Mein Potenzial entwickeln – Das Pendel als Navigator - Friedel Marksteiner - E-Book

Mein Potenzial entwickeln – Das Pendel als Navigator E-Book

Friedel Marksteiner

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Beschreibung

Was ist mein Potenzial? Wenn wir uns ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzen, werden wir neuen Herausforderungen mit Zuversicht entgegensehen. Wir werden passende Lösungen für alte Themen finden, neue Einstellungen entwickeln und den Sinn für das Machbare schärfen. Auf der inneren Reise zu unseren Potenzialen ist das Pendel unser Navigator. Mit seiner Hilfe finden wir Zugang zu ihnen – im Besonderen zu unseren Charaktereigenschaften und Bedürfnissen. Wir können sie bewusst erfahren, ihre Energien messen und Wege finden, sie zu stärken. Das führt schließlich dazu, dass wir mit ihnen im Einklang sind. Durch das bewusste und achtsame Umgehen mit unseren Potenzialen verbinden wir uns mit unserem eigentlichen Selbst und öffnen uns für eine neue Dimension.

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Seitenzahl: 241

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99131-797-5

ISBN e-book: 978-3-99131-798-2

Lektorat: Isabella Busch

Umschlagfotos: Lumikk555, Mikeaubry, Tasakorn Kongmoon | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildungen: Irene Epp

www.novumverlag.com

Haftungsausschluss

Die Ratschläge und Empfehlungen in diesem Buch wurden sorgfältig erwogen und geprüft. Sie stellen jedoch keinen Ersatz dar für kompetenten medizinischen oder psychologischen Rat. Die Angaben in diesem Buch erfolgen daher ohne Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors und des Verlags. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

Vorwort

Zur Potenzialarbeit, also zur Arbeit an den geistigen Potenzialen, kam ich über die Erfahrung aus der jahrzehntelangen Beschäftigung mit Yoga, Pendeln und Psychologie. Mit Yoga konnte ich Zustände des Verbundenseins und der Freude erfahren, die weit über das hinausgingen, was ich mir davor vorstellen konnte. Daraus resultierte Entspannung,eine Stärkung meiner Konzentrationsfähigkeit und ein besseres Umgehen mit mir selbst und meinen Mitmenschen. Meine Einstellungen und Verhaltensmuster änderten sich allerdings nur wenig. Es blieben Abweichungen von dem, was ich mir als Verhalten gewünscht hätte, vielleicht in etwas abgeschwächter Form. Da ich den Grund für diese Abweichungen nicht kannte und weder durch Yoga noch durch Psychologie kennenlernen konnte, blieben sie über die Jahre meine ständigen Begleiter. Nicht, dass diese Abweichungen schlimm gewesen wären. Aber ich habe gemerkt, dass sie mich in meiner Entwicklung gebremst haben, indem ich immer wieder in alte Muster zurückgefallen bin. Dieselbe Feststellung habe ich bei vielen Menschen gemacht, mit denen ich als Yoga-Trainer zu tun hatte.

Zum Pendeln kam ich über mein Interesse an Fragen der Gesundheit. Aus immer neuen Fragestellungen an das Pendel entwickelte sich allmählich die Einsicht, dass unsere geistigen Energien einen starken Einfluss auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben. Meine Beschäftigung mit dem Enneagramm gab schließlich den Ausschlag dafür, mich direkt mit den geistigen Potenzialen zu befassen. Das Enneagramm bringt uns die Qualitäten unserer Potenziale, vor allem der Charaktereigenschaften näher und versetzt uns in die Lage, besser einschätzen zu können, wie wir mit ihnen, also mit geistiger Energie im weitesten Sinne, umgehen. Von da aus war es nur noch ein kleiner Schritt zur Beschäftigung mit einzelnen Energien, Potenzialen, wie wir sie beispielsweise in unseren Charaktereigenschaften und Bedürfnissen haben. Dabei konnte ich feststellen, a) dass man mit dem Pendel tatsächlich geistige Energien messen kann, b) dass Yoga recht hat, wenn es sagt, dass man geistige Energien mit Bewusstsein, Ausrichtung und Willen beeinflussen kann und c) dass die systematische Definition unserer geistigen Energien als Charaktereigenschaften, wie sie die experimentelle Psychologie vornimmt, stimmig ist.

Nach und nach konnte ich diese drei Bereiche zu einer Einheit zusammenführen und möchte sie nun in dieser Einheit als einen Weg der Entwicklung unseres Selbst präsentieren.

Einleitung

Selbstverwirklichung ist in unserer Gesellschaft ein starker Begriff. Für viele Menschen ist sie ein echtes Bedürfnis. Gemeint ist nicht die flache Form des Ego-Trips, der sein Heil im äußeren Erfolg sucht, sondern das Bemühen, in die Welt zu bringen, was uns im Innersten ausmacht. Selbstverwirklichung bedeutet, uns selbst, unsere Identität mit allen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Begabungen zu verwirklichen und den eigenen, unverwechselbaren Charakter auszubilden. Da wir – bei allen Gemeinsamkeiten – unglaublich verschiedene Wesen sind, bedeutet das aber auch, dass wir Verschiedenes zu entwickeln haben. Aber was? An dieser Frage haben sich die Weisen von alters her ebenso abgearbeitet wie die umfangreiche Ratgeberliteratur in jüngerer Zeit. Der Beantwortung dieser Frage am ehesten auf der Spur ist nach meiner Überzeugung die östliche Spiritualität, Yoga, Buddhismus und Daoismus, um einige zu nennen. Sie rücken die Introspektion ins Zentrum, und damit das Erforschen und Kennenlernen des eigenen Grundes. Wir können ja nur verwirklichen, was wir kennen, womit wir vertraut sind.

Ich schlage in diesem Buch einen energetisch-messenden Weg vor. Zum Vermessen unserer inneren Welt und als Navigationsgerät zur Orientierung auf dem Weg der Entwicklung nehmen wir dabei das Pendel zu Hilfe – neben den Methoden und Techniken, die es für diese Entwicklung auch braucht. Dieses Buch richtet sich also an diejenigen, die sich schon auf den Weg der Entwicklung des eigenen Selbst begeben haben oder die neugierig sind, einen solchen zu begehen. Dass der hier vorgeschlagene Weg vielversprechend ist, bestätigten mir zahlreiche meiner Freunde, die das Manuskript zu diesem Buch mit großem Gewinn gelesen haben, obwohl sie mit dem Pendel keine Erfahrung hatten.

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Pendeln – anfangs hauptsächlich zu Gesundheitszwecken – und bin dabei in Bereiche vorgestoßen, die mit den geistigen Grundlagen der Gesundheit zu tun haben. Daraus ist der Gedanke entstanden, direkt mit den geistigen Potenzialen zu arbeiten – insbesondere mit den Bedürfnissen und Charaktereigenschaften. Mit diesem Vorgehen konnte ich zunächst die eigenen und dann auch die Potenziale anderer Menschen in ihrer aktuellen Ausprägung identifizieren und messen. Daraus resultierten erstaunlich präzise und zutreffende, oft – auch in eigener Sache – überraschende Ergebnisse. Erst durch das Pendelergebnis wurde mir beispielsweise klar, dass ich nicht gelernt habe, meine eigenen Bedürfnisse ausreichend gut wahrzunehmen. Dass solche Ergebnisse in einem Bereich erzielt werden, der uns normalerweise nicht bewusst zugänglich ist, deutet darauf hin, dass wir hier bislang ungenutzte Möglichkeiten zur Entwicklung und Verwirklichung unserer Potenziale haben.

Tatsächlich können wir die menschliche Grundfrage des ‚Wer bin ich?‘ auf eine ganz neue, einfache und systematische Art stellen und beantworten, wenn wir die Welt unserer geistigen Potenziale mit dem Pendel für uns erschließen. Wir können unsere Stärken und Schwächen zielgenau identifizieren und wir können durch Messung feststellen, ob wir mit unseren Potenzialen in einem kohärenten Zustand sind, im ‚Flow‘, wie es der Psychologe M. Csikszentmihalyi genannt hat. Um diese Potenziale gezielt in einen kohärenten Zustand zu bringen, braucht es natürlich mehr. Davor liegt die Aufgabe, unsere geistigen Potenziale kennenzulernen, ihre Funktion und Wirkungsweise zu verstehen, sowie Möglichkeiten zu finden, mit ihnen energetisch zu arbeiten. Die Summe all dieser Aktivitäten möchte ich als Potenzialarbeit bezeichnen. Das Verständnis dafür werde ich in den folgenden Kapiteln anhand von Beispielen der Potenziale der Charaktereigenschaften und der Bedürfnisse vermitteln. Das sind diejenigen Potenziale, die den inneren Kern unserer Persönlichkeit, unsere Identität beeinflussen und steuern. Ganz allgemein gesprochen sind unsere Bedürfnisse das, was unsere Aufmerksamkeit nach außen lenkt und uns im Leben vorwärtstreibt. Unsere Charaktereigenschaften dagegen machen das Wie unseres Seins und Tuns aus. Sie prägen unser Verhalten, unsere Einstellungen, die Art und Weise, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen und wie wir mit uns selbst und mit anderen Menschen umgehen.

Im ersten Schritt der Potenzialarbeit geht es darum, dass wir uns im Rahmen einer Bestandsaufnahme durch gezielte Abfragen und Messungen einen Überblick über unsere Potenziale verschaffen, insbesondere darüber, wo Entwicklungsbedarf besteht, wir also das in uns angelegte Potenzial nicht ausgeschöpft haben. Wir werden auch der Frage nachgehen, welche von den Potenzialen ‚störanfällig‘ sind, d. h. mit Situationen von Stress im Zusammenhang stehen.

Um Potenziale zu entwickeln, müssen wir sie auch beeinflussen können. Hier gibt es eine ganze Reihe von Methoden, psychologische, energetische, geistige. In den Abschnitt zur laufenden Potenzialarbeithabe ich Übungen aufgenommen, die sich für mich bewährt haben. Diese können durch eigene ähnliche Übungen ergänzt oder ersetzt werden. Entscheidend ist, dass der Zweck der Übungen erreicht wird, den Energiefluss zu verbessern und die Energie der Potenziale zu stärken.Mit dem Pendel können wir bereits vorab testen, ob eine bestimmte Übung für uns und den gewünschten Zweck geeignet ist. Wenn wir unsere Potenziale immer besser verstehen und steuern lernen, schaffen wir die Voraussetzung für ihre Verwirklichung und damit für unser Glück. Carl-Friedrich von Weizsäcker hat diesen Zusammenhang sehr schön auf den Punkt gebracht: „Ich glaube, dass Glück letzten Endes ein Indikator der Stufen der Selbstverwirklichung ist.“1Das Thema Glück ist deshalb Gegenstand eines eigenen Kapitels.

Was wir hier über Potenzialarbeit sagen, handelt zwar vom Geist, hat aber viel mit Naturwissenschaft zu tun. Es bewegt sich im Rahmen des Weltbilds, das sich aus der neuen Naturwissenschaft – in der Folge der Quantenrevolution – ergibt. In unser Verständnis des Kosmos gehen die weitergehenden Vorstellungen der Quantenwissenschaften ein, dass die Natur und damit auch wir von Potenzialfeldern, also von Information und daraus abgeleiteter Energie gesteuert werden. Daraus ergibt sich für uns ein starkes Moment des Verbundenseins, da wir unsere geistigen Potenziale mit allen Menschen teilen. Dieses Verbundensein wird uns auch von der Anthropologie bestätigt, die uns zeigt, dass die Charaktereigenschaften für alle Menschen die gleichen sind, ohne dass sie in den Genen oder Instinkten angelegt wären.

Zum neuen Verständnis unserer Geistigkeit tragen auch die Humanwissenschaften bei. Psychologie, Neurowissenschaften und Verhaltensökonomie haben zuletzt gezeigt, dass die Geistigkeit nicht auf das Gehirn beschränkt ist und dass unsere Gefühle eine viel größere Rolle spielen als bisher angenommen. Anthropologie und Neurowissenschaften zeigen, dass der Mensch von seiner Prägung her altruistisch und prosozial ist, er wendet sich gerne und aufmerksam anderen zu. Anthropologie und Soziologie weisen uns darauf hin, dass im Wirtschaftsleben partnerschaftliche Strategien nicht nur erfolgreicher sind, sondern sich in unseren großen, vernetzten Gesellschaften zwangsläufig durchsetzen.

Aus all dem entsteht ein neues Welt- und Menschenbild. Es liegt auf einer geistigen Linie mit den im nächsten Abschnitt präsentierten Vorstellungen zur Potenzialwelt. Deshalb wird diese Entwicklung vom alten zum neuen Welt- und Menschenbild in geraffter Form in Anhang 1 dargestellt. Am Ende des Buchs findet sich ein Verzeichnis weiterführender Literatur.

Dass wir über unsere Potenziale geistig mit dem Kosmos verbunden sind und mit unserem Bewusstsein diese Potenziale auch beeinflussen können, stellt eine neue menschliche Grunderfahrung dar. Die Potenzialarbeit schafft einen Zugang zu ihr und damit ein neues Sinnerleben und einen Zugewinn an persönlicher Erfüllung. Das sollte Motivation genug sein, um uns mit ihr näher zu beschäftigen.

1 Die Welt der Potenziale

1.1 Die Logik der Potenziale

Wenn wir von Potenzialen sprechen, meinen wir im normalen Sprachgebrauch die Möglichkeiten, die in einem Menschen oder in einer Sache stecken. Potenziale haben aber noch eine weitergehende Bedeutung, in der sie vor allem in der Physik Anwendung finden. Danach sind Potenziale Felder, von denen Wirkungen, Energien ausgehen. Die bekanntesten Felder der Physik sind das Gravitationsfeld und das elektromagnetische Feld. In jüngster Zeit wurde der Feldbegriff der Physik erweitert um die sogenannten Quantenfelder, die den Aufbau der Materie steuern, etwa die Felder der Elektronen oder der Atome. Der Quantenchemiker Lothar Schaefer hat vor wenigen Jahren gezeigt, dass Potenziale – als Informationsfelder – ein allgemeines Instrument der Natur sind. Die Vorgänge bei der Molekülbildung, also der Synthese von Molekülen aus Atomen, werden durch sogenannte Potenzialfelder – mit kosmischem Wirkungsbereich – gesteuert. In diesen Potenzialfeldern sind die Regeln der Molekülbildung enthalten. Diese Regeln bestimmen, welche Moleküle aus den Wellenformen der an der Molekülbildung beteiligten Atome entstehen können. Das konnte Schaefer mithilfe der Wellengleichung von Schrödinger rechnerisch nachvollziehen. Er fand dabei Molekülformen, für die es zum Zeitpunkt der Berechnung experimentell noch keinen Nachweis gegeben hatte – die aber nachträglich gefunden wurden. Man kann die Existenz dieser Potenzialfelder nur aus ihren Wirkungen ableiten, messtechnisch sind sie nicht nachweisbar.

Potenzialfelder scheinen auch bei der Makroevolution der Pflanzen und Tiere eine Rolle zu spielen, bei der Bildung neuer Arten. Das lässt sich sehr schön an der parallelen Entwicklung von Säugetieren und Beuteltieren zeigen. Nach der Abtrennung des australischen Kontinents haben sich die Säugetiere und die ihnen verwandten Beuteltiere auf Australien aus einer gemeinsamen Vorform der Maus entwickelt – zu dieser Zeit weltweit die einzige Säugetierart. Dabei entstanden über die Jahrmillionen in Australien und auf den anderen Kontinenten unabhängig voneinander Tiere mit fast identischem Aufbau: Katzen, Wölfe, Ameisenbären, Maulwürfe, Flughörnchen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass es sich einmal um Säugetiere und in Australien um Beuteltiere handelt. Das ist eigentlich nur zu erklären, wenn man ein gemeinsames Potenzialfeld annimmt, aus dem sich die Formen der verschiedenen Tiere entwickelt haben, und zwar nicht in zufälligen Mikroschritten, sondern in einem großen Entwicklungssprung – wie aus einer Blaupause. Als Ergebnis einer zufälligen Abfolge von einzelnen Mutationen ist es nicht plausibel zu erklären.

Felder scheinen also das universelle Werkzeug der Natur zu sein, das mithilfe von Informationen ihre Abläufe und Strukturen ordnet und organisiert. Mit den Molekülen und Atomen unseres Körpers sind wir unmittelbar in diese Feldstrukturen eingebunden. Von daher liegt es nahe, auch für unsere geistigen Potenziale eine feldartige Struktur anzunehmen, zumal sie mit den Feldern unserer Moleküle und Atome in einem gegenseitigen Austausch stehen. Unsere geistigen Potenziale geben z. B. in Form von Gefühlen Impulse an die Atome und Moleküle unserer Zellen und Organe weiter und empfangen umgekehrt von diesen Impulse, die sich dann als Gefühle manifestieren.

Welches sind nun unsere wichtigsten geistigen Potenziale? Das sind einmal die Potenziale der Möglichkeiten des Wissens und des Tuns, in Form unserer Anlagen, Begabungen, Fähigkeiten und Kenntnisse – wie z. B. Sprache, Literatur, Musik, Kunst, Handwerk oder Sport. Das sind Felder, die alle Möglichkeiten zu einem Themengebiet enthalten – realisierte wie noch nicht realisierte. Wir verbinden uns ganz selbstverständlich mit diesen Potenzialen und können unsere Möglichkeiten durch eigene Bemühungen erweitern: Wir lernen oder üben.

Dass diese Potenziale tatsächlich Feldcharakter haben, lässt sich aus den Forschungen der Psychologen und Neurowissenschaftler zum sogenannten Savant-Phänomen schließen. Der Entwicklungspsychologe Joseph Chilton Pearce hat in seinem BuchDer nächste Schritt der Menschheitausführlich darüber berichtet. Als Savants werden Menschen bezeichnet, die über herausragende Spezialbegabungen verfügen, obwohl sie auf dem geistigen Niveau von Kleinkindern stehen und weder schreiben noch lesen können. Die Begabungen der Savants haben eine breite Streuung. Oft geht es um Musik. Bereits nach einmaligem Hören sind manche von ihnen in der Lage, minutenlange Stücke tongenau wiederzugeben und Transkriptionen in beliebige Tonarten sowie freie Improvisationen über diese Stücke auszuführen. Es wurde auch über Fälle von Spezialbegabungen berichtet, in denen Savants im Kopf numerische Berechnungen mit astronomisch großen Zahlenwerten durchführten. Ein Savant-Zwillingspaar in den USA konnte kalendarische Daten über Tausende von Jahren exakt ermitteln, ein anderer Savant konnte aus dem Kopf die technischen Daten sämtlicher aktueller Automobiltypen aufsagen. Diese Fähigkeiten deuten auf eine intensive Verbindung der Savants mit bestimmten Potenzialfeldern hin, auf Kosten der Potenziale für die ‚normalen‘ geistigen Fähigkeiten, die bei ihnen kaum ausgebildet sind.

In eine ähnliche Richtung gehen die Arbeiten von James Hillman, dem langjährigen Leiter des C. G. Jung-Instituts in Zürich. Er hat in seinem BuchCharakter und Bestimmungan einer Reihe von biografischen Beispielen eindrucksvoll gezeigt, dass große Begabungen ihre geistigen Potenziale schon als Kleinkinder und ohne Vorbildung zu erkennen geben. Judy Garland etwa als natürlich begabte Tänzerin und Sängerin, die bereits mit zwei Jahren öffentlich in Erscheinung trat, oder Ingmar Bergman, der früh seine Begeisterung zeigte, Filme zu machen, oder Jehudi Menuhin, der mit vier Jahren bereits wusste, dass er Konzertgeiger werden wollte, oder Mozart, der mit drei Jahren mehr musikalisches Verständnis zeigte als die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang. Für Hillman ist klar, dass wir nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt kommen, sondern mit Begabungen, die eine intensive Verbindung mit bestimmten Themenfeldern zeigen.

Als weitere wichtige Potenzialarten sind unsere Bedürfnisse, Charaktereigenschaften und Gefühle zu nennen. Wir brauchen sie, um unsere Fähigkeiten und Anlagen aus der Möglichkeitsform in die Wirklichkeit zu bringen. Nur wenn wir das Bedürfnis haben zu musizieren und wenn es uns gelingt, die Disziplin aufzubringen zu üben, werden wir es zu einer Fähigkeit bringen, mit der wir an unserem Musizieren das Gefühl der Freude erleben. Diese Impulse erhalten wir von unseren Bedürfnissen, den Charaktereigenschaften und den Gefühlen.

Diese Potenziale machen unsere Identität, unseren Charakter aus. In ihnen steckt auch die Dynamik unserer Entwicklung. Sie gilt es freizulegen. Wenn es uns gelingt, uns mit den Feldern dieser Potenziale harmonisch zu verbinden, können wir uns aus dem Raum ihrer Möglichkeiten Inhalte zugänglich machen, die unsere Möglichkeiten erweitern.

Dass auch diese Potenziale einen feldartigen Charakter haben, lässt sich aus den Forschungsergebnissen der Anthropologie und der Psychologie ableiten. Die Forschungen der Anthropologen haben gezeigt, dass die Potenziale unserer Charaktereigenschaften und Gefühle, wie Vertrauen, Liebe, Zorn, Ärger etc. für alle Menschen – bei großen individuellen und manchen kulturbedingten Unterschieden – im Prinzip gleich sind, ohne dass sie in unseren Instinkten oder Genen verankert wären. Das lässt eigentlich nur den Schluss zu, dass wir zu den Charaktereigenschaften und Gefühlen Zugang über nicht-lokale Felder haben.

Das wird durch die Ergebnisse der positiven Psychologie und der Persönlichkeitspsychologie im Ansatz bestätigt. Die positive Psychologie hat in den 90er-Jahren begonnen, ein Konzept von Tugenden und Stärken aufzubauen und dabei festgestellt, dass diese weltweit im Wesentlichen übereinstimmen. Die Persönlichkeitspsychologie kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie hat durch Sprachanalyse fünf bzw. sechs Haupttypen von Charaktereigenschaften herausgearbeitet, die sich auch im interkulturellen Vergleich als aussagekräftig und stabil herausgestellt haben. Sie hat diese unter den Begriffen ‚Big Five’ bzw. ‚Big Six‘ zusammengefasst und kann aus dem Vorhandensein bzw. der Stärke ihrer Ausprägung Wahrscheinlichkeiten für das künftige Verhalten einer Person ermitteln (s.a. Tabelle der Charaktereigenschaften in Anhang 3).

Eine weitere wichtige Potenzialart ist das Bewusstsein, als reine Energie. Mit dem Bewusstsein steuern wir die verschiedenen Potenziale an: Wir denken nach, wir musizieren, wir freuen uns. Im normalen Alltag ist diese Steuerung allerdings im Stand-by-Modus. Wir handeln meist gewohnheitsmäßig bzw. automatisch und auf die Außenwelt ausgerichtet. So nehmen wir auch nicht wahr, welche Potenziale wir gerade ‚aktiviert‘ haben, wie es uns im Inneren geht. Unsere Steuerung aktivieren wir nur, wenn wir eine schwierige Aufgabe zu erledigen oder eine Entscheidung zu treffen haben. Dann sind wir fokussiert und richten uns auf Potenziale aus, die wir für die Erledigung unserer Aufgabe brauchen. Das kann z. B. das Potenzial Mut sein, wenn wir in einer schwierigen Situation sind. Wenn wir mit unseren Potenzialen bewusst umgehen, können wir sie gezielt beeinflussen, wir sind sogar in der Lage, bei ihnen nachhaltige Veränderungen anzuregen. Der Neurowissenschaftler Richard Davidson konnte das in seinen Versuchen zeigen. Er stellte über die Messung von Gehirnströmen fest, welche Gehirnbereiche von bestimmten Potenzialen angeregt und entwickelt werden, dass z. B. ganz bestimmte Gehirnareale aktiviert werden, wenn wir glücklich sind. Durch Meditation mit dem Fokus auf liebevoller Zuwendung (loving kindness) konnten seine Probanden diese Bereiche messbar aktivieren, was zu dauerhaften Veränderungen im Gehirnaufbau führte. Achtsamkeitsmeditation allein hat diese Ergebnisse nicht erreichen können.

1.2 Die Potenziale für die Potenzialarbeit

Ganz allgemein und theoretisch können wir also sagen, dass wir durch Impulse von geistigen Potenzialen in unserem Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst und gesteuert werden. Wenn wir uns ansehen, welche Potenziale das vor allem sind, dann sind das zunächst die Potenziale unserer Bedürfnisse, also das, was uns im Leben vorwärtstreibt. Und dann sind es die Potenziale unserer Charaktereigenschaften im weitesten Sinn: Das sind die Potenziale, die das Wie unseres Seins und Tuns ausmachen. Sie prägen unser Verhalten, unsere Einstellungen, die Art und Weise, wie wir unsere Bedürfnisse erfüllen und wie wir mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umgehen.

Was sind Bedürfnisse?

Unsere Bedürfnisse steuern das Was unseres Tuns. Sie melden sich meist in Form von Wünschen. Sie sind die Potenziale, die uns motivieren und unsere Aufmerksamkeit auf die Wunscherfüllung lenken. Sie bringen uns dazu, zu essen, zu schlafen oder uns im Rahmen einer Partnerschaft oder Familie zu verwirklichen, einer besonderen Fähigkeit oder Begabung nachzugehen oder eine Arbeit zu tun, die wir gerne ausüben. Ob es uns gelungen ist, Bedürfnisse zu erfüllen, oder ob wir daran gescheitert sind, vermittelt sich uns durch Glück spendende oder Stress erzeugende Gefühle, also durch positive oder negative Rückmeldung.

Wenn wir Bedürfnisse energetisch betrachten, leiten sich aus ihnen Energien ab, Impulse, die uns dazu bringen, in Richtung auf ihre Erfüllung aktiv zu werden, einschließlich der Impulse, sie weiterzuentwickeln. In diesem Zusammenhang ist es hilfreich herauszufinden, was unsere wichtigen Bedürfnisse bzw. welches die Ebenen und Bereiche sind, die für die Erfüllung unserer Bedürfnisse geeignet sind. Ebenso hilfreich ist es, nach störenden Einflüssen und deren Ursache zu suchen, wenn wir ein Bedürfnis nicht ausreichend erfüllen konnten.

Der Psychologe Abraham Maslow machte die Erforschung der Bedürfnisse zu seiner Lebensaufgabe. Er fand heraus, dass Bedürfnisse eine natürliche, stufenweise Entwicklung zeigen. Für diese Entwicklung hat er mehrere Ebenen vorgeschlagen, die nach ihm benannte Maslowsche Bedürfnispyramide. Er bezeichnet ihre Hierarchie als ‚instinktoid‘, also ähnlich unseren Instinkten, da ihre Ebenen bei allen Menschen gefunden werden. Es sind die sechs Ebenen vitale Grundbedürfnisse, Sicherheit, Geborgenheit/Zugehörigkeit, Achtung/Wertschätzung, Selbstverwirklichung und Transzendenz. Die Ebenen der Bedürfnisse sind uns allen gemeinsam, wir unterscheiden uns aber darin, auf welcher Ebene wir unsere Bedürfnisse leben. Entwicklung eines Bedürfnisses bedeutet somit Intensivierung oder eine neue Qualität, die sich in der Einbeziehung einer neuen Ebene zeigen kann. Entwicklung kann sich aber auch im Auftauchen von neuen Bedürfnissen zeigen – wir brauchen da nur an die Abfolge unserer Lebensphasen zu denken.

Man kann also von einer Richtung der Entwicklung sprechen. Bei den Potenzialen, die wir in unseren Bedürfnissen realisieren, ist es die Maslowsche Bedürfnispyramide, die uns eine Richtung zeigt, von der grundlegenden Bedürfnisebene der materiellen Existenz zur Bedürfnisebene der Transzendenz. Klar, es gibt da keine lineare Entwicklung von A nach B, aber wir können aus der Form, in der sich unsere Bedürfnisse melden, Rückschlüsse ziehen, auf welcher Ebene dieser Pyramide wir aktuell stehen bzw. auf welche Ebene wir uns bei einem Bedürfnis zu bewegen.

Nicht alle unsere Bedürfnisse sind allerdings von dieser Entwicklung in gleicher Weise betroffen.Die Motivationspsychologie unterscheidet zwischen Mangelbedürfnissen und Wachstumsbedürfnissen. Mangelbedürfnisse sind im Wesentlichen unsere materiellen Grundbedürfnisse. Wir werden auf sie aufmerksam, wenn ein Mangel eintritt, wenn wir beispielsweise Hunger haben. Nach der Befriedigung geht das Bedürfnis wieder in den Wartezustand zurück. Als Wachstumsbedürfnisse gelten unsere ‚höheren‘ Bedürfnisse, also diejenigen, die über die materiellen Bedürfnisse hinausgehen, wie das Bedürfnis nach Anerkennung oder das nach Verwirklichung. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nie die vollständige Erfüllung erreichen. Wenn wir also von der Entwicklung von Bedürfnissen sprechen, sind vor allem die Wachstumsbedürfnisse gemeint.

Die Tabelle der Bedürfnisse in Anhang 3 ist der Versuch einer systematischen Darstellung. In der ersten Ebene ist sie nach Lebens- und Erfahrungsbereichen gegliedert. Innerhalb der Bereiche ist sie weiter unterteilt nach den Zielen, um die es bei den Bedürfnissen geht.

Was sind Charaktereigenschaften?

Für das Wie des Tuns stehen unsere Einstellungen, Gewohnheiten und Verhaltensmuster, die sich in unseren Charaktereigenschaften mit ihren Stärken und Schwächen manifestieren. Charaktereigenschaften beschreiben somit dauerhafte Eigenschaften einer Person, auf eine bestimmte Weise zu denken, zu fühlen und sich zu verhalten. Unsere Charaktereigenschaften entstammen zu einem guten Teil unseren Anlagen, zum Teil haben sie sich aus unseren Erfahrungen und Überzeugungen entwickelt. Charaktereigenschaften haben großen Einfluss darauf, auf welche Art wir unsere Bedürfnisse erfüllen, wie wir unsere Aufgaben erledigen und wie wir mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen umgehen.

Wenn wir die Charaktereigenschaften energetisch betrachten, stellen sie die Regler dar, die die Stärke und die Qualität der Energien bestimmen, die wir in unserem Handeln mobilisieren können. Sie steuern damit sowohl die Intensität unseres Tuns als auch die Stärke und Art der Rückmeldung in Form von Gefühlen, die aus unserem Handeln resultieren. Sie bewirken, dass wir eine Situation als angenehm empfinden und uns von ihr angezogen fühlen oder dass sie bei uns Stress oder einen Fluchtreflex auslöst. Die Charaktereigenschaften sind also entscheidend dafür, wie wir mit einer Situation umgehen und wie es uns in ihr geht.

Während es bei den Bedürfnissen verhältnismäßig einfach ist, die Rückmeldungen, die wir bei ihrer Aktivierung erhalten, einzelnen Potenzialen – Bedürfnissen – zuzuordnen, ist das bei den Charaktereigenschaften nur in Fällen des bewussten Erlebens möglich. Wenn wir uns im Rahmen des Gewohnten bewegen, bleiben die Rückmeldungen für uns unter der Wahrnehmungsschwelle, was aber nicht heißt, dass keine Rückmeldungen empfangen worden wären. Zusätzlich erschwert wird die Zuordnung, da wir es meist mit einer Vielzahl von Charaktereigenschaften zu tun haben, die gleichzeitig aktiv sind. So sind am Entstehen jeder unserer komplexen Empfindungen wie Glück oder Zufriedenheit mehrere Charaktereigenschaften im Zusammenwirken beteiligt. Für eine genaue Zuordnung brauchen wir die Hilfe unserer Mitmenschen, die uns durch ihre Reaktionen zeigen,wenn wir eine Charaktereigenschaft in einer besonders geeigneten oder ungeeigneten Form zum Ausdruck gebracht haben,oder wir brauchen eine Methode, mit der wir einzelne Potenziale in ihren Reaktionen messen können. Diese Zuordnung ist wichtig, wenn wir unsere Charaktereigenschaften in ihren Ausprägungen und Wirkungen kennenlernen und weiterentwickeln wollen.

Wenn wir uns mit einzelnen Potenzialen beschäftigen wollen, ist es zudem hilfreich, den Begriff Charaktereigenschaften um einen Sammelbegriff zu erweitern. Charaktereigenschaften haben viele Schattierungen und Nuancen, was ihre Benennung und Einordnung erschwert. Das hat auch die Persönlichkeitspsychologie erkannt und Sammel-Charaktereigenschaften wie die ‚Big Five‘ bzw. ‚Big Six‘ gebildet. Wir nähern uns den Charaktereigenschaften am besten durch Zusammenfassung, indem wir für ähnliche Eigenschaften einen Sammelbegriff einführen. Um das an einem Beispiel zu verdeutlichen: Der EigenschaftstypErwartungshaltung(s. die Tabelle der Charaktereigenschaften in Anhang 3) hat eine Spannweite über eine Reihe ähnlicher Eigenschaften, die von absoluter Sicherheit – dem Urvertrauen – bis zu größter Angst – dem absolut fehlenden Vertrauen – geht. Zwischen den beiden Extremen gibt es eine Vielzahl von Ausprägungen, die entweder mehr zum Urvertrauen oder mehr zur Angst tendieren. Jeder von uns partizipiert an mehreren dieser Ausprägungen und wird sie je nach Situation und Befindlichkeit in unterschiedlicher Form aktivieren. Als Sammelbegriff habe ich nun die Bezeichnung Charaktermerkmal eingeführt. Charaktermerkmale fassen die Eigenschaften eines Typs zusammen. Sie sind als polare Einheiten zu sehen, denen wie auf einem Vektor konkrete Ausprägungen – Charaktereigenschaften – zugeordnet sind. Das Minimum eines Vektors ist die schwache Ausprägung eines Charaktermerkmals, seine unentwickelte Form. Das Maximum ist die entwickelte Form. Die Charaktereigenschaften bilden in ihrer Zuordnung zu den Charaktermerkmalen ein Kontinuum zwischen den Extremen schwacher und starker Ausprägung. Das ist in der Tabelle in Anhang 3 dargestellt. Die Tabelle der Charaktereigenschaften wurde auf der Basis von Typisierungen der aktuellen Psychologieerstellt. Darin enthalten sind einige der von der positiven Psychologie alsCharakterstärkenbezeichneten Elemente. Ebenfalls in der Tabelle enthalten sind die Haupttypen der empirischen Persönlichkeitspsychologie, dieBig Fivebzw.Big Six, die in der Tabelle mit (BF) bzw. (BS) gekennzeichnet sind. Dazu sind in die Tabelle die dominierenden Charaktermerkmale der neun Typen des Enneagramms aufgenommen worden, die in der Tabelle mit (E 1–9) markiert sind (s. dazu auch Anhang 2).

Für Charaktereigenschaften können wir zwar keine Hierarchie aufstellen wie bei den Bedürfnissen, aber wir können die Entwicklungsrichtung für jede Charaktereigenschaft in der Bewegung von der schwächeren zur stärkeren Ausprägung auf der Linie ihres Charaktermerkmals sehen. Interessanterweise – aber durchaus folgerichtig – ist die starke Ausprägung eines Charaktermerkmals auch die energiereichere. Sie löst in uns die intensiveren, positiveren Energien aus. Wir spüren das auch und streben intuitiv zu den starken Ausprägungen. Die Philosophen der Antike, die Religionen und die Spiritualität wussten das, der modernen Wissenschaft ist das aus dem Blickfeld geraten. Die Aufklärung, die unsere heutige Wissenschaft stark geprägt hat, dachte mehr in den Kategorien von Vernunft und Logik als in denen von Gefühlen und Energien.

Das Bewusstsein

Das Bewusstsein ist unser Instrument für die verschiedenen Formen der Wahrnehmung: zur Beobachtung und Einfühlung, zur Unterscheidung und Entscheidung. Schließlich ist das Bewusstsein jene Stelle, von der energetische Impulse ausgehen. Diese Impulse entstehen entweder aus einer konzentrierten, willentlichen Ausrichtung, etwa als Geste der Zuneigung, oder sie finden in einer Form der Vereinigung mit einem Potenzialzustand statt, also etwa einem Gefühl, dem wir uns überlassen. Alle diese Bewusstseinsqualitäten haben eine Ausrichtung nach innen, wo auch die Potenziale aktiv sind.

Mit dem Blick auf unser Vorhaben der Potenzialarbeit stellt sich natürlich die Frage, ob wir mit unserem Bewusstsein die Voraussetzungen mitbringen, um mit unseren Potenzialen zu arbeiten. Dazu wäre eine genaue Kenntnis unserer Potenziale erforderlich, mit ihren Stärken und Schwächen. Wenn wir uns nun prüfen, wie viel wir über unsere Potenziale wissen, werden wir feststellen: erstaunlich wenig. Und das Wenige ahnen wir mehr, als dass wir es wüssten. Das wird jeder bestätigen, der schon einmal versucht hat, sein Verhalten in bestimmten Situationen zu hinterfragen und vielleicht zu ändern. Das gelingt uns im Alltag höchst selten, weil wir da – was unsere Wahrnehmung betrifft – über weite Strecken auf Automatik geschaltet sind. Wir nehmen nicht bewusst wahr, was in uns geschieht. Wir denken und urteilen in gewohnten Mustern, wissen aber gar nicht, dass es sich um Gewohnheiten und Muster handelt.

Aber selbst wenn wir uns bewusst nach innen ausrichten, sind wir nicht gut dafür gerüstet, den Anteil unserer verschiedenen Potenziale an unserem Verhalten richtig einzuschätzen. Das liegt zum einen daran, dass zu jedem Zeitpunkt mehrere Potenziale aktiv sind. Zum anderen haben wir keinen gedanklichen Zugang zu den Rückmeldungen zum Potenzialgeschehen, die wir über die Gefühle erhalten. Die bekommen wir aus dem limbischen System, unserem Gefühlsgehirn. Dieser Teil unseres Gehirns ist uns aber nicht klar und in Einzelheiten bewusst. Diese Schwäche versuchen wir mit logischen Begründungen unseres Verstandes zu kompensieren, der allerdings weniger auf Intuition als auf Rechtfertigung und Verteidigung spezialisiert ist. Das hat Daniel Kahneman in seinem BuchSchnelles Denken, langsames Denkengezeigt. Wir müssen also erst lernen, das Gefühlserleben in unser Denken und Handeln mit einzubeziehen und uns auch mit Gefühlserfahrungen der Vergangenheit auseinanderzusetzen, indem wir sie bewusst aufrufen, um sie verstehen und annehmen zu können.

Dazu kommen teils angeborene, teils erworbene Schwächen unserer Selbstwahrnehmung. Unser Bewusstsein ist zwar sehr gut darauf eingestellt, Unterschiede wahrzunehmen, aber nicht so gut darauf, diese Unterschiede zu bewerten. Wir neigen auch dazu, unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten zu überschätzen, so wie wir unseren Gewohnheiten und Einstellungen größere Bedeutung zumessen, als ihnen zukommt, weil wir mit ihnen vertraut sind. Auch diese Schwächen wurden in zahlreichen Versuchen der Verhaltensökonomie aufgezeigt (s. dazu Anhang 1).