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Eine Freundin, die locker die Wahl zur Miss-Sahnetorte gewinnen würde, ein Job, der mich nur noch ankotzte und diese unfassbare Kälte in diesem Land. Ich wollte einfach nur weg, ich wollte nur nach Spanien. Durch einige geniale Börsen-Tipps und vor allem „Schweinebäuche aus Polen“ schaffte ich dies sogar. Natürlich ist dort auch nicht alles cool, vor allem ohne Sprachkenntnisse und Freunde. 48 Millionen Spanier wollten sich mir nicht anpassen und so blieb nicht viel was ich machen konnte. Selbst in einem Land, in dem immer die Sonne scheint kann es verdammt langweilig werden.
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Christoph Thoma
Was für EIN Volldepp
=nleitung201I.
Einleitung
Es war der 17. Mai 2000, mein zwanzigster Geburtstag. Eigentlich hätte ich zufrieden sein müssen, aber auch nur eigentlich. Seit Tagen regnete es wie aus Kübeln, die Heizung lief auf Hochtouren und meine Idee im Biergarten feiern zu wollen konnte ich vergessen. Auch beruflich trat ich auf der Stelle. Das vermeintlich gute Jobangebot entpuppte sich als absoluter Reinfall. Kurz und knapp: Mich kotzte alles an. An einem solchen Tag zieht man die erste Bilanz in seinem Leben und die fiel in meinem Fall äußerst bescheiden aus. Sämtliche Ziele wurden konsequent verfehlt. Was hatte ich nicht alles für Träume? Einen geilen Job, eine coole Freundin und bloß keine Kinder. Wenigstens letzteres wurde mir erspart. Bei diesem Punkt hatte ich Glück, bei den anderen nicht so. Anstelle einer coolen Frau war meine Begleiterin, nun ja, sagen wir mal etwas fülliger. Bei der Wahl zur Miss Sahnetorte hätte sie locker einen der ersten drei Plätze belegt.
Seit der Beendigung meiner Ausbildung arbeitete ich ununterbrochen in verschiedenen Steuerkanzleien. Das waren mittlerweile fast zwei Jahre. Zwei Jahre, in denen ich immer die gleichen Gesichter sah und immer dieselbe Arbeit machen musste. Da ich auf so einen Mist keinen Bock mehr hatte beschloss ich meine Kündigung zu provozieren. Ein paar Buchungen, bei denen man Soll und Haben verwechselt, waren schnell gefunden und auch die notorischen Verspätungen brachten so einiges. Tatsächlich, nach ein paar Wochen hatte ich mein Ziel erreicht. Die letzte „Fehlbuchung“ war dann doch ein wenig zu krass. Knapp zwei Millionen Euro musste ein Mandant an Umsatzsteuer zurückzahlen. Selbst der netteste Chef konnte da kein Auge mehr zudrücken. Auf der einen Seite war das gut, ich konnte mir endlich über einige Dinge Gedanken machen, auf der Anderen ging mir nach einiger Zeit das Geld aus. Da alle meine Briefe an die Aldi-Erben unbeantwortet blieben musste ein neuer Plan her. War wohl doch ein wenig zu heftig, mich als unehelicher Sohn auszugeben. Ich hatte darauf Lust wie auf eine Nierensteinzertrümmerung, trotzdem musste ein neuer Job her.
Kapitel 1: Der geilste Job der Welt
Nach meinem unrühmlichen Ausscheiden aus der Steuerkanzlei Hintereder war ich zwar glücklich, zugleich aber auch ziemlich pleite. Mit den gelben Briefen konnte ich mittlerweile die Wände tapezieren, was auch ziemlich geil aussah. Nur meine Freundin fand das nicht so und bat mich jeden Tag die Dinger wieder abzuhängen. Nach zahlreichen schlaflosen Nächten, die ich mal wieder vor dem Computer als „Trainer des Jahres“ verbrachte, kam ich dann doch auf die glorreiche Idee mal beim Arbeitsamt vorbei zu schauen. Für was zahlte ich denn zwei Jahre diese sinnlosen Sozialabgaben? Mit der schlechtesten Laune der Welt stand ich vor diesem grauen Gebäude und wollte eigentlich nur wegrennen. Nur die zahlreichen Mahnungen diverser Gläubiger hinderten mich daran. Auf dem Weg zu meiner Sachbearbeiterin erzählte ich jedem der zufällig vorbeikam, dass ich auf diesen Scheiß mal so richtig keinen Bock hatte. Viele interessierte dies, die meisten schüttelten aber nur genervt den Kopf und sahen mich dumm an.
„Mein Gott, warum konnten am Samstag nicht einfach meine Lottozahlen dabei sein? Warum muss ich mir das antun? Warum immer ich?“, schoss es mir durch den Kopf und klopfte sehr energisch an eine Türe mit der Aufschrift „Neuanmeldungen“. Nach gefühlten drei Stunden wurde mir dann auch geöffnet. Eine Dame schaute mich entgeistert an, bat mich dann aber nach kurzer Zeit des Überlegens herein.
„Sie wissen wie spät es ist?“, kam eine Frage und auch gleich ein deutlicher Hinweis auf die Wanduhr.
„Ja, und?“
„Ist gleich Mittag!“
„Es ist fünf nach Elf!“
„Ja, kurz vor Mittag!“
Ihre Laune war so schlecht, dass der 11. September der reinste Feiertag dagegen war und ich nun wusste, dass es durchaus noch miesere Launen als meine gab. Auf ihrem Schreibtisch lagen exakt drei Blätter, davon war eines die Speisekarte der Beamtenkantine.
„Jeder Steuerhinterzieher in Stadelheim bekommt ein besseres Essen. Das Schnitzel ist ungenießbar und von dem Pudding bekomm ich Blähungen!“, meinte sie und sah mich etwas angewidert schauen. Man muss sich nicht gleich alles bildlich vorstellen.
„Und was wollen Sie von mir?“, schallte es mir unwirsch ins Gesicht mit einem beiläufigen Blick auf die Armbanduhr.
„Einen Big Mac, sechs Nuggets und ne Cola wären nicht schlecht!“
Jetzt hatte ich wenigstens ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, aber auch nur so lange, bis ein weiterer überarbeiteter Beamter in das Zimmer eilte (soweit das bei Beamten überhaupt ging). Jetzt befand ich mich mitten in einer Diskussion, ob es wirklich angebracht sei in einer deutschen Kantine Fleischpflanzerl ohne Schweinefleisch anzubieten. Der eine Beamte, der so aussah als hätte er schon den halben argentinischen Rinderbestand auf den Hüften argumentierte, dass es ja auch keine Kirchen in der Türkei gäbe. Außerdem würde da sowieso nur alles gefälscht, was er im letzten Urlaub am eigenen Leib erfahren hatte. Ich schaute aus meiner mitgebrachten Bild-Zeitung auf und fragte vorsichtig was denn da passiert sei. Jetzt hatte der dicke Vorzeigebeamte einen Puls wie Felix Baumgartner kurz vor dem Weltraumsprung.
„Verorscht ham di mi, aba mal so richtig!“, schallte es so laut durch die Amtshallen, dass dies sogar noch der schwerhörige Pförtner hören konnte.
„Wie verarscht?“, fragte ich nach, schon mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen.
„Ja mei, halt verarscht! Aber wer vermutet denn auch so einen großartigen Beschiss, wenn der Verkäufer auf seine anatolische Großmutter schwört.“
Jetzt legte ich die Zeitung ganz zur Seite, schaute ihn gespannt an und wurde erst richtig neugierig.
„ORIGINAL hat der gsogt!“
„ORIGINAL!“, schallte es erneut aus seinem hochroten Beamtenkopf. Einen halben Liter Hugo-Boss Parfüm für zehn Euro und das auch nur weil Sommerschluss-verkauf war. Wer kommt denn da schon auf den Gedanken, dass da was nicht stimmen könnte?“
„Aber warum regt sich denn der selbsternannte Schnäppchenjäger so auf?“, dachte ich mir. Ist doch ein fairer Preis für gepanschtes Wasser. Vielleicht lag es aber auch daran, dass seine Beamtenkollegen vom Zoll sich ein wenig mehr über die türkische Marktwirtschaft informiert hatten und er deshalb saftig Zoll, Steuern und Strafe zahlen musste. Nach zehn Minuten Monolog in denen Sätze wie: „Solche dürfen nie in die EU“, gefallen sind, verabschiedete er sich von uns. Er müsste sich jetzt um wichtigere Dinge kümmern, meinte er. Es ist unglaublich wie man in alten Gebäuden die Klospülung hört.
Jetzt waren meine äußerst gut gelaunte Sachbearbeiterin und ich wieder alleine im Zimmer. Sie fragte mich abermals was ich denn hier eigentlich wollte, gerade jetzt, wo ihr Schreibtisch aus allen Nähten platzte. Noch ein blöder Spruch in Richtung der Staatsdienerin und ich würde mich zusammen mit fünfzig Polen auf einem Spargelfeld in Schrobenhausen wiederfinden. Da weder mein Rücken, noch meine gute Laune darauf Lust hatten, entschied ich mich für Freundlichkeit gegenüber dem überarbeiteten Etwas.
„Einen winzig kleinen Job, aber nur wenn es keine Umstände macht!“, hauchte ich ihr entgegen und setzte mein freundlichstes Lächeln auf.
„Aber wenn es zeitlich nicht passt komme ich gerne morgen wieder!“, war mein Nachsatz und hätte ihr am liebsten den Kopf gegen die Tischkante geknallt.
„Ne passt schon, gibt heute eh nur Fraß in der Kantine. Wissens jeder Steuerhinterzieher bekommt….“
„Ja das stimmt, da haben Sie völlig Recht!“, unterbrach ich sie in der Hoffnung, dass irgendwann mal in den weißen Kasten geschaut wurde, der so hübsch ihren Schreibtisch dekorierte.
„Gelernt?“
„Was gelernt? Kann diese arrogante Tussi nicht in ganzen Sätzen reden?“, murmelte ich leise vor mich hin und dachte an Schrobenhausen, Spargel, den fünfzig polnischen Kollegen und meinen kranken Rücken.
„Steuergehilfe!“
„Ist das nicht eher ein Frauenberuf?“, fragte sie mich und schaute unauffällig an mir herunter, ob nicht irgendetwas zu erkennen wäre, was nach rosa aussah.
„Nein, lernen auch Männer! Zwar nicht viele aber ein paar schon!“, erwiderte ich und sah so etwas wie Genugtuung in ihren Augen. Nach längerem Bearbeiten der Tastatur und noch längerem Fluchen auf das neue Computerprogramm, kam die ernüchternde Antwort:
„Buchhalterin, äh sorry Buchhalter werden momentan nicht gesucht, aber Spargelernte wäre jetzt gerade.“
„Gibt’s was anderes? Mein Polnisch ist nicht so gut!“
Nach weiteren gefühlten zwei Stunden sinnlosem Hereinglotzen in den mittelalterlichen Monitor, dann doch die Antwort auf die ich wartete.
„Grad ist etwas reingekommen. Eine kleine Firma sucht ne Buchhalterin, aber Sie haben bestimmt auch gute Chancen!“, nickte sie erfreut und überlegte anscheinend nebenbei, ob sie das Pudding-Risiko eventuell doch eingehen sollte.
Wie Moses, nach Erhalt der zehn Gebote, las sie die Stellenbeschreibung, blickte erfreut auf und drückte mir den Wisch in die Hand.
„Steht alles Wichtige drauf! Die machen so etwas, was jetzt ganz neu ist. Irgendwie so Börsensachen im Internet, oder so!“, erklärte sie mir das Jobangebot klugscheißerisch wie ein Medizinnobelpreisträger.
„So, jetzt müssen Sie mich aber bitte entschuldigen. Ich muss dringend in die Nachbarkantine. In unserer gibt es nur Essen, dass würde man nicht mal Massenmördern vorsetzen.“
An diesem Vormittag hatte ich viel gelernt. Man sollte es tunlichst vermeiden mit fünf Koffern Plagiaten und einen halben Liter gepanschtem Parfum wieder einzureisen. Aber was noch viel wichtiger war, dass es Steuerhinterziehern doch nicht so schlecht ging.
Mit diesem Wissen, und noch viel besserer Laune, schaute ich auf den Zettel den mir die Arbeitsamtstrulla mitgegeben hatte.
…wir sind eine junge, aufstrebende Firma und suchen baldmöglichst eine Buchhalterin.
„Baldmöglichst, das ist gut!“, dachte ich und zündete mir erst mal eine Zigarette an. Die hatte ich mir auch wirklich verdient nach vier Stunden Beamtenwahnsinn. Der erste Zug ging direkt ins Kleinhirn. Ich fing das Denken wieder an und dankte Gott und allen Heiligen die ich kannte, dass sie mir die polnischen Spargel-stecher erspart hatten. Das kurz erlangte Glücksgefühl verschwand, als ich in meine linke Hosentasche langte. Wo früher eine dicke Beule voller Geld war, herrschte jetzt nur noch gähnende Leere. Langsam, mit einem kleinen Stoßgebet auf den Lippen schaute ich mir den zuletzt verbliebenen Schein an. Schon an der Farbe wurde erkannt, dass kein berauschendes Abendessen zu erwarten war, zumal auch noch mein Auto etwas zum Schlucken brauchte. Brüderlich teilten wir uns den Schein. Sieben Euro für Benzin und fünf für Zigaretten. Die Lunge sollte schließlich auch nicht leben wie ein Hund. Auf dem Weg nach Hause beschäftigte ich mich mit drei Dingen. Wie schreibt man eigentlich eine Bewerbung, was würde Real Madrid wohl für Toni Kroos verlangen und wie weit kommt man mit drei Litern Sprit? Bei letzterem hätte ich mir wohl mehr Gedanken machen sollen, denn die restlichen zwei Kilometer waren doch etwas beschwerlich. Mag ein Auto auch Mini heißen, es war trotzdem scheiße es zu schieben! Komischerweise hatte sich meine Laune nicht sonderlich geändert, was vielleicht auch daran lag, dass ich mich schon auf das dumme Gesicht meiner Freundin freute. So war es dann auch. Die Tür ging auf und was mich als erstes begrüßte war die schon halbleere Chipstüte, gefolgt von einem abgenagten Schokoriegel. In meinen schlaflosen Nächten überlegte ich mir öfters, ob es nicht einfach besser wäre den Türrahmen zu vergrößern, als tagelang auf sie einzureden weniger zu essen. Wenn nicht die zwischenmenschliche Beziehung mit meinem Vermieter so schlecht gewesen wäre, ich hätte den Antrag bei ihm gestellt. Im Angesicht von drei rückständigen Monatsmieten sah ich aber wenige Chancen auf Erfolg. Sichtlich genervt vom Anblick eines Kalorienhaufens, mit dem man halb Afrika zwei Monate locker ernähren könnte, schleuderte ich meine Schuhe in die Ecke und begab mich auf direktem Wege auf die Couch. Jetzt wurde natürlich auch ihre Laune schlechter. Die erste Tüte war verdaut und es kam wohl ein leichtes Hungergefühl auf.
„Wo kommst du so spät her?“, raunzte sie mich an. Ihre Stimmung war wie bei Obelix, wenn dieser seit drei Wochen kein Wildschwein mehr gegessen hatte.
„War bei deinen Kollegen!“
„Was? Du warst bei Weight Watchers?“
„Nein! Beim Arbeitsamt, du Vollsusi!“
„Was hast denn da gemacht?“
„Du, die haben da super Essen, zu einem echt fairen Preis. Wäre auch was für dich!“
In meinen Augenwinkeln sah ich wie sie das Überlegen anfing. Wenn sie so in Gedanken war ging es meistens ums Essen, oder ob bei „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ der Gerner nicht lieber mit der Anderen was anfangen sollte. Auf alle Fälle konnte ich mich jetzt den wirklich wichtigen Dingen widmen, und zwar dem Kaufangebot für Toni Kroos an Madrid.
Während ich den Rechner hochfuhr, mir gedanklich schon eine Höchstsumme zurechtlegte, erwachte mein Rosinenbomber aus ihrem Kalorienkoma und schrie mich so an, als würden alle Schokoladenfabriken dieser Welt auf einmal brennen.
„Miete?“
Schon wieder eine die nicht in ganzen Sätzen reden konnte!
„Was Miete?“
„Strom?“
„Wenn jetzt noch Telefon kommt, stecke ich ihr die frisch aufgemachte Erdnusstüte in den Mund!“, dachte ich mir und lächelte sie lieb an.
„Ja mein kleiner Sumo-Ringer. Was ist denn mit Miete, Strom und Telefon?“
„Ist das alles bezahlt?“
„Fast!“
„Was bedeutet fast?“, keifte sie und lief genauso rot an wie der nette Beamte, als er von seinen Urlaubs-erlebnissen erzählte.
„Ja fast, heißt fast!“, antwortete ich und überlegte nebenbei ob zehn Millionen für einen Ex-Nationalspieler nicht zu viel seien!
Während sie unter dem Wohnzimmerschrank nach einer verlorenen Erdnuss fischte, keifte sie abermals.
„Andauernd versprichst du irgendetwas und hältst es nie! Erst wenn hier der Strom abgestellt wird kommst du mal auf Wallung!“, schallte es mir entgegen und die ganze Wut wurde dieser kleinen Erdnuss zu teil.
Beim Wort Strom wurde es mir allerdings auch ein wenig mulmig. Wie könnte ich den gerade frisch erworbenen Toni Kroos spielen sehen, wenn die mir den Saft abdrehen würden.
„Ich ruf morgen beim Anwalt an und frag ob die Abfindung vom Hinterneder schon da ist!“, versuchte ich sie, eigentlich mehr mich, zu beruhigen.
„Du glaubst immer noch an die Abfindung?“, hörte ich aus der Nähe vom Kühlschrank.
„Ja klar, warum nicht?“
„Du hast dich um 1 Million Euro verbucht und versuchst das dem Lehrling anzuhängen. Jetzt willst noch ne Abfindung?“
„Der Fall ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint und außerdem ist der Lehrling ein Volldepp. Der schafft die Prüfung sowieso nie. Eigentlich habe ich der Kanzlei nur geholfen. Die hätten sich vor der Kammer nur blamiert mit so einem Hirschen!“, erklärte ich mein Verhalten und sah sie mit einem Pudding aus der Küche kommen.
„Bekommst du davon auch Blähungen?“
„Ich? Ne, wieso?“
„Nur so, alles gut!“
„Du bekommst nie eine Abfindung!“
„Doch!“
„Nein!“
Insgeheim glaubte ich ja auch nicht daran. Höchstens auf ein Unentschieden aber auch nur dann, wenn der Richter kurz vor der Pensionierung mit anschließendem Lottogewinn stand. Ansonsten würden hier bald die Lichter ausgehen, was besonders tragisch wäre, weil nach längerem Verhandeln nun auch Lionel Messi mein Team schmückte! Gott sei Dank hatte ich meinem Auto noch fünf Euro für Zigaretten abgequatscht. Auf dem Klo, mit einer schönen Kippe, kann ein Mann doch besonders gut denken. So kam es dann auch, dass ich mich tatsächlich an den Zettel erinnern konnte, der noch zusammengeknüllt, mit einem alten Kaugummi in meiner Jackentasche schlummerte. „War da nicht eine kleine Internetklitsche die eine Buchhalterin sucht?“ Fertig geraucht schnipste ich die Kippe in die Kloschüssel. Das war immer ein besonderes Highlight bei einer nichtrauchenden Freundin.
Beim Suchen des Zettels hörte ich ein klägliches Wimmern aus der Küche.
„Och Mensch, schon wieder keine Erdnussflips da, gibt´s doch gar nicht!“
Ich musste mich entscheiden. Versuche ich den örtlichen Stromanbieter zu beschwichtigen, in dem ich mir einen Job suche oder rette ich meine Freundin vor dem sicheren Verhungern?
