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Die Mikroökonomie erklärt das Verhalten von Menschen, indem sie deren Entscheidungen prognostiziert. Wenn Sie sich mit Mikroökonomie beschäftigen wollen oder müssen, treffen Sie mit diesem Buch in jedem Fall die richtige Entscheidung. Wilhelm Lorenz bringt Ihnen schnell und leicht verständlich die grundlegenden Zusammenhänge der Mikroökonomie nahe. Dabei verzichtet er so weit wie möglich auf komplizierte Mathematik und bringt stattdessen zahlreiche praktische Beispiele und grafische Darstellungen. So erfahren Sie, wie Unternehmen und Haushalte sowohl als Anbieter als auch als Nachfrager auftreten und warum sie welche wirtschaftlichen Entscheidungen treffen. Zudem lernen Sie, wie sich Angebot und Nachfrage auf die Preisbildung auswirken und wie Sie effizient mit dem Marktdiagramm arbeiten.
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Seitenzahl: 488
Veröffentlichungsjahr: 2020
Python für Dummies
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
2. Auflage 2021
© 2021 WILEY-VCH GmbH
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Coverfoto: © Nastya / adobe.stock.com
Korrektur: Harriet Gehring, Köln, Frauke Wilkens, München
Fachkorrektur: Prof. Dr. Hanno Beck, Pforzheim, Prof. Dr. Detlef Beeker, Köln
Druck und Bindung
Print ISBN: 978-3-527-71646-3
ePub ISBN: 978-3-527-82438-0
Wilhelm Lorenz ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie, an der Hochschule Harz. Seit einigen Jahren betreibt er die Website www.mikrooekonomie.de. Er ist Autor des Übungsbuchs Mikroökonomie für Dummies. Daneben stellt er weitere Aufgaben auf der Website www.aufgaben-zur-mikrooekonomie.de bereit.
Cover
Über den Autor
Einleitung
Konventionen in diesem Buch
Über dieses Buch
Törichte Annahmen über den Leser
Wie dieses Buch aufgebaut ist
Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
Wie es weitergeht
Ein Wort zur zweiten Auflage
Teil I: Mikroökonomik – die Grundlagen
Kapitel 1: Worum es in der Mikroökonomik geht
Knappe Güter als Gegenstand der Mikroökonomik
Die Methode der Mikroökonomik
Arbeiten mit Modellen
Was die Mikro- von der Makroökonomik unterscheidet
Kapitel 2: Das Standardmodell: Vollkommene Konkurrenz
Vollkommene Konkurrenz
Ein kurzer Blick auf andere Marktformen
Kapitel 3: Die Konstruktion des Marktdiagramms
Das Marktdiagramm konstruieren
Nachfrage- und Angebotsfunktion
Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage
Kapitel 4: Arbeiten mit dem Marktdiagramm I
Das Marktgleichgewicht
Eigenschaften des Marktgleichgewichts
Komparative Statik: Wenn das Gleichgewicht gestört wird
Dem Markt ins Handwerk pfuschen
Kapitel 5: Keine Angst vor Elastizitäten
Was sind Elastizitäten?
Die direkte Preiselastizität der Nachfrage
Zwei weitere wichtige Nachfrageelastizitäten
Die Elastizität des Angebots
Teil II: Entscheidungen der Haushalte
Kapitel 6: Klassische Nutzenmaximierung
Präferenzen, Nutzen und Grenznutzen
Nutzenmaximierung
Grenznutzen und Nachfragefunktion
Das zweite Gossensche Gesetz
Kapitel 7: Das Haushaltsgleichgewicht
Präferenzen und Nutzenfunktionen
Die Grenzrate der Substitution
Die Budgetrestriktion
Das Haushaltsgleichgewicht
Kapitel 8: Nachfragefunktionen
Einkommensänderungen
Preisänderungen
Arbeit oder Freizeit?
Teil III: Entscheidungen der Unternehmen
Kapitel 9: Die technische Seite der Unternehmung
Die Produktion in der kurzen Frist
Die Produktion in der langen Frist
Kapitel 10: Die Kosten der Produktion
Von der Produktions- zur Kostenfunktion
Betriebsoptimum und Betriebsminimum
Die Minimalkostenkombination
Kapitel 11: Gewinnmaximierung auf Konkurrenzmärkten
Die gewinnmaximierende Produktionsmenge
Der gewinnmaximierende Faktoreinsatz
Teil IV: Preisbildung
Kapitel 12: Arbeiten mit dem Marktdiagramm II
Das Rentenkonzept
Das Marktdiagramm im Einsatz
Kapitel 13: Marktversagen
Instabile Märkte
Asymmetrische Information
Unteilbarkeiten
Nichtausschluss und Rivalität im Konsum
Externe Effekte
Kapitel 14: Preisbildung im Monopol
Monopole – Abgrenzung und Gründe
Gewinnmaximierung im Monopol
Monopole sind schädlich
Was Sie gegen Monopole unternehmen können
Vom Monopol zum Duopol
Teil V: Der Top-Ten-Teil
Kapitel 15: Die zehn wichtigsten Regeln und Gesetze
Das Gesetz der Nachfrage
Das Gesetz des Angebots
Märkte sorgen für eine effiziente Allokation der Ressourcen
Eine universelle Optimierungsregel: Grenznutzen gleich Grenzkosten
Maximal ist selten optimal
Die Gossenschen Gesetze
Kostenunterschiede allein erklären keine Preisunterschiede
Vorsicht vor Milchmädchenrechnungen
Die Substituierbarkeit bestimmt die Elastizität
Vier Gründe für Marktversagen
Kapitel 16: Zehn nützliche Tipps
Ein Strahl durch den Ursprung
Überschlägig rechnen mit Wachstumsraten
Die besonderen Eigenschaften der Cobb-Douglas-Funktion nutzen
Die Frist beachten
Zu Bleistift und Papier greifen
An die Ceteris-paribus-Bedingung denken
»Es kommt darauf an …«
Handfeste Erklärungen suchen
Den gesunden Menschenverstand nutzen
Sich der Grenzen bewusst sein
Stichwortverzeichnis
End User License Agreement
Kapitel 2
Tabelle 2.1: Stackelbergsches Marktformenschema
Kapitel 3
Tabelle 3.1: Angebot von Nachhilfestunden
Kapitel 4
Tabelle 4.1: Kosten und Zahlungsbereitschaft für Dinger
Tabelle 4.2: Gründe für eine Zunahme der Nachfrage
Kapitel 6
Tabelle 6.1: Nutzen und Grenznutzen aus täglichem Schokoriegelkonsum
Tabelle 6.2: Optimale Konsumentscheidung
Tabelle 6.3: Zahlenbeispiel zum zweiten Gossenschen Gesetz
Kapitel 7
Tabelle 7.1: Güterbündel
Kapitel 8
Tabelle 8.1: Empirische Nachfragefunktion für Bier, hypothetisches Beispiel
Kapitel 9
Tabelle 9.1: Berechnung von Durchschnitts- und Grenzprodukt
Tabelle 9.2: Berechnung einer Isoquante
Kapitel 10
Tabelle 10.1: Ermittlung der Kostenfunktion
Kapitel 11
Tabelle 11.1: Erlöse und Lohnkosten im Elektronikmarkt
Tabelle 11.2: Gewinnmaximierung im Elektronikmarkt
Kapitel 12
Tabelle 12.1: Kosten und Grenzkosten der Kuchenproduktion
Tabelle 12.2: Beispiele für exogene Schocks
Kapitel 13
Tabelle 13.1: »Nutzen« einer Kneipe für Käufer und Verkäufer
Tabelle 13.2: Private, öffentliche und Mischgüter
Kapitel 14
Tabelle 14.1: Hans-Peters Preis-Absatz-Funktion
Kapitel 1
Abbildung 1.1: Eine Produktionsfunktion
Kapitel 3
Abbildung 3.1: Das nackte Marktdiagramm
Abbildung 3.2: Individuelle Nachfragefunktion
Abbildung 3.3: Aggregierte Nachfrage
Abbildung 3.4: Angebot an Nachhilfestunden
Abbildung 3.5: Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage
Kapitel 4
Abbildung 4.1: Überschussnachfrage
Abbildung 4.2: Das Marktgleichgewicht
Abbildung 4.3: Zahlenbeispiel Kartoffelmarkt
Abbildung 4.4: Suboptimale, zu geringe Produktion
Abbildung 4.5: Suboptimale, zu hohe Produktion
Abbildung 4.6: Angebot und Nachfrage auf Things
Abbildung 4.7: Zunahme der Nachfrage von N auf N′
Abbildung 4.8: Zunahme des Angebots von A auf A′
Abbildung 4.9: Die Innovation in der Fördertechnologie löst einen A...
Abbildung 4.10: Die Nachfrage nach Fensterreinigung steigt von N a...
Abbildung 4.11: Auswirkungen eines Höchstpreises (Skizze)
Abbildung 4.12: Wirkungen einer Mengensteuer
Kapitel 5
Abbildung 5.1: Besondere Elastizitätswerte und -bereiche
Abbildung 5.2: Preiselastizität und Umsatzentwicklung
Abbildung 5.3: Elastizität abschätzen
Abbildung 5.4: Kurz-, mittel- und langfristiges Angebot
Abbildung 5.5: Elastizitäten von Angebot und Nachfrage im...
Kapitel 6
Abbildung 6.1: Nutzenfunktion für Schokoriegel
Abbildung 6.2: Stetige Nutzenfunktion
Abbildung 6.3: Nutzenmaximierung durch Vergleich von Preis und Gren...
Abbildung 6.4: Die optimale Konsumentscheidung: Preis gleich Grenzn...
Abbildung 6.5: Auswirkung einer Preisänderung auf den optimalen Kon...
Abbildung 6.6: Ableitung einer Nachfragefunktion
Kapitel 7
Abbildung 7.1: Indifferenzkurven zeigen einen fallenden Verlauf.
Abbildung 7.2: Durch jeden Punkt im Güterdiagramm verläuft eine Ind...
Abbildung 7.3: Verletzung der Transitivitätsannahme
Abbildung 7.4: Ausgewogene Güterbündel werden bevorzugt.
Abbildung 7.5: Die Grenzrate der Substitution
Abbildung 7.6: Die Budgetrestriktion
Abbildung 7.7: Haushaltsoptimum
Abbildung 7.8: Haushaltsgleichgewicht für Miss Marple
Kapitel 8
Abbildung 8.1: Wirkung eines Einkommensanstiegs auf die Budgetgerad...
Abbildung 8.2: Mögliche Wirkungen einer Einkommenserhöhung auf das ...
Abbildung 8.3: Einkommens-Konsum-Kurve
Abbildung 8.4: Einkommens-Nachfrage-Funktion oder Engel-Kurve
Abbildung 8.5: Auswirkungen eines Preisanstiegs auf die Konsummögli...
Abbildung 8.6: Ausschalten des Einkommenseffekts
Abbildung 8.7: Slutsky-Zerlegung
Abbildung 8.8: Preis-Konsum-Kurve
Abbildung 8.9: Nachfragefunktion für einen Haushalt
Abbildung 8.10: Aggregation der individuellen Nachfragen zur Markt...
Abbildung 8.11: Die Kreuznachfrage beschreibt die Abhängigkeit der...
Abbildung 8.12: Beispiele für Kreuznachfragefunktionen
Abbildung 8.13: Das Haushaltsoptimum mit Excel berechnen
Abbildung 8.14: Die Wahlmöglichkeiten zwischen Freizeit und Konsum
Abbildung 8.15: Die Entscheidung zwischen Arbeits- und Freizeit
Abbildung 8.16: Reservationslohnsatz nicht erreicht
Abbildung 8.17: Links: Der Substitutionseffekt überwiegt. Rechts: ...
Abbildung 8.18: »Backward bending labor supply«
Kapitel 9
Abbildung 9.1: Die klassische Mikroökonomik reduziert die Unternehm...
Abbildung 9.2: Das klassische Ertragsgesetz
Abbildung 9.3: Durchschnittserträge grafisch ermitteln und vergleic...
Abbildung 9.4: Grafische Ermittlung des Grenzprodukts
Abbildung 9.5: Klassische und neoklassische Produktionsfunktion
Abbildung 9.6: Zusammenhang zwischen Durchschnitts- und Grenzertrag
Abbildung 9.7: Konstante Durchschnitts- und Grenzerträge bei indust...
Abbildung 9.8: Isoquanten einer Cobb-Douglas-Produktionsfunktion im...
Abbildung 9.9: Arten der Faktorvariation
Abbildung 9.10: Beispiel für eine neoklassische Niveauproduktionsf...
Abbildung 9.11: Das Ertragsgesetz zeigt sowohl zu- als auch abnehm...
Abbildung 9.12: Isoquantenschema und Skalenertrag
Kapitel 10
Abbildung 10.1: Kostenfunktion für die Stecknadelfabrik
Abbildung 10.2: Neoklassische Technologie und Kostenfunktion
Abbildung 10.3: Ablesen der Grenzkosten aus Kostenfunktionen
Abbildung 10.4: Die Grenzkosten schneiden die Durchschnittskostenf...
Abbildung 10.5: Betriebsminimum und Betriebsoptimum
Abbildung 10.6: Die totalen Durchschnittskosten als Summe der vari...
Abbildung 10.7: Der Wettbewerb zwingt die Unternehmen in ihr Betri...
Abbildung 10.8: Isokostengerade, Faktorpreis- und Kostenänderungen
Abbildung 10.9: Kostenminimale Faktorkombination
Abbildung 10.10: Faktorpreisverhältnis und Kapitalintensität
Abbildung 10.11: Der Expansionspfad verbindet die Minimalkostenko...
Abbildung 10.12: Kurzfristige und langfristige Kostenfunktionen
Abbildung 10.13: Partielle und totale Faktorvariation
Kapitel 11
Abbildung 11.1: Gewinnmaximum bei »Preis gleich Grenzkosten«
Abbildung 11.2: Angebotsfunktion einer Unternehmung
Abbildung 11.3: Bei unüberlegter Anwendung der Preis-Gre...
Abbildung 11.4: Das Marktangebot ist die Summe der individuellen A...
Abbildung 11.5: Die Angebotsfunktion als Teil der Grenzkostenfunkt...
Abbildung 11.6: Die Wertgrenzproduktfunktion der Arbeit ist die Na...
Kapitel 12
Abbildung 12.1: Grafische Ermittlung der Konsumentenrente
Abbildung 12.2: Zahlungsbereitschaft, Ausgaben und Konsumentenrent...
Abbildung 12.3: Umsatz, variable Kosten und Produzentenrente
Abbildung 12.4: Kosten und Gewinne der Unternehmen im Marktdiagram...
Abbildung 12.5: Die Gesamtrente eines Marktes
Abbildung 12.6: Abweichungen vom Gleichgewicht führen zu einem Woh...
Abbildung 12.7: Wohlfahrtsgewinn durch Importe
Abbildung 12.8: Auswirkungen eines Garantiepreises auf dem Weinmar...
Abbildung 12.9: Woher die Steuer kommt
Abbildung 12.10: Auswirkung der direkten Preiselastizität der Nac...
Kapitel 13
Abbildung 13.1: Instabiler Markt im Cobweb-Modell
Abbildung 13.2: Sinkende Durchschnittskosten
Abbildung 13.3: Der Preismechanismus bringt Grenznutzen und Grenzk...
Abbildung 13.4: Negativer externer Effekt
Abbildung 13.5: Optimale Lärmbelastung
Kapitel 14
Abbildung 14.1: Preis-Absatz-Funktion und Umsatz im Monopol
Abbildung 14.2: Monopolistische Gewinnmaximierung bei positiven Gr...
Abbildung 14.3: Wohlfahrtseinbuße durch ein Monopol
Abbildung 14.4: Mengenwettbewerb im Duopol
Abbildung 14.5: Reaktionsfunktionen im Cournot-Duopol
Kapitel 16
Abbildung 16.1: Auf einer Ursprungsgeraden ist das Verhältnis von ...
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Inhaltsverzeichnis
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Wenn Sie diese Zeilen lesen, ahnen Sie bestimmt schon, worum es in der »Mikroökonomik« geht. Sie werden kaum zufällig und vermutlich auch nicht ganz ohne ökonomische Vorkenntnisse zu diesem Buch gegriffen haben. Viel wahrscheinlicher: Sie verfolgen ein konkretes Ziel.
Ein Mikroökonom geht von der Hypothese aus, dass Sie sich »rational« – was so viel heißt wie vernunftbetont – für dieses Buch entschieden haben. Er kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass es doch ein Zufall war. Er kann ebenfalls nicht ausschließen, dass Sie Ihre Entscheidung nicht vernunftbetont getroffen haben. Vielleicht sind Sie bei der Auswahl dieses Buches Ihrem »Bauchgefühl« gefolgt. Oder Sie haben sich durch die Werbung beeinflussen lassen. Dann war Ihre Entscheidung unter Umständen nicht rational.
Im Allgemeinen gehen Mikroökonomen aber davon aus, dass Menschen vernünftige Entscheidungen treffen. Mithilfe dieser grundlegenden Annahme leiten sie ihre Erklärungen ab. Wie weit Sie den mit dieser Methode gewonnenen Erkenntnissen oder vielleicht doch lieber anderen Erklärungen vertrauen wollen, müssen Sie am Ende selbst entscheiden.
Ein Mikroökonom würde hinsichtlich der Entscheidung, dieses Buch zur Hand zu nehmen, mit folgender Hypothese arbeiten: Als Leser erwarten Sie einen Nutzen. Ihnen entstehen aber auch Kosten. Einen Teil der Kosten macht der Kaufpreis aus (»direkte Kosten«). Daneben entstehen weitere (»indirekte«) Kosten bei der Auswahl (Informationskosten) und bei der Beschaffung (Wege- und Zeitkosten). Auch wenn Sie sich das Buch in einer Bibliothek oder von einem Bekannten ausgeliehen haben, entstehen Ihnen Kosten. Es handelt sich um Kosten in Form von Zeit für Ihren Weg in die Bibliothek, Suchkosten nach dem Standort des Buches oder Wartekosten an der Ausleihe. Ganz gleich, ob Sie sich das Buch gekauft oder ausgeliehen haben: Ihr erwarteter Nutzen muss Ihre erwarteten Kosten aber überstiegen haben. Sonst hätten Sie sich als rationaler Konsument nicht für dieses Buch entschieden. So denkt jedenfalls der Ökonom. Sie hätten sich gegen dieses Buch entschieden, wenn Sie mehr Kosten als Nutzen erwartet hätten. Klingt doch logisch, oder?
Nicht jede einzelne Kaufentscheidung lässt sich so erklären. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel. Die Mikroökonomik will aber auch gar nicht erklären, was ein Einzelner in einer bestimmten Situation tut oder lässt. Vorhersagen dieser Art überlässt sie Wahrsagern und Astrologen. Die Mikroökonomik erklärt, wie sich Menschen im statistischen Durchschnitt entscheiden und wie diese Entscheidungen zusammenwirken.
Mit ihren Erklärungen des menschlichen Verhaltens steht die Mikroökonomik in Konkurrenz zu anderen Wissenschaften wie zum Beispiel der Soziologie, der Psychologie oder der Neurologie. Wissenschaften, die sich mit dem Verhalten von Menschen befassen, sind keine »exakten Wissenschaften«. Daher haben die abgeleiteten Gesetze nicht die Qualität von Naturgesetzen. Wenn also in Einzelfällen Entscheidungen beobachtet werden, die den »Gesetzen der Mikroökonomik« widersprechen, so ist das ganz natürlich. Ebenso selbstverständlich sollte eine Theorie aber infrage gestellt werden, wenn sie systematisch zu Fehlprognosen führt.
Dieses Buch verzichtet, soweit es geht, auf Mathematik. Ganz ohne Formeln geht es aber nicht. Keine Angst, die Formeln werden immer erklärt und in den meisten Fällen findet sich ein passendes Diagramm, das die Zusammenhänge veranschaulicht. Kommt eine Formel vor, dann finden Sie die Nummer, mit der im Text darauf Bezug genommen wird, so wie hier für Formel 1. Ebenso wird auf die Abbildungen verwiesen.
Dieses Buch nutzt Formeln weniger, um mit ihnen etwas zu berechnen, sondern mehr, um etwas kurz und exakt zu notieren. Alle wichtigen Ergebnisse, die sich regelmäßig als Lösungen von Maximierungsproblemen unter Beachtung von Nebenbedingungen (»Optimierung«) ergeben, lassen sich auch ohne komplizierte Mathematik herleiten. Wichtiger ist, dass Sie die wesentlichen Ergebnisse verstehen, interpretieren und auf praktische Fragestellungen anwenden können. Sie werden sehen, das gelingt besser als erwartet.
Nicht alles lässt sich in Beispielen verpacken, zumal diese bekanntermaßen häufig hinken. Daher werden Güter X und Y genannt, ihre Preise heißen pX und pY und ihre Mengen x und y. In der Regel erkennen Sie Werte an einer kursiven Schreibweise. Manche Symbole haben sich etabliert wie zum Beispiel L für Arbeit (»L«abour). Im Vordergrund steht hier die einfache Lesbarkeit. Deswegen steht in diesem Buch nicht l, sondern L sowohl für Arbeit an sich als auch für die Menge an Arbeit. Aus demselben Grund werden zum Beispiel Produktionsfaktormengen nicht abstrakt r1 und r2 genannt. Mit K für die Menge an Kapital und L für die Menge an Arbeit lassen sich die anfangs gewöhnungsbedürftigen abstrakten Gedankengänge leichter erfassen.
Die Rationalitätsannahme der Mikroökonomik, die so etwas wie ihr klassisches Fundament darstellt, wird zunehmend infrage gestellt. Diese Kritik wird im ersten Kapitel noch einmal kurz aufgegriffen. Sonst stellt dieses Buch jedoch die klassische Sichtweise dar. Es konzentriert sich, wie Sie es von einem … für Dummies-Buch erwarten, auf das Wesentliche. Dieses Buch präsentiert die Standard-Mikroökonomik, so wie sie an den meisten Hochschulen einführend gelehrt wird.
Sie können das Buch Seite für Seite von vorn bis hinten lesen. Wenn Sie mit Ihrer Zeit wirtschaftlich umgehen müssen – und wer muss das nicht? –, können Sie auch einzelne Teile oder einzelne Kapitel lesen. Es lässt sich jedoch – um der Wahrheit die Ehre zu geben – nicht gänzlich vermeiden, dass spätere Kapitel auf die Inhalte früherer Kapitel Bezug nehmen.
Dieses Buch vermittelt kein Faktenwissen. Sein Ziel ist nicht zu zeigen, dass etwas so ist, wie es ist. Es will Ihnen vielmehr nahebringen zu erkennen, warum etwas so ist, wie es ist. Nach der Lektüre werden Sie also nicht wissen, wie sich der Benzinpreis in den letzten Jahren entwickelt hat. Aber Sie werden mitreden können, wenn es darum geht, warum der Benzinpreis gestiegen oder gefallen ist. Sie werden feststellen, dass die mikroökonomischen Erklärungen überzeugen können.
Dieses Buch verzichtet auf strenge Beweisführungen. Es beschränkt sich darauf, die Zusammenhänge plausibel zu machen. Dazu verwendet es, ohne jedes Mal einzeln darauf hinzuweisen, zwei hilfreiche, allerdings nicht über die Maßen wissenschaftliche Methoden: die »Methode lockerer Denkzusammenhänge« und die »Methode des genauen Hinsehens«. Deswegen eignet es sich weniger für Leser, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, aber umso mehr für solche, die die grundlegenden Zusammenhänge der Mikroökonomie mit vertretbarem Aufwand verstehen lernen möchten.
Ein Buch über Mikroökonomik wird wohl eher selten aus Begeisterung für das Thema gekauft. In den meisten Fällen ist es Mittel zum Zweck. Der Leser möchte konkrete Ziele erreichen, zum Beispiel
als Schüler oder Student eine Prüfung bestehen,
die Wirtschaftsseite in der Tageszeitung besser verstehen,
wirtschaftspolitische Maßnahmen einschätzen und beurteilen können.
Das nehme ich von Ihnen an.
Zudem wünschen Sie eine verständliche Darstellung,
die sich auf das Wesentliche konzentriert und
weder ökonomische noch mathematische Vorkenntnisse voraussetzt.
Sie besitzen einen überdurchschnittlichen Bildungsstatus oder arbeiten daran und erschrecken nicht bei jedem Fremdwort. Sie sind bereit, sich auch mit komplizierten Überlegungen auseinanderzusetzen und werfen nicht gleich die Flinte ins Korn, wenn sich Ihnen ein Gedanke nicht unmittelbar erschließt. Gleichwohl möchten Sie nicht lange über einen Argumentations- oder Rechenschritt herumrätseln, sondern ihn erklärt bekommen. Für Sie gilt das Sprichwort »Zeit ist Geld«, weil Sie entweder schon über ein hohes Einkommen verfügen oder später ein hohes Einkommen erzielen werden. Auf jeden Fall wissen Sie, was Sie mit Ihrer knappen Zeit anfangen wollen. Für Sie ist es wichtiger, Zusammenhänge zu durchblicken und erklären zu können, als stupide Fakten zu lernen, die Sie problemlos nachschlagen können, wenn Sie sie benötigen.
Dieses Buch gliedert sich in fünf Teile. Es beginnt in Teil I – wie könnte es anders sein – mit einer Beschreibung dessen, worum es geht.
Der erste Teil steckt den Rahmen der Mikroökonomie ab, klärt einige zentrale Begriffe, behandelt das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage und stellt mit dem Marktdiagramm das wichtigste Instrument der Mikroökonomik vor. Um die komplexen Zusammenhänge, durch die sich die Realität nun einmal auszeichnet, gedanklich durchdringen zu können, sind vereinfachende Annahmen notwendig. Mit ihnen begibt man sich auf eine Gratwanderung, bei der man aufpassen muss, nicht abzurutschen. Auf der einen Seite lauert die Gefahr, dass man sich allzu weit von der Realität entfernt, auf der anderen die, dass die Überlegungen zu komplex werden.
Mitunter werden die Annahmen dahingehend kritisiert, dass sie realitätsfern seien und keinen Beitrag zum Verständnis realer ökonomischer Strukturen und Prozesse lieferten. Doch Sie werden schnell merken, dass Sie schon viel gewonnen haben, wenn Sie mit dem Marktdiagramm, das auf diesen Annahmen aufbaut, richtig umzugehen wissen. Bereits nach der Lektüre des ersten Teils wird es Ihnen gelingen, die Preisbildung auf Konkurrenzmärkten in groben Zügen zu erklären.
Ähnlich einem Eisberg verbirgt sich ein Großteil der Informationen im Marktdiagramm aber unter der Oberfläche. Um diese zusätzlichen Informationen zu gewinnen, werden mit Nachfrage und Angebot seine beiden Hauptbestandteile getrennt voneinander in den Teilen II und III analysiert.
Haushalte treten auf Märkten als Anbieter und Nachfrager auf. Anbieter sind sie auf den Märkten für Produktionsfaktoren. Mit dem Angebot von Arbeitskraft und Kapital erzielen sie Lohn und Zinseinkommen. Mit diesen Einkommen entwickeln sie Nachfrage. Diese selbstverständlichen Feststellungen führen zu einer Menge an Fragen:
Welche Güter kaufen die Haushalte in welchen Mengen?
Welche Faktoren beeinflussen ihre Nachfrage?
Bieten Haushalte mehr oder weniger Arbeit an, wenn die Löhne steigen?
Wie kann der Staat auf die Konsum- und Angebotsentscheidungen der Haushalte Einfluss nehmen?
Die Unternehmen sind der Ort der Produktion. Sie stellen die Güter und Dienstleistungen her, die von den Haushalten nachgefragt und konsumiert werden. Dazu fragen die Unternehmen ihrerseits die von den Haushalten angebotenen Produktionsfaktoren nach. Auch aus diesen Beobachtungen ergibt sich eine Reihe wichtiger Fragen:
Welche Güter stellen die Unternehmen in welchen Mengen her?
Welche Produktionsfaktoren setzen sie dazu in welchen Mengen ein?
Wie reagieren sie auf Änderungen der Güter- und Faktorpreise?
Wie kann der Staat unternehmerische Entscheidungen beeinflussen?
Wo Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen, entstehen Märkte. Auf Gütermärkten treten Unternehmen als Anbieter auf. Die Haushalte nehmen die Rolle der Nachfrager ein. Auf Märkten für gebrauchte Waren wie etwa Auktionsplattformen im Internet können Haushalte auch Anbieter sein. Auf den Faktormärkten tauschen Unternehmen und Haushalte ihre Rollen. Die Unternehmen sind hier Nachfrager der von den Haushalten angebotenen Produktionsfaktoren. Märkte, die sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite mit »vielen« Akteuren besetzt sind, heißen Konkurrenzmärkte. Auf ihnen bilden sich Preise durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, ohne dass einzelne Akteure in der Lage sind, den Preis dauerhaft zu beeinflussen. Die zentralen Fragen lauten:
Welcher Preis stellt sich ein?
Welche Ereignisse auf der Angebots- und der Nachfrageseite beeinflussen Preise und Mengen in welcher Art und Weise?
Wie und mit welchen Folgen kann der Staat in die Preisbildung eingreifen?
Unter welchen Umständen sollte er das tun? Und wann besser nicht?
Tatsächlich finden sich Gründe für die Regulierung von Märkten durch den Staat, denn bei der Preisbildung kann einiges schiefgehen, wenn das Marktgeschehen allein durch die Entscheidungen der privaten Wirtschaftssubjekte bestimmt wird. In diesem Fall spricht man von »Marktversagen«. Ursächlich dafür können neben fehlenden oder ungleich verteilten Informationen unter den Marktteilnehmern sein: »externe Effekte«, »fehlende Ausschließbarkeit« und »Unteilbarkeiten«. Diese Fachbegriffe werden in Kapitel 13 erklärt.
Nicht alle Märkte sind auf beiden Marktseiten mit »vielen« Akteuren besetzt. Im Extremfall findet sich eventuell nur ein einziger Anbieter – ein Monopolist – für ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung. Dann vollzieht sich die Preisbildung nicht mehr durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage, weil der Monopolist den Preis seines Produkts bestimmen kann. Dabei wird er natürlich Nachfrage- und Produktionsbedingungen beachten. Kapitel 14 ist dem Monopol gewidmet. Es klärt, welchen Preis ein Monopolist für sein Produkt verlangt, und untersucht die Auswirkungen des monopolistischen Verhaltens.
Der Top-Ten-Teil besteht aus zwei Kapiteln. Das erste präsentiert die zehn wichtigsten Regeln und Gesetze, das zweite gibt Ihnen nützliche Tipps. Der ganz eilige Leser schlägt die Seiten vielleicht zuerst auf. Schädliche Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten.
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Nach diesem Überblick wissen Sie, was Sie erwartet. Es ist viel und wenig zugleich. Viel ist es, weil der Zugang zur Mikroökonomik den meisten Menschen schwerfällt. Für Studierende der Betriebswirtschaftslehre und von Wirtschafts-Bindestrich-Studiengängen stellt die Volkswirtschaftslehre im Allgemeinen und die mikroökonomische Theorie im Besonderen oft eine hohe Hürde im Studium dar. Dieses Buch wird Ihnen helfen, die Hürde – mit einem Quäntchen Glück – im ersten Anlauf zu nehmen. Wenig ist es, weil nur der Ausschnitt der Mikroökonomik dargestellt wird, der sich damit befasst, wie der Preismechanismus auf jeweils einem Markt funktioniert, und der sich auf die »neoklassische« Sicht der Dinge beschränkt. Die Grundlagen der mikroökonomischen Theorie stehen hier im Mittelpunkt.
Mit fünfhundert Seiten war die erste Auflage für ein Buch in der … für Dummies-Reihe leicht adipös. Folglich lautete das Motto »Abspecken«. Das Buch hat eine Diät hinter sich und kommt jetzt in der zweiten Auflage etwas schlanker und konzentrierter daher. Ein wenig Zusatzmaterial, darunter die »zehn prominenten Fehler« und die »Formelsammlung« finden Sie online unter www.downloads.fuer-dummies.de.
Teil I
IN DIESEM TEIL …
In diesem Teil erfahren Sie, worum es in der Mikroökonomik geht, wie die Mikroökonomik einzuordnen ist und was die Mikro- von der Makroökonomik unterscheidet. Neben Homo oeconomicus lernen Sie die grundlegende Vorgehensweise der Mikroökonomik und Jevons' Gesetz vom einheitlichen Preis kennen. Sie erfahren, wie Sie das Angebots-Nachfrage-Diagramm als wichtigstes grafisches Werkzeug der Mikroökonomik praktisch anwenden. Es versetzt Sie in die Lage, die Eigenschaften von Marktgleichgewichten zu beurteilen und die Preisbildung auf Konkurrenzmärkten zu erklären. Sie werden die wesentlichen Bestimmungsgründe von Angebot und Nachfrage verstehen und deren Einflüsse mithilfe von Elastizitäten beurteilen können.
Kapitel 1
In diesem Kapitel
Knappe Güter als Gegenstand der MikroökonomikDie Methode der MikroökonomikArbeiten mit ModellenWas die Mikro- von der Makroökonomik unterscheidetWozu brauchen wir überhaupt ökonomische Theorien? Worum dreht sich das ökonomische Denken? Welche Methoden und Kniffe wenden Ökonomen an? In diesem Kapitel lernen Sie grundlegende Ideen der Ökonomen kennen.
Ich stand in einem Kaufhaus vor einem Regal mit Sportschuhen und hielt ein Paar in der Hand, als mich jemand von hinten ansprach: »Hallo, Herr Lorenz, optimieren Sie gerade?« Erschrocken drehte ich mich um und erkannte einen Studenten aus meiner Lehrveranstaltung »Einführung in die Mikroökonomik«. Er lächelte, setze seinen Weg aber fort, ohne meine Antwort abzuwarten. Für einen Moment war ich sprachlos. Aber er hatte recht: Ich dachte gerade darüber nach, ob ich die Schuhe kaufen oder mich nach besseren Angeboten umsehen sollte.
Warum beginne ich mit einer so banalen Begebenheit? Dafür gibt es einen guten Grund. Eine Kaufentscheidung wie diese ist eine typische Situation, die die Mikroökonomik zu erklären versucht. Der klassische Ansatz, mit dem sie dieses Problem angeht, unterstellt, dass die Käufer versuchen, die für sie unter den gegebenen Bedingungen bestmögliche Entscheidung zu treffen.
Die Mikroökonomik liefert Aussagen über Marktergebnisse, -strukturen und -prozesse auf der Grundlage der Annahme, Menschen verhielten sich optimierend.
Das bedeutet keineswegs, Mikroökonomen gingen weltfremd davon aus, Menschen seien roboterähnliche, gefühlskalte Optimierungsmaschinen, in deren Köpfen sich anstelle von Gehirnen Computer befinden, die Kosten und Erträge aller möglichen Handlungsalternativen gegeneinander aufrechnen und dann das beste Ergebnis ausspucken. Dieser falsche Eindruck mag durch die vereinfachende Darstellung, wie sie in einführenden Lehrbüchern nun einmal notwendig ist, allerdings entstehen.
Ein Markt ist eine mehr oder weniger organisierte Einrichtung zum Tausch von Gütern, Diensten oder Rechten. Ein Markt entsteht, wenn ein Angebot auf Nachfrage trifft. In der Regel, aber nicht zwingend, bildet sich ein Preis. Auktionen wie auf eBay oder Fahrradversteigerungen des Fundbüros liefern plastische Beispiele für organisierte Märkte. Ob viele oder wenige Personen an den Auktionen teilnehmen, ist unerheblich. Es spielt auch keine Rolle, ob die Auktionsteilnehmer persönlich zusammenkommen oder nicht. Es ist nicht einmal erforderlich, dass sich Anbieter und Nachfrager kennen, wie der Computerhandel an der Börse zeigt. Märkte können festen Regeln folgen, aber auch unorganisiert und illegal sein, wie zum Beispiel der Schwarzmarkt für Hehlerware.
Wenn die Menschen abweichend von der Realität so modelliert werden, als seien sie frei von Gefühlen, könnten rechnen wie Supercomputer und begingen keine Fehler, muss das keineswegs dazu führen, dass die Theorie falsche Aussagen liefert. Zunächst handelt es sich um eine vereinfachende Annahme, die helfen soll, die komplexe Realität auf wesentliche Zusammenhänge zu reduzieren. Ein komplizierteres Modell, dessen Annahmen sich näher an der Wirklichkeit bewegen, muss nicht notwendig bessere Erklärungen liefern.
Stellen Sie sich eine Straßenkarte im Maßstab 1:1 vor. Das ist »die Realität« abgebildet als »die Realität«. Und wie kommen Sie mithilfe dieser Karte von Bonn nach Berlin? Nicht besser als ohne. Ähnlich wie mit der Straßenkarte verhält es sich mit »realistischen« oder »realitätsnahen« Erklärungen für alle Arten von Phänomenen. So schräg das klingt: Gerade die Realitätsferne macht ein Modell nützlich, indem es alles ausblendet, was für das Erkenntnisziel unwichtig ist.
Liefert ein weniger komplexes Modell die gleichen Erkenntnisse, dann ist es das bessere.
Das Optimierungsverhalten unterstellt die Mikroökonomik nicht nur bei ökonomischen Entscheidungen im engeren Sinn wie bei einem Kauf, sondern es ist ihre grundsätzliche Arbeitshypothese im Hinblick auf alle Entscheidungen, die Menschen treffen. Das kann die Entscheidung sein, wann wir abends zu Bett gehen oder wann wir morgens wieder aufstehen, ob wir arbeiten oder blaumachen, unseren Partner betrügen oder ihm treu bleiben. Was immer Sie sich an Entscheidungen denken können – Ökonomen fühlen sich zuständig.
Die Anwendung des mikroökonomischen Instrumentariums auf Fragen des Alltags macht Mikroökonomik spannend, aber auch angreifbar. Ob ich meinen Partner betrüge oder ihm treu bleibe, werden Sie vielleicht einwenden, ist doch kein ökonomisches Optimierungsproblem, sondern eine bauchgesteuerte Entscheidung. Wenn Sie so argumentieren, befinden Sie sich in bester Gesellschaft, denn ob unsere Entscheidungen tatsächlich immer so vernunftbetont fallen, wie es die klassische Mikroökonomik unterstellt, wird zunehmend in Zweifel gezogen.
Eine kritische Betrachtung setzt aber die Kenntnis der klassischen Theorie voraus. Der Weg dahin beginnt mit einer Definition:
Die Mikroökonomik ist ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre und hat die »Allokation knapper Ressourcen« zum Gegenstand.
»Allokation«, »Knappheit« und »Ressourcen«? Lassen Sie uns Schritt für Schritt vorgehen und zunächst jeden der drei Begriffe einzeln betrachten. Schon wird es verständlicher.
Als Ressourcen werden materielle wie immaterielle Güter bezeichnet, die sich zu Konsum- oder Produktionszwecken verwenden lassen. Dazu gehören zum Beispiel:
Ihre Arbeitskraft
Ihre Zeit
die finanziellen Mittel, über die Sie verfügen
der Vorrat an Schrauben, Nägeln und Werkzeugen, die Sie im Keller aufbewahren
das Know-how eines Produzenten von Soundkarten für Computer
ein Teerfass im Straßenbau
Ressourcen werden mittels Ressourcen produziert, sofern sie nicht als »natürliche Ressourcen« in der Natur vorkommen wie zum Beispiel Sonnenenergie oder Wasser.
Güter heißen knapp, wenn es von ihnen weniger gibt, als man gerne hätte. Oder wie es ein Mikroökonom präzisieren würde: Güter sind knapp, wenn sie nicht in der von den Wirtschaftssubjekten gewünschten Quantität und Qualität vorhanden sind, sondern für ihre Bereitstellung Ressourcen aufgewandt werden müssen. So zählt zum Beispiel Kohle zu den knappen Gütern. Sie kommt in der Natur zwar in großen Mengen vor, jedoch nicht in der Form, die sich die Konsumenten wünschen, die damit ihren Kamin befeuern möchten. Andere knappe Güter sind beispielsweise:
Freundschaft und Liebe
gutes Aussehen
Regen genauso wie Sonnenschein
Autos
Brötchen
Schraubenschlüssel
Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal ein Warenhaus betreten. Die Güter, die dort tausendfach zur Schau gestellt werden, sind jedes für sich knapp, auch wenn es uns so vorkommen mag, als seien sie im Überfluss vorhanden.
Ungleich schwieriger ist es, Beispiele für freie Güter zu finden, die das Pendant zu den knappen Gütern bilden. Die Suche nach ihnen führt oft in wenig ergiebige Diskussionen der Art, ob Luft, Wasser und Sonnenlicht den freien Gütern zuzurechnen sind oder nicht. In Deutschland ist das nicht der Fall, denn es werden Ressourcen zur Luftreinhaltung und zur Aufbereitung und Bevorratung von Wasser eingesetzt. Denken Sie nur an Katalysatoren und Dieselpartikelfilter oder Talsperren und Kläranlagen. Und wenn es die Menschen im Sommer in südliche Gefilde zieht und im Winter auf die Sonnenbank, so sind das klare Indizien für eine Knappheit an Sonnenlicht. Auf einer einsamen Insel im Südpazifik sieht es vielleicht anders aus.
Der Begriff Allokation meint sowohl den Zustand der Verteilung von Gütern auf bestimmte Verwendungen als auch den entsprechenden Prozess. Es existieren zahlreiche Allokationsmechanismen, um Ressourcen in ihre Verwendungen zu lenken, zum Beispiel:
Wahlmechanismus:
Er entscheidet darüber, wer ein Bürgermeisteramt bekleiden darf.
Zufallsmechanismus:
Er entscheidet, wer im Lotto gewinnt.
Numerus clausus:
Er beschränkt den Zugang zu Studienplätzen und verteilt sie in der Regel nach Leistungsfähigkeit. Dabei wird die Abiturnote als Indikator herangezogen.
Diebstahlsmechanismus:
Er sorgt dafür, dass viele Fahrräder verschwinden.
Preismechanismus:
Er ist es, der tagtäglich millionenfach beeinflusst, ob und welche Mengen welcher Güter konsumiert und welche Güter in der Produktion anderer Güter eingesetzt werden.
Ihnen fallen sicher noch weitere Mechanismen ein, die Güter in ihre Verwendungen lenken. Einer aber sticht in einer Marktwirtschaft hervor: der Preismechanismus.
Ressourcen sind Güter im weitesten Sinne, die zur Bedürfnisbefriedigung oder zur Produktion anderer Güter eingesetzt werden. Knappheit bedeutet, dass die Ressourcen nicht ausreichen, um die Bedürfnisse der Menschen vollends zu befriedigen – es gibt mehr Wünsche als Mittel zur Erfüllung dieser Wünsche. Eine Allokation beschreibt die Verteilung der knappen Ressourcen auf konkurrierende Verwendungen.
Sicher, nur haben Sie es nicht so genannt. Ihr tägliches Zeitbudget können Sie für unterschiedliche Aktivitäten verwenden: Schlafen, Speisen, Faulenzen, Arbeiten, Lernen, Sport treiben, Freundschaften pflegen und so weiter. Das Ergebnis, wie Sie Ihre Zeit auf die Aktivitäten verplanen, ist Ihre Zeitallokation. In der Zeit, in der Sie schlafen, können Sie keinen Sport treiben. Die beiden Aktivitäten konkurrieren um Ihre knappe Ressource Zeit. Ganz ähnlich stellt sich das Problem auch für die Gesellschaft: Ressourcen, die sie für die Landesverteidigung einsetzt, kann sie nicht für Bildung nutzen.
Wenn Sie sich entschließen zu schlafen, statt Sport zu treiben, verzichten Sie auf den Sport. Der Nutzen des Sports ist dann das, was Ökonomen Opportunitätskosten nennen: Der Wert der besten entgangenen Alternative. Immer wenn Sie etwas tun (kaufen), verzichten Sie darauf, etwas anderes zu tun (zu kaufen), und der Nutzen dieser entgangenen Alternative sind die Opportunitätskosten dessen, was Sie gerade tun (kaufen). Wenn Sie Ihren Nutzen maximieren wollen, werden Sie nie etwas tun (kaufen), dessen Opportunitätskosten höher sind als der Nutzen dessen, was Sie stattdessen tun (kaufen).
Bei Entscheidungen, die Menschen treffen, gibt es praktisch nichts, wo sich Ökonomen nicht zuständig fühlen.
Die Mikroökonomik untersucht, wie einzelne Wirtschaftssubjekte Entscheidungen hinsichtlich der Allokation knapper Ressourcen treffen.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Wirtschaftssubjekte? Wirtschaftssubjekte sind einzelne Personen oder Gruppen von Entscheidungsträgern, die nach außen mit einer einheitlichen Meinung auftreten. So ist ein Haushalt ein Wirtschaftssubjekt, auch wenn er sich aus mehreren Personen zusammensetzt. Ebenso wird ein Unternehmen als ein Wirtschaftssubjekt aufgefasst.
Die Mikroökonomik zeichnet sich durch eine typische Herangehensweise an (wirtschaftliche) Fragestellungen aus. Sie beschreibt Mikroökonomik ähnlich, wie Sie durch eine Aufzählung von typischen Werkzeugen ein Handwerk beschreiben können.
Die Methode der Mikroökonomie ist ein Denkwerkzeug – ein Hilfsmittel beim Erforschen ökonomischer Probleme. Im Kern besteht es aus einer Aufforderung: »Denke darüber nach, zu welchen Entscheidungen Menschen kommen, wenn sie bei der Entscheidungsfindung rational vorgehen.«
»Rational« übersetzen Sie am besten mit »vernünftig«.
Die Mikroökonomik unterstellt den Wirtschaftssubjekten grundsätzlich rationales Verhalten. Anstelle von rationalem kann man auch von ökonomischem Verhalten sprechen. Die Begriffe lassen sich synonym verwenden.
Zugegeben, Menschen handeln nicht immer rational. Mitunter hören wir auf unseren Bauch und lassen uns von Gefühlen leiten. Es ist dennoch lohnenswert, das Rationalverhalten eingehender zu beschreiben.
Sich ökonomisch verhalten bedeutet, ein vorgegebenes Ziel mit möglichst geringem Einsatz von Ressourcen zu erreichen. Dies ist das sogenannte Minimalprinzip – eine von zwei Ausprägungen des ökonomischen Prinzips. Alternativ lässt sich sagen, ökonomisches Verhalten äußert sich darin, mit den gegebenen Ressourcen einen möglichst hohen Zielerreichungsgrad zu realisieren – oder umgangssprachlich: aus der Situation das Beste zu machen. In dieser Version spricht man vom Maximalprinzip. Minimal- und Maximalprinzip sind zwei Seiten einer Medaille.
Ein einfaches Beispiel: Angenommen, Sie sind es leid, Ihre Fenster selbst zu putzen. Wenn Sie bereit sind, dafür zukünftig monatlich einen festen Betrag auszugeben und sich auf die Suche nach dem Fensterputzer machen, der für diesen Betrag – gemessen an der Zahl der geputzten Fenster – die beste Arbeit abliefert, dann folgen Sie dem Maximalprinzip. Suchen Sie umgekehrt nach dem Fensterputzer, der Ihre Fenster für das geringste Entgelt reinigt, käme das Minimalprinzip zur Anwendung.
Nicht gelingen wird es Ihnen, einen Fensterputzer zu finden, der möglichst viele Fenster für ein möglichst geringes Entgelt putzt. Eine solche Forderung wird Doppelmaximierung genannt. Auch wenn sie sich gut anhört, sie ergibt keinen Sinn: »Wir wollen das Beste zu den geringstmöglichen Kosten.«
Ein Mensch, der streng dem ökonomischen Prinzip folgt, heißt Homo oeconomicus. Die Mikroökonomik unterstellt dem Homo oeconomicus das Ziel der Nutzenmaximierung. Lässt sich das Ziel auf mehreren Wegen erreichen, dann wählt der Homo oeconomicus den mit den geringsten Kosten. Er geht den Weg des geringsten Widerstands. Den Nutzen seiner Mitmenschen hat er dabei nur insoweit im Blick, wie dies seinen eigenen Nutzen beeinflusst. Ist das der Fall, spricht man von interdependenten Nutzenfunktionen. Einfache mikroökonomische Modelle klammern solche Interdependenzen in der Regel aus. In ihnen spielt der Homo oeconomicus die Rolle eines reinen Opportunisten. Könnte er sicher sein, nicht erwischt zu werden, würde er an der Supermarktkasse nicht zahlen, in der Bahn schwarzfahren und bei seiner Steuererklärung betrügen. Er wägt Nutzen und Kosten eben kühl ab.
Daraus ergibt sich die spannende Frage, ob eine Wirtschaft, in der die Menschen nur ihren eigenen Vorteil suchen, ohne zentrale Steuerung funktionieren kann. Diese Frage hat sich bereits der Begründer der modernen Ökonomie, der Schotte Adam Smith (1723–1790), in seinem Hauptwerk »Der Wohlstand der Nationen« gestellt. Er kam zu der grundlegenden Erkenntnis, dass es dem Wohl der Gesellschaft mehr dient, wenn die Gesellschaftsmitglieder ihren eigenen Vorteil suchen, als wenn sie direkt darauf aus sind, das Gemeinwohl zu fördern. Stark vereinfacht steht dahinter ein simpler Gedanke: Ein Unternehmen, das seinen Profit maximieren will, erreicht sein Ziel umso eher, je attraktiver seine Produkte für die Konsumenten sind.
Der Homo oeconomicus besetzt in mikroökonomischen Modellen die Rolle des Wirtschaftssubjekts. Er ist ein zentrales Element der klassischen mikroökonomischen Methode, die ökonomische Probleme grundsätzlich mit dem gedanklichen Ansatz analysiert, alle beteiligten Wirtschaftssubjekte verhielten sich wie Homines oeconomici.
Die zentrale Grundannahme mikroökonomischer Modelle: Menschen verhalten sich im eigenen Interesse rational.
Der Homo oeconomicus teilt als Hauptdarsteller der ökonomischen Modelle das Schicksal vieler Schauspieler: Er steht in der Kritik. Vor allem in Zeiten der Krise, wenn die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht gerät, wenn Märkte vermeintlich verrücktspielen und Prognosen von gestern schon heute nicht mehr das Papier wert scheinen, auf dem sie gedruckt wurden, wird der Homo oeconomicus gerne verteufelt. Diese Kritik verkennt aber das Wesen und den Nutzen von Modellen: Erst die Annahme des Homo oeconomicus macht es möglich, Modelle zu nutzen, ein Modell, das die Welt realistisch abbildet, gibt es nicht – und es wäre auch nicht nützlich, denn es wäre ja die Realität selbst.
Ernster zu nehmen ist eine jüngere Kritik des Homo oeconomicus, die vor allem durch experimentelle Forschung und Fortschritte in der Gehirnforschung befördert wird. Ökonomische Modelle, die auf der Hypothese rationaler Entscheidungen von Individuen aufsetzen, haben nämlich zum Beispiel Schwierigkeiten zu erklären, warum Menschen anderen Menschen Geschenke machen, sich ehrenamtlich engagieren, bei schlechtem Wetter zur Wahl gehen, obwohl sie wissen, dass ihre Stimme nicht den Ausschlag gibt, oder Normen und Regeln befolgen, die sie einschränken, selbst wenn sie bei ihrer Nichtbeachtung keine Sanktionen befürchten müssen. Allerdings kann man, wenn man etwas nachdenkt, auch für dieses Verhalten oft recht vernünftige, also rationale Begründungen finden. Ihnen fallen bestimmt welche ein.
Ökonomen wird immer vorgeworfen, ihre Modelle seien realitätsfern, und das stimmt auch. Aber im positiven Sinne: Es ist gerade die Realitätsferne, die ein Modell so nützlich macht, denn ein Modell, das die Realität exakt nachbildet, ist – na, die Realität eben. Modelle werden oft dafür kritisiert, dass sie nichts mit »der Realität« zu tun hätten. Anstelle von Theorien möchten Menschen gern eine »realistische« oder »realitätsnahe« Erklärung haben. Das klingt überzeugend, ist es aber nicht. Warum?
Stellen Sie sich eine Straßenkarte im Maßstab 1:1 vor. Das ist »die Realität« – einmal abgesehen von Höhenunterschieden – abgebildet als »die Realität«. Und wie kommen Sie von A nach B mithilfe dieser Karte? Gar nicht. Ähnlich wie mit der Straßenkarte verhält es sich mit »realistischen« oder »realitätsnahen« Erklärungen für alle Arten von Phänomenen. So schräg das klingt: Es ist gerade die Realitätsferne, die ein Modell (und eine Straßenkarte) so nützlich macht, indem es alles ausblendet, was für das Erkenntnisziel unwichtig ist.
Modelle sollen helfen, die Komplexität der Realität so weit zu reduzieren, dass die wesentlichen Zusammenhänge erkennbar hervortreten. Mehr und strengere Annahmen machen die Modelle einfacher, zugleich nimmt aber die Realitätsferne zu. Dieses Dilemma lässt sich leider nicht auflösen. Ökonomische Prozesse sind häufig so komplex, dass kein Weg an restriktiven Annahmen vorbeiführt, möchte man die Prozesse verstehen können.
Im Unterschied zur Physik oder Chemie lassen sich in der Ökonomie Erkenntnisse in der Regel nicht mithilfe von Experimenten gewinnen. Auch wenn die experimentelle Forschung in der Mikroökonomik auf dem Vormarsch ist, verbieten sich Experimente meist aus Kostengründen. Es lässt sich wohl in Gedanken durchspielen, welche Auswirkungen eine Halbierung der Mineralölsteuer hätte, aber eben mal praktisch ausprobieren kann man das nicht.
Ökonomische Modelle sind Gedankenexperimente. Um Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge aufdecken zu können, werden dabei analog zu Laborexperimenten möglichst idealtypische Rahmenbedingungen hergestellt. Dies geschieht mithilfe der Ceteris-paribus-Annahme. Sie ist ein so regelmäßiges Element der Modelle, dass man meist darauf verzichtet, sie überhaupt zu erwähnen. »Ceteris paribus« meint so viel wie »alles Übrige gleich« oder »unter ansonsten unveränderten Umständen«. Soll zum Beispiel die Frage geklärt werden, wie der Preis von Margarine die Nachfrage nach Butter beeinflusst, dann werden alle weiteren denkbaren Einflüsse auf die nachgefragte Buttermenge wie die Höhe der Einkommen, die Zahl der Nachfrager und vor allem natürlich der Butterpreis in Gedanken konstant gehalten. Es hat sich die etwas gewöhnungsbedürftige Formulierung etabliert, dass »für sonstige Einflüsse kontrolliert wird«.
In der Wirklichkeit ist die Ceteris-paribus-Bedingung so gut wie nie erfüllt. Es wäre schon ein großer Zufall, würde sich einzig und allein der Preis von Margarine ändern, während alle anderen Einflüsse auf die Butternachfrage unverändert bleiben. Aber nur in diesem Fall könnte man sicher sein, dass eine beobachtete Änderung der Nachfrage nach Butter tatsächlich auf die Preisänderung bei Margarine zurückzuführen wäre. Aus diesem Grund ist die Überprüfung mikroökonomischer Hypothesen wie zum Beispiel der eines positiven Einflusses des Margarinepreises auf die Butternachfrage eine Wissenschaft für sich. Die Ökonometrie stellt mathematisch-statistische Verfahren bereit, mit deren Hilfe sich in empirischen Daten Einflüsse einzelner Variablen isolieren lassen, während sich zahlreiche Variablen gleichzeitig ändern. Sie hilft zum Beispiel bei der Messung, wie stark der direkte Einfluss von Bildung auf die individuellen Arbeitseinkommen ausgeprägt ist, die zugleich durch diverse andere Bestimmungsfaktoren mitbestimmt werden (Arbeitszeit, Fleiß, Leistungsbereitschaft, Art der Tätigkeit, Berufserfahrung, Geschlecht, Alter, Unternehmensgröße und so weiter).
Modelle können in verschiedener Art auftreten:
Verbal:
Die Modelle sind in Worte gefasst.
Analytisch:
Die Modelle werden durch mathematische Formeln beschrieben.
Grafisch:
Die Modelle werden mithilfe von Diagrammen dargestellt.
Als Beispiel soll uns ein einfaches Produktionsmodell dienen, das sich mehr oder weniger selbst erklärt.
»Mithilfe von vormontierten Rädern R werden Autos A hergestellt. Mit jeweils vier Rädern wird ein Auto produziert. Von weiteren Produktionsfaktoren wird abstrahiert.«
Abbildung 1.1: Eine Produktionsfunktion
Allen drei Modellen können Sie entnehmen, dass sich mit acht Rädern zwei Autos herstellen lassen. Besonders anschaulich ist das grafische Modell. Dafür hat das analytische Modell den Vorteil der einfacheren Konstruktion. Formel 1.1 schreibt sich viel schneller, als sich Abbildung 1.1 zeichnen lässt.
Die meisten Modelle sind Mischformen. Sie bestehen aus verbalen Erörterungen, Formeln und Diagrammen. Natürlich kommt es auch auf die Zielgruppe an. In Beiträgen, die in wissenschaftlichen Journals erscheinen, finden Sie eher weniger Diagramme als in Lehrbüchern. Sie werden sehen, dass Diagramme oft eine wertvolle Hilfe zum Verständnis bieten, wenn Sie die Modelle in diesem Buch studieren.
Das analytische wie das grafische Modell unterstellen aus Vereinfachungsgründen eine beliebige Teilbarkeit der Güter. Setzen Sie in Formel 1.1 für die Zahl der Räder R den Wert 10 ein, dann errechnen Sie eine Produktion von 2,5 Autos A. Das Ergebnis können Sie ebenfalls im Diagramm ablesen. Diese Teilbarkeitsannahme soll grundsätzlich gelten, auch wenn natürlich keine »halben Autos« produziert werden. Wären Autos A und Räder R in 1.000er-Einheiten gemessen, dann könnte man ablesen, dass mit 10.000 Rädern 2.500 Autos produziert würden. Das Unteilbarkeitsproblem läge dann nur vermeintlich vor.
Neben den grundlegenden Annahmen, dass sich Wirtschaftssubjekte rational entscheiden, dass die Analysen unter der Ceteris-paribus-Annahme durchgeführt werden und dass die Güter beliebig teilbar sind, bestehen die Modelle zudem aus:
abhängigen Variablen,
unabhängigen Variablen,
Daten,
Parametern und
Beziehungen zwischen diesen Größen.
Im Beispielmodell ist die Zahl der Räder R die unabhängige Variable. Der von ihr ausgehende Einfluss soll untersucht werden. Die Variable R ist sozusagen die Stellschraube im Modell, an der gedreht wird. Die Zahl der Autos A ist die abhängige Variable. Sie ist die Größe, die erklärt werden soll. Der Wert ¼, der in sich in der Formel findet und im Anstieg der Produktionsfunktion in Abbildung 1.1 widerspiegelt, ist in diesem Modell der einzige Parameter. Er kann sich zum Beispiel durch gesetzliche Vorschriften ändern. Schreibt die Regierung vor, dass Autos zukünftig nur noch mit Ersatzrad produziert werden dürfen, ändert sich der Anstieg der Produktionsfunktion von ¼ auf ⅕ – Sie benötigen dann fünf Räder je Auto.
Endogene Variablen sind solche, deren Werte sich im Modell ergeben, im Beispiel die Zahl der Autos. Exogene Variablen werden außerhalb des Modells bestimmt, im Beispiel die Zahl der Räder.
Als Beziehungen zwischen den Variablen kommen in erster Linie technische Gleichungen, Verhaltensgleichungen und Definitionsgleichungen infrage. Bei der Produktionsfunktion in Formel 1.1 handelt es sich – Sie haben es bereits geahnt – um eine technische Gleichung. Verhaltensgleichungen beschreiben Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte. Nachfragefunktionen, mit deren Hilfe dargestellt wird, welche Gütermengen Konsumenten zu alternativen Preisen erwerben möchten, fallen in diese Kategorie. Ein typisches Beispiel für eine Definitionsgleichung ist die Festlegung, dass die Kapitalintensität k als Kapitaleinsatz K pro Arbeitseinheit L berechnet wird: k = K/L. Diese Definition erlaubt zum Beispiel die Aussage, dass von zwei Betrieben jener kapitalintensiver produziert, der pro Arbeitskraft mehr Kapital einsetzt.
Während sich die Mikroökonomik mit den Entscheidungen einzelner Wirtschaftssubjekte beschäftigt, hat die Makroökonomik gesamtwirtschaftliche Phänomene im Auge. Ihr Gegenstand sind volkswirtschaftliche Gesamtgrößen, sogenannte Aggregate, und mit ihnen verbundene Kennzahlen wie zum Beispiel das Bruttoinlandsprodukt, die Zahl der Erwerbstätigen, die Arbeitslosenquote, die Geldmenge, der gesamtwirtschaftliche Konsum und weitere Größen, die sich auf die »Wirtschaft als Ganze« beziehen.
Ein einfaches Beispiel macht den Unterschied zwischen mikro- und makroökonomischer Analyse deutlich: Wie viel Sie in diesem Jahr sparen, ist eine individuelle Entscheidung und fällt damit in den Bereich der Mikroökonomik. Gesamtwirtschaftlich betrachtet sind Sie ein Sparer unter Millionen anderen. Die Summe der individuellen Sparanstrengungen aller Wirtschaftssubjekte ergibt das volkswirtschaftliche Aggregat »Sparen«. Die individuellen Beträge werden also über alle Personen aggregiert. Mit dem Aggregat beschäftigen sich die Makroökonomen.
Stellen Sie sich vor, Sie fassen am Silvesterabend den festen Vorsatz, im nächsten Jahr mehr zu sparen als in diesem. Solange keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten und Sie willensstark genug sind, werden Sie Ihren Vorsatz in die Tat umsetzen können. Ceteris paribus gilt: Wenn Sie mehr sparen, steigt das gesamtwirtschaftliche Sparen an.
Was aber wird makroökonomisch passieren, wenn große Teile der Bevölkerung den gleichen Vorsatz fassen wie Sie und ihre Sparanstrengungen erhöhen? In diesem Fall hat das Sparen volkswirtschaftliche Aus- und Rückwirkungen. Wenn Sie allein mehr sparen, ist das aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Erhöhen die Menschen ihre Sparanstrengungen aber auf breiter Front, sinkt die Nachfrage nach Konsumgütern. Unternehmen, die Konsumgüter herstellen, werden ihre Produktion zurückfahren. Unter Umständen werden sie auch weniger investieren. Vielleicht kommt es zu Kurzarbeit und Entlassungen.
Wenn mit rückläufiger Beschäftigung die Einkommen sinken, werden Sparanstrengungen aber zunehmend schwieriger. Aufgrund der makroökonomischen Rückwirkungen können die Menschen ihr Sparziel nicht mehr erreichen.
Das mikroökonomische Ergebnis dürfen Sie also nicht ohne Weiteres auf die Makroökonomik hochrechnen. Im Gegenteil: Wenn die Sparanstrengungen in der Bevölkerung zunehmen, kann das gesamtwirtschaftliche Sparen in der Folge sinken. Dieses scheinbar in sich widersprüchliche Ergebnis heißt in der Literatur Sparparadox.
Die Mikroökonomik bildet in gewisser Hinsicht so etwas wie das Fundament der Makroökonomik. Allerdings ist es den Ökonomen bis heute nicht gelungen, auf diesem Fundament ein gemeinsames Theoriegebäude zu errichten, das in allen seinen Flügeln die gleiche Architektur zeigt. Es ist vielmehr so, dass sich unter dem Dach der Volkswirtschaftslehre verschiedene Denkschulen tummeln, die ihren eigenen Stil pflegen, was die Makroökonomik betrifft. Bei mikroökonomischen Fragestellungen herrscht unter den Ökonomen größere Einigkeit.
Mitunter ist die Trennung zwischen Mikro- und Makroökonomik nicht einfach. Dass mehrere Wirtschaftssubjekte oder Gruppen involviert sind, ist für sich genommen noch kein hinreichendes Indiz für eine makroökonomische Fragestellung. Auch die Mikroökonomik untersucht das Zusammenwirken individueller Entscheidungen. Sie ist keineswegs auf die Analyse isolierter individueller Entscheidungen beschränkt.
Eine scharfe Trennlinie zwischen Mikro- und Makroökonomik existiert nicht. So lassen sich zum Beispiel die Wirkungen von Steuern und Subventionen sowohl mikro- als auch makroökonomisch analysieren. In der Mikroökonomik stünde die Frage im Vordergrund, wie diese staatlichen Maßnahmen einzelne Märkte beeinflussen, in der Makroökonomik, wie sie sich auf die volkswirtschaftlichen Aggregate, zum Beispiel die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung, auswirken.
