Mein Hundewissen - Günther Bloch - E-Book
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Mein Hundewissen E-Book

Günther Bloch

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Beschreibung

Günther Bloch, der Experte der Canidenforschung, nimmt den Leser mit auf eine unterhaltsame Reise in sein Leben und zeigt wie er zu seinem tiefen Hundewissen kam. Bis heute sind seine Beobachtungen von Straßenhunden und freilebenden Wölfen essentiell zum Verständnis des Sozialverhaltens von Hunden. Doch dieses enorme Wissen und Verständnis der Hunde hat sich auch ein Günther Bloch nicht von heute auf morgen angeeignet. In diesem Buch erzählt er kurzweilig und unverblümt – eben unnachahmlich Bloch - von seinen eigenen Erfahrungen auf diesem Weg. Der Leser erfährt, warum Bloch trotz seiner freiheitsliebenden 68er-Zeit von einer Laissez-faire-Hundeerziehung nichts hält, welche Menschen seine heutigen Ansichten prägten und wie eine echte gute Mensch-Hund-Beziehung aussieht. Zudem verrät er anhand konkreter Praxistipps wie der eigene Umgang mit dem Hund verbessert werden kann. Folgen Sie Günther Bloch und werden auch Sie ein Hundemensch durch und durch! 

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Seitenzahl: 333

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Impressum

© eBook: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2019

© Printausgabe: GRÄFE UND UNZER VERLAG GmbH, München, 2019

Alle Rechte vorbehalten. Weiterverbreitung und öffentliche Zugänglichmachung, auch auszugsweise, sowie die Verbreitung durch Film und Funk, Fernsehen und Internet, durch fotomechanische Wiedergabe, Tonträger und Datenverarbeitungssysteme jeder Art nur mit schriftlicher Zustimmung des Verlags.

Projektleitung: Nadja Harzdorf, Sylvie Hinderberger

Lektorat: Sylvie Hinderberger

Bildredaktion: Sylvie Hinderberger

Covergestaltung: independent Medien-Design, Horst Moser, München

eBook-Herstellung: Gabriel Mlesnite

ISBN 978-3-8338-7008-8

1. Auflage 2019

Bildnachweis

Fotos: Ulla Bergob; Debra Bardowicks; Imke Lass;

Syndication: www.seasons.agency

GuU 8-7008 02_2019_01

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Gestatten, Günther Bloch. Kölsch-Kanadier. Aufgewachsen als rheinische Frohnatur im heiteren, radikal liberalen und leicht chaotischen Köln. Dort habe ich schon mit der Muttermilch die Lebenseinstellung der Domstadt eingesogen: »Jeder Jeck es anders.« Verdammt lang her, trotzdem gilt dieser Slogan auch heute noch – und zwar gleichermaßen für Mensch und Hund. Unverwechselbare Persönlichkeiten sind wir doch alle. Zumindest bilden wir uns das ein.

Privat bin ich durch und durch »hundebekloppt« und ein musikbegeisterter Natur- und Tierliebhaber. Zurzeit lebe ich mehr als 1100 Meter über dem Meeresspiegel im künstlerisch kunterbunten Kimberley. Die höchstgelegene Stadt Kanadas hat rund 7500 Einwohner, eine autofreie Fußgängerzone, und darf wohl als eine der kinder- und hundefreundlichsten Kleinstädte Kanadas bezeichnet werden. Das Leben ist gut hier.

In meiner eigentlichen Heimat, der Bergwelt der Rocky Mountains, bin ich umgeben von wilden Wölfen, Bären, Pumas und zahlreichen Hirschherden, die ich im Rahmen meiner »Bloch-Tours« als Naturreisebegleiter auch anderen näherbringen möchte. Schwerpunkt: ethische Tierbeobachtungen. Meine Hauptaufgabe sehe ich darin, Laien vorzuleben und bis ins kleinste Detail zu erklären, wie man sich gegenüber Wildtieren umsichtig und respektvoll verhält.

Schon als kleiner Junge schaute ich mir im Schwarz-Weiß-Fernseher Tierfilme an. Mit Riesenaugen und hellauf begeistert. Einer davon handelte in Kanada. Ich fragte meinen Vater, wo denn diese Tiere wohnen würden. Er antwortete: »In einem traumhaften Land – weit, weit weg.« Diese Worte gingen mir nie wieder aus dem Kopf. Heute endlich lebe ich meinen Traum. Kanada. Für immer. Bin glücklich. Besser könnte es nicht sein. Tierbeobachtungen sind nämlich wahre Glücksmomente mit einzigartigen Dopamin-Kicks. Was für eine Lebensqualität.

HUNDEMENSCH DURCH UND DURCH

Vom Kölsche Jung zum Kanidengucker

In diesem Buch geht es allerdings primär darum, wie ich zum Hundemenschen wurde. Und was man von mir, einem Studenten des Lebens mit reichhaltiger Tiererfahrung, wie ich gerne sage, lernen kann. Insbesondere im Umgang mit Hunden. Schlussendlich zeigen uns hundeartige Tiere nämlich am besten, wie (Über-)Leben funktioniert.

Gleich zu Beginn darf ich aufgrund meiner bewegten Biografie vollmundig versprechen, mit diesem Buch ein sehr ungewöhnliches Werk verfasst zu haben. Es ist kein Erziehungsratgeber, und doch enthält es viele praktische Tipps zu einem strukturierten Leben mit Hund. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, und doch steckt es voller Informationen aus meiner aktiven Forscherzeit. Es ist kein theoretisches Buch, und dennoch bietet es in seiner Gesamtheit einen Leitfaden für ein zufriedenes Miteinander von Mensch und Hund. Außerdem wurde dieses Buch von einem passionierten Schallplattensammler geschrieben, der sich selbst im Rentenalter mit fast 67 Jahren noch auf Rock- und Pop-Konzerten herumtreibt. Live dabei sein ist alles. Jeder hat eben so seinen Tick. Und meiner heißt Tiere und Musik. Sie sind die Essenz meines Lebens. Meine Grundzufriedenheit.

Für mich und sämtliche Bloch-Hunde ist das Leben recht unkompliziert und daher lebenswert. Keiner von uns läuft miesepeterisch und mit verbissenem Gesichtsausdruck durch die Landschaft. Daher werde ich, »Kölsche Jung«, wie ich eben bin, auch in diesem Buch manchmal geradewegs ins leicht Scherzhafte abdriften. Manche werden dafür nur eine abwertende Bemerkung übrighaben. Na und? Ich bin so, wie ich bin. Eine meiner zentralen Lebensweisheiten lautet: Ohne Fröhlichkeit, Verspieltheit und Albernheit kein gutes Leben. Ich für meinen Teil bin froh, mir zeitlebens meine kindliche Seite bewahrt zu haben.

JEDE MENGE PRAXISERPROBTE RATSCHLÄGE

Den einen wahren Weg gibt es aber nicht

Wie man schon merkt, neige ich zu deutlich formulierten Meinungsäußerungen. Ein »Kontrolletti-Charakter« wie ich nennt die Dinge nun mal glasklar beim Namen und geht dabei nicht selten bis an die Schmerzgrenze. A-Typen, das sind die forschen, wagemutigen, spontan handelnden, extrovertierten, kontroll- und erkundungsfreudigen Grundcharaktere, haben eben immer Hummeln im Po. Die gute Nachricht: A-Typen sind berechenbar. Die schlechte: Sie sind anstrengend. Ich denke, Sie wissen also, mit wem Sie es zu tun haben.

Meine Liebe zum Sarkasmus habe ich übrigens von John Lennon von den Beatles gelernt. Und ich möchte mich bereits an dieser Stelle schon mal dafür entschuldigen, dass ich es in all den Jahren leider nicht geschafft habe, irgendwelche Patentrezepte für die ultimativ gültige Hundeverhaltenstherapie zusammenzustellen. Daher weiß ich leider auch nicht, wie man sämtliche Sofawölfe Deutschlands auf immer und ewig glücklich macht. Genauso muss ich leider alle enttäuschen, die in diesem Buch fieberhaft nach dem superneuen Geheimtipp für die Hundeerziehung suchen. Sie werden ihn hier nicht finden. Nochmals Entschuldigung. Aber dem ganz normalen Hundehalter ein X für ein U vorzumachen war noch nie mein Ding. Inwiefern ihm meine praxiserprobten Ratschläge und Lebensweisheiten nutzen, die ich im vergangenen halben Jahrhundert von so manchen Hippies und Naturwissenschaftlern und nicht zuletzt von den Hundeartigen selbst übernommen habe, muss jeder Leser selbst entscheiden. Meiner Meinung nach wollen so manche Experten, die vorgeben, besonders tierlieb zu handeln, uns in Wirklichkeit nur ihr eigenes Weltbild aufzwingen. Nichts läge mir ferner. Ich möchte kein Moralimperialist sein, der den einzigen wahren Weg zu dem idealen Hundeleben kennt. Und Moralpredigten möchte ich auch nicht halten.

Meine Grundprinzipien als Hundemensch habe ich in einer Sammlung eigener Erfahrungen so präzise wie möglich ausbuchstabiert. Ich bin froh, dass ich Erlebnisse, wie einige der hier exemplarisch erzählten Geschichten über Jahrzehnte hinweg niedergeschrieben habe. In einer Art Protokollstil. In langen Nächten oder an verregneten Tagen. In knackiger Kurzform. Man schreibt ja nicht, um zu schreiben. Man schreibt ja, um Erlebtes nicht gänzlich zu vergessen. Aufgeschrieben habe ich tatsächlich weit über zweihundert Erlebnisse, von denen es jedoch nur ein Bruchteil in dieses Buch geschafft hat. Ich hoffe, es ist mir gelungen, die kurzweiligsten herauszufiltern.

Genau wie meine vierbeinigen »Studienobjekte« brauchen auch unsere Haushunde nach wie vor ein soziales Gruppengefüge. Mit Struktur und klaren Regeln. Als Gegenmodell zu Drama und Hysterie um die vermeintliche Wahrheit. Leider schlagen hier die Emotionen immer noch hoch, und Begriffe wie »Rudelführer« und »Dominanz« machen ziemlich unreflektiert die Runde. Meiner Auffassung nach brauchen wir anstelle von hundepolitischer Selbstüberschätzung in Weltretterattitüde eine Rückbesinnung auf alte Grundwerte. Das Ganze möglichst unspektakulär. Gruppenregeln sind dazu da, gemeinschaftliches Leben erträglich zu gestalten. Ohne übertriebenes Heiteitei oder Gewalt.

Trotz alledem ist das menschlich-hundliche Familienleben heutzutage sehr facettenreich und zu Recht weit entfernt von starren, in Stein gemeißelten »Rudelregeln«. Die gab es, wie ich während langer Jahre Live-Filmerei beobachten konnte, bei wild lebenden Tieren ohnehin nie. Stattdessen lernte ich in der Realwelt eine Grundordnung mit flexiblen Rahmenbedingungen kennen und schätzen. In diesem Sinne wäre ich schon froh, wenn jeder Leser sein Leben mit dem eigenen Hund, anstatt auf die allerneueste Hundeerziehungsmethode hereinzufallen, an der Kernbotschaft des unvergessenen Frank »The Voice« Sinatra ausrichten würde: I did it my way!

DER ERSTE »DOGSITTER« KÖLNS

Mit Hunden instinktiv natürlich spazieren gehen

Meine berufliche Prägungsphase begann im Jahre 1975, als ich, ein waschechter Jungschnösel, mit meiner ersten Hündin Mirja und bis zu acht weitestgehend nicht kastrierten Hunden von Bekannten und Freunden in diversen Stadtparks herumspazierte. Dogsitter nannte man das später irgendwann einmal. Damals konnte man mit einer Horde frei laufender Vierbeiner in Deutschland noch gut und gerne leben. Derartige Mensch-Hund-Geschwader von beachtlichem Umfang, die ohne »Alpha-Ambitionen« oder »Gutmensch-Leckerchentüten« einfach so zusammen spazieren gingen, waren durchaus an der Tagesordnung. Das war normal. Nicht normal war der Zwang zum therapeutisch verklärten »Social Walk«. Der kam erst Jahrzehnte später. Trotzdem fluppte es mit den Hunden ganz gut. Ohne geistig hochwertige »Schnüffel-Spaziergänge«. Vor einigen Dekaden schnüffelten Hunde noch relativ unkommentiert und mehr oder weniger selbstständig vor sich hin. Ob sie dabei zu viel Stress hatten, ist leider nicht überliefert. Pardon, aber ein Bloch-Buch ohne viel Sarkasmus wird es wohl niemals geben.

Vor meiner Zeit als Hundeausführer lebte ich zwar offiziell noch bei meinen Eltern, war aber ständig unterwegs. Versackt irgendwo in der Künstlerszene Kölns. Spätestens seit Mitte 1971 hielt ich mich als Schlagzeuger unserer 1969 gegründeten Rockband »The Nowhere Men« monatelang in diversen Musikerkommunen auf. Eine tolle Zeit. Sporadische Live-Auftritte als recht passabler Bongotrommler hatte ich unter anderem 1970 im spanischen Barcelona, 1971 im niederländischen Amsterdam, 1972 auf Ibiza und in der Tipic Bar auf Formentera. Ich liebte das alte Formentera. Selbst die Mannen von Pink Floyd nahmen dort an den einmal jährlich stattfindenden Mondscheinpartys teil. Überall gab es alternative WGs mit speziellen Musizierkellern oder Garagen. Und abends am Strand trommelte ich unser aller Musiker-Hymne bis aufs I-Tüpfelchen korrekt nach: »You go back, Jack – do it again« von Steely Dan. Zeitlos.

1972 hatte ich meine dreijährige Lehre zum Reisebürokaufmann abgeschlossen. Während der gesamten Lehrzeit trug ich tagsüber eine Kurzhaarperücke, um mich als seriöser Vernunftsmensch zu tarnen. Kein Scherz. Es war zwar nicht gerade angenehm, jeden Tag mit dieser Haube auf dem Kopf im Büro zu sitzen. Eher wahnsinnig. Aber was tut man nicht alles, um feierabends wieder mit offenem langem Haar als authentisches Blumenkind in die Szene eintauchen zu können. Von innen Hippie, nach außen im (total unbequemen) Anzug. Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Wie ich es jemals schaffen konnte, meine Ausbildung zu beenden, ist mir heute noch ein Rätsel.

Eigentlich war es beschlossene Sache, dass ich als Vollblutmusiker ein international geachteter Schlagzeuger werden würde. Letzten Endes hinderten mich daran nur meine Finanzen. Ständig klamm zu sein war eher suboptimal. Aber nur wer an seine Grenzen geht, lernt sich selbst kennen. Irgendwann dämmerte es mir, dass ich im realen Leben deutliche Abstriche hinnehmen müsste. Und die beste Voraussetzung, um machbare Lösungen für mein weiteres Berufsleben zu finden, war offenen Auges, statt faktenresistent, die Musikmacherei »kurzfristig« an den Nagel zu hängen. Sehr bedauerlich.

Dann kam das Jahr 1975. Und mit ihm die Notwendigkeit, aus dem hobbymäßigen Ausführen von Hunden in absehbarer Zukunft eine willkommene Einnahmequelle zu machen. So kam es, wie es kommen musste: Aus dem brotlosen Trommler Bloch wurde Anfang der Achtzigerjahre der »Hundekümmerer« Bloch, der finanziell ganz gut über die Runden kam. Mit der Konsequenz, ab 1979 als Chef der Hunde-Farm »Eifel« nicht nur Führungsverantwortung für Hunde übernehmen zu müssen, sondern auch für Praktikanten und Angestellte. Bis zu acht Mitstreiter hatte ich in Hochzeiten – bis letztendlich Anfang 1992 aus dem Firmenchef ein viel beachteter »Kanidengucker« wurde.

Aus dem wolfssüchtigen Freilandforscher ist heute wieder ein enthusiastischer Musikhörer geworden, ein recht farbenfroh gekleideter Althippie und tierliebender Reiseorganisator. Wenn Sie es so wollen, bin ich also doch wieder zu meinen alten Reisebürokaufmannszeiten zurückgekehrt. Sogar die künstlerische Bearbeitung von Bongotrommeln steht wieder auf dem Tagesprogramm. Zum Leidwesen meiner Frau. C’est la vie!

Das rechts bin ich im Feburar 1969 – mit Beatles-T-Shirt und als stolzes Bandmitglied von The Nowhere Men.

EIN BUCH VOLLER AUFSCHLUSSREICHER ANEKDOTEN

Verblüffende Erlebnisse, frech serviert

Ehemalige »Kanidengucker« wie ich können eine ganze Menge erlebnisintensiver Anekdötchen erzählen. Kein Wunder, wo der »Kanidengucker« an sich ja vornehmlich damit beschäftigt ist, den ganzen lieben Tag Hundeartige anzugucken. Egal, welche.

Dieses Buch ist daher randvoll mit derartigen Anekdoten. Vor allem aber ist es randvoll mit emotionalen Alltagsbeschreibungen. Emotional zu sein ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Immer rational aufzutreten hingegen ein Gräuel. Schließlich bin ich vom Sternzeichen Fisch. Also schreibe ich auch gefühlsbetont. Daraus will ich keinen Hehl machen. So ist das wohl, wenn ein Verlag seinem Autor ausdrücklich erlaubt, mal einfach so zu schreiben, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Immerhin hat mich schon meine mittlerweile 91 Jahre alte, geistig immer noch erstaunlich fitte Mutter als frühjugendlichen »Alleswisser« regelmäßig mit den Worten ermahnt: »Günther, sei nicht so frech!«

AUFRICHTIGER DANK

Nachhaltiges Lernen von ganz normalen Hundemenschen

Eine gern zitierte asiatische Lebensweisheit lautet: Auch eine Reise von 1000 Kilometern beginnt mit einem ersten Schritt. Und erste Schritte musste ich in meinem verrückten Leben stets aufs Neue gehen, besonders beim Fachsimpeln mit ganz normalen Hundemenschen im Rahmen Hunderter Seminarreisen. Durch halb Europa. Dabei musste ich jedes Mal Neuland betreten. Aber genau das hat mich weitergebracht. Genau das hat mich stets aufs Neue geerdet.

Im Nachhinein möchte ich die zahllosen Gespräche mit meinen Seminarbesuchern zum Anlass nehmen, mit der angebrachten Demut Danke zu sagen. All diesen »Hundebekloppten«. Jeder einzelne von ihnen hat mir auf seine Weise mit unglaublichem Detailwissen beigebracht, wie man als Hundemensch selbst in den entlegensten Zipfeln Deutschlands die Hundewelt sieht. Nur so konnte ich von der Pike auf lernen, die unterschiedlichsten Lebensumstände meiner Kunden mit dem notwendigen Respekt einzuschätzen. Nur so konnte ich die Sorgen und Nöte von städtischen Hundebesitzern im Vergleich zu denen echter »Landeier« deutlich unterscheiden lernen. Wie anders hätte ich zum »professionellen« Hundemenschen heranreifen können?

KLARE RICHTLINIEN, POSITIONEN UND ANSAGEN

Hunde erwarten menschlichen Führungsanspruch

Manche Leute meinen ja, sie müssten ein bisschen mehr machen, weil sich ihr Hund sonst zu sehr langweilt. Warum auch nicht? Solange das Ganze nicht ausartet! Ich bin nicht gegen Hundesport. Ich selbst bin nur zu faul dazu. Ich bin auch nicht gegen positive Verstärkung und Clicker. Ich wehre mich nur gegen ideologisch-dogmatische Hundeerziehung. Ich bin nicht gegen Tierschutz. Ich habe nur mit eigenen Augen gesehen, wie gut es so manch »armem« Straßenhund gehen kann. Lasst uns also bitte wieder um die großen Sachen streiten. Beispielsweise darum, wie man Haushunde ohne viel Tamtam ordentlich in die Gesellschaft integriert. Das ist Arbeit genug und bitter nötig. An einem Kampf um Zustimmung für ideologisch gefärbtes Kleinklein habe ich überhaupt kein Interesse. Wer bei der ersten meiner »umstrittenen« Aussagen gleich wieder eine Moraldebatte beginnen will, hat leider auch Pech gehabt. Wir müssen uns alle hinterfragen. Denn wer oder was ist eigentlich nicht umstritten? Antwort: Nichts und niemand!

EIN LEBEN MIT HUND – IN ÜBERSCHAUBARKEIT

Warum wir auf Grundsätzliches nicht verzichten können

Wir »Alten« (also die Menschen) müssen unseren »Jungen« (das sind die Hunde) nicht beweisen, dass wir das Sagen haben. So was haben wir nicht nötig. Was wir unseren Vierbeinern aber sehr wohl beweisen müssen, ist, dass wir unser eigenes Leben auf die Reihe kriegen. Dann nämlich, und nur dann, haben wir ihnen etwas Substanzielles mitzuteilen: Natürliche Autorität und Führung bei der gemeinsamen Lebensgestaltung.

Ich möchte dieses Buch explizit als Rückbesinnung auf das Wesentliche verstanden wissen. Keep it simple! Was mich in letzter Zeit immer wieder auf die Palme gebracht hat, war der unsinnige Versuch, aus jedem normalen Hundehalter einen ultimativen Hundeversteher machen zu wollen. Wozu? Wer versteht schon Hunde in Gänze? Ich jedenfalls nicht. Ja, ich bin fehlbar. Und wie. Auch Hundeprofis wissen nicht alles. Sie tun mitunter nur so.

Wenn wir es falsch machen wollen, brauchen wir nur alles zu verkomplizieren. Bis ins Unerträgliche. Wenn wir es dagegen richtig machen wollen, brauchen wir uns nur darauf zu konzentrieren, das Leben mit Hund pragmatisch und zielorientiert zu gestalten. Der Rest ist reine Bauchsache. Wer seine Hundehalter-Hausaufgaben auf einfache Weise bewerkstelligen will, der sollte dies unbedingt tun. Mehr geht nicht. Immer »alles toll« geht nicht. Warum also krampfhaft einem Ideal hinterherlaufen, das nicht zu erreichen ist?

So wie ich die Sache sehe, sehnen sich die meisten Leute nach einem halbwegs geordneten Leben mit ihren vierbeinigen Familienmitgliedern. Einfach und überschaubar. Genau das habe ich mit meinen Hunden geschafft. Nachweislich und über Jahrzehnte hinweg. Ohne großes Bohei. Einfach so, mit der gebotenen Weitsicht. »Bloch-Style« ist, zu erwartende »Probleme« vorherzusehen. »Problemverhalten« also möglichst schon im Ansatz zu vermeiden, statt sich langfristig damit rumzuärgern, nachdem es sich verfestigt hat.

Was mir gelungen ist, kann auch jedem anderen Hundemenschen gelingen. Man muss es nur wollen. Wie man das macht mit der übersichtlichen Hundehaltung, kann man in den nächsten Kapiteln nachlesen. Selbstverständlich lässt auch dieses Buch einiges zu wünschen übrig. Das perfekte Buch hat bislang eben noch niemand veröffentlicht. Dieses hier basiert darauf, wie ich in über vier Dekaden die allermeisten der mir anvertrauten Hausbewohner auf vier Pfoten zu respektierlichen Mitgliedern unserer Gesellschaft gemacht habe. Wer mehr ins Detail gehen will, der möge dies über die Bücher und Quellenangaben ab > tun. Was meine allgemeine Lebensphilosophie angeht, so stimme ich dem zeitlebens authentisch gebliebenen Rockmusiker Udo Lindenberg zu: Je mehr coole Socken es gibt, desto besser.

In diesem Sinne: Be happy! Ihr Günther Bloch

WAS ES MIT DEM BEGRIFF »HUNDEMENSCH« AUF SICH HAT

Von der hohen Kunst ein verlässliches »Leittier« zu werden

Der von mir frei erfundene Begriff »Hundemensch« steht exemplarisch für all diejenigen Menschen, die stets darum bemüht sind, sich in ihre Hunde hineinzuversetzen. Wer Hunde fühlt, ist auf dem richtigen Weg. Wer Hunde durchs Leben führen will, muss aber gelegentlich auch einmal barsch sein wollen. Ambition braucht Aggression. Und einen Moment laut und deutlich zu werden ist und bleibt punktuell angebrachte Aggression. Rücksichtsvolle Hundemenschen stehen dazu, wahre Problemlagen rechtzeitig zu erkennen und die jeweilige Situation in den Griff bekommen zu wollen. Aus meiner Perspektive betrachtet, sind Hundemenschen meistens in der Lage, das wirkliche Leben so zu gestalten, dass sich ein Hund sicher und geborgen fühlt. Oberstes Ziel dabei ist, im gemeinsamen Leben zu konstruktiven Ergebnissen zu kommen.

EIN BESONDERER MENSCHENSCHLAG

Hundemenschen erkennt man sofort: Sie tragen wettergerechte Kleidung. Sie beherrschen die Kunst, mit der nötigen Weitsicht vorausschauend zu handeln. Sie sind mit dem unbändigen Willen ausgestattet, jederzeit herausfinden zu wollen, wie man Arko oder Susi in der Öffentlichkeit nachhaltig positiv darstellen kann.

Echte Hundemenschen warten nicht, bis das Kind (respektive Hund) in den Brunnen gefallen ist. Als Vorbild beißen sie sich nicht an Nebensächlichkeiten fest. Stattdessen sprechen sie genau dann ein Machtwort, wenn ihr Hund geradedamitbeginnt sich danebenzubenehmen. Kleine »Gemeinheiten« wie ein akzentuiertes »Nein!« erhalten ja bekanntlich die Freundschaft.

Hundemenschen strahlen Zufriedenheit aus. Führungswille und Gelassenheit. Ansonsten fallen sie allerspätestens dann auf, wenn sich im Park oder anderswo, wo Hunde frei herumlaufen dürfen, fremde Vierbeiner gleich hordenweise um sie scharen. Auch meine Frau und ich zählen uns selbstbewusst zur allseits bekannten Spezies Homo sapiens canus lupus familiaris. Diesen Ehrentitel glauben Karin und ich auch deshalb tragen zu dürfen, weil wir in den zurückliegenden Jahrzehnten häufig von wildfremden Menschen geradezu ehrfürchtig gefragt wurden: »Sind das Ihre Hunde? Die sind aber lieb. Wie haben Sie es nur hinbekommen, so wohlerzogene Tiere zu haben?« Tja, was soll man darauf antworten? Tief in unserem Inneren sind Karin und ich natürlich mächtig stolz darauf, regelmäßig auf unsere lieben Hundekinderlein angesprochen zu werden. Spontan zugeben würden wir das zwar nicht, aber ehrlicher wäre es schon, wenn wir darauf antworten würden: »Wenn ihr wüsstet.«

Hundemenschen sind keine Kulturbanausen. Ganz im Gegenteil. Traditionelles Wissen wird beibehalten, alte Werte hochgehalten. So zum Beispiel der tradierte Ratschlag unserer Großmütter, einem Hund ein »grundsätzliches Sitz«abzuverlangen, bevor man ihm etwas gibt. Egal, was. Diese bis in alle Ewigkeit sinnvolle Vorgehensweise ziehen Hundemenschen gegen jeden Widerstand durch. Jeglicher Vorwurf der Banalität wird konsequent ignoriert. Sitz (zuzüglich eines Sichtzeichen wie dem erhobenen Zeigefinger) gleich Belohnung ist nämlich ein zentrales Kommunikationssignal. Für alle Lebenslagen. Zu Hause und unterwegs. Der Mensch verlangt etwas (Sitz), auf das der Hund reagiert, wofür sogar noch etwas Vorteilhaftes für ihn herausspringt (verbale Bestätigung, Futter).

Meine eigene Oma mütterlicherseits, eine echte Hundeversteherin, erklärte mit ihrem unnachahmlichen Realitätssinn schon 1976 die dringende Notwendigkeit zum »automatisierten Sitz«: »Hunde wollen Menschen gefallen. Zumindest meistens. Die sind so von Natur aus. Also lassen wir sie doch.«

Zu den altüberlieferten großmütterlichen »Grundgesetzen«, die wir Blochs seit Jahrzehnten gegen alle Besserwisser dieser Welt unerschütterlich in den Alltag integrieren, gehört auch diese anscheinend leicht in Vergessenheit geratene Lebensweisheit: Alles in Maßen. Wunderbar einfach und doch so stimmig. Wenn man sich nur daran halten würde.

»Alles in Maßen« bezieht sich ausdrücklich auch darauf, ganz normale Hundeverhaltensweisen wie Revierbellen, das Wetteifern um Ressourcen aller Art oder ein Verbuddeln von Ersatzbeute im Rahmen des Möglichen zu erlauben. Ob beim Bindungsaufbau, bei der Erziehung des Hundes oder bei seiner Ernährung. Ob bei der Beschäftigung oder seiner Fürsorge, ob beim Maßregeln oder beim Ignorieren: »Alles in Maßen« passt einfach immer. Ich kann nur jedermann ermuntern – egal, um welchen Hundebehandlungsbereich es auch gehen mag –, endlich wieder den Weg der goldenen Mitte zur Norm zu erklären.

DER KLEINE, ABER FEINE UNTERSCHIED

Und was ist nun der Unterschied zwischen Hundemenschen und Nichthundemenschen? Den einengravierenden in ein paar knackigen Sätzen zu verdeutlichen ist wesentlich leichter, als man meinen könnte.

Wilhelm von Humboldt sagt ja, es sei »immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben«. Einspruch, Herr von Humboldt. Ein wirklich qualitativ hochwertiges Leben beginnt erst dort, wo die Verbindungen mit Menschen und Hunden dem Leben seinen Wert geben. Das gilt vor allem in Zeiten der übertriebenen »Smartphone-Vergötterung«, in Zeiten der extremen Naturentfremdung wie heute.

Der Hund ist sicherlich enger mit der Natur verankert als der Mensch. Er bringt uns deshalb nicht nur zurück zur Natur. Er bringt uns in die Natur. Ergo ist der Hund ein unverzichtbares Bindeglied zu Flora und Fauna. Echte Hundemenschen lassen sich darauf ein. Echte Hundemenschen sind froh, über den Hund wieder in die Realwelt eintauchen zu dürfen. So einfach ist das. Gestern wie heute.

Wer als Mensch sein Verhalten nicht ändern will, wird auch das Verhalten des Hundes nicht ändern

Von der Vermehrung der gewonnenen Einsichten in den Siebzigerjahren

Was gibt es Besseres, als selbst gemachten Kuchen von der Schwiegermama (links). In der Mitte Vater Willi Bloch, Karin mit Hund und Mutter Inge.

Mit Normen und Regeln geht es vielerorts bergab. Leider scheinen dadurch auch so manche Mensch-Hund-Beziehungen etwas aus den Fugen geraten zu sein, weshalb ich anbieten möchte, aus meinen verhaltensbiologischen Erkenntnissen zu lernen. Wer ehrlich ist, hat in seinem eigenen Umfeld sicher schon des Öfteren erfahren, dass ein zu radikal liberaler Umgang mit dem Hund ins Chaos führen kann. Hunde können unter anderem auch darum offensiv-aggressiv handeln (oder gar zubeißen), weil sie schlecht erzogen wurden.

Ich sehe es als meinen Job, Mythen und Märchen zu widerlegen. Aufrichtig und basierend auf dem Wissen, das ich über vier Jahrzehnte in der Praxis gesammelt und mir selbst erarbeitet habe. Auch Fehler führen zu Wissen. Auch im Leben des heutigen Hundekenners Bloch gab es Zeiten verantwortungsloser Sorglosigkeit und Dekadenz. Von daher kann man sich gerade aus meinen in der Vergangenheit gemachten Dummheiten etwas Nützliches für den eigenen Alltag herausziehen. Man lernt ja nie aus.

Fern jeglicher Facharroganz oder nerviger Klugscheißerei dürfte eigentlich jedem in der Hundeszene klar sein, das weder ein überzogenes Dominanzverständnis noch ein übertriebenes Waldorfschule-Ponyhof-Gehabe viel mit dem wirklichen Leben zu tun hat. Wunschdenken kann im Zusammenleben mit Hunden kein Ersatz für eine dringend notwendige Mischung aus sozialer Kompetenz, Wissen und Menschlichkeit sein. Ohne bewussten Verzicht auf oben benannte Extreme ist wahre Problemlösung nicht möglich.

Damit ein jeder weiß, wie sich der Bloch vom Laien zum Hundeprofi entwickeln konnte, möchte ich in diesem Buch meinen gesamten Werdegang nochmals Revue passieren lassen. Ich habe dafür natürlich nur die aussagekräftigsten Highlights herausgepickt. Schon vernehme ich aus dem Hintergrund die eine oder andere mahnende Stimme: Der Bloch ist doch nur ein Selbstdarsteller. Stimmt, ich bin Selbstdarsteller. Jeder stellt sich selbst dar. Wen denn sonst? Nur Schauspieler stellen von Berufs wegen irgendjemand anderen dar.

Gleichwohl beschleicht mich irgendwie ein komisches Gefühl. Schließlich galt ich in stockkonservativen Hundekreisen bis in die Achtzigerjahre hinein als leicht verpeilter Paradiesvogel. Irgendwie war und bin ich ja auch ein bisschen schräg. Der klassische Spießer mit Schrankwand im Wohnzimmer und einem Vorratskasten Bier im Kelller war ich nie. Chance verpasst. Vorbei. Und jetzt bin ich zu alt dafür. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich ältere, konservative Menschen nicht bewundern würde. Das tue ich. Vor allem um ihre Lebenserfahrung. Ich verehre zum Beispiel so »richtige« Muttis.

Am Ende des Tages fließen außerdem auch bei einem Deutsch-Kanadier wie mir nach wie vor einige typisch deutsche Gene durch die Adern: Ich liebe Aktenordner und Ringbücher, einschließlich Register. Ich liebe deutsche Hausmannskost, einschließlich der »German Bratwurst«. Und deutsches Brot und deutschen Kuchen halte ich weiterhin für unschlagbar. Meine Leibspeise? Rheinischer Sauerbraten! Dass die LPs meiner recht umfangreichen Schallplattensammlung – von A wie Abba bis Z wie ZZ Top – fein säuberlich sortiert sind, versteht sich ja wohl von selbst. Genauso dürfen übrigens meine domestizierten Hauswölfe einen Tagesablauf mit deutscher Gründlichkeit und Pünktlichkeit erwarten. Bei uns wird nicht herumgeschlunzt.

Als Vertreter der Woodstock-Generation1 würde ich etwas überzeichnet behaupten wollen, dass die familiäre Basis für ein partnerschaftliches Verhältnis zwischen Zweibeinern und Vierbeinern schon in meinen Jugendjahren allenthalben spürbar war. Das enge Zusammensein von Mensch und Hund im Haus war schon in den Siebzigerjahren längst in Sack und Tüten. Sämtlichen perfiden Zerrbildern aus dieser „gestrigen Zeit“ zum Trotz. Ach, ich liebe sie, die genialen Theoretiker. Selbst nirgendwo dabei gewesen, aber trotzdem genau wissen, dass Hunde früher schlechter behandelt wurden als heute. So wie neuerdings auch großmännisch auftretende, schnöselige, flaumbärtige Jungjournalisten über Woodstock und Co. besser Bescheid wissen als die Leute, die es er- und gelebt haben. Egal!

Ich persönlich bin schon als Jugendlicher mit zahlreichen sozialkompetenten Hundemenschen zusammengekommen. Die gab es nämlich überall. Schon damals saßen unsere Hunde auf der Eckbank in der Wohnküche. Positiv verstärkt wurden sie auch. Mit netten Worten. Mit Streicheleinheiten oder mit einem Stück natürlicher Fleischwurstpelle. Je nachdem.

Nicht ein einziger Hund wurde im Hof an die Kette gelegt. Genauso ist die Allerweltsthese, Hunde seien früher häufig verprügelt worden, eine glatte Lüge. Gleiches gilt für die merkwürdige Theorie, Menschen hätten sich früher nicht auf Hunde eingelassen. Was für ein Unsinn! Da, wo ich herkomme, hockte man in der gemütlich warmen Küche zusammen. Mit Verwandten, Bekannten und/oder mit Leuten aus der Nachbarschaft. Die Alten klönten über Gott und die Welt. Die Jungen wussten alles besser. Und die Hunde hörten aufmerksam zu. Oder sie planten vor sich hin träumend die nächste Mäusejagd. Wann immer sie anfingen, laut zu schnarchen, gab es etwas zu lachen. Nebenbei bekam man von den Alten bodenständige Ratschläge und Tipps. Mit denen konnte man in der Praxis sogar etwas anfangen.

Man erfuhr zum Beispiel, dass es am hundlichen Pinkeln in entspannter (neutraler) Körperhaltung nichts zu kommentieren gibt. Oder dass Pinkeln in selbstbewusster Körperhaltung mit aufgestellter Rute etwas für Wichtigtuer ist. Außerdem hatte man mir schon als 15-Jährigem nachdrücklich eingebläut, dass Hunde, insbesondere Rüden, zur Revierabgrenzung gegenüber fremden Hunden ihr Territorium markieren dürfen müssen. Also hielten wir uns als Kinder da raus. Wohlwissend, dass Hundemädchen im Sitzen markieren, Hundebuben im Stehen mit angewinkeltem Hinterlauf und Junghunde überhaupt nicht. Die lassen stattdessen, wo sie gerade gehen oder stehen, einfach laufen.

Auch wenn ich mir als junger Tierfreund nicht alles merken konnte, so erinnere ich mich doch an viele Hundeweisheiten meiner Tante Hilde. Ihre liebste: »Menschen, die ihre Hunde nicht mit Artgenossen spielen lassen, handeln egoistisch und müssen schleunigst ihr Verhalten ändern. Hunde sind nach einer Spielrunde total ausgeglichen. So viel Freude kann kein Mensch seinem Tier geben.« Ihrer Meinung nach war der Schlüssel zum Hund ohnehin die Bereitschaft, das eigene menschliche Verhalten dem des Hundes anzupassen.

Zum Beweis zeigte Tante Hilde mir »live« im Garten, dass ihre Hündin Hand- und Körperzeichen besser verstand als jedes gesprochene Wort. »Menschen reden meistens nur dummes Zeug«, meinte sie. Das machte für mich tiefgründigen Sinn. Denn alle Hunde, die ich kannte, spürten meine Aufregung, etwa wenn Prüfungen anstanden. Egal, was ich gerade brabbelte. Körpersprachlich verhielt ich mich dann irgendwie künstlich. Nicht so locker wie gewohnt. Und die Hunde erkannten jede Unsicherheit, fühlten sich an meiner Seite unwohl und zeigten ihren Unmut, indem sie Abstand hielten.

Derweil verwies Onkel Hans auf die Wichtigkeit des Streichelns junger Welpen, ohne seine Erkenntnis gleich an die große Glocke zu hängen. »Streicheln ist wie das Belecken durch die Hundemutter, das beruhigt die Kleinen, das macht sie gelassener.«

Simple Erklärungen. Heute bekommt man ellenlang dargelegt, warum hundemütterliches Massieren sowie menschliches Streicheln die Gehirnentwicklung von Hundekindern in den für Stressbewältigung zuständigen Bereichen fördern. Dann doch lieber praktischer Hundeverhaltensunterricht durch unaufgeregte Menschen. Einfache Hundemenschen, ohne furchteinflößende Panikmache. Besonders aber ohne nichtssagende Allerweltssprüche à la »Studien haben ergeben, dass …«. Welche Studien sind das denn? Von wem, wo und wann wurden sie publiziert?

Gelegentlich hörten wir Jungspunde von »schlechten Menschen in der Nachbarschaft«, die ihre Tiere nicht anständig behandeln würden. Die sollten wir Kinder möglichst meiden. Das heutzutage überstrapazierte Schlagwort Empathie fiel nie. Stattdessen wurde uns erklärt, Hunde niemals zu ärgern oder mit ihnen zu zanken. Weil sie daraufhin ängstlich reagieren. Oder zornig, wenn man sie sinnlos in die Enge drängt oder womöglich schlägt. Meine Oma war sogar der festen Überzeugung, dass Hunde Menschen am besten verstehen, wenn deren Handlungen mit guten Gefühlen verknüpft sind. Gefühle der Erleichterung, wie Oma Ilse sie nannte. Und anschließend bemerkte: »Wer keine lieben Gefühle vermitteln kann, der muss es halt lernen.«

Ein Hobbyhundezüchter aus der Nachbarschaft, sein Name war Karl, pochte schon 1969 darauf, dass Hunde sich durch gegenseitiges Beobachten und kommunikatives Lernen in ihr Gegenüber hineinversetzen können. Damals eine total revolutionäre Idee, weil sie ein Ich-Bewusstsein voraussetzt. Karls Frau Lieselotte ließ uns wissen: »Wer Gefühle und Emotionen sowohl anderen Hunden als auch Menschen verständlich übermitteln will, muss erst mal in der Lage sein, seine eigenen Gefühle und Emotionen darzustellen. Das können nicht nur Menschen. Das können auch Hunde.« Fortan schaute ich immer genauer hin. Was drückten Hunde durch welches Verhalten wie aus? Im Nachhinein glaube ich, dass ich bereits mit jugendlichen 15 oder 16 Jahren durch anschauliches Vorleben am eigenen Leib gespürt zu haben, was Hunde bedeuten. Vorrangig bedeuten. Nämlich Liebe und Solidarität. Das war der allererste Meilenstein hin zum Hundemenschen.

Wie an diesen Beispielen deutlich wird, ist der heute so beliebte künstlich-moralischeAufschrei über die alten Brutalozeiten einfach nur traurig. Klar ist: Schlechtes und Gutes gab es früher wie heute. Was ist für Haushunde schon pauschal gut, was pauschal schlecht? Wer bestimmt das eigentlich? Nehmen wir nur mal das neumodisch philosophische Affentheater um die Ernährung des Hundes. Wenn ich es mir gründlich durch den Kopf gehen lasse, kann ich mich unterschwellig an so manchen Haushund erinnern, der auch Essensreste bekam. Oder was sonst noch so alles übrig blieb. Täglich.

Alle Hunde überlebten. Meistens wurden sie sogar steinalt. Unsere unvergessene Mrs Owtscharka, Raissa, verstarb Ende Juni 2018. Im Alter von 15 Jahren. Ungewöhnlich für einen knapp 50 Kilo schweren Hunde, oder? Vielleicht leben meine Hunde ja so lange, weil sie im Schnitt einmal die Woche Pizzakruste fressen. Somit in Maßen. Knusprige Pizzakruste fressen sie übrigens hingebungsvoll. Praktische Bedürfnisangleichung mit ihrem Herrchen. In Wirklichkeit trickse ich meine Hunde nur schamlos aus. Ich mag nämlich keine Pizzakruste, nenne sie sogar verächtlich Pappendeckel. Das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN

Warum wir einige alte Tugenden wertschätzen sollten

Leider besteht in der heutigen deutschen Gesellschaft eine deutliche Tendenz in Richtung Anonymität, besonders in Großstädten. Das wird auf Dauer nicht gut gehen. Viele schaffen es kaum noch, familiären Zusammenhalt zu organisieren. Neben familiären Werten und dem Wissen der Alten, das immer mehr verloren geht, sind es mitunter die einfachsten Dinge des sozialen Zusammenseins, die man in der individualistisch freien Gesellschaft zum Teil komplett missachtet.

Individualistisch denkende Hundehalter sollten ihr Verhalten schleunigst ändern. Denn individualistisch heißt im Klartext nichts anderes als egoistisch. Individualistische Selbstverwirklichung und Egozentrik kontra solidarische Beteiligung am Kollektiv. Angebliche Toleranz scheint da nicht selten das Gleiche zu sein wie »Ist mir doch egal«. Keine guten Voraussetzungen, den grundsätzlich sozial eingestellten Hund optimal zu sozialisieren und eng an den Menschen zu binden. Was auch immer man im Nachhinein von der Flower-Power-Bewegung halten mag, eins ist klar: Werte wie gegenseitiger Respekt und kollektives Handeln als Zeichen der Solidarität zählten damals noch etwas. Einschließlich der Berücksichtigung hundlicher Interessen. Nur wenn man ernsthaftes Interesse bekundet, zueinanderzuführen, was auseinanderzudriften droht, klappt es auch mit der Beziehungskiste. In meiner Jugendzeit waren sämtliche Grundprinzipien überschaubar. Füreinander sorgen war keine Floskel. Das wurde real gelebt. Heute fühlen sich laut einem Artikel der »Welt« vom 19. Januar 2018 40 Prozent der Deutschen einsam. Hunde müssen dann oft als eine Art persönlicher Psychologe herhalten. Genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Ja, die globalisierte und kommerzialisierte Welt ist komplexer geworden. Trotzdem ist es falsch, sich das Blaue vom Himmel versprechen zu lassen. Maximale Profitorientierung ist kein gesellschaftliches Konzept. Gerade deshalb sollte man sich auf alte Werte rückbesinnen. Keine Gesellschaft, keine Familie und keine Mensch-Hund-Beziehung funktioniert ohne gegenseitige Rücksichtnahme.

Ohne eine lebhafte Streitkultur geht es aber auch nicht. Trotz gelegentlicher Rückschläge und Enttäuschungen. Alles das habe auch ich in den vergangenen Jahrzehnten und in diversen Wohngemeinschaften mit unseren Tieren durchlebt. Aber letzendlich konnten wir uns immer auf eine ganzeinheitliche Formel einigen. Selbst wenn es gelegentlich zu unschönen Szenen kam. Insgesamt sind es vier Tugenden aus der Vergangenheit, die man auch in der Gesellschaft der Jetztzeit mehr beachten sollte: Loyalität, Vertrauen, Zeit und Ehrlichkeit.

LOYALITÄT

Die Frage, ob er seinem Hund ohne jede Ausrede zur Seite steht, komme, was da wolle, beantwortet heute definitiv nicht jeder mit einem klaren »Ja«. Dutzendfache Vermittlungen von Hunden mit der »falschen Rudelstellung«, die man in dubiosen Tauschbörsen unter dem Deckmäntelchen wahrer Tierliebe abgibt, lassen grüßen.

Passt der Hund nicht so richtig ins Alltagsleben, übergibt man ihn eben dem Tierschutz. Zur Vermittlung »in gute Hände«. Der arme Hund. So viel Unfairness wäre zu Hippiezeiten undenkbar gewesen. Niemals sind wir in meiner gesamten Jugendzeit unserer Hunde überdrüssig geworden. Sogar in schwierigsten Zeiten habe ich meine Hündin Mirja nicht abgeschoben. Das war undenkbar. Entweder man ist Kaniden-Freak oder eben nicht.

VERTRAUEN

Wo immer wir gerade auftauchten, traten wir grundsätzlich in gemischten Mensch-Hund-Katzen-Gruppen auf. Im Kollektiv unterwegs zu sein schlug schon allein deshalb für alle Beteiligten positiv zu Buche, weil wir voneinander lernten. Einander vertrauten. Menschenkinder lernten Hundekindern zu vertrauen. Hundekinder lernten Katzenkindern zu vertrauen. Gegenseitiges Misstrauen war uns fremd. In allen WGs und Kommunen, die ich kennenlernte, gab es ein artübergreifendes Urvertrauen. Instinktverhalten und Bauchgefühl entsprachen der Norm. Im Vergleich dazu bin ich in den letzten Jahrzehnten massenweise Menschen begegnet, die ihren Hunden misstrauten. Beispiel: Wer seinen Hund nur deshalb an der Leine hält, weil er vermutet, dass der ohne Leine eventuell abhauen könnte, kannschlecht von Vertrauen reden.

ZEIT

Wer hat heute noch Zeit? Zeit für Beziehungen? Für das Wohlbefinden des Hundes spielt es aber die entscheidende Rolle, ob ihm genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird. Menschen, die meinen, keine Zeit mehr in die Einübung von Ritualhandlungen investieren zu müssen, fördern hundliche Verdrossenheit. Für uns hatten Gruppenrituale stets identitätstiftende Bedeutung. Ich erinnere mich gerne daran, wie wunderbar ungezwungen Kinder, Hunde und Katzen über Stunden hinweg zusammen herumtobten. Bis sie sich irgendwann total erschöpft, gemeinsam zur Ruhe betteten. Das war bindungsaufbauend. Deshalb weiß ich, was heute fehlt.

EHRLICHKEIT

Die ging schon damit los, dass sich keiner von uns aus reinen Prestigegründen einen Hund anschaffte. Hunde gehörten einfach zum Leben dazu. Im Alltag ließ sich unsere Grundehrlichkeit gut beobachten, wenn wir sauer auf unsere Hunde waren. Dann kam spontane Entrüstung zum Ausdruck. Keiner von uns wäre jemals auf die Idee gekommen, denjenigen, der gerade seinen Hund maßregelte, moralisch an den Pranger zu stellen. Nach einer Zurechtweisung herrschte wieder Friede, Freude, Eierkuchen.

Oje, was für eine Standpauke, werden manche jetzt denken. Sollen wir uns als Mitglieder einer digitalen Gesellschaft wirklich auch noch die Grundprinzipien von irgendwelchen durchgeknallten WG-Hippies zu Herzen nehmen? Das schlägt dem Fass ja wohl den Boden aus. Da verherrlicht der Bloch aber eine Zeitepoche, die richtig schlimm war. Schlimm für wen? Für die Emanzipation der Frau? Für unser aller bürgerliche Grundrechte? Kein Kommentar. Für ein gesellig-erfülltes Zusammenleben mit Hund war unser gruppenorientiertes Zusammenleben garantiert nicht schlimm.

Verwunderung oder Bewunderung hin oder her: Unserer gesellschaftlichen Revolution kommt insofern Bedeutung zu, weil wir noch zu einem praxisnahen Schritt-für-Schritt-Denken bereit waren. Erst kamen Diskussion und Streit, dann kam der Kompromiss. Zu guter Letzt wurde konkretgehandelt. Fernab theoretisch wirksamer Hundeerziehungsvorgaben und ethisch-moralischer Rechthaberei. Insofern blieb Mensch und Hund gar nichts anderes übrig, als ihr Verhalten ganz pragmatisch aneinanderseitig anzupassen.

Ja, es ging wild zu, in der guten alten Zeiten. Mitunter sogar richtig ungezügelt. Nichtsdestotrotz hatten wir Anhänger von Sex, Drugs & Rock ‘n’ Roll ein riesiges Reservoir an mutigen Ideen und Projekten. Einige »faule Äpfel« waren natürlich auch dabei. Ja, einige unserer Theorien und Handlungen waren nahe am Grotesken. Manchmal ist man im Leben eben auf einem Holzweg. Na und? Schwierige Typen waren wir doch (fast) alle mal.

Aber lassen Sie uns doch mal schauen, ob es tatsächlich einen so großen Widerspruch zu den heutigen Anforderungen gibt. Klar, damals kamen nicht alle Aspekte moderner Prägung voll zur Geltung. Aber vielleicht ist ja doch der eine oder andere brauchbare Tipp aus alten Tagen dabei, den man vernünftigerweise in die Neuzeit übernehmen sollte.

EIN COOLER HIPPIE AUS SAN FRANSISCO

Wie menschliche Führung hundliches Folgeverhalten verändert

Wir schreiben das Jahr 1971. Jeden Tag sitze ich auf der Terrasse meines guten Freundes Lino und träume von Kalifornien. Ich bin entspannt. Unvergleichlich entspannt und höre mir mindestens fünfmal hintereinander meinen Lieblingssong von Scott McKenzie an: »Wenn du nach San Francisco kommst, vergiss nicht, dir ein paar Blumen ins Haar zu stecken.«

Na logisch. Gesagt, getan. Das bunte Treiben von San Francisco im Sommer 1971 direkt miterleben zu dürfen, war einfach umwerfend. Der helle Wahnsinn. Meine Großeltern, die im Zweiten Weltkrieg wahrlich Schlimmes erlebt hatten, waren mit von der Partie. Auch sie liebten Musik. Auch sie konnten, obwohl eher konservativ, der ganzen Flower-Power-Bewegung durchaus positive Aspekte abgewinnen. Zum Beispiel unseren Demonstrationen gegen den Krieg in Vietnam. Die absolute Krönung war, zusammen mit Oma Ilse und Opa Heinz, Yorkie-Hündin Puckie und meiner damaligen Freundin in einem riesigen Amischlitten den Highway entlangzugleiten und lauthals John Lennons »Give peace a chance« zu singen. Wenn dann noch Puckie dazu heulte, war generationsübergreifender Zusammenhalt angesagt. Loyalität pur.

Ein Anekdötchen zum Thema Hundeführung und Hunde-Lesen

Zwei Tage später »borgte« ich mir für einen Spaziergang von meinem Freund Brian seine Hündin Sally. Und klar, Sally haute mir prompt ab. Zehn Minuten später kam sie zum Glück wohlbehalten zu mir zurück. Glücklicherweise hatten wir alle von einem wahren Wundermenschen gehört. Einem Wunderheiler, den angeblich alle Hunde abgöttisch liebten. Den mittlerweile mehr als ideenlosen Begriff »Hundeflüsterer« gab es 1971 noch nicht. Einerseits hielt ich die Legenden, die sich um Santana, so hieß der gute Mann rankten, für haarsträubend. Andererseits wollte ich diesen Menschen unbedingt kennenlernen.

Eines Morgens um zehn Uhr trafen wir dann auf eine Hippietruppe wie aus dem Bilderbuch. Alle waren auffällig bunt angezogen. Indienlook war angesagt. Und mittendrin Santana, der mich aufgrund seiner mentalen Stärke von der ersten Sekunde an faszinierte. Minuten später liefen wir in einer Gruppe von acht Leuten und fünf Hunden zusammen am Strand entlang. Aber nur einer schien einen Plan zu haben. Nur einer wusste, was er wollte: Santana. Er gab permanent die Laufrichtung vor.