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Meine Balkanreisen mit Geocaching und Sightseeing. Das Buch enthält viel Hintergrundwissen, Reisetipps und Berichte über Erlebnisse, die Pauschaltouristen vorenthalten bleiben. Es soll Anregungen für eigene Reisen abseits kroatischer Strände bieten und ist nicht zuletzt ein persönliches Reisetagebuch.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 79
Veröffentlichungsjahr: 2020
Noch ein Buch übers Geocaching.
Prolog
Slowenien
Serbien
Serbien – Teil 2
Montenegro
Albanien
Zurück in Montenegro
Kroatien
Bosnien und Herzegowina
Österreich
Die Geocaches
Epilog
Aussprache
Ein Rezept für serbische Ćevapi
Im Jahr 2016 veröffentlichte ich mein erstes Buch über mein Hobby Geocaching: „Nur ein Stift und ein GPS Gerät“.
Für die Stammleser verzichte ich deshalb darauf, dieses Hobby in seinen Ausprägungen zu erläutern. Neuen Lesern kann ich empfehlen, entweder eines der zahllosen Bücher von Herrn Markus Gründel1 zu erwerben oder mein erstes Buch zu lesen.
Am Ende dieses ersten Buches träumte ich davon, dass die Färör-Inseln, Island, Grönland, die Mongolei, die Baltischen Staaten oder Russland bereisenswerte Länder wären, um dort zu cachen.
Jetzt vier Jahre später habe ich zwar mehr von der Welt gesehen, aber in keinem der vorgenannten Länder war ich seither, auch nicht in Nordkorea. Stattdessen hat es mich auf den Balkan verschlagen.
Schon im Jahr 2013 konnte ich durch einen glücklichen Zufall Slowenien bereisen und im Jahr 2017 war ich erstmals in Serbien.
Die Länder im südöstlichen Europa haben es mir angetan und sie erinnern mich an meine Kindheit, als meine Eltern meinen Bruder und mich mit in das damals noch sozialistische Jugoslawien nahmen.
Wir fuhren in den Sommerferien mit einem orangefarbenen Opel Rekord mit schwarzem Vinyldach durch halb Europa, gingen in der Adria baden und fingen große Fische fürs Abendessen. Die Inseln Krk und Čiovo, wo wir in Baška und Mastrinka Urlaub machten, sind in meiner Erinnerung paradiesische Plätze, an die ich noch einmal zurückkehren will.
Auch wenn Belgrad mit den kroatischen Stränden der Adria nicht viel gemein hat, so ist eine Reise dorthin für mich eine kleine Reise in die Vergangenheit. Die Überreste der sozialistischen Architektur, das Essen und die Gastfreundlichkeit der Menschen sprechen in mir etwas an, was mich an die schöne Zeit in Jugoslawien erinnert.
Dass sich solche Reisen auch mit meinem Hobby verbinden lassen, ist umso schöner. Dieses Buch soll nicht nur ein Buch übers Geocaching sein, sondern auch Anregungen für Balkanreisen abseits kroatischer Strände bieten und ist nicht zuletzt mein persönliches Reisetagebuch.
Viel Spaß beim Lesen
1 es kann nur einen geben ;) - Geocaching I - Alles rund um die moderne Schatzsuche
Mein guter Freund aus Schultagen, Jörg, rief an und fragte, ob ich in der kommenden Woche Pläne hätte, was ich verneinte. Daraufhin bot er mir an, mit ihm nach Ljubljana in Slowenien zu fahren. Er betreute für seinen damaligen Arbeitgeber als Verkäufer im Außendienst den Balkan und hatte noch einen Platz im Auto frei.
So ging es an einem Montag in der Frühe los. Gegen Mittag standen wir bereits in Österreich vor dem Karawankentunnel im Stau an, um auf der anderen Seite in Slowenien anzukommen. Der Grenzübertritt erfolgte ohne Grenzkontrollen – ich liebe das Schengener Abkommen. Bereits am frühen Nachmittag trafen wir in Ljubljana ein, bezogen das Hotel und schlossen in einem Lokal direkt am Fluß Ljubljanica den Tag ab.
Während Jörg am nächsten Tag seinen Terminen nachging, hatte ich die Gelegenheit, die Stadt zu erkunden.
Aus meiner Kindheit hatte ich Ljubljana als eine schmutzige Industriestadt mit hohen rot-weiß gestreiften Schornsteinen in Erinnerung. Wir haben die Stadt allerdings immer nur von der Autobahn aus gesehen. Vielleicht hätte sich auch damals schon ein Abstecher gelohnt. Die sozialistische Monumental- und Plattenbauarchitektur prägt auch heute noch große Teile der Stadt, nur vom Einheitsgrau ist nicht mehr viel zu sehen. Ljubljana ist eine farbenfrohe und moderne Stadt geworden.
Die schöne restaurierte Altstadt unterhalb des Burgberges lädt zu einem Bummel und zum Verweilen in einem der zahllosen Restaurants ein. Insgesamt 12 Brücken ermöglichen, den Fluss zu überqueren.
Als weithin sichtbare Sehenswürdigkeit thront die Burg über der Stadt. Das „Laibacher Schloss“ – Ljubljanski grad – ist eine der wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten Sloweniens.
Die Ursprünge liegen in einer mittelalterlichen Festung aus dem 11. Jahrhundert. Der heutige Grundriss des Schlosses entstand im 15. Jahrhundert, wohingegen die Gebäude überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Das Schloss wurde zur Verteidigung genutzt und war ab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts Sitz der Herren von Krain. Seit dem 19. Jahrhundert steht es für andere Zwecke zur Verfügung.
Man erreicht die Burg entweder zu Fuß oder mit einer Standseilbahn, die einen bequem vom Rand der Altstadt auf den Burgberg bringt.
Die Aussicht von der Burgmauer ist fantastisch. In der Burg befinden sich ein Museum zur slowenischen Geschichte, ein Puppentheatermuseum und weitere Ausstellungen. Ein Blick in die St.-Georgskapelle und das ehemalige Zuchthaus lohnen sich auf jeden Fall. Außerdem gibt es ein Restaurant und ein Café. Den Earthcache auf der Burg habe ich natürlich auch besucht.
Zum Zeitpunkt meiner Reise war die Zahl der Geocaches noch überschaubar, umso ärgerlicher, dass ich den Traditionalcache auf der Burg wegen einer Baustelle nicht suchen konnte.
Dafür habe ich den Geocache an der deutschen Botschaft nahe des Platzes der Republik gefunden. Sehenswert sind darüber hinaus der Kongressplatz und der Wolkenkratzer – Nebotičnik. Auch von dort kann man aus dem Dachcafé den Blick über die Stadt schweifen lassen. Das Hochhaus war zum Zeitpunkt seiner Errichtung im Jahr 1933 das höchste Gebäude auf dem Balkan und das neunthöchste in Europa.
Am zweiten Tag der Reise hätte ich eigentlich meinen monatlichen Frisörtermin gehabt. Da bin ich kurzerhand in Ljubljana zum Frisör gegangen. Der Salon lag im Industriegebiet gegenüber des Unternehmens eines Kunden von Jörg, den er in dieser Zeit besuchte. Trotz einiger sprachlich bedingter Schwierigkeiten bin ich doch mit einer ordentlichen Frisur davongekommen.
Nach dem Haarschnitt ging es weiter nach Maribor zum nächsten Termin. Auf dem Weg dorthin sollte noch ein weiterer Kunde aufgesucht werden. Glücklicherweise gab es am Ortsrand einen kleinen Berg mit einem Geocache oben drauf und einer Ski-Schanze am Hang.
Den Geocache habe ich auch gefunden. Die Hinweisschilder, die vor der Anwesenheit von Braunbären warnten, habe ich erst auf dem Rückweg gesehen.
In Deutschland passiert einem ja eher selten, dass man beim Geocaching auf gefährliche Tiere trifft (Komodowarane/Galapagosschafe ausgenommen2). In Südosteuropa können dagegen Schlangen, Bären und Wölfe vorkommen. Darüber macht man sich wenig Gedanken und ein solches Hinweisschild bringt einem doch schnell in Erinnerung, dass man nicht im heimischen Buchenwald unterwegs ist. Das holte mich in Montenegro noch einmal ein, aber dazu komme ich später.
In Maribor war nur ein Aufenthalt von einem halben Tag vorgesehen, denn am Tag darauf sollte es ja wieder nach Hause gehen. Maribor – Marburg an der Drau – ist Partnerstadt unserer Kreisstadt Marburg in Mittelhessen. Die Stadt wurde im 12. Jahrhundert erstmals erwähnt. Wir besichtigten die sehr schöne Altstadt mit ihrem Rathaus und der Stadtburg. Einen Geocache konnte ich finden, mehr gab es nicht – jedenfalls nicht in fußläufiger Reichweite. Die ganze Stadt befand sich wie in einem Dornröschenschlaf. Viele wunderschöne historische Gebäude. Vieles war noch nicht saniert und wartete auf seine Wiederentdeckung. Wir schlossen den Tag in einem netten und urigen Lokal in der Altstadt ab. Ich hatte Seehecht mit Bratkartoffeln, danach kehrten wir zeitig ins Hotel zurück.
Slowenien hat unheimlich viel zu bieten. Natürlich konnten wir in 3 Tagen, die nicht unwesentlich aus Autobahnfahrten bestanden, alles ansehen. Vom Auto aus konnte ich Burgen und schöne Orte in der Ferne sehen, die ich mir gerne genauer angesehen hätte. Slowenien bietet die Julischen Alpen, idyllische Dörfer, moderne Städte und die Adria und das alles nur jeweils wenige Stunden voneinander entfernt. Viele gute Gründe um das Land noch einmal zu bereisen.
Am Abend des vierten Tages waren wir wieder daheim.
2https://www.youtube.com/watch?v=ufLRibiM_JA&t=6s
Jörg erzählte mir im Jahr 2017, da war er längst nicht mehr bei zuvor benannter Firma beschäftigt, dass sein ehemaliger Geschäftspartner in Serbien geäußert habe, er solle doch mal wieder nach Belgrad kommen. Jörg hatte darauf erwidert, dass er doch nicht mehr im Außendienst für jene Firma tätig sei, woraufhin der Serbe konterte: „Egal, Hauptsache Šlivo trinken.“ Ich schlug vor, Jörg sollte ihm Bescheid geben, dass wir im Oktober vorbeikämen.
Der Flug war schnell gebucht und so kamen wir Anfang Oktober 2017 auf dem Flughafen Nikola Tesla in Belgrad an, wo uns Goran in Empfang nahm.
Nachdem wir unser Hotel bezogen hatten, ging es sofort auf Sightseeing-Tour. Zu Fuß brachen wir vom Hotel auf und gingen durch das ehemalige Künstlerviertel Skadarlija, wo ich am Beginn der Straße meinen ersten Geocache in Serbien finden konnte. Die historische Pflasterstraße wird gesäumt von einladenden kleinen Restaurants und Bars. Wir kamen am Nationalmuseum, welches sich seit mehreren Jahren in der Sanierung befand, vorbei und gingen von dort in die Fußgängerzone, entlang der Straße Knez Mihailova. Ich konnte dort die Antworten zu den Fragen zweier Earthcaches sammeln.
Die Fußgängerzone unterscheidet sich erfrischend von denen übriger europäischer Großstädte, da die typischen Ketten, die man überall findet, dort nur wenig vertreten sind. Noch beherrschen einheimische Geschäfte und Restaurants die Straße und Roma-Musiker spielen Musik, die in unseren Ohren doch ganz fremd und anders klingt, als die peruanischen Panflötenspieler auf dem Seltersweg in Gießen oder der Mönckebergstraße in Hamburg. Die Belgrader versorgen sich auf den Märkten, in den zahllosen kleinen Geschäften, Metzgereien und Bäckereien, aber der Wandel ist bereits erkennbar. So wurde während unseres Besuchs ein modernes Einkaufszentrum am Ende der Fußgängerzone eröffnet und auch im Stadtteil Neu-Belgrad gibt es einen riesigen, supermodernen Konsumtempel. Im Bereich des Bahnhofes entsteht ein neuer Stadtteil „Belgrade Waterfront“. Man kann darüber streiten, ob derart moderne Gebäude wirklich zwischen die osmanische und die k u. k-Architektur3
