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Die Familie ist ein Hort der Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Wir alle sehnen uns nach diesem Flucht- und Orientierungspunkt, der unsere persönliche Welt zusammenhält und schön macht. Das wichtigste Bindeglied der Familie ist Mami. In diesen herzenswarmen Romanen wird davon mit meisterhafter Einfühlung erzählt. Die Romanreihe Mami setzt einen unerschütterlichen Wert der Liebe, begeistert die Menschen und lässt sie in unruhigen Zeiten Mut und Hoffnung schöpfen. Kinderglück und Elternfreuden sind durch nichts auf der Welt zu ersetzen. Genau davon kündet Mami. Es war einer dieser ungewöhnlich heißen Spätsommertage im September, an denen die Sonne mit unverminderter Kraft vom strahlendblauen Himmel scheint und nur die bereits am Nachmittag länger werdenden Schatten an den herannahenden Herbst erinnern. Aber gerade darum galt es, jeden schönen Tag zu nutzen. Während Elfi Bodemar mit ihrem Söhnchen Jan hinter sich über die Autobahn heimwärts fuhr, überlegte sie, ob sie nicht noch einmal in dieser Woche mit ihm zum Schwimmen gehen könne. Jan, ihr kleiner Liebling, war ja jetzt wieder ganz gesund. Sie hatte ihn am Morgen dem Kinderarzt in der Stadt vorstellen müssen, denn der Fünfjährige hatte sich vor wenigen Wochen im Kindergarten eine langwierige Darminfektion geholt und musste noch mal untersucht werden. Aber Jan war wieder kerngesund. Und weil sie das feiern wollten, hatte sie mit ihm in der Stadt zu Mittag gegessen und war danach in eins der umliegenden Dörfer zu einem Volksfest gefahren. Dort hatte es Ponies, Karussells und ein Kasperle? theater gegeben. Das aufregende Drama mit dem Kasperl als Helden hatte Jan so begeistert, dass sie gleich noch zur zweiten Vorstellung geblieben waren. Jetzt aber wurde es höchste Eisenbahn, dass sie nach Hause kamen. Elfi bog in die Ausfahrt ab, von der eine Straße zur Siedlung »Eichbogen« führte. »Mami…«, fragte Jan in diesem Moment, »hat der Kasperl die schöne Prinzessin geheiratet?« »Nein, ich glaube nicht, Jan. Die Prinzessin heiratet den Kasperl nicht. Für die kommt nur ein Prinz infrage.« Sie fuhr am Krämer vorbei. Fred kam heute etwas später als sonst.
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Seitenzahl: 125
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Es war einer dieser ungewöhnlich heißen Spätsommertage im September, an denen die Sonne mit unverminderter Kraft vom strahlendblauen Himmel scheint und nur die bereits am Nachmittag länger werdenden Schatten an den herannahenden Herbst erinnern. Aber gerade darum galt es, jeden schönen Tag zu nutzen.
Während Elfi Bodemar mit ihrem Söhnchen Jan hinter sich über die Autobahn heimwärts fuhr, überlegte sie, ob sie nicht noch einmal in dieser Woche mit ihm zum Schwimmen gehen könne. Jan, ihr kleiner Liebling, war ja jetzt wieder ganz gesund. Sie hatte ihn am Morgen dem Kinderarzt in der Stadt vorstellen müssen, denn der Fünfjährige hatte sich vor wenigen Wochen im Kindergarten eine langwierige Darminfektion geholt und musste noch mal untersucht werden. Aber Jan war wieder kerngesund.
Und weil sie das feiern wollten, hatte sie mit ihm in der Stadt zu Mittag gegessen und war danach in eins der umliegenden Dörfer zu einem Volksfest gefahren. Dort hatte es Ponies, Karussells und ein Kasperle?theater gegeben. Das aufregende Drama mit dem Kasperl als Helden hatte Jan so begeistert, dass sie gleich noch zur zweiten Vorstellung geblieben waren. Jetzt aber wurde es höchste Eisenbahn, dass sie nach Hause kamen. Elfi bog in die Ausfahrt ab, von der eine Straße zur Siedlung »Eichbogen« führte.
»Mami…«, fragte Jan in diesem Moment, »hat der Kasperl die schöne Prinzessin geheiratet?«
»Nein, ich glaube nicht, Jan. Die Prinzessin heiratet den Kasperl nicht. Für die kommt nur ein Prinz infrage.«
Sie fuhr am Krämer vorbei. Fred kam heute etwas später als sonst. Wahrscheinlich würde er noch mit seinem Chef zu Abend essen. Und wenn nicht, würden ihre Vorräte reichen.
»Warum?«, fragte Jan.
»Weil er dann seine Zipfelmütze nicht mehr tragen kann. Er muss sich dann eine Krone auf den Kopf setzen. So etwas mag ein richtiger Kasperl nicht.«
Jan gähnte. Er war müde, denn es ging nun schon auf sechs Uhr zu.
Als sich das Ehepaar Bodemar vor drei Jahren zum Kauf eines Hauses entschlossen hatte, waren sie sich schnell darüber einig gewesen, dass es weit ab vom Trubel der Stadt und vom Verkehrslärm liegen musste. Hier gleich hinter der neuen Siedlung hatten sie es dann gefunden. Es grüßte mit seinen weißen Mauern und den schmucken grünen Fensterläden zwischen den hohen Tannen von einem sanften Hügel herab. Durch ein Gatter gelangte man in den Garten und musste dann noch einige Stufen emporsteigen, um auf die Terrasse zu kommen.
Das Haus selbst hatte nur vier Zimmer, dafür war der Garten besonders groß.
Und vom obersten Giebelfenster konnte man bei klarem Wetter bis zur Stadt und ihren Kirchtürmen sowie dem neugebauten Zweigwerk des riesigen Automobilkonzerns hinüberschauen.
Dort arbeitete Fred Bodemar seit fünf Jahren in der Entwicklungsabteilung.
»Papi ist schon da!«, rief Jan plötzlich. »Au fein!«
»Tatsächlich!«, staunte Elfi fröhlich und stellte ihr Auto hinter Freds Sportwagen, der vor dem Gatter parkte.
Jan konnte es kaum erwarten, zu seinem Papi zu kommen.
»Papi! Papi!« Er rannte die Stufen zur Terrasse hinauf und ins Wohnzimmer.
Motorenlärm dröhnte aus den Lautsprechern des Fernsehers zu Elfi hinüber. Einen Moment blieb sie verwirrt stehen. Was Fred dort ansah, konnte nur ein Autorennen sein.
Elfi hasste alles, was mit Autorennen und Motorsport zusammenhing. Denn als Fred noch Rennfahrer war, hatte sie genug Ängste um ihn ausgestanden. Und sie glaubte fest, diese furchtbare Zeit gehöre längst der Vergangenheit an.
Sie betrat das Zimmer und sah, dass Fred eine Videocassette eingeschoben hatte. Über den Bildschirm flitzten zwei Rennwagen in wilder Verfolgungsjagd. Fred saß im Sessel, Jan auf dem Schoß. Beide sahen dem Geschehen fasziniert zu.
Elfi trat zu ihrem Mann und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er begrüßte sie, indem er zärtlich seine Rechte auf ihre Hand legte, aber er war zu beschäftigt, um sich auch nur nach ihr umzusehen.
»Mami! Schau mal, wie der rast da vorn!«, rief Jan dafür begeistert. »Der überholt ihn! Gleich hat er ihn…!«
Elfi schloss die Augen.
Sie zog ihre Hand unter Freds fort, trat auf den Fernseher zu, wollte ihn ausschalten.
»Das ist das Rennen in Tours, Liebling«, sagte Fred. »1983 – willst du nicht sehen, wie dein Mann den Großen Preis gewann?«
Elfi schüttelte den Kopf. Da drückte Fred auf die Fernbedienung, die für Elfi so grauenerregenden Bilder verschwanden.
»Oooh!«, machte Jan enttäuscht. »Warum machst du das denn aus, Papi?«
Fred war Mitte Dreißig. Aber als er jetzt lächelte, schien er um zehn Jahre jünger.
Obwohl sein dunkles Haar schon ein wenig schütter war, verrieten seine markanten Gesichtszüge und der Blick seiner braunen Augen Abenteuerlust und Stolz.
Er hob Jan auf den Arm und trat mit ihm zu Elfi.
»Deine Mami sieht so etwas nicht gern. Sie hat damals zu viel Angst um mich gehabt. Weißt du, Jan, ich wars nämlich, der den anderen überholte. Ja, in dem roten Renner saß ich, dein Papi!«
»Duuu?«, fragte Jan ungläubig.
»Ja, ich, Jan.«
Elfi beobachtete die beiden, und ihr Groll schwand. Sie liebte ihren Mann, und er war der beste Vater der Welt.
Fred konnte man einfach nicht böse sein.
Mochte der Himmel wissen, wie er an diesen Videofilm herangekommen war, aber einmal würde Jan ja doch erfahren, dass sein Vater einer der berühmtesten und erfolgreichsten Rennfahrer der Welt gewesen war.
»Gucken wir nachher weiter?«, fragte Jan.
Fred setzte ihn zu Boden.
»Ich habe gesehen, dass im Garten überall noch Spielzeug von dir herumliegt. Lauf hinaus und sammle es ein. Dann essen wir. Ich habe einen Mordshunger.«
Jan stapfte hinaus. Elfi und Fred sahen ihm nach, bis er im Garten verschwunden war.
»Bitte, Fred«, flüsterte Elfi und legte ihrem Mann die Arme um den Nacken, »laß es gut sein. Jan ahnt noch nicht, welche Gefahren du damals überstanden hast. Für ihn bist du ein Ingenieur, der an der Entwicklung von Motoren arbeitet. Aber kein tollkühner Rennfahrer, der sein Leben aufs Spiel setzte. Die Zeiten sind doch endgültig vorbei.«
Als Fred seine Frau an sich zog, spürte er, dass sie zitterte. Es bewies ihm, wie sehr sie ihn liebte. Aber liebte sie ihn genug, um für seine Entscheidung Verständnis aufzubringen?
»Roy Hoven ist wegen einer Verletzung ausgefallen, Elfi«, begann er vorsichtig. »Schon vor einer Woche schlug man mir vor, ihn bei den Herbstrennen von Bergen zu vertreten.«
»Und? Du hast doch abgelehnt, Fred?«
Fred schüttelte den Kopf, ohne den Blick von ihr zu wenden.
»Nein. Ich habe den Vertrag heute unterschrieben.«
»Du – du hast unterschrieben? Bist du wahnsinnig?«
Ihr Mann holte tief Luft. »In ein paar Jahren bin ich zu alt, Schatz. Ein einziges Mal noch möchte ich beweisen, was in mir steckt. Noch immer, nach Jahren der Ruhe. Ich kenne die Maschine«, fuhr er fort, »gehe nächste Woche ins Training.«
»Hast du vergessen, was du mir damals, bevor Jan geboren wurde, versprochen hast?«, fragte Elfi voller Angst.
»Nein, Elfi«, antwortete er ruhig und wollte sie an sich ziehen. »Ich habe mich mehr als fünf Jahre an dieses Versprechen gehalten. Nur ist mir jetzt klar geworden, wie wenig Zeit mir noch bleibt, wenn ich ein letztes Mal mein Können zeigen will. Ich konnte einfach der Versuchung nicht widerstehen. Du musst mir vertrauen. Du und Jan, ihr seid mein Leben. Und ich werde dieses Leben nicht aufs Spiel setzen. Gib mir ein Zeichen deiner Liebe und drücke mir noch einmal die Daumen, Elfi.«
Elfi konnte nichts erwidern. Stumm und mit versteinertem Gesicht stand sie vor ihm.
»War ich nicht immer ein liebevoller Mann und Vater für euch? Verschwand ich nicht aus der Welt des Ruhms in die Entwicklungsabteilung des Werks, damit du dich nicht mehr zu fürchten brauchtest? Aber was ist ein Tag voller Spannung und Angst gegen die Freude, die du mir mit deinem Vertrauen schenken würdest, Elfi!«
Da wandte sie sich um, rannte aus dem Zimmer.
*
»Sie möchten bitte mal zu Herrn Baumann ins Büro kommen, Urs!«, rief die Sekretärin des Architektenbüros Baumann und Partner dem Studenten zu, der während der Semesterferien für alle möglichen Hilfsarbeiten eingestellt worden war.
Urs, gerade zwanzig geworden und noch nicht ganz sicher im Umgang mit Chef und Kollegen, sah sie verdutzt an. Dann griff er sich ins Gesicht. Er war wieder mal unrasiert.
»Hat Herr Baumann gesagt, warum? Seh ich wieder unmöglich aus?«
Die Sekretärin hob lachend die Schultern. »Vielleicht sollten Sie sich mal wieder die Haare schneiden lassen!«
»O Schreck!«, stöhnte Urs. Seine Haare waren wirklich etwas lang. So voll und lang gefielen sie allerdings sehr vielen Mädchen.
Unter den freundlichen, teils amüsierten Blicken der anderen Mitarbeiter huschte er schnell ins Chefbüro.
Herr Baumann stand am Fenster und zog an seiner Pfeife. Er war schon über sechzig und hätte wirklich Urs’ Vater sein können. Und nicht nur darum empfand Urs großen Respekt für den Architekten.
»Also…«, begann Urs verwirrt. »Ich brauch doch ein neues Auto. Und darum habe ich bei Freunden Küche und Flur gestrichen. Zwei Abende und das Wochenende hat das gebraucht. Morgen gehe ich aber gleich zum Friseur.«
»Warum?«, fragte der Chef schmunzelnd.
»Weil…«, Urs zögerte, »ja, ich dachte, Sie wollten mich deswegen sprechen.«
»Aber nein!« Herr Baumann ging auf seinen Schreibtisch zu und setzte sich, nachdem er Urs ebenfalls zum Platznehmen aufgefordert hatte.
»Ich wollte Ihnen einen Vorschlag machen, Urs. Sie können auch während des Wintersemesters einige Stunden wöchentlich bei uns arbeiten. Ich bin zufrieden mit Ihnen.«
Urs wurde rot. So etwas Nettes hörte er nicht alle Tage. Denn noch bereitete ihm sein angefangenes Architektenstudium mehr Schwierigkeiten, als dass es ihm zu Erfolgserlebnissen verhalf. Was würde seine Mutter wohl zu diesem Angebot sagen? Wahrscheinlich war sie dagegen, und das sagte er Herrn Baumann.
»Ihre Mutter?«, erkundigte der sich überrascht. »Und Ihr Vater?«
»Mein Vater starb, als ich zehn war.«
»Das tut mir leid. Dann haben Sie es wohl nicht immer leicht gehabt?«
Urs lächelte. Er war ein gut aussehender junger Mann.
»Meine Mutter ist Kinderärztin. Wenigstens haben meine Schwester und ich nie auf etwas verzichten müssen – außer auf eine Mutter. Aber das hielt sich in Grenzen. Wir haben eine herrliche Jugend in unserer kleinen Villa verbracht.«
»Ach, eine Schwester haben Sie auch noch?«
»Sogar schon einen Neffen!« betonte Urs stolz. »Meine Schwester hat vor über sechs Jahren Fred Bodemar geheiratet. Kennen Sie den?«
Harald Baumann musste nicht lange überlegen. »Den kennt doch jeder. Das war ein As von Weltklasse.«
»Klar!« stimmte Urs begeistert zu. »Und der ist mein Schwager. Aber er fährt jetzt keine Rennen mehr, weil er ja Familie hat.«
»Das nenne ich vernünftig.«
Urs starrte seinen Chef an. Er war enttäuscht. Der dachte ja genauso zimperlich wie Elfi und seine Mutter. Denn Urs hielt Freds zurückliegende Entscheidung für völlig falsch.
»Hm«, machte er nur.
Das Telefon auf dem Tisch klingelte. Der Architekt führte ein kurzes Gespräch, dann sah er auf die Uhr.
»Gleich ist Feierabend, Urs. Ich hoffe, Sie überlegen sich mein Angebot und geben mir noch diese Woche Bescheid. Sonst werde ich mich nach einer zweiten Aushilfskraft umsehen.«
»Ja, danke, Herr Baumann.«
Urs erhob sich. Als er wieder in den Zeichensaal trat, schenkte ihm keiner der Mitarbeiter Aufmerksamkeit. Denn dort zwischen den Zeichenbrettern und Arbeitstischen stand eine junge Dame, die offensichtlich auf Urs’ Kommen gewartet hatte.
Sie hatte kurze, fast schwarze Haare und sich ein rotes Band mit einer Schleife um den Kopf gebunden. Unter dem sehr kurzen knallblauen Rock trug sie schwarze Strümpfe. Ihre Beine, formvollendet und elegant, staksten auf den Studenten zu.
»Ist mein Vater jetzt allein?«, fragte sie.
»Ihr Vater?«, fragte Urs verdattert.
»Ja, mein Vater. Ich bin Martina Baumann.«.
Urs trat sofort beiseite. »Urs Tramitz«, stellte er sich mit einer leichten Neigung seines Kopfes vor.
»Urs?« Sie krauste ihr Näschen und ließ ihm unter dichten Wimpern einen forschenden Blick zukommen. »Von Ihnen habe ich ja noch gar nichts gehört! Na, ich werde mich erkundigen. Ich hole meinen Vater jetzt nämlich ab. Wir verbringen die blaue Stunde in der New York-Bar.«
Urs fühlte, wie er rot wurde. Die Selbstsicherheit dieses auffallend schönen Geschöpfes verwirrte ihn. Er war froh, als sie hinter der Tür verschwunden war und er sich wieder an seinen Arbeitstisch begeben konnte.
»Verwöhnte Göre!«, zischte sein Kollege Fritz, der nur etwas älter als Urs, aber als technischer Zeichner angestellt war.
Urs tat so, als habe er das nicht gehört, denn in seinen Augen war Martina weit mehr als die Tochter des Chefs – sie war ein Naturereignis, das er nicht so schnell vergessen konnte.
»Fünf Uhr«, sagte Fritz nach einer Weile und deckte seine Zeichenfläche zu. »Hinein ins Leben. Kommst du mit, noch ein Bier an der Ecke trinken oder musst du heute wieder malen?«
Urs erwachte wie aus einem Traum. »Ich fahr heim, Fritz.« Dabei sah er die Tür an, die zum Chefzimmer führte. Und tatsächlich, sie öffnete sich. Martina trat heraus. Urs’ Herz begann wie wild zu hämmern.
»Stimmt es, Urs, dass Ihr Schwager der Rennfahrer Fred Bodemar ist?« Er nickte.
»Toll!«, staunte sie, und ihre Augen wurden noch größer. »Über den müssen Sie mir was erzählen! Nächsten Montag um diese Zeit in der »New-York-Barg?«
»Gern«, sagte er und wurde rot. »Natürlich, sehr gern.«
»Bis dann, Urs!« Sie stöckelte hinaus. Urs holte tief Luft. Und er wusste schon, dass er Harald Baumanns Angebot annehmen würde. Seine Mutter würde er gar nicht erst fragen.
*
An drei Nachmittagen der Woche machte Frau Dr. Ursula Tramitz Krankenbesuche bei ihren kleinen Patienten. In den letzten Wochen, während viele Eltern mit ihren Kindern im Urlaub gewesen waren, hatte sie ein wenig kürzer treten können.
Jetzt aber griff eine leichte Grippe um sich, und so hatte sie an diesem Tag an den Betten von acht fieberkranken Kindern gestanden.
Sie schlug die Tür ihres Autos zu und ging auf ihre Villa zu. Dabei sah sie sich suchend nach dem alten Karren ihres Sohnes um.
Er war noch nicht da. Auch gut, dann konnte sie das von ihrer Haushaltsgehilfin vorbereitete Essen aufsetzen und sich ein wenig hinlegen. Sie hatte die Haustür noch nicht aufgeschlossen, als sie das Telefon drinnen läuten hörte.
Noch in ihrer leichten Jacke eilte sie ins Arbeitszimmer und nahm den Hörer ab.
Der Vater des kleinen Stefans meldete sich. Stefan war mit einer Darmstörung geboren worden und jetzt erst, mit vier Monaten, aus der Klinik entlassen worden. Nun bat Herr Schmitz sie, die Patenschaft bei Stefans Taufe zu übernehmen. Gerührt sagte Ursula zu.
Dann trat sie ans Fenster und zog die Vorhänge auf. Die letzten Sonnenstrahlen sollten hereindringen. Noch einige Wochen, dann wurde es herbstlich und begann früh zu dunkeln. Sie sah hinaus in den Garten. Die letzten Rosen blühten jetzt üppig.
»Ursula?« Da die Haustür meistens nur angelehnt blieb, sowie sich jemand in der kleinen Villa befand, konnten Freunde und Nachbarn jederzeit eintreten. Ursula erkannte die Stimme von Sophie sofort. Früher, als die Tochter der Nachbarn noch klein gewesen war, hatte sie sie manchmal von harmlosen Beschwerden kuriert und ihre Schrammen und Wunden verarztet.
Inzwischen war Sophie fast achtzehn. Aber das freundschaftliche Verhältnis war geblieben, denn Sophie und Urs verbrachten, wie früher in der Sandkiste, immer noch sehr viel Zeit miteinander.
»Komm nur herein, Sophie!«, rief Ursula.
»Ist Urs noch nicht da?«
Sophie trat ein, und Ursula stieß einen Laut der Anerkennung aus.
