Mit den Narben der Apartheid - Michael Lapsley - E-Book

Mit den Narben der Apartheid E-Book

Michael Lapsley

4,8

Beschreibung

Father Michael Lapsley verlor als Kämpfer gegen die Apartheid bei einem Briefbombenattentat beide Hände und eines seiner Augen. In seiner Autobiografie erzählt er von diesem entsetzlichen Ereignis – und davon, wie er seine eigene traumatische Erfahrung umgelenkt hat und sie nun, als Leiter des Institute for Healing of Memories, für die Heilung anderer Traumatisierter auf der ganzen Welt nutzt. "Michaels Leben ist eine beeindruckende Metapher … ein Fremder, der in unser Land kam und eine grundlegende Verwandlung durchlebte. Sein Leben spiegelt die Komplexität der vielen langen Reisen und Kämpfe unseres Volkes wider." Nelson Mandela "Das Apartheid-Regime in Südafrika war eines der menschenverachtendsten politischen Systeme in der Geschichte der Menschheit. Trotzdem hat es die schwarze Bevölkerungsmehrheit geschafft, die Verbrechen der Apartheid nicht durch das Strafrecht zu ahnden, sondern mit den Mitteln einer Wahrheits- und Versöhnungskommission zu verstehen und zu behandeln. Diese zutiefst humane, vergebende und versöhnliche Grundhaltung verdankt Südafrika Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Bischof Desmond Tutu oder Pater Michael Lapsley." Prof. Manfred Nowak, ehem. Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen über Folter "… ein inspirierendes und leuchtendes Buch, das überzeugend zum persönlichen Zugehen auf den nächsten Menschen aufruft. Und auch zu Vergebung und Versöhnung. In Europa, in Afrika, überall auf der Welt!." Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg (bis 2013) "… In seiner Biografie beschreibt Michael Lapsley, dass es Menschen leichter fällt, sich ihm mit ihren Schmerzen, die manches Mal gar nicht sichtbar sind, anzuvertrauen, eben weil seine Verletzungen so sichtbar sind." Margot Käßmann

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Michaels Leben ist eine faszinierende Metapher… ein Fremder, der in unser Land kam und eine grundlegende Verwandlung durchlebte. Sein Leben spiegelt die Komplexität der vielen langen Reisen und Kämpfe unseres Volkes wider.

Nelson Mandela

Das Leben von Pater Lapsley ist ein konkretes Zeichen der Hoffnung. Man wagt es aus Respekt vor seinen Leiden, kaum zu sagen: Aber durch seine brutale Verletzung und Verstümmlung in Folge eines Briefbombenanschlags auf ihn, ist er in besonderer Weise hinein genommen worden in die Sehnsucht der Menschheit nach Heilung und Versöhnung.

Dr. Stephan Ackermann, Bischof von Trier, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax

In seiner Biografie beschreibt Michael Lapsley, dass es Menschen leichter fällt, sich ihm mit ihren Schmerzen, die manches Mal gar nicht sichtbar sind, anzuvertrauen, eben weil seine Verletzungen so sichtbar sind.

Margot Käßmann

Die Botschaft Jesu von der Vergebung hat Michael Lapsley dazu befähigt, den Hass mit Liebe zu überwinden. Er hat – wie Hildegard von Bingen es ausdrückt – seine Wunden in Perlen verwandelt. Gerade als der verwundete Heiler vermag er nun die Verletzungen vieler Menschen zu heilen.

Anselm Grün

Michael Lapsley und seine Mitarbeiter versuchen, die Schmerzen der Folter zu heilen, sogar den Schmerz darüber, beide Hände verloren zu haben. Sie wollen eine kollektive Heilung für Individuen und ganze Gemeinschaften erreichen, die von der Geschichte betrogen wurden. Ihre Arbeit in Südafrika, Neuseeland und an vielen anderen Orten der Welt ist absolut vorbildlich.

Rev. Dr. Makhenkesi Arnold Stofile, Botschafter der Republik Südafrika in Deutschland

… ein inspirierendes und leuchtendes Buch, das überzeugend zum persönlichen Zugehen auf den nächsten Menschen aufruft. Und auch zu Vergebung und Versöhnung. In Europa, in Afrika, überall auf der Welt!

Jean-Claude Juncker, ehem. Premierminister von Luxemburg

Durch die persönliche Begegnung mit diesem charismatischen Mann … werden sicherlich viele Menschen Kraft und Inspiration finden und sich mit der eigenen, sowie der kollektiven Vergangenheit in positiver Weise auseinandersetzen.

Arabella Kiesbauer

[Seine] zutiefst humane, vergebende und versöhnliche Grundhaltung verdankt Südafrika Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Bischof Desmond Tutu oder Pater Michael Lapsley, dem Autor dieser ergreifenden Lebensgeschichte. … Durch [seine] schmerzhafte Erfahrung entwickelte er sich vom Freiheitskämpfer zum Heiler für viele Menschen Südafrikas, die durch die Apartheid traumatisiert worden waren.

Prof. Manfred Nowak, ehem. UN- Sonderberichterstatter über Folter

Eine einzigartig lebendige und wunderbare Erzählung.

Nadine Gordimer

Ich glaube, dieses Buch kann Menschen aus allen Gesellschaftsschichten begeistern, die die Bösartigkeit und Ungerechtigkeit in der Welt besiegen wollen – einzeln oder gemeinsam.

Danny Glover

Ein wunderbares Zeugnis dessen, was der Glaube möglich macht.

Rowan Williams, ehem. Erzbischof von Canterbury

Mit trockener Selbst-Ironie vermittelt Lapsley seinen Lesern die emotionale und packende Geschichte eines Priesters, seiner Prothesen und seines Versprechens, sich (mit den Worten der Heiligen Theresia von Ávila) ganz in Jesus Hände zu geben.

Publishers’ Weekly

Michael Lapsley

mit Stephen Karakashian

Mit den Narben der Apartheid

Vom Kampf für die Freiheit zum Heilen traumatischer Erinnerungen

Mit einem Vorwort von Desmond Tutu

Übersetzung aus dem Englischen von Hélène Rybol und Dieter Rybol

Verlag Barbara Budrich

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Papier.

Original English edition of Redeeming the Past copyright © 2012 by Michael Lapsley. Published by Orbis Books, Box 302, Maryknoll, NY 10545-0302, USA.

Alle Rechte vorbehalten. © 2014 Verlag Barbara Budrich, Opladen, Berlin & Torontowww.budrich-verlag.de

eBook-Herstellung und Auslieferung: Brockhaus Commission, Kornwestheimwww.brocom.de

ISBN 978-3-8474-0171-1 (Paperback)eISBN 978-3-8474-0398-2 (eBook)

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Übersetzung: Hélène Rybol und Dieter Rybol, Luxemburg – www.helenerybol.com Umschlaggestaltung: Bettina Lehfeldt, Kleinmachnow – www.lehfeldtgraphic.de Lektorat und Satz: Judith Henning, Hamburg – www.buchfinken.com

Inhalt

Vorwort

Einleitung

Danksagung

Teil I Die Briefbombe und ihre Folgen

1 Der Anschlag

2 Genesung

3 Behinderung – Versehrtheit als Realität

Teil II Freiheitskämpfer

4 Von Haus aus gläubig

5 Gespaltenes Südafrika

6 Glaubenskrise

7 Lesotho – ein Leben im Exil

8 Simbabwe – nur der Kampf zählt

Teil III Die Wandlung zum Heiler

9 Die Rückkehr nach Südafrika – auf der Suche nach einer neuen Identität

10 Eingriff in die Zwangsläufigkeit der Geschichte

11 Wahrheit, Amnestie und Entschädigung

12 Täuschend einfach

13 Die Gründung des Institute for Healing of Memories

14 Kuba

Teil IV Eine weltweite Mission

15 Ruanda und der Völkermord

16 Australiens gestohlene Generation

17 Simbabwe – Schrecken ohne Ende

18 Folter

19 Das Heilen der Erinnerungen in den USA

20 Pedro, ein Guerillakämpfer für den Frieden

21 Mit Mut und Hoffnung in die Zukunft

Vorwort

Erzbischof emeritus Desmond Tutu

Ich kenne Pater Michael Lapsley, seit er nach seiner Verbannung aus Südafrika Ende 1976 zum ersten Mal nach Lesotho kam. Es herrschten damals schwere Zeiten, denn wir litten alle unter der brutalen Knute der Apartheid. Obwohl er noch ein junger Priester war, erhob er unerschrocken seine Stimme gegen die Unterdrückung und wurde zur Belohnung dafür des Landes verwiesen. Anstatt nach Hause ins sichere Neuseeland zurückzukehren, ging er nach Lesotho, wo ich damals Bischof war. Dort setzte er den Freiheitskampf entschlossen fort und trat in der ganzen Welt für Freiheit und Gerechtigkeit in Südafrika ein. 1990, als er in Simbabwe lebte, forderte sein Engagement einen hohen Preis: Ihm wurde eine Briefbombe zugeschickt, die ihn schwer verletzte. Nachdem er sich von seinen Verletzungen erholt hatte, kehrte er nach Südafrika zurück, wo ich ihm eine Stelle als Priester in meiner Diözese anbot, der anglikanischen Diözese von Kapstadt. Dieses Amt übt er zu meiner Freude noch heute aus.

Vor etwas mehr als einem Jahr, am zwanzigsten Jahrestag des Briefbombenanschlags, konnte ich zu meiner großen Freude den Dankgottesdienst in der St.-Georgs-Kathedrale in Kapstadt abhalten. Wir dankten dafür, dass Pater Michael überlebt hat, und würdigten seine Arbeit, die er mit dem von ihm gegründeten Institute for Healing of Memories (Institut für das Heilen von Erinnerungen) vollbringt und dessen Förderung mir eine Ehre ist. Ich hatte schon seit geraumer Zeit gehofft, dass er seinen Lebensweg im Dienste des Herrn schriftlich festhalten würde, und bin nun hocherfreut, dass man mich darum gebeten hat, dafür dieses Vorwort zu verfassen.

Seit dem Anschlag betätigt sich Pater Michael als herausragender Fürsprecher für Heilung und Versöhnung, sowohl in Südafrika als auch in anderen zerrissenen Regionen der Welt. Er ist in der Tat ein Weltbürger geworden, und ich habe seine Arbeit mit zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht verfolgt. Obwohl er körperlich gebrochen wurde, ist er der vollkommenste Mensch, den ich kenne, im wahrsten Sinne ein verwundeter Heiler. Seine Erinnerungen werden seine Botschaft vielen Menschen in der ganzen Welt näherbringen und dem Institut neue Tätigkeitsfelder erschließen – ein Segen für alle.

Einleitung

Die Geschichte Südafrikas ist eine Parabel für eine Welt, die sich nach Hoffnung sehnt. Nach langem, erbittertem Kampf brach ein System zusammen, dessen Verfassung Rassismus institutionalisierte. Die Apartheid fand damit ein Ende und wurde durch eine facettenreiche Demokratie ersetzt. Dieser Triumph hatte jedoch seinen Preis, für das Land und für mich. Mein eigener Lebensweg spiegelt die Geschichte meiner Wahlheimat wider. Als junger anglikanischer Priester aus Neuseeland wurde ich auf dem Höhepunkt der rassistischen Unterdrückung in Südafrika von meinem geistlichen Orden dorthin entsandt. Ich schloss mich dem Freiheitskampf an, ging ins Exil und wurde zum Stachel im Fleisch des Apartheidregimes. Eine Briefbombe nahm mir beide Hände und ein Auge, aber nicht mein Leben, ebenso wenig wie die Apartheid dem südafrikanischen Volk seine Ziele und Hoffnungen nehmen konnte. Als ich nach Südafrika zurückkehrte, musste ich erkennen, dass die Zeit der Apartheid bei allen Narben hinterlassen hatte und jeder hat seine eigene Geschichte zu erzählen. So kam ich zu dem Entschluss, ganz Südafrika bei der Heilung zu unterstützen. In dieser Autobiografie schildere ich also meinen Weg vom Freiheitskämpfer für Südafrika zum verwundeten Heiler mit einer globalen Mission.

Das Apartheidregime versuchte oft, die Repression mit einer pervertierten Interpretation der Bibel zu rechtfertigen: eine Entscheidung für den Tod, die im Namen eines lebensbejahenden Evangeliums gefällt wurde. Als Priester im Freiheitskampf zweifelte ich an der religiösen und moralischen Legitimität, die sich das Regime selbst zusprach. Nach einer tiefen Glaubenskrise gab ich den Pazifismus widerstrebend auf und befürwortete den bewaffneten Kampf als Notwendigkeit, um die Menschen Südafrikas zu befreien. Ich wurde von der Apartheidregierung vertrieben und ging ins Exil, zunächst nach Lesotho und anschließend nach Simbabwe. Dort wurde ich durch die Briefbombe schwer verletzt und trug eine dauerhafte Behinderung davon. Meine Genesung verlief zeitlich parallel zu den Verhandlungen, die in das Ende der Apartheid und die Einführung der Demokratie mündeten, so dass ich nach meiner Gesundung nach Südafrika zurückkehren konnte. Dort wurde ich Seelsorger im Trauma Centre for Victims of Violence and Torture (Zentrum für traumatisierte Gewalt- und Folteropfer) und gründete später das Institute for Healing of Memories.

Wo auch immer Gewalt, Armut und Unterdrückung herrschen, inspiriert die Geschichte Südafrikas nach wie vor die Menschen, die körperliche, geistige und seelische Verletzungen erlitten haben und erleiden. In unserer finstersten Stunde erwies sich die Macht des Guten als der des Bösen überlegen – das Apartheidregime stürzte, und die Gerechtigkeit siegte. So macht auch meine eigene Geschichte anderen Menschen Mut. Die Briefbombe ließ mir nicht nur mein Leben, sondern auch meine einzige Waffe gegen die Apartheid: meine Zunge. Durch meine sichtbaren Verletzungen entsteht jedoch eine Verbundenheit mit anderen Menschen, deren Verletzungen häufig weniger sichtbar, aber nicht minder spürbar sind. Und Schmerz bringt Menschen einander näher. Bei meiner Arbeit als Heiler höre ich von vielen, dass sie mir vertrauen können, weil ich selbst Schmerz erfahren habe. Am wichtigsten ist letztendlich unsere Fähigkeit, den Schmerz in eine lebensspendende Kraft umzuwandeln. Doch kann dies eine Reise in vielen kleinen Etappen sein. Unsere Arbeit bei Healing of Memories bietet Menschen die Chance, einen Anfang zu machen.

Diese Autobiografie besteht aus vier Teilen. Im ersten Teil schildere ich das Schlüsselerlebnis: den Briefbombenanschlag, durch den ich beide Hände und ein Auge verlor. Ich erzähle von der langen Zeit meiner Genesung und der Anpassung an meine Behinderung. In Teil II hören Sie die Geschichte meines Lebens als Freiheitskämpfer. Ich beginne jedoch mit einem Rückblick auf meine Kindheit in Neuseeland und auf die Entwicklung meines Glaubens, der jeden Aspekt meines Lebens geprägt hat und weiterhin prägt. Dann teile ich mit Ihnen, wie sehr mich die Konfrontation mit der Apartheid in Südafrika schockierte und wie mein Glaube dadurch erschüttert wurde, und schließlich meine Verbannung aus Südafrika und meine Jahre als Freiheitskämpfer in Lesotho, später in Simbabwe. In Teil III nehme ich den Briefbombenanschlag als Ausgangspunkt für die Veränderung meines Lebens vom Freiheitskämpfer zum Heiler, die mich letztlich das Institute for Healing of Memories gründen ließ. Im letzten Teil des Buches geht es um die weltweite Arbeit des Instituts, von Südafrika aus in die ganze Welt; überall dorthin, wo Menschen Hilfe und Heilung brauchen: unsere Arbeit mit australischen Aborigines, mit Überlebenden des Völkermords in Ruanda und der anhaltenden Repression in Simbabwe sowie mit Kriegsveteranen in den USA. In diesem Teil der Schilderung tritt mein Leben mehr in den Hintergrund, vor dem die Geschichten anderer bemerkenswerter Menschen erzählt werden, mit denen wir zusammengearbeitet haben.

Ich betone gern, dass nun die Zeit gekommen ist, die Erinnerungen, das Gedächtnis zu heilen. Wir beschäftigen uns mit grundlegenden Fragen, die sich Menschen überall auf der Welt angesichts ihrer eigenen Konflikte stellen. Was bedeutet heilen? Wird das Unrecht, das uns angetan wurde, jemals anerkannt werden? Wie gehen wir mit schrecklichen Erinnerungen um? Welche Rolle spielt der Glaube? Sollten wir vergeben? Kann man Vergebung mit dem Kampf für Gerechtigkeit vereinbaren? Unsere Workshops sprechen Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen an. Sie eröffnen einen großen Raum, den die Teilnehmer mit all dem füllen können, was für sie persönlich oder kulturell bedeutsam ist. Wir arbeiten mit sehr unterschiedlichen Menschen, mit Opfern von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, von Diskriminierung und Ungerechtigkeit, mit Kriegsveteranen, Gefangenen und HIV/AIDS-Infizierten. In einer Welt begrenzter Ressourcen und eines wachsenden Bedarfs an unserer Art von Arbeit weist unser Erfolg den Weg in die Zukunft. Aus praktischen und theoretischen Gründen erkennen Menschenrechtsaktivisten, Traumahelfer und Pflegende im Allgemeinen zunehmend, dass kulturorientierten und gemeinschaftsbasierten Heilmethoden, wie sie Healing of Memories anwendet, die Zukunft gehört.

Abschließend möchte ich mich noch einmal dem Glauben zuwenden, der sich wie ein roter Faden durch meinen Lebensweg zieht. In gewisser Hinsicht stellen diese Memoiren die Geschichte meiner Berufung dar, meinen Glauben als Teil der Befreiung aller Völker Gottes zu leben. Auch wenn nicht alle Menschen religiös sind, sind wir doch alle spirituelle Wesen, indem wir versuchen, unser Leben zu verstehen und in ihm einen Sinn zu erkennen. Für mich, wie für die meisten Menschen, bedeutet dies eine lebenslange und nicht eben einfache Suche. Ich wollte meinen Glauben nicht lauthals verkünden, sondern ihn durch meine Handlungen leben. Meine eigene Glaubensentwicklung reichte vom einfachen Kinderglauben über die frühreife Frömmigkeit des Jugendlichen, eine durch den Konflikt zwischen Pazifismus und bewaffnetem Kampf ausgelöste Krise, lange Jahre des Ausharrens im Freiheitskampf, die Genesung nach dem Briefbombenanschlag, bis hin zu einem reiferen, heilenden Glauben, der zwar tief in der christlichen Tradition wurzelt, jedoch einen enormen Umfang spiritueller Erfahrung beinhaltet. Durch unsere Arbeit bei Healing of Memories haben wir eine sehr wirkungsvolle Methode entwickelt: Wir respektieren die Opfer, die die Menschen gebracht haben, ermutigen sie jedoch zugleich, sich ihrer Last nach und nach zu entledigen und ihren Schmerz als Teil eines neuen Lebens zu begreifen. So muss niemand in der eigenen Vergangenheit gefangen bleiben. Stattdessen werden wir zu Vertretern der Zukunft, indem wir helfen, eine bessere Welt zu schaffen und zu gestalten. Das ist für mich der Sinn von Befreiung. Das ist, glaube ich, Gottes Traum für die Menschheit.

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich zunächst die zentrale Rolle Steve Karakashians hervorheben, der voller Großmut mehr als zwei Jahre seines Lebens der Niederschrift meiner Erinnerungen gewidmet hat.

Ich möchte mich bei der Vorsitzenden der Maryknoll-Schwestern, Schwester Janice McLaughlin, MM, sowie bei den Maryknoll-Patern und -Brüdern bedanken, die uns zwei Monate lang bei sich aufgenommen haben, als wir anfingen, diese Autobiografie zu verfassen. Meinem Freund Madoda Gcwadi danke ich für seine Unterstützung.

Dem African National Congress of South Africa werde ich ewig dankbar dafür sein, meinen Antrag auf Mitgliedschaft angenommen und mir dadurch die einzigartige Gelegenheit geboten zu haben, mich am Befreiungskampf zu beteiligen.

Der Society of the Sacred Mission, der Sally and Dick Roberts Coyote Foundation und dem Weltkirchenrat danke ich für die finanzielle Unterstützung und für ihren Zuspruch.

Wir bedanken uns bei der Rockefeller-Stiftung dafür, dass wir den Erstentwurf dieser Autobiografie inmitten einer idyllischen Landschaft im Rockefeller-Bellagio-Zentrum in Italien fertigstellen durften. Bruder Nkoenyane Maroka, SSM, danke ich für seine Unterstützung.

Herzlichen Dank an Paul und Sally Bermanzohn, Pedro Hinestroza, Immanuel Hlabangana, den verstorbenen Johnny Issel, Marlene Jackamarra, Alistair Little, den verstorbenen Ndukenhle Mtshali, Karin Penno-Burmeister, Deon Snyman, Christo Thesnaar und Michael Worsnip. Ihr habt Euch alle großzügig bereit erklärt, auch Eure Geschichten beizusteuern. Sie sind eine große Bereicherung für dieses Buch.

Danke an Thulani Xaba, Madoda Gcwadi, Ntsikelelo Mateta und Themba Lonzi sowie an Brenda Rhode, Victor Cervati, Nceba Mkwalo und Jonah Sithole, die durch die Welt reisen, um die Heilsbotschaft von Healing of Memories zu verkünden.

Meiner persönlichen Assistentin Eleanor Kuhn bin ich dankbar für ihre immense Unterstützung, ebenso wie Shanti Mather, die vor ihr diese Aufgabe erfüllte.

Mein Leben ist geprägt durch meine 41-jährige Mitgliedschaft in der Society of the Sacred Mission, und ich bin Generationen ihrer Mitglieder dankbar für ihre Liebe und Unterstützung. Vor allem möchte ich den Brüdern der Provinz des südlichen Afrika für die bereitwillige Unterstützung meiner Arbeit danken.

Tiro Motaung, meinem Weggefährten und Freund, möchte ich für mehr als zehn Jahre lebensbejahender Zuneigung und Unterstützung ganz besonders danken.

Bis zu ihrem Tod im letzten Jahr war meine Mutter meine größte Anhängerin; sie beschwerte sich sogar darüber, dass örtliche Fernsehsender mir nicht genügend Sendezeit einräumten. Ich danke allen meinen Geschwistern, vor allem meinen älteren Schwestern Helen und Irene, für ihre Unterstützung, besonders seit dem Briefbombenanschlag.

Für die uneingeschränkte Unterstützung bei der Niederschrift meiner Erinnerungen bin ich dem Vorstand des Institute for Healing of Memories (IHOM) unter der Leitung von Canon Delene Mark und zuvor Glenda Wildschut zu großem Dank verpflichtet. Ebenso begeistert unterstützt wurde ich durch den Vorstand von IHOM – North America unter der Leitung von Rev. Margaret Fell und zuvor Rev. Paul Feuerstein.

Von meinen Kollegen im Institute for Healing of Memories erhielt ich bei der Arbeit an dieser Autobiografie stets Zuspruch, obwohl dadurch ihre eigene Arbeitsbelastung zunahm. Dies gilt vor allem für meinen Stellvertreter Alphonse Niyodusenga und unseren Manager in KwaZulu-Natal, Mpendulo Nyembe.

Hilfe und Zuspruch erhielt ich von meiner engen Freundin Fatima Swartz besonders beim Verfassen des Kuba-Kapitels.

Im Laufe der Jahre war das Institut immer auf das Engagement ehrenamtlicher Seminarleiter angewiesen, besonders auf die langjährige Hilfe von Schwester Jacinta Bannon, IBVM, und Dick Herbert.

Mein Dank gilt Orbis Books und besonders Robert Ellsberg für die Veröffentlichung des Buchs und für seine hilfreichen Ratschläge und seinen Zuspruch. Ebenso danke ich meiner deutschen Verlegerin Barbara Budrich sowie Hélène Rybol und Dieter Rybol für die Übersetzung und Dagmar Dhyvert und Judith Henning für die Redaktion. Meinem lieben Freund Patrick Byrne danke ich ganz besonders: Seine Erfahrung und sein Engagement haben das ganze Übersetzungsprojekt erst ermöglicht.

Sehr viele Freunde haben mich im Laufe der Jahre dazu ermuntert, sowohl die Geschichte meines Lebens als auch die Geschichte des Institute for Healing of Memories mit meinen eigenen Worten zu erzählen. Hier ist sie nun.

Mit meinen Freunden Ntsikelelo Mateta und Stephen Karakashian (Foto: Bill Hackwell)

[1]Teil I

Die Briefbombe und ihre Folgen

[2]

[3]1

Der Anschlag

Am 28. April 1990, nach einer wunderschönen Abschiedsfeier, die meine Freunde für mich organisiert hatten, setzte ich mich etwas müde, aber glücklich in mein Wohnzimmer in Harare. Es fiel mir schwer, sie und Harare, das jahrelang mein Zuhause gewesen war, zurückzulassen, aber gleichzeitig freute ich mich auf meine neue Arbeit als Gemeindepfarrer in Bulawayo, der zweitgrößten Stadt in Simbabwe. Während ich mit meinem jungen Mitbewohner Andrew Mutizwa sprach, griff ich nach einem Stapel liegengebliebener Post und öffnete einen großen braunen Umschlag aus Südafrika, in dem sich zwei in Plastikfolie verpackte religiöse Zeitschriften befanden, eine auf Afrikaans, die andere auf Englisch. Ich zog die Folie ab, öffnete die englische Zeitschrift und schloss so den Schaltkreis.

Die Detonation traf mich mit voller Wucht. Ich fühlte, wie ich nach hinten geschleudert wurde, als würde ich in unendliche Dunkelheit eintauchen. Wenn meine Trommelfelle nicht geplatzt wären, hätte ich gehört, wie die Decke über mir und um mich herum einstürzte. Wenn ich mein Sehvermögen nicht verloren hätte, hätte ich vielleicht die Überreste meines Wohnzimmers in den Trümmern gesehen. Stattdessen trat ich in eine Welt der Stille, der Dunkelheit und entsetzlicher Schmerzen ein. Mir war sofort klar, dass das Apartheidregime dafür verantwortlich war. Und ich erinnere mich, dass ich den fremden Menschen, die vom Hotel gegenüber herbeigerannt kamen, um mir zu helfen, trotz der Schmerzen zuschrie: „Ich bin ANC-Mitglied. Holt Hilfe.“ Heute halte ich es für einen Segen, dass ich zu dem Zeitpunkt nicht sehen konnte, denn so blieb mir der Anblick des Blutes und der Stümpfe erspart, die zuvor meine Hände gewesen waren. Das Zimmer wurde fast vollständig zerstört. Wo ich vorher gesessen hatte, klafften nun im Boden und in der Decke gewaltige Löcher. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung ist es kaum zu glauben, dass ich überlebt habe.

Allein in dieser Leere, fühlte ich mich von Gott umgeben und spürte, dass Maria verstand, was ich durchmachte, denn sie hatte ja miterlebt, wie ihr Sohn gekreuzigt wurde. Obwohl ich viel Blut verlor, blieb ich bei Bewusstsein und begriff nach und nach den gesamten Schrecken meiner Situation. Um mich herum herrschte Chaos, als meine Freunde Rebecca Garrett und Hugh McCullum herbeieilten und sich bemühten, mich zum nächstgelegenen Krankenhaus zu transportieren. Der Krankenwagen, den sie gerufen hatten, kam nicht, und so fuhren sie mich mit ihrem eigenen Auto ins Krankenhaus. Rebecca erinnert sich, wie ich vor Schmerz aufschrie, als sie mich mit der Hand berührte. Dennoch begleitete mich Gott durch diese grauenvollen Stunden, in denen das Krankenhauspersonal bemüht war, mein Leben zu retten und die Schäden an meinem Körper zu begrenzen. Zum Glück betäubt ein Schock die Sinne. Trotzdem hatte ich so große Schmerzen, dass ich dachte, kein Mensch sollte so sehr leiden müssen. Aber Gottes Versprechen, das große Versprechen der christlichen Schriften, wurde eingehalten: Er verspricht nicht, dass wir nicht leiden werden, sondern sagt „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Ich bin keiner dieser selbstsicheren Christen, die die menschliche Weisheit und das Gottesverständnis gepachtet haben, doch diese Erkenntnis entspricht meiner Tradition, deren Innerstes sich mir in diesem Moment erschloss.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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