Mit Biss und Ausdauer! - Martina Haas - E-Book

Mit Biss und Ausdauer! E-Book

Martina Haas

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Beschreibung

Das Buch erzählt die unglaubliche Geschichte, wie sich leidenschaftlicher Einsatz für eine Idee, die die Welt verändert und zu einer besseren macht, lohnt - auch finanziell. Es ist eine Produkt-, eine Unternehmens- und eine Innovationsgeschichte. Im Mittelpunkt stehen die DENTTABS-Zahnputztabletten und der Mann dahinter: Axel Kaiser, Unternehmer, gelernter Automechaniker, Visionär und Gewinner des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Design 2021. Durch Umstellung der Verpackung auf eine kompostierbare Tüte wurden die DENTTABS- Zahnputztabletten - befeuert durch die Unverpackt- und Plastikfrei-Bewegung - nach langem Mauerblümchendasein, vielen Rückschlägen und heftigen Diskussionen um das Aufgeben ab Februar 2019 zum Shooting-Star in der Zahnpflege. Das Erfolgsrezept: Ausdauer und unendliche Beharrlichkeit über fast 15 Jahre. Mit enthalten sind Interviews mit Wegbegleitern, Kunden, Dienstleistern und Multiplikatoren.  Inhalte: - Von den Anfängen der Denttabs - Über Finanzierung, Marketing und Medien - Game-Changer: Unverpackt und plastikfrei - Nachhaltigkeit zählt - Erfolgsgeheimnisse: Werte, Prinzipien, Vorbilder und Mentoren, Mindset und Vision

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Seitenzahl: 254

Veröffentlichungsjahr: 2021

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[5]Inhaltsverzeichnis

Hinweis zum UrheberrechtImpressumVorwort von Prof. Dr. Michael BraungartEinführungMehr als eine ProduktgeschichteLeseanleitungEin persönlicher ErfahrungsberichtTEIL 1: Die Anfänge: Erfolg hat viele Mütter und Väter1 Die Anfänge1.1 Quereinsteiger mit Fantasie und Mut1.1.1 Mission erfüllt – doch war’s das schon?1.2 Der Mann mit der Pille für die Zähne1.2.1 Die magische 71.2.2 Falsche Gewohnheiten – Die Herausforderung schlechthin2 Die Hauptperson: Die Pille2.1 Die KopfgeburtInterview mit Prof. Peter Gängler2.2 Der erste FrontmannInterview mit Dr. Hendrik Eifler2.3 Der erste Denttabs-Produzent: Vom unhandlichen Granulat zur praktischen Denttabs-ZahnputztabletteInterview mit Burghard Burczyk-Adelsberger3 Nur die Harten kommen in den Garten – Der Selbsttest bei »brand eins«4 Blut ist dicker als Wasser4.1 Familienbande – Sie lieben und sie hassen sichInterview mit Matthias Kaiser, Geschäftsführer proDentum®4.2 Der bekennende Vater und seine TochterInterview mit Emily Kaiser5 Money, Money, Money – Der Unternehmer, die Banken und andere Finanziers5.1 Banken – Fluch und SegenInterview mit Holger Kieser, Berliner Sparkasse5.2 Nichts unversucht lassen: Rein in die Höhle der Löwen6 Die Kunden-Lounge6.1 Kunden – befreundete Kunden – FansDie ersten GroßkundenInterview mit Pia Resch, BIO COMPANY6.2 Kundenbeziehungen aus Denttabs-Sicht6.3 Axel Kaiser als Kunde7 Denttabs, das frühe Marketing und die Medien7.1 Frühes Marketing à la Denttabs7.2 Allzeit bereit – Denttabs in den MedienTEIL 2: Game-Changer: Unverpackt und plastikfrei1 Verpackung zwischen Sinn und Unsinn1.1 Die Verpackung – Dein Freund und Helfer1.2 Denttabs und die Entwicklung der Verpackung2 Unverpackt – ein neuer Hype?Interview mit Milena Glimbovski3 Aller guten Dinge sind drei: Plastikdose – verpackungsfrei – plastikfrei3.1 Plastik ist das neue Rauchen3.2 Die Denttabs-Tüte – Von »Kommt nicht in die Tüte« zum Star3.3 Timing ist allesInterview mit Jürgen Müller, geschäftsführender Gesellschafter jura-plast GmbHTEIL 3: Nachhaltigkeitslounge: Nachhaltigkeit ist der King1 Das Beste zuerst – Nachhaltigkeit wird belohnt1.1 Endlich auf dem Siegerpodest beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis1.2 Die Laudatio2 Nachhaltigkeit erfordert Bewusstsein3 Ursprung des Nachhaltigkeitsgedankens4 Nachhaltigkeit, Globalisierung und Ethik4.1 Nachhaltigkeit global betrachtet4.2 Nachhaltigkeit in Deutschland4.3 Deutscher Nachhaltigkeitskodex5 Nachhaltigkeit in der Wirtschaft5.1 Wege von Unternehmen zur Nachhaltigkeit5.2 Nachhaltigkeitsansätze5.3 Nachhaltigkeit beim Denttabs-Großkunden dm-drogerie marktInterview mit Dagmar Glatz5.4 Nachhaltigkeit bei Denttabs im Unternehmensalltag5.5 Noch mehr Nachhaltigkeit durch die umweltfreundliche Bambus-ZahnbürsteTEIL 4: Erfolgsgeheimnisse1 WERTE als Fundament2 Einzelne Werte im Fokus2.1 Verantwortung2.2 Leistung2.3 Qualität2.4 Erfolg2.5 Wachstum3 Prinzipien4 Vorbilder und Mentoren5 Innovationslounge 5.1 Was ist Innovation?5.2 Innovationskompetenz5.3 Innovationsverständnis von Denttabs 5.4 Innovationsfördernde Eigenschaften6 Mindset und Ansporn6.1 Fünfzehn Eigenschaften erfolgreicher Menschen6.2 Der Blick hinter die Kulissen: Was macht Axel Kaiser aus?6.3 Ansporn7 Vision, Überzeugung, Beharrlichkeit7.1 Ambitionierte und Unternehmer auf dem Weg zu neuen Geschäftsfeldern7.2 Habe eine Vision – oder geht’s auch ohne?7.3 Dank Zufall zur Vision7.4 Starte als Ignorant, doch lerne dazu7.5 Überzeugungstäter haben mehr Erfolg als andere8 Überzeugung ohne Überzeugungskraft ist ein zahnloser Tiger9 Sei beharrlich, doch reite kein totes Pferd9.1 Vom Nutzen und von der Grenze der Beharrlichkeit9.2 Geht die Extrameile, es lohnt10 Unternehmerlounge 10.1 Unternehmertum – Fluch und Segen10.2 Die Meilensteine der Denttabs-Entwicklung10.3 Networking- und Fan-Lounge10.4 Man begegnet sich im Leben immer zwei Mal: Die neuen alten Mitstreiter10.5 Der MitgeschäftsführerInterview mit Dr. Martin Neubauer10.6 Vom ersten Marketing-Support zur strategischen GeschäftsentwicklungInterview Jan Holtfreter 10.7 Gemeinsinn leben durch Verbandsarbeit Interview mit Katharina Reuter10.8 Feine Fans – Mit Denttabs einmal um die Welt10.9 Axel Kaiser und seine feinen NetzwerkeTEIL 5: Rückblick braucht AusblickNachwortDank der AutorinZeittafelAnhang – BegriffeQuellenDie Autorin
[1]

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Martina Haas

Mit Biss und Ausdauer!

1. Auflage, Januar 2022

© 2021 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

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Bildnachweis (Cover): © Stoffers Grafik-Design

Bildnachweis (Rückseite): © Autorinnenfoto: Agentur Baganz

Produktmanagement: Bettina Noé

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[11]Vorwort von Prof. Dr. Michael Braungart

Die Erfolgsgeschichte dieser Zahnputztablette ist nicht nur für Gründerinnen und Gründer lehrreich, sondern mindestens genauso spannend für all jene, die ein Herzensanliegen haben, die etwas für sich und die Gesellschaft bewegen wollen und dabei auf Hürden und Widerstände stoßen. So eine Geschichte kann nur von Menschen mit einer klaren Haltung geschrieben werden. Doch Haltung allein reicht selten aus. Es bedarf der Ausdauer und Durchhaltevermögen, wenn es eng wird – mental und finanziell.

Diese Zahnputztablette ist die praktische Umsetzung einer Doktorarbeit, bei welcher eine wasserfreie, aus möglichst wenig Bestandteilen bestehende Zahnpflege mit der Vorgabe entwickelt werden sollte, dass sie der Pflegeleistung von Zahnpasta entspricht, ohne jedoch deren Nachteile aufzuweisen. Dazu zählen auch die Müllberge aus weltweit Milliarden Zahnpastatuben.

Ein Berliner Dentallabor begleitete die Promotion. Die Entwickler und Unterstützer gingen Risiken ein, waren zu hohen Investitionen bereit. Echte Innovationen bewirkt man nicht durch einen Sprint, sondern meist durch eine Marathonleistung. Die Zahnputztablette ist dafür ein gutes Beispiel. Sie war von Beginn an ein umweltverträgliches Produkt und doch dauerte es mehr als ein Jahrzehnt bis zum wirtschaftlichen Durchbruch.

Dieses bewundernswerte Durchhaltevermögen hatte ich nicht immer bei ähnlichen Produktentwicklungen. So haben wir bspw. bereits in den 1990er Jahren die Entwicklung eines Trockenhaarwaschmittels vorgeschlagen. Rund 22 Jahre haben wir daran gearbeitet, um kompostierbare Druck-Erzeugnisse auf den Markt zu bekommen. Daher kann ich die Leistung bei der Entwicklung der Zahnputztablette sehr gut nachvollziehen.

Als Chemiker und Verfahrenstechniker treiben mich seit Jahrzehnten Fragen der Ökoeffektivität und der Umweltverträglichkeit von Produkten um. Daher erachte ich die Geschichte der Zahnputztablette auf besondere Weise als bemerkenswert.

Die Zahnputztablette ist zwar nicht die Lösung aller Weltprobleme, sie ist mengenmäßig dafür nicht relevant genug. Doch insbesondere in Regionen, in denen es kei[12]nen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt, kann sie das Zähneputzen, eine der menschlichen Formen von Grundversorgung in der Hygiene, ermöglichen. Darüber hinaus kann die Tablette und ihre Geschichte einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, das Denken in Sachen Umweltverträglichkeit tatsächlich zu ändern und andere zu inspirieren, was großartig ist und gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Schließlich soll in diesem Sinne »am deutschen Wesen« eben nicht »die Welt genesen«, sondern eine Inspiration soll zum Neu-Denken und Neu-Designen von Produkten anregen. Dadurch können wirtschaftliche und gesellschaftliche Akteure, wie bspw. die Unverpacktläden, vom Durchhaltevermögen der Entwickler der Zahnputztablette enorm profitieren.

So überzeugte uns das Produkt auch in der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises und veranlasste uns, die Zahnputztablette in der neu geschaffenen Kategorie »Design« mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 auszuzeichnen. Prämiert wurde das Produktdesign der Zahnputztablette im Hinblick auf ihre »end of life«- und Umwelt-Bilanz. Wir als Jury befanden, dass diese kleine Tablette das Potential hat, als leuchtendes Beispiel zu dienen.

Die Autorin Martina Haas nimmt Sie mit ihrem Buch »Mit Biss und Ausdauer – Die Erfolgsgeschichte der Pille für die Zähne« auf eine kurzweilige Zeitreise auch hinter die Kulissen der Zahnputztabletten-Story mit. Sie lässt Weggefährten in Interviews zu Worte kommen, deren Beiträge das Bild abrunden, und fühlt den Gründern Axel und Matthias Kaiser gründlich auf den Zahn, womit wir wieder bei den Zähnen angelangt sind, mit denen alles anfing.

Dem Buch und den Zahnputztabletten wünsche ich gleichermaßen viel Erfolg und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ebenso viel Freude bei der Lektüre, wie ich sie hatte.

Herzlichst

Ihr

Michael Braungart

BRAUNGART EPEA – Internationale Umweltforschung GmbH,

Mitglied der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises

[13]Einführung

Viele Erfolgsgeschichten von Unternehmen beginnen in Garagen. Hewlett-Packard war 1939 die erste Garagengründung im späteren Silicon Valley. Es folgten Microsoft, Apple, Yahoo, Google und viele mehr. In Europa dürfen wir die schwäbischen Tüftler im Keller nicht vergessen. Axel Kaiser, der Mann mit der Pille für die Zähne, werkelte jedoch weder in einer Garage noch in einem Keller an den Denttabs-Zahnputztabletten. Allerdings sollte ein rustikaler Raum im dritten Gewerbehinterhof ohne fließendes Wasser und ohne Heizung im Wedding, einem der weniger vornehmen Berliner Kieze, durchgehen. Zeitweise war es eine ausgediente Apotheke, ein kahler Schlauch.

Anders als Bill Gates von Microsoft oder Steve Jobs und Steve Wozniak von Apple ist Axel Kaiser nicht im Hightech-Bereich unterwegs. Es geht bei der Pille für die Zähne um etwas sehr Stoffliches. Die Zutaten sind zudem völlig unspektakulär. Das Endprodukt – die Denttabs Zahnputztablette – ist es nicht. Das Pure ist ihre Stärke: ökologisch – vegan – plastikfrei und in jeder Hinsicht nachhaltig. Sie wurden mittlerweile ausgezeichnet mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021.

Das Potential hat lange kaum einer verstanden. Natürlich gab es immer Menschen, die von diesem ebenso schlichten wie wirksamen Produkt überzeugt waren. Sie bilden seit Jahren eine verschworene Community. Jeder Einzelne machte positive, ja zum Teil erstaunliche Erfahrungen mit den Denttabs-Zahnputztabletten. Doch das allein erzeugt noch keinen Sog für den globalen Erfolg, der sich nun abzeichnet.

Sie lesen richtig: G. L. O. B. A. L. Think big! Das ist seit 2019 angesagt. Der »Über-Nacht-Erfolg« traf fast so schnell ein, wie bei Harry Belafonte, bei dem dies nach 30 Bühnenjahren passierte. Ganz so lange brauchten die Denttabs nicht. Doch man muss wissen, es gibt sie seit 2003. Ein langer Weg, der nur mit Biss und Ausdauer und einem starken Netzwerk gemeistert werden konnte.

Kommen Sie mit auf die Denttabs-Reise, ein Weg mit Höhen und Tiefen, der komplett hätte scheitern können. Dass und wie es anders kam, macht Menschen mit Ideen, Gründern, Unternehmern und anderen Ambitionierten Mut.

[14]

Abb. 1: Axel Kaiser

Mehr als eine Produktgeschichte

Warum muss die Denttabs-Geschichte überhaupt erzählt werden? Wir brauchen Erfolgsgeschichten und zwar solche von Erfolgen, die jeder in seinem Bereich erreichen kann, keine abgedrehte Model- oder Schauspielkarriere, kein Lottogewinn, kein reicher Onkel aus Amerika.

Die Denttabs-Geschichte belegt, dass es sich lohnt, für eine Sache einzustehen, für eine Idee zu kämpfen, auch wenn es lange dauert und das Weitermachen oft auf der Kippe steht, weil sich alles gegen einen zu verschwören scheint. Der große französische Schriftsteller Victor Hugo hatte recht mit seiner Weisheit: »Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist.«

[15]Ich erzähle die Denttabs-Geschichte nicht alleine, sondern lasse sie von Menschen erzählen, die an einzelnen oder mehreren Stationen ganz nahe dran waren und es überwiegend immer noch sind. Sie erleben mit, wie eine Idee sich in einem Produkt umwandelt und das Produkt wiederum in einer Idee mündet. Sie erfahren von Durststrecken, Erfolgen, Rückschlägen und glücklichen Zufällen und wie manche Dinge eine eigene Dynamik entfalten. Meine Gesprächspartner haben ihre persönliche Sicht der Dinge und auch einen speziellen Fokus, der seiner oder ihrer Funktion geschuldet ist.

Zwölf Interviews führen zu einem facettenreichen Bild vom Mann mit der Pille für die Zähne und der Entwicklung seines »Babys«, der Zahnputztablette, was die Denttabs-Story für mich ebenso interessant wie spannend macht.

Ich interviewte den Mitgründer und älteren Bruder von Axel Kaiser, Matthias Kaiser, und Emily, seine Tochter. Mit großem Erkenntnisgewinn fühlte ich zwei Zahnheilkundigen auf den Zahn: Prof. Dr. Peter Gängler – er ist der Mann mit der Denttabs-Kopfgeburt und seinem Doktoranden Hendrik Eifler, dem er die Aufgabe stellte, als Alternative zu Zahnpasta, eine Zahnpflege ohne Wasser zu kreieren. Der erste Lohnhersteller (Produzent) der Zahnputztabletten kommt zu Wort, ebenso frühe Firmenkunden und andere Wegbegleiter. Und nicht zuletzt gab es einen unkonventionellen Banker, der an seinen Kunden glaubte, und den Weitblick und die Fantasie für eine Erfolgsgeschichte hatte.

Sie alle sind – wenn nicht Mütter und Väter – so doch Hebammen der Denttabs. Jeder war und ist mit seinem Beitrag wichtig. Sie alle hatten den Mut, mit ihrem Engagement für die Geburt und die Entwicklung der Denttabs-Zahnputztabletten etwas zu wagen. Sie bestärkten damit zugleich den Mut der beiden Denttabs-Gründer.

Ohne Mut nützen selbst Zauberkräfte nichts. Was wäre Asterix trotz des Zaubertranks von Miraculix ohne Mut und Pfiffigkeit? Fehlender Mut ist wahrscheinlich der größte Hemmschuh im Leben aller. Doch leider wird unser Mutmuskel fast nirgends systematisch trainiert. Allzu viele Menschen werden in ihren Plänen von keinem bestärkt. Statt Ermutigung finden sie überall Bedenkenträger.

Ich beweise Ihnen mit diesem Buch: Mut wird belohnt. Doch das Muthaben verlangt uns meistens einiges ab. Selbst was zu Anfang noch easy wirkte, wird später oft schwer und wir fragen uns: Sollen wir aufgeben oder trennt uns nur eine Handbreit [16]vom Erfolg? Wenn wir nicht durchhalten, werden wir es nicht wissen. Axel Kaiser hat durchgehalten. Es gibt ein Happy End.

Würden Sie nun meinen, das Buch beiseitelegen zu können, entginge Ihnen eine wertvolle »Sehschule«. Ich zeige Ihnen, wie sich ein ewig schwächelndes Ross zur Höchstleistung aufschwang, das hässliche Entlein sich zum Schwan mauserte, aber auch wie Kommissar Zufall Axel Kaiser immer wieder in die Hände spielte. Am Ende des Buches werden Sie wissen, ob nur Glück im Spiel war oder ob er nicht letztlich alles richtig gemacht hat, allen Unkenrufen zum Trotz.

Leseanleitung

Selbstverständlich braucht Ihnen keiner zu sagen, wie Sie Bücher zu lesen haben. Gleichwohl empfehle ich Ihnen, zumindest bis Seite 58 vorzudringen und erst dann durch die Kapitel zu springen, wie Sie möchten. Bis dorthin erlangen Sie das Hintergrundwissen, um spätere Kapitel ohne viel Rätselraten zu verstehen.

Es geht in meinen Büchern immer darum, die Leser zu inspirieren und ihren Blick für Chancen zu weiten. Hier eröffnen sich viele große Chancen: Sie könnten Ihr Zahnpflegeverhalten ändern oder Lust bekommen, Ihre Vision umzusetzen, ein Unternehmen, einen Verein zu gründen, etwas Neues anzufangen, einer Idee, einem Traum sogar, zu folgen oder ermutigt werden nicht aufzugeben, wenn es gerade nicht gut läuft.

Ich wünsche Ihnen viele Aha-Effekte, freue mich über jedes Kopfschütteln, jede Irritation. Hauptsache, diese irre Geschichte löst eine Reaktion aus. Diejenigen, die die Denttabs noch nicht kennen, sollten zumindest Lust verspüren, der kleinen Pille eine Chance zu geben und sie zu testen. Ob Sie sie dann mögen oder nicht mögen, das habe ich als Autorin nicht zu verantworten. Das muss das Pillchen schon selbst leisten.

Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Ich kam völlig unvermutet in Kontakt mit den Denttabs. Es verlief nach dem alten Erfolgsrezept: Du kennst jemanden, der jemanden kennt. Dieser jemand war eine [17]liebenswerte Berliner Heilpraktikerin und grandiose Netzwerkerin, Gerda Albrecht-Jahn, die Axel Kaiser und mich kannte. Ich hatte weder von ihm noch von den Denttabs-Zahnputztabletten gehört. Doch die Ansage von Gerda Albrecht-Jahn, wir sollten uns kennenlernen, denn wir könnten uns gegenseitig nützlich sein, machte mich neugierig. In welcher Weise »nützlich« zu verstehen sei, konnte sie allerdings nicht sagen. Doch als Networking-Expertin weiß ich: Menschen auf eine Empfehlung des Bekannten- oder Freundeskreises kennenzulernen, ist meistens von Erfolg gekrönt, denn der Mittler kennt die Beteiligten und kann einschätzen, ob das passt. Und es passte.

Mich als Fan zu gewinnen, brauchte es zunächst ein mehrstündiges Gespräch mit Axel Kaiser. Verstehen Sie das bitte nicht falsch: Wie seine Zahnputztablette anzuwenden ist und funktioniert, das ist rasch erläutert: Einfach eine der Tabletten zu Brei zerbeißen und selbigen mit einer Zahnbürste, möglichst einer weichen, auf den Zähnen verteilen. Dann wird nicht bloß geschrubbt, die Zähne werden poliert.

Viel wichtiger als die Bedienungsanleitung ist jedoch auf lange Sicht das zugehörige zahnmedizinische Hintergrundwissen. Das vermittelt Axel Kaiser gerne, und wenn jemand so interessiert nachfragt wie ich, auch ausführlich. Ich bekam also eine spannende Einführung in die Welt der Zahngesundheit und Zahnpflege. Ich erfuhr von Krankheitszusammenhängen, von denen ich nie gehört hatte. Die Zähne haben eine Bedeutung für den Menschen, von denen die meisten nichts ahnen. Wüssten sie es, gingen sie anders mit ihren Zähnen um.

Es folgte eine persönliche Testphase mit den Denttabs, ein längerer Weg mit Höhen und Tiefen, denn anno 2006/2007 war das Produkt noch nicht so ausgereift wie heute: Man erwischte damals gelegentlich schon einmal eine Tablette, die nicht nach Minze, sondern wie Erde schmeckte, schließlich steckt Kieselerde mit drin. Kein Anlass zur Freude für die etwas Empfindlicheren wie mich. Doch als die Wirkung einsetzte, die Zähne wie versprochen glatter wurden und strahlend glänzten – befreit von Verfärbungen, die mein geliebter Schwarztee hinterlässt –, nahm ich das gerne in Kauf. Ohnehin ist das Schnee von gestern, heute kommt jede Zahnputztablette ausnahmslos minzfrisch daher.

Als Wegbegleiterin und Unterstützerin, die das Produkt seit über zwölf Jahren nutzt und aus Überzeugung weiterempfiehlt, habe ich die Freude und die Ehre, Ihnen die Denttabs-Geschichte zu erzählen, unterstützt von anderen Wegbegleitern und na[18]türlich dem Mann hinter den Zahnputztabletten, Axel Kaiser, einem unverbesserlichen Sturkopf im positiven Sinne, der bisweilen ordentlich nerven kann auf seiner Mission mit seiner Vision.

[19]TEIL 1: Die Anfänge: Erfolg hat viele Mütter und Väter

[21]1Die Anfänge

Wenn Sie nun vermuten, Axel Kaiser und sein Bruder Matthias wären zahnmedizinische Koryphäen mit Lehrstühlen an renommierten Universitäten, Chefs einer Zahnklinik oder zumindest einer großen Zahnarztpraxis, dann haben Sie sich getäuscht. Die beiden hatten beim Berufseinstieg so viel mit Zahnmedizin und Zahnpflege am Hut wie Sie und ich, nämlich gar nichts. Matthias Kaiser ist von Hause aus Lehrer, Axel Kaiser gelernter Automechaniker, ein begnadeter Schrauber. Allerdings befasste sich Christoph Kaiser, der dritte Bruder, mit Zähnen. Er betrieb als hochqualifizierter Zahntechniker ein großes Dentallabor in Singapur.

Abb. 2: Die drei Kaiser-Brüder: Axel, Christoph, Matthias Kaiser

1.1Quereinsteiger mit Fantasie und Mut

Von Christoph Kaiser inspiriert gründeten Axel und Matthias Kaiser im Jahr 1992 in Berlin das Dentallabor proDentum®. Sie erkannten nach der Wende den enormen Bedarf an qualitativ hochwertigem und dennoch preisgünstigem Zahnersatz in den [22]neuen Bundesländern. Den lieferte ihr Bruder. So begann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Zahnersatz, aber auch Zahngesundheit und Zahnpflege allgemein. Daraus resultierte im Laufe der Jahre die Gewissheit, dass ein Großteil der Arbeit von Zahnärzten und Dentallaboren überflüssig wäre, würden die Menschen ihre Zähne richtig pflegen und regelmäßig kontrollieren lassen. Eine solche Erkenntnis allein nützt wenig, wenn man keine Lösung für das Problem hat.

Der Zufall – oder sollten wir es nicht besser Schicksal oder Fügung nennen? – sollte ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Ein Kunde des Dentallabors, Hendrik Eifler, brauchte Ende der 1990er-Jahre technische und in gewissem Umfang auch finanzielle Unterstützung bei seiner Doktorarbeit. Er sollte herausfinden, ob man ein Zahnpflegemittel ohne Wasser herstellen kann, das eine Reinigungswirkung hat, die der von Zahnpasta vergleichbar ist. Die Kaiserbrüder sagten Unterstützung zu. Axel Kaiser nahm sich der Sache persönlich und dabei insbesondere von der praktischen Seite her an.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Ja, eine solche Zahnpflege ist möglich. Mit diesem Ergebnis wurde die Promotion anno 2000 mit Bestnote abgeschlossen. Doktorvater und Doktorand waren gleichermaßen zufrieden. Das Thema war von ihrer Seite abgeschlossen.

1.1.1Mission erfüllt – doch war’s das schon?

Nach erfolgreichem Abschluss der Eifler’schen Promotion hätte das Projekt erledigt sein können. Doch einer beschäftigte sich weiter damit: Axel Kaiser. Er wollte wissen, welcher praktische Nutzen sich daraus ergeben kann. Würde es langfristige Vorteile in der praktischen Anwendung geben? Keiner wusste es.

Nach einer langen Phase des Experimentierens im Hinterzimmer entstanden die Denttabs-Zahnputztabletten als »Nebenprodukt« des Denttallabors. Sie fanden ihre Abnehmer, ja Fans. Doch um voranzukommen, brauchte das Unternehmen Kredite, um durch Marketingaktivitäten größeren Umfangs und breiter angelegte klinische Studien zu finanzieren. Für Banken und Finanzinvestoren zählen in erster Linie die Zahlen, die Performance. Die Umsätze waren stabil, doch nicht auskömmlich: Die Denttabs konnten nicht aus eigener Kraft existieren. Da sich kein Geldgeber fand, investierte das Denttallabor selbst sehr viel Geld: Um genau zu sein, ein siebenstelliger Betrag kam über die Jahre zusammen. Das führte nach einiger Zeit verständlicherwei[23]se zu Unstimmigkeiten zwischen den Kaiserbrüdern und beinahe zum vollständigen Bruch. Einer war mit Blick auf die Zahlen für das Aufgeben, der andere für das Durchhalten: Axel Kaiser. Er setzte sich durch. Große Sprünge waren aber nicht möglich.

Alles änderte sich schlagartig ab dem Frühjahr 2019. Seitdem bewegten sich die Absatzahlen steil nach oben. Besser noch: Im Verhältnis zu den Vorjahren explodierten sie förmlich. Ein Grund zur Freude für Axel Kaiser, aber anfänglich auch Anlass für schlaflose Nächte aus Furcht, das könnte wieder aufhören. Doch danach sieht es nach nunmehr über zwei Jahren nicht mehr aus. Das Interesse ist ungebrochen, das Ausland meldet aus allen Ecken Bedarf an. Axel Kaiser – eben noch die Pechmarie in der Sackgasse – wird zur Goldmarie, die für ihren Einsatz von Frau Holle belohnt wird. Endlich.

Das eröffnet Möglichkeiten, in größerem Stil das zu tun, was bislang nur in kleinerem Rahmen möglich war: Die Welt ein wenig zu verbessern, und zwar in mehrfacher Hinsicht und ganz anders als ursprünglich geplant. Eine kleine Pille verändert die Welt. Derzeit schon in über 40 Ländern.

1.2Der Mann mit der Pille für die Zähne

Matthias Kaiser sagt über seinen Bruder Axel: »Er ist die Pille.« Dieses Statement geht sehr viel weiter als meine Überlegungen, deretwegen ich 2016 dem Interview mit Axel Kaiser zum Thema Innovation den Titel gab: »Der Mann mit der Pille für die Zähne.« Wir führten es für mein Buch »Die Löwen-Strategie – Wie Sie in 4 Stunden mehr erreichen als andere am ganzen Tag«. Matthias Kaiser hat recht, denn sein Bruder identifiziert sich so stark mit seinem Produkt, dass er es förmlich lebt. Das klingt nur dem ersten Anschein nach komisch. Axel Kaiser hat die Fähigkeit, mit seiner Begeisterung für sein Produkt, Menschen für sich einzunehmen und mehr noch: Er bringt sie zum Mitmachen – als Kunden, Dienstleister oder sonstige Unterstützer. Wahrscheinlich erlebt er gerade deshalb ein modernes Märchen. Ein Märchen von großem Erfolg.

1.2.1Die magische 7

Das tapfere Schneiderlein hatte dereinst auf seinen Gürtel gestickt: »Sieben auf einen Streich«. Alle hielten es für einen Helden, doch das Schneiderlein hatte nur sieben Fliegen erschlagen. Auch das erste Denttabs-Behältnis, eine Plastikdose, zierte [24]eine ominöse »7« – was kein Käufer verstand, denn die Sieben wurde auf der Dose nicht erklärt. Ein Marketingversagen. Da jedoch viele Menschen die Sieben für eine Glückszahl halten, hat es auch nicht geschadet.

Bei den Denttabs-Zahnputztabletten bezog sich die Sieben ganz profan auf die Anzahl der Bestandteile. Dabei hatte sich allerdings eine Ungenauigkeit eingeschlichen: Es waren elf und nicht sieben Inhaltsstoffe, die jedoch aus sieben verschiedenen Töpfen in den großen Bottich gekippt und dort mit einem gewöhnlichen Küchensieb zusammengerührt wurden. Heimwerkerfeeling. Im Eifer des Gefechts ging unter, dass manche Töpfe mehrere Inhaltsstoffe enthielten.

Jedenfalls zog mit Axel Kaiser wieder einmal einer los, die Welt zu verändern – die Welt der Zahnpflege. Sein Rüstzeug war seine Zahnputztablette und damit etwas Erklärungsbedürftiges. Und nicht nur erklärungsbedürftig, schlimmer noch: Diejenigen, die es nutzen sollten, waren darauf getrimmt, ganz anders zu agieren. Zwei Generationen hatten schon im Kindergarten gelernt, zweimal pro Tag die Zähne mit Zahnbürste und Zahnpasta zu putzen.

Abb. 3: Denttabs-Dose

[25]1.2.2Falsche Gewohnheiten – Die Herausforderung schlechthin

Zahnpasta- und Zahnbürstenindustrie hat uns alle beim Zähneputzen nachhaltig geprägt. Gestatten Sie zur Erläuterung einen kleinen Exkurs: Blend-a-med brachte 1951 die erste medizinische Zahncreme mit Fluorid auf den Markt. Damals eine Sensation. Blend-a-med schrieb damit Mundpflegegeschichte und mit zwei Zahnpasta-Slogans, die gefühlt ewige Zeiten überdauerten, zudem die Werbegeschichte. Gepunktet wurde mit einem grünen Apfel und dem Satz »Damit sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können.« 2003 legte Blend-a-med werbetechnisch nach: »Die gibt der Zahnarzt seiner Familie«.

Ältere Leser erinnern sich zudem gewiss an die legendäre Dr.-Best-Werbung für Zahnbürsten: Der Zahnarzt drückt mit der Zahnbürste gegen eine perfekte Tomate, die keinen Schaden nimmt, da diese Zahnbürste unglaublich sanft und flexibel ist. Die Zahnpasta- und Zahnbürstenhersteller ließen uns keine Wahl – wir mussten einfach Zähne putzen mit ihren Produkten, denn wir glauben denen im weißen Kittel gerne. Sie sind die Experten. Sie wissen Bescheid.

Die Drogerie- und Supermärkte bieten ganze Laufmeter von Zahnpasten in unterschiedlichsten Preissegmenten an – mit und ohne Fluorid, für Erwachsene, für Kinder, welche für morgens und abends, auch Geschmacksrichtungen gibt es en masse. Doch nun sollen wir plötzlich eine Tablette zerkauen, damit aus ihr zusammen mit unserem Speichel ein Brei entsteht, mit dem wir unsere Zähne nicht mehr putzen, sondern auch noch polieren. Axel Kaiser verlangt von uns nichts Geringeres, als eine Routine aufzugeben, die wir nicht hinterfragten. Doch der Mensch als Gewohnheitstier hasst nur eines mehr, als Dinge zu verändern, nämlich sich selbst zu ändern, denn das ist die Steigerung.

Die Denttabs-Zahnputztabletten hatten somit ein Problem: Bei den meisten Menschen stießen sie auf wenig Offenheit – wieso auch, es funktionierte ja alles vermeintlich bestens. Es gab und gibt selbst bei Neugierigen ein riesiges Beharrungsvermögen.

Vor dem Hintergrund wird verständlich, dass Axel Kaiser sagt: »Denttabs ist kein Produkt, sondern eine Erkenntnis.«

[27]2Die Hauptperson: Die Pille

Der Anfang der Erfolgsstory war völlig unspektakulär: Da schreibt ein Zahnarzt seine Doktorarbeit. Es ist die Zweite, weil ihm sein Doktorvater aus DDR-Zeiten abhandengekommen war – einfach von der Bildfläche verschwunden. Damit stand der Berliner Zahnarzt Henrik Eifler nach all der Arbeit, die er in die Promotion gesteckt hatte, erst einmal etwas bedröpst da, wie der Berliner zu sagen pflegt. Er hatte Glück, denn andernorts hatte ein Zahnheilkundiger ein spannendes Promotionsthema kreiert: Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Gängler, einer der international renommiertesten Prophylaxe-Spezialisten und seinerzeit Dekan der Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Privatuniversität Witten-Herdecke. Doch bis zur nutzerfreundlichen Pille war es ein weiter Weg.

2.1Die Kopfgeburt

»In der Einfachheit liegt die höchste Vollendung.«

Leonardo da Vinci

In der Wirtschaft reden alle von Innovation, noch lieber von Disruption, der zerstörerischen Kraft, die dem Neuen zum Durchbruch verhilft. Doch nur wenige bemühen sich darum, etwas wirklich Neues zu schaffen. Meistens wird lediglich optimiert. Hierfür ist ein Mix aus Fantasielosigkeit, Bequemlichkeit und Mutlosigkeit verantwortlich.

In der Wissenschaft ist Innovation hingegen die zentrale Herausforderung. Es geht nicht darum, ob Innovation angestrebt wird, sondern darum, um welche Idee man sich zuerst kümmert, weil sie am aussichtsreichsten oder lukrativsten erscheint oder am dringendsten benötigt wird. Die Denttabs resultieren aus einem Auftrag, ein Problem zu lösen: Zahnpflege ohne Zusatz von Wasser. Diesen Auftrag erteilte Prof. Dr. Peter Gängler. Von Beginn an ist er der wissenschaftliche Begleiter von Denttabs. Ihn habe ich von allen Wegbegleitern als Ersten interviewt. Ich ging an die Wurzeln.

[28]Interview mit Prof. Peter Gängler

Zur Person:

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Peter Gängler ist an der Fakultät für Gesundheit (Department für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde), Lehrstuhl für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin der Privatuniversität Witten/Herdecke beheimatet, deren Dekan er von in der Zeit von 1992 bis 2009 war. Er ist Verfasser unzähliger Lehrbücher. Viele sind mittlerweile Standardwerke. Die Plattform ResearchGate www.researchgate.org spricht von 246 Arbeiten.

Obschon im Status des Emeritus ist Prof. Gängler immer noch höchst aktiv mit seinem eigenen Institut, dem ORMED Institute for Oral Medicine an der Universität Witten/Herdecke, dem er seit 2009 als CEO vorsteht. Prof. Gängler ist die »Prophylaxe-Koryphäe«. 2004 wurde ihm für seine über 30-jährige wissenschaftliche Zusammenarbeit mit der Zahnmedizin und der Oralen Biologie in Budapest der Ehrendoktor der Ignatz Semmelweis-Universität verliehen.

Lieber Herr Prof. Gängler, was wollten Sie erforschen? Und wie kamen Sie auf diese Idee?

Das war eigentlich ein ganz einfacher Weg. Ich hatte gerade eines meiner vielen Lehrbücher abgeschlossen. So ein Lehrbuch ist immer eine doppelte Belehrung: Für den, der es schreibt, weil er die gesamte internationale Literatur lesen, beherrschen und zusammenfassen muss, und für die Studenten, die es lesen. Es gewinnen immer beide Seiten, die Autoren und die Studenten. Jedenfalls saß ich nach dieser Heidenarbeit mit Bildern und Texten auf meinem Sofa und überlegte angesichts der nun gewonnen »Freizeit«: Now what? Da kamen mir Zahnbürsten und Zahnpasta in den Sinn. Ich überlegte, dass es in dem heiß umkämpften und wissenschaftlich umstrittenen Markt von Zahnpasten eine Alternative geben müsste.

Wieso war der Markt umstritten?

Der Markt ist bis heute umstritten: Die einen sind für Fluoride, die anderen sind dagegen, nicht gerade halbe-halbe, doch die Fluoridgegner sind nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb Europas relativ stark. Das Zweite ist, dass manche Hersteller Antiseptika in Zahnpasta mitverwenden, die im Prinzip gerade nicht für die Mundhöhle gedacht sind, wie Triclosan. Das ist heftig umstritten.

[29]Das Dritte ist, dass Nanopartikel verwendet werden, auch Nanoplastik. Das Vierte ist der Einsatz von Titanoxiden, damit jede Zahnpasta schön weiß aussieht. Es gibt unendlich viele weitere Zusätze.

Aufgrund von all dem und wegen der Kritik an den Zahnpasten, die bis heute anhält, kam mir der Gedanke: Wir machen eine absolut minimalistische Formulierung. Das bedeutet: Wir stecken nur das in das Zahnpflegemittel, was unbedingt notwendig ist, damit es guten Geschmack, Speichelstimulation und antikariöse Eigenschaften zusammenfasst. Das ging damals durch die Presse und hat weltweit Interesse geweckt. Viele kamen deshalb an die Uni, um sich zu informieren, schon vor der Promotion von Hendrik Eifler, aber auch während der Promotionsbearbeitung.

Intern lief das bei uns folgendermaßen: Wir gingen in die Chemieabteilung zu den Chemikern, die am meisten davon verstehen. Sie sagten, dass sie sich ein solches Zahnpflegemittel gut vorstellen und auch formulieren könnten. Prof. Pfüller, der Leiter des Chemie-Instituts, war mit einem Mitarbeiter namens Eifler befreundet, dessen Sohn Hendrik Zahnarzt war. Dieser hatte an einer Promotion Interesse und ich war damit einverstanden, dass er die klinische Prüfung macht.

Der genaue Titel der Arbeit lautete: »Herstellung und Testung eines wasserfreien Zahnputzmittels auf Granulatbasis. Inaugural – Dissertation zur Erlangung eines Doktors der Zahnheilkunde der Universität Witten/Herdecke Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde«.

AUFGABENSTELLUNG DER DOKTORARBEIT