Mia, wie alles begann - Christina Stöger - kostenlos E-Book

Mia, wie alles begann E-Book

Christina Stöger

4,9

Beschreibung

Weihnachten steht kurz bevor. Mia, gefangen in einer unglücklichen Ehe, muss in die Stadt fahren, um alles für das kommende Fest zu besorgen. Auf ihrem Weg dorthin lernt sie einen charismatischen Mann kennen, der so ganz anders ist als Tom. Wie magisch angezogen lässt sie sich auf seinen Vorschlag ein und schlendert mit ihm durch die Stadt und über den Weihnachtsmarkt. Doch wer ist dieser Raffael, der sie mehr und mehr in seinen Bann zieht? "Wie Mia ihren blauen Schal bekam", ist eine romantisch-mystische Weihnachtskurzgeschichte, die in der Zeit vor dem Beginn des Romans "Mia und der blaue Schal" spielt und deswegen unabhängig vom Buch gelesen werden kann. Des Weiteren erhält der Leser einige Hintergrundinformationen zur Entstehung des Romans "Mia und der blaue Schal", sowie eine Leseprobe.

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Seitenzahl: 63

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Inhalt

Titelseite

Weihnachtliche Kurzgeschichte: Wie Mia ihren blauen Schal bekam

Informationen zur Entstehung des Buches »Mia und der blaue Schal«

Leseprobe aus »Mia und der blaue Schal«

Informationen zum Buch »Mia und der blaue Schal«

Weitere Bücher der Autorin

Impressum

Christina Stöger

Weihnachtliche Kurzgeschichte: Wie Mia ihren blauen Schal bekam

Mia sitzt an ihrem Küchentisch und starrt in die Tasse Kaffee vor sich. Ihre Hände hat sie um das heiße Porzellan gelegt und hofft auf die Wärme, die sich in ihrem Inneren ausbreitet und die Kälte vertreibt - und die Schmerzen. Ihr Körper ist übersät mit blauen Flecken. Tom, der für all das verantwortlich ist, schläft um diese Uhrzeit noch und Mia hat ihre Ruhe. Die digitalen Zahlen an der Mikrowelle zeigen 5:43 Uhr. Noch hat sie eine knappe Stunde Zeit, bis ihr Ehemann erwacht. Und diese Zeit will sie für sich selbst nutzen. Sie liebt die frühen Morgenstunden. Ihre Schmerzen lassen sie ohnehin nicht länger schlafen. Eine kleine Kerze brennt auf dem Tisch und verbreitet wohlige Stimmung. Bis jetzt hat sie es nicht geschafft, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken. Aber ihr war bisher einfach nicht nach Liebe, Licht und 'Heile-Welt'. Sie lebt in keiner heilen Welt. Und auch mit der Liebe steht sie auf Kriegsfuß. Ja, sie ist verheiratet. Seit knapp drei Jahren schon. Und ja, es war ihre alleinige Entscheidung. Hätte sie gewusst, wie Tom sich nach der Ehe entwickelt – sie hätte es nie getan. Aber wer kann schon ahnen, dass der Mann, der versprochen hatte, einem die Welt zu Füßen zu legen, sich zu so einem brutalen Egoisten wandelt. Mia seufzt und nimmt einen großen Schluck ihres Kaffees. Wenigstens weiß sie genau, dass er heute sehr liebevoll zu ihr sein wird. Ist er immer, nachdem er sie verprügelt hat. Sie kennt das schon. Vielleicht zaubert er auch wieder eine neue Handtasche oder ein Paar Schuhe hervor und schenkt sie ihr. Mit einer wortreichen Entschuldigung und dem Versprechen, es nie wieder zu tun, weil er sie doch so sehr liebt. Und jedes verdammte Mal verzeiht sie ihm wieder. Dabei sind es nicht die Geschenke, die sie will. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Tom wieder der Mann wird, in den sie sich einst verliebt hat. Dieser Mann trug sie auf Händen, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab und begehrte sie. Das alles war VOR der Hochzeit gewesen. Doch schon kurz danach war ihm das erste Mal die Hand ausgerutscht und seitdem war es immer wieder passiert. Aber sie braucht nicht zu jammern oder sich zu beschweren. Schließlich war sie doch daran schuld. Sie hatte damals das Essen, das teure Essen anbrennen lassen. Und jedes Mal, wenn er sich seither an ihr vergangen hat, ist sein schlechtes Gewissen so groß, dass er ihr etwas Gutes tun will.

Pah! Ihr Kleiderschrank platzt aus allen Nähten. Doch die schönen Kleider, hochhackigen Schuhe und auch die teuren Handtaschen sind unberührt. Wie könnte sie auch etwas an oder bei sich tragen, das Zeugnis der Qualen ist, die sie erleiden musste. Vielleicht sollte sie die Stücke einfach verkaufen und sich zu Weihnachten selber etwas Neues dafür schenken. Oder vielleicht sollte sie es auch einfach nur spenden. Ja, das ist eine tolle Idee. Zu Weihnachten spenden viele Menschen und es wäre nichts besonderes, würde gar nicht auffallen. Und Tom? Der weiß noch nicht einmal mehr, was er ihr geschenkt hat.

Knapp drei Jahre erduldet sie nun bereits diese Tortur. Wie lange sie das Ganze noch mitmachen will, weiß sie nicht. Doch sie hatte sich geschworen, dass sie die einmal eingegangene Ehe nicht so schnell aufgeben würde. 'In guten wie in schlechten Zeiten', so lautet es doch, das Eheversprechen. Na und das, was sie gerade erlebt, sind eben die schlechten Zeiten. Bald, sehr bald wird es besser. Vielleicht im neuen Jahr. Er hat ihr versprochen, dass er sich ändern wird. Er hat ihr gestern noch gesagt, wie leid es ihm täte, dass er sie immer wieder körperlich züchtigen müsste. Ja, genau so hat er sich ausgedrückt. Sie hat ihm nur ein schiefes Lächeln geschenkt, als ihr Auge zuschwoll.

Leise dringen weihnachtliche Klänge aus dem Radio neben ihr und sie schüttelt leicht den Kopf. Nein, sie will sich nicht selbst bemitleiden. Heute ist der 21. Dezember, der Tag der Wintersonnenwende - vielleicht wendet sich auch heute ihr Leben. Vor Tagen hat sie sich fest vorgenommen heute in die Stadt zu fahren und ein paar Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Es wird auch wahrlich Zeit. Noch länger kann sie Tom nicht vertrösten. Der Weihnachtsbaum muss gekauft und der Braten für den Heiligen Abend besorgt werden. Sonst ist es zu spät. Warum Tom so viel Wert auf das 'weihnachtliche Getue' legt, hat sie bis heute noch nicht verstanden. Er hat überhaupt keinen Sinn für das 'wahre Weihnachten'. Ihm sind Liebe, Zuwendung und Herzlichkeit vollkommen abhanden gekommen. Nur sein Geschäft, sein Geld und seine Wenigkeit zählen für ihn.

Seufzend nimmt sie noch einen großen Schluck Kaffee und muss nun doch lächeln. Heute hat sie das erste Mal ein wenig Zimt in das Kaffeepulver gemischt und die leicht würzige Note verleiht dem Lebenselixier etwas einzigartiges. Neulich hat sie das in einem ihrer Bücher gelesen und spontan beschlossen, es umzusetzen. Dieses Buch hat sie so sehr beeindruckt, dass sie sich vorgenommen hat, einige Passagen aus dem Buch in ihr eigenes Leben zu übernehmen. Viele Weisheiten, Ratschläge und Tipps hat sie aus Büchern, Zeitschriften und Magazinen. Mia liebt es, in den Seiten zu blättern und ganz in den Geschichten, die andere Menschen erdachten, zu versinken. Ganz egal ob es ein Liebesroman oder auch ein Psychothriller ist. Doch am Meisten mag sie fantastische Geschichten. Dann kann sie sich ganz bewusst aus ihrem Körper lösen und in die fremde Welt der Bücher eintauchen. Vielleicht, ja, ganz bestimmt sogar, gibt es wirklich eine Parallelwelt wie in Liebessprung von Christiane Bößel, in der Tom ein liebevoller Mann ist. Vielleicht ist er dort sensibel, einfühlsam und trotzdem ein starker Beschützer. All das, was er in dieser Welt nicht ist.

Mia seufzt und steht auf. Sie schenkt sich noch einmal Kaffee nach und tritt ans Fenster. Die Dunkelheit, die sie empfängt, wird nur durch das fahle Licht einer Straßenlaterne unterbrochen. Leise fallen Flocken zur Erde, die jedoch nicht liegen bleiben. Hier im Norden ist es einfach zu warm dafür. So gerne würde sie mal wieder eine Schneeballschlacht machen, wie sie es als Kind so gerne getan hat. Einfach nur unbeschwert durch den hohen Schnee springen und dabei ausgelassen lachen und Spaß haben. Doch die Zeit, als sie noch unbekümmert und kindlich war, ist lange vorbei. Heute ist ihr alles eine Last. Erneut schüttelt Mia den Kopf und konzentriert sich ganz bewusst auf die vielen kleinen Flocken, die sanft zur Erde tanzen. Worte formen sich in ihrem Kopf und sie greift ganz automatisch nach einem Stück Papier, das auf dem Küchentisch liegt. Die Kerze, in deren Licht das Papier magisch beleuchtet wird, flackert ein wenig. So als wolle sie Mia dazu ermutigen, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Schreib! Dann nimmt sie den Kugelschreiber in die Hand und ihre Finger krallen sich um das Metall. Wie in Trance beginnt sie zu schreiben.

Leise fällt der Schnee hernieder.

Hüllt die Welt fast gänzlich ein.

So wie alle Jahre wieder,

wird es dieses Mal auch sein.

Frauen stehen an den Herden,

backen, kochen – wie im Wahn.

Alles muss noch besser werden,

Heilig Abend kommt der Clan.

Männer fällen mürrisch Bäume,

die man auch noch schmücken muss.

Allzu oft zerplatzen Träume.

Wann ist mit dem Wahnsinn Schluss?

Was zählt denn wirklich auf der Welt?

Wo ist nur die Liebe hin?

Ist es das, was uns gefällt?

Macht das alles einen Sinn?

Doch die Erde dreht sich weiter.

Jedes Jahr passiert es so.

Alle grinsen, scheinen heiter -

keiner wirkt so richtig froh.

Als sie geendet hat, liest sie alles noch einmal durch. Ihre Worte strotzen vor Widerwillen und Depression. Das ist doch nicht sie! Früher, also vor sehr langer Zeit, hat sie liebevolle Gedichte geschrieben. Mit viel Herzblut, kindlichen Träumen und Seelenschmerz. Wo ist das alles nur hin? Hat Tom sie wirklich so kaputt gemacht? Nur ein einziges Mal hat er ihre Gedanken gelesen – und sie für bescheuert erklärt.