McCooper3 - Tom Crady - E-Book

McCooper3 E-Book

Tom Crady

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Beschreibung

Freundschaftlicher, hungriger und französischer geht es zu in McCoopers neuen Fall in Paris. Maverick und er rühren in der versalzenen Suppe der Korruption und kochen ein paar Schlitzohren auf. Gleichzeitig pflegen sie neue Freundschaften und andere Symbiosen auf weniger englische Art. Keineswegs auf der Strecke bleibt dabei die Beantwortung der Fragen: Mord unter Hypnose - wer ist der Täter? Muss man auf falsche Sirenen reagieren? Kennt meine Leserschaft noch Faxgeräte und Ist der knallharte Detektiv des CID nur eine Farce und McCooper doch nur ein Lebemann, Musiker und Koch, wie Maverick behauptet? Und: Was trägt Nadelstreifenanzug-träger Maverick privat? McCooper entdeckt während seines Urlaubs in der Stadt der Liebe nicht nur seine neue Passion zum Kochen, sondern riecht auch einen ganz anderen Braten, der dort fast unmerklich auf kleiner Flamme vor sich hinbrodelt. Er wirft ordentlich Salz in die Suppe der Korruption und beweist, dass er nicht nur in der Küche nichts anbrennen lässt. Zwischen Chardonnay und Curare ermitteln Maverick und er in den höchsten politischen Kreisen – mitten im Wahlkampf. Die Working-Class-Heroes der WG, in der sie dank Kiki – Jacks Freundin – wohnen, stehen ihnen dabei zur Seite. Jack hilft ihnen, über den Tellerrand zu schauen, damit sie sich ihren tatsächlichen Herzensangelegenheiten widmen. Doch kann McCooper wirklich allen helfen? „Es steht schlecht um die Demokratie, wenn sich jeder nur Freiheiten herausnimmt.“ Helmut Schmidt, ehem. deutscher Kanzler

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 215

Veröffentlichungsjahr: 2026

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McCooper Berufung Detektiv

Band 3 -Herzensangelegenheiten- von

Tom Crady

@ 2026 Tom Crady

Lektorat: Peter Benesch

Coverdesign: Daniela Stochlinski

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice",

Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

ISBN

Softcover 978-3-384-76704-2

Ebook 978-3-384-76705-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für den Inhalt ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter

tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Inhalt

Cover

Titelblatt

Impressum

Danksagung

Sebastien

Marie

Juliet

Maurice

Kikijou

Jack

Maurice

Jack

Maverick

Jack

Maverick

Jack

Maurice

Jack

Maverick

Maurice

Bernard

Jack

Maurice

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Maverick

McCooper3

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Titelblatt

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Danksagung

Ich danke Eric „Maverick“ Edelbauer, dem Miterschaffer des Detektivs McCooper sowie der Figuren Maverick Jones und Kikijou.

Außerdem geht mein Dank an all jene, die mich in den letzten zwanzig Jahren in den unterschiedlichsten Situationen dazu inspiriert haben, dieses Buch zu schreiben.

Sebastien

Ein Rascheln weckte mich.

Ich erschrak, denn es klang wie eine Maus oder vielleicht sogar eine Ratte. Trotz meiner Angst vor Ratten öffnete ich die Augen.

Ich lag am Boden. So viel war klar. Am harten, asphaltierten Boden. Mehr wusste ich aber gerade auch nicht. Direkt vor mir war eine Seite einer Tageszeitung, die prompt vom Wind weitergetragen wurde. Gerade konnte ich noch erkennen, dass Sonntag war. Die Kühle des Morgenwindes war es dann auch, die mich zwang, auf die Beine zu kommen. Doch ich konnte mich kaum rühren. Mir tat alles weh.

Ich hatte das dumpfe Gefühl, dass das nicht nur von meinem unfreiwilligen Schlafplatz herrührte.

Ich setzte mich unter Schmerzen auf und hielt mir den Kopf.

Was war passiert? Wo war ich?

Ich schaute mich um und versuchte mich zu erinnern.

Mir fiel nichts auf. Es gab keinen Anhaltspunkt, der mich irgendwie an etwas erinnern ließ. Ich befand mich auf jeden Fall in einer Seitengasse.

Ich spürte ein Ziehen im Brustkorb. Ich zog meinen Pullover nach oben und suchte meinen Oberkörper nach blauen Flecken oder ähnlich Ungewöhnlichem ab, fand aber nichts. Ich wurde also auch nicht zusammengeschlagen. Ich tastete mein Gesicht ab und mir fiel auf, dass ich gerade eigentlich auch gar nicht wusste, wie ich aussah.

Ich musste mit Erschrecken feststellen, dass ich mir momentan gar nicht vorstellen konnte, wie ich aussah. Ich wusste gar nicht, wer ich war.

Demnach würde es auch keinen Sinn machen, in die Hosentaschen zu schauen, weil ich nicht mal wissen würde, ob mir etwas fehlt. Aber ich tat es. Meine Taschen waren leer. Kein Ausweis.

Ich spürte den Durst. Ich hatte definitiv schon länger nichts getrunken. Ich war sicher ordentlich dehydriert, was auch immer passiert war. Ich mobilisierte meine ganzen Kräfte und versuchte auf die Beine zu kommen. Ich taumelte bis zum Ende der Gasse und stand an einer gepflasterten Straße. Sie sah recht pittoresk aus.

Ich fragte mich zum einen, wer ich war, dass ich solche Worte kannte, und zum anderen, wo ich war.

Ich suchte mir eine Richtung aus und ging ein paar Meter. Ich glaubte, ich war hier schon öfter, es roch vertraut. Rue Norvins las ich. Ich hatte ein fotografisches Gedächtnis, das schien hier von Vorteil zu sein. Mir kamen Fetzen von Gedanken vor mein geistiges Auge, die mich an diese Gegend erinnern sollten. Ich konnte sie nur noch nicht ganz greifen.

Ein paar Leute kamen mir entgegen, ich war aber noch nicht bereit, jemanden zu fragen, wo ich war.

Konnte ich überhaupt reden? Ich hatte noch nichts gesagt. Welche Sprache würde es sein? Ich weiß, ich denke Französisch, aber nichts war mir irgendwie sicher gerade. Würde man mich verstehen?

Es war hier definitiv mehr als ein Riesen-Hangover.

So viel war klar. Ich hatte komplette Zweifel zu meiner Person. Aber ich versuchte, einen Gedanken zu formulieren. Ich sprach Französisch.

Die Wahrscheinlichkeit, in Frankreich zu sein, war deswegen recht hoch, da „rue“ auch Französisch war. Ich ging auf einen Platz zu, von dem viele Menschen strömten und auch von anderen Gassen herkamen. Ich sah viele Bistros, Cafés und Restaurants und unglaublich viele Menschen und darunter Staffeleien und Maler. Ein Platz voller Kunst, Chanson und Gastronomie. Ich hatte eine starke Vermutung, da las ich das Straßenschild und bestätigte sie: Ich war am Montmartre in Paris. Am Place du Tertre genau genommen. Das sagte mir, dass ich auch von hier kam, da ich mich hier auskannte.

Ich ging in das erstbeste Café, um mich auf der Toilette im Spiegel zu betrachten und etwas herzurichten. Die Stimmung war seltsam. Ich kam mir beobachtet vor. Und das trotz der Unmenge an Leuten.

Aber vielleicht kam es mir nur so vor, da ich mich generell nicht so gut fühlte und nicht wusste, wo hinten und vorne war.

Ich wusch mein schmutziges Gesicht. Ich hatte also aschblonde, schulterlange, dünne Haare. Meine Augenbrauen waren dick, meine Nase groß, mit einem leichten Haken, mein Bart unregelmäßig und schlecht gepflegt. Ich hätte fast schon mehr erwartet, da ich Worte wie „pittoresk“ kannte. Ich musste schmunzeln und daran denken, wie perfekt doch eine Amnesie für einen Neuanfang wäre.

Ich könnte mich komplett neu entdecken, neu erfinden. Ein neues Leben beginnen. Ich spürte diesen Drang in mir, die Zelte abzubrechen und einen Roadtrip zu beginnen, als ob es Teil meines Wesens wäre. Vielleicht sollte ich aber doch zuerst herausfinden, wer ich war. Ich band meine Haare mit einem Haargummi zusammen, was das Einzige war, das ich in meiner hinteren Hosentasche finden konnte.

Neben dem Druck in meinem Brustkorb fielen mir noch die Schmerzen in meiner rechten Hand auf.

Ich hätte schwören können, dass ich Linkshänder war. Indiz dafür waren unter anderem die inzwischen gespürten Striemen auf den Fingerkuppen meiner rechten Hand. Ich konnte also ein Saiteninstrument spielen. Wahrscheinlich Gitarre. Aber eben eine für Linkshänder.

Mit diesen kleinen Erkenntnissen wollte ich mich Paris und meiner Person widmen und verließ das WC. Die Stimmung war allerdings noch seltsamer als vorher. Jetzt war ich mir sicher, dass mich alle anstarrten. Zwei Kellner positionierten sich links und rechts von der Tür. An der Bar sah man einen Oberkellner nicken. Er nickte zum Barista, welcher zum Telefon griff. Ein paar Gäste tuschelten und einige zeigten mit dem Finger auf mich. Also, ich hatte mich eigentlich ganz gut gefühlt gerade – so schnell kann sich das ändern.

So verlumpt sah ich gar nicht aus, als dass man im ganzen Lokal über mich sprechen müsste.

Ich versuchte so unauffällig wie möglich zu wirken, vielleicht sah ich das auch alles zu eng? Vielleicht hatte ich Verfolgungswahn und niemand schaute mich an? Ich kannte mich ja praktisch gar nicht.

Ich wollte das Geschäft verlassen, doch die Situation schien sich in meiner Vermutung zu bestätigen:

Die beiden Kellner versperrten mir tatsächlich den Weg nach draußen.

„Keine Chance!“, sagte der eine in einem ruhigen, wenn auch aggressiven Bariton.

„Er ist es wirklich, oder?“, mischte sich eine Dame ein, die neben mir an einem kleinen Tischchen beim Ausgang saß.

„Jawohl, Madame“, sagte der zweite Mann.

„Keine Angst, Madame. Die Gendarmerie ist bereits verständigt“, tönte es von der Bar aus.

„Gendarmerie? Wegen mir?“, murmelte ich verwundert und kratzte mich am Kopf. Ich zermarterte mir das Hirn auf Hochtouren, um mich zu erinnern, was ich getan haben könnte. Aber nicht ein einziges Bild kam.

„Natürlich wegen Ihnen! Wir sind hier nicht in einem Schurkenstaat, wo jeder nach seiner Fasson Leute umbringen kann!“, rief einer der Gäste empört und wedelte mit der Tageszeitung.

Ich war geschockt. Man hielt mich für einen Mörder? War ich einer? Ich wusste es nicht.

„Hören Sie, ich weiß nicht, wer ich bin, das müssen Sie mir glauben. Ich …“

„Natürlich, er weiß nicht, wer er ist!“, spöttelte ein anderer Mann, der neben mir an einem Tischchen saß und schlug mit der gefalteten Tageszeitung auf meinen Unterarm. Dann schlug er sie ebenso heftig auf der Marmorplatte des Tisches auf und tippte energisch auf das Titelbild.

Ich sah in schwarz-weiß und typisch für eine Überwachungskamera – verschwommen also – das, was ich gerade in der Toilette das vermeintlich erste Mal im Spiegel sah: mich. Sogar gleicher Kapuzenpullover, gleiche Frisur.

In einem zweiten, kleineren Bild daneben sah man diese Person, die ich sein sollte, von hinten, wie sie mit rechts eine Waffe hielt und wohl oder übel dabei war, auf jemanden zu schießen, der hinter einem großen Schreibtisch vor ihm saß.

Dass mir deswegen die Hand wehtat, sagte ich lieber keinem. Ich rieb mir im Affekt die Knöchel der Hand. Ich bin wohl wahrlich kein Waffennarr.

Ich hörte, wie sich draußen schon die Gendarmerie mit Sirene den Weg zum Montmartre durch die Menge bahnte. Ich wusste noch nicht, was ich tun sollte.

Durch die Polizei würde ich zwar am ehesten herausfinden, wer ich war, leider würde ich mich auch mit einem Mord konfrontiert sehen, von dem ich absolut nichts wusste. Ich würde für die Erkenntnis, wer ich bin, gleich einmal 25 Jahre in den Knast kommen.

Ich schätzte mein Spiegelbild als ehrlichen und rechtschaffenden Menschen ein und mehr musste ich auch nicht wissen. Die Entscheidung war gefällt.

Ich musste handeln: Ich riss den linken der beiden Kellner, die mir den Weg versperrten, an der Schulter zur Seite und stürmte aus dem Laden. Ich rempelte einige Leute um, die schon eine Traube um das Geschäft gebildet hatten, und bog nach links in die Gasse ab, die einmal um die Sacré-Coeur führte.

Ich wusste irgendwie, dass mir die Polizei auf der anderen Seite entgegenkommen würde. Ich rannte die Stufen des Square Louise Michel nach unten, über den Place Saint-Pierre bis zur Anvers U-Bahn-Station, ohne Halt.

Ich blieb erst unten stehen und musste eine Pause einlegen. Das Ziehen in meiner Brust wurde schmerzhafter, mir wurde schummrig.

Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich auf einer Pritsche wieder. In eine braune, ausgeleierte Wolldecke gewickelt. Man schien es halbwegs gut zu meinen mit mir.

Ich versuchte auszumachen, wo ich war, und schaute mich um. Zuallererst sah ich die graue Wand aus Beton. Über mir waren Haken für noch eine Pritsche, die aber fehlte. Hinter mir eine graue Wand und soweit ich sehen konnte, war vor mir auch eine. Ich versuchte mich weiter aufzurichten. Vor lauter Angst ging das plötzlich ganz schnell, denn ich erkannte, wo ich war: in einer Gefängniszelle.

Konnte man mit so einer Gedächtnislücke eingesperrt werden? Hatte ich Recht auf einen Anruf? Wenn ja, wen sollte ich überhaupt anrufen?

Durch das eine hohe, schmale, vergitterte Loch der Wand konnte ich erkennen, dass es draußen anfing zu dämmern. Ich sah des Weiteren, dass ich alleine im Raum war, und neben mir stand ein Tischchen mit einer Apparatur zum Blutdruck messen.

Man schien sich wirklich um mich zu kümmern.

Ich war auch heute schon mal hinter Gittern. Woanders. War das heute? Ich bin so geschafft, ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich konnte nicht feststellen, was wirklich Sache war. Ich war vor der Sacré-Coeur und rannte vor der Polizei weg.

Ich erwachte in einer Gefängniszelle – das war nicht diese – und jetzt bin ich hier. War das so?

Ich saß wohl schon öfter hinter Gittern – so kam es mir vor. Aber nur Bagatellen. Graskonsum war ganz sicher ganz vorne mit dabei, je mehr ich darüber nachdachte und Appetit darauf bekam – und noch sicher ein paar andere leichtfüßige Dummheiten. Aber ich erinnerte mich immer noch nicht, was mich zu einem Mord bewogen haben sollte.

Als ich mich kurz von meinen Gedankenketten lösen konnte, bemerkte ich noch etwas. Ich war komplett alleine. Also nicht nur in meiner Zelle oder in diesem Raum. Das Gebäude war ruhig. In der Ferne hörte ich Leute, aber hier … nichts. Und ich hatte den Drang aufzuschreiben, was ich dachte.

Vielleicht bin ich ja Songwriter, immerhin spiele ich Gitarre, meine Haare sind lang. Wäre nicht so ungewöhnlich.

Eher verdutzte es mich, dass neben dem Blutdruckmesser ein Stift und ein Block lagen, als ob man hier wirklich wüsste, wer ich bin.

War schon jemand da? Ich glaube, ja. Zwei Leute. Ich kam mit diesen verschwommenen Gedanken nicht klar. Ich saß noch eine Weile stumm auf meinem Brett und starrte Löcher in die Luft. Ich starrte durch den Block hindurch. Ich wollte mich leiten lassen. Ich stand auf, griff den Block und begann zu schreiben. Mit links. Ich wusste es. Ich schrieb einige Seiten voll, ohne hinzusehen, und legte mich ermattet schlafen.

„Sebastien!“, murmelte es in meinen Traum hinein.

„Sebastien! Wach auf!“, wurde die Stimme klarer.

Ich sah durch das Fenster, dass es dunkel war. Ich hatte das Gefühl, dass ich im Normalfall länger schlafe. War es denn schon morgen? Sah eher nach spätem Abend aus. War es sogar noch der gleiche Tag? Ich hatte jedenfalls unnormal Lust auf Gras und Pastis, was – sollte ich etwas gesittet sein – eher eine Abenderscheinung sein sollte.

Der, der mich weckte, hielt wenigstens Wasser in der Hand. „Gras leider keins, mon frérot“, lachte er mir leicht krumm ins Gesicht, „wir sind hier auf einer Gendarmerie.“

Er kannte meine Vorlieben und meinen Namen. Ich wusste noch nicht, wie ich damit umgehen sollte. Ich setzte mich auf, nahm ihm das Wasser ab und trank ein paar Schlucke.

Als ich wieder etwas zur Besinnung kam, schaute ich ihn mir genauer an, während er meinen Blutdruck testete. Ein hochgewachsener, hagerer Typ. Wohl um die 30, gepflegt, schwarze Haare mit strengem – oder besser – eitlem Seitenscheitel. Er murmelte ein paar Zahlen mit, während er sie auf seinen Block schrieb.

Ein anderer Mann griff ihm auf die Schulter. Er war Polizist, aber ich hatte das Gefühl, dass er eher privat hier war. Er war ziemlich abgekämpft, mit einem sorgenvollen Blick, und seine Augenringe hingen tief unter den Augen. Sein militärisch kurzer Schnauzer brauchte mal wieder eine Pflege. Er bat den Typ vor mir, sich zu beeilen. Selber hieß er Bernard, wie ich aus der Antwort des Arzt-Typen entnehmen konnte. „Bernard“, murmelte ich vor mich hin. Ich versuchte mich zu erinnern.

„Ja, natürlich, du Idiot. Du kannst froh sein, dass wir da sind“, grollte mich Bernard an.

„Du hättest sterben können!“, sagte der hagere Arzt-Typ. Ich schaute zu Boden, weil ich mich immer noch zu erinnern versuchte. Sind das meine Komplizen, sind wir in etwas Größeres verwickelt?

Bin ich doch Undercover-Cop und Poet?

Was passiert hier?

„Sebastien …“, murmelte ich, „ich bin Sebastien“, versuchte ich mich selbst zu aktivieren.

„Geht es dir gut? Bist du noch verwirrt?“, drehte sich der Arzt-Typ zu mir um.

„Ist es so, wie wir dachten?“, hörte ich eine Stimme von hinten. Sie war nicht Französisch.

„Ja. Es sieht so aus“, schaute er genau wie Bernard bedrückt in meine Richtung.

„Hier, nimm das. Probiere es aus“, sagte der Neue im Raum und gab ihm eine Schatulle. Der Arzt-Typ öffnete sie und Bernard verteilte vorsichtig ein Pulver auf meinem rechten Arm und dem Ärmel meines Pullovers, der auf der Pritsche lag. Das Puder verfärbte sich. „Es stimmt wohl“, sagte Bernard – keineswegs so emotionslos, wie man es von einem normalen Streifenpolizisten erwarten würde.

„Was stimmt?“, fragte ich unbeantwortet in den Raum hinein. Nach einem kurzen Blickwechsel kam der Brite – wie ich ihn aufgrund seines stark dialekt-verwachsenen Französisch nannte – auf mich zu und kniete sich zu mir nieder.

„Sag du es uns“, sagte er mystisch.

„Was sagen?“

„Irgendetwas. Deinen vollen Namen zum Beispiel.“ „Den weiß ich nicht“, musste ich ehrlich zugeben.

„Das glauben wir dir sogar. Wusstest du einen unserer Namen, bevor wir ihn gesagt hatten?“, fragte der Brite. „Nein“, senkte ich mein Haupt.

„Die Chancen stehen gut“, nickte Bernard hoffnungsvoll in die Runde.

„Für was?“, fragte ich.

„Dafür, dass du nicht für den Mord in den Knast kommst. Du warst es nicht. Also nicht wirklich. Du warst es schon, aber du warst nicht bei dir“, versuchte Bernard mir eine noch mystischere Situation zu schildern.

„Wir müssen nur schnell sein und einen Weg finden, es zu beweisen. Die Anklage ist schon angesetzt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Die sind hier schnell bei so speziellen Fällen“, sprach er weiter.

„Welchen speziellen Fall? Was hab ich getan?“

Mir wurde heiß. Geht es doch um den Mord, den ich aus der Zeitung kenne? Jener, von dem mich ganz Paris zu kennen scheint?

Der Brite wollte etwas sagen, aber der Arzt-Typ hielt ihn an der Schulter zurück und wandte sich an mich: „Sebastien. Du musst uns vertrauen. Wir sind deine Freunde. Wir holen dich hier raus. Aber wenn wir dir jetzt etwas erzählen würden, so glaube ich, würde das deine wahre Erinnerung beeinflussen, so dass es keine tatsächliche Erinnerung mehr wäre, sondern nur ein Hirngespinst, das darauf aufbaut, was wir dir gesagt haben. Verstehst du, was ich meine?“

„Ich … ich denke schon“, antwortete ich ebenso verwirrt wie hilflos.

„Du wirst aussagen müssen“, sagte der Brite, „und zwar nach bestem Wissen und Gewissen.“

„Und das Gewissen ist da, das weiß ich. Was mit dir passiert ist, ist noch unklar. Aber wir arbeiten an der Lösung. Du warst nicht verantwortlich. Deine wahre Erinnerung wird deine Entlastung werden. Und bis dahin haben wir das geklärt. Wir haben Scotland Yard zur Unterstützung hier.“

Der Arzt-Typ zeigte auf den Briten, der weiterredete: „Und solltest du dich an irgendetwas erinnern, wende dich an uns und niemanden anderen.“

Er übergab mir die Karte eines Bureaus de Police Municipale, welche mir vertraut schien. Auf der Rückseite war noch eine andere Festnetznummer.

Man bereitete den Aufbruch vor, da fiel dem Arzt-Typ noch was ein: „Sebastien. Noch etwas. Eine Sache können wir dir verraten: Du hast ein Herzleiden, deswegen bist du unter ständiger Beobachtung durch mich oder eines der Mädels. Du wirst schon erkennen, wen ich meine.“

Er schob dem Gesagten ein Grinsen hinterher, als ob er wollte, dass seine besorgte Mine nicht das Letzte sein sollte, was ich heute von ihm sehen würde.

„Wir müssen dich hier rausbringen und zurück ins Bretonneau Hospital …“ Der Arzt-Typ gab Bernard einen kleinen, kurzen Klaps auf die Schulter für seinen Sager. „Pardon“, schob er nach.

„Wir müssen los!“, schaute der Brite von der Uhr hoch.

„Halt die Ohren steif, mon frérot“, zwinkerte mir Bernard brüderlich zu, „und vergiss nicht zu schreiben. In der Not kommen die besten Gedanken bei Leuten wie dir. Wäre ja schade, wenn du so eine Situation verstreichen lassen würdest.“

„Hoffen wir, dass es das einzige Mal in seinem Leben sein wird, dass er in so einer Situation ist, Bernard.“ „Pardon, du hast natürlich Recht.“

„Salut!“, sagten Bernard und der Arzt-Typ.

„Salut!“, antwortete ich.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen langsam durch das schmale Loch in der Wand Richtung Freiheit.

Ich beobachtete das leichte Glitzern an den Gitterstäben, das der Staub verursachte. Einige Zeit verharrte ich in dieser Position, bis ein Wärter mit Frühstück kam. Es sah alles sehr lecker aus.

Ein kleiner Brief lag dabei. Beste Genesungswünsche von einer Madeleine.

Ich kam mir viel zu gut behandelt vor, und zwar dafür, dass ich angeblich ein Mörder sein sollte. War ich ein hohes Tier? Rockstar? Oder war es vielleicht einer der anderen? Wie sollte man sonst mit Mord davonkommen? Aber das war wohl nur eine fixe Idee von mir, immerhin war der eine ein gewöhnlich aussehender Arzt, der andere ein ziemlich fertiger Polizist und einer vom Scotland Yard. Und Madeleine war eine adrette Dame – das konnte ich zweifelsfrei feststellen, als sie den Raum betrat und sich vorstellte.

Sie meinte, sie wollte mich zuerst nicht erschrecken und sie habe das Frühstück für mich zubereitet. Sie war recht schweigsam und schaute immer verstohlen in meine Richtung, während sie von einem Zettel ablas, wie sie die Instrumente von dem Beistelltisch richtig bei mir anzuwenden habe.

Sie notierte den Blutdruck und entschuldigte sich beim Gehen noch einmal dafür, dass sie nicht mit mir redete und dass das nur auf Bernards Anweisung hin passierte. Ich nickte verständnisvoll und die Tür ging nach ihr zu.

Nach dem Essen setzte sich endlich ein Wächter in den Raum. Kam mir schon langsam zu verdächtig vor, so lange ohne Aufsicht zu sein. Im Verlaufe des Vormittags fragte ich ihn einmal nach unserem Bekanntschaftsgrad, aber er war völlig neutral.

Gegen Mittag kam eine blonde Schönheit. Eine üppig gebaute Frohnatur vom Lande mit einem langen Zopf. Aber sie war anders, als man sie sich auf den ersten Blick vorstellen würde. Sie hatte was auf dem Kasten. Während sie gekonnt den Blutdruck von dem Zeiger ablas und mir Blut abnahm und den gleichen Test durchführte wie der Arzt-Typ von gestern, erzählte sie mir von ihrem Beruf.

Sie erzählte, dass sie bei einem lokalen Fernsehsender arbeiten würde, der nur darauf wartete, mich in der Luft zu zerreißen. Interviews und Talkshows. Alle warteten auf meine Genesung. Aber damit hatte sie schon zu viel gesagt. Das sah ich ihr an.

Sie stand plötzlich auf, als ihr mobiles Telefon klingelte und ihr eine hektische Stimme Dinge ins Ohr schwafelte, die ich nicht verstehen konnte, da sie schon wieder auf dem Weg nach draußen war.

„Was hatte es damit auf sich?“, gab ich mich den Gedanken wieder hin, als sie gegangen war.

War ich Teil einer größeren Verschwörung?

Gab es ein Komplott gegen irgendjemanden und man versuchte mir die Schuld in die Schuhe zu schieben?

Halten hier alle zusammen, um etwas zu vertuschen und am Ende bin ich der Schuldige?

Ich konnte mich an nichts erinnern.

Nach einer Weile und etlichen niedergeschriebenen Seiten drehte ich mich mit meinen Gedanken im Kreis. Das Mittagessen befand sich außerhalb der Komfortzone und war definitiv nicht von Madeleine. Trotzdem blieb mir dieser Teaser im Hinterkopf, wie es mir gehen würde, wenn ich mich erinnern könnte.

„Legen Sie sich schlafen?“, fragte der Wärter, ohne von seiner Zeitung aufzuschauen.

„Ja, hatte ich vor. Wieso? Muss ich mich da abmelden?“, fragte ich überfordert von der Frage.

„Nein, das nicht“, entgegnete der Wächter erheitert, griff zum Hörer und telefonierte.

„Bitte warten Sie noch eine halbe Stunde“, sagte er, als er aufhängte.

Der Arzt-Typ und eine weitere Schönheit betraten den Raum kurz nach Mittag. Sie war eine brünette, eher kleinere, aber auch gut gebaute junge Frau.

Studentin oder Sprechstundenhilfe oder so etwas in die Richtung. Sah gebildet aus und ebenso gepflegt wie er. Im Gegensatz zu Madeleine und Juliet konnte ich mir bei ihr sicher sein, dass es sich nicht um meine Freundin handeln würde, denn sie hatte ihre Hand in seiner. Er flüsterte dem Wärter was ins Ohr, der daraufhin das Zimmer verließ.

„Hallo, Sebastien. Ich bin Marie“, sagte sie in einem weichen, aber mitleidigen Ton. Der Wärter schloss die Tür ab und der Arzt-Typ machte sich ans Werk. Erst sah er Madeleine und Juliets Aufzeichnungen an und holte dann sein Stethoskop raus. Er horchte meinen Rücken ab, machte ein paar andere Tests mit Gerätschaften aus seinem Koffer, schrieb sich alles nieder und legte den Block zur Seite. Er seufzte und schüttelte den Kopf. Die ganze Zeit saß sie neben mir und versuchte in mein Innerstes zu sehen.

Dann atmete er langsam ein und schaute gelöst zu Marie: „Petit, wagen wir es?“

„Ja, Cherie“, entgegnete sie sicher. Sie holte eine kleine Kiste aus ihrer Handtasche.

Er stellte mir abermals Fragen zu meiner Person, die ich nicht beantworten konnte, währenddessen überkam mich der Geruch meiner Sehnsüchte.

Der tief verankerte Geruch von Freiheit.

Marie zündete sich vor mir eine fette Tüte an.