berühren uns nicht, aber alles in mir sehnt sich danach.
Die Musik ist überall in mir, der Champagner sprudelt in meinem Bauch, und mit jeder Bewegung, mit jeder weiteren Sekunde, die ich in seinem Blick schwimme, wächst der Wunsch, von ihm berührt zu werden, ins Unermessliche.
Mein Herz hat längst einen Drehwurm vom Saltoschlagen.
Ich will nicht, dass diese Nacht endet. Niemals endet.
»Ich bin eifersüchtig auf die Leute in Paris«, sagt er plötzlich.
»Warum?« Meine Stimme zittert.
»Sie dürfen dich jeden Tag tanzen sehen, und ich liebe es, dich tanzen zu sehen.«
Herzkapriole, Herzkapriole, Herzkapriole.
»Henry?« Für das, was ich gleich sagen werde, gebe ich einzig und allein dem Champagner die Schuld. Okay, und den vielen Aperol Spritz davor.
»River?«
»Heute zählt nur diese Nacht, oder?«
»Nur diese Nacht.«
»Das, was morgen ist, ist egal, oder?«
»Komplett egal.«
»Dann …« Wie ferngesteuert und gleichzeitig sehr gesteuert, weil ich das hier seit Jahren will, mache ich einen Schritt auf ihn zu und lege eine Hand an seine Wange.
Blau, Blau, Blau überall.
»Dann …?« Die Silbe ist nur ein kratziges Hauchen.
»Dann küss mich jetzt, Henry Audley. Küss mich auf der Stelle, und dann … dann mach mit mir das, was wir beide seit einer Ewigkeit wollen.«
Seine Augen werden dunkel vor Verlangen. Er sagt nicht: Wir sollten das nicht tun, River. Er sagt nicht: Aber wir sind beste Freunde. Er sagt nicht: Es steht zu viel auf dem Spiel.
Nein.
Er sagt: »Fuck it«, und presst seine Lippen auf meine.
Dieser Kuss ist alles. Er ist stürmisch und wild und Ankommen und Mehrwollen und komplett anders, als ich es mir vorgestellt habe.
Besser.
So. Viel. Besser.
Da ist keine Zurückhaltung. Wir sind kein Crescendo, keine sich allmählich steigernde Melodie, nein. Wir sind ein explosiver und ohrenbetäubend lauter Paukenschlag.
Die Flasche Champagner fällt zu Boden und rollt … irgendwohin, mir egal. Alles ist egal, weil Henrys Lippen sich so weich und drängend auf meinen anfühlen. Seine Hände vergraben sich in meinem Haar, meine sich in seinem Hemd. Ich brauche mehr. Ich brauche alles.
Alles von ihm.
»Fuck, River.« Lustverzerrte Worte, die ich mit meinen Lippen auffange und die nach Henry schmecken.
Ich dränge mich ihm entgegen. Eine seiner Hände löst sich aus meinem Haar und umschlingt meine Taille.
Umschlingt mich ganz.
Brennendes Verlangen pocht unaushaltbar zwischen meinen Beinen. Fast schon wütend zerre ich an den Knöpfen seines Hemdes, bis ich den Bodenkontakt verliere. Oh, das tue ich wirklich. Henry hat mich hochgehoben und auf einem der Tische abgesetzt.
Im einen Moment wimmere ich, im nächsten stöhne ich laut und ungezähmt, weil sein harter Schwanz auf meine Mitte trifft und eine Welle der Erregung durch mich hindurchjagt, die mich zerreißt.
Mein Kopf zuckt nach hinten, und seine Lippen sind … überall. Auf Hals und Ohr und Schlüsselbein und unter meiner Haut.
Das ist doch nicht echt. Das kann unmöglich real sein. Gleich wache ich auf und habe ein gebrochenes Herz, weil es wieder nur ein Traum war.
»Henry?«
»Ja?«
Schneller Atem auf meiner Haut. Glasige Augen und bebende Hände.
»Ist das hier echt?« Vielleicht eine dumme Frage, aber ich muss es wissen.
»Das frage ich mich auch die ganze Zeit.«
Das ist lustig, irgendwie. Aber auch irgendwie nicht. »Das darf kein Traum sein. Dieses Mal nicht.«
»Es ist kein Traum.« Er fährt leicht mit den Lippen über die Stelle hinter meinem Ohr. »Das hier …«, ein leichtes Knabbern, »… und das hier«, Finger, die über die Innenseite meiner Oberschenkel streichen, »… ist viel zu krass, um ein Traum zu sein.«
»Hm«, mache ich und dann: »O Gott.« Henry reibt über den dünnen Stoff meiner Strumpfhose, reibt über meine Mitte, und ich … verliere den Verstand.
Das Stöhnen ist lauter als der Song der Don’t-think-about-tomorrow-Playlist im Hintergrund und entfesselt alles, was bis dahin noch in Ketten gelegen hat. Ich drücke den Rücken durch, und der Druck seiner Finger verstärkt sich. Blut rauscht in meinen Ohren, und ich bestehe nur noch aus zerfetzendem Verlangen.
Mehr, mehr, mehr, denke ich.
»Mehr«, sage ich.
Mehr Henry, weniger Stoff.
Ich zerre an den Trägern meines Kleides, dass der schwarze Satin mir auf die Hüften rutscht. Meine Nippel sind steinhart.
»Fuck.« Henrys Lider flattern. »Fuck, River, du bist …«, mit dem Daumen streicht er über die Spitzen meiner Brüste, »… du bist alles.«
Ich kann nichts erwidern. Das Verlangen hat meine Stimmbänder zerrissen und meinen Verstand spätestens jetzt ausgeschaltet, als Henry leicht in meine Nippel kneift und die Lust wie Stromstöße durch meinen Körper jagt.
Das Pulsieren zwischen meinen Beinen und der schmerzliche Wunsch, ihn endlich zu spüren,
bringen
mich
um.
»Henry.« Nur ein heiseres Flehen.
»Hm?«
»Wenn du mich jetzt nicht endlich fickst, gehe ich drauf, ich schwör’s.«
Seine Augen werden groß und noch dunkler. Fast schwarz. Mit beiden Fingern umklammert er den Bund meiner Strumpfhose und zerrt sie von meinen Beinen. Hastig und fahrig öffne ich seine Jeans. Seine Hand findet wieder den Weg zwischen meine Beine. Ich winde mich, keuche und kralle mich an der Tischplatte fest. Meine Schenkel zucken. Mein Innerstes auch.
Ein gieriges Stöhnen springt von Henrys Lippen auf mich über, als seine Finger durch mich hindurchgleiten. Ich bin klatschnass.
»River, du … du …« Ein blauer Sturm in seinen Augen.
»Bitte, Henry.« Ich kann nicht anders, als mich gegen seine Hand zu drücken, auch wenn ich etwas ganz anderes will. Wieder wimmere ich. Wieder glaube ich, dass ich den nächsten Atemzug nicht schaffe, weil die Lust alles in mir beherrscht. »Bitte«, flehe ich noch einmal.
Ich glaube, dass er stöhnt und etwas aus seiner Hosentasche zieht, aber sicher bin ich mir nicht. Da ist nichts mehr, dessen ich mir sicher bin, außer der Tatsache, dass ich sterbe, wenn ich ihn nicht endlich spüre.
Mein Slip, den ich ganz vergessen hatte, landet auf dem Boden.
Dann spüre ich ihn. Spüre seine Spitze an meiner Mitte.
Alle meine Muskeln sind vor Verlangen angespannt. Würde meine Brust sich nicht dermaßen schnell heben und senken, wüsste ich nicht, ob ich noch atme.
Er hält inne und sieht mich an.
Sturmblaue Augen.
Die Lippen leicht geöffnet.
Das blonde Haar zerzaust.
Und plötzlich ist mir egal, ob das hier ein Traum oder die Wirklichkeit ist.
»River.«
»Henry.«
Der Klang unserer Namen vereint sich zu reiner Harmonie. Wie ein C-Dur-Akkord. Wie unsere Atemzüge und das Klopfen unserer Herzen.
Dann gleitet er in mich.
Ich seufze. Er auch. Wir sehen uns immer noch an und können vielleicht beide nicht glauben, dass das hier echt ist. Dann zieht er sich leicht zurück und stößt wieder in mich.
Heftiger, intensiver.
Mein Stöhnen ist nicht von dieser Welt. Seine Hände, die mich festhalten, sind nicht von dieser Welt. Es kann sein, dass wir nicht mehr von dieser Welt sind, aber auch das ist egal.
Henrys Atem geht stockend, seine Gesichtszüge entgleisen ihm bei jedem Stoß mehr. Ich will nichts davon verpassen. Will keine Millisekunde dessen verpassen, wie Henry wegen mir in Ekstase gerät, aber es grenzt ans Unmögliche, gegen das Flattern meiner Lider anzukämpfen.
Er füllt mich aus, ist tief, tief, tief in mir und trifft immer wieder diesen einen Punkt, der mich in den Wahnsinn treibt.
Meine Fingernägel graben sich in seine Haut.
Er zerrt an meinem Haar.
Die Lust peitscht durch mich hindurch wie der Sturm in seinen Augen, packt mich, treibt mich höher und höher, bis ich nichts mehr spüre außer ihn.
»Henry, ich …«, bringe ich unter größter Anstrengung hervor. Er stößt wieder in mich, sieht mich an, sieht, wie ich mich vor Verlangen auflöse und dass er daran schuld ist.
»Fuck, River.«
Dieses Fuck, dieser eine kleine Fluch, der Beweis seines Kontrollverlusts, gibt mir den Rest.
Der Sturm wird zu einem Hurrikan und reißt mich mit sich.
Und ich komme. So weltenzerbrechend intensiv wie noch nie.
Mein gesamter Körper, jeder Muskel, jede Zelle, jeder noch so kleine Gedanke bebt.
Irgendwo dazwischen höre ich Henrys Stöhnen und spüre, dass er in mir zuckt. Wieder sehen wir uns an. Das Sturmblau ist jetzt leicht verhangen und benebelt.
Und während er noch in mir verharrt und mich auf diese Weise ansieht, die mich alles vergessen lässt, sogar mich selbst, tue ich etwas ungeheuer Dummes.
Etwas Don’t-think-about-tomorrow-Mäßiges.
Etwas, von dem ich eigentlich schon wusste, dass ich es tun würde.
»Henry?«
»Ja?«
»Ich bin verliebt in dich.« Weird, das auszusprechen. »Schon lange.«
Henry schluckt und sieht weg. Ein feiner, aber ungeheuer schmerzhafter Riss zieht sich durch mein Herz.
»River, ich …« Pause.
River, ich … Pause.
Kein Ich bin auch in dich verliebt.
Kein Lächeln.
Mein Herz knackst. Meine Rippen ziehen sich zusammen.
Alles wird eng.
Er löst sich von mir. Ich kann mich nicht bewegen. Bin auf diesem Tisch festgeklebt, mit gespreizten Beinen und frei gelegten Brüsten.
Ich kann ihn nur dabei beobachten, wie er das Kondom entfernt und seine Hose zuknöpft.
»Sorry.«
Dann geht er.
Ich sitze auf dem Tisch. Immer noch nackt. Immer noch verletzlich.
Die Tür des Busty Rusty fällt ins Schloss. Ich starre ihm nach.
Sorry
Sorry
S O R R Y
Fünf Buchstaben, die mir das Herz aus der Brust reißen und es zu einem blutigen Fleischklumpen zerquetschen.
Fuck, was habe ich getan?
Fuck, wie sehr kann man sich eigentlich selbst hassen?
Brokenhearted tears are still on my skin
I try to forget our beautiful sin
I try to be still, try to be strong
I scream to heaven: »How long to move on?«
(Sterling, River. »absolute«)
Sechs Monate sind vergangen, seit bekannt wurde, dass sich hinter der schillernden Fassade von Marigold Manor, Englands berühmtestem Gestüt, ein System verbarg, das zahlreiche Sexualstraftäter schützte. Mutmaßlich darin verwickelt war niemand Geringeres als der Duke of Lancaster (hier klicken für: Marigold Missbrauch – Die dunklen Hintergründe einer Dynastie).
Strafrechtlich gab es für ihn und die anderen Mitglieder des sogenannten Duke’s Club bislang keine Konsequenzen, da die Verteidigung dem Gericht glaubhaft versichern konnte, dass sämtliche Handlungen stets in allseitigem Einverständnis geschahen. Die feministische Meinungsbloggerin @maureenmywords nannte das Urteil »eine Beleidigung und Verhöhnung der Opfer« und empfahl dem Gericht, sich mit den Strukturen institutionellen Machtmissbrauchs auseinanderzusetzen.
Auch wenn er vor Gericht freigesprochen wurde, so wurde dem Duke of Lancaster zumindest die Leitung des Gestüts entzogen. Doch was hat sich seitdem verändert? Ist etwas Neues aus den Trümmern entstanden, die Golden Boy Aiven Audley und seine einstige Konkurrentin Lola Dixon durch das Aufdecken des Skandals hinterlassen haben?
Auf den ersten Blick scheint dem tatsächlich so. Die Gesamtleitung obliegt inzwischen Harriet Audley, der Duchess of Lancaster. Zudem wurden sämtliche Führungspositionen weiblich besetzt, und es werden in regelmäßigen Abständen Wohltätigkeitsveranstaltungen ausgerichtet, die zur Aufklärung ähnlicher Missstände beitragen sollen. Auch heute Abend lädt die Duchess zu einer Charity-Auktion auf das Anwesen ein, deren Einnahmen der Initiative Marigold gegen Missbrauch zugutekommen sollen. Offenbar weht auf dem berühmtesten Gestüt des Landes tatsächlich ein neuer Wind.
Nur einer scheint bei der Aufpolierung des Images nicht so recht mitmachen zu wollen: Henry Audley, der Adoptivsohn der Duchess und Bruder des Golden Boy. Seinem Ruf als Fuckboy und Herzensbrecher wird der 25-Jährige aktuell nahezu täglich gerecht. »Lieber würde ich ein Jahr Social Media Detox machen, als noch einmal im selben Raum zu sein wie dieses Arschloch«, sagt zumindest Rayna Cook, eine seiner ehemaligen Pas-de-deux-Partnerinnen. »Dieser Kerl ist eine absolute Red Flag.«
Kein Wunder also, dass Audleys Partnerinnen auf seiner Stute Azalea häufiger wechseln, als es seiner Trainerin lieb sein dürfte. Wer einen Blick auf Audleys jüngste Platzierungen wirft, dem wird schnell klar, dass ein wenig Beständigkeit mit Sicherheit von Vorteil wäre. Deshalb sind wir umso gespannter, wie lange seine aktuelle Partnerin Kiley Bradfield durchhält, denn Gerüchten zufolge kriselt es auch zwischen ihnen bereits gewaltig.
Wenn Cressida Crowley wütend auf dich ist, spürst du es innerhalb einer Sekunde.
»Henry Audley!«
Jep, sie ist scheiße wütend. Ihre Schritte hallen aggressiv von den Wänden der Reithalle wider, in der gerade unser Training stattfinden sollte.
»Ja?« Ich lasse von Azie, meiner Stute, ab und drehe mich zu ihr um. Fuck. Der Blick meiner Trainerin ist schärfer als jedes Skalpell, das sie gerade mit Sicherheit gerne hätte, um mich aufzuschlitzen. Ihr schulterlanges dunkles Haar steht an einer Seite etwas ab. Wahrscheinlich hat sie es sich angesichts meiner Schandtaten mehrfach gerauft, bevor sie hier hereingestürmt ist, um mich anzupampen.
»Du lernst es nie, was?« Mit hochrotem Kopf bleibt sie vor mir stehen.
»Was meinst du?«, tue ich ahnungslos, auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, zu wissen, was jetzt kommt.
»Kiley ist weg.«
»Nein, wirklich?« Möglichst überrascht reiße ich die Augen auf und schlage mir die Hand vor den Mund.
»Sie stand vor einer halben Stunde mit gepackten Koffern vor mir, hat geheult wie ein Baby und immer wieder ›Henry ist so gemein‹ geschluchzt.«
Mist. Ich schlucke und weiche ihrem Blick aus. »Also was das angeht …« Der Rest des Satzes knickt ab. Was soll ich ihr auch sagen? Dass mir klar war, dass Kiley mehr für mich empfindet? Dass ich wusste, dass sie sich mit ihrem »Natürlich« als Antwort auf mein »Es ist aber nichts Ernstes« nur selbst etwas vormacht? Dass ich sie trotzdem gebumst habe, weil ich ein gottverfluchtes Arschloch bin?
Nein. Zumal ich glaube, dass Cressida das ohnehin weiß.
»In einem guten halben Jahr findet der Silver-Crown-Cup statt.« Sie stemmt die Arme in die Seiten und sieht mich so abschätzig an, wie ich es verdiene.
»Ich weiß.«
»Bei der WM dieses Jahr bist du noch mal wievielter geworden?«
»Zwölfter.«
»Und das war was?«
»Eine absolute Blamage, weil ich der Titelverteidiger war.« Wahrscheinlich sollte ich mehr fühlen, wenn ich über all das spreche. Wenn ich zugebe, dass ich meine Chance, in dieser einen Sache mal keine Enttäuschung auf zwei Beinen zu sein, verpatzt habe, wie ich eben alles verpatze. Aber ich bin es so sehr gewohnt, zu versagen, dass es irgendwann aufgehört hat, mich zu jucken.
»Ganz genau!« Cressidas Wangen glühen. Offenbar juckt es sie gewaltig. »Wenn wir nicht noch einmal ganz von vorn anfangen müssten, würde ich dich als Einzelvoltigierer trainieren, da du ganz offensichtlich nicht teamfähig bist.« Sie seufzt und reibt sich einmal über die Stirn. »Aber da das nicht geht, werde ich mich jetzt auf die Suche nach einer neuen Partnerin für den Pas de deux begeben.«
»Jippie«, presse ich tonlos hervor.
Eine neue Partnerin – eine neue Chance, es zu versauen. Same precedure as every paar Monate.
»Und eins sage ich dir.« Drohend hebt sie den Zeigefinger, die wachen, katzenartigen Augen zu Schlitzen verengt. »Wenn du auch nur einen versauten Gedanken an sie verschwendest, kündige ich.«
»Okay«, sage ich – auch wie jedes Mal. Diese Drohung spricht Cressida schon aus, seit sie vor vier Jahren meine Trainerin geworden ist. Wahr gemacht hat sie sie nie. Keine Ahnung, was meine Mutter ihr zahlt, damit das so bleibt. Ist mir eigentlich auch egal. Schulterzuckend sehe ich sie an. »Trainieren wir jetzt?«
»Macht ohne Partnerin wohl keinen Sinn, oder?« Weiterhin vor Zorn bebend kneift sie die Augen zusammen. »Du kannst eher deine Selbstbeherrschung trainieren.«
Ich unterdrücke ein Augenrollen. »Gut, dann gehe ich ins Gym.«
»Tu das, und heute Abend erwarte ich dich in Amber Hall.«
O nein, bitte nicht. »Warum das denn?«
»Weil die Charity-Auktion deiner Mutter stattfindet und wir irgendwas tun müssen, um dich als was anderes als eine wandelnde Red Flag zu präsentieren.«
»Red Flag?« Ich grinse, weil das besser ist, als zu weinen. »Für Anfang vierzig hast du den TikTok-Slang meiner Generation echt drauf.«
Sie starrt mich für eine Sekunde schockiert an und schnalzt dann genervt mit der Zunge. »Dein Ruf ist am Arsch«, sagt sie, und ich entscheide mich, darauf nichts zu erwidern. »Was dafür sorgt, dass uns potenzielle Partnerinnen nicht gerade die Bude einrennen.«
Besser für sie.
»There’s no such thing as bad publicity, oder nicht?« Mein Grinsen prallt an Cressida ab wie ein Gummiball an einer Mauer.
»Lass den Scheiß.«
»Ist ja gut.« Ich bemühe mich um einen ernsten Gesichtsausdruck und hebe die Hände. »Und die potenziellen Partnerinnen laufen scharenweise auf dieser bescheuerten Auktion rum, oder was?«
»Nein.« Sie seufzt schwer. »Aber die Presse wird da sein, also tu mir den Gefallen und lass ein paar hübsche Fotos von dir machen, wie du Geld für die Stiftung spendest, verstanden?«
Immer wieder eine Freude, festzustellen, wem diese Charity-Geschichten wirklich nützen. »Ja, Ma’am«, sage ich trotzdem, salutiere und verkneife mir einen weiteren schnippischen Kommentar.
»Gut.« Ohne mich eines weiteren scharfen Blickes zu würdigen, dreht sie sich um und stapft davon.
Ich streichle Azalea über den Hals und führe sie dann aus der Reithalle in Richtung der Stallungen. Der Himmel über Marigold Manor ist wolkenlos. Die weiße Fassade des Herrenhauses kommt mir noch strahlender vor als sonst. Irgendwo zwitschert ein Vogel. Das alles ist so ekelhaft idyllisch, dass ich lieber den Boden vor mir anstarre.
»Anscheinend hast du Glück und kannst noch ’ne Runde chillen«, sage ich zu der Stute, als wir die zwei steinernen Pferde passieren, die in einem ebenso ekelhaft idyllischen Springbrunnen stehen und die ich vor Ewigkeiten mal Heidi und Tom getauft habe. »Vielleicht kannst du das eine ganze Weile.« Azalea schnaubt. »Denn offensichtlich gibt es da draußen keine Frau mehr, die so dumm ist, sich auf Fuckboy Henry Audley einzulassen.«
Mein Herz verkrampft sich bei der Bitterkeit meiner Worte und dann noch einmal, weil im Stall schon jemand ist.
Jemand mit weißblonden Haaren und einem Lachen, das ich unter Tausenden wiedererkennen würde. Jemand, der ebenfalls so dumm war, sich auf Fuckboy Henry Audley einzulassen, und es jetzt mit Sicherheit bereut.
»Hi.« Als sie sich zu mir umdreht, klingt ihre Stimme zaghaft und vorsichtig. Das tut sie immer, seit sie vor gut einem Jahr aus Paris zurückgekommen ist.
»Hi.« Ich hebe die Hand und versuche, die Unbeschwertheit heraufzubeschwören, die früher zwischen uns geherrscht hat.
Es klappt nicht.
Wie immer klappt es nicht. »Kiley ist weg?« Sie verzieht die Lippen zu einem schiefen Lächeln.
Shit. Ihre Augen sind riesig und klar, wie die einer Disney-Prinzessin. Natürlich kenne ich ihre Augen. Natürlich weiß ich, wie schön sie sind. Und natürlich trifft es mich jedes Mal aufs Neue unvorbereitet.
»Du hast Cressida bis hierher brüllen gehört?«
»Jep.«
Ich schweige, River schweigt, und alles zwischen uns ist schwer und krampfig. Ich vermisse, wie es mal war. Ich vermisse die River von früher. Die, die sie war, bevor das zwischen uns passiert ist und ich sie ganz Red-Flag-Fuckboy-mäßig stehen gelassen habe.
»Bist du heute in Amber Hall?«, frage ich, um irgendwas zu sagen.
River lacht auf. »Bist du bekloppt? Als ob sie jemanden wie mich dort haben wollen.«
Jemanden wie mich. Sie sagt das, als wäre sie weniger wert und nicht eine Million Mal besser als die Leute, die heute Abend zu Gast sein werden. Ich ziehe die Unterlippe zwischen die Zähne und atme durch die Nase aus. »Marigold Manor hat sich verändert«, sage ich dann.
Nur ich bin gleich geblieben.
»Na ja.« Sie zuckt mit den Schultern. »Also es ist schon mal ein riesiger Fortschritt, dass deine Mutter jetzt die Leitung inne- und den Duke’s Club zur Hölle geschickt hat, aber elitär und abgehoben ist es immer noch.«
»Stimmt.« Ich schlucke. »Schade, dass du nicht dabei bist.« Das Mit dir ist jeder Abend besser und ich vermisse uns jede Sekunde denke ich mir nur. »Hast du was anderes vor heute Abend?«
River sieht zu Boden. »Ach, Florence hat bis neun Schicht, und danach wollten wir ins Busty Rusty. Wie jeden Freitag.«
Wieder zieht sich mein Herz schmerzhaft zusammen. »John ist auch da, nehme ich an?«
»Ja, John ist auch da.«
John McKane. Ed Sheeran auf Wish bestellt. Rivers Ex-Freund und gleichzeitig ihr Fast-wieder-Freund. Ich hasse diesen Typen, auch wenn ich kein Recht dazu habe.
»Okay, dann viel Spaß«, bringe ich trotzdem irgendwie hervor und zwinge mich zu etwas wie einem Grinsen.
»Dir auch. In Amber Hall und so.«
»Danke.«
Wir gehen aneinander vorbei, ohne uns noch einmal anzusehen. So ist das jetzt zwischen uns. Verkrampft, oberflächlich, beschissen.
Weil ich nicht Ich bin auch verliebt in dich, sondern Sorry geantwortet habe.
Weil ich, Red-Flag-Fuckboy Henry Audley, es verkackt habe.
Wie eigentlich immer.
»Ich glaube, wenn Harriet sich früher von unserem Adoptivvater getrennt hätte, hätte sie ’ne Menge Geld in Sachen Beauty-OPs gespart«, wispere ich meinem Bruder Aiven zu.
Er grinst. Nebeneinander stehen wir in Amber Hall und schauen unserer Adoptivmutter dabei zu, wie sie ein unglaublich hässliches Gemälde für unglaublich viel Geld an den Mann bringen will.
Das Licht der unzähligen Kerzen spiegelt sich in den bodentiefen Fenstern des Ballsaals und den Gläsern der riesigen Champagnerpyramide, die neben der Bar steht. Ein Quintett spielt einen Song, den ich nicht kenne, der sich aber nach hochtrabendem Klassik-Gefiedel anhört. Um uns herum tummeln sich Menschen in Kleidern und Smokings, die für die Kameras der verschiedenen Zeitungen immer wieder Dinge wie »Für so eine wichtige Sache spende ich doch gern« oder »Man darf bei so etwas nicht mehr wegschauen« von sich geben. Dabei ein falsches selbstloses Lächeln, das vertuschen soll, dass sie genau das alle getan haben.
Ich blicke zur Duchess of Lancaster oben auf der Bühne. Meine Mutter, auch wenn es sich superkomisch anfühlt, sie so zu nennen. Auch an ihr klebt die Schuld wie eine zähe schwarze Masse. Niemals im Leben war sie so ahnungslos, wie sie jetzt tut. Wie sie da oben steht und lächelt und einen auf Charity-Mutter-Theresa macht. Das macht dich nicht weniger schuldig, schicke ich in Gedanken zu ihr rüber. Mach dir nur selbst was vor. Du hängst da genauso mit drin wie wir alle. Wie ich.
Ich habe keinen Bock mehr auf dieses Getue. Zähneknirschend nehme ich einen Schluck Rotwein. Er schmeckt scheiße. Als würde ich an einem Stück Holz nuckeln.
»Hat Florence Corona oder so?«, frage ich an Aiven gerichtet.
»Wieso?« Verwirrt dreht er sich zu der Sommelière um, die hinter der Weinbar steht. Als sie unsere Blicke bemerkt, zwinkert sie uns zu. Eine blonde Haarsträhne der strengeren Perücke, die sie meistens auf der Arbeit trägt, fällt ihr ins Gesicht. Aiven winkt ihr und wendet sich dann wieder mir zu. »Keine Ahnung, was du meinst. Sie wirkt doch fit.«
»Ja, aber der Rotwein schmeckt kacke.« Missmutig schwenke ich die Flüssigkeit in meinem bauchigen Glas.
»Welchen hast du?« Aiven nimmt mir den Wein aus der Hand und riecht daran.
»Keine Ahnung. Irgendeinen halt.« Für jemanden, der in der High Society aufgewachsen ist, habe ich erstaunlich wenig Plan von gutem Wein.
Aiven sieht mich mit zusammengezogenen Augenbrauen an und nimmt einen Schluck. »Schmeckt normal. Genau so muss ein guter Spätburgunder schmecken, Henry.«
»Okay.« Mir könnte der gute Spätburgunder auch nicht egaler sein. Schulterzuckend nehme ich zwei weitere Schlucke, in der Hoffnung, dass sich so schnell wie möglich der mir bekannte Nebel in meinem Kopf ausbreitet, der das alles irgendwie erträglicher macht.
»Also …« Aivens Stimme hat einen Ton angenommen, der ganz und gar unerträglich ist. »Ich hab gehört, dass du Kiley vergrault hast.« Dass er kein bisschen überrascht klingt, trifft mich irgendwie unvorbereitet. Genau wie die missbilligende Miene, mit der er mich jetzt beäugt.
»Hab ich wohl.« Weil ich ein gottverdammter Wichser bin, schiebe ich in Gedanken nach. Wie dieser beschissene Spätburgunder, der endlich dafür sorgen soll, dass solche Sätze es nicht mehr in meinen Kopf schaffen.
»Hast du wieder mit ihr geschlafen und ihr das Blaue vom Himmel versprochen?«
»Wow, Taktgefühl war noch nie deine Stärke.« Ich schaue demonstrativ nach vorn, weg von der Enttäuschung in den Augen meines Bruders, die mich mehr schmerzt, als ich zugeben will. Um irgendwas zu tun, nicke ich zur Bühne. »Was soll das denn sein? Ein überfahrenes Stinktier?«
»Was?«
»Das Bild.«
»Ach so. Keine Ahnung.« Ich höre ihn seufzen, sehe ihn aber immer noch nicht an. »Was ist das jetzt mit Kiley?«
»Nichts.« Kann er nicht endlich seine Schnauze halten?
Jemand bietet 1900 Pfund für das überfahrene Stinktier.
»Mann, Henry.« Er knufft mir in die Seite. »Vor ’nem halben Jahr, als ich mit meinem Kram so gestruggelt habe, hast du dich auch immer geärgert, wenn ich mit nichts geantwortet habe.«
Er nervt. Das tut er in letzter Zeit ständig. Andauernd will er mit mir über Dinge reden, über die ich ganz sicher nicht reden will. Ich glaube, es liegt an Lola. Sie hat ihn auf diese Gefühlsschiene gebracht, und jetzt kommt er da nicht mehr runter.
»Also?« Wieder diese nervig-weiche Stimmlage.
»Also was?«
»Was war da jetzt mit Kiley?«
Meine Fresse.
Ich drehe mich zu ihm um und sehe ihm direkt in die Augen. »Sie war in mich verknallt, ich hab ihr gesagt, dass ich nichts Ernstes will, sie meinte okay, und wir haben gefickt. Danach war sie dann komischerweise total überrascht davon, dass ich wirklich nichts Ernstes will, und ist mit gebrochenem Herzen abgehauen.«
So.
Wenn er nicht lockerlässt, kriegt er halt die Wahrheit. Muss er mit klarkommen.
»Oh«, macht Aiven.
Ja, oh.
»Noch Fragen?« Herausfordernd hebe ich eine Augenbraue.
»Ja.« Er weicht meinem Blick nicht aus. »Warum bist du so ein Arsch?«
Ich schweige.
»Mr Audley, haben Sie Zeit für ein Interview?« Plötzlich steht eine blonde Journalistin vor uns. Nein, vor Aiven. Mit dem Rücken zu mir. Ich fühle mich wie ein schimmliges Stück Käse, das abschnitten wurde, um den Rest nicht zu verseuchen.
»Ich bedanke mich für Ihr Interesse«, sagt der perfekte Aiven mit der perfekten Mischung aus höflich und bestimmt. »Aber ich habe in einer Stunde einen Slot für Interviews eingeplant, dafür können Sie sich gern anmelden.«
Die Journalistin bedankt sich und geht, und Aiven wendet sich wieder mir zu, als wäre nichts gewesen. »Und warum machst du immer wieder den gleichen Fehler?«
Ich schweige weiter. Das überfahrene Stinktier geht für stabile 5000 Pfund weg.
»Henry?« Sein Blick wird eindringlicher. Die Wirkung des Rotweins lässt immer noch auf sich warten.
»Was willst du von mir hören, Aiven?«
»Ich will gar nichts von dir hören, ich will wissen, was dein Problem ist.«
Ein weiterer Reporter kämpft um Aivens Aufmerksamkeit. Wieder wimmelt er ihn mit einer perfekten Antwort ab.
Ich will nur noch hier weg.
Beladen mit drei Champagnergläsern, kommt Lola auf uns zu und sieht skeptisch zwischen mir und Aiven hin und her. »Was ist denn hier los?«
»Henry hat wieder mit seiner Partnerin geschlafen, und jetzt ist sie weg.« Die zwei tauschen einen Blick, der mir gar nicht gefällt.
»Oh no.« Lola sieht mich bestürzt an. »Ich mochte Kiley. Sie war cool.«
»Hm«, mache ich mürrisch. Keine Ahnung, ob Kiley cool war. Sie war lustig und hatte gute Ideen für die Kür. Ich glaube, dass sie wirklich dachte, in mich verliebt zu sein, aber eigentlich nur die sein wollte, die den wilden Fuckboy zähmt. Dass sie diejenige ist, für die ich mich ändere. Wie so viele. Habe ich mich jemals geändert?
Nope.
Hat mich jemals jemand wirklich geliebt?
Auch nope.
Obwohl, River vielleicht. Damals im Busty Rusty. Als in ihren Disney-Augen ehrliche Liebe geschimmert und mir das eine Scheißangst eingejagt hat.
Sorry.
Fünf beschissene Buchstaben, mit denen ich alles kaputtgemacht habe. Das mit ihrem Verliebtsein hat sich inzwischen erledigt. Immerhin hat sie jetzt John.
Gott. Ich hasse diesen Typen wirklich.
Ich stürze den Rest des Rotweins hinunter und stelle das Glas auf das Tablett einer Kellnerin, die gerade an uns vorbeirauscht.
»Danke für den Nachschub.« Sofort nehme ich Lola das Glas Champagner aus der Hand. Wieder tauschen sie und Aiven diesen Blick. Sie nerven mich beide gewaltig.
»Ich gehe mal Florence Hi sagen und frag sie, was das für ein beschissener Rotwein war, den sie mir da angedreht hat.«
