Sangue Rossonero... Milan Forever - MichelAngelo DiFranco - E-Book

Sangue Rossonero... Milan Forever E-Book

Michelangelo DiFranco

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Beschreibung

Sangue Rossonero.. Milan Forever ... ist der zweite Teil meiner vielteiligen Biographie. Im zweiten Band erzähle ich über meine Liebe zum AC Milan, zur Squadra Azzurra und zu Eros Ramazzotti. Allerdings auch über die Geschichte der großen italienischen Fußballvereine. Und wie sich der Fußball in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, was er für mein Leben bedeutet hat. Für mich waren diese drei emotionalen Säulen immer ein Halt in den schwierigen Phasen meines Lebens. Unter anderem erzähle ich auch über die Höhen und Tiefen wie Schicksalsschläge in meinem Leben. Der Fußball und Eros Ramazzotti haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Süchtig nach Emotionen, und ständig auf der Suche nach emotionalen Höhepunkten. Auf meiner Homepage www.michelangelo-difranco.com, findet man noch nähere Informationen zu meiner Person, und auch einige Leseproben über meine Werke. Ich wurde wegen meiner Träume oft belächelt! Heute kann ich gut damit leben. Denn zum einen habe ich es geschafft, meine Träume zu realisieren, zum anderen ist mein Erinnerungspalast reich an emotionalen Erlebnissen. Und ich habe erst jetzt damit angefangen, meine Träume auszuleben!

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Seitenzahl: 365

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Vorwort

Ray Kroc war 52 Jahre alt, als er sein erstes Franchise eröffnete. In einer nahezu beispiellosen Erzählung erlebt man die Geschichte seines Lebens, vom Tellerwäscher zum Multimillionär. Ray Kroc war ein begnadeter Geschichtenerzähler und unverwüstlicher Enthusiast. Ohne diese Natur wäre das, was er erreicht hatte, nie möglich gewesen. Und wir reden hier nicht von einem gewöhnlichen Franchiseunternehmen.

Ich rede hier vom großen goldenen -M-. Ray Kroc war kein Geringerer als der Gründer von McDonalds. Und für mich ein weiterer Beweis, dass das Alter keine Rolle im Zusammenhang damit spielt, wenn es darum geht,sich seine Träume zu erfüllen, oder sein Leben verändern zu wollen. Die Rezeptur eines Traumes ist ganz einfach. Man nehme Talent, Hingabe, Emotionen, den Glauben an sich selbst. Und immer das Ziel vor Augen, ganz gleich wieviel Rückschläge man hinnehmen muss. Hör auf dein Bauchgefühl, denn niemand kennt dich so gut, wie du dich selbst. Wenn du damit beginnst, andere zu fragen, was gut für dich ist, ob du dein Vorhaben wagen solltest, dann wirst du zu neunundneunzig Prozent die Antwort aus der Sichtweise des anderen bekommen. Und diese Antwort wird dir nicht immer gefallen. Denn im Wesentlichen wissen wir ja selbst, was wir wollen, was unser Herz begehrt. Unterbewusst erwarten wir vom anderen meistens nur die Bestätigung dafür. Eine andere Meinung, Kritik oder Neid ist nicht das, was wir hören wollen, wenn wir unsere Freunde und Bekannten fragen. Wenn ich auf all die Meinungen anderer gehört hätte…, denn auch ich habe zu Beginn den Fehler gemacht und meine Mitmenschen gefragt… dann würde ich heute keinen Ozean an Emotionen und Erinnerungen für die Ewigkeit in mir tragen.

Ich widme dieses Buch meinen Eltern Isabella und Rocco Fatelli

Ich möchte allen danken, die an mich geglaubt haben. Meine besonderen Grüße gehen an Silvia Bovolenta und Angela Zagami in Italien! Und an Angela Zimmermann in Deutschland.

Teil 2

Bayerns langer Weg

Euro 2000

Stunde null

Der 4°April

Die Götter müssen verrückt sein

MILAN

Bayerns langer Weg!

Den 26. Mai 1999 werden wohl viele Bayernfans genauso wenig vergessen haben, wie ich den 2. Juli 2000. Nachdem der FC Bayern 1987 das Finale um den Europapokal der Landesmeister gegen den FC Porto mit 2-1 verloren hatte, blieb den Bayern eine weitere Finalteilnahme in den kommenden 12 Jahren versagt. Der letzte Triumph in diesem Wettbewerb lag mittlerweile gar 22 Jahre zurück. Damals noch mit Beckenbauer, Hoeneß, Sepp Maier und Gerd Müller. Auch wenn die Münchner auf dieser Durststrecke das Finale natürlich immer wieder angestrebt hatten, manchmal fehlte aber dann auch das nötige Glück. In der Saison 98/99 sollte es aber nun endlich mal wieder klappen. Man hatte wichtige Leistungsträger wie Jancker, Zickler, Basler, Effenberg, Kahn und Matthäus in seinen Reihen. Diese Stars zählten damals wirklich zur Crème de la Crème in Europa. Nachdem man zwei Jahre zuvor im Schongang den UEFA-Cup, damals noch mit Jürgen Klinsmann, gewonnen hatte, gab es in diesem Jahr nur ein einzig wirkliches Ziel für die Bayern. Die Qualifikationsrunde zur Gruppenphase war gegen den FK Obilic eher ein lockeres Trainingsspiel. Dafür hatte es die Gruppenphase wiederum mächtig in sich. Mit Gegnern wie dem FC Barcelona und Manchester United bildete man die Todesgruppe schlechthin. Auch Bröndby IF Kopenhagen war mehr als nur ein Sparringspartner. Hatten die Dänen doch als krasser Außenseiter nichts zu verlieren und konnten so gegen die großen Favoriten auf den berühmten Fußballbühnen Europas frei aufspielen. Nachdem die Bayern das erste Spiel in Kopenhagen mit 2-1 verloren hatten, folgte ein Unentschieden im Münchner Olympiastadion gegen United.

Alle Euphorie der Bayern war zunächst dahin. Hätte es im dritten Gruppenspiel gegen Barcelona keinen Sieg gegeben, wäre das frühe Ausscheiden bereits in der Gruppenphase wohl nicht mehr zu verhindern gewesen. Ehrlich gesagt, hätte ich mit dieser Überraschung damals ganz gut leben können. Denn Fakt war, dass der Gruppensieger dieser vier Mannschaften der große Favorit auf den Titel war. Und ich konnte mir damals nichts Schlimmeres vorstellen als einen Triumph der Bayern in der Königsklasse, denn damals mochte ich die Bayern noch gar nicht. Für mich stand aber von Anfang an eh fest, dass der FC Bayern diese Gruppe nicht überleben würde. Manchester United, die in den letzten Jahren immer zum Favoritenkreis gezählt haben, hatten ebenfalls in dieser Saison den Gewinn der Champions League vor Augen. Milans Jahre waren zunächst mal vorbei. Gewisse Spieler waren ins Alter gekommen und die Neuverpflichtungen hatten nicht wirklich überzeugt. Kurz gesagt, Mannschaften wie Real, Manchester und Barca waren Topfavoriten. Vielleicht auch noch Juve, die man nach drei Finalteilnahmen hintereinander ebenfalls noch auf der Rechnung haben musste. Aber wirklich erst hinter den drei erstgenannten Teams. Nachdem die Alpenvorstädter aus Piemont zwei Finalspiele hintereinander verloren hatten, musste dieses Team wohl langsam ein kleines Trauma in Verbindung mit der Champions League überwinden. Anders konnte ich mir die Verfassung der alten Dame in dieser neuen Saison nicht vorstellen. Zudem geht jede Ära ja bekanntlich mal zu Ende.

Nun gut, nachdem der FC Bayern nicht gerade optimal in die Europacupsaison gestartet war, besiegte man die Katalanen um Figo, Rivaldo und Kluivert mit 2-1 in München. Auch die Schmach gegen Bröndby konnte durch ein 2-0 in München ausgemerzt werden. Ja, die Bayern mit ihren deutschen Tugenden. Wenn es darauf ankam, waren sie einfach wieder zur Stelle. Und wenn sie wollten, spielten sie unter ihrem Trainer, Ottmar Hitzfeld, einen wirklich herrlichen Kombinationsfußball. Barcelona wurde auch im eigenen Stadion, dem Camp Nou, der Erfolg gegen den deutschen Rekordmeister verwehrt. Abermals mit einem 2-1 besiegten die Bayern den spanischen Vertreter. Allerdings kam man bei Manchester United nicht über ein 2-2 Unentschieden hinaus. Tatsächlich hatten die Münchner gegen meine Hoffnungen und Prognosen diese Todesgruppe überlebt. Im Viertelfinale bekam man mit dem zweiten deutschen Vertreter, dem Ersten FC Kaiserslautern, gewaltiges Glück zugelost. Wäre dies ein Bundesligaspiel gewesen, sicherlich wären die Bayern nicht so hoch favorisiert gewesen. Doch für diese Aufgabe fehlte den roten Teufeln vom Betzenberg einfach die nötige internationale Erfahrung. Nach einem klaren 2-0 und 4-0 konnte man für das Halbfinale gegen Dynamo Kiew planen. Bereits im Viertelfinale, nach der Paarung gegen Lautern stand fest, dass die Bayern bei einem Weiterkommen im Semifinale womöglich auf das Aushängeschild der Ukraine treffen würde. Langsam wurde mir bewusst, dass die Münchener wohl doch das Endspiel erreichen würden. Nur, auf wen sollten sie treffen?

Da waren noch Juve, da waren noch Manchester, auch Inter Mailand hatte mit Roberto Baggio, Ventola und Zamorano Spieler, die für eine lange Champions-League-Saison hätten sorgen können. Aber lange Rede kurzer Sinn. Manchester zog über Inter im Achtelfinale, und Juve im Halbfinale, nach einem hochdramatischen Spiel im Stadio delle Alpi in Turin ins Finale, gegen die Bayern ein. Wobei Dynamo Kiew im Hinspiel etliche Chancen vergeben hatte. Am Ende dieser Partie hätte es 6-3 gegen die Münchner Bayern heißen können. Dennoch endete dieses Spiel 3-3. Auch ein brillant aufspielender junger Andriy Shevchenko konnte das Ausscheiden seiner Mannschaft letztendlich nicht verhindern.

Das zweite Halbfinale zwischen Juve und United war von purer Dramatik erfüllt. Am Nachmittag vor dieser Partie traf ich mich mit Rado, Marco und dessen Bruder Leonardo (zwei italienische Freunde, die in München wohnten). Sie kamen extra nach Augsburg, um das Spiel mit mir in der Wohnung meiner Eltern anzusehen. Da mein Vater und meine Mutter gerade in Italien waren, hatte ich diese Option gezogen. Denn genau wie meine drei Freunde verfügte auch ich über keine italienischen Sender bei mir daheim. Nun ja, auch Marcos Freundin, Anette, und meine damalige Freundin Christin waren (leider) mitgefahren. Leider, weil ständig das Telefon klingelte und die Mutter von Christin echt nervig war. Außerdem beschwerten sie sich ständig über unsere Lautstärke. Also, da saßen wir nun, Leo der Inter-Fan, Marco der Juve-Fan, Rado und ich. Direkt und unmittelbar vor dem Fernseher, und hofften gespannt auf einen erneuten Finaleinzug von Juventus. Nach dem überraschenden Unentschieden in Manchester (1-1) hatte man sich gegen die Engländer eine hervorragende Ausgangsposition fürs Rückspiel geschaffen. Für uns stand fest, würde Juve gegen Bayern das Finale erreichen, wären wir vier in Barcelona mit dabei. Gegen den FC Bayern, egal ob Juve oder Milan, Hauptsache Italien. Nur war mir nicht klar, wie ich dies meiner Freundin hätte beibringen sollen. Sicherlich würde sie wieder einen Aufstand machen…

»Du kannst doch nicht alleine ohne mich nach Spanien

fliegen! So viel Geld für ein Fußballspiel!

Mein Vater fährt nie ohne meine Mutter wohin!

Wann wirst Du mal erwachsen!«

…Oh, wie mich dieses Geschwätz genervt hat. Um ein Haar hätte ich mich in dieser wunderbaren Situation wiedergefunden. Manchester war für meine Begriffe, die ganze Saison über, der klare Favorit auf dieses Finale. Juve hatte wie bereits erwähnt, drei Mal in Folge das Endspiel erreicht und wirkte irgendwie überspielt. Allerdings verloren sie (wie bekannt) auch die letzten beiden Finalspiele. Meine Meinung kam auch nicht von ungefähr. Sicherlich waren die Turiner vom spielerischen Potential keineswegs schlechter als in den vergangenen Jahren. Nur wenn man ständig auf höchstem Level spielt und drei Jahre in Folge um die nationale Meisterschaft und um den Champions-League-Gewinn bis zum Ende mitpokert, kommt halt mal der Punkt, wo andere Teams dann spritziger oder hungriger sind. Juve führte bereits nach gut zwanzig Minuten durch schnelle Konterangriffe und Abwehrfehler der Engländer mit 2-0 (beide Tore durch F. Inzaghi). Völlig außer Rand und Band fingen wir vier schon an zu singen…

»Finale, Finale. Ole, ole, ole«

Die Mitbewohner des Finkenweg 12b dachten, jemand würde die Gunst der Stunde nützen. Und bei meinen Eltern einbrechen. Daher läuteten einige Nachbarn an der Eingangstüre, um nachzusehen, was sich in der Wohnung meiner Eltern abspielte. Nun gab es also zwei Möglichkeiten. Nicht wenige Teams hätten in dieser Situation wohl resigniert, und womöglich eine noch höhere Klatsche eingefangen. Ein wahrer Champion kämpft aber wohl bis zum Schluss. Da die Briten nichts mehr zu verlieren hatten, fingen sie jetzt richtig an zu fighten. Eben mit dem Herz eines Champions. Wohl mit dem Gedanken im Hinterstübchen, auf keinen Fall den Anschlusstreffer zu kassieren, wurden die Italiener nervös, und zogen sich zusehend in die Defensive zurück. Oft genug haben die Südeuropäer vom Stiefel den Catenaccio nur so zelebriert. Nicht so an diesem Abend! Mit weniger Glück, und nun einigen Leichtsinnsfehlern im Spielaufbau, glitt den Italienern das Spiel aus der Hand. Manchester wusste, würden sie ihr Saisonziel erreichen wollen, müssten sie mindestens zwei Tore schießen. So kam es dann auch letztendlich. Allerdings gab Juve das Spiel nach dem Anschlusstreffer wirklich völlig aus der Hand. United drehte das Spiel und gewann am Ende mit 2-3. Manchesters erster Sieg auf italienischem Boden. Wie Marco sich anschließend fühlte, verriet mir nicht nur sein Gesichtsausdruck. Manchester United gegen den FC Bayern München lautete die Finalbegegnung in Barcelona. All meine Befürchtungen waren tatsächlich eingetreten.

Christin und ich waren gerade ein paar Wochen getrennt. Langsam spürte ich den süßen Duft der Freiheit, (Milan gegen Empoli, Bierhoffs erste Meisterschaft mit Milan, und noch dazu mein erstes Spiel im San Siro - aber das ist ein anderes Kapitel), niemandem Rechenschaft ablegen müssen! Das war ein völlig neues Gefühl für mich. Nun gut, das Finale dieser beiden Top Clubs wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Auch wenn ich es nicht mehr gewohnt war, keinen italienischen Vertreter im Finale anfeuern zu können. Waren in den letzten sieben Jahren immer mindestens ein italienischer Club, ob Milan, Juve oder Sampdoria Genua, bis zum Finale vorgedrungen. Von anderer Seite betrachtet, konnte ich nun mal völlig relaxt und neutral dieses High light des Fußballs genießen (wie langweilig). Rado musste an diesem Abend bis 21 Uhr arbeiten und hatte keine Möglichkeit, das Spiel mitverfolgen zu können. So entschied ich mich dafür, mir diese Partie in München, im Olympiastadion anzusehen. Dort wurde die Partie auf Leinwand für die nicht nach Barcelona mitgereisten Fans übertragen. In der Welt des Fußballs sagt man, es gibt zwei Arten von Fußballfans, die einen lieben den FC Bayern, und die anderen hassen ihn. Ich gehörte damals eindeutig zu denen, die grundsätzlich gegen die Bayern waren. Anders an diesem Abend, die beiden Brüder aus München. Marco und Leo hatten auf einen Sieg der Bayern gehofft, wobei Marco die Enttäuschung über das verpasste Finale der Italiener noch anzumerken war. Ohne großartig nachzudenken, aber weil ich an diesem Abend eben für United war, zog ich das Trikot von Teddy Sheringham an, das ich mir im letzten Urlaub in Lloret de Mar gekauft hatte. In München dann angekommen, war ich schon sehr davon überrascht, wieviel Bayernfans es an diesem Abend ins Olympiastadion trieb. Letztendlich war die Arena dann kurz vor Spielbeginn bis auf den letzten freien Platz gefüllt. Durch die im Hintergrund untergehende Sonne konnten wir Zuschauer, die sich auf der Haupttribüne versammelt hatten, zunächst nicht wirklich erkennen, was sich auf der Leinwand gerade abspielte. Daher ähnelte die erste Halbzeit eher einer Fußball-Liveübertragung aus dem Radio. Dennoch war ganz klar zu vernehmen, dass Bayern die klar dominierende Mannschaft war. Das ganze Team kämpfte geschlossen und war eine Einheit. Matthäus, Scholl, Sahliamidzic, Jancker, Babel, Effenberg und wie sie alle hießen. Durch ein Freistoßtor von Mario Basler gingen die Münchner hochverdient in Führung. Auch in der zweiten Halbzeit hätte man eigentlich, dem Spielverlauf nach, locker und leicht das 2-0 machen müssen. Stattdessen beging man für meine Begriffe zwei entscheidende Fehler.

Niemals, aber auch wirklich niemals, hätte Ottmar Hitzfeld Lothar Matthäus und Mario Basler auswechseln dürfen. Matthäus, der im Lauf seiner Karriere vom Stürmer zum Libero umfunktioniert wurde, war zum damaligen Zeitpunkt, auf Grund seiner Erfahrung, für die Mannschaft und als charismatische Leitfigur unersetzlich. Die Ausrede im Nachhinein, durch Krämpfe zur Auswechslung gezwungen gewesen zu sein, zählt für mich nicht. Im größten Finale des europäischen Fußballs darf ein Hirte seine Schafe in solch einer entscheidenden Phase niemals alleine lassen. Wobei ich diese Antwort als nicht glaubwürdig einstufe. Auch mit der Auswechslung Mario Baslers wurde der Spielfluss aus der Partie genommen. Zwei Auswechslungen, die sich für die Psyche der Spieler keineswegs von Vorteil auswirken sollte. Piere Luigi Collina, damals weltbester Schiedsrichter, der die Partie leitete, zeigte in der 89. Minute noch drei Minuten Nachspielzeit an. Und das Schicksal nahm seinen Lauf. Der kurz zuvor eingewechselte Teddy Sheringham von Manchester United traf in der 90. Minute nach einem Eckstoß zur alles entscheidenden Wende, dem 1-1 ins Münchner Gehäuse. Wenn du zu solch einem Zeitpunkt in einem Finale, kurz vor Schluss, noch den Ausgleich bekommst, hast du eigentlich keine Chance, das Ding nochmal rumzureißen… Vom Kindesalter an träumst du, einmal der Größte zu sein. Mit deinem Team die Krone zu gewinnen. Champ sollen sie dich rufen. Tag und Nacht lebst du für diesen einen Moment. Blut hast du geschwitzt. Immer und immer wieder Rückschläge erlebt, aber immer und immer wieder aufgestanden und zurückgekommen. Deine Fans, deine Freunde, deine Familie. Letztendlich du selbst möchtest stolz auf Dich sein. Viele Menschen möchtest du mit diesen Emotionen glücklich machen, und ihnen Augenblicke schenken, die sie nie wieder vergessen werden. In die Fußballgeschichte möchtest du eingehen. Dann ist deine Zeit gekommen. Von diesem Gedanken, diesem Wunsch immer begleitet, kommst du dem Tag, deinem Ziel immer näher. Gibst alles, was du kannst. Und dann steht er vor dir, der große silberne Pokal… Zum Greifen nah. Von Fangesängen begleitet… Welch unermessliche Schönheit und Glanz diese Trophäe doch ausstrahlt. Welch immense Größe er doch annimmt. Du fühlst bereits sein kühles Silber in der Hand, und Millionen Menschen sehen dir dabei zu und jubeln vor Freude… Und plötzlich... ist er weg?... Das Ding wird dir aus den Händen entrissen! Gesänge und Jubelarien verstummen plötzlich. Und ein lautloser, von Schmerz erfüllter Schrei durchdringt deine Glieder. Der Traum platzt vor dir, wie eine einzige große Seifenblase. Erinnerungen aus deinem Leben schießen dir in Bruchteilen von Sekunden durch deinen Kopf. Was du für diesen einen Moment alles gegeben und geopfert hast! Und alles kommt dir nun so unendlich weit weg und sinnlos vor. Eine unendliche Leere macht sich in dir breit. Alles erscheint wie ein einziger böser Traum, fern von jeder Realität. Du weißt nicht, was du tun sollst, um diesen schrecklichen Schmerz zu verkraften, um zu begreifen, was gerade passiert ist... So müssen sich wohl die Bayern nach diesem Spiel gefühlt haben.

Zwei Minuten nach dem Ausgleichstreffer gelang Ole Gunar Solskjaer das Tor zur Ewigkeit. Sicherlich wird er für dieses Tor eines Tages zum Ritter geschlagen, oder in die Hall of Fame von Manchester United aufgenommen. Sicherlich war der Titelgewinn für Manchester nach dem Verlauf dieser Saison absolut gerechtfertigt. Nur hätte die Niederlage aus der Sicht der Bayern etwas anders stattfinden können. Kein Team der Welt verdient es, in so einem großen Finale so grausam zu verlieren. Bayern hatte den Titel nach dieser Saison, und besonders nach dieser Partie, nicht weniger verdient. Im Gegenteil, sie waren über die gesamte Spielzeit das bessere Team. Ein Spieler wie Lothar Matthäus sollte ohne den Gewinn der Champions League seine Karriere beim FC Bayern beenden. Was allerdings zum damaligen Zeitpunkt noch nicht fest stand. Im Olympiastadion herrschte natürlich eine äußerst schockierte und niedergeschlagene Stimmung. Spätestens seit dem Ausgleichstreffer hatte ich mir meine Milan Trainingsjacke übergezogen. Über viele Wangen der Bayernfans im Stadion flossen die Tränen nach dem Abpfiff nur so hinunter. Ja, eigentlich hatte ich mich schon irgendwie auf die Feierlichkeiten im Münchener Zentrum gefreut. Auch wenn ich kein Bayernfan war. Doch die zunächst ansetzenden Fangesänge -We are the Champions- oder -Stern des Südensverstummten unmittelbar nach dem Ausgleichstreffer. Ich hätte auch nie angenommen, dass gerade ich das Trikot des Torschützen zum Ausgleich tragen würde. Was für ein verflixter Zufall. Zum Glück hatte ich beim Verlassen des Stadions meine Trainingsjacke dabei. Anschließend fuhr ich nach Hause und musste selbst noch realisieren, was dort in Barcelona eigentlich geschehen war.

In der darauffolgenden Saison 99/00 gab es in München des Öfteren spanische Nächte. In der Gruppenphase hatte man den FC Valencia zu Gast. Reichte es aber doch in beiden Begegnungen nie zu mehr als zu einem Unentschieden. Beide Male trennte man sich 1-1. Auch in der zweiten Gruppenphase wurde den Bayern kein geringerer Gegner als Real Madrid zugelost. Bayern München hatte nach wie vor nur das eine Ziel. Die Champions League nahm auch für Franz Beckenbauer, nicht nur aus finanzieller Sicht, eine größere Priorität als ein –Zuckerl- an. Wie er die Champions League eben noch zwei Jahre zuvor bezeichnet hatte. Nachdem Real Madrid in beiden Gruppenspielen mit 2-1 besiegt wurde, waren die Bayern der klare Favorit auf den Titel. Nur war da eben noch Manchester United, die ich persönlich nach dem Titelgewinn der Königsklasse dann für etwas stärker hielt. Doch unterschätzte man ganz klar die Königlichen aus Madrid. Im Viertelfinale gegen Manchester als Außenseiter gehandelt, spielten sie sich eine etwas dürftig verlaufene Saison von der Seele. Der gerade ins Traineramt berufene Del Bosque, der nur als Übergangstrainer bis zur Sommerpause dienen sollte, bis ein geeigneter Mann für den Posten bei den Königlichen gefunden wurde. Doch brachte genau diese Interimslösung, dieser Ex-Spieler von Real, genau das mit, was der Mannschaft gefehlt hatte. War das weiße Ballett bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal auf einem UEFA-Cup-Platz in der aktuellen Spanischen Meisterschaft, schaffte es Del Bosque doch, die Künstler in Weiß bis zur letztendlich erreichten Vizemeisterschaft zu motivieren und sämtliche Knoten zu lösen. Zwischen dem französischen Wunderkind Anelka und Real Madrid entstand nie wirklich die große Liebe. Doch profitierte Anelka im Viertelfinale gegen Manchester ganz klar vom Verletzungspech der Spanier und konnte seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Und wie er das tat! Des einen Freud, des anderen Leid. Wieder mussten die Bayern im Viertelfinale gegen die Madrilenen antreten. Voller Zuversicht reiste man nach Spanien. Man wusste ja, wie man im Bernabeu Real schlagen konnte. Allerdings lief es diesmal nicht ganz so gut. Bayern verlor das Hinspiel in Madrid mit 2-0. Einen Treffer steuerte der eben erwähnte Anelka bei. Letztendlich war dann in dieser Saison schon im Halbfinale Schluss. Denn die Kicker von der Isar kamen im heimischen Olympiastadion nicht über ein 2-1 hinaus. Abermals war es Anelka, der den Bayern dann letztendlich das Aus bescherte. Rado und ich verfolgten diese Partie live in der Nordkurve unter ein paar hundert Real-Fans. Einer der königlichen Anhänger hatte doch tatsächlich eine Gummipuppe mit einem Realtrikot übergestreift im Stadion dabei. Durch das Ausscheiden der Bayern im Halbfinale war den Spaniern der Triumph in der Königsklasse nicht mehr zu nehmen. Denn im anderen Halbfinale standen sich der FC Valencia und der der FC Barcelona gegenüber. Wobei der daraus folgende Finalist dann schon eine kleine Überraschung war. Valencia sollte die Möglichkeit bekommen, gegen Real um den Titel zu spielen. Doch dieses Spiel entwickelte sich für die Königlichen eher zu einem Schaulaufen. Im zweiten Gang holten sich die Madrilenen den achten Triumph in der Königsklasse des europäischen Fußballs.

Rado dachte, ich wäre von allen guten Geistern verlassen, als ich während des Telefonats mit meinem Vater völlig ausflippte. Die Leute um uns herum dachten sich bestimmt das Gleiche. Auf seine anschließende Frage, was denn so toll gewesen sei, entgegnete ich ihm mit einer Gegenfrage. Was er denn glauben würde, wo das Champions-League-Finale 00/01 stattfindet. Er meinte nur

»Ja, was weiß ich, wenn du so flippst…

vielleicht in Rom oder wieder München«.

…Ich gestikulierte mit meiner Hand auf das Stadion, vor dem wir uns gerade befanden…

»Rat nochmal!«.

Die Begeisterung bei Rado nahm natürlich schlagartig zu…

»Nein, Du verarschst mich, oder?«

…gab er zur Antwort...

»Doch... San Siro«,

…bestätigte ich ihm meine Aussage und zeigte wiederholt mit meiner Hand auf unsere Kathedrale der Emotionen…

»Ganz klar, wir müssen ins Finale!!!«

…und mit dieser Aussage fasste Rado meine Gedanken in Worte.

…Sicherlich hatte sich der AC Mailand für die kommende Champions League Saison mit Spielern verstärkt und hoffte auf Oliver Bierhoff, der in der vergangenen Saison sehr viel zum Gewinn der Meisterschaft beigetragen hatte. Nicht zu vergessen war auch Andriy Shevchenko, auf dessen Durchbruch man bei Milan immer noch wartete. Dennoch, auch wenn das Finale in Mailand stattfand, Milan gehörte nicht unbedingt zum engsten Favoritenkreis. Inter Mailand schied gar in der Qualifikationsrunde zur Champions League, wenn auch unglücklich gegen Helsingborg IF, aus. Nie zuvor hatte ich von dieser Mannschaft etwas gehört. Von nun an hatte ich aber eine gedankliche Verbindung zu diesem Team. Nun ja, die Geschichte von Milan in dieser Champions-League-Saison ist recht schnell erzählt. Wenn man die erste Gruppenphase recht überlegen als Gruppensieger absolviert hatte, schied man in der zweiten Gruppenphase durch eine sehr enttäuschende Leistung gerechtfertigt aus. Hatte man es doch selbst in der Hand, mit einem Sieg über Deportivo La Coruna im letzten Gruppenspiel alles klar machen zu können. Aber Milan spielte einen katastrophalen Mist zusammen. An diesem Abend, zum alles entscheidenden Gruppenspiel, versammelten sich sämtliche Freunde bei mir zuhause. Pino, Rado, Gordan, Neff, Stefan, Gennaro und Ronnie. Stefan kannte ich durch Pino. Er war wie Gennaro auch Halbitaliener und Milan-Fan. Nur Ronnie war ein Typ, mit dem ich auf Grund einiger Weibergeschichten aus vergangenen Tagen näher befreundet war. Das ganze Wohnzimmer glich einem Fußballstadion. Überall Milan Poster, Fahnen und Schals. Alles war perfekt, nur nicht die Einstellung unserer Mannschaft. Erst in den letzten Minuten der ersten Halbzeit hatte Milan so etwas wie eine hundertprozentige Torchance. Doch die Hoffnung auf Besserung in Teil Zwei dieser Partie verlief im Sand. Stattdessen gingen die Nordspanier durch einen unberechtigten Elfmeter völlig überraschend in Führung. Das ganze Spiel über regten sich meine Freunde über den Bockmist, den Milan fabrizierte, völlig zurecht auf. Wir wollten doch ins Finale nach Mailand, in unser Fußballwohnzimmer. Verdammt, wo war da die Moral, der Wille, der Kampfgeist. Zehn Minuten vor Schluss kochte ich vor Wut, und explodierte wie ein Vulkan, als La Coruna sogar die Chance zum 2-0 hatte. Ich zog mein Sheva-Trikot aus und versuchte es zu zerreißen. Allerdings beschädigte ich dabei nur den Kragen. Voller Wut stürmte ich auf meinen Fernseher zu, und schlug mit beiden Fäusten auf die Flimmerkiste ein...

»DIESE VERDAMMTEN HURENSÖHNE, DIESE ÜBERBEZAHLTEN ARSCHLÖCHER, DA GIBT MAN SEIN LETZTES GELD AUS, UM SO VIELE SPIELE WIE MÖGLICH IM SAN SIRO ZU SEHEN UND DANN SPIELEN DIE SO EINEN MIST ZUSAMMEN… ICH WILL INS FINAAALE… SPIELT ENDLICH UND SCHIESST DAS TOR!«

…Und wieder schlug ich auf den Fernseher ein. In meinem Wohnzimmer traute sich keiner mehr einen Ton von sich zu geben. Plötzlich klopfte und läutete es wie wild an meiner Eingangstüre. Katharina versuchte meine halbe Nachbarschaft zu beruhigen, die sich in Morgenmänteln im Hausgang eingefunden hatte. Die anschließende Moralpredigt von meinem Schatz ging bei mir in einem gedanklichen …

»Leck-mich-doch-am-Arsch« völlig unter.

…Milan gelang zwar noch der Ausgleichstreffer durch einen Elfmeter, dennoch reichte das Unentschieden nur noch fürs Ausscheiden. Rado weigerte sich im Anschluss an die Partie, mein großzügiges Geschenk, die Trikots, Fahnen und Schals, anzunehmen. Ich wollte ihm nämlich mein komplettes Fansortiment schenken. Im Hausgang war Ruhe eingekehrt. Pino war fix und fertig. Seine damals etwas korpulente Figur und seine nun etwas nach Sturmfrisur aussehende Haarpracht ließ ihn in Anbetracht seiner Stimmung wie einen Wilden Bären aussehen. Meine Freunde verabschiedeten sich und betraten mit Pino voran den Hausgang. Plötzlich öffnete sich von Gegenüber die Türe zur Wohnung von Fam. Ehrenreich und dessen Hausherrin stürmte wutentbrannt hervor. An ihre genaue Wortwahl kann ich mich nicht mehr erinnern; an die von Pino aber wohl…

»Du alte Schabracke, halts Maul

oder ich schmeiß dich die Treppe runter!«

…Zu fünft in seinem Fiat Punto rasten sie in die Nacht hinaus. Rado und ich diskutierten noch ein paar Minuten über die verpasste Chance, vor heimischem Publikum den Titel zu gewinnen, bis mein Telefon schellte und Gordan am Apparat war...

»Du, wir wollten gerade auf die Ackermannstraße einbiegen, als uns plötzlich einer die Vorfahrt nimmt und stockvoll in die Seite reinfährt«

…Zum Glück hatte sich bis auf Gordan niemand ernsthaft verletzt. Gordan wurde im Nachhinein am Knie operiert. Was für ein bescheidener Abend für meine Freunde und mich. Äußerst unbefriedigend!

Es war die Saison des FC Bayern München. Am 23. Mai 2001 wäre ich gerne Richtung Süden gefahren. Mir hätte es bestimmt nichts ausgemacht, meinen Hintern auf dem Fahrersitz eines Mercedes Vito zu platzieren. Auch wenn im Hintergrund bereits in Landsberg, die halbe Truppe sturzbetrunken losgesungen hätte. Aber wie das Schicksal so wollte, fuhr ich an diesem Mittag mit Katharina Richtung Dortmund. Wir hatten uns eine Woche Urlaub genommen, und wollten ein paar Tage in Meinerzhagen verbringen. Da wir ja vorhatten, bald zu heiraten, war es an der Zeit ihre restliche Familie kennenzulernen. Immer wieder gedanklich beim Finale, konnte ich mich nicht richtig auf den bevorstehenden Abend freuen. Was wäre das nur für ein unvergleichliches Ereignis geworden. Im eigenen Stadion zu Europas bester Mannschaft gekürt zu werden. Aber nichts war’s mit dem großen Traum. Ich hoffte nur darauf, dass sich die Fans beider Finalteams eine einigermaßen gute Choreographie haben einfallen lassen. Der Gedanke daran, Bayern würde in meinem Stadion den Titel holen, fuchste mich ungemein. Ja, ich war schon ziemlich neidisch. Im meinem San Siro, meinen Lieblingscup, neben dem WM-Pokal. Die Bayern waren nun klarer Favorit auf den Gewinn der Champions League. Auch wenn sie gegen den Vorjahresfinalisten, den FC Valencia antreten mussten. Doch vier überzeugende Siege, über Manchester im Viertelfinale, Real im Halbfinale (jeweils 1-0 auswärts, und 2-1 zuhause), ließen nur schwer Zweifel an der Stärke und dem ungemein großen Willen zum Sieg der Bayern aufkommen. Sicherlich spielte da auch bei dem einen oder anderen Bayernstar die Angst eine große Rolle, nie mehr ein Champions-League-Finale als aktiver Spieler erreichen zu können. Ich denke, dass diese Angst die Mannschaft ungemein motiviert hat. Es waren noch gut fünf Stunden bis zum Showdown in Mailand. Allerdings bekam ich davon ja nicht viel mit. Wir waren immer noch auf dem Weg nach Meinerzhagen, einer Kleinstadt in der Nähe von Dortmund. Wäre es unhöflich, darum zu bitten, bereits nach wenigen Stunden, mitten in der Kennenlernphase, ein Fußballspiel ansehen zu wollen? Katharina steigerte meine Bedenken noch zusätzlich. Nachdem sie meinte,

»Also wir brauchen jetzt bestimmt noch drei Stunden bis nach Meinerzhagen und da kannst du wohl nicht einfach reinplatzen und zum Fernseher eilen, oder?«.

…Dass sie mich auf den Arm genommen hatte, stellte sich bereits nach nur fünf Minuten heraus…

»Also mach Dir mal keine Sorgen, meine Oma ist nämlich absoluter Bayernfan. Und ich glaube nicht, dass sie sich dieses Spiel entgehen lässt«.

…Unmittelbar nach dieser Aussage fuhren wir auch schon am Ortsschild von Meinerzhagen vorbei und Katharina fing hämisch an zu lachen. Adolf, der Lebensgefährte von Oma Irmhild war ganz im Gegenteil, und zu meiner großen Freude, kein großer Bayernanhänger. Eine wirklich überschaubare und gemütliche Kleinstadt, in der Katharina ihre Kindheit erleben durfte. Oma Irmhild und Adolf empfingen uns herzlich mit einem leckeren Nudelauflauf. Wenige Minuten nach der Begrüßung war das Eis auch schon gebrochen, das bei solch ersten Zusammentreffen oft vorhanden ist. Ein gewaltiges Haus mit einem riesigen Garten sollte für die nächsten Tage unser Zuhause sein. Die Bewohner dieser Wohngegend waren, unübersehbar, ziemlich wohlhabend. Riesige Bunker weit und breit, mit Liebe und Sorgfalt gepflegte Gärten. Eine Wohngegend, wo wirklich jeder jeden kannte. Und auch jeder über jeden andern ganz genauen Bescheid wusste. Der Nachmittag neigte sich mit großen Schritten dem Ende zu. Ohne viel Andeutungen auf das abendliche Großereignis zu äußern, war klar, dass auch den beiden der Finaleinzug der Bayern nicht entgangen war. Zu Anfang hätte man glauben können, dass Adolf für die Spanier Partei ergreift. Nach dem Abendessen machten wir es uns also alle im Wohnzimmer gemütlich und schalteten den Fernseher ein. Das Spiel sollte in wenigen Minuten beginnen. Als das Bild so langsam klarer wurde, sendete RTL auch schon live Bilder aus dem ausverkauften Stadio San Siro (meinem Wohnzimmer, und mir ging es zunächst gar nicht gut. Ich war wirklich tottraurig). Aus der Interkurve sah man nur so ein Meer von orange, weiß und schwarzen Luftballons und Fähnchen. Das durfte nicht wahr sein. Wurde den Bayernfans doch tatsächlich unsere Milan-Kurve zugesprochen. Ich muss gestehen, die Choreografie, die sich den Bayernstars beim Betreten des Spielfeldes darbot, war schon atemberaubend. Auf rotweißen Transparenten wurden die Vereinsfarben des FC Bayern deutlich erkennbar. Mittig davon bildete sich ein riesengroßer Champions-League-Pokal. Zudem stand auf einem weißen Banner geschrieben, dass sich über fast die gesamte Länge der Kurve hinzog…

»Heute ist ein guter Tag,

um Geschichte zu schreiben«

…Dieser war am Geländer des mittleren Teilstücks der Kurve befestigt. Die Bayernfans hatten mich diesbezüglich echt überrascht. Rado meinte im Nachhinein, dass dies die Milan-Fans organisiert hätten. Diese Aussage kann ich allerdings nicht mit hundertprozentiger Gewissheit bestätigen. Oh, was wäre gewesen, hätte Milan im Finale gestanden, gar gegen Inter. Nicht auszudenken! Ein Jahrtausendfinale im eigenen Stadion! Mit etwas Wehmut erwartete ich den Anpfiff und war nach wie vor nicht gerade auf Seiten der Bayern. Genau genommen wäre das für mich eine Katastrophe gewesen. Unser Stadion, unsere Kurve... Und dann sollten auch noch die Bayern triumphieren? Goooott bitte nicht! Viele Bayernfans erinnern sich noch ganz genau an die ersten zehn Minuten dieser Partie, als Gaizka Mendieta nach nur drei Minuten per Foulelfmeter, nach einem vermeintlichen Handspiel, zum Strafstoß antrat und verwandelte. Im Vorfeld wurde ein taktisch geprägtes Spiel erwartet, aber spätestens nach den ersten drei Minuten und der spanischen Führung, wurden die Karten neu gemischt. In der siebten Minute nach einem Foul an Stefan Effenberg, abermals im Strafraum, hätte Mehmet Scholl die Dinge wieder ins Lot führen können. Doch er zeigte unheimliches Nervenflattern. Es dauerte eine ganze Zeit, bis sich der FC Bayern von diesem Doppelschock der ersten Minuten erholt hatte. Sollte es diesmal wieder nicht zum ganz großen Wurf reichen? Mailand war doch sonst ein so gutes Pflaster für deutsche Teams. Ab der zwanzigsten Minute ging’s dann aber für die Bayern so langsam aufwärts. Zunächst versuchte es Elber in der vierundzwanzigsten Minute aus spitzem Winkel mit einem Flachschuss, dann war es Scholl, der mit einem fein angeschnittenen Freistoß scheiterte. Hitzfeld musste handeln und brachte in der zweiten Halbzeit mit Carsten Jancker einen weiteren Stürmer. Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die erste. Wieder mit einem Handelfmeter, jetzt für die Bayern. Und wieder übernahm Mehmet Scholl die Verantwortung, und machte diesmal alles richtig, 1-1. Nun konnte das Finale für die Bayern endlich beginnen. Ab der fünfzigsten Minute wurde das Spiel aber zusehend langsamer. Die Spanier verbarrikadierten sich fast nur noch in der eigenen Hälfte. So gab es für die Bayern fast keine Möglichkeit, offensiv gefährlich zu werden. In der fünfundachtzigsten Spielminute hätte Zahovic dann doch noch für eine Entscheidung in der regulären Spielzeit sorgen können, doch Olli Kahn nahm ihm den Ball regelrecht von den Füßen. Adolf wechselte inzwischen die Fronten (was für mich völlig verständlich war). Zu Beginn der Partie noch etwas mehr für die Spanier, entschied er sich jetzt doch ganz klar für den deutschen Fußball. Ich musste mich zusammenreißen, denn ein Sieg der Bayern schmeckte mir, wie schon oft genug erwähnt, ganz und gar nicht. Ich wollte auf keinen Fall, dass die Truppe um Hitzfeld in Mailand triumphierte. Von jeher, zurück bis in die Schulzeit, hatte ich immer wieder Konfrontationen mit Bayernfans. Ich hätte es ja auch einfacher haben können und mir einen deutschen Verein aussuchen können, nur war eben kein Verein so charismatisch wie der AC Mailand. Und es war für mich einfach Liebe auf den ersten Blick. Angespannt hoffte ich ganz fest darauf, dass Valencia doch noch der Siegtreffer gelingen würde. Aber ich befürchtete Schlimmes. Jetzt häuften sich auch die SMS-Nachrichten von Rado. Ihm ging’s nicht anders. Wenn ich mit den Bayern nicht gerade sympathisierte, hasste er sie geradezu. Seine Anspannung war aus den Mails klar herauszulesen. Seine Arbeitskollegen im deutschen Postfrachtzentrum, wo er nun mittlerweile als Sortierer arbeitete, nachdem er seine Lehre als Koch absolviert hatte, waren zu über 50% Bayernanhänger. Aufgrund der bescheidenen Arbeitsverhältnisse in der Gastronomie entschied sich Rado, den Berufszweig zu wechseln. Ich konnte es gut nachvollziehen! In der Verlängerung hätten beide Teams nochmals für die Entscheidung sorgen können. Einmal Elber mit einem Drehschuss in der dreiundneunzigsten, und einmal mehr wieder Zahovic. Bis auf einen Schlenzer von Sergio, der für Scholl mittlerweile eingewechselt wurde, geschah nichts mehr Nennenswertes. So kam man letztendlich nicht um einen Elferkrimi herum. Adolf war völlig gelassen. Hätte ich mich für den deutschen Fußball begeistern können, wäre ich wohl vor Nervosität halb gestorben. Wieder hagelte es SMS-Nachrichten. Rado hatte aus guten Gründen ein schlechtes Gefühl. Mit Olli Kahn hatten die Bayern den wohl aktuell stärksten Torhüter der Welt. Rein vom Spielverlauf her waren die Bayern für mich jetzt im Vorteil. Allerdings begann das Elferschießen für den deutschen Rekordmeister genauso fulminant mit einem Paukenschlag wie zu Beginn der Partie. Nachdem Sergio den ersten Elfer vergab, verwandelte Mendieta zum 1-2. Salihamidzic glich aus. Wieder gingen die Spanier durch Carew in Führung. Ehe Zickler zum 3-3 verwandelte. Dann wieder das Duell Zahovic/Kahn. Und wieder entschied der Bayerntorhüter das Duell für sich. Bayern war nun ganz klar im Vorteil. Anderson würde schießen. Auch er konnte die Bayern an diesem Abend, bis zu diesem Zeitpunkt der Partie, nicht in Führung bringen... Patrik Anderson hätte sich in München endgültig ein Denkmal setzen können… das Spiel auf Schalke war schon aus. In Hamburg lief die Nachspielzeit. Abertausende königsblaue Fans waren auf das Spielfeld gestürmt und feierten bereits die Meisterschaft in Gelsenkirchen. Schalke hatte wirklich eine Wahnsinns-Saison hingelegt. In Hamburg lief noch die Nachspielzeit. Die letzten Sekunden waren angebrochen... dann gab es nach einem Rückpass zum Hamburger Torwart, nachdem dieser den Ball in die Hand nahm, den wohl unvergesslichsten Freistoß im Sechzehnmeterraum in der Geschichte des deutschen Fußballs. Patrik Anderson war es, der mit dem wohl spätesten Tor der deutschen Fußballbundesligageschichte die nationale Meisterschaft für die Bayern entschied… Kahn gegen Carboni, Carboni läuft… schießt… Kahn hält. 3-3. Was für ein nervenaufreibender Krimi. Effenberg 4-3, Die Bayern an diesem Abend zum ersten Mal in Führung. Baraja 4-4, Lizarazu 5-4, Gonzales 5-5. Ottmar Hitzfeld und Uli Hoeneß erwarteten voller Anspannung, eben wie die gesamte Bayernbank und die vielen tausend mitgereisten Fans, den Elfer von Linke. Und auch dieser verwandelte zum 6-5. Hoeneß stand die Anspannung, völlig nachvollziehbar, ins Gesicht geschrieben. Ein Manager, der, im Vergleich zu vielen anderen, aus wenig Geld das absolute Maximum rausholte. In all den Jahren wurde nie wirklich ein Topstar wie Ronaldo, Beckham oder Zidane verpflichtet. Aber nun stand er wieder, wie schon zwei Jahre zuvor, im Finale der Champions League. Wenn ich die Bayern auch nicht leiden konnte. Ihm war der Titel ohne Zweifel am meisten zu gönnen. Seine persönliche Oskar-Verleihung, für eine jahrelang hervorragend geleistete Arbeit. Aber auch auf Seiten der Gegner saß ein Mann auf dem Trainerstuhl, der den Titel verdient hatte. Hector Cuper erreichte schon vor zwei Jahren das Finale im Cupsiegerwettbewerb. Damals noch mit dem RCD Mallorca. Doch scheiterte er damals an Lazio Rom. Auch im letzten Jahr wurde seine Mannschaft erst im Finale dieser Champions League, gegen Real Madrid gestoppt. Sollte er nun endlich einen Titel auf europäischer Bühne einfahren können? Pellegrino bewegte sich Richtung Bayern-Kurve. Wollte er seiner Mannschaft die Chance auf den Titel bewahren, musste er jetzt unbedingt treffen! Millionen und Abermillionen Zuschauer sahen ihm vor den Bildschirmen zu. Er lief an, trat den Ball zum Schuss, der Ball flatterte Richtung linkes unteres Eck… und Kahn hatte sich für die richtige Seite entschieden. Nie zuvor hatte ich den deutschen Nationaltorhüter so enthusiastisch gesehen. Kaum den Ball gehalten, noch halb in der Luft, fing er an einen Jubelschrei auszustoßen. Wie von der Tarantel gestochen, rannte er dann seinen Mitspielern in die Arme. Es wurde gefeiert und gejubelt, als ob es kein Morgen geben würde. Freudentränen bei Uli und Ottmar… ja es war echt verdient, und irgendwie auch schön! Bengalisches Feuer wurde in der Bayernkurve entzündet. Endlich hatten sie ihn, den silbernen Henkelpott mit den großen Ohren. Der Triumph der Bayern war über den Verlauf der kompletten Saison mehr als verdient. Und auch längst überfällig! Nach drei herausragenden Jahren in diesem Wettbewerb. Im Vorjahr trotz einer 8-5 Torbilanz und nur einer Niederlage und drei Siegen aus vier Partien gegen Real Madrid gescheitert. Ganz zu schweigen vom Finaltrauma in Barcelona gegen United. Bei den Bildern aus Mailand bekam auch ich ganz kurz eine leichte Gänsehaut. San Siro wäre wohl explodiert, hätte der AC oder Inter an diesem Abend dort gesiegt. Dem Tor zur Hölle hätten wir sicher Konkurrenz gemacht. Effenberg, Lizarazu, Elber, Jancker und Kahn. Verdient hatten sie an diesem Abend Fußballgeschichte geschrieben. Und wieder spielte Mailand eine entscheidende Rolle bei dieser Geschichte.

Euro 2000

Dreizehn Sekunden hatten uns gefehlt, dreizehn Sekunden zerstörten einen Traum. Dreizehn Sekunden, die einen unbeschreiblich schönen Sommer zu einem Alptraum hatten werden lassen. Daher stellte sich mir immer wieder die Frage nach dem Warum. Warum musste ich Italiener sein? Warum konnte ich nicht als Brasilianer zur Welt kommen? Warum mussten immer wir Italiener so ungemein leiden und auf so grausame Art und Weise verlieren? Warum konnten wir nicht einfach nur mal gewinnen, oder wenn schon verlieren, dann nicht im Elfmeterschießen, sondern einfach mal klar und deutlich mit einem drei oder vier zu null? Warum liebte ich den Fußball nur so stark? Warum bestimmte der Fußball so ausnahmslos mein Leben? Warum hatte mein Vater mich nur zu so einem Fußballverrückten, ja gar Fußballwahnsinnigen erzogen? Fragen über Fragen. Ich war nicht stolz darauf, Italiener zu sein. Nein, eher unsterblich verliebt in ein Land, das es so kein zweites Mal auf dieser Erde gibt. Ja, im tiefsten Inneren meiner Seele, war ich überglücklich über das italienische Blut, welches durch meine Venen floss. Stolz darauf Italiener zu sein?... Nein, das war ich nicht! Was hatte ich groß für einen Grund dazu? Was hatte ich schon groß dazu beigetragen? Bis dato für mein Land schon Großartiges geleistet? Im Grunde doch überhaupt rein gar nichts. Ich war damals ja noch nicht mal der italienischen Sprache so weit mächtig, dass man es mir nicht anmerkte oder heraushörte, dass ich in Deutschland groß geworden bin. Den italienischen Militärdienst hatte ich auch verweigert. Also gab es noch keinen wirklichen Grund auf irgendetwas stolz zu sein, das ich für mein Vaterland getan habe. Wobei ich sowieso der Ansicht war und dies auch immer noch bin, einem falschen Gefühl nachzueifern, wenn man Nationalstolz empfindet. Denn wirklicher Stolz kann nur durch die Dinge entstehen, die man selbst vollbracht hat. Also nennen wir diesen falschen –Nationalstolz- doch eher –Glückseligkeit-. Natürlich war ich von der Geschichte Italiens mehr als beeindruckt und erfreute mich an die einen oder anderen historischen Errungenschaften meines Vaterlandes. Nicht zuletzt an der Lebenseinstellung und Kultur der Menschen und ihren Traditionen. Es war eine Liebe, die ich zu Italien empfand, die all die Jahre immer mehr gewachsen war. Selbstverständlich auch durch viele Ereignisse und Situationen in meiner frühen Kindheit beeinflusst. Wenn ich auch eine deutsche Mutter habe, hatte sich mein Herz schon vor langer Zeit in Italien verliebt. Manchmal, wenn mich das helle Licht des Vollmonds nicht einschlafen ließ, schwelgte ich in Gedanken an Apulien und erinnerte mich an das lästige Hupen der Motorroller, die früh morgens durch die Gassen von Ruvo hindurchrasten. Ach, wie gern wollte ich doch damals, jeden Morgen – selbstverständlich bis auf die freien Wochenenden – von diesen Geräuschen geweckt werden. Oder das Rauschen der Wellen in Bisceglie… Früh am Morgen, wenn wir zum Strand fuhren, war das Meer noch völlig ruhig… fast wie eine flache Scheibe. Der Sonnenaufgang über der Adria, wenn man auf der Straße nach Bisceglie unterwegs war, oder die Abendröte am Fuße des Vesuvs, mit dem atemberaubenden Ausblick über den Golf von Sorrent. Kein anderer Ort auf dieser Welt eignet sich für einen romantischen Urlaub zu zweit besser als der Sorrent und die Amalfiküste. Sollte ich nochmals heiraten, käme sowieso nichts anderes in Frage als Sorrent oder Rom. Man sagt ja…

»Neapel, sehen und sterben«

Und das ist nicht auf die Mafia bezogen. Die verführerischen Düfte der italienischen Küche aus den geöffneten Fenstern um die Mittagszeit. Oder welcher Tourist kennt sie nicht, die Marktschreier, die ihre Waren, egal ob Obst und Gemüse, Wurst, Fisch und Käsewaren, Kleidung oder Souvenirs auf den Märkten anpreisen. Natürlich wissen die Italiener auch ihre Feste zu feiern. Wer dies schon miterlebt hat, der weiß, wovon ich schreibe. Trotz dieser Herrlichkeiten gibt es auch hier eine Kehrseite. Arbeitslosigkeit, Kriminalität und Korruption gehören zu den größten Problemen Italiens. Ganz besonders sticht hier der Süden hervor. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Menschen in Italien ihre Einstellung ändern und ihr Verhalten überdenken. Bei den Kleinigkeiten und an sich selbst zu arbeiten beginnen. Noch bevor sie auf andere mit dem Finger zeigen. Es ist nicht allein die Politik, die hierfür verantwortlich ist. Es gibt noch so viele Baustellen in Italien, die wirklich angegangen werden müssen. Wenn die Italiener diese Probleme in den Griff bekommen, bin ich mir sicher, dass es kein zweites Land auf der Erde gibt, das ansatzweise so eine fantastische Lebensqualität bieten kann. Dennoch verleitet es mich noch heute, so viele Jahre nach der Jahrtausendwende und dem objektiven Blick über die Realität, noch immer zum Träumen, wenn ich an Italien denke. Aber das alles nur am Rande. Was ich hier eigentlich erklären möchte, sind meine Gefühle für eines der schönsten Länder dieser Welt. Ganz gleich ob der Süden oder der Norden… Jede einzelne Provinz in Italien hat Potenzial, davon bin ich absolut überzeugt. Und vielleicht habe ich in naher Zukunft ja das Glück, meine Zelte in Italien aufschlagen zu können. Ganz egal, ob als Landarbeiter für eine Saison in Apulien, oder als Schriftsteller vor den Toren Roms. Zu verlieren habe ich ja nichts. Es schlägt verdammt stark, mein italienisches Herz!

Leider, es war damals schon wieder einige Jahre her, dass ich zu Hause in Ruvo war. Heimweh nach den Freunden und Bekannten, ein ständig begleitender Gast meiner Seele. Aber durch einige Umstände war es mir eine Zeitlang nicht möglich gewesen, nach Bari zu fahren. Ganz besonders in diesen Jahren plagte mich das Heimweh nach Apulien wie eine Krankheit, die sich nie heilen ließ. Der Fußball ist wie