Menschwerd(t)ung - J. E. Wojciechowski - E-Book

Menschwerd(t)ung E-Book

J. E. Wojciechowski

0,0

Beschreibung

Zu diesem Buch: Es öffnet dem Menschen die Augen über die Welt, das Leben, über die Rolle des Menschen im Leben; weist ihm Ziele der Entwicklung die zu höheren Daseinsformen und Daseinsordnungen führen als es die gegenwärtigen zeigen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 189

Veröffentlichungsjahr: 2015

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



INHALT

VORWORT

SONNTAGSPHILOSOPHIE (Der freie Geist)

ZUR BEDEUTUNG DER SCHRIFT

ZUR GEISTESARBEIT UND GEISTESTENTWICKLUNG

WISSENSERWERB UND WAHRHEITSSUCHE

ZUR WAHRHEIT UND WAHRHEITSFORSCHUNG

HÖHERE MENSCHEN IN EUROPA

RAT FÜR WELTVERBESSERER

ZUR MORAL

ZUR CHRISTLICHEN NÄCHSTENLIEBE

GUT UND BÖSE

SCHULD UND SÜHNE

VERGEBUNG DER SÜNDEN

DER DUMMKOPF

PARTEI- UND KLASSENGEIST

ZUR VÖLKERENTWICKLUNG

MENSCHLICHE BESTREBUNGEN UND ZIELE

ZUR SELBSTERKENNTNIS

SELBSTERZIEHUNG UND - BEOBACHTUNG

GEISTESTÄTIGKEIT UND - KONZENTRATION

ZUR CHRISTLICHEN RELIGION UND LEHRE

RELIGIÖSE BESTREBUNGEN UND ZIELE

DURCHSCHNITTSMENSCH UND RELIGION

ZUR ERKENNTNISTHEORIE

WERDEN UND FORMENWANDEL

ZUR SINNESERKENNTNIS

GEIST UND DENKEN

GEIST UND LEBEN

ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN VOLKS- UND MENSCHENORGANISMUS

IM HINBLICK AUF DIE MENSCHLICHEN WILLENSBESTREBUNGEN

ZUR WILLENSFREIHEIT

GEISTES- UND SEELENÜBUNGEN

MENSCH UND EWIGKEIT

Nachtrag: ZUR SELBSTERZIEHUNG

VORWORT

Dieses Buch, im Grunde als geistiges Vermächtnis für meine familiäre Nachkommenschaft gedacht, soll dem menschlichen Willen etwas geben oder zeigen, ein klares Bild des wahren Charakters dieser Welt in der der Mensch durch seinen Willen gefesselt und gebunden ist, von der er ein Teil ist und die er mit aufrechterhalten hilft; soll sein Verständnis wecken für ein vernünftiges Streben dieses Willens, ein Wirken und Streben das in höchstmöglicher Harmonie mit allen weltlichen Erscheinungen verläuft.

Vielleicht veranlasst das hier Dargelegte manch einen, unter dem Zwang und Druck menschlicher allzumenschlicher Gewohnheiten, Triebe und Instinkte stehenden Zeitgenossen, zum vorurteilslosen tieferen Nachdenken über sich, seine Lebensgewohnheiten und seine Welt.

SONNTAGSPHILOSOPHIE (Der freie Geist)

Was ich hier schreibe sind Betrachtungen und Gedanken an Ruhe-, Sonn- und Feiertagen. Leider gab es deren für mich zu wenige. Wie im Leben der meisten heutigen Menschen, herrschte auch bei mir der so genannte graue Alltag mit seinen Arbeiten und Pflichten, wodurch die meisten Menschen die Mittel zur Erhaltung ihrer Existenz erwerben müssen. Mitunter habe ich die Mönche in ihren Klöstern beneidet, deren Leben doch ein einziger Feiertag sein sollte. Doch diesen Gedanken verwarf ich wieder. Die meisten Mönche dürfen nicht frei denken, dürfen in ihren Gedanken nicht vom rechten Wege dem der christlichen und sonstigen Glaubenssätze abweichen, dürfen zumindest derartige Gedanken nicht frei aussprechen, und da ist es doch besser irgendein Durchschnittsmensch zu sein, beladen mit seinem grauen Alltag, aber frei im Denken.

Es scheint mir das übelste Los, wenn ein Mensch in seinem Denken gefesselt ist, wenn ihm irgendeine religiöse oder weltliche Macht offen oder versteckt befiehlt, so und so musst du denken, anders darfst du nicht; wenn irgendeine dieser Mächte ihm einreden will, sie und ihre Vorbilder seien vollendete Geister, an ihren Gedanken gäbe es nichts mehr zu rütteln, sie allein hätten die letzten Rätsel des Lebens und der Welt gelöst, tiefer oder höher dürfe sich kein Geist wagen. Man lernt hier begreifen was der Philosoph Friedrich Nietzsche im Grunde meint, wenn er vom freien Geist und freien Geistern spricht. Leider gibt es aber auch beim freien Geist Nietzsche Unbesonnenheit.

Der Religionsverkünder Gautama Buddha z.B. war auch ein freier Geist, er hatte alle geistigen Fesseln seiner Zeit abgestreift und war eigene Wege gegangen. Freie Geister von heute haben ihm eine Zeitspanne von zweitausend Jahren voraus, eine Zeitspanne voller neuer Erfahrungen und Entdeckungen auf allen möglichen Gebieten der Wissenschaften. Deshalb sollte aber kein heutiger freier Geist verschmähen, die Erfahrungen und Lehren eines Buddha, über die sich Fr. Nietzsche, sie für nichts achtend, hinweggesetzt hat, mit zu seinen eigenen zu machen; er kann hier ungemein nützliche Anregungen erhalten. Dasselbe gilt von manchen anderen Religionsverkündern und Philosophen der alten Zeit, bei denen man Ansätze zu Wahrheiten findet, wie der Mensch z.B. leben und existieren muss, falls sein Schicksal von den jeweils bestehenden Umweltverhältnissen diktiert wird, oder wie er leben und existieren könnte aufgrund einer klaren Erkenntnis bestimmter Naturgesetze, aufgrund klarer Erkenntnis eines höheren Ziels.

ZUR BEDEUTUNG DER SCHRIFT

Eine hervorragende Rolle, in der geistigen Entwicklung eines Menschen oder eines Volkes, spielt die Schrift. Sie zeigt an und gibt wieder was Menschen gedacht, erfahren, gewollt und getan haben, und, was nicht minder wertvoll ist, sie lässt sich über lange Zeiten aufbewahren. So stellen jahrhunderte alte Bücher und Schriften, in denen der Mensch alles sammelte was er erhalten oder vor der Vergessenheit bewahren wollte, eine Art Gedächtnissumme dar und geben der gegenwärtigen Menschheit Kunde von längst vergangenen Kulturen und Ereignissen innerhalb ihrer Existenz. Jahrhunderte überdauernd kann so ein Buch oder eine Schrift in irgendeiner Bibliothek, an irgendeinem unbedeutenden Ort ruhen, unbeachtet von Menschen und Geschlechtern und kann doch irgendwann einmal ein Samenkorn darstellen, das seine Umwelt, den menschlichen Geist befruchtet, das ihn zu bestimmten Taten veranlasst. In einem verhältnismäßig winzigen Band können Erfahrungen und Erkenntnisse niedergelegt sein, an denen Geschlechterfolgen über Jahrhunderte gearbeitet haben und diese Arbeitsfrüchte können einer späteren Menschheit, in Form eines kleinen Buches, zugute kommen. Führten z.B. alle Glieder einer Geschlechterreihe ein Tagebuch und legten darin ihre Erlebnisse, Gedanken und Erfahrungen nieder, so käme das ihren Nachkommen zugute. Es ist doch im gewissen Sinne beschämend, von seinen Vorfahren so gut wie nichts zu wissen. Wüsste man mehr über seine Vorfahren, über ihre Lebensweise, ihre Lebensverhältnisse, ihren Charakter, ihre Tätigkeit, so würde einem vieles an der eigenen Person klar, was jetzt nur dunkel und undeutlich ist. Was im Volksorganismus als Geist und Gedanke besteht ist das Werk weniger Menschen, die ihre Gedanken schriftlich offen legten und damit anderen die Möglichkeit verschafften, das Innere eines Menschen, seine Geisteshaltung, sein Erkennen und Denken, seine Empfindungen und Gefühle verstehen zu lernen. Man stelle sich nur vor all jene genialen Menschen auf den verschiedensten Wissensgebieten wären verstorben, ohne dass ihre Gedanken und Erkenntnisse vorher niedergeschrieben worden wären, das hätte einen großen Verlust für die Menschheit bedeutet. Und wie viele geistig hoch stehende Menschen werden wohl noch hinwegsterben oder sind schon gestorben, ohne dass ihre Gedanken die Menschheit erreichten. Dies wäre dann auch eine Bestätigung der Annahme meines Vaters dafür, dass es im Volksleben der Menschheit so manches bedeutsame Wissen gibt, das aber leider nie ans Licht der Öffentlichkeit tritt.

Wenn es oben heißt, dass Bücher einen nicht geringen Einfluss auf die Geistesverfassung eines Volkskörpers ausüben, so müsste heute viel mehr getan werden um in ihm das geistige Niveau zu heben. Hierbei sollte das Augenmerk besonders auf die Jugend gerichtet sein. Es ist doch, in gewisser Hinsicht, beschämend, wenn z.B. in Deutschland, im Land der Dichter und Denker, schulisch gereifte Jugendliche nicht in der Lage sind den Sinn von einfachsten Textstellen zu erfassen und wiederzugeben. Wie durch die PISA - Studie belegt wird, steht Deutschland in Sachen Bildung, im Gegensatz zu anderen Ländern, auf sehr niedrigem Niveau.

Was nun eine etwas höhere Stufe des zuletzt genannten Bildungsstandes betrifft, so vermisst man eine solche aber selbst bei Menschen wo vorausgesetzt wird sie sind, bedingt durch ihren geistigen Entwicklungsweg und die dazugehörenden Lebenserfahrungen, zu höherem Denken fähig. Dies aber scheint, wie es ein kleiner aber erwähnenswerter Artikel aus einer Buchverlagszeitschrift zum Ausdruck bringt, nicht der Fall zu sein. Hier wird, hinsichtlich eines Autorengesprächs, von Seiten des Lektorats, folgende Meinung vertreten: ...“besser gekonnte Unterhaltung als aufgeblasene Weltverbesserei“… Und eine solche Geisteshaltung erbringt für mich ganz eindeutig den Beweis dafür, dass der im 18. und 19. Jahrhundert erreichte Höhepunkt deutscher Kulturentwicklung längst überschritten wurde und wir uns auf einen absteigenden, auch eines mehr zum Materialismus als zum Idealismus hinneigenden Ast dieser Entwicklung befinden. Denn durch jene den heutigen Büchermarkt doch sehr aufgeblasen beherrschende 'gekonnte Unterhaltung’, gegenüber einer hier nur spärlich vorhandenen 'Weltverbesserei', - auch wenn diese, zum besseren Verständnis für Menschen mit einer engen Denke, etwas wortreicher gestaltet ist - wird der breiten Masse 'Durchschnittsmensch’ wohl kaum innewerden, was es mit einer von höherer Vernunft bestimmten und gelenkten menschlichen Daseins- und Verhaltensweise auf sich hat.

ZUR GEISTESARBEIT UND GEISTESTENTWICKLUNG

Wenn wir gegenwärtig die Tatsache erleben, dass so genannte große Geister auf dem Gebiet der Künste, Schriftstellerei usw. seltener werden, so wirft das auch die Frage auf, welcher Boden ist wohl günstig für das Gedeihen solcher Geister und welcher nicht.

Das erste Erfordernis hierbei ist Veranlagung. Das zweite genügend freie Zeit und Muse, um solche Fähigkeiten in sich zu fördern und schließlich ein freier Kopf, der nicht mit einer Unmenge anderer, nebensächlicher Dinge überladen und belastet wird. Vor einhundert oder zweihundert Jahren nun stellte das Volks - und Wirtschaftsleben keine hohen Anforderungen an die menschliche Geistestätigkeit, sie konnte sich also, weil weniger belastet, im Sinne schöner Künste freier entwickeln. Das veränderte sich mit dem Fortschritt und einer Höherentwicklung der Technik auf allen Gebieten. Was also gegenwärtig in der Volkswirtschaft als technischer Fortschritt auf einer Unmenge von Gebieten bezeichnet wird, veränderte auch die menschliche Lebensweise. Der Staat braucht heute vor allem technische Intelligenz, seine Menschenerziehung konzentriert sich, bei Vernachlässigung jener Intelligenz, die wir an früheren Künstlern und Schriftstellern bewundern, darauf, das Hirn, bereits von Schulkindern, mit einem kaum erträglichen Maß, mathematischer, physikalischer und chemischer Formeln zu belasten, deren Gebrauch aber, im späteren Berufsleben, von den wenigsten benötigt wird; hinzu kommt eine Unmenge Wissen anderer Art, wobei man, als einsichtiger Mensch, schon vorher weiß, dass diesen jungen Menschen zum Verarbeiten, Durchdenken, kurz, Verdauen dieses vielen Stoffs, kaum Zeit und Möglichkeit bleibt, ihren Geist mit anderen Dingen zu beschäftigen. Dabei liegt auch die Vermutung nahe, dass ein solch überforderter Kopf zum Vergessen neigt, zum Abwerfen von vielem Überflüssigem, d.h. nicht brauchbarem Ballast.

Wer heute so etwas werden möchte wie die großen Meister früherer Zeiten, wer also in der Lage ist oder das Zeug zu einer höheren Bestimmung in sich fühlt, der sollte seine Zeit nicht mit Nebensächlichkeiten vergeuden, sondern sein Denken, seinen Geist dieser höheren Aufgabe widmen und sich davon nicht ablenken lassen; sollte jede sich bietende Gelegenheit benutzen im Dienste für diese Aufgabe.

Was frühere Tondichter, Schriftsteller usw. an Werken geschaffen haben, diese dabei geleistete Arbeit war eben der Weg oder die Vorsehung zu genialen Werken. Es dauert immer eine bestimmte Zeit ehe der Mensch selbstständig wird in seinen Werken, ehe er eine eigene Ton- und Schriftsprache, seinen eigenen Stil findet. Vorher ist er eine Zeitlang Nachahmer anderer Meister, vorher ist er geistig noch unmündig. Erst wenn er geistig mündig wird, wenn er seinen eigenen Weg geht, seine eigenen Aufgaben und Ziele verfolgt, seine eigene Sprache und seinen eigenen Stil findet, erst dann und dadurch wird er zum genialen Menschen.

Vor dieser Krone setzen die Götter jedoch den Schweiß, diese Krone kann nur durch unermüdliche, nie ruhende Arbeit errungen werden. Wenn der Dichter sagt, in der Beschränkung zeigt sich der Meister, so bedeutet das auch, dass sich der Meister auf eine Sache konzentriert, auf seine eigene und sich von anderen Sachen nicht ablenken lässt; dass er viel Nebensächliches beiseite legt, um wenig Hauptsächliches zu schaffen.

Wenn ich heute, in manchen Büchern, den Quellennachweis lese, so kommt mir ein Grauen an, was so ein Schriftsteller vorher durchgelesen, womit er seine Zeit vertan, seinen Geist belastet hat. Aus seinem Buche spricht nicht, kann nicht ein außergewöhnlicher oder genialer Mensch sprechen, aus seinem Buche müssen dann eine Unmenge anderer Bücher und Verfasser sprechen.

Wer es, als Schreibender, zum originellen Denker bringen will, der belaste seinen Geist, sein Denken nicht mit fremden geistigen Gepäcks, sondern versuche, unabhängig von Büchern, Schriften und Lehrmeinungen, aus eigener Anschauung, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen; der sollte an ein Erkenntnisgebiet herangehen, als sei hier überhaupt noch nicht gearbeitet worden. Für einen angehenden Musiker würde dies bedeuten: Erst erlerne dein Instrument, erlerne die Musik, dann vergiss beides und musiziere, gib deinem Spiel eine charakteristische eigenständige Note.

Wer also, nach einer gewissen Qualifikation auf diesem Gebiet, noch fremde Spielweisen übt, sich an den Kompositionen anderer orientiert, wird kein Genie; hier erkennt man das Genie auch daran, dass es im Kleinen, im Unscheinbarsten groß ist. Ich, in meiner Eigenschaft als Musiker, denke hier z.B. an das Wiegenlied von Mozart und Lieder von Schubert; mit wie einfachen Mitteln werden hier tiefe Wirkungen auf das für Musik empfängliche Gemüt erzeugt. Man halte dagegen manche Sinfonien und sinfonische Dichtungen, die einen großen Aufwand an Mitteln und Ausführenden benötigen und welches sind ihre Wirkungen? Im ersten Falle sieht man das Genie, im zweiten Falle den Musikwissenschaftler oder Könner. Die Letzten beherrschen Theorie und Praxis der Musik vollkommen, bleiben jedoch, trotz dieser Qualitäten, im Großen klein.

Wie in der Musik, steht es auch mit anderen Künsten und Wissenschaften. Überall sieht man hier, neben wenigen genialen Menschen, viele Könner. Neben einem Buddha und Christus gibt es heute eine Unmenge hochgelehrter Theologen und Religionsbeflissener, die gleich Wandelsternen um die Sonne kreisen, selbst aber nie Sonne sein können.

WISSENSERWERB UND WAHRHEITSSUCHE

Sieh weniger in Bücher, als vielmehr ins wirkliche Leben. Denke nach über alles was du hier wahrnimmst. Lass´ nichts gleichgültig an dir vorüberziehen, frage immer nach dem’ Warum’. Versuche aus dem bisherigen Gang der Ereignisse, aus den Geschehen der Gegenwart, Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Der Geist des Menschen baut sich seine Welt. Es kann sich dabei um Tiergeist, Menschengeist oder höher geartetem Geist handeln. Alle diese Geisteszustände ringen in der Menschheit. Übermächtig ist der Tiergeist, weniger mächtig wahrer Menschengeist, kaum wahrnehmbar höherer, so genannter göttlicher Geist.

Bei all diesem Geist kann es sich um Unwissenheit und Wahn aber auch um Wahrheitsgeist handeln, der die wahren Ursachen und Verflechtungen der Dinge kennt und beherrscht. Strebe diesen letztgenannten Geist an; er wird erwirkt durch eigenes Anschauen und Denken, man gewinnt ihn nicht aus Schriften und Büchern, sondern aus dem Buch des Lebens, das immer aufgeschlagen vor unseren Augen liegt.’

Wer heute gewillt ist sich Wissen anzueignen beschreitet, in den meisten Fällen, die üblichen Wege indem er Schulen und Vorträge besucht oder Bücher und Schriften liest und dabei gläubig hinnimmt was ihm hier an Wissen geboten wird. Diese Art Wissenserwerb erspart vielen Lernenden oder Neugierigen die Mühe des eigenen Anschauens und Denkens. Sie folgen hier einer allgemeinen Gewohnheit, beschreiten den, nach ihrer Meinung, kürzesten Weg auf dem sie, unter geringstem Kraftaufwand, ihr Wissen bereichern und vertiefen. In wissenschaftlichen oder sonstigen Schriften ist die Mühe und Arbeit, sind die Erfahrungen hervorragender Forscher und Denker aufgespeichert und es wäre, in mancherlei Hinsicht, ein mühevoller Umweg, beim Erwerb bestimmter Erkenntnisse, alle bisherigen Gedanken und Erfahrungen, auf diesem oder jenem Gebiet, außer Acht zu lassen und immer wieder von vorn zu beginnen. Deshalb ist es allgemein üblich, dass viele Forscher oder Wahrheitssucher dort weiterarbeiten, wo ihre Vorgänger aufgehört hatten, indem sie die bisher geleistete Vorarbeit als richtig anerkennen und nun zu ergründen versuchen was ihren Vorgängern noch dunkel oder unklar geblieben war. Das geschieht solange bis eines Tages die Wissenschaft, auf irgendeinem Gebiet, in eine Art Sackgasse gerät und sich gezwungen sieht, den bisherigen Weg, die bisherigen Forschungsmethoden aufzugeben und neue Wege, neue Forschungsmethoden ausfindig zu machen. Das ist oft gleichbedeutend mit einem neuen Anfang.

Bei dieser Art des Wissenserwerbs aus Vorträgen, Büchern und Schriften, indem gläubig hingenommen wird was dort geschrieben steht oder gesagt worden ist, wobei einem die Mühe des eigenen Anschauens und Denkens erspart bleibt, handelt es sich um ein im Grunde unzulängliches Verfahren. Denn gerade wie durch eigenes Anschauen und Denken die eigene Denk- und Urteilskraft gestärkt und vervollkommnet wird, so muss sie beim Fehlen eigener Anstrengungen, also beim bloßen Lesen von Büchern, notwendig erlahmen und verkümmern. Beim Erwerb oder bei der Vertiefung seines Wissens sollte man sich immer wieder fragen, wer wohl die Menschen belehrt hatte, als es noch keine Bücher gab, oder was geschehen müsste, wenn keine Lehrer oder Bücher existierten. Die ersten Lehrer der Menschheit waren jene, die sich, durch eigenes Anschauen und Denken, ein eigenes Wissen erwarben. Es soll kein Vorwurf sein wenn man, zur Erweiterung seines Wissens, den kürzesten und bequemsten Weg geht, sich durch Literatur und Vorträge belehren lässt und dadurch Erkenntnisse aus zweiter Hand, aus einem Spiegelbild der Natur erhält. Unreife, werdende Menschen müssen am Gängelband tieferer Erkenntnis und Erfahrung herangebildet werden. Bedauerlich bleibt es jedoch, wenn man über diesen Zustand nie hinauskommt, wenn man nie versucht die Welt mit eigenen Augen zu sehen, sich eigene Gedanken und Urteile über all das zu bilden, was man hier sieht und erlebt; wenn man nie versucht was Bahnbrecher neuer Gedanken bisher unternommen haben, nämlich denkmündig zu werden, sich einmal dem Bann fremder Anschauungen und Gedanken, fremder Denkweise zu entziehen und auf irgendwelchen Gebieten neue Wege des Denkens und Forschens zu ermitteln. Das gilt besonders im Hinblick auf Religion und religiöse Fragen. Die Grundlagen aller religiösen Vorstellungen rühren her aus einer Zeit allgemeiner Unwissenheit über die Natur, über ihre Gesetze und Ursachenzusammenhänge. Gegenüber allen übrigen Wissenschaften handelt es sich bei der Religion um eine zurückgebliebene noch in ihren Anfängen oder Kinderschuhen steckende Wissenschaft. Durch gedanken- und kritiklose Gläubige wird sie nie über diesen Zustand hinauskommen. Wie man es heute bemerken kann,, stehen die meisten Leser und Kenner der gehobenen Literatur, vor allem der religiösen, unter dem Bann bestimmter Autoritäten; für sie bedeutet jedes Abweichen von deren gelehrten Gedanken Ketzerei, Unsinn, Torheit usw. Sie sehen nicht, dass der Mensch vor zweitausend Jahren geistig unzulänglich war und es heute, trotz der vielen in diesem Zeitraum gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen auf allen möglichen Gebieten, noch ist; dass der menschliche Geist, durch stete Wahrheitssuche, zu immer besseren Ergebnissen kommt, die Dinge immer besser verstehen und walten lernen wird. Aber nur der wahrheitssuchende Geist, der sich über heutige und gestrige Autoritäten hinwegsetzt, ist ein Bahnbrecher auf neuen Wegen zu höheren Zielen, nicht jener Geist der gefesselt bleibt in irgendwelche Autoritäten und sie als unüberbietbare Vorbilder ansieht. Unter solch autoritativen Einfluss geschieht es nur zu oft, dass Irrtümer aller Art zuweilen als höchste oder heilige Wahrheiten hingenommen durch Jahrhunderte und Jahrtausende überliefert werden und den menschlichen Geist, über zahlreiche Geschlechterfolgen hinweg, meist im verkehrten, nicht der Wahrheit entsprechendem Sinne beeinflussen und formen; so z.B. auch wenn man sich, aufgrund abergläubiger, wahnhafter Vorstellungen, verworren und unklar eine Weltursache denkt, sie mit dem Begriff 'Gott' bezeichnet und sie ebenso oder ähnlich denken, sprechen und handeln lässt, wie Menschen es tun.

Seitdem ich mit der Lehre dem Buddha bekannt geworden bin, halte ich die christliche Lehre vom 'lieben Gott' und seinem Wirken für ein menschliches Gebrechen. Mein Vorsatz: Lass´ ab von allem was du nicht kennst und verstehst, wozu dir alle Mittel und Möglichkeiten fehlen, es je zu verstehen. Stelle dir selbst irgendein Ziel, das deine Vernunft, in Übereinstimmung mit der Weltwirklichkeit, für erstrebenswert hält und arbeite auf dieses Ziel hin. Verlass´ dich dabei nicht auf Mächte und Kräfte außerhalb deines Leibes, die, als religiöse Vorurteile, unter Begriffen wie 'Gott', in dein Denken gekommen sind, von denen du nichts weiter kennst und verstehst als ein Wort ohne Inhalt. Was du damit tust ist keine Verachtung oder Beleidigung etwaiger Götter oder so genannter himmlischer Wesen, sondern Gebot gesunder Vernunft und gesundem Verstands. Denke immer es gäbe noch keinen Gott, keine Götter, keine himmlischen Wesen, keine anderen Daseinsformen in der Welt, als veränderliche, hinfällige, sterbliche Menschenleiber, die, wie es ihr derzeitiger beschränkter Geisteszustand offenbart, bedenkenlos in der Tier- und Pflanzenwelt, ja selbst in Kriegen unerbittlich gegen die eigene Art wüten. Im Zusammenleben mit meinen Artgenossen drängt sich mir überhaupt die Gewissheit auf, dass wohl die meisten von ihnen dahinleben, eingehüllt in einer Wolke trügerischer Einbildungen. Sie sehen von ihrer Entwicklung nur das kurze Stück zwischen Geburt und Tod, was davor liegt und danach kommen könnte ist ihnen gleichgültig, darüber machen sie sich keine Gedanken. Im Grunde lebt jedes Tier so. Der höhere Mensch beginnt doch erst mit den Fragen: `Welchen höheren Sinn und Zweck hat mein Dasein als Mensch? Was war in der Vergangenheit, als es noch kein höher organisiertes Leben auf der Erde gab? Was wird sein, wenn einmal, durch grundlegende Umwälzungen in unserem Planetensystem, alles höher organisierte Leben auf der Erde verschwinden sollte?` Wer stellt sich heute solche Fragen? Durch Umgang mit Menschen gewinnt man die Überzeugung, dass es die wenigsten sind. Aber ganz abgesehen von solchen Fragen, wer denkt ernstlich an die einzige unerschütterlich feststehende Tatsache seines Todes. Betrachtet man die Menschen, so findet man ihr ganzes Sinnen und Trachten auf das Leben, auf ein möglichst angenehmes und behagliches Leben gerichtet. Selbst alte Leute, die kurz vor ihrem Ende stehen, denken oft überhaupt nicht an diese Tatsache, verschließen vor ihr absichtlich die Augen und leben und handeln so, als ob sie nie zu sterben brauchten.

Eine Unmenge Christen lebt in der Illusion, dass ein allmächtiger Gott, ein liebender Vater im Himmel, sie auf Schritt und Tritt beobachte und sie, nach dem Tode, zu sich ins Himmelreich nehme. Dazu ist, nach ihrer Meinung, nichts weiter notwendig, als fest und treu zu glauben, dass ein allmächtiger, liebender Gottvater im ’Himmel' existiert. Das ist eine sehr verhängnisvolle Illusion, denn sie hält alle Gläubigen vom einzig Richtigen und Zweckmäßigen ab, nämlich von der eigenen Tat in Form von Wahrheitserkenntnis, von einer Welterkenntnis frei von Illusionen.

Eine Religion für geistig höher gebildete Menschen, kann sich nur auf Wahrheiten gründen, auf Erkenntnisse also die sich nicht überbieten lassen, die immer, solange es Menschen gibt, in gleicher Form gültig bleiben; die man nicht willkürlich bejahen oder verneinen, auslegen, deuten und verdrehen kann, die man entweder anerkennen, oder vor denen man die Augen schließen muss, falls sie einem nicht gefallen.

Was nun die Wahrheit als Inbegriff einer Gesamterkenntnis der Welt betrifft, so sehen wir heute, dass der Mensch sie nicht kennt, dass er sich nur langsam und schrittweise auf manchen Gebieten der Wahrheit nähert. Auffallend hierbei ist, dass der heutige Mensch sehr wenig über sich selbst, über seinen Körper mit all seinen Funktionen weiß. Die Urteile über Geist und Seele eines