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Zwei Online-Bekannte, Mila und Flobert, finden einander in der Realwelt völlig unattraktiv und können einander eigentlich nicht ausstehen. Um dennoch von der Situation zu profitieren, verbünden sie sich und entwickeln einen Verführungsplan, um ein Paar aus ihrem gemeinsamen Freundeskreis auseinander zu bringen und die neuen Singles für sich zu gewinnen, da sie in ihnen ihre jeweiligen Traumpartner sehen. Das Vorhaben gelingt trotz Eifersüchteleien zwischen Mila und Flobert, doch die neuen Beziehungen erweisen sich zwar als süß, aber als weit weniger prickelnd als erhofft. Letztendlich scheitert die Intrige an tiefen Gefühlen und heißen Begierden, während Online-Dating neue Kunden gewinnt.
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Seitenzahl: 187
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Jo Danieli
Flossen
Eine sehr sexy Liebesgeschichte.
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Flossen
Euphorien & Gegenteile
Virtualität & Realität
Schönes & Bitteres
Ruhestände & Erregungen
Selektives & Zufälliges
Nimmerwiedersehen & So
Begierden & Gegenteiliges
Althergebrachtes & Sinniges
Lachen & Zweifeln
List & Tücke
Reminiszenz & Hoffnung
Liebe & Lüge
Freundschaft & Ehre
Verliebe & Verhasste
Fata Morgana
Orgiastisches & Praktisches
Plaudereien & Gier
Fegefeuer & Erlösung
Nachwort
Impressum neobooks
Liebeskomödie
Von Jo Danieli © 2017
Es ist Frühling, die Sonne scheint, und das Zirpen und Zwitschern der Vögel wird von einer leichten Brise zum eleganten Restaurant “Schönblick” am Rand des grünen Stadtparks getragen und flutet durch die offenen Fenster ...
An einem Ecktisch sitzen Mila (33, brünett, etwas mollig, in rosa Bluse und schwarzer Hose) und Flobert (38, mittelgroß, dunkelhaarig, leger-elegant in einem grauen Freizeitanzug mit weißem Hemd) einander steif gegenüber und schauen starr über die Schulter des anderen. Beide halten die Arme verschränkt und schweigen grimmig, missmutig vor leeren Tellern und Gläsern.
Das Restaurant ist spärlich besucht, und die anderen Gäste plaudern gedämpft oder schmausen schweigend.
Schnaubend reißt Mila ihr Weinglas an sich und saugt noch einen Tropfen heraus. Flobert pickt einen Krümel aus dem Brotkorb. Als der schlaksige, genervt wirkende glatzköpfige Kellner in der Nähe vorbei wandert, rufen Mila und Flobert zugleich aus: “Zahlen!”
Der Kellner zuckt zusammen und eilt heran, den Rechnungsblock zückend, während Mila und Flobert eilig nach ihren Geldbörsen greifen.
Mila sitzt in einem orangefarbenen Pyjama, die Zahnbürste mit Zahnpasta darauf in der Hand, vor ihrem Computer in einer als Büro ausgestatteten Ecke ihres gemütlichen kleinen Wohnzimmers und liest mit zornverzerrter Miene eine Email. Handgemachte Puppen stehen und sitzen herum, “Hexen”, “Wäschermädchen”, “Adelige Herren”, “Jäger” und “Prinzessinnen” sowie zwei “afrikanische Buschmänner” und eine historisch wirkende, nobel herausgeputzte Puppe in einem Glaskasten.
Mila liest, murmelnd: “... und ich spüre, dass wir einander ergänzen können, wie die Teile eines Puzzles. Das weiß ich in der Tiefe meiner Seele!” Sie schnaubt bitter-zynisch und fuchtelt wütend, sodass die Zahnpasta irgendwohin geschleudert wird und mit leisem Platschen landet. Mila tippt mit der Zahnbürste auf der Tastatur, verächtlich “knurrend”. “Seele”! Was für eine Seele ... hohl bist du, wie ein ... ein ...” Sie ringt nach Worten, wirft die Zahnbürste beiseite, und ihre Finger schweben zitternd über der Tastatur - ehe sie wild ein Wort tippt. Dann starrt sie atemlos auf das Wort auf dem Bildschirm. “Zombie” Ihre Finger schweben weiter nervös über der Tastatur, aber ihr fällt nichts mehr ein, was sie schreiben könnte und sie brummt und schnaubt, unter zornigen Grimassen Schließlich schaltet sie mit heftigen Bewegungen genervt den Computer aus. Sie lässt die Zahnbürste am Tisch liegen und schlurft ins Schlafzimmer, wirft sich bäuchlings aufs Bett, gibt dem Kopfpolster zwei Faustschläge. “Kein Wunder ... bei meinem Glück.” Sie gräbt ihr Gesicht in den Kopfpolster; Am Bettrand sitzt eine schöne volkstümlich bunt gekleidete Puppe und schaut zu. Mila faucht sie an, “Und du, Marie, was glotzt du?”
In einer sehr modernen, in hellem Beige und Schwarz gehaltenen Wohnung sitzt Flobert auf seinem breiten Bett, mit einer schwarz-gelb karierten Überdecke hebt einen Stapel ausgedruckter Emails auf und lässt die Papierseiten auf das Bett rieseln, verächtlich schnaubend. Ein Blatt nimmt er auf und liest laut und höhnisch: “... aber wir werden wohl feststellen, dass dieses Herzklopfen berechtigt ist, wenn wir uns sehen. Ich fühle dich.”
Mit einem wütenden “Ha!” zerreißt er das Blatt, wirft es auf den Boden, nimmt weitere Ausdrucke und zerfetzt auch diese, schleudert die Fetzen durch den Raum, aber sie fliegen nicht weit und rieseln auf ihn hinunter, und er schlägt zornig nach ihnen. “Fühlen”! Du fühlst ja nicht einmal etwas, wenn dein Arsch auf einer Gasflamme sitzt!”
Er fegt alle Ausdrucke vom Bett, steht auf, steigt aufs Papier und geht aufs Klo, bitter murmelnd. “Gar nichts schulde ich dir.”
Mila liegt auf ihrem Bett im dunklen Zimmer, mürrisch gegen die Decke starrend. Ihr Gesicht ist leicht vom Schein einer Straßenleuchte erhellt, der durch einen Spalt zwischen den geblümten Gardinen hereinflutet. “Und wahrscheinlich schämst du dich nicht einmal. Arschloch.” Sie wirft sich zornig auf die Seite und reminisziert, in die Dunkelheit starrend ...
(Vor drei Wochen ...)
Mila sitzt vor dem Bildschirm und schmachtet Floberts Internet-Online-Profil an: Eine Flut von Bildern zeigt Flobert, bärtig und oft mit einem Sport-Käppi, mit vielen Freunden bei diversen Aktivitäten: Kartenspielen, Segeln, Wandern im Dschungel, Segelfliegen, Schwimmen, Tennisspielen, auf Parties.Stets lächelt er entspannt und wirkt aktiv und intelligent. Mila telefoniert und liest eine Email begeistert glucksend vor: “Es ist mir wichtig, das Gemeinsame nicht nur zu ermöglichen - sondern es zu pflegen. Beziehung ist eine empfindliche Pflanze, die auf jede energetische Veränderung reagiert.”
Mila stößt ein Juchzen aus und hört dem zu, was ihre Freundin Heli (32) am anderen Ende der Leitung sagt, ungeduldig fuchtelnd. “Natürlich, wer sonst? Oh, Heli, Heli ... ich sag’s dir, er ist perfekt! Er denkt genau wie ich! Und so einfühlsam ist er, so gescheit! Reif. Sensibel,” seufzt, “oh ja, sexy. Und wie sexy. Er schaut aus wie –“ lauscht, “Genau! Und er wirkt als ob er –“ hüpft begeistert, “... ja, ganz genau!” Sie seufzt beglückt. “Mein Traummann.”
Sie blättert eilig durch einige Online-Bilder von Flobert, immer noch am Telefon mit Heli, ”Naja, in einem “kreativen Beruf”. Wahrscheinlich Designer oder so.” Sie lauscht und zuckt dann stirnrunzelnd die Schultern, “Maler? Du meinst Öl und so? Nein, sicher nicht. Er schaut nicht arm aus,” lauscht, “Na und? Er weiß es von mir ja auch nicht! Werd’ ja nicht damit werben, dass ich so einen faden Job hab’!” Sie rollt die Augen, etwas genervt von Helis Zweifeln, “Er macht sicher ... was weiß ich, etwas ganz Tolles ... so Opern-Regie oder Schriftsteller ... kreativ halt! Ach, komm jetzt! Ein Koch ist ist doch ...” lauscht, “Ja. Das schon eher. Wieso Schauspieler?” Sie betrachtet einige Bilder genauer, zuckt die Schultern. “Jedenfalls kein berühmter. Nein. Hat er nicht.” Sie grunzt, genervt. “Was heißt Jeder hat Facebook? Es gibt eine Gegenbewegung.” Sie berührt ein Bildschirmbild vom bärtigen, grinsenden Flobert zärtlich. “Ich mag diesen Bart! So gepflegt. Und er ist beliebt! So viele Freunde,” lauscht und rollt die Augen, “na, auf den Fotos! Jetzt komm’, Heli! Das ist alles echt, sieht man doch.” Sie schaut die Bilder genau an. “Mir wurscht, was Photoshop alles kann. Ich bin ja nicht blöd. Da! Beim Fliegen sieht man ihn im Cockpit.” Sie gluckst aufgeregt. “Ich kann’s kaum erwarten!” Sie schaut auf die Uhr und kichert. “In vierunddreißig Stunden und ... achtzehn Minuten! Na klar - Sex! Endlich wieder Sex!”
Sie lehnt sich im Sessel zurück, schmachtet das Online-Flobert-Profil an und leckt sich die Lippen ..-
(Und Flobert reminisziert ebenfalls ...)
Flobert sitzt auf dem Bett und schaut zum Computerschirm, worauf das Bild einer verwegen grinsenden Mila prangt, die in einer Wiese sitzt und sich selber ihren brünetten Wuschelkopf zerzaust. Flobert seufzt und fasst nach seinen Genitalien, wirft Mila einen Kuss zu. “Du belebst mich, und wie du mich belebst!” Er öffnet seine Hose und langt hinein, schließt brummelnd beglückt die Augen. “Ich hab’ was für dich, oh ja, das wirst du mögen ...”
(Zurück im Heute ...)
Flobert sitzt mürrisch im Schein der Nachttischlampe in seinem Bett, eine Ausgabe eines Sex-Magazins vor sich und blättert hektisch, während er seine Genitalien massiert und reibt, daran zupft und sie herumschiebt. Wütend schleudert er die Zeitschrift in eine Zimmerecke.
“So! Jetzt hab’ ich einen Schaden wegen dieser ...!” Er ballt die Fäuste und schnaubt wütend, wirft sich herum, schaltet das Licht aus und wühlt sich erbost unter die Bettdecke.
Mila und Heli (blond, kurzhaarig, recht burschikos gekleidet) gehen in einer lauen Frühlingsbrise im Park spazieren. Mila hängt an Helis Arm, leidend und zornig und schüttelt ihre Faust um Restaurant “Schönblick” hinüber, das zwischen den Bäumen zu sehen ist.
“... dass mir das passiert! Das dümmste Arschloch im Internet!”
Heli macht ein tadelnd-schmatzendes Geräusch. “Na, übertreib’ nicht so.”
Mila schnaubt, ”Ich übertreibe überhaupt nicht!”
“Da habe ich schon ganz andere Geschichten gehört. Es gibt Serienmörder auf diesen Dating-Sites ...”
Mila zuckt die Schultern, “Immer noch besser als ...”
Heli schubst sie, tadelnd, “He! Ihr habt einfach nicht “geklickt”, das ist alles.”
“Nennt man das so, wenn man beim Anblick von einem Kerl kotzen möchte?” Mila kickt nach Steinen. Heli zuckt seufzend die Schultern. “Wenn man sehr nicht klickt - ja.” Sie drückt Mila aufmunternd an sich. “Komm jetzt, Mila, mach’ dich nicht fertig. Manche Erfahrungen müssen eben gemacht werden.”
Mila bleibt stehen und stampft zornig auf, dass ein paar Vögel in der Nähe aufflattern. “Aber nicht von mir. Nicht immer von mir!”
“Was? Soll ich's übernehmen?” Heli nimmt Mila am Arm und zieht sie weiter. “Komm schon, sei nicht kindisch. Du hast ihm ja so viele Vorschusslorbeeren gegeben, kein Wunder hat er dann wie ein Versager gewirkt.”
Mila reißt sich los und bleibt wieder stehen. “Was, bin jetzt ich schuld? Dass er ein grober Klotz ist?”
Heli legt den Kopf schief und gestikuliert beschwichtigend. “Nein, natürlich nicht. Und damit du das auch genau weißt, kommst du heute mit!”
“Oh nein. Keine Party!” Mila schüttelt heftig den Kopf und marschiert an Heli vorbei weiter. “Das machen die in den Filmen, bei Woody Allen und so, und es geht immer schief. Neurotiker! Psychopathen, die einen nicht zu Wort kommen lassen! Besoffener Sex mit irgendeinem Mafia-Erben ...” Sie hält inne und denkt über ihre letzten Worte nach, zuckt dann die Schulter mit einem wortlosen “Na, das wäre ja gar nicht so übel”.
Heli holt sie ein und hakt sie wieder unter. “Keine Widerrede! Sind alles nette Leute dort. Und das Haus - ein Traum! Paolo und Luise sind so ein süßes Paar, die werden dir gleich wieder Lust machen.”
“Machen sie dir ja auch nicht.”
“Ich bin treu, Sweetie.”
Mila bläst provokant die Luft aus. “Ach ja - einer gewissen “Smöregöre”, die kein Mensch je gesehen hat.”
Heli seufzt schwärmerisch. “Sie heißt Sillagard, lebt in Schweden, und deshalb sehen wir uns eben selten. Aber sie kommt in ein paar Wochen.” Sie schubst Mila wieder, und Mila schubst sogleich zurück, “Aber du! Du brauchst ein Sozialleben. Und Sex. Und Plaudern. Und Sex. Und High-Society-Luft. Paolo wird dich aufmuntern. Er ist ein echter Charmeur. Hat das Haus so renovieren lassen, wie Luise es wollte.”
“Wenn das nicht die große Liebe ist.” Mila kickt wieder nach einem Stein, und er fliegt erstaunlich weit, landet mit einem Platsch mitten unter den erschrockenen Enten im nahen Teich. Heli zieht Mila rasch in eine andere Richtung. “He! Willst du, dass wir angezeigt werden?” Sie flüstert Mila ins Ohr. “Und es werden betuchte Gäste da sein. Vielleicht kannst du ein paar Deals –“
Mila bleibt stehen und zischt entsetzt: “Untersteh' dich und sag' ein Wort! Oder gib' mir gleich Teer und Federn!”
Heli rollt die Augen und gestikuliert beschwichtigend. Ts! Ich hab’ ja nur gemeint - sollte es sich ergeben.”
“Ergeben?” Mila starrt sie mit großen Augen empört an, “Du meinst Oh, hallo, guten Abend, Fräulein immer-noch-unvermählte-Mila! Sie sind nicht zufällig bei einem Frauen-Magazin beschäftigt, denn wir brauchen dringend ein Abonnement, damit wir uns allmonatlich über die neuesten Trends bei künstlichen Nägeln informieren können”-Ergeben?”
Heli ringt nach Worten und nimmt dann Mila an der Hand, zieht sie weiter. “Immerhin ein Hochglanzmagazin.”
Mila sträubt sich im Weitergehen. “Mir ist schlecht. Kann nicht mitkommen.”
“Männer aus Fleisch und Blut werden dort sein.” Heli zwinkert Mila zu, die ein Geräusch baldigen Erbrechens macht. “Das hilft.” Sie würgt, provokant.
Heli marschiert begeistert weiter, nickend. “Kein Bits und Bytes! Alles echt und ohne Umschweife.”
Mila schaut Heli nervös amüsiert forschend von der Seite her an. Heli rollt die Augen. “Du hast eine schmutzige Seele.”
“Habe ich schon erwähnt, dass mir sehr übel ist?” Mila seufzt und stolpert dahin.
Heli brummt, provokant. “Vom Streiten wird man nicht schwanger.”
Mila stöhnt und boxt Heli gegen den Arm. “Nicht! Stopp! Nicht dieses Bild! Das ist grausam!” Sie schüttelt sich und legt sich eine Hand auf die Augen.
Heli berührt plötzlich Milas Busen, und Mila quiekt. “He!”
“Diese zwei Hübschen sollen doch nicht versauern.” Heli zwinkert Mila zu, und sie schüttelt sich wie unter plötzlichem Frost. “Brr! Er hat mir ein paar Mal auf die Girls geschaut, und die sind vor Schreck ganz abgesackt ...”
Beide brechen in Gelächter aus.
(Vor zwei Tagen ...)
Mila sitzt angespannt vor einem Glas Wein und knabbert hektisch Gebäck, als Flobert das Restaurant “Schönblick” betritt und sich suchend umschaut. Mila betrachtet nur kurz den etwas steif wirkenden bartlosen Mann mit Brille und leichten Wohlstandsbäuchlein und erkennt ihn nicht als Flobert. Er zieht die Jacke seines grauen Sommeranzugs gerade und schlendert langsam ins Lokal hinein. Sein Blick gleitet an Mila vorüber und mustert die anderen Gäste, aber das Restaurant ist spärlich besucht, und keine andere alleinstehende Frau ist zu sehen.
Plötzlich erkennen beide die Situation, und Flobert winkt zu Mila hinüber und steuert auf sie zu, während Mila den Kopf hebt und lächelt. Sie stopft das Stück Gebäck, an dem sich soeben geknabbert hat, zurück in den Brotkorb, würgt den Bissen in ihrem Mund rasch hinunter und spült eilig mit Wein nach.
Flobert tritt an den Tisch, und sie lächeln einander gekünstelt an. Beide sehen sofort Einzelheiten aneinander, die ihnen nicht zusagen, und ihre Gesichter spiegeln das Bemühen, sich das Missfallen nicht anmerken zu lassen. Mila steht halb auf, als Flobert ihr die Hand entgegenstreckt. Er winkt ihr, dass sie sitzen bleiben solle, aber sie steht trotzig ganz auf, rückt provokant heftig ihren Stuhl und reicht Flobert kurz und lasch die Hand.
Der schlaksige, glatzköpfige, missgelaunt wirkende Kellner nähert sich Milas Tisch, erkennt die angespannte Situation und schlendert davon, bleibt aber in der Nähe. Mila schaut sich etwas verlegen nach den anderen Gästen um, aber die sind ins Plaudern oder Schmausen versunken.
Flobert setzt sich an den Tisch und spricht eilig und verlegen. “Ich war mir nicht sicher, ob Sie ... ob du ... nicht doch im hinteren Teil des Lokales bist ...”
Er merkt, dass er vor einer “stehenden Dame” sitzt und steht eilig wieder auf; Mila schaut sich provokant um, denn das Lokal hat keinen “hinteren Teil”. Flobert hüstelt, peinlich berührt, geht um den Tisch herum und will Mila mit dem Stuhl helfen, aber sie setzt sich schnell wieder hin und rückt den Stuhl selber zurecht.
“Ist wohl ein anderes Lokal ...” Flobert zwinkert Mila zu und setzt sich wieder, während Mila ihn feindselig mustert. “Ach, benutzen Sie mehrere für solche Zwecke?”
Nach einen Moment der Verlegenheit beugt Flobert sich lächelnd und zwinkernd vor, um Humor bemüht. “Aber du bist doch ganz sicher Mila?”
Mila runzelt die Stirn, missmutig. “Wieso? Hab' ich vielleicht vollbusige-Blondine-Fotos von mir online?” Sie mustern einander. Floberts linkes Auge zuckt etwas nervös unter den tiefschwarzen Augenbrauen und einem seidigen, sorgfältig geschnittenen Haarschopf mit Seitenscheitel. Er ist glatt rasiert und sein weißes Hemd lässt die bläulichen Bartspuren auf der blassen Haut deutlich sichtbar werden. Kleine rote Stressflecken erscheinen auf Floberts Wangen. Mila fährt sich durch ihr Haar und bringt es mehr durcheinander, als es zu ordnen. Flobert bemerkt ihre dunkelrot lackierten kurzen Fingernägel mit einem auffälligen großen bunten Modering am linken Zeigefinger. Flobert mustert ihr völlig ungeschminktes heiß-rotes Gesicht, das durch die rosa Bluse noch heißer wirkt, und er zieht die Augenbrauen unwillkürlich hoch. Der Kellner eilt heran und bringt die Speisekarten, öffnet den Mund, um etwas zu fragen, neigt dann aber nur den Kopf, legt die Karten auf die Tisch und tritt dezent zur Seite.
Flobert hüstelt und setzt sich aufrecht hin und lächelt Mila freundlich zu, die derweil etwas hilflos nach ihrem Weinglas greift. “Es war nicht negativ gemeint jetzt, aber ...”
“Pah! Das wäre ja noch schöner ...” Mila zischt, ihn unterbrechend, aber Flobert spricht gefasst weiter, aber mit schmalen Augen, “,... nunja, da ist doch eine gewisse Diskrepanz.”
Mila starrt ihn verdattert an, und Flobert lächelt freundlich nachsichtig. “Aber ich meine, Fotos sind ja nie so akkurat.”
Mila legt den Kopf schief und macht sehr schmale Augen, während sie ihr Weinglas bedrohlich schwenkt. Flobert duckt sich unwillkürlich, lächelt verbindlich und schnappt sich die Speisekarte, blättert etwas nervös darin.
“Du hast es nötig.” Mila murmelt provokant-bitter, und Flobert zuckt etwas zusammen und schaut sich eilig nach dem Kellner um, der in der Nähe steht und heran eilt.
Flobert zwinkert derweil Mila zu und klopft auf seinen gerundeten Bauch. “Drei, vier Kilo schwindeln Fotos einem ja immer ab.” Er wirft Mila einen nachsichtigen Blick zu und wendet sich dem Kellner zu, der nun höflich grüßt: “Meine Herrschaften.”
Flobert lächelt Mila höflich an, da der Kellner nun neben dem Tisch steht, wartend. “Hast du schon (gewählt) -?”
Mila fällt ihm herausfordernd ins Wort. “Drei, vier Kilo pro Zentimeter fehlender Körpergröße?”
Flobert bemüht sich locker zu lachen und schaut den Kellner spielerisch seufzend an. “Warum müssen Frauen alles auf sich beziehen?”
Der Kellner lächelt kurz verbindlich, schaut dann aber beide Gäste abwechselnd auffordernd an.
“Also - hast du schon?” Flobert winkt freundlich mit der Speisekarte.
Mila zischt ihn zornig an. “Hab’ ich einen Röntgenblick?” Sie reißt ihm die Karte aus der Hand, und Flobert seufzt leicht gepeinigt und greift nach der Speisekarte, die neben Mila liegt. Der Kellner schaut irritiert zwischen den beiden hin und her. “Zu trinken - haben Sie schon gewählt?”
Mila hebt ihr Weinglas mit Bitterkeit. “Ich musste ja warten.”
Flobert schaut auf seine Uhr und lächelt Mila dann strahlend an. “Es ist neunzehn Uhr sieben. Wir waren für neunzehn Uhr verabredet.” Er wendet sich an den Kellner. “Damen sind normalerweise nicht so überpünktlich, oder? Besagt die Statistik.”
Der Kellner hüstelt eilig, während Milas Blicke Flobert durchbohren. “Auch ein Glas Wein, der Herr?”
“Nein, vielen Dank.” Flobert strahlt den Kellner freundschaftlich an. “Ein Glas Milch, bitte. Und ein Mineralwasser. Danke.”
Der Kellner nickt ihm zu und wendet sich an Mila. “Noch einen Wunsch, die Dame?” Mila nickt bedeutungsvoll mit einem kleinen Schnauben, hebt dann das Weinglas, deutet auf Flobert. “Hätte nicht er das fragen sollen?” Flobert vertieft sich weiter in die Speisekarte, und Mila lächelt den Kellner an. “Nein, ich überlege noch.”
Der Kellner verneigt sich und entfernt sich eilig.
Mila und Flobert widmen sich eifrig den Speisekarten und legen sie dann zugleich ab. Sie lächeln einander spontan künstlich an. Flobert lehnt sich mit beiden Armen auf den Tisch, und Mila tut es ihm gleich. “Danke, dass du gekommen bist, Mila.”
“Wieso sollte ich unverlässlich sein?” Milas Lächeln wirkt gefährlich, aber Flobert winkt bemüht entspannt ab. “Natürlich nicht. Nein. Ich wollte mich einfach nur bedanken, weil ...” Er ringt nach Worten und schaut sich hilfesuchend nach dem Kellner um.
Mila äußert einen etwas verächtlichen Laut. “Eine Höflichkeitsfloskel! Wie originell.”
Flobert wendet sich ihr nun befremdet zu und schaut direkt in ihr provokant verzogenes Gesicht. Dann seufzt er, zuckt die Schultern und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück, verschränkt die Arme, während er sich interessiert im Lokal umschaut.
Mila trinkt ihr Weinglas leer und schaut aus dem Fenster, ihre Finger trommeln auf die Tischplatte. Seufzend wendet Flobert sich Mila versöhnlich zu. “Also nochmal von vorne. Liebe Mila, ich bin froh, dass wir uns endlich persönlich kennenlernen, damit –“
Mila faucht, missmutig: “... alle Täuschungen endlich auffliegen?” Sie schaut ihn angriffslustig an, und Flobert hält inne, um nachzudenken, während er Mila wiederum mustert, aber sein Blick ist nun kalt, und er lächelt nicht mehr.
Der Kellner kommt mit Floberts Getränken, und Flobert greift mit einem behaglichen Seufzer nach seiner Milch. Mila schaut ihm erschüttert dabei zu, wie er mehrere lange Züge nimmt. Der Kellner hüstelt und wendet sich Mila freundlich zu. “Schon gewählt?”
Mila schüttelt den Kopf, öffnet eilig die Speisekarte, hält sie vor ihr Gesicht und zieht dahinter eine mörderisch angewiderte Grimasse als Flobert nach dem Milchgenuss wohlig stöhnt. Der Kellner tippt auf die zweite Speisekarte, die vor Flobert liegt und tritt zur Seite.
Mila greift nach ihrem Weinglas und leert es. Ein kleiner Rülpser entfährt ihr.
Flobert studiert derweil seine Speisekarte. Mila rülpst noch einmal, diesmal absichtlich.
Etwas später steht der Kellner angewurzelt direkt neben Mila, Block und Kugelschreiber gezückt. Bei seiner Körpergröße sind seine Genitalien nun genau in Milas Augenhöhe und sie rückt verlegen zur Seite. Flobert bemerkt Milas Verlegenheit und lächelt süffisant. “Nimm dir, was dein Herz begehrt, greif ordentlich zu.”
Mila lehnt sich von den kellnerischen Genitalien fort und spricht erstaunt: “Oh, danke! Aber ich bestelle natürlich auch gerne ...” grimmig, “was du mir vorschreibst. Wie sonst auch.” Sie wendet sich dem Kellner mit einem strahlenden Lächeln zu und wirft dabei den Kopf etwas verrenkt in den Nacken, wegen der Nähe seiner Genitalien. “Die Scholle, bitte. Wenige Kartoffeln. Und viel Zitrone. Und Petersilie. Danke.”
Der Kellner nickt bestätigend, schreibt. Mila schaut zu Flobert hin, der beim Lesen an seiner Unterlippe kaut, und er hat einen dünnen “Milchbart”. Mila schaut genau hin und glaubt ihren Augen nicht zu trauen, und sie bemüht sich, ihren Widerwillen zu unterdrücken, mustert intensiv ihr Weinglas und hält es dem Kellner hin, der geduldig nickt.
Flobert schmatzt nachdenklich. “Hm, ich denke ... für mich bitte das Kalbs-Schnitzel ... nein, das Gulasch ... nein, doch den panierten Karpfen ... und Gurkensalat. Nein, grünen Salat, bitte! Oder Kartoffeln? Nein, grünen. Nur, wenn er aus Österreich ist. Mit Pinienkernen. Oder - nein, lieber ohne. Aber mit Joghurtdressing. Aber ohne Knoblauch.”
Der Kellner nickt und schreibt, streicht durch, schreibt weiter, mit steinerner Miene. Mila beugt sich zu Flobert. “Wow. Hast du das lange geübt?”
Flobert schaut erstaunt auf, und Mila ist so genervt von seiner Gegenwart, dass sie den Kellner eilig anspricht, um sich abzulenken, aber sie schaut ihn nur mit dem Auge an, das seinen Genitalien abgewandt ist. “Gibt es eine Soße zur Scholle?”
“Jawohl, die Dame. Remoulade.” Er mustert Mila irritiert, weil sie ein Auge geschlossen hält.
“Gut! Nehme ich. Danke.”
Flobert hakt eifrig ein. “Zum Karpfen auch?”
Der Kellner verneigt sich. “Jawohl. Oder Kapernsoße, wahlweise.”
“Oh, gut!” Flobert reibt sich die Hände, und Mila schnaubt und schaut böse, “Beide Soßen für mich. Ohne Zitrone.”
Der Kellner nickt ergeben und schaut Mila fragend an. Sie hält ihr leeres Weinglas hoch, und der Kellner deutet sanft darauf und wirft Flobert einen strengen Blick zu. “Es scheint, die Dame hat einen Wunsch.”
Mila knurrt: “Kann man wohl sagen.”
Flobert macht eine Geste, dass der Kellner noch ein Glas Wein bringen solle, und der Kellner nimmt das Glas fort und verlässt den Tisch, mit einem leichten Stolpern vor Eile. Flobert lächelt Mila geduldig an. “Wie war das genau, mit der Emanzipation?”
