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Menopause: Zuhören zwischen Kulturen führt durch Brasilien, Mexiko, Deutschland und Spanien, und sammelt Geschichten von Ältesten und Frauen aus Wissenschaft, Kultur und aus der Nachbarschaft, um die Wechseljahre als eine kulturelle Erfahrung zu beleuchten. Aus über hundert Gesprächen und Workshops – im Gesundheitszentrum in Bahia, bei Begegnungen mit Hebammen in Oaxaca und in Gesprächsrunden in Stuttgart und Barcelona – beschreibt dieses Buch die Wechseljahre als Prozess und Tor, geprägt von Ernährung, Herkunft, Sprache und den Rhythmen der Erde. Es verbindet wissenschaftliche Forschung mit Lebensgeschichten, und zeigt die Wechseljahre als kreatives Feuer statt als Verfall – als ein uraltes Erbe, das uns wieder mit Intuition, Sehnsucht und der Weisheit der Gemeinschaft verbindet. Bewegend, transformierend und voller Zuversicht – so sieht man die Wechseljahre in einem ganz neuen Licht.
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Seitenzahl: 65
Veröffentlichungsjahr: 2026
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MENOPAUSE
Zuhören zwischen Kulturen
Doerte Weig
Forschung und Persönliche Geschichten aus
Deutschland, Brasilien, Mexiko und Spanien
Menopause: Zuhören zwischen Kulturen / Doerte Weig
Texte: © 2026 Copyright by Doerte Weig
Umschlaggestaltung: © 2026 Copyright by Doerte Weig
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Dokuments oder E-Books darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Urheberrechtsinhabers in irgendeiner Form oder mit irgendwelchen Mitteln vervielfältigt oder verbreitet werden.
Verlag: Doerte Weig, Rambla de la Muntanya 92, 08041 Barcelona, Spanien. [email protected]
Herstellung: epubli – ein Service der neopubli GmbH Köpenicker Straße 154a,10997 Berlin.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
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Inhaltsverzeichnis
Danksagung
Prolog - Sofias Frage: Schwitzen für die Weisheit?
Teil I - Wandel und Hitzewallungen neu definieren
Menopause: Biomedizinische Erzählung, Wirtschaftliche Sensation und gesellschaftliches Tabu
Symptome neu denken: jenseits von Östrogenmangel und Hitzewallungen
Sprachliche Vielfalt und Reichtum der kulturellen Bedeutungen des Wandels
Teil II - Stimmen zu Wechseljahren aus unterschiedlichen Kulturen
Perspektiven aus Brasilien: ein Austauschkreis in der Gesundheitsklinik
Unsere uralte Zukunft: die Menopause ist bereits 1,5 Millionen Jahre alt
Libido, Andropause und wie sich der Wandel auf alle auswirkt
Graue Haare und jugendliche Schönheitsideale: Körperbilder als Spiegel unserer Gesellschaften
Kontrolle übernehmen über Tabus hinweg: Spiritualität und das Göttlich-Weibliche
Die neoliberale Menopause: Selbsthilfe und die Politik der Selbstermächtigung
Teil III - Die Hitze der Transformation und Erneuerung
Das Konzept der lokalen Biologie: Wo Wissenschaft und Lebensgeschichten eins werden
Nahrung, Feuer und Körperlichkeit in den Wechseljahren: Weisheiten von mexikanischen Hebammen
Erste und zweite Pubertät: Wenn Menopause und Muttersein aufeinanderprallen
Die Menopause als Tor: Die Kraft, sich unbehaglich zu fühlen
Teil IV - Das Gesamtbild der Menopause: Kreative Lebendigkeit
Erdzyklen und die Silberfalle
Die Älterschaft und die Großmutter-Hypothese
Den Körper bewegen und Wahrheiten aussprechen
Epilog - Lasst uns die Wechseljahre feiern!
Ein Kreativer Impuls: Die Wechseljahre als lebendige Fülle erleben
Danksagung
Danke, Gratidão, Gracias — an alle Frauen und Männer in Brasilien, Mexiko, Deutschland und Spanien, die ihre Zeit und ihre berührenden, außerordentlichen und manchmal auch erschütternden Geschichten mit mir geteilt haben. Die Erfahrungen und Weisheiten die ich gehört habe, gebe ich nun in diesem Bericht weiter. Ich danke den Elementen dafür, dass sie die Gesprächs- und Workshop Teilnehmer und mich geführt und diese besonderen Verbindungen geknüpft haben, die keiner von uns allein sich hätte vorstellen können.
Wie immer wäre nichts ohne die besonderen Menschen möglich gewesen, die mich bei diesem Projekt beruflich und persönlich unterstützt haben. Vielen Dank, dass ihr mir diese unglaubliche äußere und innere Reise ermöglicht habt: Anita Sauer-Nagel, Aerin Dunford, Julia Limaverde, Carola Haegele, Helga Langer, Thea Connolly, Alex Johnson, Ursula Schnieders und Trudy Richards.
Dieses Projekt wurde durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung Mensch und Mensch mit ermöglicht, einer in Berlin ansässigen Organisation, die sich der menschlichen Begegnung widmet.1 Mein ganz besonderer Dank gilt Programmleiterin Melanie Klein, die an mein Exposé geglaubt und damit diese Reportage mit ins Leben gerufen hat.
Den Originaltext für dieses E-Book habe ich auf English geschrieben, und so geht ein weiterer besonderer Dank an Sonja Hagemann, ohne deren professionelle Übersetzungskünste und Unterstützung die Ausarbeitung dieser deutschen Fassung nur halb so viel Spaß gemacht hätte.
Die Namen meiner Interviewpartner und Workshop-Teilnehmer wurden geändert, außer dort, wo eine ausdrückliche Einwilligung zur Namensnennung vorliegt.
Prolog - Sofias Frage: Schwitzen für die Weisheit?
„Keine Hitzewallungen in den Wechseljahren? Unmöglich, das kann ich mir kaum vorstellen.“ Sofia hält inne. „Es gibt also Kulturen, in denen Frauen nicht unter all diesen schrecklichen körperlichen Symptomen leiden und während ihrer Wechseljahre mit Respekt behandelt werden? Das klingt ja fantastisch! Wie oft wird die Menopause als das Ende dargestellt! Bislang verbinde ich die Wechseljahre nur mit Leiden und körperlichem Verfall.“
Mehr als sechzehn Monate lang habe ich mich in mehr als hundert Gesprächen und Workshops mit den unterschiedlichen Erfahrungen zu Menopause in Brasilien, Mexiko, Spanien und Deutschland beschäftigt. Die gehörten Geschichten und Perspektiven sind vielfältig, und verschiedene Kulturen sehen diese Lebensphase auf sehr unterschiedliche Art und Weise. Ort, Sprache und Gewohnheiten prägen, wie sich der Körper verändert und wie die Veränderungen benannt und empfunden werden.
Eins ist sehr klar geworden und hat auch das Erleben meiner eigenen Wechseljahre tief verändert: Es geht um viel mehr als nur darum, unter Hitzewallungen zu leiden. Die Hitze der Menopause ist ein kreatives Feuer, welches uns mit unserer Intuition und unseren wichtigen Träumen verbindet, und uns eine Weisheit schenkt, für die es sich lohnt zu schwitzen.
Sofia wirft eine Frage auf, die sich durch alle Länder und Gespräche zieht: was wäre, wenn die Menopause kein biologisches Versagen wäre, sondern ein Spiegel unserer Kulturen?
Teil I - Wandel und Hitzewallungen neu definieren
Menopause: Biomedizinische Erzählung, Wirtschaftliche Sensation und gesellschaftliches Tabu
Weltweit befinden sich derzeit mehr als eine Milliarde Frauen in den Wechseljahren, und damit rückt die Menopause in den Fokus der Öffentlichkeit. Prominente Persönlichkeiten, von der ehemaligen First Lady Michelle Obama bis zur Schauspielerin Halle Berry, teilen ihre Erfahrungen und tragen so dazu bei, Scham und Tabus langsam abzubauen.2 Gleichzeitig bringt der sogenannte Medical-Beauty-Complex („Medizin-Schönheits-Komplex“)3 immer neue hormonbasierte oder hormonfreie Medikamente und Wundermittel auf den Markt. Der weltweite Markt für Produkte rund um die Menopause boomt,4 und die mit der Menopause verbundenen Kosten am Arbeitsplatz verstärken das wirtschaftliche Interesse.5
Unterdessen leiden viele Frauen in den Wechseljahren immer noch still vor sich hin, belastet durch die unausgesprochenen Tabus rund um den „Wandel“, wie der Prozess der Wechseljahre auch genannt wird. Gesundheitssysteme, Arbeitgeber, Ärztinnen und Ärzte sind nach wie vor schlecht dafür gerüstet, diese eigentlich normale und gesunde Lebensphase, die voller Freude sein kann, zu unterstützen. Die starke Medikalisierung der Menopause — also die Umformung zuvor nichtmedizinischer Zustände in medizinische Probleme die behandelt werden müssen — führt dazu, dass sogar selbstsichere Frauen viele Fragen und Unsicherheiten haben.
Über Schlagzeilen und Hormone hinaus, prägt das kulturelle Umfeld die Geschichten rund um die Menopause— durch Sprache, Glaubenssätze und unseren Umgang mit dem Körper.
Menschliche Körpererfahrungen: Einzigartig, universell, kontextabhängig
Menschliche Körpererfahrungen sind immer eine Verflechtung von Universellem, Persönlichem und Kontextabhängigem. Unser Körper - oder dynamisch als Verbform ausgedrückt, unser bodying, unser körpern - wird geprägt von unserer Lebensweise. Unser bodying wird bestimmt durch die Art, wie wir wahrnehmen und uns bewegen, wie wir Geld verdienen, wie wir Sinn stiften, wen wir wählen, wie wir feiern und was wir draußen vor dem Fenster sehen. Wie also wird dieses Zusammenspiel von Universellem, Einzigartigem und Kontextuellem von verschiedenen kulturellen Perspektiven in Bezug auf die Menopause gesehen? Dieser Bericht konzentriert sich auf biologisch weibliche Körper und Geschlechter und ist neugierig: Haben Frauen immer und überall unter Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen und Schlaflosigkeit gelitten, haben sich die Kleider vom Leib gerissen und wurden von tiefer Wut erfasst? Machen Frauen auf der ganzen Welt wirklich alle genau dasselbe durch?
Wir ahnen es schon: Es gibt tatsächlich erhebliche kulturelle und persönliche Unterschiede in der Erfahrung der Wechseljahre, abhängig von Ernährung, Genetik, Bewegungsfreude sowie der physischen und kulturellen Umgebung. Onlinemedien und vor allem (seriöse) anthropologische und medizinische Literatur weisen uns auf unterschiedliche kulturelle Perspektiven hin, die das endgültige Ausbleiben der monatlichen Blutung unterschiedlich interpretieren. Ich habe mit über hundert Frauen und Männern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gesprochen und dreizehn Workshops und Austauschkreise durchgeführt, und die Ansichten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer widersprechen den vereinfachten medizinischen Mainstream-Perspektiven. Das vielleicht Erstaunlichste ist, dass Hitzewallungen kulturell beeinflusste Phänomene sind.
Jeder Körper ist gleichzeitig einzigartig, universell, und ein kulturelles Archiv – geformt von unseren Gedanken, unserer Umgebung und Nahrung. Warum wird dies in der Biomedizin weiterhin übersehen?
Symptome neu denken: jenseits von Östrogenmangel und Hitzewallungen
Menopause und der Biomedizinische Blick
Der Begriff Menopause setzt sich aus den griechischen Wörtern meno (Monat) und pausis
