Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Dr. Daniel ist eine echte Erfolgsserie. Sie vereint medizinisch hochaktuelle Fälle und menschliche Schicksale, die uns zutiefst bewegen – und einen Arzt, den man sich in seiner Güte und Herzlichkeit zum Freund wünscht. Die Sprechstunde in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Robert Daniel und seinem Sohn Stefan war fast zu Ende, als es noch einmal klingelte. Die junge Empfangsdame Gabi Meindl drückte auf den Türöffner, dann erschrak sie zutiefst, denn die eintretende junge Frau war kalkweiß im Gesicht. »Frau Klein, ist Ihnen nicht gut?« fragte Gabi besorgt und kam der Patientin ein paar Schritte entgegen, um sie fürsorglich zu stützen. Andrea Klein nickte. »Mir ist schon den ganzen Tag so übel gewesen.« Bedauernd sah sie Gabi an. »Ansonsten wäre ich nie ohne Termin hereingeschneit.« »Das macht doch überhaupt nichts«, versicherte Gabi, obwohl sie sonst auf unangemeldete Patientinnen eher sauer reagierte. In diesem Fall aber überwog ihr Mitgefühl mit der jungen Frau, die ganz offensichtlich krank war. Vielleicht ein Magen-Darm-Virus oder etwas in dieser Art. Sie begleitete Andrea zu einem der beiden Stühle, die auf dem Flur standen. »Warten Sie hier«, bat Gabi. »Der junge Dr. Daniel wird Sie gleich als nächstes drannehmen.« Andrea schüttelte den Kopf. »Ich glaube, es handelt sich eher um ein gynäkologisches Problem.« »Ach so«, erwiderte Gabi achselzuckend. »Ist eigentlich egal. Auch bei Dr. Daniel kann ich Sie einfach dazwischenschieben.« Mittlerweile hatte die junge Sprechstundenhilfe Sarina von Gehrau mitbekommen, daß es einen Notfall gab. Rasch betrat sie das Sprechzimmer und legte die Karteikarte auf den Schreibtisch, dann ging sie durch die Zwischentür in den Untersuchungsraum, wo Dr. Daniel gerade mit einer Patientin beschäftigt war. Als er Sarina in der geöffneten Tür bemerkte, entschuldigte er sich für einen Moment und trat zu ihr. »Frau Klein ist gerade gekommen«, sagte Sarina so
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2017
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Die Sprechstunde in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Robert Daniel und seinem Sohn Stefan war fast zu Ende, als es noch einmal klingelte. Die junge Empfangsdame Gabi Meindl drückte auf den Türöffner, dann erschrak sie zutiefst, denn die eintretende junge Frau war kalkweiß im Gesicht.
»Frau Klein, ist Ihnen nicht gut?« fragte Gabi besorgt und kam der Patientin ein paar Schritte entgegen, um sie fürsorglich zu stützen.
Andrea Klein nickte. »Mir ist schon den ganzen Tag so übel gewesen.« Bedauernd sah sie Gabi an. »Ansonsten wäre ich nie ohne Termin hereingeschneit.«
»Das macht doch überhaupt nichts«, versicherte Gabi, obwohl sie sonst auf unangemeldete Patientinnen eher sauer reagierte. In diesem Fall aber überwog ihr Mitgefühl mit der jungen Frau, die ganz offensichtlich krank war. Vielleicht ein Magen-Darm-Virus oder etwas in dieser Art.
Sie begleitete Andrea zu einem der beiden Stühle, die auf dem Flur standen.
»Warten Sie hier«, bat Gabi. »Der junge Dr. Daniel wird Sie gleich als nächstes drannehmen.«
Andrea schüttelte den Kopf. »Ich glaube, es handelt sich eher um ein gynäkologisches Problem.«
»Ach so«, erwiderte Gabi achselzuckend. »Ist eigentlich egal. Auch bei Dr. Daniel kann ich Sie einfach dazwischenschieben.«
Mittlerweile hatte die junge Sprechstundenhilfe Sarina von Gehrau mitbekommen, daß es einen Notfall gab. Rasch betrat sie das Sprechzimmer und legte die Karteikarte auf den Schreibtisch, dann ging sie durch die Zwischentür in den Untersuchungsraum, wo Dr. Daniel gerade mit einer Patientin beschäftigt war. Als er Sarina in der geöffneten Tür bemerkte, entschuldigte er sich für einen Moment und trat zu ihr.
»Frau Klein ist gerade gekommen«, sagte Sarina so leise, daß nur ihr Chef es hören konnte. »Sie ist ganz blaß.«
Dr. Daniel nickte. »Ich bin hier gleich fertig. Bringen Sie Frau Klein schon mal ins Sprechzimmer.«
Er entschuldigte sich bei der wartenden Patientin noch einmal für die Unterbrechung und setzte die Untersuchung fort, besprach anschließend noch das Ergebnis mit der jungen Frau und verabschiedete sich schließlich von ihr. Dann trat er durch die Zwischentür ins Sprechzimmer. Er erschrak sichtlich, als er Andrea erblickte.
»Frau Klein, Sie sehen ja ganz entsetzlich aus, wenn ich das so sagen darf.«
Andrea brachte ein gequältes Lächeln zustande. »Wenn Sie kein Arzt wären, würde ich Ihnen dieses zweifelhafte Kompliment übelnehmen.« Sie seufzte tief auf. »Ich fühle mich auch ganz entsetzlich, Herr Doktor. Dazu kommt, daß meine Tage überfällig sind. Wenn ich nicht genau wüßte, daß es völlig unmöglich ist, würde ich sagen, ich bin schwanger.«
Dr. Daniel runzelte nachdenklich die Stirn. »Ihr Mann hat sich damals in der Waldsee-Klinik sterilisieren lassen. Das müßte jetzt ungefähr zwei Jahre her sein.«
»Ihr Gedächtnis ist wirklich fabelhaft«, urteilte Andrea anerkennend. »Wir haben uns zu jener Zeit für diesen endgültigen Schritt entschieden, weil ich die Pille doch so schlecht vertragen habe. Und bei meinem unregelmäßigen Zyklus war uns die natürliche Familienplanung eine zu riskante Verhütungsmethode. Die Spirale war wegen meiner ohnehin schon starken Monatsblutung auch kein Thema, und mit fünf Kindern sind wir ja wirklich reichlich bedient…« Sie zuckte die Schultern. »Der Sterilisation war für uns der beste Weg. Wir sind bisher auch sehr gut damit gefahren.«
Dr. Daniel nickte. Er kannte die Geschichte von Andrea und Alexander Klein. Mittlerweile war es fast zehn Jahre her, daß Andreas erster Mann buchstäblich bei Nacht und Nebel verschwunden war und sie mit zwei kleinen Kindern alleingelassen hatte. Sabine war damals gerade zwei Jahre alt gewesen und Benno noch ein Baby.
Erst Jahre später war Andrea das Glück wieder hold gewesen. Sie hatte den verwitweten Alexander kennengelernt, der zu jener Zeit allerdings auch Vater von zwei lebhaften Jungs gewesen war. Obwohl sie sich durch die Hochzeit inzwischen in eine Großfamilie verwandelt hatten, war es für beide kein Thema gewesen, als sich überraschenderweise noch ein weiteres Kind angesagt hatte. Nach der Geburt der kleinen Christina hatte sich Alexander sterilisieren lassen.
»Seit wann ist ihre Regel überfällig?« wollte Dr. Daniel nun wissen.
»Na ja, so genau kann ich das immer nicht sagen«, erwiderte Andrea. »Ich habe ja meistens einen Dreißig- bis Fünfunddreißig-Tage-Zyklus, aber wenn ich davon ausgehe, sind es doch immerhin schon sechs Tage. Dazu die morgendliche Übelkeit… es ist genauso wie damals, als ich mit Sabine, Benno und Christina schwanger war.«
Entschlossen stand Dr. Daniel auf. »Das werden wir gleich ganz genau wissen. Kommen Sie, Frau Klein, meine Sprechstundenhilfe wird einen Schwangerschaftstest vornehmen.«
Das Ergebnis lag schon wenige Minuten später vor. Positiv!
»Meine Güte, wie kann so etwas nur passieren?« fragte Andrea erschüttert. »Alex ist doch sterilisiert, und wir dachten beide, das wäre die sicherste Verhütungsmethode.«
»Die Sterilisation des Mannes weist schon eine gewisse Versagerquote auf«, entgegnete Dr. Daniel. »Wenn die durchtrennten Samenstränge beim Eingriff nicht nach hinten umgebunden werden, können Sie wieder zusammenwachsen und Samenfäden durchlassen.«
Er sah die Karteikarte an, die er vor sich liegen hatte, obwohl die dortigen Eintragungen nur Andrea, nicht aber ihren Mann Alexander betrafen. Trotzdem weilten Dr. Daniels Gedanken nun bei dem jungen Mann, der sich einst in der Waldsee-Klinik hatte sterilisieren lassen. Der Chefarzt Dr. Gerrit Scheibler, der vor wenigen Monaten beim Klinikbrand ums Leben gekommen war, hatte den Eingriff damals durchgeführt. Aus diesem Grund hielt Dr. Daniel bei Alexander Klein ein Zusammenwachsen der Samenstränge für äußerst unwahrscheinlich. Dem einstigen Chefarzt der Waldsee-Klinik wäre ein solcher Fehler niemals unterlaufen.
Tatsache war, daß Andrea schwanger war, und angesichts der offenkundig glücklichen Ehe, die sie mit Alexander führte, konnte sich Dr. Daniel eben auch einen Seitensprung nur schwer vorstellen.
»Es läßt sich im Grunde leicht feststellen, ob Ihr Mann – unter welchen Umständen auch immer – wieder zeugungsfähig geworden ist«, fuhr Dr. Daniel fort. »Man müßte nur sein Sperma auf eventuell vorhandene Samenfäden untersuchen.« Er schwieg kurz. »Da die Waldsee-Klinik abgebrannt ist und weder ich noch mein Sohn, der im anderen Teil dieser Praxis als Allgemeinmediziner arbeitet, die nötige Einrichtung für eine derartige Untersuchung haben, müßte sich Ihr Mann ans Kreiskrankenhaus wenden.«
Andrea nickte. »Ich werde es ihm sagen.« Sie seufzte. »Meine Güte, wie wird er nur reagieren, wenn er erfährt…« Mit einer fahrigen Handbewegung strich sie sich über die Stirn. »Ein Baby… gerade jetzt. Vor einem halben Jahr haben wir das Dachgeschoß von Alex’ Haus ausgebaut, damit die Kinder endlich eigene Zimmer haben. Abgesehen von Christina sind sie ja alle in einem Alter, wo sie eben Freiräume brauchen. Finanziell war das auch nicht gerade eine Leichtigkeit für uns, aber es ging, weil Alex vieles selbst gemacht hat. »Wieder seufzte sie. »Alex wird durchdrehen, wenn er erfährt, daß ich wieder ein Baby bekomme – noch dazu eines, das nicht geplant war… mit dem wir überhaupt nicht gerechnet haben.«
Behutsam legte Dr. Daniel eine Hand auf die ihre. »Sie stehen erst am Anfang Ihrer Schwangerschaft, Frau Klein, Sie haben also genügend Zeit, um sich alles zu überlegen und entsprechend zu planen. Immerhin war Christina damals ja auch nicht geplant.« Er schwieg kurz. »Wenn Sie und Ihr Mann allerdings überhaupt keine andere Lösung sehen, dann würde Ihnen immer noch die Freigabe zur Adoption bleiben. Ein solcher Schritt mag zwar reiflich überlegt sein, aber meiner Meinung nach ist dieser Weg für das Kind immer noch besser, als wenn es ständig spüren muß, daß es im Grunde nur ein Verkehrsunfall war… daß man es sich nicht wirklich gewünscht hatte.«
Andrea nickte zögernd. »So gesehen haben Sie wohl recht, Herr Doktor. Andererseits…« Sie brachte ein kaum sichtbares Lächeln zustande. »Vermutlich wird sich das Problem von selbst lösen, weil ich mein Baby nach neun Monaten Schwangerschaft und der Geburt wohl gar nicht mehr hergeben will.« Sie zuckte die Schultern. »Irgendwie wird es schon gehen.«
*
Alexander Klein hatte das Gartentor seines Einfamilienhauses noch nicht ganz erreicht, als ihm bereits der fetzige Sound von Michael Jackson entgegendröhnte.
»Da soll mich doch gleich…« knurrte Alexander verärgert, schloß die Haustür auf und lief die Treppe zum neu aufgebauten Dachgeschoß hinauf. Als er die erste Tür auf der rechten Seite öffnete, sah er seinen dreizehnjährigen Sohn Udo, der mit verklärtem Blick über einem Buch hing und im Michael-Jackson-Rhythmus vor sich hin wippte.
»Udo! Das hier ist keine Diskothek!« brüllte Alexander, doch sein Sohn hörte ihn überhaupt nicht.
Alexander schraubte seine Stimme noch ein paar Phon höher. »Udo!«
Jetzt blickte sein Sohn endlich auf – ein ausgesprochen hübscher Junge mit blonden Locken und blauen Augen. Ein fröhliches Lächeln glitt über sein Gesicht.
»Hallo, Papa!« brüllte er durch den Lärm zurück.
»Könntest du die Musik vielleicht ein bißchen leiser drehen!« bat Alexander.
»Was hast du gesagt? Ich verstehe dich nicht! Die Musik ist so laut!«
Alexander sah ein, daß eine weitere Diskussion zwecklos war. Kurzerhand trat er zum CD-Player und schaltete ihn ab. Die Stille legte sich fast geisterhaft über den Raum.
»Ein irrer Sound, was?« meinte Udo und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
Alexander schüttelte den Kopf. Er wußte nicht, was seinem Sohn an dieser Art Musik gefiel, deshalb sparte er sich jeglichen Kommentar und fragte nur: »Sag mal, Junge, hörst du schlecht? Warum mußt du dieses Ding eigentlich immer auf volle Lautstärke drehen?«
»Bleib cool, Papa«, entgegnete Udo gelassen. »Michael Jackson kann man nun mal nicht leise hören. Das würde das ganze Feeling verändern.«
»Na ja, wenn das so ist…« Alexander seufzte leise. »Aber vielleicht kannst du dieses Feeling ausschließlich dann genießen, wenn ich aus dem Haus bin und Mutti mit Christina spazierengeht.«
»Geht klar, Papa«, stimmte Udo bereitwillig zu, schränkte dann jedoch ein. »Wenn ich die CD jetzt noch zu Ende hören darf.« Er grinste entwaffnend. »Weißt du, ich bin mit Mathe noch nicht ganz fertig. Und Mathe ohne Michael Jackson ödet einfach an.«
Es war für Alexander zwar unvorstellbar, wie man bei solcher Musik überhaupt konzentriert arbeiten konnte, aber Udos ausgezeichnete Noten bewiesen, daß es irgendwie möglich war.
»Wie lange dauert der Krach noch?« fragte er.
»Höchstens eine Viertelstunde«, versprach Udo.
Alexander nickte ergeben. »Das werde ich wohl gerade noch aushalten. Wo sind Norbert, Sabine und Benno?«
»Biene arbeitet an ihrem Deutsch-Referat und die Jungs sind im Wohnzimmer. Schauen sich irgendeinen abgeschlafften Western an.«
Alexander fragte sich, ob sein Sohn schon immer so geredet hatte, fand jedoch keine Antwort darauf.
»Mutti wird noch mit Christina unterwegs sein, oder?« wollte Alexander wissen. Normalerweise war seine Frau zwar immer zu Hause, wenn er aus dem Büro kam, doch Andrea hätte Udos Krachmusik sicher nicht geduldet, wenn sie hiergewesen wäre.
Udo schüttelte den Kopf. »Mutti hat Tinchen zu Tante Monika gebracht, weil sie dringend zum Arzt mußte.«
Besorgt runzelte Alexander die Stirn. »Sie ist beim Arzt? Seltsam, sie hat mir gar nicht gesagt, daß sie einen Termin hat.«
»Hatte sie wohl auch nicht«, meinte Udo. »Mutti hat heute ein paarmal gespuckt. Vielleicht hat sie was Falsches gegessen oder sie hat sich eine Darmgrippe eingefangen.«
Alexander nickte zwar, doch die Sorge blieb. Nachdenklich ging er zur Tür. Dort blickte er noch einmal zurück.
»Also, dann schalte deinen Mathe-Jackson wieder ein«, meinte er. »Aber nach Möglichkeit wirklich nicht länger als eine Viertelstunde.«
»Ist gebongt«, erwiderte Udo lässig.
Noch während Alexander die Tür hinter sich schloß, jaulte drinnen schon wieder Michael Jackson auf. Alexander lief gehetzt die Treppe hinunter und fand Norbert und Benno im Wohnzimmer – wie Udo gesagt hatte. Beide lagen bäuchlings vor dem Fernsehapparat und schauten fasziniert zu, wie sich johlende Indianer und unrasierte Cowboys gegenseitig von den Pferden schossen.
»Kann man den Apparat abschalten?« fragte Alexander.
»Nein!« kam einstimmig die Antwort. Zu mehr ließen sich seine beiden Söhne nicht hinreißen.
Alexander öffnete bereits den Mund, um zu fragen, wie lange der Western dauern würde, überlegte es sich aber anders und warf einen Blick in die Programmzeitung. Noch zehn Minuten. Das war akzeptabel.
In diesem Moment hörte er die Wohnungstür ins Schloß fallen und gleich darauf Christinas helles Stimmchen. Rasch trat Alexander auf den Flur.
»Liebling, wie fühlst du dich?« fragte er besorgt, obwohl Andreas blassem Gesicht auch so anzusehen war, daß es mit ihrer Gesundheit nicht zum besten stand.
Jetzt stellte sie die kleine Christina auf den Boden und lehnte sich für einen Moment an ihren Mann.
»Nicht besonders«, gestand sie.
Christina war währenddessen schon ins Wohnzimmer getapst und warf mit lautem Krach den Bauklötzchenturm um, den Andrea heute nachmittag mühevoll für sie gebaut hatte. Strahlend blickte sie sich um, als erwarte sie, Applaus zu ernten.
»Bau was Schönes, Schätzchen«, bat Andrea geistesabwesend, während sie sich von Alexander zum Sofa begleiten ließ.
»Was hat der Arzt gesagt?« wollte ihr Mann wissen.
Andrea seufzte. »Das erzähle ich dir später, Alex.«
Diese Worte waren nicht unbedingt dazu angetan, den jungen Mann zu beruhigen.
»Etwas Ernstes?« hakte er sofort nach.
»Nicht in dem Sinne, wie du es jetzt denkst«, erwiderte Andrea. »Ich habe keine schlimme Krankheit oder so, aber… na ja, es reicht jedenfalls.«
»Klingt nicht gerade beruhigend«, meinte Alexander, zögerte noch einen Moment und ging dann in die Küche, um das Abendessen herzurichten. Als hätten sie es gerochen, trudelten nacheinander Benno, Norbert, Sabine und schließlich auch Udo ein. Alexander, dem die Sorge um seine Frau keine Ruhe ließ, versuchte sich abzulenken.
»Ich will euch nicht kritisieren«, meinte er, während die Kinder um den großen runden Tisch Platz nahmen, »aber es wäre schön, von euch zumindest begrüßt zu werden, wenn ich aus dem Büro komme.«
»Ich habe doch ›Hallo Papa‹ gesagt«, verwahrte sich Udo gegen den Vorwurf.
»Ach, Papa, eine förmliche Begrüßung ist total out«, belehrte sein elfjähriger Sohn Norbert ihn. »Dieses ganze Händeschütteln und Herumgeküsse ist enorm unhygienisch. Weißt du, wie viele Bazillen freigesetzt werden, wenn man sich…«
Abwehrend hob Alexander beide Hände. »Schon gut. Es war ja nur so ein Gedanke von mir.« Sein besorgter Blick wanderte durch die offenstehende Tür zum Wohnzimmer, wo sich Andrea inzwischen auf dem Sofa ausgestreckt hatte, dann holte er die kleine Christina und nahm sie auf den Schoß.
