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Auf das Leben von Gerhard Wolter trifft die biblische Abfolge von sieben guten Jahren, auf die sieben schlechte folgen, erstaunlich genau zu. Von den Höhen und Tiefen seines langen Lebens berichtet er in diesem Buch. Gerhard Wolter wurde 1924 im polnisch gewordenen Westpreußen geboren. Als der Zweite Weltkrieg begann, wurden über 4300 deutschstämmige Staatsangehörige Polens ermordet. Aber ein polnischer Nachbar warnte seinen Vater rechtzeitig und die Familie überlebte. Seine große Jugendliebe erlebte er mit 17 Jahren. Im Jahr darauf wurde er zum Wehrdienst einberufen und überlebte die Fronteinsätze, in der Gefangenschaft erkrankte er aber schwer. Erst mit 25 konnte er eine kaufmännische Lehre beginnen, dann auch beenden und leitend und in der Wirtschaft bis ins Alter von 80 Jahren recht erfolgreich tätig sein. Überschattet wurde ein Abschnitt seines Lebens von einer Scheidung und daraus resultierenden finanziellen Verpflichtungen, die ihn fast in den Ruin trieben - die sieben „mageren“ Jahre waren auf einem Höhepunkt. Doch es folgten auch wieder bessere Zeiten …
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Seitenzahl: 490
Veröffentlichungsjahr: 2016
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Meine biblischen sieben Jahre
Der Vorstandsvorsitzende
Die Fahrschule im Stadtzentrum
Das Baugelände einer Bäuerin
Hagen, mein Freund!?
Zwei Koffer voller Kalbfleisch
Ein haushoher Stapel voller Ölfässer
Der Jude, der den Holocaust überlebt hatte
Hagens Tongrube am Rande Hannovers
Hannovers Dreckberg
Das Treffen der Freunde in Lugano
Mein Versuch, in der Schweiz tätig zu werden
Der Marienberg-Freundeskreis
Mein Scheidungsgrund
Ich verschenke meine Immobilien
Mein Heiratsantrag
Meine Umschuldung
Gudrun verliebt sich und heiratet
Gudrun Abitur und ihr Architekturstudium
Mein Schwiegersohn verunglückt tödlich
Meine Schwiegereltern
Ein großer Immobilienverwaltungsbestand
Die Winterurlaube mit meiner Mona-Lisa
Mona-Lisa kauft ein Wohnhaus
Unsere Söhne
Der Anteil am Schafsteich
Die Jagdhütte wird verkauft und ein Haus gekauft
Die Wochenenden im Jagdhaus
Mit den Kindern im Heidedorf
Meine Eltern und die vielen Geschwister
Eckhard beendet sein Medizinstudium und heiratet
Eckhard will meine alte Heimat kennenlernen
Mein jüngster Sohn aus erster Ehe
Zwei Eigentumswohnungen für Mona-Lisa
Der Sommerurlaub im Schwarzwald
Die Winterurlaube mit meiner neuen Familie
Unsere erste Kanadareise führte uns nach Ontario
Unser Englandurlaub
Meine Schulfreundin Gerda
Der Verkauf des Heidehauses
Eine kleine und urgemütliche Jagdhütte
Unsere zweite Kanadareise
Unverhoffter Polenbesuch
Mona-Lisa kauft ein Vierfamilienhaus
Meine Immobilienverwaltung wird ausgelagert
Unser Kurzurlaub zu Himmelfahrt
Wir wollten Ostdeutschland kennenlernen
Meine drei Autounfälle
Die Jahrhundert-Wende
Ich schreibe wieder an Cilli
Die Europäische Gemeinschaft und die Eurowährung
Der Dachgeschoss-Ausbau und der Pkw-Einstellplatz
Christian, unser erstgeborener Sohn aus zweiter Ehe
Henrik, unser jüngster Sohn aus zweiter Ehe
Urlaub in Mieming Österreich
Meine Enkeltochter Grit verunglückt tödlich
Der Schüleraustausch von Kim
Unsere Reise nach Südafrika
Heiligabend mit Gudrun und Kim
Vorbereitungen zum Weihnachtsfest
Meine 50 Tage in Krankenhäusern
Erzählungen von Benedikt
Die Pro-Kopf-Verschuldung
Der Basta-Kanzler Deutschlands
Die Gesundheitsreform
Die intensiv bewirtschaftete Landwirtschaft
Die Chemie in unseren Lebensmitteln
Die Genmanipulation
Die Aufsichtsratsposten
Die Mega-Überland-Stromtrasse
Die schwarze „0“ des Finanzministers
Sonntags wird Schwiegermutter geholt
Schwiegermutter quartiert sich bei uns ein
Unsere spontane Reise in meine alte Heimat
Die Spreewaldfahrt
Das Treffen mit Swetlana
Mein Rückblick
Impressum
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.
Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
© 2016 novum Verlag
ISBN Printausgabe: 978-3-95840-127-3
ISBN e-book: 978-3-95840-128-0
Lektorat: Dr. phil. Ursula Schneider
Umschlagfoto: Gerhard Wolter – Plettenberg in Südafrika/Bucht am Indischen Ozeans, Teodora8 | Dreamstime.com
Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum Verlag
Innenabbildung: Gerhard Wolter
www.novumverlag.com
Meine biblischen sieben Jahre
In der Bibel, im Buch Mose, sind Pharaos Träume in den Versen 1 bis 36 des Kapitels 41 beschrieben, die ich verkürzt und sinngemäß wie folgt wiedergebe:
„Pharao träumte von sieben fetten und sieben mageren Kühen, die er am Nil stehend beobachtet hatte. Die sieben fetten Kühe wurden von sieben mageren Kühen aufgefressen.
Danach träumte Pharao auch von sieben dicken und langen Ähren, die an einem Halm gewachsen waren. Auch sie wurden von sieben dünnen, vom Ostwind versengten Ähren verschlungen.
Da sandte Pharao seine Knechte aus, um seine Träume von Gelehrten deuten zu lassen. Aber keiner von ihnen konnte seine Träume deuten.
Dann ließ Pharao Joseph aus dem Gefängnis holen, damit er ihm seine Träume deute. Joseph antwortete Pharao: „Mit beiden Träumen will Gott Pharao sagen, dass er in den sieben reichen Jahren den fünften Teil für die künftigen sieben schlechten und mageren Jahre sammeln solle, damit sein Ägyptenland sie überstehe.“
Mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit hatten auch meine „biblischen sieben fetten Jahre“ ihren Anfang genommen und als Vater von vier Kindern unterlag ich noch einem erträglichen Steuersatz. Nach meiner Scheidung und dem Auszug aus der häuslichen Gemeinschaft hatten sich meine Ausgaben fast verdoppelt, denn neben den recht hohen Unterhaltszahlungen an meine Kinder und meine geschiedene Frau hatte ich mir auch eine Eigentumswohnung gekauft. Damit hatte ich mich ziemlich verschuldet und auch keine Rücklage für Notzeiten mehr.
Zu allem Übel galt ich als Geschiedener beim geltenden Steuerrecht als ledig und unterlag damit der Steuerklasse I. Als ich meinen ersten Steuerbescheid für mich allein erhielt, hat es mich regelrecht umgehauen. Meine Steuernach- und -vorauszahlung betrug 128.000 DM, die in recht kurzer Zeitspanne zu leisten waren.
Da hatten die Weisheiten der Bibel an Geltung nichts verloren und es war offensichtlich, meine „sieben biblischen fetten Jahre“ waren vorbei. Ich unterlag dem damals höchsten Steuersatz von 53 % vom Netto-Einkommen.
Auch mein Bankkonto stand bereits im Minus. Es war offensichtlich, meine sieben mageren Jahre hatten begonnen und die sofort fällige Steuerzahlung erhöhte meinen Schuldenberg beträchtlich.
Dann fuhr ich zum Finanzamt und suchte den Beamten auf, der für mich zuständig war. Ich schilderte ihm meine finanzielle Lage und er hörte mir wortlos zu. Anscheinend gehörte er zu den Leuten, die wenig sprachen. Als ich dann um Stundung und monatliche Ratenzahlung bat, bestand seine Antwort nur aus dem Wort „Nein“.
Ich bat weiter: „Ich kann die recht hohe Steuerzahlung in einer Summe aber nicht leisten und darum bitte ich um monatliche Ratenzahlung!“ Seine Antwort lautete wiederum nur „Nein“.
Dann erklärte ich: „Wenn ich meine Steuerschuld nicht in Raten abzahlen darf, dann müsste ich meine Zahlungsunfähigkeit anmelden und dann würde das Finanzamt ganz leer ausgehen.“ Daraufhin sagte er erstmals mehr als nur ein Wort. „Dann gehen wir leer aus.“
Ich unternahm einen letzten Versuch. „Wenn ich vor Ihnen nun auf die Knie falle, gewähren Sie mir dann die Abzahlung meiner Steuerschuld in Raten?“ Da antwortete der Finanzbeamte mit den drei Worten: „Auch dann nicht.“
Mit hängenden Ohren verließ ich das Finanzamt. Während meiner Rückfahrt fiel mir aber der Steuerberater des schwedischen Unternehmens ein, für das ich bis zu meiner Selbstständigkeit tätig war. Er war ehemaliger Steuerbeamter und hatte noch gute Kontakte zu seinen ehemaligen Finanzamt-Kollegen. Ich fuhr auch gleich zu ihm. Ich schilderte ihm mein Problem, wurde Mandant bei ihm und er erreichte, dass ich meine Steuerschuld in Raten ausgleichen konnte.
Er machte mir aber auch bewusst, dass ich zu einer tragbaren Regelung für meinen zu zahlenden Unterhalt an meine Exfrau kommen müsse. Auch meine Bank hatte mich bereits wegen meines stark überzogenen Bankkontos angesprochen. Ich wusste allerdings, dass ein Gespräch mit meiner Exfrau kein Ergebnis bringen würde. Dann stellte ich die Unterhaltszahlung an sie ein und zahlte nur noch Unterhalt für meine Kinder.
An einem der folgenden Abende klingelte es an meiner Wohnungstür, und als ich dem vermeintlichen Besucher öffnete, stand meine Exfrau vor mir und sagte: „Wir kommen zum Abendbrot zu dir, nachdem du mir keinen Unterhalt mehr zahlst.“ Als ich meine Exfrau „wir“ sagen hörte, war ich mir sicher, sie hatte unseren jüngsten Sohn wieder als Druckmittel benutzt. Ich fragte: „Wo ist Mark?“
„Ich weiß nicht, wo er jetzt ist. Eben war er noch hier“, antwortete meine Exfrau in dem ihr eigenen Tonfall des „sanften Herzens“, wie eine ehemalige Nachbarin ihre Aussprache zu bezeichnen pflegte. Dann lief ich hinunter auf den Hof der Wohnanlage und suchte meinen sechs Jahre alten Sohn, der sich zwischen den abgestellten Autos versteckt hatte. Mark weigerte sich aber, mit seiner Mutter in meine Wohnung zu kommen, und beide gingen wieder fort.
Meine Exfrau beauftragte ihren aggressiven Rechtsanwalt, mich wegen der Unterhaltszahlung zu verklagen. Beim anberaumten Gerichtstermin sprach der Richter das Problem an und sagte: „Diese zu hoch angesetzten Unterhaltszahlungen haben den Grundstein für Ihre jetzige Situation geschaffen. Ich werde dafür sorgen, dass Ihre Unterhalte einer normalen und üblichen Höhe angepasst werden.“ Ich wollte aber die Unterhalte für meine Kinder nicht schmälern und so wurde in der Gerichtsverhandlung folgendes Vergleichsurteil gefällt:
Meinen Anteil am Wohnhaus musste ich auf meine geschiedene Frau übertragen. Für die folgenden fünf Jahre hatte ich noch monatlich 250 DM Unterhalt an meine Geschiedene zu zahlen. Am Schluss des Vergleichsurteils legte das Gericht wörtlich fest: „Damit sind alle Ansprüche, selbst für den Fall der Not, abgegolten.“
Als meine jüngste Tochter Isgard ihre Schulzeit mit der mittleren Reife abgeschlossen hatte, wollte sie für ein Jahr eine Schule für Krankengymnastik besuchen. Dafür wurde ein Schulgeld von monatlich 300 DM gefordert. Weil ihre Mutter dieses Schulgeld aber nicht übernehmen wollte, kam Isgard mit ihrer Bitte zu mir.
Als stille Reserve hatte ich zwei kleine Lebensversicherungen in der Hinterhand, die ich beim Ausscheiden aus dem schwedischen Unternehmen mitnehmen durfte. Ich verpfändete diese und erfüllte meiner jüngsten Tochter ihren Wunsch.
Als meine geschiedene Frau davon erfuhr, beauftragte sie wieder ihren aggressiven Scheidungs-Anwalt mit einer Klage beim Gericht. Ich musste ihr den halben Anteil meiner beiden Lebensversicherungswerte auszahlen, obwohl es im Vergleichsurteil des Gerichts für die Unterhaltszahlung hieß: „Mit diesem Vergleichsurteil sind alle Ansprüche, selbst für den Fall der Not, abgegolten.“
Meine geschiedene Frau hatte mich auch dafür bestraft, dass ich für unsere jüngste Tochter den Besuch der von ihr gewünschten Privatschule ermöglicht hatte, was eigentlich ihre Pflicht gewesen wäre. Sie nahm jede sich ihr bietende Gelegenheit wahr, um mich wie eine Zitrone auszuquetschen. Ich hatte aber keinen Nerv mehr, Berufung gegen dieses ungerechte Urteil einzulegen, sondern machte nur einen besonders dicken Haken unter meine Exfrau. Künftig achtete ich sehr darauf, dass ich bei Familien-Feierlichkeiten nicht mehr mit ihr zusammentraf.
Der Vorstandsvorsitzende
Meine Tätigkeit als selbstständiger Immobilien-Makler hatte bis dahin völlig normale Vermittlungsaufträge für Ein- und Mehrfamilienhäuser, Eigentumswohnungen und Baugrundstücke umfasst. Aus Wohnungs-Vermietungen hielt ich mich heraus und Großaufträge hatte ich noch nicht in Auftrag nehmen können. Die Aufbauphase hatte mein Immobilien-Unternehmen zwar verlassen, aber ich verfügte noch nicht über langjährig gewachsene Beziehungen als Makler. Sie deuteten sich aber an, wie ich nachfolgend berichten werde.
Dem Direktor eines namhaften AG-Unternehmens im Norden Hannovers hatte ich einen Bauplatz im Vorort von Hannover vermittelt. Weil er mit meiner Tätigkeit zufrieden war, empfahl er mich seinem Vorstandsvorsitzenden, der sich nach einem Immobilien-Unternehmen umsah. Teile des großen Betriebsgrundstücks der AG sollten diskret vermarktet werden, weil sie für die eigene Entwicklung nicht benötigt wurden. Auch eine feudale Villa in Herrenhausen stand zur Disposition.
Da wollte der Vorstandsvorsitzende mich kennenlernen und der mir gewogene Direktor arrangierte einen Termin in der Vorstands-Etage. Nach meiner Vorstellung wies der Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass diese Besprechung diskret zu behandeln sei und die Vermarktung von Teilen des Betriebsgrundstücks nicht in die Öffentlichkeit gelangen solle. Wie allgemein üblich, wollte auch er nach der Methode verfahren: „Wasche mir den Pelz, aber mache ihn nicht nass“.
Am Ende des Kontaktgesprächs sagte er zu mir: „Nun wollen wir in Ihrem Auto zum Betriebsgrundstück und dann auch gleich zur Villa fahren, damit Sie sich einen Eindruck von den Immobilien machen und uns gut beraten können. Meinen Chauffeur möchte ich aus dem zuvor genannten Grund nicht bemühen.“
Statt eine Ausrede zu erfinden, z. B., „ich bin leider mit dem Taxi gekommen, weil mein Auto zum Kundendienst ist“ oder ähnlich, bekam ich kein Wort heraus, aber einen roten Kopf und wir gingen zu meinem Auto auf den Firmen-Parkplatz. Meinem Begleiter war mein verändertes Aussehen nicht verborgen geblieben, und als ich ihm mit hochrotem Kopf die Tür zum Einstieg offen hielt, sagte er: „Es scheint, dass es ihnen nicht gerade gut geht.“
Da war ich wieder nicht imstande zu antworten, denn das Blut war mir so kräftig in den Kopf gestiegen, dass ich meinen eignen Pulsschlag hören konnte. Ich schämte mich und hatte auch das Empfinden, dass es dem Vorstandsvorsitzenden Freude bereitete, mir diese negative Feststellung an den Kopf werfen zu können.
Mein Auto war zwar erst fünf Jahre alt und es war auch eine Nobelmarke. Aber es war steuerlich abgeschrieben und hätte eigentlich gewechselt werden sollen. Weil ich meine Autos aber immer bar bezahlte, fehlte mir das Geld dafür. Es hatte auch viel zu früh an seinen Nahtstellen zu rosten begonnen. Anscheinend gab es auch bei dieser Nobelmarke sogenannte „Montagsautos“, an denen bei der Herstellung gepfuscht worden war.
Die Besichtigungstour verlief dann in verkürzter Form. Es kam nicht zur erhofften Zusammenarbeit mit dem Unternehmen, denn mein wenig ansprechendes Auto hatte über eine vielversprechende Zusammenarbeit entschieden. Die Vermarktung der besichtigten Immobilien übernahm ein Kollege. Damit war ich bei meinen „biblischen sieben mageren Jahren“ angekommen und dem Verlust dieses Großauftrages schlossen sich weitere an.
Die Fahrschule im Stadtzentrum
Von den weiblichen Inhabern einer damals führenden Fahrschule im Zentrum von Hannover sollte ich im westlichen Stadtrandgebiet ein größeres Baugrundstück mit genehmigtem Bebauungsplan in Auftrag nehmen.
Es bestanden die besten Voraussetzungen für eine schnelle Vermarktung der Baugrundstücke, denn aufgrund des damals bestehenden Baubooms war der Bedarf dafür recht groß. Alle Verhandlungen mit der Seniorin des Unternehmens waren erfolgreich verlaufen und ich sollte den Alleinauftrag in Empfang nehmen, der bei der Seniorin zur Unterschrift bereitlag.
Da stellte sich völlig unerwartet die jüngste Tochter der Unternehmerin quer und schaffte es, dass dieser Auftrag anderweitig vergeben wurde. Den Grund dafür konnte ich nur erahnen, denn bei Beginn meiner Selbstständigkeit hatte ich mir geschworen, mein Unternehmen korrekt und sauber zu führen.
Das Baugelände einer Bäuerin
Eine Bäuerin am nördlichen Stadtrand von Hannover war Eigentümerin eines größeren Baugeländes mit genehmigtem Bebauungsplan. Damals beschränkten die Kommunen sich auf die Erstellung von Bebauungsplänen und die Ausweisung von Bauland. Aus der Vermarktung der Grundstücke hielten sie sich damals noch ganz heraus, was heute nicht mehr der Fall ist. Die Grundstückspreise waren noch recht transparent und setzten sich aus dem Kaufpreis für das Grundstück und den Erschließungskosten zusammen, die an die Kommune zu zahlen waren.
Das Baugelände lag in einem Dreieck zwischen dem Mittellandkanal und der Eisenbahnstrecke. Ein Vetter der Bäuerin hatte mich für die Vermarktung des Baugeländes empfohlen. Ich war für ihn zwei Jahre zuvor im Nachbarort tätig gewesen, wo auch ein neues und großes Baugebiet entstanden war. Nachdem Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg seine Ostgebiete verloren hatte, waren die Einwohner in den Westen geflüchtet. Sie waren es dann, die wieder Besitz, und vor allem ein eigenes Haus haben wollten. Sie waren es auch an erster Stelle, die Deutschland das Wirtschaftswunder brachten.
Auch dieser Alleinauftrag lag bei der Bäuerin zur Unterschrift bereit und ich hatte dafür auch schon zwei namhafte Bauträger als Interessenten, die heute noch aktiv im Baugeschäft tätig sind. Auf Wunsch der Bäuerin sollte bei der Unterschrift des Alleinauftrages aber der damalige Vorsitzende des Landvolks anwesend sein, zu dem sie großes Vertrauen hatte.
Weisungsgemäß setzte ich mich mit dem Vorsitzenden des Landvolks in Verbindung, um mit ihm einen Termin bei der Bäuerin abzustimmen. Da entwickelte sich zwischen uns folgendes Telefonat: Der Vorsitzende des Landvolkes fragte: „Wer sind denn Ihre Interessenten und welchen Kaufpreis wollen die zahlen?“
Ich nannte die beiden und auch den von ihnen gebotenen Kaufpreis von 40,00 DM je qm Bauland. Darauf antwortete er: „Das sind ja 10 DM je qm mehr als ein mir vorliegendes Gebot von einem anderen Bauträger.“ Meine Antwort war: „Diesen Preis habe ich nicht gefordert, er wurde mir von den Bauträger-Gesellschaften als Gebot genannt.“
Der Landvolkvorsitzende meinte darauf: „Wenn das so ist, dann werde ich dafür sorgen, dass Ihnen zusätzlich auch eine Vermittlungs-Provision von der Verkäuferin gezahlt wird.“
„Das ist aber nicht üblich“, gab ich zurück und ergänzte: „Ich möchte meinen Alleinauftrag auch nicht nachträglich ändern, der bei der Bäuerin bereits vorliegt.“ Er erwiderte in recht barschem Ton: „Eigentlich vermittle ich dieses Grundstück und der von Ihnen benannte Preis liegt auch viel zu hoch.“
Es war in unserer Branche kein Geheimnis, dass dieser Landvolkvorsitzende gern diskret bestimmte Umschläge entgegennahm. Ich wollte aber meinem gewählten Prinzip treu bleiben. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass der mir genannte Preis für dieses Baugebiet schon einige Jahre üblich ist und es auch meine Standespflicht sei, den höchstmöglichen Preis für meine Auftraggeber zu erzielen. Daraufhin nannte er mir einen Termin bei der Bäuerin und beendete das Gespräch.
Ich fieberte diesem Termin regelrecht entgegen, denn ich benötigte den Auftrag dringend. Doch kurz davor rief mich die Sekretärin des Landvolkvorsitzenden an und teilte mir mit, dass der vereinbarte Termin leider ausfalle, da das Grundstück bereits verkauft sei.
Die Argumente seines ihm wohlgesonnenen Bauträgers waren wohl ertragreicher als meine mir auferlegte Korrektheit. Obwohl die Bäuerin großes Vertrauen zu diesem Mann hatte, hat er ihr einen erheblichen Verlust zugefügt.
Hagen, mein Freund!?
Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg hatte die Reichsmark ihren Wert verloren. Da gab es im Juni des Jahres 1948 eine Währungsreform und jeder Bürger erhielt 60 Deutsche Mark. Damit begann auch ihr Siegeszug in West-Deutschland und das Wirtschaftswunder.
Hagen war älter als ich. Er stammte aus Ostpreußen und ihm war es gelungen, einer Gefangennahme zu entkommen. Nach Kriegsende ersetzte wegen des Wertverlusts der Reichsmark Tauschware die Währung. Besonders Baumaterial aus den Trümmern der Städte war damals gefragt. So hatte Hagen mit seiner ostpreußischen Bauernschläue sofort die richtige Branche zur Selbstständigkeit gewählt.
Bauziegel waren in den völlig zerbombten Städten Deutschlands ein sehr begehrter Baustoff und Hagen lernte als Abbruchunternehmer die bittere Not nach der Währungsreform nicht kennen. Er hatte im total zerbombten Hannover keine Probleme, an Aufträge zu kommen.
Hagen kaufte Kies-, Sand- oder Tongruben privat auf, die er von seinem Unternehmen mit Schutt aus den Abbrüchen auffüllte. Danach waren seine ehemaligen Gruben Gewerbeland geworden, das er dann wieder privat verkaufen konnte und sein Wohlstand wuchs und wuchs.
In den folgenden Jahren hatte sich Hagens Betrieb zu einem der größten Abbruchunternehmen entwickelt. In der Vahrenwalder Straße in Hannover besaß er ein Gewerbe-Grundstück. Eine schwedische Niederlassung für Deutschland war bereits einige Jahre Mieterin dieses Grundstücks, auf dem Hagen eine Halle und auch ein Gebäude errichtet hatte.
Als ich Anfang der 1960er-Jahre kaufmännischer Leiter in diesem schwedischen Unternehmen wurde, begann meine Freundschaft mit Hagen.
In den 1970er-Jahren musste er sich einer Augenoperation unterziehen und bat mich, ihn nach Lugano in die Schweiz zu kutschieren, wo er eine Ferienwohnung besaß. Ich bin einige Tage bei ihm in Lugano am Monte Bre geblieben, damit ich ihn auch wieder nach Hannover kutschen konnte. Unterwegs erzählte Hagen mir viel vom Beginn seiner Selbstständigkeit und auch der Zeit danach.
So verging diese lange Hin- und Rückfahrt recht angenehm, denn beide hatten wir viel erlebt und somit auch viel zu erzählen. Während des Zweiten Weltkrieges war Hagen Hauptmann im Heer gewesen. Aus seiner Militärzeit berichtete er mir nur, dass er und einige Offiziere im Russlandeinsatz aufgebaumte Birkhähne geschossen hätten. Daraus schloss ich, dass er in der zweiten Frontlinie im Ost-Einsatz war.
Zwei Koffer voller Kalbfleisch
Aus seiner Militärzeit hatte Hagen einen Freund, der aus der ländlichen Gegend von Ostfriesland stammte. Gleich nach Kriegsende und noch vor der Währungsreform bekam Hagen von diesem Freund ein Kalb geschenkt. Er fuhr zu seinem Freund, das Kalb wurde heimlich geschlachtet und mit zwei vollen Koffern Kalbfleisch fuhr Hagen nach Hannover zurück.
Damals waren die Züge immer überfüllt. Die Schäden des Zweiten Weltkriegs an den Bahnstrecken waren noch nicht alle beseitigt und viele Städter fuhren in die umliegenden Dörfer, um Wertgegenstände gegen Lebensmittel zu tauschen. Der Hunger überall war groß und Lebensmittel gab es nur auf Bezugsscheine. Da stand der Tauschhandel in voller Blüte und ersetzte die wertlos gewordene Reichsmark.
So fand Hagen mit seinen beiden Koffern auf einer längeren Wegstrecke nur auf dem Waggondach liegend noch Platz, was damals wegen der überfüllten Züge durchaus üblich war. Mit jeder Hand musste er einen Koffer festhalten, damit die wertvolle Fracht nicht vom Zugdach rutschte. Als er in Hannover ankam, wurde er von einem Polizisten erwartet und verhaftet.
Der Polizist war allerdings ein Verwandter von ihm und seine Verhaftung war nur arrangiert, damit die damals sehr wertvollen Koffer auch sicher in Hagens Wohnung ankämen. Dort wurde das Kalbfleisch in Dosen eingekocht und auf einem gezimmerten Regal über der Flurgarderobe der kleinen Nachkriegs-Wohnung gelagert.
Nur wenige Wochen nach dem Einkochen gab es im Flur einen lauten Knall, eine Fleischdose im Regal war geplatzt und der Inhalt verbreitete einen fürchterlichen Gestank. Anschließend stellte sich heraus, dass alle dort abgestellten Fleischdosen rund und dick geworden waren und kurz vor dem Explodieren standen.
Der Grund dafür war: Nach dem Schlachten hatte das Kalbfleisch keine Zeit zum Auskühlen gehabt. Auch während der warmen Tageszeit war es in den Koffern recht dicht verpackt transportiert worden und so war das gesamte Kalbfleisch verhitzt, wie Fachleute diesen Zustand nennen. Alle rund aufgebeulten Dosen drohten zu explodieren. Sie mussten nun recht behutsam aus dem Hause geschafft, in Hagens Abbruchgrube an der B6 entsorgt und mit Bauschutt dick abgedeckt werden.
Ein haushoher Stapel voller Ölfässer
Hagen bekam als Abbruchunternehmer Kontakt zu einem Offizier der amerikanischen Besatzungstruppe in Süddeutschland, der Jude war. Dieser Offizier berichtete ihm, dass die amerikanische Besatzungsmacht ein Manöver bei Frankfurt a. M. durchführen wolle. Er zeigte Hagen auch einen haushohen und mit Planen abgedeckten Stapel voller Ölfässer und sagte: „Diese Ölfässer sind als Reserve für das Manöver gedacht. Sie werden dafür aber nicht benötigt werden.“
Damit hatte der amerikanische Offizier bei Hagen großes Interesse geweckt, denn Öl war damals ein sehr begehrtes Tauschmittel. Er machte mit dem jüdischen Offizier einen Handel und erwarb diesen haushohen Stapel Ölfässer, die aber erst nach dem Manöver abgeholt werden durften.
Als das Manöver beendet war und Hagen sein Öl abholen wollte, waren alle Fässer leer und im ganzen Manövergebiet verteilt. Den amerikanischen Offizier gab es nicht mehr und Hagen musste alle leeren Fässer einsammeln und auch entsorgen, wie es vertraglich vereinbart war. Seit dieser Zeit machte Hagen keine Geschäfte mehr mit amerikanischen Offizieren, die Juden waren.
Der Jude, der den Holocaust überlebt hatte
Auch ich hatte eine ähnliche Geschichte während meiner beruflichen Tätigkeit als kaufmännischer Leiter einer schwedischen Niederlassung in Deutschland erlebt und gab sie bei der langen Fahrt nach Lugano auch zum Besten.
Eines Tages wurde mir ein ausländischer Besucher gemeldet, der nur persönlich mit der Geschäftsführung sprechen wollte. Er weigerte sich auch, der Dame in der Anmeldung den Grund für seinen Wunsch zu benennen. Als diese mir davon berichtete, bat ich sie, den Besucher in mein Büro zu führen.
Dort erzählte er mir sehr glaubwürdig Folgendes: „Ich bin Jude und der einzige Überlebende einer jüdischen Großfamilie, der den Konzentrationslagern in Deutschland entronnen ist, und lebe in Amerika.“ Er sei nach Deutschland gekommen, um seinen Entschädigungsanspruch gerichtlich durchzusetzen. Er müsse seinen Lebensunterhalt aber selbst bestreiten und bitte deshalb darum, ihm die Kleinigkeit von 1000 Rollen Toilettenpapier abzukaufen.
Als schuldbewusster Deutscher unterschrieb ich das vorbereitete Bestellformular über 1000 Rollen Toilettenpapier, denn ein Bedarf dafür war immer vorhanden. Der Besucher bedankte sich höflich, er wurde von mir zum Ausgang geleitet und ich wünschte dem einzigen Überlebenden der jüdischen Großfamilie auch Erfolg beim Erstreiten seiner Entschädigung.
Einige Wochen danach kam ein ganzer Lastwagen mit Toilettenpapier und ich hatte neben dem Spott auch das Problem, die große Menge Toilettenpapier unterzubringen. Jeder Betriebsangehörige durfte sich einige Säcke mit nach Hause nehmen, damit der Rest überhaupt irgendwo gelagert werden konnte.
Mein Besucher hatte die Anzahl der Toilettenpapierrollen im sehr einfachen Bestellformular nur in Zahlen aufgeführt und es war für diesen angeblich vom Holocaust verschonten Juden sehr leicht gewesen, im Bestellformular noch einige Nullen hinzuzufügen.
Hagens Tongrube am Rande Hannovers
Eines Tages sagte Hagen zu mir: „Du musst mein Tongrubengelände an der B6 und am nördlichen Stadtrand von Hannover verkaufen.“ Es hatte eine Größe von 87.000 qm und wurde von einem nahe gelegenen Industrieunternehmen auch vertraglich für die Entsorgung seiner groben Reifenabfälle genutzt. Dafür zahlte es eine jährliche Pacht von 120.000 DM. Die von Hagen geforderte Kaufsumme sollte 1,2 Millionen DM betragen.
Da fragte ich meinen Freund Hagen: „Warum willst du dieses lukrative Grubengelände verkaufen, das dir bereits jetzt eine Rendite von zehn Prozent einbringt, obwohl es bei Weitem noch nicht gefüllt ist und dir noch lange für die Entsorgung deines Abbruchabfalls dienen kann? Der Wert dieses Grubengeländes kann sich nur noch steigern und dir Gewinn bringen!“
Hagen machte ein recht betrübtes Gesicht und antwortete: „Ich brauche das Geld aber jetzt dringend und darum muss ich es verkaufen.“ Da übernahm ich diesen Alleinauftrag gern, denn aufgrund seiner guten Rendite war er leicht zu vermarkten. Er passte auch gut in meine nicht gerade rosige Lage der „biblischen sieben mageren Jahre“.
Auf meine erste Anzeige für dieses Gewerbegrundstück meldete sich ein mir gut bekannter Unternehmer, den ich aus meiner früheren Tätigkeit in der Heizungsbranche auch persönlich gut kannte. Zum vereinbarten Besichtigungstermin kam sein Schwiegersohn mit, der Unternehmer für Markisen und Rollläden war. Nach der Besichtigung des Grubengeländes, das auch größere Grundstücksteile mit gewachsenem Boden enthielt, waren beide Unternehmer sofort bereit, dieses Gelände zum geforderten Preis von 1,2 Mio. zu erwerben. Beide Betriebe lagen im nördlichen Wohngebiet Hannovers und dort gab es für sie keine Möglichkeit, ihre gut eingeführten Unternehmen zu erweitern.
Hocherfreut über meinen schnellen Erfolg berichtete ich meinem Freund Hagen davon. Da machte Hagen wieder ein sehr trauriges Gesicht und sagte: „Ich darf das Grundstück leider doch noch nicht verkaufen. Mein Freund, der beim Finanzamt in leitender Position tätig ist, hat mir vor einer Stunde gesagt: „Wenn du noch ein Grundstück innerhalb der dir bekannten Jahresfrist verkaufst, dann müssen alle deine Grundstücksverkäufe steuerlich als gewerblicher Grundstückshandel bewertet und deinem Gewinn zugeschlagen werden. Du müsstest dann eine recht große Steuerschuld nachzahlen.“ Zum Schluss machte Hagen ein noch traurigeres Gesicht und meinte: „Du siehst doch ein, dass ich jetzt noch nicht verkaufen kann. Ich verspreche dir aber hoch und heilig, ich werde dich sofort verständigen, wenn das Grubengrundstück verkauft werden darf.“
Als Freund hatte ich das zu akzeptieren und legte diesen Alleinauftrag erst mal auf Eis. Auch diese Nachricht passte zu meinen „mageren sieben Jahren“. Es wäre auch zu schön gewesen, wenn dieser Auftrag zur Ausführung gekommen wäre.
Hannovers Dreckberg
Als ich wieder einmal im Hause meines Freundes Hagen weilte, sagte er zu mir: „In der Constantinstraße von Hannover liegt aus der Kriegszeit noch ein großer Dreckberg. Du hast doch recht gute Beziehungen zum Liegenschaftsamt. Könntest du es erreichen, dass ich mit meinem Abbruchunternehmen diesen Dreckberg im Stadtgebiet abtragen kann und dafür das geräumte Grundstück erhalte?“
Da fuhr ich zum Leiter des Liegenschaftsamtes von Hannover und trug ihm den Wunsch meines Freundes vor. Das Liegenschaftsamt zeigte großes Interesse, denn der Dreckberg war aus der Müllentsorgung im Stadtgebiet von Hannover während des Zweiten Weltkrieges gewachsen und er war der Stadtverwaltung schon lange im Wege. Sein Abtragen hätte aber recht hohe Kosten verursacht. So brachte mein Vorschlag für den leitenden Beamten des Liegenschaftsamtes eine gut machbare Lösung dieses Problems. Er konnte damit auch beim Bürgermeister der Stadt punkten.
Es kam zur schnellen Vertragsabwicklung und Hagen ließ von seinem Unternehmen das Grundstück in der Constantinstraße recht schnell räumen. Man konnte fast zusehen, wie Hagen Meter für Meter Eigentümer des etwa 30.000 qm großen Gewerbegrundstücks in Stadtlage wurde.
Aus Freundschaft hatte ich auf die in meiner Branche übliche Vermittlungsprovision von 4 % des Grundstückswertes verzichtet, denn Freund Hagen hatte mir den Alleinauftrag für die Vermarktung dieses millionenschweren Gewerbegrundstücks erteilt.
Das Treffen der Freunde in Lugano
Das Wetter zu Ostern war in Deutschland schlecht und Hagen lud seine Freunde über die Feiertage zu einem Treffen in Lugano ein. Einige Tage davor fragte er mich: „Könntest du mir einen Gefallen tun und mir einen Brief nach Lugano mitbringen?“ Den Gefallen tat ich meinem Freund gern. Ich übernahm den Brief und steckte ihn arglos in meine Jackeninnentasche, denn Hagen war mit seinem Abbruchunternehmen auch in der Schweiz tätig.
Das Wetter in Deutschland blieb zu Ostern kalt und nass. Als wir, mein Scheidungsgrund und ich, uns auf die Fahrt nach Lugano begaben, machten wir in Süddeutschland einen Stopp und so kamen wir in Lugano einige Stunden später als erwartet an.
Nachdem wir bei der Wohnungsanlage am Monte Bre angekommen waren, trafen wir auf Jochen, der auch eine Wohnung in diesem Komplex hatte. Recht vorwurfsvoll sagte er: „Wo wart ihr denn so lange? Hagen läuft schon seit Stunden wie Falschgeld herum.“ Da fragte ich ahnungslos: „Warum läuft Hagen denn wie Falschgeld herum?“ „Mensch, du hast doch einen Brief von ihm bei dir und darauf wartet er schon!“ Da erst fiel mir der recht dicke Umschlag in meiner Innentasche wieder ein und dann erst ahnte ich auch, was in diesem Umschlag war.
Da war ich sehr enttäuscht von Hagen und es ärgerte mich, dass er mich als ahnungslosen Kurier für einen größeren Geldbetrag benutzt hatte. Wenn ich an der Grenze kontrolliert worden wäre, dann hätte es mir schlecht ergehen können.
Doch weil ich total ahnungslos war, hatte ich mich am Grenzübergang völlig natürlich verhalten und das war mein Glück. Hätte ich geahnt, dass Hagen mir einen größeren Geldbetrag übergeben wollte, hätte ich seine Bitte abgelehnt und den Brief nicht angenommen.
Hagen kannte mich gut und wusste auch, wie er es anstellen musste, um mich als ahnungslosen Kurier zu benutzen. Das war eine ziemlich linke Tour gewesen, so etwas tut man mit Freunden nicht. Unsere Freundschaft bekam ihren ersten Riss.
Mein Versuch, in der Schweiz tätig zu werden
Als Hagen dann auch am Hüftgelenk operiert wurde, kutschierte ich ihn wieder für ein verlängertes Wochenende nach Lugano. Da bot es sich für mich an, geschäftliche Kontakte in der Schweiz anzuknüpfen, um dort auch beruflich tätig zu werden. Ich bekam recht interessante Objekte in Lugano, Locarno und Bellinzona in Auftrag, um sie an deutsche Käufer zu vermitteln. Darunter war auch ein sehr großzügig gebautes Haus, das auf einer Halbinsel der gegenüberliegenden Seite des Luganer Sees lag und eine Wohnfläche von 300 qm auf einer Ebene hatte. Es war sehr stilvoll mit antiken Möbeln ausgestattet, allein ein persischer Teppich im geräumigen Wohnzimmer hatte eine Größe von etwa 80 qm. Das Haus gehörte einem Schneidermeister, der anscheinend nur seinem Geschlecht zugetan war, und sollte samt Inventar verkauft werden.
Ich traf in Lugano auch mit dem ehemaligen Eigentümer eines großen Verpackungsunternehmens zusammen, der eine komfortable Villa bewohnte und mehrmals jährlich zu Sitzungen nach Deutschland fuhr, „um sich einen Scheck abzuholen“, wie er dies nannte. Ebenso sollte ich für eine damals sehr bekannte Schweizer Wohnungs-AG tätig werden, die in St. Moritz ihren Firmensitz hatte. In einem ihrer Apartments verbrachten mein Scheidungsgrund und ich einen schönen Winterurlaub.
Es lief gut an, ich hatte auch schon Interessenten für die Schweizer Objekte. Da wurde die Rechtsgrundlage in der Schweiz geändert. Ausländer durften dort keine Immobilien mehr erwerben. Es gab zwar Möglichkeiten, dieses Gesetz zu umgehen, etwa mit Strohmännern in der Schweiz zu arbeiten. Das alles widerstrebte mir aber sehr. Ich entschloss mich, beruflich nur in Deutschland tätig zu bleiben, und zog mich aus der Schweiz wieder zurück, ohne ein einziges Geschäft vermittelt zu haben.
Der Marienberg-Freundeskreis
Zum Freundeskreis von Hagen und mir gehörten auch drei Marienberg-Freunde. Alle von ihnen waren Eigentümer größerer Höfe und auch Jäger und Pächter der Dorfgemeinschaftsjagden. Zu ihren Stokeljagden im kleinen Jägerkreis wurde ich oft eingeladen. Wir stokelten mit einem Jagdhund in seitlichen Abständen von etwa 100 m durch ein vorher festgelegtes Jagdgebiet. Vor uns stöberte der Jagdhund. Wenn er vor sich drückende Fasanen oder auch Rebhühner mit einer erhobenen Vorderpfote anzeigte, dass er vor dem Wild vorstand, dann bekam er von seinem Herren den Befehlt „voran“. Der Jagdhund sprang vor und das Wild flog hoch und dann wurde es vom nächsten Jäger beschossen.
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