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Die Kunst mit der Kunst - Eine Meditation über Kunst und Leben Was ist wohl die erste Erinnerung eines Menschen? Was ist Kunst? Gibt es eine Ordnung, ein Gesetz oder eine Anweisung, die vorschreibt, wie die Auseinandersetzung mit Kunstobjekten funktioniert?
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Seitenzahl: 26
Veröffentlichungsjahr: 2020
Einleitung
Kapitel 1: Was ist Kunst
Kapitel 2: Die Gebrauchsanleitung für Kunst
Kapitel 3: Der Wert und die Bedeutung von Kunst
Kapitel 4: Vom Umgang mit der Kunst
Über den Autor
Was ist wohl die erste Erinnerung eines Menschen? Es muss etwas sein, was zwar im innersten seiner Gefühle und Empfindungen nachschwingt, jedoch nicht zu seinen bewussten Erlebnissen gehört.
Bewusste Erlebnisse gehören zum Menschen ab dem Moment, in dem das Bewusstsein seine Arbeit aufnahm. Das Bewusstsein benötigt funktionstüchtige Sinne, um Erfahrungen aufzunehmen und speichern zu können. Erst wenn etwas ergriffen, ertastet, erfühlt, gesehen, gehört, geschmeckt, gerochen wird, erst wenn etwas in uns durch unsere Sinne aufgenommen wird, können wir es erfahren, erleben - und, letztendlich auch erinnern.
Erinnerungen können die Nachklänge, die Schatten dieser Sinneseindrücke sein. Es können aber auch in Worte gefasste Gedanken sein. Bilder, Geräusche, Formen, Temperaturempfindungen oder auch Gerüche können sich zu Erinnerungen zusammenfügen und in unserem Gedächtnis ablegen, speichern und aus diesem auch wieder abgerufen werden, erinnern. Dabei wird unterschieden in bewussten und unterbewussten Erinnerungen. Jene Eindrücke, die wir in Worte fassen, mitteilen und erklären können - obgleich wir sie ebenso empfinden. Es gibt das bekannte und das unbekannte, das gewohnte, vertraute und das neue, fremde. Aber was ist wohl die allererste Empfindung in dieser stetig wachsenden Sammlung von erlebtem, gelebtem?
Was ist wohl die früheste, die Ur-Erinnerung? Am Anfang des Lebens steht die Geborgenheit im Mutterleib. Ein Raum, der nicht eng, nicht weit ist, sondern komplett erfüllt und fühlbar ist. Es gibt keine Nähe und keine Ferne, denn alles ist nah. Es gibt keine Trennung oder Einsamkeit, denn alles ist eine Einheit. Es gibt keine Kälte oder Hitze, denn die Temperatur in der Gebärmutter gibt es als derartige Wahrnehmung nicht - es fehlt der Gegensatz, der Kontrast. Wenn es zur alles umgebenen Temperatur keine Alternative gibt, dann gibt es nur eine Temperatur, ein Klima. Ohne das Kalte gibt es kein Warmes und ohne warmes kein kaltes. Und ohne Unterscheidungen gibt es nicht mehreres, sondern immer nur eins. Ohne Enge gibt es keine Weite, ohne Weite keine Enge. Es ist alles nah, alles eins.
Die Geborgenheit, das Empfinden einer Harmonie, von der auch der umgebene, ungeborene Mensch ein Teil ist, ist diese Ur-Erinnerung.
Eine Erfahrung, weder bewusst, noch unbewusst - eher: unterbewusst. Es bleibt Teil des Menschen auch nach der Geburt; sie bleibt Erinnerung. Eine Sehnsucht nach einem einfachen Zustand, in dem es keine komplizierten Gegensätze, keine Extreme, nichts fremdes oder ungewöhnliches gibt. Ein Zustand, in dem sich alles zusammenfügt, alles zusammen passt, alles zusammen gehört.
Erst die Geburt endet diesen Zustand und erschuf dadurch eine neue Definition. Mit der Geburt kommt eine Flut neuer Erfahrungen und Eindrücke, die diese Ur-Erinnerung kontinuierlich verdrängen. Es entstehen neue Erinnerungen. Die Erinnerung an Schmerzen, an Trennung, an Kälte, an Atmung.
