Meine Welt... Eine Liebe ohne Grenzen - MichelAngelo DiFranco - E-Book

Meine Welt... Eine Liebe ohne Grenzen E-Book

Michelangelo DiFranco

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Beschreibung

Im dritten Teil meiner vierteiligen Autobiographie über meine ewige Jagd nach emotionalen Höhepunkten erzähle ich weiter über die Höhen und Tiefen, die man im Laufe eines Lebens durchlebt. Die konsequente Umsetzung meiner Träume, die von einem unerschütterlichen Glauben gestützt werden. Meine Liebe zum AC Mailand findet in diesem Band ihren momentanen Höhepunkt. Ich erzähle über meine vielen Erlebnisse mit den Rossoneri. Eine Geschichte, die sich kein Fußballfan besser wünschen könnte. Aber auch über das Sommermärchen in Deutschland, die Hintergründe des italienischen Erfolges. Und wie ausgerechnet hier in Deutschland mein großer italienischer Traum in Erfüllung ging. Aber Fußball, so sehr ich ihn liebe, ich sollte 2010 zu einer neuen alten Liebe zurückfinden. Und das in doppelter Ausführung, stärker als ich mir je vorstellen konnte. Am Mittelpunkt aller emotionalen Träume, am Ziel angekommen, sollte mit diesem Höhepunkt eine neue Reise für mich beginnen. Das Ende dieses Bandes ist der Anfang des vierten und letzten Buches. Ein Duett mit Eros Ramazzotti zu singen und ihn zusammen mit meiner Tochter persönlich kennenzulernen, sollte mir nicht genügen. Ich wollte mehr, ich wollte Alles! Eine Geschichte, die sich dann zu einem einzigartigen und nie dagewesenen Projekt entwickeln sollte, und im letzten Band seine finale Sternstunde findet. Auf den 200 Seiten dieses Bandes erwartet Sie eine geballte Ladung an Emotionen in jeder Hinsicht. Egal wie groß Probleme auch sein mögen, dieses eine Leben, das wir haben, ist zu kurz und zu kostbar, um unsere Träume aufzugeben. Denn um sich einen Traum zu erfüllen, muss man ihn leben!

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Seitenzahl: 315

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Am Mittelpunkt aller Dinge

...so, und jetzt kommt der Mann

für die späten großen Momente!

Fabio Grosso schoss das 1:0

gegen Deutschland in der 119. Minute,

holte gegen Australien

in der Nachspielzeit den Elfmeter raus...

Und wenn er jetzt trifft – Fabio Grosso von Palermo –,

dann ist er ein Fußballheld

und Italien Weltmeister

...GROSSO...

Italien ist Fußballweltmeister...

Und ein völlig Unbekannter,

Fabio Grosso, ist Italiens neuer Fußballheld...

(Reinhold Beckmann)

GLI AZZURRI

Gianluigi Buffon, Marco Amelia, Angelo Peruzzi

Andrea Barzagli, Fabio Cannavaro,

Marco Materazzi, Alessandro Nesta,

Massimo Oddo, Cristian Zaccardo,

Gianluca Zambrotta, Fabio Grosso,

Simone Barone, Mauro Camoranesi,

Daniele De Rossi, Gennaro Gattuso,

Simone Perrotta, Andrea Pirlo,

Francesco Totti,

Alessandro Del Piero, Alberto Gilardino,

Vincenzo Iaquinta, Filippo Inzaghi,

Luca Toni,

Trainer: Marcello Lippi

Un azzurro lungo un sogno…

…Noi con voi

Voi con noi

Per un sogno che non muore mai

Noi con voi

Voi con noi

Ancora e più che mai

Vorwort

2001 heiratete ich im Alter von 24 Jahren Katharina… Es gibt Dinge im Leben, die man nur einmal tun oder erleben sollte. Denn die schönsten, größten und besten Erlebnisse sind in der Regel einzigartig. Daher denke ich, dass ich diesen einen Schritt wohl eher kein zweites Mal wagen werde. Nicht weil es ein Fehler war, ganz im Gegenteil, es war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben je getroffen habe. Auch wenn wir mittlerweile geschieden sind, bereue ich keineswegs, Katharina geheiratet zu haben. Sie hat mir das beste Geschenk meines Lebens gemacht. Unsere gemeinsame Tochter. Heute sind wir gute Freunde und beide stolz auf unsere Tochter. Und dafür muss ich ihr wirklich danken. Sie hat einen großartigen Job gemacht. Ich könnte mir keine bessere Mutter für meine Tochter vorstellen. Wenn ich morgen in den Krieg ziehen müsste und ich könnte mir fünf Freunde aussuchen, denen ich vertraue und die ich mitnehmen könnte, ich würde mich nicht für Katharina entscheiden. Denn wenn sie diesen Krieg nicht überleben oder zu Schaden kommen würde, könnte ich mir das nie verzeihen. Wir haben heute nicht mehr sehr viel Kontakt zueinander, aber wir wissen, dass wir immer füreinander da sind, wenn es darauf ankommt. Für das schönste Geschenk in meinem Leben widme ich Katharina dieses Buch… in ewiger Dankbarkeit!

Ich widme dieses Buch…

…meinem Vater Rocco Fatelli, durch den ich Fußballfan geworden bin, und durch den ich gelernt habe, diese Leidenschaft über alles zu lieben.

Der Weltmeisterelf Italiens 2006, die Millionen von Italienern den wohl schönsten Sommer ihres Lebens geschenkt hat, und Franz Beckenbauer, der dieses Sommermärchen erst möglich gemacht hat.

Der AC Mailand, deren Farben durch meine Adern fließen. Und all ihren Stars und Helden, welche die großartige Geschichte dieses Vereines geprägt haben.

Meinem Bruder Michael, mit dem ich bestimmt unzählige Fußballnächte erlebt hätte.

Und Katharina Lara Graf, einem der wundervollsten Menschen, die ich kenne, und meiner Tochter Farina-Aura.

Mein Dank geht an Leonardo Defalco, Aurelia Gioia, Antonio Pelle, Nikola Weigleova, Angela Zimmermann, Paola Bavone-Arena, Francesca Troso-Galanti. Und ganz besonders an Lidia Schillaci, die mir bei der Namensfindung dieses Buches geholfen hat.

Sämtliche Informationen wurden von Der Spiegel, Kicker und Der Tagesspiegel bezogen.

Teil 3

Milan vs. Liverpool 1.0 ISTANBUL

Ein Brief für Del Piero

Heimweh

Deutschland 2006… Gli azzurri, un amore senza fine

Milan vs. Liverpool 2.0 ATHEN

TANJA

22.05.2011

Milan vs. Liverpool 1.0 ISTANBUL

4. Juli 2020… 14 Jahre sind nun auf den Tag genau vergangen seit dem Halbfinale der WM 2006 in Dortmund, zwischen Deutschland und Italien. Und es kommt mir immer noch so vor, als wäre es erst gestern geschehen. An manchen Tagen, und das sind wirklich nicht wenige, wünsche ich mir eine Zeitmaschine, um noch einmal in die Vergangenheit reisen zu können, noch einmal diesen ganz speziellen Sommer zu erleben. Denn nur wenn ich viel Glück habe, werde ich so ein Märchen vielleicht noch einmal erleben können. Wobei 2006 kaum zu toppen sein wird. Dieses Märchen, wie es sich eben 2006 zugetragen hatte, begann 8 Jahre zuvor in Frankreich. Alessandro Nesta und Alessandro Del Piero hatten zwar schon bei der Europameisterschaft 1996 in England für die Squadra Azzurra debütiert. Doch 1997 und 98 stießen dann Fabio Cannavaro, Filippo Inzaghi und Francesco Totti zum Kader hinzu. Diese Talente waren dann später mitunter die tragenden Säulen der italienischen Nationalmannschaft.

Beginnen wir die erste Geschichte dieses Buches mit einer Zeitreise ins Jahr 2003… Milan hatte in dieser Saison die Champions League gegen Juventus in Manchester gewonnen, umso erträglicher war für viele Fans dieser fußballfreie Sommer. Allerdings konnte man auch dem spannenden Treiben des Transfermarktes folgen. Um schon ungefähr abschätzen zu können, welche sportlichen Ziele die Vereine in der neuen Saison anstreben würden, wenn man wirklich überhaupt nicht genug vom Fußball bekommen sollte. In dieser Transferperiode wurde die AC nicht besonders aktiv. Man besaß mit dem aktuellen Kader ohnehin das beste Team, das es gerade auf der Bühne des Weltfußballs gab. Nennenswerte Transfers waren dabei lediglich zwei Routiniers für die Defensive, mit Cafu von der Roma und Pancaro von Lazio Rom. Und dann noch das einundzwanzigjährige Offensiv-Talent Kaká aus São Paulo, Brasilien. Nun, mit Cafu hatte sich Milan ohne Zweifel einen absoluten Weltstar mit einem immens großen Schatz an Erfahrung geangelt. Allein mit der Seleção konnte er auf fünf gewonnene Titel verweisen. Darunter zwei Weltmeisterschaften. Ohne Zweifel gehörte Milan auch in der neuen Saison 2003/04 zum engen Favoritenkreis auf den Champions-League-Titel. Und auch um die italienische Meisterschaft wollte man in diesem Jahr unbedingt wieder ganz vorne mitspielen. Entspannt und mit Vorfreude fieberte ich der neuen Saison entgegen. Und sicher würde ich mit meinen Freunden Rado, Gordan und Pino wieder die eine oder andere Partie im San Siro zusammen erleben.

Im Herbst 2003 gastierte Eros Ramazzotti mit seiner aktuellen Tour -Nove- für zwei Konzerte in München. Genau genommen war es ein Dienstag, der 22., und der darauffolgende Mittwoch, der 23. Oktober, als der italienische Superstar in Bayerns Hauptstadt zu Gast sein sollte. Meine Schwiegermutter war seit Jahren ein Fan seiner Musik. Und da sie eine Woche vor den Konzerten in München Geburtstag hatte, schenkten Katharina und ich ihr die Tickets für das Event. Farina war damals erst zwei Jahre alt. Zugegeben, ich hatte mit dem Gedanken gespielt, sie mitzunehmen, aber sie war für dieses Spektakel einfach noch zu klein gewesen. Und Katharina hatte mir diese Flausen ohnehin sehr schnell wieder ausgeredet. Am Vorabend der Veranstaltung überkamen mich extreme Stimmungsschwankungen. Ich hatte aus irgendeinem, mir bis heute nicht erklärbaren Grund, überhaupt keine Lust, auf das Konzert zu gehen. Katharina merkte es mir auch an, dass mich irgendwas belastete. Ich konnte mir beim besten Willen aber nicht erklären, was mit mir los war. Und meine Laune verschlechterte sich am folgenden Vormittag noch viel mehr. In einer Kurzschlussreaktion entschied ich dann am Mittag, nicht auf das Konzert mitgehen zu wollen. Katharina konnte es nicht fassen und hakte zweimal nach. Aber ich blieb trotzig und entschied mich, auf Farina an diesem Abend aufzupassen. Ich war fest davon ausgegangen, dass die beiden sicher auch ohne mich auf das Konzert fahren würden. Nun, da hatte ich mich dann wohl getäuscht. Denn Katharina hatte kurz darauf ihrer Schwester abgesagt, die als Babysitter eingesprungen wäre. Es dauerte keine halbe Stunde, da fing ich an zu begreifen, was für einen Mist ich da überhaupt abgezogen hatte. Ich versuchte die Situation noch zu retten, aber Katharinas Schwester war daraufhin nicht mehr erreichbar. Und ich hatte durch meine schlechte Laune meiner Schwiegermutter und meiner Frau die Vorfreude verdorben. Am späten Abend redete ich noch mit Katharina, als wir zu Bett gegangen waren, und wir klärten die Situation unter uns. Da kam mir die spontane Idee, wir könnten am nächsten Tag doch noch gemeinsam auf das zweite Konzert gehen. Nun, nachdem die drei Tickets für die erste Show verfallen waren, hielten Katharina und ihre Mum das für keine gute Idee. Aber sie hätten nichts dagegen einzuwenden, wenn ich allein auf das Konzert gehen wolle. Mich plagte wegen meines Verhaltens wirklich ein schlechtes Gewissen. Zumal es ja auch das Geburtstagsgeschenk für meine Schwiegermutter war. Aber ich entschied mich tatsächlich, an der Abendkasse der Olympiahalle ein Ticket für die Zusatzshow zu kaufen. Unmittelbar vor dem Konzertbeginn wurde ich von einer jungen Frau angesprochen, die sich neben mir in der ersten Reihe eingefunden hatte. Sie war einen ganzen Kopf kleiner als ich, etwas mollig, und dem Anschein nach war sie ganz alleine da. Sie wirkte auf mich tatsächlich etwas hilflos. Als sie mich dann fragte, von wo ich denn kommen würde, und ich ihr meinen Wohnort verraten habe, besaß sie tatsächlich die Courage, mich zu fragen, ob ich sie nach dem Konzert nach Hause fahren würde, da ihr Wohnort genau auf meiner Fahrtstrecke läge. Für mich stellte dies kein Problem dar, und ich wollte sie nicht alleine über Nacht in München lassen. Sie würde sicher kein Hotelzimmer nehmen, um dort zu übernachten. Zumindest gab sie mir zu verstehen, dass sie ohne Mitfahrgelegenheit wohl die Nacht am Bahnhof verbringen würde, um dort auf den ersten Zug in Richtung Landsberg, am frühen Vormittag, zu warten. Nun, der Münchner Hauptbahnhof ist für eine junge Frau ganz bestimmt nicht der sicherste Ort zum Übernachten. Ich fühlte mich dementsprechend für sie nun verantwortlich und willigte ein, sie nach Hause zu fahren. Das Konzert war natürlich wie immer ein einziger Rausch an Emotionen. Wir standen dazu auch noch in der ersten Reihe. Mit Antonella Bucci und Roberta Grana wurde Eros von zwei gigantischen Stimmen im Background begleitet. Und die Bühnenshow war wie immer -typisch Eros-. Was so viel heißen soll wie: Die musikalische Leistung steht im Vordergrund, mit einer dezenten Show. Einfach Musik in Perfektion! Zu dem Song -ti vorrei rivivere- senkte sich ein großes Bett auf die Bühne herab, worauf er dann im Liegen ein Wahnsinns-Gitarrensolo hinschmetterte… Während des Konzertes flog mir dann wieder mal so ein spontaner Einfall zu… Ich gab der jungen Frau zu verstehen, dass wir nach der Show sofort und so schnell wie möglich die Halle verlassen müssen. Ich hätte da eine Idee. Gesagt, getan… das Konzert war keine fünf Minuten zu Ende, da hatten wir die Olympiahalle verlassen, und meinen BMW am Presse- und VIP-Eingangsbereich hinter der Arena geparkt. Keine weiteren fünf Minuten später kamen dann die ersten Bandmitglieder heraus. Antonella Bucci, Roberta Grana, und auch Flavio Scopaz, der Bassist, hatten kein Problem damit, uns Autogramme zu geben. Plötzlich fuhren aus der Tiefgarage der Olympiahalle drei große schwarze Audis heraus. Uns war natürlich sofort klar, wer sich in einem der Autos befand. Nicht ohne Grund hatte ich meinen BMW umgeparkt. In wenigen Sekunden waren wir zu meinem Auto zurückgeeilt und befanden uns unmittelbar hinter dem Konvoi. Eros gastierte damals im Bayerischen Hof, welcher sich circa eine Viertelstunde entfernt von der Olympiahalle befindet. Einer der Audis hatte versucht, uns vom Konvoi abzuhängen, und wir bogen fälschlicherweise mit diesem dann nach links ab. Ich hatte dies noch rechtzeitig erkannt, wendete umgehend, und fuhr über die rote Ampel den anderen beiden Audis wieder hinterher. Bis wir dann im Schlepptau am Hotel angekommen waren, hatte ich sechs rote Ampeln überfahren. Aber in Bezug auf unser Vorhaben ist mir das völlig gleichgültig gewesen. Natürlich waren wir beide extrem aufgeregt, denn wir wussten, dass wir in wenigen Augenblicken Eros begegnen würden. Wir hatten im absoluten Parkverbot rasch das Auto abgestellt, ich schnappte mir noch mein Notenbuch von seinem letzten Album, und schon rannten wir zum Haupteingang des Hotels… Da erblickte ich eine Gestalt, die aus dem Auto ausstieg, und ich hätte schwören können, dass es Eros war. Meine junge Begleitung hielt mit mir tapfer Schritt und verließ sich ganz auf mein Handeln. Plötzlich hörten wir von der Seite laute Stimmen rufen…

Es waren die Bandmitglieder…

»Hey, das ist nicht Eros…!

Da hinten läuft er…!«

…Ich blieb verdutzt stehen. Meine Begleitung dachte zunächst auch, die Person, welche aus dem Audi ausgestiegen war, und auf die wir zugerannt waren, wäre Eros gewesen. Wir schauten zu der Seite, auf welche einige Bandmitglieder mit ihren Händen gedeutet hatten… und dort lief er und winkte uns zu… Er hatte genau die gleichen Klamotten an, wie… vermutlich sein Bodyguard, den wir mit ihm verwechselt hatten…

Eros »Hey, wo lauft ihr denn hin?… Hier bin ich!«

…Irgendwie mussten wir dann alle lachen…

Die junge Frau, so wie ich auch, beide zitterten wir am ganzen Körper. Das war Eros natürlich aufgefallen. Und er musste deswegen etwas in sich hineinschmunzeln. Wir schossen gemeinsame Fotos, und als er in meinem Notenbuch auf der Seite unterschreiben sollte, auf der sein Song -Quasi amore- abgedruckt war, meinte er…

»Aaah… Quasi amore… ein wirklich schönes Lied.«

…und sang einen kurzen Moment den Song an. Nun, ich wusste ja, dass er Juve-Fan war… und nachdem die AC Mailand vor gerade mal fünf Monaten die Champions League im Finale gegen sein Juventus gewonnen hatte, konnte ich mir diese Bemerkung nicht verkneifen… Nachdem ich nur kurz -Forza Milan- flüsterte, sah er mich ganz böse an… Aber wir verabschiedeten uns dann recht friedlich…

…Als wir dann zurück nach Hause fuhren, explodierten wir beide nahezu vor Freude. Es war unser erster Kontakt mit unserem Superhelden… Und ich für meinen Teil wollte da noch viel mehr mit Eros erleben. Nur konnte ich dieses Verlangen, was ich da so sehr gespürt habe, noch nicht greifen und mir auch nicht vorstellen. Ich hatte keine Ahnung, was da noch alles kommen könnte. Was noch möglich sein würde. Definitiv war aber etwas in mir entstanden, was noch immens wachsen sollte. Wäre ich am Dienstag mit Katharina und meiner Schwiegermutter auf das Konzert gefahren, womöglich wäre mir diese Idee nicht in den Sinn gekommen. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen. Vielleicht hätte ich dann diese Geschichte, wie ich sie in den folgenden 17 Jahren erlebt habe, so nie erlebt. Vielleicht hätte ich mich dann auf eine völlig andere Reise begeben… Katharina freute sich für mich, aber sie war auch ein wenig enttäuscht. Denn ich hatte ihr und ihrer Mutter das Konzert versaut, und dann bei meiner zweiten Chance alles erreicht, was ich mir damals gewünscht habe. Und dies war wirklich erst der Anfang!

Mittlerweile wohnten wir nun über ein Jahr in Schwabmünchen. Aber so richtig konnte ich mich mit dem Leben auf dem Land nicht anfreunden. Zugegeben, Schwabmünchen ist mit seinen dreizehntausend Einwohnern nicht wirklich ein kleines Dorf. Allerdings war dieser Umzug, obwohl die Distanz nach Augsburg nur dreißig Kilometer betrug, schon eine echte Umstellung für mich. Nach dem Sieg über Juventus im Champions-League-Finale kam die lange Sommerpause. Und in dieser Phase brach der Kontakt zu meinen Freunden, zu Rado, Gordan und Bennie, nach und nach ab. Zum einen entwickelten wir uns alle weiter und jeder führte natürlich sein eigenes Leben. Zum großen Teil lag es aber auch an mir. Meine berufliche Veränderung verlief lange nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Einzelhandel war ein Berufszweig, der mir wirklich lag. Kunden zu beraten und von einem Produkt zu überzeugen, war für mich nie ein Problem. Aber in der Versicherungsbranche war ich nicht richtig aufgehoben. Zumal ich einen Kundenstamm zugewiesen bekam, welcher finanziell nicht in der Lage war, sich die Produkte zu leisten, die ich aus meinem Sortiment anbot. Im Großen und Ganzen war es abzusehen, wann wir nach Augsburg zurückziehen und ich mich beruflich umorientieren sollte. Aber bis dahin vergingen dann noch ein paar Monate. Das ländliche Flair war gar nicht so schlecht, wenn ich heute zurückdenke. Die Umstände waren einfach nicht optimal gewesen. Ganz gleich, ob beruflich, privat, finanziell oder meine Schwiegermutter. Immer und ständig gab es irgendwelche Probleme… und diese Baustellen wurden mit der Zeit immer größer. Doch gab es natürlich auch schöne Erinnerungen an diese Zeit in Schwabmünchen. Besonders die wunderbaren Momente, die wir dort mit Farina zusammen erlebt haben, sind für uns unvergesslich. Diese Zeit in Schwabmünchen ist natürlich ein Teil der Kindheit meiner Tochter. Und die war nicht die allerschlechteste.

Die Saison 2003/04 kann man in wenigen Sätzen zusammenfassen. Als klarer Favorit waren die Rossoneri in die Champions-League-Saison gestartet. Und wir Jungs waren uns ziemlich sicher, im Mai 2004 auf Schalke das Finale, und Milans Titelverteidigung, live mitzuerleben. Wie schon erwähnt, konzentrierte sich Milan in erster Linie auf die italienische Meisterschaft, den Scudetto. Erster Tabellenführer der neuen Spielzeit war allerdings Juventus Turin nach einem 5:1-Auftaktsieg über den FC Empoli. Die Roma unter Trainer Fabio Capello setzte sich dann frühzeitig in der Saison an die Tabellenspitze. Bis kurz nach der Winterpause war es ein Dreikampf um den Scudetto, ehe sich Juventus mit einer 0:4-Niederlage am 20. Spieltag beim direkten Konkurrenten AS Rom endgültig vom Meisterschaftskampf verabschieden musste. Doch auch die Roma konnte den späteren Titelträger AC Mailand nie gefährden, zu groß war der Abstand, der zwischenzeitlich neun Punkte betrug. Am 32. Spieltag machten die Mailänder mit einem 1:0-Sieg im direkten Duell im San Siro gegen den späteren Vizemeister AS Rom ihren 17. Meistertitel perfekt. Am Ende trennten beide Vereine mehr als elf Punkte Abstand. Im italienischen Pokal erreichte man das Halbfinale, allerdings war hier gegen den späteren Pokalsieger Lazio Rom Endstation. Mit 1:2 und 0:4 war dieses Halbfinale eine recht eindeutige Angelegenheit. Zur Winterpause war man zwar noch in allen drei Wettbewerben vertreten. Allerdings verabschiedete sich Milan aus der Gruppenphase der Champions League mit zwei Niederlagen. Mit zehn Punkten war man zwar als Gruppenerster hervorgegangen, doch hatte das Auftreten in diesen beiden letzten Partien einen sehr faden Beigeschmack. Im Achtelfinale bekam man es dann im Frühjahr mit Sparta Prag zu tun. In Mailand kam man nicht über ein 0:0 hinaus, so musste man im Rückspiel in Prag durch einen Sieg das Viertelfinale klarmachen. Mit 4:1 hatten sich die Rossoneri das Ticket fürs Viertelfinale gesichert. Und dort wartete niemand geringerer als der spanische Vertreter aus Coruña, welcher überraschenderweise den Vorjahresfinalisten Juventus mit zwei Siegen, jeweils mit 1:0, nach Hause geschickt hatte. Milan war also gewarnt, doch die erste Viertelstunde hatten die Italiener vollkommen verpennt. In der zwölften Minute brachte Walter Pandiani die Nordspanier mit 1:0 in Führung. Ab diesem Zeitpunkt war es dann ein Spiel auf ein Tor. Milan drehte so richtig auf. Allein in den nächsten dreißig Minuten hätte man dieses Viertelfinale entscheiden können. Denn Milan hatte Chancen für mindestens zehn Tore. Doch es war zum Verzweifeln. Hochkarätige Möglichkeiten wurden vergeben. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fallen würde. Deportivo La Coruña hatte ja Juventus eliminiert. Daher musste Milan in dieser Partie für das Rückspiel in Spanien wirklich vorlegen. Und dieser frühe Rückstand war alles andere als ideal. In der fünfundvierzigsten Minute, kurz vor dem Pausenpfiff, war es dann Kaká, nach einer perfekt in den Strafraum hineingezirkelten Flanke von Cafu, der für Milan für den Ausgleich sorgte. Die zweite Halbzeit war gerade eine Minute gespielt, da bescherte Sheva den Rossoneri die Führung. Keine vier Minuten später, in der fünfzigsten Minute, stand es dann 3:1, wieder durch Kaká. Milan hatte in sieben Minuten das Spiel komplett gedreht. Ja, in sieben Minuten, denn einen weiteren Treffer erzielte Milan in der zweiundfünfzigsten Minute durch Andrea Pirlo. Ab diesem Zeitpunkt des Spiels konzentrierten sich die Mailänder auf das Verwalten des Ergebnisses. Mit einem 4:1 ins Rückspiel zu gehen, war nicht die allerschlechteste Voraussetzung. Deportivo kam zu noch einigen Verzweiflungsangriffen, aber es hatte sich für die Spanier keine klare Torchance mehr in der verbleibenden Spielzeit ergeben. Milan kontrollierte und verwaltete. Man hätte in den verbleibenden achtunddreißig Minuten auf einen höheren Sieg spielen können. Aber Milan begnügte sich mit diesem Ergebnis.

Ein 4:1 ist tatsächlich ein komfortables Ergebnis, um entspannter in das Rückspiel zu gehen. Aber eben auch ein gefährliches Ergebnis. Denn aufgrund dieses auswärts erzielten Tores könnte dies in der Gesamtwertung nach dem Rückspiel noch eine entscheidende Rolle spielen. Wenn Deportivo früh in Führung gehen würde und dann noch vor der Halbzeit nachlegen könnte. Bestimmt würde das die Spanier beflügeln und die Spieler der AC in eine nervöse Stimmung versetzen. Letztendlich würde die zweite Halbzeit dann über den Sieger entscheiden. Und Deportivo hätte mit dem Heimrecht und ihren Fans im Rücken einen gewissen psychologischen Vorteil. Nun, aber zu diesem Szenario, da müsste wirklich schon sehr viel zusammenlaufen und für Milan schiefgehen. Wir waren uns schon sehr sicher, die nächste Runde zu erreichen. Doch am Ende kam es genau so, wie ich es befürchtet hatte. Nach nur fünf Minuten nutzte Walter Pandiani einen Fehler von Maldini und erzielte die Führung für die Nordspanier. Milan wirkte geschockt und musste später dann von Juan Valerón, in der fünfunddreißigsten, und Albert Luque, in der vierundvierzigsten Minute, zwei weitere Treffer hinnehmen. Nach der ersten Halbzeit hatte Deportivo La Coruña den Rückstand aus dem Hinspiel also bereits egalisiert. 14 Minuten vor dem Abpfiff sorgte Fran endgültig für den Einzug ins Halbfinale. Mit 4:0 wurde Milan aus dem Viertelfinale und der Champions-League-Saison verabschiedet. Die Enttäuschung auf Seiten der Rossoneri war natürlich immens groß. Man hatte wirklich verdammt gute Voraussetzungen, den Titel zu verteidigen. Aber es war nicht das erste Mal, dass Milan vermuten ließ, sich ihrer Sache zu sicher zu sein. Denn wie auch schon beim Hinspiel, hatten die Italiener im Rückspiel einige Chancen liegen lassen. Milan war allerdings nicht das einzige große Team, welches überraschend ausgeschieden war. Real Madrid hatte gegen die AS Monaco, den französischen Vertreter, ebenfalls das Nachsehen. Einziger Favorit, der dann ins Halbfinale einzog, war der FC Chelsea London. Das Finale schrieb dann aber doch seine ganz eigene Geschichte. Mit zwei Außenseitern, dem FC Porto und der AS Monaco – auf diese beiden Teams hatte niemand vor Beginn dieser Saison gewettet –, die sich in diesem Finale in Gelsenkirchen gegenüberstanden. Der FC Porto, Vorjahressieger des UEFA-Cups, entschied dieses Endspiel dann durch ein 3:0 ganz klar für sich. Jose Mourinho hatte den portugiesischen Traditionsverein perfekt auf dieses Finale eingestellt und somit seine erste Champions League als Trainer gewonnen.

Für uns Milan-Fans war diese Saison mit dem Gewinn der Meisterschaft dann doch noch erfolgreich zu Ende gegangen. Wobei mir persönlich die Titelverteidigung der Champions League lieber gewesen wäre. Umso größer war unsere Vorfreude auf die nächste Saison. Und jeder Fan der AC wusste, was das große Ziel 2004/05 sein sollte… Das Finale der Champions League in Istanbul.

Nachdem wir im Spätherbst 2004 zurück nach Augsburg umgezogen waren, hatte sich meine berufliche und finanzielle Situation schnell verbessert. Ich nahm einen Job im Möbelhaus Segmüller an und machte nebenbei meine ersten Erfahrungen in der Gastronomie. Auch mit Katharina lief es zunächst wieder etwas entspannter. Wir hatten eine richtig schöne Wohnung im Stadtteil Lechhausen bezogen. Im ersten Stock, mit einer über vierzig Quadratmeter großen Terrasse, und einem Kachelofen, welcher sich zwischen Wohn- und Esszimmer befand. Eine Wohngegend mit angenehmen Nachbarn. Gegenüber von uns, auf der anderen Straßenseite, wohnte eine italienische Familie, mit der ich aber erst etwas später in näheren Kontakt treten und mit der sich dann eine richtig tolle Freundschaft entwickeln sollte. Und auch mein Nachbar, der über uns im zweiten Stock wohnte, war ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Schon nach wenigen Wochen hatte ich mich mit ihm angefreundet. Farina bekam einen Platz in der Kinderkrippe. Und Katharina begann ihre Lehre als Bürokauffrau. Es schien so, als würden langsam Ruhe und Normalität in unser Leben einkehren. Ein Zustand, der dringend vonnöten war. In allererster Linie, um unsere Tochter in einem harmonischen Familienumfeld groß-zuziehen.

Ich muss gestehen, dass ich im Frühjahr 2005 meine Gedanken bereits auf den Sommer 2006 im nächsten Jahr ausgerichtet hatte. Italien würde bei der Weltmeisterschaft in Deutschland mit einer verdammt starken Mannschaft antreten. Und die Chancen auf den WM-Sieg standen nie besser. Aber auch die AC Mailand spielte in diesem Jahr, wie angenommen, im Favoritenkreis um den Champions-League-Titel mit. Somit stand also fest, wie schon die Jahre zuvor, Fußball ohne Ende! Auf dem Transfermarkt hatte sich Milan gezielt verstärkt. Unter anderem mit dem argentinischen Stürmer Hernán Crespo, dem niederländischen Abwehrhünen Jaap Stam, der einst als teuerster Verteidiger gehandelt wurde, als Manchester United im Jahr 1998 knapp 27 Millionen für seine Dienste an den PSV Eindhoven überwies. Stam wechselte, wie schon Nesta und Pancaro zuvor, von Lazio Rom zu den Rossoneri. Im Mittelfeld wurde mit dem Franzosen Vikash Dhorasoo eine zusätzliche Verstärkung verpflichtet. Milan lieferte sich mit Juventus bis kurz vor Saisonende einen Zweikampf um den Titel. Am fünfunddreißigsten Spieltag kam es im San Siro zum Aufeinandertreffen der beiden Teams. Turin siegte unter Cheftrainer Fabio Capello durch ein Tor von David Trezeguet mit 1:0 und sicherte sich damit die Tabellenspitze. Milan konnte sich anschließend die Tabellenführung nicht mehr zurückerobern. Am Ende betrug der Abstand zwischen den Rossoneri und Juve ganze sieben Punkte. Unter anderem wurde 2004/05 die Serie A auf 20 Teams aufgestockt. In der Champions League war man ebenfalls bis zum Ende vertreten.

Niemand hatte mich dazu gezwungen, Milan-Fan zu werden. Es geschah alles aus freien Stücken. Und ich habe mich zu einem Zeitpunkt in die AC verliebt, als der Club dabei war, in das größte Abenteuer seiner Vereinsgeschichte zu starten. Dieser eine Abend im November in Apulien war einer der wichtigsten Tage in meinem Leben. Dieser Reisebus, der kleine Schwarz-Weiß-Fernseher, der am Fahrercockpit von der Decke hing, und dieses dramatische Elfmeterschießen zwischen Roter Stern Belgrad und Milan… Als Milan dann aber im Finale in Barcelona Steaua Bukarest deklassierte und somit den Europapokal der Landesmeister zum dritten Mal in ihrer Vereinsgeschichte gewann, war ich endgültig ein Anhänger der Rossoneri. Das Camp Nou in Barcelona mutierte zu einer schwarz-roten Hölle. All das Spektakel um dieses Endspiel hatte mich hypnotisiert. Und bis zu diesem Finale in Istanbul waren es fünf weitere Finalspiele in der Königsklasse, die Milan noch erreicht hatte. Davon hatten sie ja drei gewonnen. Milan bedeutete immer Spektakel. Denn genau das war es, was unserem Präsidenten Silvio Berlusconi am wichtigsten war. Milan entwickelte sich für mich zu meiner Religion… Nichts Irreales, etwas, das ich leibhaftig miterleben konnte. Von dem ich ein Teil war. Milan war für mich meine eigene Welt, in die ich mich zurückziehen konnte, wenn es mir nicht gut ging, wenn ich Stress hatte, oder wenn ich einfach nur Freundschaften pflegen und Spaß haben wollte. Ich werde hier nicht über Berlusconi und seine politische Karriere ins Detail gehen. Genauso wenig werde ich über Glaube und Religion sprechen. Auch wenn mir bewusst ist, dass Berlusconi nur in den Kader investiert hat, wenn er für das italienische Parlament kandidiert hat. Auch wenn diese Tatsache einen faden Beigeschmack hat. Ich möchte nicht glauben, dass er die AC dazu benutzt hat, um die Wählerstimmen Italiens für sich zu gewinnen. Das all dieser sportliche Erfolg nur dem politischen Nutzen dienen sollte. Wenn es so ist, dann wäscht aber eine Hand die andere. Denn letztendlich hat er für den Fußball in Italien mehr getan als jeder andere Clubinhaber in der Geschichte des italienischen Fußballs. Und über Religion… das ist nicht mein Thema. Fakt ist, ich glaube an das, was ich sehe. Und durch Eros, Milan und die italienische Nationalmannschaft habe ich etwas gefunden, was mein Leben extrem bereichert hat. Mein Enthusiasmus hatte auf Katharina abgefärbt, sie wurde in den Jahren mit mir selbst zu einem kleinen Fußballfan. Und nicht selten hatten wir uns Partien der AC zusammen auf Sky angesehen. Sogar jetzt, nach all den Jahren, sagte sie erst kürzlich, als wir mit unserer Tochter an ihrem achtzehnten Geburtstag in Erinnerungen schwelgten…

»Das war schon eine geile Truppe mit Maldini und Sheva.«

…Und diese Feststellung von ihrer Seite aus drückt schon einiges aus.

Milan hatte die Gruppenphase als Gruppensieger, mit insgesamt 13 Punkten vor dem FC Barcelona, beendet. Der ukrainische Vertreter Schachtar Donezk rutschte als Drittplatzierter in die Euro League, und für die Glasgow Rangers war als Tabellenletzter die internationale Saison beendet. Auch wenn Messi damals noch nicht in der Startformation von Barça stand, Ronaldinho, Eto'o, Xavi und Puyol waren Stars, die die Fußballwelt verzauberten, und in den kommenden Jahren noch Fußballgeschichte schreiben sollten. Auch wenn Ronaldinho dies als Weltmeister mit Brasilien und als Weltfußballer längst schon getan hatte. Diese Begegnung in der Gruppenphase zwischen der AC und Barça war auf jeden Fall einem Finale würdig.

Im Achtelfinale wartete dann mit Manchester United schon der nächste große Brocken auf Milan, wobei die Rossoneri taktisch perfekt eingestellt waren. Durch zwei 1:0-Siege erreichte man schließlich das Viertelfinale, wo man auf Inter Mailand treffen sollte. Aber auch diese Partie gegen ManU hatte absoluten Finalcharakter. Da waren Namen wie Rooney, Scholes, Ferdinand oder Heinze vertreten. Alles gestandene Profis, die wussten, wie man Titel gewinnt. Nicht zu vergessen Cristiano Ronaldo und Ruud van Nistelrooy. Ich persönlich habe ein Ausscheiden der Rossoneri in Betracht gezogen, umso mehr freute ich mich dann, dass einer meiner Lieblinge die Engländer quasi im Alleingang abgeschossen hatte. Hernán Crespo war bei Milan absolut angekommen. Und ich war fest davon ausgegangen, dass aus diesem Leihgeschäft am Ende der Saison eine feste Verpflichtung des Argentiniers folgen würde.

Viertelfinale gegen Inter…

Milan als amtierender Meister spielte aktuell gegen Juventus konkurrenzlos um den Scudetto 04/05 und hatte im Halbfinale der Champions-League-Saison 2002/03 Inter Mailand besiegt und sich anschließend die europäische Fußballkrone geholt. Seit diesem Halbfinale traf man weitere vier Mal in der Meisterschaft auf den Stadtrivalen. Der größte Erfolg der Neroazzurri aus diesen Begegnungen war ein torloses Unentschieden. Die anderen drei Spiele gewann allesamt die AC. Infolgedessen ging Milan auch als Favorit in diese Begegnung. Doch war es durchaus möglich, dass diese Siegesserie gegen Inter nun zu Ende gehen könnte. Zudem besaßen die Neroazzurri alles andere als einen schlechten Kader.

Und wieder einmal war es an der Zeit, mein italienisches Wohnzimmer aufzusuchen. Rado, Leonardo, sein Bruder Daniele und ein Freund von Leo begleiteten uns nach Mailand. Diese Fahrt verlief aber alles andere als entspannt. Rado und ich waren für Milan, die anderen drei hingegen eingefleischte Inter-Fans. Dementsprechend gab es schon auf der Hinfahrt so einige Meinungsverschiedenheiten. In Mailand kamen wir erst relativ spät am Nachmittag an, deshalb war nur ein kurzer Abstecher zum Mailänder Dom möglich. Denn die Tickets mussten wir uns auch noch besorgen. Auf dem Schwarzmarkt, wie die anderen Male schon. Das Halbfinal-Rückspiel hatte uns vor zwei Jahren noch hundertsiebzig Euro pro Ticket gekostet. Dieses zweite Viertelfinalspiel war dann doch etwas günstiger. Mit neunzig Euro pro Eintrittskarte bekamen wir einen relativ guten Preis.

Nun, die Voraussetzungen für diese Partie waren ideal. Vor heimischer Kulisse, in einem offenen Schlagabtausch, siegte Milan im Hinspiel am Ende mit 2:0, durch die von Shevchenko und Stam erzielten Tore. Es hätte wirklich sehr viel schiefgehen müssen, wenn Milan das Ticket fürs Halbfinale noch aus der Hand gegeben hätte. Aber Inter wollte nicht kampflos untergehen und versuchte von Anfang an Druck aufzubauen. Doch nach einer guten halben Stunde war es wieder Shevchenko, der mit einem perfekten Schuss aus sechzehn Metern die Rossoneri in Führung brachte. Inter biss sich an der Defensive der Gäste, insbesondere an Torwart Dida, die Zähne aus. Doch in der 71. Spielminute kam nochmal Hoffnung auf. Mittelfeldspieler Esteban Cambiasso traf per Kopf zum 1:1-Ausgleich. Aber der deutsche Schiedsrichter Dr. Markus Merk machte Inter einen Strich durch die Rechnung: Er erkannte den Treffer wegen eines vorangegangenen Foulspiels nicht an. Die Fankurve von Inter glich einem ausbrechenden Vulkan. Ein weiterer Pfiff des Schiedsrichters brachte dann das Fass zum Überlaufen. Nach einem vermeintlichen Foul an Dida reklamierte Cambiasso und sah dafür die gelbe Karte. Unzählige Gegenstände flogen nun auf das Spielfeld, Didas Strafraum war voller Flaschen, Feuerzeuge und anderer Dinge, die nicht auf das Spielfeld gehörten. Der Unparteiische entschied sich dafür, die Partie kurz zu unterbrechen. Währenddessen versuchte Dida, seinen Strafraum von den Gegenständen zu befreien. Als er sich dann bückte, traf ihn eine Leuchtrakete an der Schulter. Dabei zog sich der brasilianische Schlussmann Blutergüsse und Verbrennungen dritten Grades zu. Der Corriere della Sera beschrieb die Szene später so:

»Dida wirkte wie ein Soldat im feindlichen Feuer.«

Merk schickte beide Mannschaften in ihre Kabinen und ordnete eine Pause von 30 Minuten an. Wer gehofft hatte, die Gemüter hätten sich beruhigt, der wurde enttäuscht. Eine Minute, nachdem der deutsche Schiedsrichter die Begegnung wieder angepfiffen hatte, flogen erneut Bengalos auf den Rasen. Nach nicht einmal einer Minute wurde das Spiel dann endgültig abgebrochen.

Die UEFA wertete die Partie mit 3:0 für die AC. Inter bekam die höchste Strafe in der Geschichte des europäischen Fußballverbands aufgebrummt: 200.000 € musste der Klub wegen der Ausschreitungen bezahlen, außerdem wurden die ersten vier internationalen Spiele der Saison 2005/06 vor leeren Rängen ausgetragen.

Während die Gazzetta dello Sport am folgenden Tag titelte

»Eine grenzenlose Schande«, vermutete der Mailänder Polizeichef Paolo Scarpio eine gezielte Aktion der Inter-Tifosi…

»Die Randale schien mir geplant

und gegen den eigenen Club gerichtet.«

…Der damalige Inter-Trainer Roberto Mancini machte den Schiedsrichter für die Geschehnisse verantwortlich…

»Was passiert ist, ist seine Schuld«, echauffierte sich der Coach. Sein Pendant Carlo Ancelotti war angesichts der Vorfälle schockiert…

»So etwas habe ich noch nie erlebt. Das schadet ganz Mailand«, sagte er. Und Milan-Angreifer Andriy Shevchenko meinte gar…

»Inter tut mir leid. «

Inter besaß damals eine sehr gute Truppe und ich muss zugeben, dass ich wirklich damit gerechnet hatte, dass wir dieses Mal den Kürzeren ziehen. Javier Zanetti gehörte damals zu den weltbesten Verteidigern. Seit 1995 stand er in den Diensten von Inter Mailand. Materazzi und Mihajlovic waren ebenso harte und erfahrene Defensivspieler auf absolutem Weltklasseniveau. Wobei ich Marco Materazzi zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht leiden konnte, er aber eine der wichtigen Säulen im Kader war. Und um nur einige zu nennen, denn ich könnte hier wirklich auf den gesamten Kader Lobeshymnen singen: Mit Adriano, Vieri, Stanković, Verón und Cambiasso blieb man doch einiges hinter den Erwartungen zurück. Einziges Trostpflaster in diesem Jahr war dann der Gewinn der Coppa Italia, über die Roma.

Keiner von uns fünf war über den Spielverlauf wirklich erfreut. Natürlich litten die drei Interisti um einiges mehr als Rado und ich. Auf der Rückfahrt lieferten wir uns dementsprechend hitzige Diskussionen über diese Partie. Doch irgendwann, nachdem wir früh am Morgen Landsberg passiert hatten, war seit einer guten Stunde Ruhe im Auto eingekehrt. Bis Rado dann irgendwann einen plötzlichen Kommentar aus dem Nichts äußerte.

»Die Inter-Fans stehen bestimmt immer noch in der Kurve

und schießen Raketen aufs Spielfeld.«

Danach war es dann in meinem Auto mit der Ruhe vorbei.

Das Halbfinale gegen PSV Eindhoven war alles andere als eine klare Angelegenheit. Und dieses Spiel war auch alles andere als eine normale Begegnung. Trainer des holländischen Teams war kein Geringerer als Guus Hiddink. Ehemaliger Trainer der südkoreanischen Nationalmannschaft. Besonders für die italienischen Nationalspieler auf Seiten von Milan, welche an der Weltmeisterschaft 2002 teilgenommen hatten, besaß dieses Spiel einen besonderen Beigeschmack. Waren die Azzurri doch in diesem Skandalspiel aufgrund des manipulierten Schiedsrichters ausgeschieden. Das Hinspiel in Mailand hatten die Rossoneri durch Tore von Shevchenko und Tomasson für sich entschieden. Die Partie hätte aber gut und gerne 5:5 ausgehen können. Im Rückspiel vor heimischem Publikum dominierte dann eindeutig das Team aus Eindhoven. In dieser Regenschlacht war es ausgerechnet der Südkoreaner Ji-sung Park, welcher die Hausherren nach nur 9 Minuten in Führung gebracht hatte. Fußballspiele in den Niederlanden sind für gegnerische Teams nie einfach. Egal ob in Rotterdam, Amsterdam oder Eindhoven. Besonders auf der europäischen Bühne verwandeln sich diese Stadien dann immer zu brodelnden Hexenkesseln. Und nach dieser frühen Führung Eindhovens wurde diese Begegnung nun zu einer absoluten Zitterpartie für Milan. Nach 65 Minuten war das Ergebnis aus dem Hinspiel dann egalisiert. Phillip Cocu traf per Kopf zum 2:0. Ich hatte zwar erwartet, dass Eindhoven dieses Spiel nicht kampflos aufgeben würde. Aber das Milan nur einen Schritt vor dem Ausscheiden stehen würde, das wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Hätte Tomasson im Hinspiel in der letzten Minute nicht das 2:0 erzielt, Milan wäre nach dem aktuellen Stand nach bereits 65 Minuten ausgeschieden. Nun, im letzten Jahr war den Mailändern dieses Kunststück gegen Coruña schon nach der ersten Halbzeit gelungen, obwohl man mit einem 4:1 nach Spanien gereist war. Aber ich bin davon ausgegangen, dass man aus dieser Partie seine Lehren zog. Ich hatte mir diese Partie mit Katharina und Farina zusammen bei Francesco und Susana angesehen. Natürlich war sein Bruder Luca und die halbe Familie auch mitanwesend. Wir saßen also im großen Wohnzimmer seiner Dachgeschoßwohnung, knapp 2 Meter vor der Großbildleinwand entfernt, und mussten tatsächlich zittern und auf ein Wunder hoffen. Milan besaß damals den weltbesten Kader. Je mehr sich diese Partie in die Länge zog, umso feuchter wurden unsere Hände und ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengegend stellte sich noch dazu ein. Die letzte Minute brach an und die Hoffnung auf das Finale in Istanbul wurde immer geringer… Kaladze, der in der zweiten Spielhälfte für Paolo Maldini eingewechselt wurde, engagierte sich im offensiven Spielaufbau der Mailänder kurz vor der Strafraumgrenze, spielte einen kurzen Pass auf den heranstürmenden Kaká, welcher dann einen perfekten Schuss auf Massimo Ambrosini in den Fünfmeterraum hineinflankte. In allerletzter Sekunde hatte Milan dann doch noch die Türe zum Finale ganz weit aufgestoßen. Unsere Freude war aber doch etwas verhalten. Und dies zu Recht. Nur eine Minute später war es erneut Phillip Cocu, der zum 3:1 für Eindhoven traf. Ein weiterer Treffer für die Holländer und Milan würde das Finale verpassen. Dieses Spiel stand bis zum letzten Atemzug auf Messers Schneide. Letztendlich hatte es aber dann doch zum Finaleinzug nach Istanbul gereicht.

Am 25. Mai 2005 traf die AC Mailand im Finale der Champions League auf den englischen Vertreter FC Liverpool. Die Reds hatten Teams wie Juventus und Chelsea aus dem Rennen geworfen. Und doch waren sich die meisten darüber einig, dass Milan dieses Spiel gewinnen würde. Ich kann mich an diese Woche noch ganz genau erinnern. Am Mittwoch das Champions-League-Finale in Istanbul und am Samstag würde der FC Augsburg, im letzten Heimspiel gegen Regensburg, den Aufstieg in die zweite Bundesliga klarmachen.