Metapher, Allegorie, Symbol - Gerhard Kurz - E-Book

Metapher, Allegorie, Symbol E-Book

Gerhard Kurz

3,8

Beschreibung

Für die 5., nunmehr in der KLEINEN REIHE V&R erscheinende Auflage hat Gerhard Kurz den seit 1982 vielfach bewährten Standardband vollständig durchgesehen und das Literaturverzeichnis aktualisiert. Die Analysen und Begriffsbestimmungen zu drei zentralen literaturwissenschaftlichen Termini werden im ständigen Rekurs auf tradierte Verwendungen erklärt und bieten zahlreiche Beispiele aus der deutschen, englischen und französischen Literatur. Besonders praktikabel wird der Band aufgrund der Überzeugung des Autors, dass hermeneutische Begriffe nicht ein für alle Mal definierbar sind, sondern stets aufs Neue der intersubjektiven Verständigung bedürfen. Hierfür bietet er die unverzichtbare Grundlage.

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Seitenzahl: 171

Veröffentlichungsjahr: 2009

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Gerhard Kurz

Metapher, Allegorie, Symbol

6. Auflage

Gerhard Kurz

Geboren 1943, Studium und Staatsexamen in Heidelberg; wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Seminar der Universität Düsseldorf, 1973 Promotion, 1980 Habilitation. 1980–1984 o. Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Amsterdam; seit 1984 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Gießen.Veröffentlichungen u.a.: Mittelbarkeit und Vereinigung. Zum Verhältnis von Poesie, Reflexion und Revolution bei Hölderlin (1975); Traum-Schrecken. Kafkas literarische Existenzanalyse (1980); Macharten. Über Rhythmus, Reim, Stil und Vieldeutigkeit (1999); Herausgeber: Materialien zu Schellings philosophischen Anfängen (1975, mit M. Frank); Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte, 1750–1850 (1984); Der junge Kafka (1984); Idealismus und Aufklärung (1988, mit Chr. Jamme); Literarisches Leben in Oberhessen (1993, mit G. R. Kaiser); Hölderlin und Nürtingen (1994, mit P. Härtling); Hölderlin und die Moderne (1995, mit V. Lawitschka und J. Wertheimer); Interpretationen. Gedichte von Friedrich Hölderlin (1996); Meditation und Erinnerung in der Frühen Neuzeit (2000); Friedrich Hölderlin. Gedichte (2003); Goethezeit – Zeit für Goethe (2003, mit K. Feilchenfeld, K. Hasenpflug, R. Moering).

 

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-525-34032-5

6. Auflage 2009

KLEINE REIHE V&R 4032

© 2009, 1982 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen Internet: www.v-r.de

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu § 52a UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne vorherige schriftliche Einwilligung des Verlages öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies gilt auch bei einer entsprechenden Nutzung für Lehr- und Unterrichtszwecke. – Printed in Germany.

Umschlag: Jürgen Kochinke, HolleSchrift: Concorde regularGesamtherstellung: Hubert & Co, Göttingen

Inhalt

Einleitung

Metapher

  1. Metaphertheorien

  2. Bildspender – Bildempfänger

  3. Metaphernfelder

  4. Politische Metaphorik

Allegorie

  1. Spiel – Widerspiel

  2. Der rhetorische Allegoriebegriff

  3. Explikative Allegorie – Implikative Allegorie

  4. Initialer Text – Allegorischer Praetext

  5. Typologie

  6. Allegorese – Allegorie

  7. Narrative und deskriptive Muster der Allegorie

  8. Allegorische Gattungsformen

  9. Geringschätzung und Schätzung der Allegorie

10. Personifikation – allegorische Personifikation

11. Anstöße zur Allegorese

Symbol

  1. Begriffsgeschichte

  2. Goethes Symbolkonzeption

  3. Hermeneutik des Symbols

  4. Typen des Symbols

Anmerkungen

Literatur

Register

Für ANITA DE MEIJER-CONCAS UND PIETER DE MEIJER

Zwischen 1508 und 1513 entstehen Raffaels Stanza della Signatura in den vatikanischen Gemächern von Papst Julius II. Die hier im Ausschnitt abgebildete Poesia ist an der Decke über dem Fresko Der Parnass angeordnet. Philosophia und Theologia als andere wichtige Bereiche des geistigen Lebens stehen über der Schule von Athen und der Disputà, der Disputation über das Sakrament.

Einleitung

Metapher, Allegorie und Symbol sind zentrale Begriffe der Literaturwissenschaft. Aus historischen und systematischen Gründen ist es gerechtfertigt, diese Trias zusammen zu behandeln. Zur Bestimmung des einen gehörte und gehört der Vergleich mit den beiden anderen, so unterschiedlich sie sind: Metapher und Symbol sind Binnenelemente literarischer Texte, die Allegorie dagegen ist auch eine Gattungsform. Es gibt allegorische Romane, allegorische Gedichte, allegorische Dramen, ja allegorische Feste. In rhetorischer Tradition ist die Allegorie aus der Metapher abgeleitet worden. Dies ist auch heute noch üblich. Hier wird diese Ableitung bestritten. Trotzdem ist eine systematische Abgrenzung beider Formen unverzichtbar. Schließlich muß eine Analyse des Symbols auf die Analyse der Metapher zurückgreifen.

Die folgenden Analysen und Begriffsbestimmungen sind Versuche, die wissenschaftliche Verwendung dieser drei Begriffe zu klären und sie voneinander abzugrenzen. Dies geschieht vor allem mittels exemplarischer Analysen. Die Begriffsbestimmungen gehen kritisch aus von ihren gängigen wissenschaftlichen Verwendungen. Solche Begriffe könnten ohne Rekurs auf ihre Überlieferung und Verwendung beliebig neu und exakt definiert werden. Damit wird aber den Fragen ausgewichen, auf die sie eine Antwort geben sollen. Ohne Rekurs auf ihre Überlieferung und Verwendung hätte eine noch so exakte Definition keine Erklärungskraft. Begriffsbestimmungen müssen Vorwissen in Anspruch nehmen, um z. B. regelhafte Fälle von Grenzfällen unterscheiden zu können. Um klären zu können, was der Begriff »Symbol« bedeutet, muß ich mit ihm schon umgegangen sein.

Hermeneutische Wissenschaften wie die Literaturwissenschaften gehen von Traditionen, also auch von subjektiven Erfahrungen aus. Ihre Methoden und Ergebnisse sind deswegen nicht relativ, willkürlich, gar solipsistisch. Subjektivität ist so subjektiv nicht: Subjekte, die wir sind, können wir doch miteinander reden und einander verstehen. Und subjektives Wissen hat stets mehr Teil am überlieferten allgemeinen Wissen, als man meint. Der Ausgang einer Theorie von subjektiver Erfahrung schließt den ständigen Zwang ein, zu begründen, zu überzeugen, sich mit anderen, der Forschergemeinschaft, zu verständigen. Hermeneutische Begriffsbestimmung ist angewiesen auf die Voraussetzung und die Bildung von Intersubjektivität.

Die Bestimmung der drei Begriffe ist strittig, seit über sie nachgedacht wird. Dies spricht nicht gegen die Bestimmungsversuche. Begriffe in der Literaturwissenschaft werden von den Entwicklungen des literarischen Lebens ständig überholt und Revisionen unterworfen. Was als akzidentelles Merkmal galt, kann zum zentralen Merkmal der Begriffsbildung aufsteigen. Ebenso erzwingen veränderte theoretische Rahmenbedingungen, Interessen und Bedürfnisse Revisionen von Begriffen. Daher bleiben Begriffe in der Literaturwissenschaft im besten Sinne diskutabel: über ihre Anwendungsbedingungen muß man sich jeweils verständigen. Ein für alle Mal lassen sie sich nicht definieren. Auch dies spricht nicht gegen diese Begriffe, sondern macht sie brauchbar. Definitionen solcher Begriffe sind daher stets Re-definitionen.

Insofern sind diese Analysen ein Beitrag zur Diskussion und zugleich eine Einführung. Daher wurden möglichst viele Beispiele herangezogen, auch aus der englischen und französischen Literatur. Wichtige wissenschaftliche Begriffe wurden nicht vorausgesetzt, sondern erläutert. Die Sekundärliteratur habe ich auf exemplarische Titel beschränkt. Die Bibliographie zur Allegorie ist umfangreicher ausgefallen, da hier die Geschichte einer Auslegungs- und einer Gattungsform berücksichtigt werden mußte.

Für Hinweise und methodische Anregungen danke ich Renate und Bernhard Böschenstein.

Zur unveränderten Neuauflage 2009

Zu dieser unveränderten Neuauflage der fünften Auflage sei wenigstens auf zwei inzwischen erschienene Lexika verwiesen: R. Konersmann (Hg.), Wörterbuch der philosophischen Metaphern, Darmstadt 2007; G. Butzer/J. Jacob (Hg.), Metzler Lexikon literarischer Symbole, Stuttgart/Weimar 2008.

Metapher

»Ein Bild hielt uns gefangen. Und heraus konnten wir nicht, denn es lag in unserer Sprache.«

Wittgenstein

»The act of metaphor then was a thrust at truth and a lie, depending where you were: inside, safe, or outside, lost.«

Pynchon

1. Metaphertheorien

Es ist ein nur zu oft übersehener Wink, daß das, was bei einer Metapher geschieht, ursprünglich mit Hilfe einer Metapher charakterisiert wurde. Denn das Wort »Übertragung« (epiphora), das Aristoteles in diesem Zusammenhang verwendete, war metaphorisch verwendet. Ein Wink deswegen, weil damit stillschweigend ausgedrückt wird, daß die Beschreibung der metaphorischen Prozedur selbst wieder Metaphern voraussetzt – ebenso wie die Beschreibung der Sprache Sprache voraussetzt.

Seit über Sprache nachgedacht wird, hat die Metapher immer wieder ein besonderes Interesse auf sich gezogen. Nicht wenige sehen in der Metapher sogar das Prinzip der Sprache überhaupt. In den letzten 50 Jahren ist dieses Interesse außerordentlich gestiegen. Unübersehbar sind inzwischen die Abhandlungen geworden. Sehr vereinfacht können zwei Richtungen unterschieden werden. Dafür haben sich die nicht sehr glücklichen Titel und eingebürgert. Die Substitutionstheorie ist die älteste und immer noch verbreitet. Sie geht auf Aristoteles zurück.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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