Meine Zahlen - Christoph Thoma - E-Book

Meine Zahlen E-Book

Christoph Thoma

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Beschreibung

Was macht man, wenn einem den ganzen Tag der Chef auf den Sack geht und die Frau gerade mit dem Nachbarn etwas anfängt? Genau! Lottospielen und hoffen, dass der liebe Gott mal einen guten Tag hat. Was macht man, wenn das wirklich geschieht? Genau, durchdrehen und der ganzen Welt zeigen, dass man nicht mehr die arme Sau ist wie noch vor kurzem. Vom armen Würstchen zum Lottomillionär und fast zurück, wenn, ja wenn nicht die Sechs gekommen wäre.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

Christoph Thoma

Meine Zahlen

Kapitel 1: Meine Zahlen

Kapitel 2: Mein erster Tag als Millionär

Kapitel 3: Der Autohändler

Kapitel 4: Meine Villa

Kapitel 5: Urlaub

Kapitel 6: „Umdenken“

Kapitel 7: Verkauf

Kapitel 8: „Alles auf Rot!“

Kapitel 9: Spanien

Kapitel 10: Meine Tochter

Kapitel 11: Comeback in Starnberg

Kapitel 12: Hochzeit

Kapitel 1. Meine Zahlen

ZDF-Videotextseite 558:

Lottozahlen, Samstagsziehung:

3, 5, 7, 22, 30, 42, Zusatzzahl 17

Superzahl: 9

Bestimmt einige Minuten starrte ich auf diese Seite und konnte das Ganze nicht glauben. Schon seit Jahren spielte ich immer dieselben Zahlen und wusste deshalb, dass Fortuna diesmal genau den Richtigen traf.

„Verdammte Scheiße! Ich habe sechs Richtige!“, dachte ich, holte den Schein aus meiner Jackentasche und verglich diesen. Ganz vorsichtig wurde jede korrekte Zahl umkringelt, dann erst hysterisch durch die Wohnung gerannt.

„Leck mich am Arsch! Ich bin reich!“, schallte es jetzt in voller Lautstärke durch meine Behausung. Selbst die Superzahl hatte ich richtig, was den totalen Check-Pott bedeutete. Ich hatte zwar keine Ahnung, für was die gut war aber für ein oder zwei zusätzliche Südsee-Inseln würde es schon reichen. Meine Stimmung war bestens, nur wurde diese gleich auch wieder getrübt.

„Ne, die bekommt keinen Cent! Ausgeschlossen!“, überlegte ich und musste umgehend an meine Frau denken. Ich war nicht geizig oder ähnliches, nur lebte ich gerade in Scheidung. Meine Holde meinte, mich mit unserem Nachbarn betrügen zu müssen. Genau aus diesem Grund sah ich es auch nicht ein, sie nur mit einem Euro an meinem Gewinn zu beteiligen. Ich rannte durch die Wohnung und suchte einen geeigneten Platz um diesen Schein vor ihr in Sicherheit zu bringen.

„Blumenkübel ist scheiße. Wenn die mal gießt ist der nass und kein Mensch kann die Zahlen mehr lesen!“, dachte ich und beschloss, dass meine Schmutzwäsche ideal war. Seit unserer Trennung meinte sie nämlich nicht mehr für mich waschen zu müssen. In eine besonders verkackte Unterhose wurde mein Goldstück gesteckt und mit drei Stinkesocken bedeckt. Mit einem glückseligen Gesichtsausdruck schaute ich auf diesen Wäschehaufen und wusste, dass darunter mein neues Leben versteckt war.

„Was mache ich zuerst? Kündigen?“, dachte ich nach und hatte spontan Bock mal richtig die Sau rauszulassen. Mir einfach eine Fünf-Liter Flasche Champagner über den Kopf laufen zu lassen oder eine Kippe mit nem Hunni anzuzünden. Einfach normale Dinger, die man als Reicher halt so macht! Das alles würde aber sicherlich meine Ex auf den Plan rufen und auch aus einem anderen Grund war Vorsicht geboten. Wie oft passierte es, dass vermeintliche Lottogewinner mit sechs Richtigen nur ein paar läppische Tausend Euro bekommen hatten. Ich musste auf die Quoten warten, so schwer es auch fiel.

Bestimmt zwanzig Mal schaute ich an diesem Abend noch nach, ob mein Scheinchen auch dort lag, wo ich es gebettet hatte. Immer wieder gab ich ihm einen kleinen Kuss und verglich die Zahlen nochmal miteinander. Ich irrte mich nicht: Sechs Richtige mit sämtlichen Zusatzzahlen die es so gab!

„Was mache ich als erstes? Ne Weltreise oder doch lieber nen Ferrari? Ach was solls? Ich mach einfach beides!“, grinste ich und schaute mir schonmal ein paar rote Flitzer im Netz an. Auch auf der Tui-Seite war ich an diesem Abend Stammgast.

„Malediven-Rundreise für 22.000€!“, das ist ja wirklich ein Schnäppchen!“, dachte ich mir, drückte aber vorsichtshalber noch nicht auf den „Buchen-Button“.

„Am Montag, Schatzi! Dann weißt was du bekommst und kannst so viele Reisen buchen wie du willst!“, ermahnte ich mich selber und legte das Handy lieber mal weg.

So schön schlief ich noch nie ein. Immer wieder erschienen mir schnelle Autos, geile Reisen und tolle Wohnungen in meinen Träumen.

„Hoffe mal, dass dies der letzte Tag ist an dem ich mich zum Voll-Depp machen muss!“, sprach ich zu mir selber, gab meinem Spiegelbild einen Kuss und zwängte mich in die Krawatte.

Ich war Sachbearbeiter in einer kleinen Spedition und der Liebling meines Bosses. Immer wenn besondere Aufgaben anstanden, war ich der richtige Mann. So auch an diesem Tag. Es war eine wichtige Besprechung angesagt und der Kaffee ging aus. Für diesen Fall gab es nur eine Person, mich! Natürlich hätte ich mich weigern können, nur in der Probezeit und einem schwachen Arbeitsmarkt war das taktisch nicht so klug.

„Bitte lieber Gott! Mach, dass ich ganz viele Millionen bekomme und ich nie wieder für den einkaufen muss!“, betete ich, schmiss den Kaffee lustlos in den Einkaufswagen und zog von Dannen.

Auf dem Weg ins Büro überrollten mich wieder meine Zweifel. Waren die Zahlen wirklich so außergewöhnlich, dass nur ich sie spielte? Bestimmt haben noch siebenundvierzig andere Trottel die genauso getippt und ich stünde am Ende mit leeren Händen da. Aus diesem Grund reichte ich meinem Chef den Kaffee auch recht freundlich.

„Entkoffeiniert?“, fragte er, roch wie Julius Cäsar an der Tasse und verzog angewidert den Mundwinkel.

„Natürlich!“

„Sicher? Der riecht so komisch!“

„Ganz sicher! Ich habe ihn schließlich auch gemacht!“

Das war immer das besondere Highlight meiner Demütigung. Für einen alten Sack den Kaffee kochen. Was gibt es Schöneres?

„Kekse?“

„Was Kekse?“

„Sie wissen doch, ich will zu meinem Kaffee immer Kekse! Wo sind die?“

„Kommen gleich!“

„Ich bitte darum!“

„Jawoll, mein Führer!“, lächelte ich gequält, verschwand in die Küche und brachte ihm seinen beschissenen Keks-Teller.

Die Besprechung dauerte drei Stunden. Genug Zeit also um kurz mal ins Internet zu gehen und die Quoten zu checken.

„Sag mal! Kennst du dich mit Lotto aus?“, fragte ich meine Kollegin und sah noch nichts, was nach einem unbeschreiblichen Reichtum aussah.

„Bisschen, warum?“

„Wann erscheinen denn die Quoten vom Samstag?“

„Hast du gewonnen?“

„Ne!“

„Und warum willst das dann wissen?“

„Frag für einen Freund!“

„Ganz genau!“, grinste sie und meinte beiläufig, dass auch sie gewonnen hätte.

„Du? Echt? Wie viele Richtige hast du?“

„Drei!“

„Wenn die blinde Nuss schon etwas trifft, kann es für meinen Sechser nicht viel geben!“, dachte ich mir und zog es deshalb vor, dem Wunsch meines Bosses nachzukommen. Ihm gelüstete es plötzlich nach einem Schoko-Croissant.

„Du! Im Radio haben die gerade gesagt, dass der Jackpot geknackt wurde!“, meinte meine Kollegin, als ich gerade vom Bäcker meines Vertrauens wieder kam.

„Sind die Quoten schon draußen?“

„Ne, kommen heute Mittag! Man, bin ich gespannt was ich kriege!“

Dieses Gefühl kannte ich nur zu gut. Immer wieder drückte ich auf den „Aktualisierungs-Button“ auf der Lottoseite und drehte fast durch. Es war kurz vor Zwölf, immer noch keine Neuigkeiten. Trotz der Aussicht bald Millionär zu sein knurrte der Magen.

„Morgen gibts schöne Lachs-Röllchen mit Hummer-Soße! Heute musst dich aber noch mit einer Wurst-Semmel begnügen!“, streichelte ich meinen Bauch und verschwand kurz in die Mittagspause. Natürlich drehte sich dort auch nur alles um dieses Thema. Bei jedem Bissen dachte ich nach, was mich wohl an Kohle erwarten würde. Ich wollte einfach nicht mehr arbeiten, für diesen Arsch schon zweimal nicht mehr.

„Und? Weißt du schon mehr?“, fragte ich und setzte mich etwas gestresst zurück an meinen Schreibtisch.

„Nicht so viel, 258,86 Euro. Hatte mir schon mehr erwartet!“

„Sind die Quoten draußen?“

„Hätte ich dir sonst den Betrag sagen können, Depp!“, grinste sie und sah mich wild in die Tastatur hämmern.

Lotto.de

Gewinnquoten Samstagsziehung:

Ich wollte es spannend machen und deckte den Bildschirm mit einem Blatt Papier ab. Langsam wurde dieses weggeschoben. Ich erkannte eine Drei. Könnten jetzt Dreihunderttausend sein. Wäre jetzt auch nicht gerade schlecht. Die zweite Zahl war eine Sieben. Dreihundertsiebzigtausend??? Es folgten eine Fünf, eine Acht, eine Eins und zweimal die Drei. Verdammt, die Zahl war siebenstellig! Ich hatte in der Schule nie gut aufgepasst, wusste aber, dass eine siebenstellige Zahl irgendetwas mit Millionen war! Ich zog den Zettel komplett vom Bildschirm und sah sie in voller Größe:

Gewinnquote 1. Rang: 3.758.133 Euro

„Verdammte Scheiße, ich bin Millionär!“, dachte ich mir und ließ diese Zahl nochmal ganz langsam sacken.

„Was ist los?“, fragte sie mich, sah meinen glückseligen Gesichtsausdruck und wusste eigentlich was gespielt wurde.

„Wieviel hast du gewonnen?“

„Fast vier Millionen!“

„Ne, oder?“

„Doch, da stehts!“

Die verzweifelten Bitten ihr doch mit ihrer kranken Mutter zu helfen, hörte ich gar nicht mehr. So schnell wurde in der Geschichte Deutschlands noch nie ein Schreibtisch geräumt.

„Sag dem Alten, dass er mich am Arsch lecken kann!“

„Mach ich! Aber hast du es dir nochmal überlegt. Diese OP in den USA ist echt das Einzige was ihr helfen würde!“

„Deine Mutter ist seit drei Jahren tot! Glaubst du ich bin doof?“

Ich war gerade mal fünf Minuten Millionär und hatte schon irgendwelche Schmarotzer am Hals. Was malte ich mir bei einem plötzlichen Reichtum nicht alles aus? Meinem Chef auf den Schreibtisch zu kacken oder alles kurz und klein zu schlagen? Nur mit einem fetten Grinsen und einem ausgefahrenen Mittelfinger verabschiedete ich mich an diesem Tag! Äußerst beschwingt war der Heimweg. Immer wieder erschienen mir vier Millionen vorm geistigen Auge.

„Wenn ich mir die Kohle in Fünf-Euro Scheinen auszahlen würde, wie hoch wäre dann der Berg?“, fragte ich mich selber und traf rein zufällig meine Ex im Hausflur. Sofort musste ein anderer Gesichtsausdruck her. Auf gar keinen Fall dürfte sie etwas merken. Gebückt und leicht fluchend nickte ich ihr zu.

„Rückenschmerzen von dieser ganzen Arsch-Kriecherei! Aber was willste machen! Brauch halt den Job!“, meinte ich und hoffte, dass dieses Schauspiel nicht zu auffällig war. Sie schaute nur blöd, kannte aber bereits meine Laune nach einem langen Arbeitstag.

„Hab nur ein paar Sachen geholt!“

„Okay! Welche?“

„Klamotten!“

„Aber nur deine, oder?“

„Ja klar nur meine! Was soll ich mit deinen? So schön sind die nun wirklich nicht!“, meinte sie und schaute etwas abfällig an mir herunter. Dass sich das bald ändern würde, behielt ich lieber mal für mich. Bald würden sämtliche Designer ihre wahre Freude an mir haben.

„Okay! An meiner Schmutzwäsche warst aber nicht zufällig, oder?“

„Was soll ich an deiner Schmutzwäsche?“

Allmählich wurde es auffällig, dass merkte sogar ich. Genau aus diesem Grund wurde das Thema gewechselt und gefragt, wie es denn jetzt weitergehen sollte.

„Scheidung!“, kam nur ein Wort aus ihrem Mund. Vor kurzem bedeutete dies noch den Weltuntergang für mich.

„Scheidung! Nichts teilen und für immer frei sein!“, schoss es mir durch die Birne und nickte anscheinend sehr auffällig.

„Alles gut bei dir?“

„Ja, ja! Alles bestens!“

„Wirklich?“

„Ein Mann schaut halt so, wenn er betrogen wird. Alles ganz normal!“

„Es ist immer das Gleiche mit dir!“

„Aha! Was denn?“

„Deine schlechte Laune und der Hass auf jeden!“

„Hab du mal einen solchen Traumjob. Da wärst auch den ganzen Tag genervt! Aber Gott sei Dank musst das ja nicht mehr mitansehen!“

Sie nickte nur und meinte, dass sie sich bald melden würde.

„Aber nicht so lange! Die komplette Damenwelt wartet schon auf mich!“

Frauen waren mir in diesem Moment sowas von egal. Ich hatte nur Schiss um meine Kohle. Kein Ehevertrag bedeutete gleichzeitig, dass ich die Hälfte meines Gewinnes abdrücken müsste.

Etwas stürmisch wurde in die Wohnung gerannt und erstmal gecheckt, ob mein Millionenscheinchen denn noch da war. Tatsächlich, mein Albtraumeheweib hatte nicht gewaschen, hätte mich auch gewundert.

Auf der Couch, mit einem Gläschen Bier, fing ich das Überlegen an.

„Wie komme ich an die Kohle ran? Lottozentrale anrufen, die sollen das Geld gleich überweisen! Ich will endlich anfangen mit meinem neuen Leben!“, schoss es mir durch die Birne und gönnte mir nochmal einen ausgiebigen Schluck. Nach einem kleinen Bäuerchen versuchte ich mein Glück. Mit zittrigen Händen wurde die Nummer gewählt, die Reichtum und Wohlstand bedeutete.

„Lottozentrale Bayern, was kann ich für Sie tun?“, hörte ich am anderen Ende der Leitung und hatte ein wohltuendes Gefühl im Bauch.

„Ich hab gewonnen, aber mal so richtig. Wann kann ich den Schotter holen?“

Auf eine Begrüßung oder sonstige Floskeln verzichtete ich. Die Zeit war schließlich kostbar und ich wollte endlich an mein Geld heran.

„Hallo, erst mal! Dann kommen Sie am besten zu uns, dann klären wir das persönlich!“, antwortete die Telefon-Sumsel und gab mir nicht die Auskunft, die ich eigentlich hören wollte. Insgeheim hoffte ich schon, dass zumindest ein Vorschuss gleich überwiesen würde.

„Kann ich wenigstens schon einen kleinen Teil haben? Ich kann auch den Schein fotografieren und Ihnen mailen?“, fragte ich ganz freundlich, bekam aber leider dieselbe Antwort. Wir machten einen Termin für den nächsten Tag aus.

Die Nacht war ziemlich unruhig. Was malte ich mir nicht alles aus? Die Lottozentrale brannte ab, ein fataler Computerabsturz löschte meinen Gewinn oder das Land Bayern meldete über Nacht Zahlungsunfähigkeit an und konnte somit meinen Gewinn nicht mehr auszahlen. Diese Gedanken waren die Highlights in einer Reihe von Albträumen.

Endlich war diese furchtbare Nacht zu Ende. Ich war so aufgeregt, dass ich sogar meinem Ehebrecher-Weib am Telefon einen guten Morgen wünschte. Soviel Aufmerksamkeit hatte ich ihr in den letzten Wochen nur einmal entgegengebracht und zwar, als ein Kaktus nach ihr geworfen wurde. Dementsprechend fragte sie auch, ob alles in Ordnung sei.

„Ja klar, alles bestens! Geh jetzt gleich zur Arbeit und mach mich wieder zum Volldeppen. Warum rufst du eigentlich an?“

„Wollte den Termin mit dir absprechen!“

„Welchen Termin?“

„Wir wollten uns doch wegen der Scheidung unterhalten!“

„Stimmt! Ich melde mich! Muss jetzt zur Arbeit!“, kam es knapp aus meinem Mund, legte auf und schmiss das Telefon mit vollem Elan aufs Bett.

„Wenn die alte Schlampe die Wahrheit wüsste, wäre das eine Katastrophe!“, überlegte ich nochmal und korrigierte kurz meinen Tagesablauf. Vor dem Gang in die Lottozentrale musste ich zu meiner Bank. Ich brauchte ein Konto, auf das sie keinen Zugriff hatte.

---ENDE DER LESEPROBE---