Monkey, Monkey - Jo Danieli - E-Book

Monkey, Monkey E-Book

Jo Danieli

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Beschreibung

Kinder sind einfach Kinder, egal, woher sie kommen, und es sind Manfred's Freunde aus anderen Kulturen, die ihm dazu verhelfen, dass er sich in seiner Haut so richtig wohlzufühlen beginnt, weil er endlich nicht mehr heimlich tun muss, was ihm am meisten am Herzen liegt ... aber um herauszufinden, was das ist, dazu müsst ihr euch auch mit Manfred anfreunden. Seine Geschichte wird euch daran erinnern, dass ihr sicher auch Talente habt, die ihr einmal so richtig ausleben solltet.

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Seitenzahl: 155

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Jo Danieli

Monkey, Monkey

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Monkey, Monkey

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 29

Kapitel 30

Impressum neobooks

Monkey, Monkey

Kinder-Roman

Von Jo Danieli © 2017

Kapitel 1

Manfred (9, drahtig, blass und dunkelhaarig, in Jeans und dunkelblauem Sweater) geht neben seinem Vater, Konrad (36) durch eine Fußgängerzone seiner Heimatstadt. Er trägt die Schultasche am Rücken und schaut missmutig drein. Konrad, groß, hager, dunkelhaarig, in sportlichem Sakko und Jeans, trägt eine Aktentasche und ist in Eile.

In einiger Entfernung liegt etwas auf dem Boden, das glitzert und immer wieder von Passanten verdeckt wird, während Manfred aber versucht, es im Auge zu behalten. Konrad dirigiert Manfred in Schlangenlinien durch die Menge, und der Bub strengt sich an, das glänzende Dinge immer wieder aus der Ferne zu finden.

Konrad klopft Manfred sanft auf die Schulter. “Es wird schon klappen, Kiddo. Klar wird es das. Ist ja nicht so schwer. Also: Orangen, Zitronen, Bananen gibt es - wo?”

Manfred konzentriert sich auf das glitzernde Ding; Konrad beugt sich zu ihm, schüttelt ihn am Arm. “Hörst du mir zu? Orangen und Bananen gibt es ..?”

Manfred schaut ihn irritiert an. Konrad grinst halbherzig. “Im Laden gilt nicht.”

Sie hasten weiter und nähern sich zu Manfreds Freude dem glitzernden. Konrad legt seinen Arm seufzend um seinen Sohn. “Na?”

Manfred erkennt, dass es sich um einen Sektkorken samt zugehörigem Drahtverschluss handelt; Umarmt von seinem Vaters dahin stolpernd, schaut er sehnsüchtig zum Korken hin, während sie daran vorbei gehen. Sie bleiben an einer Ampel stehen.

“Die Frau Lehrerin wird dich das auch fragen.”

Manfred schaut etwas betreten zu ihm hoch. Er ist versucht, zum Korken hinzuschauen, aber Konrad schaut streng und auffordernd.

“Dort, wo es auch Kamele gibt.”

Konrad zuckt die Schultern. “Hm. Das ist ja schon etwas. Afrika heißt das. Und wo noch?”

Die Ampel schaltet auf Grün; Manfred schaut zum Korken hinüber, und in diesem Moment stößt ein Passant diesen mit dem Fuß; Der Korken kollert zu Manfred herüber, und er greift danach - aber Konrad zerrt ihn weiter. “Lass das liegen! Was du immer mit dem Mist hast!”

Manfred schmollt und geht zögernd weiter; Konrad schubst ihn nachdrücklich. “Also, was ist jetzt mit den Orangen? Meine Güte! Ist das so schwierig?”

Manfred zieht eine schmollende Miene. “Was heißt Kiddo?”

Manfred und Konrad hasten die Straße hinunter, die zu Manfreds Schule führt, und das Gebäude wird zwischen Alleebäumen sichtbar. Manfred verzögert seine Schritte, während Konrad ihn zum Schnellergehen nötigt. “Na, morgen kommt ja das Auto aus der Werkstatt ...” (schaut auf die Uhr, seufzt) “... dann habe ich vielleicht wieder die Chance, pünktlich im Büro zu sein.” Er schaut Manfred gestresst an, während der nach einem Stein kickt. “Deine Mutter hat ja viel mehr Zeit, dich herumzukutschieren.”

Sie bleiben vor dem Schultor stehen; Konrad beugt sich zu Manfred, ordnet seinen Kragen; Ringsumher treffen andere Schulkinder ein. “Ich würde mich so gern auf dich verlassen können, weißt du. Geht das, Manfred?”

Manfred nickt schüchtern und vermeidet es, seinen Vater direkt anzuschauen. Konrad kneift leicht seine Wange, und Manfred weicht ihm etwas verlegen aus. Er schaut sich heimlich nach Schulkameraden um, aber niemand ist in Sicht.

Konrad lächelt angesichts Manfreds Verlegenheit. “Mach’s gut, Kiddo. Das ist ein Wort, das Amerikaner zu ihren coolen Söhnen sagen.”

Manfred grinst kurz, und Konrad klopft ihm noch einmal kurz auf die Schulter und schickt ihn dann los, in Richtung Schuleingang. Er murmelt hinter ihm her: “Sei bitte brav. Ich hab’ dich lieb.”

Kapitel 2

In seinem Klassenzimmer sitzt Manfred mürrisch in seiner Schulbank, in einer lümmelnden, fast liegenden Haltung und kritzelt etwas in sein Heft; Manchmal schaut er zum Fenster hinaus. (Es regnet.) Der Platz neben ihm ist leer, während alle anderen Schüler zu zweit sitzen.

Lehrerin Emilia Burger (28) steht vor der Klasse und ermahnt Manfred mit Blicken, sich aufrecht hinzusetzen. Er richtet sich kurz auf und lässt sich aber bald wieder sinken.

“Also ... da es sich um eine Multiplikation handelt, meine Lieben, gibt es auch kein Plus drinnen ... Manfred! Bitte! Jetzt sitz’ doch aufrecht!”

Einige Mitschüler flüstern: “Monkey, Monkey!”

Die Lehrerin schaut in die Runde. “Das gilt auch für die anderen: Aufrecht sitzen! Sonst bekommt ihr einen Buckel!”

Die Mitschüler richten sich in ihren Bänken auf. Mitschülerin Ewa (9, zierlich, dunkelhäutig, mit geflochtenen Zöpfen, afrikanischer Abstammung) beobachtet Manfred schwärmerisch; Ihre Sitznachbarin Lily (9) schaut Ewa spöttisch dabei zu und macht einen spielerischen Kussmund zu ihr hin. Ewa kneift sie; Lily quietscht.

Lehrerin Burger schreibt gerade etwas an die Tafel, verdreht die Augen, sagt aber nichts. Mitschüler Yilmaz (10, türkisch-stämmig) sitzt einige Reihen hinter Ewa und beobachtet, wie sie Manfred anschwärmt. Er verzieht eifersüchtig das Gesicht; Neben ihm sitzt sein Freund Rudi (9) und schießt (solidarisch) eine Papierkugel zu Manfred, der einige Reihen vor ihnen sitzt, aber Manfred ignoriert das Geschoß, das von seine Rücken abprallt.

Lily zeichnet ein Herz in Ewas Heft, und diese kneift sie wieder, dass sie quiekt. Lehrerin Burger schaut nun strafend zu ihnen hin, warnend den Kopf schüttelnd; Die Mädchen schauen “brav” in ihre Hefte. Die Lehrerin geht auf Manfred zu und hält ihm ein Stück Kreide hin.

“Manfred! Magst du das ausrechnen?”

Manfred schaut verlegen zu ihr auf und schüttelt den Kopf. Die Mitschüler lachen, und die Burger schaut Manfred einen Moment lang betreten an, dann wendet sie sich den anderen Schülern zu, die Kreide hochhaltend. “Wer mag?

Mehrere Schüler machen heimlich “Affen”-Bewegungen und spotten flüsternd: “Monkey, Monkey ...”

Mitschülerin Marie (9, schüchtern, blond) sieht Manfreds Verlegenheit und hebt eilig die Hand. Die Lehrerin zeigt auf sie. “Marie? Na gut, bitte sehr!”

Mit einem schüchternen Seitenblick zu Manfred geht Marie zögernd zur Tafel und nimmt die Kreide von der Lehrerin, die ihr ermutigend zunickt.

“Das freut mich, dass du es versuchen willst.”

Manfred sinkt inzwischen wieder in die Lümmelstellung, legt seinen Kopf auf seine Arme und schaut zum Fenster hinaus.

Die Schüler schlendern im Pausenraum herum, sitzen auf Garderobebänken oder lehnen an den Wänden, essen ihre Jause, rangeln oder plaudern. Manfred lehnt am Fenster, schaut in den regennassen Schulhof hinunter und isst sein Jausenbrot;

Raufende Mitschüler verdrängen ihn von seinem Platz. Er wendet sich ab und schlendert still umher.

Bei Tür zum Lehrerzimmer liegt ein verbogener metallisch glänzender Yoghurt-Drink-Verschluss auf dem Boden. Manfred sieht ihn, und ist wie hypnotisiert.

Yilmaz albert mit Rudi in der Nähe herum. Als sie Manfred sehen, machen sie grunzende Geräusche und kratzen sich unter den Armen. “Monkey, Monkey!”

Manfred tut so, als schaue er aus dem Fenster, behält aber den runden, gezackten Verschluss im Auge und wartet auf eine Gelegenheit, ihn unauffällig aufzuheben.

Ewa steht mit Sitznachbarin Lily und anderen Mädchen in einer Gruppe zusammen, und sie blättern in einem Mädchen-Magazin. Lily merkt, dass Ewa dauernd zu Manfred hinüber linst und schubst sie. “Nicht! Sonst kommt er noch hierher!”

“Nie.” Ewa klingt betrübt, und die anderen Mädchen seufzen und schütteln die Köpfe. “Genau der, Ewa, jetzt aber wirklich ...”

Marie sitzt etwas abseits auf einer Garderobenbank und zieht gedankenverloren einen losen Faden wieder in ihren Pullover ein; Sie hört aber genau, was die Mädchen reden und schaut blinzelt schüchtern zu Ewa hinüber.

Lily stößt Ewa mit dem Ellenbogen. “Er wird sitzenbleiben. Dann sind wir ihn los.” Ewa gibt ihr einen empörten Schubs, und Lily kichert. Marie erschrickt über das “Sitzenbleiben” und schaut schnell zu Manfred hinüber; Der scheint in sich selbst versunken zu sein und schaut sein Pausenbrot an, ignoriert es, dass Yilmaz und Rudi Papierkügelchen auf ihn schießen.

Die Pausenglocke läutet. Manfred tut so, als wolle er noch sein Pausenbrot fertig essen, während die anderen Schüler in ihre Klassen gehen.

Yilmaz geht absichtlich nahe an Manfred vorbei und tritt ihm auf den Fuß. Manfred stößt ein grunzendes Quietschen aus und wirft sich zum Erstaunen seiner Mitschüler zu Boden als sei er “schwer verletzt”, rollt zur Seite und hält sich wimmernd den Fuß. Dabei kommt er seinem begehrten Verschlusskappenschatz sehr nahe.

Die Mädchen schauen erschrocken, und Yilmaz und Rudi stehen verdattert da und tippen sich an die Stirn, dass Manfred ”verrückt” sei.

Manfred schnappt sich heimlich die metallische Verschlusskappe und steckt sie ein.

Lehrerin Burger tritt aus dem Lehrerzimmer, sieht Manfred am Boden und eilt zu ihm. Yilmaz und Rudi verziehen sich hastig ins Klassenzimmer.

“Manfred! Was ist denn passiert?” Frau Burger hilft ihm aufzustehen, von den anderen Schüler umringt. “Sag’ schon! Hat dich jemand gestoßen?”

Manfred schüttelt heftig den Kopf, macht sich von ihr los und eilt zum Klassenzimmer. Lily stößt Ewa an. “Dein Held ist eine Mimose.”

Ewa zischt zornig: “Selber Mimose.”

Im Klassenzimmer schlurft Manfred zu seinem Platz, von Yilmaz missmutig beobachtet, doch er schaut seinen Mitschüler gar nicht an. Yilmaz’ Sitznachbar Rudi pfeift beeindruckt. “Der hat echt Angst vor dir.”

Yilmaz spricht mit starkem türkischem Akzent. “Ewet. Muss er.” Er lehnt sich in seinem Sessel zurück und Yilmaz zeigt Rudi seine Muskeln. Dabei lugt er verstohlen zu Ewa hinüber, aber die hat aber nur Augen für Manfred und betrachtet ihn besorgt. Yilmaz packt verärgert seine Muskeln wieder ein.

Lehrerin Burger schreibt derweil etwas ins Klassenbuch.

Marie sieht auch, wie Ewa Manfred anschmachtet und wendet sich traurig ab. Yilmaz hält seine Finger wie eine Pistole und zielt zu Manfred hin. Marie wirft ihm einen strafenden Blick zu, und Yilmaz gestikuliert fragend. “Was guckst du?”

Lehrerin Burger klatscht in die Hände und stellt sich vor die Klasse. “So! Und jetzt sind wir alle wieder bei der Sache!”

Manfred nimmt seine Lieblingsposition ein, über dem Tisch halb liegend. Dabei zieht er heimlich die gezackte Verschlusskappe ein Stückchen aus der Hosentasche und betrachtet sie zufrieden.

Die Lehrerin spricht sanft, aber etwas streng: “Wir sehen uns an, wie das Diktat von gestern ausgefallen ist, und dann verbessern wir es. Denn das ist nötig. Dringend.” Sie nimmt einen Stapel lose beschriebener Blätter aus einer Mappe.

“Manche von euch sind ganz gut im Rennen. Manche müssen üben, üben, üben! Und dann haben wir - Manfred Blüm!”

Manfred versucht sich hinter dem Schüler vor ihm, BENJI (9), zu verbergen; Lehrerin Burger tritt zur Seite, sodass sie Manfred sieht und spricht geduldig. “Manfred! Komm bitte zu mir.”

Die Kinder murmeln, als Manfred langsam zur Tafel schlurft. “Monkey, Monkey ...”

Ewa gestikuliert ärgerlich in die Klasse: “Psst!” Yilmaz faucht “Maymun!”

Lehrerin Burger übergibt Manfred die Diktat-Blätter. “Du hast nun Gelegenheit zu beweisen, dass du zumindest lesen kannst, denn deine Arbeit ...” (besorgt tadelnd) “... sieht so aus, als würdest du gar nicht zur Schule gehen.” Sie legt bedauernd den Kopf schief. “Tut mir leid, dass sich das so sagen muss. Aber Es ist die Wahrheit.”

Die Mitschüler kichern; Ewa zieht eine besorgte Schmollmiene; Marie schaut Manfred tief mitleidig an als wolle sie ihn im nächsten Moment umarmen. Lehrerin Burger mustert Manfred, während er die Diktat-Blätter befingert. “Du weißt, dass du dich bemühen musst, Manfred. Warum tust es nicht?” (zuckt die Schultern) “Ehrlich gesagt sehe ich momentan schwarz für deinen Aufstieg in die nächste Klasse.”

Manfred schaut sie ernsthaft und ratlos an - und nickt. Lily schubst Ewa, die Lehrerin Burger feindselig anschaut. “Siehst du! Sag’ ich doch.”

Marie senkt derweil den Kopf als ob sie es wäre, die gerügt wird.

Die Lehrerin tätschelt ermutigend Manfreds Schulter. “Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Liest jetzt bitte die Namen und die Noten vor und teile die Blätter aus. Los geht’s!”

Manfred holt tief Luft, während Lehrerin Burger sich an ihr Pult setzt und etwas zu schreiben beginnt. Lily macht Gesten wie ein “Affe”, und Ewa nimmt sie in den Schwitzkasten.

Die Frau Lehrerin spricht, ohne aufzublicken. “Ewa und Lily, Ruhe, sonst gibt’s eine Stunde länger Unterricht für euch.”

Die Mädchen fahren auseinander und verstummen.

“Marie! Komm zu mir, bitte.” Marie erhebt sich eilig, geht zur Tafel. Die Lehrerin hält ihr ein Stück Kreide hin. “Schreib’ das ABC auf die Tafel, mit je einem Wort als Beispiel.” (seufzt) “Du bist auch so ein Spezialfall ...”

Marie geht an Manfred vorbei zur Tafel und senkt den Kopf dabei so tief, als suche sie etwas auf dem Boden; Sie nimmt die Kreide mit zitternden Fingern und beginnt an die Tafel zu schreiben.

Manfred, verlegen, liest derweil umständlich. “Man .. Manfred B ... Blume ... Blüml 5.”

Die Schüler lachen laut auf, und Lehrerin Burger schaut Manfred tadelnd an, während dieser beschämt blinzelt. “Ja. Leider. Weiter mit den Anderen.”

Maries Kreide bricht ab, und ein Stück fällt zu Boden; Manfred bückt sich schnell, hebt es auf und gibt es Marie, aber er schaut sie kaum an dabei. Marie steht sprachlos ... während Manfred einige Blätter aus dem Griff rutschen. Er bückt sich, um sie aufzuheben, und nun will Marie ihm helfen, aber Lehrerin Burger winkt ihr. “Bitte fang an, Marie.”

Marie beginnt an die Tafel zu schreiben: “A - Apfel. B - Bierne.”

Die Mitschüler murmeln, und die Lehrerin seufzt. “Die Birne musst du dir genauer ansehen.”

Marie steht einen Moment verdattert, dann löscht sie das Wort aus und schreibt es richtig. Derweil liest Manfred mit Mühe. “Buckard Meer ...”

Sein Mitschüler Burkhard ruft erbost. “Meyer! Burk- ...”

Frau Lehrerin Burger winkt Burkhard, sich zurück zuhalten: “Danke, Burkhard, aber Manfred schafft das schon. Und wir sagen alle Danke, wenn wir unser Blatt erhalten. Wir sind nämlich höfliche Leute.”

Manfred liest weiter: “Bur ... kard ... Meyer ... 3.”

Er geht zu Burkhard, der ihm deutet, dass er das Blatt vor ihn auf den Tisch hinlegen solle; Manfred tut es, die anderen kichern. Burkhard kratzt sich unter den Armen und grunzt wie ein Äffchen.

Manfred senkt den Kopf und dreht sich um. Frau Burger verschränkt die Arme und schaut Burkhard streng an, macht eine Kopfgeste zum Klassenbuch hin. “Das Klassenbuch ruft schon deinen Namen, Burkhard.”

Im Hintergrund flüstern Stimmen “Monkey, Monkey!”

Manfred liest weiter: “Yil ... Maus-Bazar.”

Alle lachen wild auf. Marie schreibt “Enthe” und zuckt wegen dem Gelächter zusammen. Yilmaz furcht die Stirn, zornig.

Die Lehrerin spricht ruhig und freundlich. “Konzentriere dich, Manfred! Denk mit beim Lesen, ich bitte dich!”

Inzwischen bessert Marie die “Enthe” aus.

Manfred wiederholt, verlegen. “Yil ... maz ...” (leise) “Pes ... Pazar ... 3 plus.”

Er bringt das Blatt zu Yilmaz, der merkt, dass die Lehrerin ihn scharf beobachtet und verneigt sich spöttisch.

“Tesekkür ederim.”

Die Lehrerin schaut Yilmaz herausfordernd an (“Sprich deutsch”).

Yilmaz grinst. “Danke.”

Manfred runzelt die Stirn und nickt, schaut sich das nächste Blatt an. Die Lehrerin winkt ihm ermutigend. “Schau immer genau, was da steht! Lies zuerst leise, dann laut.”

Manfred schaut kurz zu Ewa hin, um ihre Position zu orten, und Ewa seufzt besorgt auf. Yilmaz beobachtet es grimmig. Lily verdreht kichernd die Augen.

Manfred holt tief Luft. “Ewa ... Bot ... Botu ... wa ...” (stöhnt) “Bo –“

Ewa ruft laut heraus. “Botowamungu!”

Die anderen lachen. Ewa hält sich die Hand auf den Mund und schaut die Lehrerin “schuldbewusst” an. “Ups.” Frau Burger nickt, “wissend” und lächelt leicht. Manfred nickt und wendet sich Ewa zu. “Ewa Bomungu. 2.”

Lehrerin Burger seufzt nur, schaut derweil Marie an der Tafel zu, die “Faltr” geschrieben hat.

Manfred geht durch die Reihe zu Ewa, die sich freudig aufrichtet und Manfred die Hand entgegen streckt, strahlend lächelnd. Yilmaz stellt Manfred ein Bein, und Manfred stolpert, aber Benji hält Manfred in einem Reflex fest, damit er nicht auf ihn fällt. Dabei reißt ein Knopf von Manfreds Hemd ab, und kollert auf den Boden. Manfred fängt sich polternd und verschiebt zwei Tische, und die Mitschüler brechen in Rufe aus, während die Lehrerin laut “Was soll denn das?” ruft.

Marie dreht sich um, durch den Aufruhr erschreckt - und sieht wie der Knopf über den Boden kollert.

Manfred stößt wieder ein grunzendes Geräusch aus, rappelt sich auf und gibt Ewa ihr Blatt; Ewa strahlt ihn an, spricht schmachtend. “Danke, Manfred. Hast du dir wehgetan?” Sie nimmt das Blatt so, dass ihre Finger Manfreds Hand streifen; Er bemerkt es gar nicht, wendet sich schon dem nächsten Blatt zu.

Yilmaz grunzt laut, senkt aber den Kopf, weil die Lehrerin sich vor ihm aufpflanzt. “Du weißt, dass ich das notieren muss, oder?”

Yilmaz verschränkt die Arme und zuckt die Schultern. “Bin nicht schuld, wenn Maymun nicht gehen kann.”

Die Lehrerin runzelt die Stirn. “Er heißt Manfred, und ich hoffe, deine Eltern kommen zum Sprechtag.”

Inzwischen schaut Ewa beglückt das Papier an, und Lily kichert und flüstert ihr ins Ohr. “Oh! Da sind jetzt seine Bakterien drauf! Vielleicht musst du auch die Klasse wiederholen.” Ewa zuckt die Schultern, ein wortloses “Na und?” ausdrückend.

Yilmaz murmelt missmutig, “Maymun ... Affenbakterien.” Die Lehrerin gesellt sich wieder zu Marie, die bereits bei K ist und “Kirsche” geschrieben hat.

Inzwischen wirft Yilmaz Ewa heimlich eine Kusshand zu und flüstert schmachtend. “Sen beni seviyor musun?” (Es bedeutet ”Liebst du mich?”)

Ewa fuchtelt zu Yilmaz, dass er gefälligst wegschauen solle, und Lily prustet los und taucht unter ihr Pult, weil die Lehrerin genervt seufzt.

Yilmaz’ Nachbar Rudi kichert solidarisch.

Etwas später sitzt Lehrerin Burger an ihrem Pult und schreibt. Die Klasse ist leer, bis auf Manfred, der auf seinem Platz lümmelt und in einem Heft herumkritzelt.

Lehrerin Burger steht auf und tritt neben ihn; Sie sieht, dass er hauptsächlich Silhouetten von Bäumen, Häusern, Sonnen und Sterne gezeichnet und kaum etwas geschrieben hat. Sie hockt sich neben ihn hin. “Manfred, du hast doch am Wochenende irgendetwas gemacht, oder? Mit deinen Eltern, mit Freunden?”

Manfred zuckt die Schultern und schaut aus dem Fenster. Lehrerin Burger schiebt sich in sein Blickfeld. “Nichts? Hm. Du bist nicht einmal aufgestanden, hast nicht gefrühstückt, bist nicht spazieren gegangen?”

Sie schaut ihn herausfordernd an; Manfred zuckt die Schultern.

“Ferngesehen?”

Manfred nickt vage; Lehrerin Burger lächelt geduldig. “Na also. Dann schreibe etwas darüber. Was hast du dir angesehen?” Sie hockt sich zu ihm hin und schaut ihm direkt in die Augen. Manfred schluckt. “Hab’ ich vergessen.”

Die Lehrerin mustert sein Gesicht aufmerksam und sieht, dass er ein wenig verloren und irritiert wirkt. Sie lächelt ihn an, steht auf und tippt auf sein Heft. “Na gut. Dann schreib’ einfach vier Sätze über irgendetwas, das dir gefällt, hm? Egal was.”

Manfred schaut sich in der Klasse um, zuckt die Schultern.

“Vielleicht nicht hier drinnen. Irgendwo. Etwas Schönes. Ein Auto? Das Wetter? Vielleicht etwas zum Essen? Dir wird schon etwas einfallen.”

Sie geht zu ihrem Pult zurück und Manfred schaut ihr angestrengt nach. Die Lehrerin setzt sich hin und merkt, dass Manfred sie anstarrt. Sie lächelt freundlich. “Manfred, ist es dir egal, ob du schreiben kannst oder nicht?”