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Die Metakognitive Therapie (MKT) stellt eine aktuelle Weiterentwicklung der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) dar. Der Band stellt die Kernmerkmale der MKT vor, geht auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von KVT und MKT ein und erörtert ausführlich das metakognitive Störungsmodell. Diagnostische Instrumente zur Erfassung dysfunktionaler metakognitiver Annahmen werden ebenso vorgestellt wie die Grundelemente des therapeutischen Vorgehens und störungsspezifische Techniken sowie deren wissenschaftliche Fundierung. Dysfunktionale Kognitionen gelten als wichtiger Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen. Anders als im klassischen kognitiv-behavioralen Ansatz ist dem metakognitiven Ansatz zufolge nicht das Was, sondern das Wie des Denkens von zentraler Bedeutung. Wichtigstes Anliegen der MKT ist es daher, den Umgang von Menschen mit ihren negativen Gedanken zu beeinflussen. Dazu werden praxisorientiert zentrale Therapieelemente und spezielle Techniken, z.B. die losgelöste Achtsamkeit und das Aufmerksamkeitstraining, dargestellt. Zudem wird auf die Disputation metakognitiver Überzeugungen, die Durchführung von Verhaltensexperimenten sowie auf störungstypische Besonderheiten eingegangen. Ausführliche Fallbeispiele veranschaulichen das Vorgehen für verschiedene Problemlagen.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Cornelia Exner
Jana Hansmeier
Metakognitive Therapie
Fortschritte der Psychotherapie
Band 76
Metakognitive Therapie
Prof. Dr. Cornelia Exner, Dr. Jana Hansmeier
Herausgeber der Reihe:
Prof. Dr. Martin Hautzinger, Prof Dr. Tania Lincoln, Prof. Dr. Jürgen Margraf, Prof. Dr. Winfried Rief, Prof. Dr. Bruna Tuschen-Caffier
Begründer der Reihe:
Dietmar Schulte, Klaus Grawe, Kurt Hahlweg, Dieter Vaitl
Prof. Dr. rer. nat. Cornelia Exner, geb. 1970. 1990–1996 Studium der Psychologie und der Neurowissenschaften in Leipzig, London und Göttingen. 1996–2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Psychiatrischen Universitätsklinik Göttingen. 2000 Promotion. 1997–2002 Verhaltenstherapieausbildung und Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin. 2004 Zertifizierung als Klinische Neuropsychologin. 2001–2009 wissenschaftliche Assistentin am Fachbereich Psychologie der Universität Marburg, AG Klinische Psychologie und Psychotherapie. 2007 Habilitation. 2009–2011 Heisenberg-Stipendiatin. Seit 2011 Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig.
Dr. Jana Hansmeier, geb. 1982. 2004–2010 Studium der Psychologie in Greifswald, Münster und Nijmegen. 2010–2014 Mitarbeiterin in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Marburg und Therapeutin in der Psychotherapie-Ambulanz Marburg (PAM). 2015 Promotion. 2016 Approbation zur Psychologischen Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie). 2014–2017 Therapeutin in der Parkland-Klinik in Bad Wildungen. 2017–2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Klinische Psychologie der Universität Zürich. Seit 2018 wissenschaftliche Assistentin in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Leipzig.
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Satz: Beate Hautsch, Göttingen
Format: EPUB
1. Auflage 2020
© 2020 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen
(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-8409-2769-0; E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-8444-2769-1)
ISBN 978-3-8017-2769-7
http://doi.org/10.1026/02769-000
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1 Beschreibung des metakognitiven Behandlungsansatzes
1.1 Ziele und Fokus der metakognitiven Therapie
1.2 Begriffliche und konzeptuelle Vorläufer metakognitiver Störungsmodelle und Behandlungsansätze
1.3 Kernmerkmale des metakognitiven Ansatzes
2 Das metakognitive Störungsmodell
2.1 Übergeordnetes Störungsmodell
2.1.1 Metakognitives Wissen
2.1.2 Metakognitive Regulation/Strategien
2.2 Das kognitive Aufmerksamkeitssyndrom als Kernannahme des metakognitiven Störungsmodells
2.3 Ein kognitionspsychologisches Modell psychischer Störungen: das S-REF-Modell
2.4 Formen repetitiver negativer Denkprozesse
2.4.1 Sorgen
2.4.2 Grübeln
2.4.3 Zwangsgedanken
2.5 Entwicklung und Erwerb von Metakognitionen
2.6 Exemplarische Ableitung störungsspezifischer Modellbeschreibungen
2.6.1 Generalisierte Angststörung
2.6.2 Depression
2.6.3 Zwangsstörung
3 Diagnostik dysfunktionaler metakognitiver Bewertungen und Regulationsstrategien
3.1 Die Fallkonzeption als diagnostisches Vorgehen zum Erfassen metakognitiver Annahmen
3.1.1 Die Fallkonzeption bei der Depression
3.1.2 Die Fallkonzeption bei der Generalisierten Angststörung
3.1.3 Die Fallkonzeption bei der Zwangsstörung
3.2 Erfassung von metakognitiven Überzeugungen durch Fragebögen
4 Behandlung
4.1 Darstellung der zentralen Therapieelemente
4.1.1 Erstellung eines individuellen Fallkonzeptes und Vertrautmachen mit dem Modell
4.1.2 Aufmerksamkeitstraining (Attention Training Technique, ATT)
4.1.3 Losgelöste Achtsamkeit (Detached Mindfulness)
4.1.4 Disputation metakognitiver Überzeugungen
4.1.5 Verhaltensexperimente
4.1.6 Refokussierung der situativen Aufmerksamkeit
4.2 Störungstypische Besonderheiten
4.2.1 Depression
4.2.2 Generalisierte Angststörung
4.2.3 Zwangsstörung
4.2.4 Alterstypische Besonderheiten
5 Effektivität und Prognose
5.1 Wirksamkeit der Aufmerksamkeitstrainingstechnik (ATT)
5.1.1 Aufmerksamkeitstraining als alleiniger Therapieansatz
5.1.2 Aufmerksamkeitstraining als Ergänzung anderer Therapieansätze
5.2 Wirksamkeit der metakognitiven Therapie bei verschiedenen Störungsbildern
5.2.1 Störungsübergeifende Wirksamkeit von MKT
5.2.2 Unipolare Depression
5.2.3 Generalisierte Angststörung
5.2.4 Zwangsstörung und Zwangsspektrumsstörungen
5.2.5 Soziale Phobie
5.2.6 Posttraumatische Belastungsstörung
5.2.7 Potenzielle Wirksamkeit bei weiteren Störungsbildern: Schizophrenie
5.3 Wirkungsmechanismen
5.3.1 Flexibilisierung der Aufmerksamkeitskontrolle
5.3.2 Reduktion von metakognitiven Annahmen über die Wichtigkeit von Gedanken und ihrer Kontrolle
6 Probleme bei der Durchführung
6.1 Motivation zur Anwendung der Verhaltensexperimente
6.2 Kombination von MKT und KVT
7 Fallbeispiele
7.1 Depression
7.2 Generalisierte Angststörung
7.3 Zwangsstörung
8 Weiterführende Literatur
9 Literatur
10 Kompetenzziele und Prüfungsfragen
11 Anhang
Glossar
Überblick zum Ablauf der metakognitiven Therapie
Fallkonzept – Depression
Fallkonzept – Generalisierte Angststörung
Fallkonzept – Zwangsstörung
Karten
Aufmerksamkeitstraining (Attention Training Technique, ATT)
Losgelöste Achtsamkeit (Detached Mindfulness, DM)
Wissen Sie noch, was Sie gestern den ganzen Tag gedacht haben? Können Sie sich daran erinnern, was Sie mit Ihren Gedanken gemacht haben? Wo sind diese Gedanken hin? Vermutlich erinnern Sie sich nur an wenige der Gedanken, die Ihnen gestern durch den Kopf gegangen sind. Auch haben Sie sich wahrscheinlich nicht weiter damit auseinandergesetzt, was mit diesen Gedanken geschehen ist. Manche der Gedanken waren positiv, andere weniger. Gedanken sind innere Ereignisse, die kommen und wieder gehen, ohne dass ihnen allzu viel Beachtung geschenkt wird.
Aber was ist, wenn Sie den Gedanken, der Ihnen gerade in den Kopf schießt, als wichtig erachten? Was hätte es für Folgen, wenn Sie einen Gedanken immer und immer wieder neu durchdenken müssten? Wie würde es Ihnen gehen, wenn Sie das Gefühl hätten, diese Gedankengänge nicht kontrollieren zu können? Dem metakognitiven Ansatz zufolge stehen gedankliche Prozesse mit dem psychischen Wohlbefinden und der Entwicklung und Aufrechterhaltung von psychischen Störungen in Verbindung. Dabei sind einige Phänomene einer übermäßigen Beschäftigung mit den eigenen Gedanken auch psychisch gesunden Personen nicht ganz fremd. Der plötzlich einschießende Gedanke, man könnte während der Autofahrt das Lenkrad herumreißen oder bei dem Überqueren einer Brücke von dieser herunterzuspringen, löst in manchen Menschen zumindest ein Unbehagen oder eine Anspannung aus. Über eine verpasste Chance oder eine Fehlentscheidung grübeln wir im Nachhinein stärker nach. In der Annahme, sich für jeden Ausgang eines anstehenden wichtigen Ereignisses vorbereiten zu können, macht sich manch einer im Vorfeld solcher Ereignisse häufiger Sorgen.
Während psychisch gesunde Menschen sich von gelegentlichen Grübeleien und Sorgen auch schnell wieder lösen können, werden diese von Menschen mit einer psychischen Erkrankung als unkontrollierbar erlebt und nehmen viel Zeit in Anspruch. Dabei können gedankliche Beschäftigungen je nach psychischer Erkrankung sehr unterschiedliche Gestalt annehmen. Eine Pati|2|entin1 mit Zwangsstörung nimmt vielleicht den Gedanken an eine mögliche Ansteckung sehr ernst und entwickelt infolgedessen Waschzwänge. Ein Patient mit Depressionen nimmt an, durch intensives Nachdenken auf einen Ausweg aus seiner Stimmungslage zu kommen, verfällt in endlose Grübelschleifen und bleibt damit in seiner Depression hängen. Eine Patientin mit Generalisierter Angststörung glaubt, durch intensives Sich-Sorgen auf alles vorbereitet sein zu können, erlebt die Sorgen bald als unkontrollierbar und verbringt Tage mit endlosen Sorgen-Gedanken.
Auch wenn die beschriebenen Gedankenprozesse unterschiedlich ausfallen, haben sie dem metakognitiven Ansatz zufolge jedoch eines gemein: Die Art, wie wir unsere Gedanken bewerten und wie wir daraufhin mit ihnen umgehen, bestimmt über psychisches Wohlbefinden oder eine psychische Störung. Der metakognitive Ansatz, welcher vor allem durch den britischen Psychotherapeuten und Wissenschaftler Adrian Wells begründet wurde, sieht damit Prozesse des Denkens als aufrechterhaltend für psychische Störungen an. Damit unterscheidet er sich vom klassischen kognitiv-behavioralen Ansatz, der stärkeres Gewicht auf das Was des Denkens und damit auf den Inhalt von Gedanken legt. Im Gegensatz zum kognitiv-behavioralen Ansatz ist es daher wichtigstes Anliegen der metakognitiven Therapie, den Umgang von Menschen mit ihren negativen Gedanken zu beeinflussen, ohne dass deren Inhalt besonders thematisiert und disputiert wird.
Metakognitionen beziehen sich auf „Kognitionen über Kognitionen“ und umfassen die Kontrolle über alle Formen kognitiver Prozesse (Flavell, 1979). Der Begriff wurde v. a. in der Entwicklungs- und pädagogischen Psychologie geprägt, wo seit längerem davon ausgegangen wird, dass Metakognitionen eine entscheidende Rolle bei Lernprozessen spielen und dass Training in metakognitiver Kontrolle zu effektiverem Lernen führt.
Die Fähigkeit des Menschen, sein eigenes körperliches, emotionales und kognitives Erleben zum Gegenstand der Betrachtung und Reflexion zu machen, beschäftigt die Philosophie und Psychologie aber schon weitaus länger. In den |3|1970er Jahren wurde diese Fähigkeit in der Persönlichkeits- und Sozialpsychologie als ein differenzielles Merkmal beschrieben, das sowohl durch individuelle Persönlichkeitseigenschaften als auch situative Gegebenheiten bestimmt ist. Je nach Ausrichtung der Aufmerksamkeit nach innen oder nach außen können Menschen ihr Bewusstsein quasi teilen: Sie nehmen entweder eine private Selbstbewusstheit von subjektiven inneren Ereignisse wie Gedanken, Gefühlen und körperlichen Sensationen (private self-consciousness) oder eine Fremdperspektive ein, mit der sie den vermuteten Blick der anderen auf ihre Person und ihr Erleben repräsentieren (public self-consciousness). Offenbar gibt es adaptive und maladaptive Formen hoher Selbstaufmerksamkeit. Wer mit gut ausgeprägter Selbstreflexion seine eigenen Körpersensationen, Gefühle und Gedanken differenziert wahrnimmt und gleichzeitig die äußere Umgebung, insbesondere Interaktionspartner, adäquat repräsentiert hat, kann sein Handeln sowohl nach eigenen Bedürfnissen und Werten als auch an den Erfordernissen der sozialen Umgebung ausrichten und anpassen. Ist die selbstfokussierte Aufmerksamkeit aber unverhältnismäßig hoch, exzessiv und rigide auf subjektives inneres Erleben ausgerichtet, dann fördert und intensiviert dies negative Sensationen und Affekte und unbefriedigende und konflikthafte soziale Interaktionen. Eine erhöhte, selbstfokussierte Aufmerksamkeit wurde daher in den 1980er und 1990er Jahren zunehmend als ein transdiagnostisches Merkmal psychischer Störungen erkannt.
Etwa zeitgleich wurden metakognitive Faktoren und Annahmen auch in störungsspezifische kognitiv-behaviorale Modelle übernommen, ohne dass diese immer explizit als metakognitiv bezeichnet wurden. Drei Beispiele seien hier genannt:
Die amerikanische Psychologin Susan Nolen-Hoeksema (1991) definierte in ihrer Response Style Theory Grübeln bzw. Ruminieren als eine Reaktion auf die eigene Stimmung, die ein wiederholtes und passives Nachdenken über die eigene Symptome der Depression beinhaltet und die Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen begünstigt (vgl. genauer in Kapitel 2.6.2).
Das Störungsmodell und der Behandlungsansatz der sozialen Phobie von Clark und Wells (1995) sieht dysfunktionale Aufmerksamkeitsstrategien, wie eine exzessive Selbstaufmerksamkeit, als bedeutsam für die Störung an und zieht damit dysfunktionale metakognitive Regulationsprozesse zur Erklärung der Entstehung und Aufrechterhaltung sozialphobischer Symptome heran.
Für die Zwangsstörung definierte die internationale Forschergruppe Obsessive-Compulsive Working Group (1997) auf Basis empirischer Studien sechs zwangstypische dysfunktionale Annahmen, die auch Basis kognitiv-orientierter Therapien sind. Neben spezifischen ungünstigen inhaltlichen Überzeugungen (Überschätzung von Gefahren, Unsicherheitsintoleranz, Perfektionismus, erhöhter subjektiver Verantwortlichkeit) beziehen sich |4|diese dysfunktionalen Kognitionen bei Zwangspatienten auch auf zwei metakognitive Aspekte: die Dimensionen „Bedeutsamkeit von Gedanken“ und „Notwendigkeit, Gedanken zu kontrollieren“.
In Fortführung dieser Arbeiten mit Ursprüngen in der Differential- und Sozialpsychologie und der Klinischen Psychologie entwickelte Adrian Wells in den 1990er Jahren zusammen mit dem Kognitionspsychologen Gerald Matthews ein spezifisch metakognitives Modell der Psychopathologie, das Self Regulatory Executive Function Model (S-REF-Modell) (Wells & Matthews, 1996). Dieses transdiagnostische Modell betont die Rolle dysfunktionaler metakognitiver Annahmen und Prozesse bei der Emotions- und Handlungsregulation und postuliert ihre zentrale Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung emotionaler Störungen. Es bildet den theoretischen Hintergrund und das Rational für die Ableitung metakognitiver Störungsmodelle und Therapiestrategien (vgl. Kapitel 2.3).
Zentrales Element der metakognitiven Therapie (MKT) sind Annahmen, die Menschen über die Wichtigkeit und Beeinflussbarkeit ihrer Gedanken haben. Metakognitive Therapie möchte es Menschen ermöglichen, Gedanken als vorübergehende mentale Phänomene zu begreifen, die nicht direkt die Realität abbilden und vorhersagen. Somit können wir uns diesen willentlich zuwenden, aber auch wieder von ihnen abwenden. Hier sollen also Überzeugungen über das eigene Denken und seine Macht verändert werden. Um dies zu fördern, sollen günstigere Strategien und Fertigkeiten erlernt und geübt werden, die Patienten und Patientinnen beim Auftauchen von unangenehmen Gedanken einsetzen können. Durch spezielle Techniken (z. B. die losgelöste Achtsamkeit und das Aufmerksamkeitstraining), die in Kapitel 4 näher erläutert werden, wird die Fähigkeit trainiert, sich von solchen unangenehmen inneren gedanklichen Phänomenen zu distanzieren und die Aufmerksamkeit flexibel anderen Ereignissen (z. B. in der äußeren Umgebung) zuzuwenden.
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