Scheiß Urlaub - Christoph Thoma - E-Book

Scheiß Urlaub E-Book

Christoph Thoma

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Beschreibung

Fonsi und Sepp, zwei altgediente "Mitarbeiter" beim Finanzamt München. Der eine kümmert sich um seine Kakteen-Zucht, der andere um den Aufbau seines Fan-Clubs „FC-Bayern-Fanclub-Finanzamt Mitte“ Alles lief bestens, bis einer mit seiner Frau in den Urlaub musste.

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Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhaltsverzeichnis

Christoph Thoma

Impressum

Christoph Thoma

Scheiß Urlaub

Kapitel 1: Mein Finanzamt

Kapitel 2: Mallorca

Kapitel 3: Zum goldenen Hirschen

Kapitel 4: Der perfekte Sonnenbrand

Kapitel 5: Megapark

Kapitel 6: Der Markt-Besuch

Kapitel 7: Beckenbauer

Kapitel 8: Endlich wieder zu Hause

Kapitel 1: Mein Finanzamt

Nie war ich im Urlaub, nie. Warum auch? Ich hatte alles was ich brauchte. Einen schönen großen Fernseher auf dem ich alle Spiele meines geliebten FC Bayerns sehen konnte. Zudem war ich Beamter beim Finanzamt, stand kurz vor meiner Pensionierung und hatte somit genügend Freizeit. Hier und da mal einen Steuerbescheid erlassen, aber auch nur dann, wenn Zeit dafür war. Die restliche Zeit verbrachte ich mit meinem Freund dem Alfons. Genau dieser „arbeitete“ drei Zimmer weiter und war für die Vermögensteuer Buchstabe A-D zuständig. Da niemand mehr in Deutschland vermögend war, hatte auch er viel Zeit.

Mein Aufgabengebiet, Umsatzsteuer Buchstabe F-G, konnte durchaus die junge Kollegin für mich erledigen. Sie hatte so etwas, was Alfons und ich schon seit drei Jahrzehnten nicht mehr hatten: Ehrgeiz. Seit dem Tag an dem wir unsere Urkunde „Beamter auf Lebenszeit“ in den Händen hielten, ließen wir es etwas ruhiger angehen. Er kümmerte sich um seine Kakteensammlung, ich um den Aufbau meines Fanclubs „FC Bayern Fanclub Finanzamt-Mitte“. Genau aus diesen Gründen waren Gedanken über einen Urlaub so überflüssig wie neue Steuergesetze. Sie interessierten mich einfach nicht. Natürlich sprach sich das herum, vor allem bei meinen neuen Vorgesetzten. Er war ein junger Mann, der gerade diese Stelle bekam und wollte den ganzen Laden umkrempeln. Da war er natürlich bei uns an der richtigen Adresse. Immer wieder schneite er in mein Büro und beanstandete von mir erlassene Steuerbescheide.

„Herr Obermaier! Seit wann gibt es den 19% Umsatzsteuersatz?“, fragte er, deutete auf einen Beschwerdebrief und schüttelte ungläubig mit dem Kopf.

„Des wors doch i ned!“, antwortete ich freundlich, schaute dabei auf die neue Kicker-Stecktabelle und war äußerst zufrieden.

„Gott sei Dank san ma wieda Tabellenführer!“, war mein erleichteter Nachsatz und blickte in die Augen meines Vorgesetzten.

„Herr Obermaier, das freut mich. Aber nochmal zurück auf meine Ausgangsfrage. Wie lange gibt es den schon?“

„Wors i ned, scho a bissi!“

„Seit dem Jahr 2007!“

„2007? Echt?“

„Ja echt!“

„Podolski, Klose und Luca Toni!“, schossen mir gleich unsere Stürmer aus diesem Jahr durch den Kopf. Das waren einfach noch gute Zeiten!

„Ist schon bisschen her, oder?“, fragte er und sah mich weiter so dahin träumen.

„Schon, ja!“

„Eben! Und warum berechnen Sie dann den Umsatzsteuerbescheid mit 14%?“

„Ja des wors doch i ned. Bin hoit a bissi überarbeitet!“, sprach ich, steckte Werder Bremen vorsichtshalber schon mal auf einen Abstiegsplatz und hoffte, dass die Fisch-Köpfe dieses Jahr wirklich den Gang in die zweite Liga antreten müssten.

„Herr Obermaier! Wie lange arbeiten Sie denn schon für den Staatsdienst?“

Er erkannte meinen dummen Blick und formulierte seine Frage deshalb um.

„Wie lange sitzen Sie schon auf diesem Stuhl?“

„Seit über vierzig Jahren diene ich mit Herz und Seele der Bundesrepublik Deutschland!“

„Und wann waren Sie das letzte Mal im Urlaub?“

„Das war 1974, nach dem Gewinn des Europapokales!“, antwortete ich und schielte dabei auf meinen kleinen Vitrinen-Schrank. Nach jedem Titelgewinn stellte ich eine Kopie des jeweiligen Pokals da rein. Im Laufe der Jahre sammelte sich da natürlich so einiges an. Genau deshalb mussten ein paar Aktenschränke mit unnötigem Steuerkram ins Nachbarzimmer weichen.

„Ja schauen Sie Herr Obermaier. Sie brauchen dringend Urlaub!“

„Wie Urlaub?“

„Urlaub halt! Ausschlafen, ein Buch lesen und den ganzen Tag nichts machen!“

Er wusste, dass er mich damit nicht großartig reizen konnte.

„Des geht ned, mein Fanclub braucht mich hier!“

„Entweder Sie gehen in Urlaub oder auf eine Fortbildung!“, sprach er ziemlich energisch und hielt eine Broschüre in der Hand. „Umsatzsteuergesetz leicht gemacht“, konnte ich noch irgendwie erkennen.

„A na, i war doch erst auf Fortbildung!“, antwortete ich mit verdrehten Augen und konnte mich mit keinem seiner Vorschläge anfreunden.

„Das war 2001! Damals gab es die D-Mark noch!“

„2001? Champions-League Sieg gegen Valencia in Mailand!”, frohlockte es in mir und wieder wurde auf den passenden Pokal geschaut. Dieses Elfmeterschießen damals hatte mich sieben Jahre meines Lebens gekostet.

Während ich so gedankenversunken an diese schöne Zeit dachte, stürmte mein Freund Fonsi ins Büro und war völlig aus dem Häuschen.

„Du Franzi! Stell dir mal vor wer bei uns unterschrieben hat?“

„Ja keine Ahnung, sag scho!“

„Meine Herren! Wir sind hier beim Finanzamt und nicht an der Säbener Straße!“, unterbrach mein Boss den hocherfreuten Kollegen und machte gleich wieder einen auf „Super-Chef“.

„I sags da nachher!“, sprach er leise, ging Richtung Tür und streichelte auf dem Weg nach draußen noch kurz den DFB-Pokal.

„Urlaub oder Fortbildung!“, waren die letzten Worte meines Chefs bevor er das Büro verließ. Beides war ziemlich scheiße, so beschloss ich dieses Thema erst mal auszusetzen. Ein schneller Griff zum Telefon sollte mich ablenken.

„Finanzamt Mitte, Vermögensteuer, mein Name ist Huber!“, sprach mein Gesprächspartner und versuchte dabei nicht gleich einzuschlafen.

„Depp, i bins!“, schrie ich ins andere Ende der Leitung und wusste, dass dies immer dasselbe war.

„Ja und woher soll ich das wissen?“

„Auf dem Display steht meine Nummer, Rindvieh!“

„Da schau i nie hin!“

„Weiß ich! Egal, wer hat unterschrieben? Wer kommt zu Bayern?“

„Der Messi!“

„Wie der Messi?“

„Ja der Messi kommt von Paris nach Bayern. Hat mir Kollege Schmidt gerade auf dem Klo erzählt!“

Ich wusste sofort was gespielt wurde und befahl einen kurzen Blick auf das Kalenderblatt.

„Ja und was steht da?“, fragte ich nach meiner Aufforderung und ließ mich genüsslich in den Sessel plumpsen.

„17. Januar!“

„Selbst zum Abreißen der Blätter bist zu faul!“, sprach ich und klärte ihn umgehend auf.

„Depp, die ham dich verarscht, heut is der 1. April, Trottel!“

„A gäh scheiße, voll dawischt!“, fluchte er und haute mit einem lauten Lachen lustvoll auf den Tisch. So eine tatkräftige Reaktion kam nur einmal im Jahr von ihm, am 1. April an dem er regelmäßig reingelegt wurde.

Da nun doch keine Wunderverpflichtung zu verzeichnen war, konnte ich mich nun endlich meiner eigentlichen Tätigkeit widmen, das Rundschreiben an die Fanclub-Mitglieder. Ich war gerade dabei jedem eine erfolgreiche Rückrunde zu wünschen, da schneite mein Boss abermals ins Büro.

„Herr Obermaier!“, sprach er mit leicht verdrehten Augen und hatte diesmal einen noch genervteren Gesichtsausdruck.

„Ja bittschön!“

„Herr Obermeier! Können Sie mir bitte mal den Unterschied zwischen Säumnis,- und Verspätungszuschlägen erklären!“

Da mein Spickzettel auf die Schnelle nicht greifbar war musste ich ein wenig improvisieren. Das wurde natürlich auch von meinem Vorgesetzten bemerkt.

„Jeder Schulabgänger hat ein besseres Wissen als Sie!“

Mag sein, die haben aber auch keine Doppelbelastung mit Job und Fanclub. Das dachte ich natürlich nur und sprach es nicht aus.

„Derf i mal frong, was die Fragerei überhaupt soll?“, bat ich um Aufklärung und hatte für diesen Mist eigentlich gar keine Zeit. Jeder meiner Mitglieder wartete schon auf den heißersehnten News-Letter.

„Ein weiterer Beschwerdebrief ist mir heute auf den Schreibtisch geflattert. Sie haben jemanden zwei Millionen Euro Verspätungszuschlag aufgebrummt!“

Dunkel, ganz dunkel konnte ich mich an diesen Fall erinnern. Der Besitzer dieses kleinen Lokals war Anhänger von 1860 München und tat das durch Aufhängen vieler Poster immer wieder kund. Ich wollte durch das Verhängen dieses Zuschlages mitteilen, dass ich sein Verhalten nicht dulden konnte.

„Sie können doch nicht einen so hohen Betrag festsetzen, nur weil er Löwe ist!“

„Ja mei! Wollt dem halt ein für alle Mal den Garaus machen!“, sprach ich und hoffte zudem, dass meine Steuerbescheide an diverse Dortmund-Fans auf dem Postweg verloren gingen. War aber leider nicht der Fall. Nur zwei Tage später spielte sich das gleiche Spektakel in meinem Büro ab. Ich polierte gerade die Meisterschale, Fonsi zerschnitt das HSV-Wappen, da stand er wieder wutentbrannt in meiner Tür.

„Jetzt langt es mir mit Ihnen, endgültig!“, schrie er mit einer Inbrunst durch die Gegend, bei der man gleich Angst bekommen könnte.

„Hab mi beim Bürgermeister schon entschuldigt! War ein Versehen mit der Pfändung!“, versuchte ich ihm ganz ruhig den Wind aus den Segeln zu nehmen. Von diesem Vorfall wusste er noch gar nichts, aus einem ganz anderen Grund lief er Amok.

„Sie können keine Betriebsprüfung beim FC Bayern veranlassen!“

„Warum ned?“

„Dafür sind wir nicht zuständig!“

„Gäh, wir sind für alles zuständig!“

„Dafür nicht!“

Ich veranschlagte die Zeit in der ich prüfen wollte auf knapp drei Monate. Ich stellte mir das so schön vor. Ein Dreivierteljahr in unmittelbarer Nähe von meinen großen Vorbildern.

„Hab mich gerade höchstpersönlich beim Vorstand entschuldigen müssen. Meine Herren, das war eine peinliche Veranstaltung, das kann ich Ihnen aber sagen!“

„Beim Kahn?

---ENDE DER LESEPROBE---