Montana sehen und ...... sterben? - Elmar Selge - E-Book

Montana sehen und ...... sterben? E-Book

Elmar Selge

0,0
2,99 €

Beschreibung

Er ist ein pensionierter Flugkapitän und will einen Road-Trip durch die Rocky Mountains starten. Durch Zufall bleibt er auf einer Ranch in Montana hängen und verliebt sich in die Rancherin. Die Liebesbeziehung findet ein jähes Ende. Etwas später kommt sein Sohn und verliebt sich in die Tochter der Ranch-Besitzerin. Findet diese Liebe ein Happy End ..... ?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 431

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Montana sehen…..und sterben?

© 2021 Elmar Selge

Autor: Elmar Selge

Umschlaggestaltung, Illustration: Elmar Selge

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

978-3-347-34870-8 (Paperback)

978-3-347-34871-5 (Hardcover)

978-3-347-34872-2 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Elmar Selge

Montana sehen…..und sterben?

Aus meinem Tagebuch

Vor 4 Tagen bin ich in Denver gelandet. Wie oft habe ich diese Stadt angeflogen. Doch nie war Zeit, mir die nähere Umgebung, geschweige denn die Rocky Mountains näher anzusehen, abgesehen einmal von einem Tag Skifahren in Vail.

Nachdem mich nunmehr die Fluggesellschaft in den vorzeitigen Ruhestand geschickt hat, habe ich jetzt genügend Zeit, das Versäumte ausgiebig nachzuholen. Deshalb habe ich auch noch keinen Rückflug gebucht.

Zuerst habe ich die Skiorte Breckenridge, Vail und Aspen besucht. Breckenridge deswegen, weil dort in der Nähe meine Lieblingsromane „Rocky Mountain Yoga etc.“ spielen.

Vail ist ein typisches Alpendorf, wobei der Begriff Dorf hier schon nicht mehr zutreffend ist.

Obwohl in Aspen die Reichen und Schönen sich alljährlich zum Skifahren treffen, hat sich der Ort den typischen Westernstil erhalten und gefiel mir daher besser als Vail.

Zum Skifahren war die Zeit aber schon vorbei.

Gestern habe ich bzw. mein Pickup richtige Höhenmeter gemacht. Zuerst bin ich bis knapp unter den Gipfel des Mount Evans (4349m) gefahren bei spektakulärer Fernsicht. Meine Sorge dem Auto könnte bei dieser dünnen Luft die Puste ausgehen, erwies sich Gott sei Dank als unbegründet. So ermutigt habe ich dann noch die höchste asphaltierte Passstraße der USA, die Trail Ridge Road auf 3719m Höhe im Rocky Mountain Nationalpark überquert, ebenfalls bei herrlichstem Sonnenschein, um dann noch schnell nach Casper in Wyoming zu fahren.

Heute will ich noch das kleine Städtchen Cody (benannt nach Buffalo Bill) am Rande des Yellowstone Nationalpark erreichen. Es sind zwar nur rd. 200km, aber ob ich heute da noch ankomme, erscheint fast zweifelhaft. Es schüttet derart aus allen Kübeln, dass ich kaum etwas sehe und mit 30km/h über die Landstraße schleiche. Auf halber Strecke zwischen Thermopolis und Meeteetse sehe ich quasi im letzten Augenblick einen Wagen mit blinkender Warnleuchte am Straßenrand stehen.

Ich halte an und im nächsten Augenblick wird auch schon die Beifahrertür aufgerissen und eine Person schwingt sich auf den Beifahrersitz. Im ersten Moment denke ich an einen Überfall, aber mir wird keine Pistole vor die Nase gehalten. Eine weibliche etwas zittrige Stimme höre ich sagen:“ Gott sei Dank, ich dachte schon hier kommt gar kein Auto mehr vorbei. Seit einer Stunde sitze ich in meinem kalten Wagen, der leider nicht mehr fahren will.“

„Woran liegt es?“ frage ich.

„Wenn ich das mal wüsste, er ist plötzlich ausgegangen und nicht mehr wieder angesprungen. Und ja, bevor Sie fragen, Benzin ist noch genug im Tank“ kommt es etwas unwirsch zurück.

„Nun, ich bin auch kein Techniker, so dass ich befürchte, Ihnen insofern nicht weiter helfen zu können. Ich kann Sie aber auf jeden Fall bis ins nächste Städtchen oder wo immer Sie hinwollen, mitnehmen.“

„Bis zum nächsten Städtchen wäre schon nett, aber bis Virginia City wollen Sie mich aber bestimmt nicht bringen“ sagt sie lachend.

„Virginia City in Kalifornien evtl. noch zur Ponderosa Ranch?“ frage ich.

Das zierliche Persönchen schaut mich an, als ob ich nicht alle Tassen im Schrank habe.

Also erkläre ich:“ Kennen Sie nicht die alte Westernserie „Bonanza“? Dürfte so in den 60er und 70er Jahren gelaufen sein. Die Ponderora Ranch gibt es wirklich und liegt am Lake Tahoe.“

„Das war dann lange vor meiner Zeit, aber ich meine auch Virginia City in Montana. Liegt in der Nähe vom Big Sky Skiresort. Und tatsächlich will ich dort auf eine Ranch, heißt aber Three Bears.“

„Das liegt dann ja gar nicht so weit weg vom Yellowstone Nationalpark. Wenn Sie also nicht innerhalb der nächsten 2 Tage dort aufkreuzen wollen, kann ich Sie wirklich bis zur Ranch bringen.“

„Wirklich?“ fragt sie ungläubig.

„Wirklich“ bestätige ich und dann sind wir auch schon in Meeteetse angelangt.

Der Ort ist aber so klein, dass, hat man das Ortsschild kaum passiert, man schon wieder draußen ist. Eine Werkstatt oder nur Tankstelle war nicht zu sehen.

„Dann fahren wir wohl jetzt besser gleich nach Cody weiter, ich heiße übrigens Charly“ sage ich. „Kathrin und schon mal vielen Dank“ und damit streckt sie mir ihre Hand entgegen, die ich dann auch schüttle.

Der Regen hat etwas nachgelassen, so dass ich auch schneller fahren kann und nach nicht ganz einer Stunde haben wir das Ziel erreicht.

Aber in dem Westernstädtchen ist der Teufel los. Selbst auf der Hauptverkehrsstraße reiten zahlreiche Cowboys und –girls. Nach einigem Suchen finden wir auch die Autowerkstadt.

Schnell erklärt Kathy dem Geschäftsinhaber ihr Problem und wo der Wagen steht und gibt ihm dann die Wagenschlüssel, wobei mir einfällt, dass sie ihr Auto ja vermutlich gar nicht abgeschlossen hat. Darauf angesprochen, meint sie nur: „Die alte Karre klaut eh keiner mehr und sie fährt ja ohnehin nicht.“

„Aber deine persönlichen Sachen?“ werfe ich ein.

„Die paar Klamotten sind nichts wert und an meinen Studienunterlagen wird wohl auch kaum einer Interesse haben.

Der Geschäftsinhaber meint dann auch: „Ich kann sowie so erst übermorgen jemanden rausschicken, den Wagen zu holen. Wie Ihr sicherlich gesehen habt, ist hier das größte Rodeo in weitem Umkreis und morgen ist das große Finale, da krieg ich hier keinen aus der Stadt.“

„Wo können wir denn hier ein Zimmer bekommen?“ frage ich, worauf ich nur ein schallendes Gelächter höre.

„Guter Mann, hier sind alle Zimmer, selbst Strohlager auf dem Heuboden schon seit Monaten ausgebucht. Da werden Sie nichts finden, da müssen Sie bis Greybull, vermutlich aber noch weiter zurück fahren.“

„Können wir nicht im Pickup auf Ihrem Hof übernachten, wir zahlen auch extra dafür?“ frage ich. Er überlegt kurz und nickt dann.

Kathrin schaut mich zweifelnd an und meint dann: „Wir sollen beide in deinem Pickup übernachten. Wird das nicht ein bisschen zu intim oder zu eng?“

„Keine Sorge, auf der Ladefläche baue ich das kleine Zelt auf, das ich mitgenommen habe. Da kannst du dann dort schlafen, einen Schlafsack habe ich auch. Ich schlaf dann im Pickup.“

„Jetzt lass uns zum Rodeo gehen. Ich hab sowas noch nie erlebt.“

„Ich hab sogar bei uns in der Nähe schon daran teilgenommen und zwar beim Barrel Race.“

„Wow, hast du gewonnen?“

„Nein, aber von 10 Teilnehmern bin ich zumindest 2. geworden.“

„Habt Ihr auf eurer Ranch auch Pferde?“

„Natürlich, wir sind eine Rinderranch. Da brauchen wir selbstverständlich auch Pferde.“

„Dürfte ich auf eurer Ranch evtl. mal mitreiten?“

„Wir sind keine Gästeranch. Ich denke Mom wird da wohl etwas gegen haben.“

„Ich will auch nicht als Gast behandelt werden, sondern ich möchte richtig mithelfen, also alle Arbeiten machen, die so eine Ranch Hand auch macht.“

„Darüber ließe sich vermutlich reden. Aber willst du mich wirklich zur Ranch bringen? Hast du nichts anderes vor oder geplant?“

„Ich habe Zeit und eigentlich nur ein Ziel, möglichst viele interessante Stellen in Colorado, Wyoming, Montana und evtl. noch in Canada zu sehen, wobei ich ja schon Colorado entsprechend erlebt habe.“

„Also gut, abgemacht, sei aber nicht enttäuscht, wenn meine Mom dich nicht länger auf der Ranch haben will.“

Auf dem Rodeo Gelände gingen wir als erstes zu den „Fressständen“ und bestellten uns 2 große Burger.

„Oh nein“ stöhnte plötzlich Kathrin „ich habe mein Geld im Auto gelassen.“

„Kein Problem, bis wir auf der Ranch sind, fühl dich eingeladen.“

„Auf keinen Fall, du bekommst alles zurück sobald wir dort sind.“

„Hm.“

„Trinkst du auch ein Bier?“

„Ja gerne.“

Also holte ich uns 2 Bier und dann gingen wir zur Arena.

Es war faszinierend. Als ein Cowboy seinen 8 Sekundenritt auf dem Bronco heile überstanden hatte, sprang ich vor Begeisterung auf und schüttete vor lauter Euphorie meinem Vordermann das restliche Bier in den Nacken.

Der drehte sich nur um.

„Sorry“ stotterte ich und wollte mich ausführlich entschuldigen. Der nickte nur: „It‘s okay.“

Au Mann, das war was ganz anderes als zu Hause. Als ich dort aus Versehen einmal meinen Bierbecher nach einem Tor bei der Dame(?) vor mir entleerte, was musste ich mir da alles anhören, obwohl ich mich sofort bereit erklärte, natürlich die Reinigungskosten zu übernehmen.

Da jetzt mein Bier ohnehin leer war, ging ich zum nächsten Bierstand und holte drei Neue.

Ich gab eins Kathrin und bot dann meinem Vordermann das andere an. Der schaute mich ganz verwundert an: „Oh thank you.“ Dann drückte er mich sogar. Ich war so überrascht, dass ich beinahe mein Bier wieder verschüttet hätte.

Beim Bullenreiten konnte ich fast nicht hinsehen. Ständig überlegte ich mir, wie das wohl ausgehen würde, wenn so ein Bulle mal einen Cowboy mit seinen Hufen treffen würde. Aber die Clowns oder besser die Helfer (Kathrin hat mir zwar den Fachausdruck dafür genannt, habe ich aber wieder vergessen) sprangen sofort auf den Bullen zu, sobald ein Cowboy vom Rücken fiel.

Letztendlich gingen sowohl das Bronco-als auch das Bullenreiten für alle Beteiligten incl. Tiere ohne Verletzungen aus.

Zwischenzeitlich hatte Kathrin mir erklärt, dass es auch viele Tierschützer gibt, die regelmäßig gegen diese Wettkämpfe demonstrieren, obwohl sie der Meinung ist, dass diese Tiere außerhalb der Wettkämpfe es viel besser hätten als viele Haustiere.

„Die Tiere sind sehr wertvoll und deshalb achtet jeder Besitzer sehr darauf, dass es den Tieren gut geht.“

Dann kam das Barrel Racing.

Schon als der 1. Reiter die 3 Tonnen in einem schnellen Tempo umrundete, war ich begeistert.

„Das möchte ich auch gerne können“ rutschte es aus mir heraus.

„Das war noch gar nichts. 18,5 Sekunden werden mit Sicherheit noch von vielen unterboten“ grinste Kathrin.

„Das glaube ich nicht.“

„Also, es sind 15 Teilnehmer und ich wette, dass mindestens 5 Reiter(innen) diese Zeit unterbieten.“

„Gut, ich wette dagegen, um was wetten wir?“

„Wer das nächste Bier bezahlt.“

„Einverstanden.“

Der nächste Reiter hatte bereits eine Zeit von 17,9 Sekunden.

Als die nächste Reiterin angesagt wurde, sprang Kathrin auf und pfiff lauthals. Ich schaute sie überrascht an. Doch Zeit für eine Erklärung war nicht gegeben, da die Reiterin bereits auf die 1. Tonne zustürmte. Sie umrundete die Tonne in einer derartigen Schräglage des Pferdes, dass ich schon befürchtete, die beiden würden ausrutschen. Doch schon schossen Pferd und Reiterin auf die 2. Tonne zu. Diese wurde noch enger angeritten, wobei die Reiterin mit ihrem Steigbügel die Tonne leicht streifte. Als diese anfing zu wackeln stöhnte Kathrin laut auf:

„Oh nicht.“

Aber die Tonne blieb stehen.

„Puh, das war knapp“ atmete Kathrin freudig aus. Doch da war die Reiterin auch schon an der 3. Tonne. Offensichtlich durch das vorherige Malheur etwas verunsichert, nahm sie die 3. Tonne diesmal nicht ganz so eng. Danach ging es in einem wahnsinnigen Galopp auf der Geraden zurück zum Ziel.

Die Stadionuhr zeigte 15,1 Sekunden.

„Yeah, das war toll“ und damit warf sich Kathrin so heftig in meine Arme, dass sie mich beinahe umgeschmissen hätte.

„Ich glaube langsam wirklich, dass du die Wette gewinnst.“

„Ach, weißt du, das ist egal. Aber dass Mia so gut ist, hätte ich nicht gedacht.“

„Du kennst sie?“

„Sicher, sie stammt aus unserer Gegend und gegen sie habe ich damals verloren.“

„Du willst sagen, du bist genauso schnell um diese Tonnen geritten?“ fragte ich ungläubig.

„So schnell nicht, damals war meine beste Zeit 17,5 Sekunden und sie war noch eine halbe Sekunde schneller. Aber so schnell habe ich sie noch nicht gesehen. Damit könnte sie wirklich gewinnen.“

„Dann wollen wir ihr mal die Daumen drücken.“

Die nächsten Reiter(innen) – es waren erstaunlich viel Frauen bzw. Mädchen dabei – lagen teilweise über den 18 Sekunden teilweise auch drunter, so dass noch vor den beiden letzten Reitern fest stand, dass ich die Wette verloren hatte.

Die vorletzte Reiterin legte ein Tempo vor, dass selbst Kathrin meinte:

„Oh, das wird eng.“

Doch an der letzten Tonne passierte es. Sie war zu dicht dran und so kippte die Tonne letztendlich doch noch nach längerem Wackeln um. Das bekam aber die Reiterin nicht mehr mit, so dass sie eine Faust in die Höhe reckte, als sie einen Blick auf die Zeittafel warf. Die Ernüchterung erfolgte allerdings auf dem Fuß, als der Stadionsprecher verkündete, dass 5 Strafsekunden wegen des Umfallens der Tonne hinzukommen würden. Das enttäuschte Gesicht der Reiterin konnte ich nicht mehr sehen, aber nachfühlen konnte ich es.

Kathrin war ganz hibbelig. Es hielt sie einfach nicht mehr auf dem Sitz.

„Nur noch ein Reiter, Platz 2 ist ihr sicher, aber wenn Mia siegen würde, ich wünsche es ihr so sehr.“

„Also lass uns nicht nur die Daumen drücken.“

Der letzte Reiter schoss aus der Startposition und überquerte die Startlinie. Das Pferd streckte sich so, dass man das Gefühl hatte, es würde mit dem Bauch den Boden berühren. Die 1. Tonne wurde in gleicher Manier genommen wie sie auch Mia genommen hatte, ebenso die 2. Dann schoss er auf die 3. Tonne zu, nahm diese aber enger als es Mia gemacht hatte.

Neben mir erklang nur ein Lautes:

„Shit“

Noch bevor Pferd und Reiter die Ziellinie überquerten schaute Kathrin auf die Zeittafel und hielt den Atem an.

„Und damit steht der Gewinner des Barrel Race fest. Mit 14,8 Sekunden hat Colin Miller vor Mia Cartright gewonnen.

„Wenn sie nur die letzte Tonne genauso eng angeritten hätte, wie die beiden vorherigen, hätte sie gewonnen“ kam es etwas deprimiert von Kathrin. „He, sieh es positiv. Sie hat ein fantastisches Rennen gemacht und du hast selbst gesagt, so schnell war sie noch nie. Wenn sie die Tonne enger angeritten hätte, wer weiß, ob diese dann nicht auch wie bei der anderen Reiterin umgefallen wäre. Der

2. Platz ist doch toll. Willst du nicht zu ihr gehen und ihr gratulieren?“

„Gute Idee, aber zunächst nehmen wir noch die Siegerehrung mit. Danach haben wir immer noch genug Zeit, zu ihr zu gehen.“

Nach der Siegerehrung stürmte Kathrin durch die Menge, dass ich kaum nachkam. Kathrin steuerte sofort auf den Platz zu, wo all die Pferdeanhänger und Trailer standen.

Dann ein Aufschrei:“ Mia“ und schon lagen sich die beiden Mädels in den Armen.

Ich ging langsam näher:

„Herzlichen Glückwunsch zum 2. Platz“ sagte ich und reichte Mia die Hand.

„Danke, aber es war nur der 2.Platz.“

„Du warst super, aber wer ist dieser Colin, von dem habe ich noch nie gehört?“ fragte Kathrin.

„Colin ist dieses Jahr neu aufgetaucht. Sein Pferd ist einfach super. Mit dem hätte ich auch gewonnen, obwohl ich ihn auch schon geschlagen habe“ entgegnete Mia.

„Hast du jetzt Zeit für ein Bier oder musst du nochmals ran?“ fragte Kathrin.

„Für heute ist Schluss, lass uns in die VIP Longe gehen, da sind wir etwas ungestörter.“

Dank Mia konnten wir mit hinein und ich holte sofort die nötigen Biere. Die beiden Mädels tauschten alle Neuigkeiten des letzten Jahres aus und schwelgten dann in alten Erinnerungen, wobei meine Aufgabe nur noch darin bestand, für (Bier)Nachschub zu sorgen. Doch ich gönnte es den beiden. Sie hatten so viel Spaß.

Irgendwann meinte dann Mia, dass sie jetzt ins Bett müsste und so brachen wir auf.

Am Pickup angekommen, meinte Kathrin plötzlich:

„Tut mir leid, du hast dir den Abend sicher anders vorgestellt.“

„Es war ein toller Abend und ich habe es genossen, euch zu- zuhören.“

Ich half ihr noch, auf die Ladefläche des Pickup zu kommen, da sie nicht mehr ganz standfest war. Als ich vor dem Pickup stand und sie rückwärts ins Zelt kroch, gab sie mir plötzlich einen Kuss und nuschelte:

„Danke ….. für alles.“

Ich machte es mir dann anschließend im Pickup so bequem wie eben möglich und es dauerte auch nicht lange, da schlief ich ein.

Durch lautes Hämmern wurde ich morgens wach. In der Werkstatt war man schon fleißig. Kurz darauf kam auch Kathrin aus dem Zelt gekrochen.

Der Werkstattinhaber zeigte uns, wo wir uns waschen konnten. Danach gingen wir in die City zum nächsten Diner. Der war aber brechend voll. Der

3. oder 4. Diner hatte dann endlich ein kleines Plätzchen für uns übrig. Nach dem Frühstück bummelten wir durch ganz Cody.

„Wenn du auf der Ranch mithelfen willst und erst recht zum Reiten, brauchst du aber Cowboystiefel,

und wenn nicht hier, wo bekommst du ansonsten echte Cowboystiefel.“

Ich lief zwar zu Hause auch des Öfteren in Cowboystiefel herum, die hatte ich aber daheim gelassen, weil ich ja hier überwiegend wandern wollte. Kathrin zog mich also in einen typischen Westernstore. Ich fand auch ein sehr schönes Paar mit echtem Schlangenleder, aber bei dem Preis verschlug es mir doch zuerst den Atem. Da aber Kathrin meinte, die Stiefel und ein passendes Karo Hemd würden aus mir den ultimativen Cowboy machen, sprang ich über meinen Schatten und gab dafür mehr aus, als ich in der Heimat für einen qualitativ guten Anzug ausgegeben hätte. Ich bezahlte und wir wollten gerade gehen, als Kathrin am Stand für Cowboyhüte stehen blieb, einen heraus zog und mir aufsetzte:

„Der fehlt noch, dann wärst du (fast) mein Traummann.“

„Genau, ich müsste nur rd. 30 Jahre jünger sein.“

„Stimmt, deshalb auch nur….fast.“

„Ich bin nur froh, dass du nicht meine „Traum“ Frau bist, sonst hätte ich Angst um meine Kreditkarte.

Gleichwohl kaufte ich auch noch den Stetson.

Es würden später schöne Erinnerungsstücke an meinen Trip durch die Rockys sein.

Natürlich musste ich mich gleich entsprechend umziehen und dann schlenderten wir gemütlich zurück zur Rodeo Arena.

Die Wettbewerbe waren wieder sehr spannend.

Am Nachmittag gab es dann noch ein spektakuläres Wagenrennen. Hierbei werden die seinerzeit üblichen Chuck Waggons mit 4 Pferden in einem Rennen um die Arena gejagt. Wer als Erster die Ziellinie erreicht, hat gewonnen.

Mia haben wir nicht mehr getroffen. Gleichwohl war es ein sehr schöner und spannender Tag. Abends gingen wir noch in eines der Vergnügungszelte und wir tanzten etwas. Kathrin wollte mir unbedingt Line Dance beibringen, aber nachdem ich mehrfach über meine eigenen Beine gestolpert war, ließ ich es sein. Dafür hatte Kathrin plötzlich einen Verehrer, der sie um den nächsten Tanz bat. Kathrin schaute mich fragend an und ich nickte. Ich schaute den beiden zu. Sie waren ein schönes Paar und harmonierten sehr gut miteinander. Nach dem 4. oder 5. Tanz kam sie zurück. Ihre Wangen glühten.

„Anscheinend hat es dir Spaß gemacht“ meinte ich.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht hier so lange allein lassen.“

„Das ist absolut in Ordnung. Du hast ja gesehen, wie dumm ich mich bei dem Line Dance angestellt habe und ihr beide passt dagegen hervorragend zusammen. Also amüsiere dich weiter.“

„Du bist nicht böse?“

„Definitiv nicht, ich schau euch gerne zu, sofern du mir noch ein Bier an der Theke bestellst.“

„Mach ich sofort“ damit stürmte sie zur Theke und wies dann auf meinen Tisch. Danach ging sie zu ihrem Tanzpartner zurück. Irgendwann kam sie zurück.

„Stell dir vor, der studiert auch an der Uni in Denver.“

„Studierst du da auch, gehst du zurück und was studierst du denn überhaupt?“

„Im Moment haben wir Semesterferien, Deshalb fahre ich jetzt nach Hause und helfe meiner Mutter auf der Farm. Ich studiere Tiermedizin, ich möchte Tierärztin werden. Unser Tierarzt ist schon älter und vielleicht kann ich irgendwann einmal seine Praxis übernehmen.“

„Viel Glück. Mein Sohn ist auch Tierarzt in München, aber er kümmert sich mehr um die Tiere der Schickeria, also der Reichen, obwohl er trotzdem auch aufs Land fährt und den Bauern bei seinen Tieren hilft. Aber dann hast du ja vielleicht Glück und triffst deinen Tanzpartner wieder.“

„Eher unwahrscheinlich, er studiert Jura.“

„Ist die Uni so groß?“

„Das nicht, aber die Fakultäten sind schon sehr unterschiedlich und liegen weit auseinander.“

„Na ja, im Zeitalter von Handys sollte das wohl nicht das größte Problem sein.“

„Komm lass uns jetzt gehen.“

„Bist du sicher, ich finde auch allein nach Hause.“

„Hause ist gut, aber bist du dir sicher?“

„Absolut, genieß noch den Abend und vergiss nicht….. lass dir seine Nummer geben.“

„Ja Daddy…. nein, als Daddy hättest du mir wahrscheinlich so einen Tipp nicht gegeben.“

„Da könntest du Recht haben“ schmunzle ich, winkte der Bedienung, bezahlte meine Rechnung, werfe noch einen Blick auf Kathrin, die sich offensichtlich sehr wohl in den Armen des Jungen fühlt, und gehe zurück zu meiner Schlafstätte. Ich bin so müde, dass ich relativ schnell in meinem Pickup einschlafe und nicht mehr mitbekomme, wann Kathrin kommt. Na ja, ich bin auch nicht ihr Dad und muss mir keine Sorgen um sie machen.

Am nächsten Morgen werde ich wach, weil jemand an das Fenster des Pickup klopft. Es ist Kathrin, die mit einem Becher dampfenden Becher Kaffee davor steht. Ich krabbele von der Rückbank des Pickup, öffne die Tür und nehme den Kaffee entgegen.

„Danke, das ist lieb von dir, bis zum nächsten Diner ist es doch weit.“

„Keine Ursache, Matt, das ist der Inhaber, ist schon unterwegs, meinen Wagen zu holen. Was machen wir jetzt, das Rodeo ist ja vorbei?“

„Erstmal ordentlich frühstücken. Danach würde ich gerne in den Yellowstone Park fahren. So können wir den Tag sinnvoll nutzen. Bis er zurück ist und weiß, was an deinem Wagen dran ist, wird es wohl Abend werden.“

„Okay, einverstanden.“

„Und wie war dein Abend noch, bist du noch lange geblieben?“

„Nur noch etwa 2 Stunden Daddy“ schmunzelt sie.

Nach dem Frühstück fuhren wir dann in den Yellowstone Nationalpark. Natürlich mussten wir uns als erstes den Old Faithful anschauen, der pünktlich alle 20 Minuten eine große Wasserfontäne in die Luft schießt. Wir schlenderten dann etwas in der näheren Umgebung herum. Überall sprudelte heißes Wasser aus der Erde. Dazwischen grasten friedlich die Büffel und störten sich in keiner Weise an den Besucherscharen. Auch kletterten wir an den Upper und Lower Falls des Yellowstone River herum. Im Lamar Valley gab es plötzlich einen Verkehrsstau. Stau ist vielleicht der falsche Ausdruck. Diverse Fahrzeuge standen am Straßenrand und davor unzählige Personen. Zwar hätten wir dran vorbei fahren können, aber da wir neugierig waren, hielten wir auch an und stiegen aus. Keine 50m von uns entfernt, lief doch tatsächlich ein Grizzly durch die Wiese und haute sich den Bauch mit Beeren voll. Die Menschenmenge interessierte ihn in keiner Weise.

Nach gut einer halben Stunde, in der der Bär nichts anderes getan hatte, als nach Beeren zu suchen, fuhren wir weiter.

Als wir am späten Nachmittag zurückkamen, eröffnet uns der Werkstattinhaber, dass er Kathrins Auto nicht so schnell reparieren könnte, da er diverse Ersatzteile erst noch bestellen müsste.

Da zwischenzeitlich alle Teilnehmer und Besucher des Rodeos abgereist waren, war es ein Leichtes eine Unterkunft zu finden, so dass ich nicht mehr im Pickup und Kathrin nicht mehr im Zelt auf der Ladefläche übernachten mussten.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann los in Richtung Virginia City, Montana, was aber bedeutete, dass wir wieder durch den Yellowstone National Park fahren mussten. Kurz vor Virginia City meinte Kathrin plötzlich:

„Da vorne musst du links auf die Schotterstraße abbiegen.“

Wir fuhren bestimmt 3 Meilen durch Wald und an Zäunen vorbei als sich plötzlich eine Ranch vor uns zeigte. Durch einen großen Torbogen ging es direkt zu den Ranch Gebäuden.

„Willkommen auf Three Bears“ sagte Kathrin.

Vor dem Haupthaus stiegen wir aus dem Fahrzeug. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und eine etwas beleibte Dame stürzte auf Kathrin zu.

„Schön dass du wieder da bist. Wir hatten schon früher mit dir gerechnet. Deine Mutter ist draußen bei den Rindern, ich denke, dass sie wohl in 2 Stunden zurück sein wird.“

„Das ist Samantha, Köchin, Haushaltshilfe und Mädchen für alles was in diesen 4 Wänden passiert“ und damit zeigte Kathrin auf das Ranchhaus.

„Willkommen und wenn Sie es sich mit mir nicht verscherzen wollen, sagen Sie Sam zu mir“ und damit streckte sie mir ihre Hand entgegen.

„Es freut mich, Sie kennen zu lernen Sam und ich werde mich bemühen, Sie nicht zu verärgern.“

„Kommt rein, die Brownies sind nicht mehr ganz frisch, weil wir schon gestern mit dir gerechnet haben, aber ich denke, sie schmecken trotzdem noch“ sagte Sam mit einem fast mütterlichen Blick zu Kathrin hin.

„Sam, du bist die Beste.“

Bei Kaffee ließen wir uns die Brownies schmecken und Kathrin musste ausführlich erzählen, wie es ihr in letzter Zeit ergangen war.

Plötzlich bellte der Hund laut, der mir als Bingo, ein reinrassiger Border Collie, vorgestellt worden war. Er lag zu unseren Füssen und wartetet darauf, dass mal rein zufällig (natürlich!) Krümel zur Erde fielen. Schnell sprang er auf und lief zur Tür. Sofort erhob sich Kathrin und trat auf die Veranda, die sich um das ganze Haus zog. Ich tat es ihr gleich.

Gerade ritten 2 Reiter unter dem großen Torbogen, auf dem in großen Buchstaben „Three Bears stand“, hindurch und kamen direkt auf uns zu.

„Wow, wer ist denn die Lady in Black?“ rutschte es mir ungewollt heraus.

Die Reiterin sah fantastisch aus. Sie trug schwarze Chaps, eine schwarze Weste und darunter eine rote Bluse. Ihr schwarzes, langes Haar wehte unter ihrem schwarzen Stetson hervor im Wind als sie in leichtem Galopp auf uns zukamen. Ich starrte die Person regelrecht an und beachtete in keiner Weise ihren männlichen Begleiter.

„Gefällt sie dir?“ fragte Kathrin und hatte dabei einen schelmischen Ausdruck im Gesicht „du wirst es mit ihr aber nicht leicht haben!“

Mir war nicht klar, wie sie das meinte, aber ich sollte es bald erfahren.

Kurz vor uns parierten sie ihre Pferde durch und bevor ihr Pferd noch richtig stand, sprang sie aus dem Sattel und fiel Kathrin in die Arme.

Das dürfte dann also ihre Mutter sein.

„Es ist schön, dich wieder zu sehen. Geht es dir gut, bist du gesund und warum kommst du erst heute“ sprudelte es aus der Frau heraus.

„Mir geht es gut, ich bin gesund und ich komme erst heute, weil ich mit meinem Wagen liegen geblieben bin. Charly“ und dabei zeigte sie auf mich „hat mich aufgelesen und nach hierhin gebracht.“

„Ich danke Ihnen sehr, natürlich sind Sie heute unser Gast. Ich heiße übrigens Rose“ und damit streckte sie mir ihre Hand entgegen. Ich nahm sie und war überrascht über diesen festen Händedruck.

Danach wandte sie sich um und meinte zu dem Cowboy „Mike kümmern Sie sich bitte um die Pferde und kommen dann später nochmal zum Haus, damit wir den morgigen Tagesablauf besprechen können.“

„Okay, Boss“ kam es nur kurz zurück. Dann schnappte er sich die Zügel der Pferde und verschwand Richtung Stall.

Rose nahm ihre Tochter in den Arm und meinte:

„Erzähl wie es dir ergangen ist, läuft es mit deinem Studium? Ich hoffe, du hast mir noch einen Brownie übrig gelassen.“

Gemeinsam gingen wir ins Haus. Ich hätte Tochter und Mutter gern allein gelassen, aber ich wusste nicht, wohin ich hätte ansonsten gehen können.

Mutter und Tochter hatten ein herzliches Verhältnis und durch das Erzählen von Kathrin konnte ich noch einiges mehr über sie erfahren.

Nach einiger Zeit fragte dann aber Kathrin:

„Jetzt aber erzähl mal, wie geht es auf der Ranch.“

„Ach, wie immer viel Arbeit und dann haben wir beim letzten Blizzard auch noch 50 Rinder verloren.“

„Oh Mann, das ist aber ein herber Verlust.“

„Das kannst du laut sagen, es tut richtig weh.“

„Hör mal Mom“ begann Kathrin zögerlich „Charly würde gern eine Weile hier wohnen und das Ranch Leben kennen lernen.“

„Du weißt, wir sind keine Guest Ranch“ und zu mir gewandt meinte sie weiter „ich bin ihnen wirklich dankbar, dass sie sich meiner Tochter angenommen haben, es ist auch nichts Persönliches, aber gerade jetzt haben wir derart viel Arbeit, dass wir uns nicht noch um Gäste kümmern können.“

„Mom“ mischte sich Kathrin ein „er will nicht als Gast behandelt werden, er will wie ein Cowboy arbeiten, also das richtige Ranch Leben erleben.“

„Ich mach alles, Stall ausmisten, Tiere füttern, Einkaufen fahren und was Sie mir sonst noch so auftragen“ sprang ich Kathrin zur Seite.

„Können Sie reiten?“ kam es als Gegenfrage misstrauisch zurück „also nicht so ein schön Wetter Reiter.“

„Das denke ich schon“ entgegnete ich.

„Gut, wir probieren es 3 Tage, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, hauen Sie ab. Und es gibt lediglich $ 7 Dollar die Stunde.

„Mom, du bist die Beste“ kam es von Kathrin.

„Ich mach das nur, weil Hoss derzeit ausfällt.“

„Was ist passiert?“ fragte Kathrin.

„Er hat sich kürzlich den Arm gebrochen.“

„Das heißt, ihr habt noch mehr zu tun, als sonst!“ stellte Kathrin sachlich fest.

„Ja, deshalb hoffe ich auch auf deine Hilfe, viel Ausruhen wirst du dich nicht können.“

„Na dann trifft es sich doch gut, dass Charly mithelfen kann.“

„Hm, mal sehen.“

„Ich will auch keinen Lohn, gleichwohl werde ich mein Bestes geben, Sie zufriedenzustellen“ worauf ich nur ein hintergründiges Grinsen von Kathrin erntete.

Wir holten unser Gepäck aus dem Pickup und Kathrin zeigte mir mein Zimmer.

Das Zimmer hatte zwar kein eigenes Bad, aber am Ende des Flurs gab es ein Bad, was sonst von keinem anderen benutzt wurde, erklärte mir Kathrin. Ich räumte meine Sachen in den Schrank und duschte mich dann ausgiebig, wobei es natürlich etwas blöd war, dass ich voll bekleidet ins Bad gehen musste. Ich wollte allerdings auch keinem mit halbnackten Körper begegnen.

Dann war es auch schon Zeit zum Abendessen.

Es waren alle versammelt, Sam Mike, Hoss Rose und Kathrin. Während des Essens wurde nicht viel gesprochen.

„Sam, das war das beste Steak, was ich seit langem gegessen habe, wenn es nicht sogar das Beste war“ meinte ich in Richtung Köchin.

Man merkte zwar, dass es sie stolz machte, sie meinte aber nur:

„Ein Steak zu braten, kann doch jeder.“

„So aber nicht“ erklärte ich.

„Dann solltest du erstmal ihren Rinderschmorbraten probieren“ meinte Hoss.

Unter uns „Cowboys“ sowie auch Kathrin und Sam war es üblich, sich zu duzen. Nur die Chefin wurde respektvoll mit „Sie „ angeredet, wobei man dies im amerikanischen direkt ja nicht kennt. „Mike, wir reiten morgen die Zäune auf der Westweide ab“ kam es von Rose.

„Dann können wir ja die Zäune auf der Ost Weide abreiten“ meinte Kathrin und zwinkerte mir zu.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“ kam es zögernd von der Chefin.

„Ach komm schon Mom, was soll schon passieren. Die Strecke bin ich schon als Kind abgeritten. Das sind mal gerade 3 Stunden.“

„Also gut, versuchen wir es, aber vorher mistet ihr die Ställe aus.“

Dass Kathrin nicht die Faust in die Höhe streckte, war alles.

Als wir (früh) ins Bett gingen, meinte ich zu Kathrin:

„ Kannst du mich morgen früh wecken, sonst befürchte ich zu verschlafen. So frühes Aufstehen bin ich nicht gewohnt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Wecker meines Handys höre.“

„Soll ich dich mit einem Kuss wecken?“ neckte sie.

„Da ich nicht Dornröschen bin, reicht es, wenn du nur gegen die Tür klopfst und wartest bis ich ein Lebenszeichen von mir gebe. Schlaf gut.“

„Du auch.“

Durch lautes Hämmern wurde ich wach. Zuerst wusste ich gar nicht, wo ich war.

„He, lebst du noch?“ scholl es mir entgegen „wenn du dich nicht sofort meldest, komme ich ins Zimmer.“

So langsam dämmerte mir, wo ich war:

„Schon gut, ich bin zwar noch nicht wach, aber ich lebe“ kam es dumpf von mir zurück. Ein Blick auf mein Handy, zeigte mir, dass es gerade mal 5: 15 war. Wollte ich wirklich das Ranch Leben erleben?

„In einer viertel Stunde gibt es Frühstück, beeil dich.“

Nun ich schaffte es, pünktlich am Frühstückstisch zu sitzen. Während die anderen sich schon munter unterhielten, zog ich erstmal 2 Tassen rein schwarzen Kaffees in mich rein, bevor ich überhaupt in der Lage war, die ausgesprochen üppige Mahlzeit, die jedem 5 Sterne Hotel die Stirn bieten konnte, zu genießen.

Während sich Rose und Mike schon auf den Weg zu den Stallungen machten, blieben Kathrin und ich noch eine Weile am Küchentisch sitzen. Hoss war noch nicht da, warum auch. Mit seinem gebrochenen Arm konnte er ohnehin nichts machen. Warum sollte er dann auch so früh aufstehen.

„Sollte ich mal eine Pause brauchen oder nur mal ausschlafen wollen, breche ich mir wohl auch den Arm“ raunte ich.

„Du bist mir der Richtige, noch nicht einmal den 1. Tag angefangen, schon stöhnen. Da wirst du deine Probezeit wohl kaum überstehen“ neckte mich Kathrin.

„Und… fändest du es schade, wenn sie mich nach 3 Tagen fortschickt?“

„Wir können einfach jede Hilfe gebrauchen“ gab sie zurück, was mein Ego nicht sonderlich aufrichtete.

Gemeinsam machten wir uns anschließend daran, die Ställe auszumisten, was überraschenderweise schneller ging als gedacht. Durch die Hippodong Einstreu mussten nur die Pferdeäpfel oberflächlich entfernt werden.

„Dann wollen wir jetzt mal ausreiten. Ich nehme hier meine Bonni, such du dir ein Pferd draußen auf der Weide aus.“

„Bonni?“ fragte ich.

„Ich habe sie von meinem Dad zum 14. Geburtstag geschenkt bekommen und habe mit ihr einige Barrel Race gewonnen. Sie ist mein absolutes Traumpferd.“

Wir gingen nach draußen. Kathrin hatte ein Halfter mitgenommen.

„Ich würde gerne den Schecken nehmen“ und damit zeigte ich auf ein schwarz/weiß geschecktes Pferd.“

„Oh, oh, du solltest dir lieber ein anderes Pony aussuchen.“

„Warum, es gefällt mir am besten.“

„Es ist ein Mustang und nicht ganz leicht zu reiten. Sie hat sich noch nicht ganz an die (Ranch-)Arbeit gewöhnt.“

„Darf ich sie trotzdem haben?“

„Gut, da wir nur gemütlich durch die Gegend reiten, sollte es wohl möglich sein. Hol du sie von der Weide, damit sie sich schon mal an dich gewöhnt.“

Ich hatte keinerlei Probleme, dem Mustang das Halfter über zu streifen und sie zum Stall zu führen, wo ich sie aufzäumte und sattelte.

Dann ritten wir los.

„Wie heißt sie überhaupt“ fragte ich Kathrin.

„Black Lady“ kam es zurück.

„Das ist mir zu lang, ich werde dich nur Blacky nennen“ redete ich mit meiner Stute.

Gemütlich ritten wir an den Zäunen längs.

Plötzlich entdeckten wir eine Stelle, wo der Stacheldrahtzaun gerissen war.

Wir stiegen ab und ließen die Pferde grasen. Kathrin nahm aus der Satteltasche eine Zange und ein Metallstück. Damit konnten wir den Draht wieder zusammenfügen und auch spannen.

Dann ritten wir weiter. Wir unterhielten uns über alles Mögliche. Der restliche Zaun war in Ordnung, so dass wir zurückritten.

Als das Ranch Gebäude in Sicht kam, schmunzelte Kathrin:

Wie wäre es mit einem kleinen Wettrennen, wer verliert, muss den anderen zum Essen einladen….. aber nicht auf der Ranch!“

„Okay“ und schon trieb ich Blacky an. Kathrin folgte sofort. Eine Weile ritten wir in scharfen Galopp Kopf an Kopf als sie plötzlich leicht nach links abdriftete, obwohl der Torbogen etwas weiter rechts war. Links war nur der Zaun, allerdings hätte ich einen leichten Bogen durch das Tor reiten müssen, was für sie um einiges näher gewesen wäre. Also folgte ich Kathrin.

„Du willst doch wohl nicht über den Zaun springen?“

„Natürlich“ kam es von ihr zurück „ denn ich glaube dass dein Mustang ansonsten etwas ausdauernder wäre als Bonnie.“

„Springt Blacky auch?“

„Äh, genau weiß ich das nicht.“

„Dann bete, dass ich mir nicht das Genick oder zumindest ein paar Knochen breche, wenn sie vor dem Zaun stehen bleibt.“

„Oh verdammt, daran habe ich nicht gedacht“ kam es kleinlaut von Kathrin.

Aber jetzt waren wir ohnehin dem Zaun so nah gekommen, dass an ein Anhalten jetzt nicht zu denken war. Bonnie setzte schon zum Sprung an. Ich war kurz seitlich hinter den beiden.

„Blacky lass mich jetzt nicht im Stich“ murmelte ich meinem Pferd ins Ohr.

Ob sie mich verstand, ich konnte es nur hoffen. Ich beugte mich leicht vor, hielt mich aber am Knauf des Westernsattels fest und rief nur „hopp“ und tatsächlich mein Mustang sprang über den Zaun als wäre er gar nicht vorhanden. Im Nu hatte ich dann auch Kathrin eingeholt und Kopf an Kopf preschten wir direkt auf das Haupthaus zu, bevor ich Blacky zügelte. Kathrin parierte aber Bonnie einige Meter später erst durch, reckte die Faust in die Höhe und rief: “Gewonnen.“

Rose stand vor der Veranda und schaute ihre Tochter böse an:

„Spinnst du total, wie kannst du nur so einen Blödsinn, nein Wahnsinn veranstalten? Ich kann hier beim besten Willen keinen zweiten Unfall gebrauchen. Er“ und damit zeigte sie auf mich „hätte sich im günstigsten Fall ein paar Knochen und im schlimmsten Fall das Genick brechen können.“

„Ach Mom, er kann reiten, sogar sehr gut und wie du siehst ist gar nichts passiert.“

„Und was wäre passiert, wenn Black Lady nicht mitgespielt hätte?“

„Und Sie“ damit wandte sie sich an mich „hätte ich für vernünftiger gehalten, als sich auf so was Abstruses einzulassen. In Ihrem Alter müssen Sie sich doch vor so kleinen Mädchen nicht mehr produzieren oder hielt das Ihr Ego nicht aus? Selbst wenn sie vielleicht ein ausgebildeter Springreiter sind. Sie kannten aber das Pferd nicht.“

„Ma`am Sie haben absolut recht. Es soll nicht wieder vorkommen“ gab ich zerknirscht zurück.

„Das will ich hoffen, denn ansonsten sind Ihre Tage hier gezählt. Ich dulde so einen Unsinn nicht. Und du“ damit zeigte sie mit ihrem Finger auf ihre Tochter „mistest die Ställe die ganze Woche aus.“

„Mom, das kannst du nicht machen, es war doch nur ein kleines Wettrennen.“

„Keine Widerrede, sonst lass ich mir noch eine härtere Strafe einfallen.“

Daraufhin sagte Kathrin nichts weiter und meinte nur zu mir gewandt:

„Bringen wir die Pferde in den Stall und versorgen sie.“

Als wir die Pferde entsprechend versorgten, meinte Kathrin plötzlich:

„Ich hätte nicht damit gerechnet, dass du mir über den Zaun folgst, bist du wirklich ein Springreiter?“

„Nein, das war mein erster Sprung, der höher als 15 Inch war. Ich habe mich einfach auf Black Lady verlassen. Vermutlich musste sie ja in freier Wildbahn auf der Flucht auch schon mal solche Hindernisse überwinden. Hätte sie allerdings eine Vollbremsung hingelegt, wäre ich wahrscheinlich unsanft auf der anderen Seite des Zauns gelandet.“

„Puh, dann habe ich ja noch mal Glück gehabt. Hättest du dich verletzt, wäre die Strafe sicherlich noch ganz anders ausgefallen.“

„Weck mich morgens wie bisher, dann helfe ich dir natürlich im Stall. Und da du ja jetzt gewonnen hast, wann und wo, darf ich dich zum Essen einladen?“

„Ich habe doch gar nicht gewonnen.“

„Du warst als Erste bei deiner Mutter und hast gewonnen gerufen. Also schulde ich dir ein Abendessen. Keine Diskussion.“

Die nächsten Tage vergingen mit Stall ausmisten und diversen anderen Ranch Arbeiten und jeden Abend ging ich schon um 8-9 h p.m. ins Bett und stand mit einem größeren Muskelkater als am Tag zu vor wieder auf. Trotzdem fühlte ich mich von Tag zu Tag besser. Auch Rose war mit meiner Arbeit zufrieden und so war es kein Wunder, dass sie vor Ablauf der Probezeit schon sagte, ich könne bleiben.

Zwischenzeitlich hatte auch der Werkstattinhaber angerufen und gesagt, wir könnten den Wagen fertig repariert abholen.

Rose war damit einverstanden.

Als wir am nächsten Morgen los fuhren, meinte Kathrin noch leichthin zu ihrer Mutter:

„Mit dem Essen braucht ihr nicht auf uns zu warten. Charly hat mich zum Essen eingeladen, weil er die Wette verloren hat.“

„Welche Wette?“ fragte Rose weiter.

„Na, das Pferderennen, wer zuerst am Ranchhaus ist.“

Als Kathy sah, wie ihre Mutter rot anlief und zu einer harschen Erwiderung ansetzte, fuhr sie schnell das Seitenfenster hoch und meinte nur:

„Gib Gas, sonst brennt hier gleich die Hütte.“

Also fuhr ich los.

Unterwegs unterhielten wir uns über alles Mögliche bzw. war Kathrin diejenige, die hauptsächlich über Gott und die Welt plapperte. So verging die Zeit sehr schnell bis wir am Yellowstone Nationalpark ankamen. Hier hatte sich zwar ein mittelgroßer Stau am Eingang gebildet, aber ein bisschen Pause war auch nicht schlecht.

Die Fahrt durch den Park war wieder einfach nur fantastisch. Plötzlich kam uns eine Herde Büffel auf unserer Seite entgegen. Ein Motorradfahrer hatte schon vor uns angehalten und wusste wohl nicht so recht, wie er sich verhalten sollte.

„Fahr neben den Motorradfahrer“ befahl Kathrin. „Wir fahren jetzt an der Büffelherde vorbei. Halt dich einfach an unserer linken Seite“ instruierte Kathrin den Motorradfahrer.

„Los fahr langsam weiter und halte dich auf der linken Fahrbahnseite, aber so, dass der Motorradfahrer noch neben uns fahren kann“ kam es von Kathy.

„Dein Wunsch ist mir Befehl, ich hoffe nur, du weißt was wir tun.“

Also fuhr ich langsam los und der Motorradfahrer scherte unmittelbar hinter mir ein und fuhr dann auf gleicher Höhe mit mir weiter.

Der die Herde anführende Bulle verschwendete keinen Blick an uns, sondern trottet in Seelenruhe am Straßenrand weiter und die Herde folgte ihm. Nachdem wir die Herde passiert hatten, fuhr ich wieder auf die rechte Spur und gab Gas. Im Rückspiegel konnte ich nur noch sehen, wie der Motorradfahrer seine Hand zum Gruß erhob.

„Ich war nur froh, dass ich im Auto saß. Anstelle des Motorradfahrers wollte ich nicht sein.“

„Wenn er sich ruhig verhalten und nur mit seinem Krad die Seite gewechselt hätte, wäre nichts passiert. Büffel sind im Normalfall ganz friedliche Tiere. Teilweise leben sie sogar auf den Campingplätzen zwischen den Zelten und Wohnwagen.“

„Du verarscht mich.“

„Nein wirklich, es ist mir selbst schon passiert. Ich habe mit einem Freund auf dem Mammoth Campground gezeltet. Als ich morgens aus dem Zelt kriechen wollte, lag da direkt ein Büffel vor dem Eingang. Wir konnten uns nur mit Müh und Not aus dem Zelt befreien. Selbst als wir über den Büffel stiegen, blieb der ganz ruhig liegen. Du musst wirklich nur sehr vorsichtig sein, wenn die Kuh ein Kälbchen hat und meint sie müsste es beschützen. Selbst ein Büffelbulle ist im Allgemeinen friedlicher als ein normaler Rinderbulle. Ein Moose, egal ob Kuh oder Bulle, ist dagegen schon mit vielmehr Vorsicht zu genießen.“

So unterhielten wir uns noch eine ganze Weile über die Gefährlichkeit der hiesigen Tierwelt bis wir auch schon in Cody waren.

Die Übernahme des Wagens war kein Problem, obwohl die Rechnung schon recht saftig ausfiel, aber dank Kreditkarte ihrer Mutter war auch dies bald erledigt. Dann machten wir uns auch schon auf den Rückweg.

Der Ranger am Eingangstor des Parks begrüßte mich schon fast wie einen alten Bekannten.

Beim ersten Rastplatz hielt ich an. Kathrin, die mit ihrem Auto hinter mir her gefahren war, hielt auch an:

„Was ist los?“

„Nachdem ich jetzt so allein im Auto sitze, brauch ich etwas Unterhaltung. Kannst du mir einen vernünftigen Country Sender einstellen?“

„Das hättest du auch allein gekonnt. Egal welchen Sender du hier anwählst, alle spielen im Grunde nur Countrymusik“ meinte Kathrin als sie mein Radio entsprechend eingestellt hatte.

Gerade als wir in unsere Fahrzeuge wieder einsteigen wollten, trat ein stattlicher Elchbulle (Moose) aus dem Gebüsch auf die Parkflächen.

„Wow“ entfuhr es mir „ich habe zwar schon einige Elchkühe gesehen, aber so ein tolles Exemplar noch nicht.“

„Im Winter kommen die manchmal sogar auf unsere Ranch“ erklärte Kathy.

Ich bestaunte das Tier noch eine Weile, welches sich beim Äsen durch die Besucher in keiner Weise stören ließ (vermutlich wusste es genau, dass ihm hier nichts passieren konnte), bis Kathy mich darauf hin wies, dass wir weiter fahren sollten, wenn wir noch halbwegs im Hellen in Virginia City eintreffen wollten.

Dort angekommen, überließ ich es Kathrin, das Lokal auszusuchen. Sie hielt vor dem einzigen Steakhouse im Ort an. Das Essen war toll und das Gespräch mit Kathrin nicht minder unterhaltsam. Als wir auf der Ranch ankamen, war es bereits dunkel. Rose saß auf der Veranda.

„Schön das ihr wieder heile hier seid, war irgendwas besonderes?“

„Ist alles glatt gegangen, obwohl die Reparatur nicht preiswert war“ entgegnete Kathrin.

Dann hattet ihr einen schönen Tag?“ kam es von Rose etwas zögerlich zurück.

„Oh ja“ kam es begeistert von Kathy zurück und dann erzählte sie, was wir alles erlebt hatten, aber nicht bevor sie sich am Wein ihrer Mutter bedienen wollte:

„Du holst dir doch bestimmt ein Bier, bringst du mir bitte ein Weinglas mit?“

„Klar, mach ich“

Zurückkommend gab ich Kathrin ihr Weinglas und setzte mich dann zu den beiden in einen Schaukelstuhl und betrachtete die Sterne.

Die beiden Damen unterhielten sich noch über diverse Dinge bis Rose sagte:

„Könnt ihr beiden morgen die Nordwest Weide kontrollieren und wenn ihr ein paar Rinder in den Bergen findet, diese schon ins Tal treiben? Nächste Woche sollten wir dann alle Rinder ins Tal treiben. Mike und ich wollen uns morgen um die Jungpferde kümmern.“

„Ich hab zwar noch nie Rinder getrieben, aber ich werde mein Bestes geben Ma`am“ entgegnet ich, wobei sich Kathrin ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte.

„Sagen sie Rose oder Chefin zu mir, bei Ma`am fühle ich mich einfach zu alt. Mike sagt zwar „Boss“ zu mir, aber ich finde das passt auch nicht. Er hat es einfach von früher, als er noch mit meinem Mann zusammen gearbeitet hat, übernommen.“

„Gern, also Chefin, Kathrin und ich werden das Kind schon schaukeln.“

„Welches Kind?“ fragte Rose völlig entsetzt.

„Das ist bei uns in Deutschland nur so eine Redensart und bedeutet, wir werden die Sache wohl hinbekommen."

„Dann ist ja gut, im ersten Moment dachte ich schon, Kathrin sei schwanger.“

„Das weiß ich natürlich nicht, aber ich denke mal nicht“ entgegnete ich.

„Definitiv nicht“ lachte Kathrin.

„Wenn ihr dann zurück seid, möchte ich gerne mit dir Tochter mal ein Gespräch unter Frauen führen.“

„Können wir doch auch jetzt schon“ entgegnet Kathrin.

„Heute nicht mehr, das wird ein längeres Gespräch und jetzt bin ich müde, zumal wir morgen wieder früh aufstehen müssen“ und damit verabschiedete sich Rose.

„Oh Mann, oh Mann, das verheißt nichts Gutes“ stöhnte Kathrin.

Wir unterhielten uns noch ein Weilchen bis wir ausgetrunken hatten und gingen dann auch ins Bett.

Nach dem morgendlichen gemeinsamen Frühstück sattelten wir unsere Pferde und ritten los. Nach ca. 3 Stunden hatten wir schon einen Teil der Zäune kontrolliert und auch einige Rinder in die Ebene getrieben als plötzlich dunkle Wolken sehr schnell aufzogen.

„Oh, das sieht gar nicht gut aus. Wenn ich die Wolken richtig einschätze, kommt Starkregen wenn nicht sogar ein Blizzard auf uns zu.“

„Reiten wir zurück?“

„Das könnte schon zu spät sein, zumindest würden wir klitschnass. Hier in der Nähe ist eine Schutzhütte, lass uns dahin reiten“ und damit trieb sie auch schon Bonnie zu einem Galopp an.

Ich brauchte kaum etwas machen, da Blacky sofort hinterher stürmte. Wir hatten die Hütte noch nicht ganz erreicht, als es wie aus Kübeln schüttete. Die Pferde stellten wir im Unterstand ab, gaben ihnen Futter bevor wir in die Hütte traten. Sie war ganz schlicht gehalten. Ein rohgezimmerter Tisch mit 2 Stühlen, ein Bett und ein Holzofen. Neben einem Regal, auf dem Töpfe, eine Pfanne und Teller und Becher standen, war nur noch eine Öllampe vorhanden.

„Die Hütte wird eigentlich nur von unseren Cowboys bei so einem Wetter genutzt. Holst du noch Holz? Es befindet sich neben der Hütte im Bereich des Unterstandes. Ich mach uns Abendessen.“

„Wir haben aber nichts zu essen.“

„Lass dich überraschen.“

Ich ging also nach draußen und nahm so viel Holz in meine Arme wie ich tragen konnte.

Drinnen stapelte ich das Holz im Ofen auf. Kathrin kam mit Grillanzünder und Streichhölzer und entfachte das Feuer.

Dann stellte sie einen Topf auf den Ofen und entleerte eine Dose darin.

„Wie kommst du denn daran?“ fragte ich.

Kathrin deutete auf eine Klappe im Boden:

„Das ist unsere Vorratskammer und Kühlschrank in Einem.“

Kaum war es etwas wärmer geworden, zog Kathrin nicht nur ihre Jacke sondern auch ihr T-Shirt aus und hängte sie über den Ofen. Sie lief jetzt nur noch in Jeans und BH herum.

„Du solltest deine nassen Sachen auch ausziehen, sonst erkältest du dich noch. Also entledigte ich mich auch meiner Jacke und dem Hemd und zog auch noch meine Jeans aus, so dass ich nur noch in Boxershorts herumlief.

„Du machst mich jetzt aber nicht an?“ scherzte Kathrin.

„Wenn du nur im BH hier herum läufst, kann ich doch wohl auch nur in Shorts herum laufen. Deine Jeans dürfte vermutlich aber auch so nass wie meine sein, also häng sie auch ruhig über den Ofen, so können wir zumindest später wieder halbwegs in trockenen Sachen zurückreiten.“

„Das kannst du vergessen, heute kommen wir hier nicht mehr weg.“

„Du meinst, wir müssen hier übernachten?“

„Aber so was von.“

„Haben wir denn wenigstens genug Decken hier?“

„Sei unbesorgt. Auf dem Bett liegen genug für uns zwei.“

Dann war auch schon das Essen fertig. Es gab Chili con Carne, zwar aus der Dose, aber es schmeckte doch recht gut. Dazu holte Kathrin 2 Dosen Bier aus der „Vorratskammer“.

Alles in allem hätten wir es deutlich schlechter treffen können. Der Regen trommelte unablässig heftig auf das Dach, vor dem Ofen war es aber recht gemütlich.

„Ich schau nochmal nach den Pferden, leg du dich ruhig schon mal schlafen“ kam es irgendwann einmal von Kathrin.

„Das kann ich auch machen, leg dich ruhig schon hin.“

Ich schaute nach den Pferden und gab ihnen noch was zu fressen.

Als ich zurück ins Haus kam, lag Kathrin schon im Bett.

Ich nahm mir 2 Decken und legte mich vor den Ofen.

„Was machst du denn da?“ kam es von Kathrin „Komm ins Bett.“

„Wir können doch nicht zusammen in dem Bett schlafen.“

„Doch das können wir, denn wenn du auf dem harten Fußboden pennst, hast du morgen vermutlich einen derben Muskelkater und wirst den Rest des Rittes kaum überstehen.“

„Das nehme ich gern in Kauf, bevor ich mir von deiner Mutter anhören muss, dass es sich absolut nicht schickt, wenn ein alter Mann mit einer jungen Frau die Nacht gemeinsam in einem Bett verbringt.“

„Bin ich so unattraktiv für dich“ kam es schon fast ein wenig verletzlich von Kathrin.

„Das ist mein Problem. Ich find dich viel zu attraktiv als das ich mit dir ein Bett teilen kann. Mein Muskelkater an einer bestimmten Stelle, wäre sicherlich wesentlich schmerzhafter als wenn ich morgen früh meinen Rücken nur spüre.“

„Entschuldigung angenommen, aber blas noch die Öllampe aus, wenn du dich schlafen gelegt hast.“

Also löschte ich die Lampe aus und kuschelte mich dann in die Decken vor dem Ofen.

Morgens wurde ich durch einen betörenden Kaffeegeruch und Sonnenschein, der direkt ins Fenster schien, wach.

„Du scheinst ja recht gut geschlafen zu haben“ neckte mich Kathrin, die bereits am Ofen stand, wo sie anscheinend auch schon Holz nachgelegt hatte:

„Außer einem Kaffee und einige harte Cracker kann ich dir nichts anbieten.“

„Kaffee reicht völlig und ja, ich habe gut geschlafen und der Muskelkater hält sich auch in Grenzen“ gab ich zurück, nachdem ich mich mehrmals gereckt hatte.

Nach diesem reichhaltigen Frühstück machten wir die Pferde fertig. Auch diese hatte Kathrin offensichtlich vorher schon versorgt bzw. gefüttert. „Wenn du dich noch waschen oder die Zähne putzen willst, 2 Gehminuten von hier ist ein kleiner See, aus der Hütte rechts und den kleinen Trampelpfad längs.“

Also machte ich mich auf den Weg zum See. Waschen wollte ich mich schon. Ich zog mir mein Hemd aus und wollte mich gerade ins Wasser beugen, als ich direkt am gegenüberliegenden Ufer einen Schwarzbär entdeckte, der wohl ebenfalls seine Morgentoilette dort erledigte. Fasziniert schaute ich zu und vergaß fast, weshalb ich an den See gegangen war. Als der Bär langsam davon trottet, wusch ich mich kurz, das Wasser war schon verdammt kalt. Die Zähne putzte ich nur provisorisch mit Finger und Wasser, bevor ich mich auf den Rückweg zu Kathy machte.

„Sag nicht, dass du richtig im See baden gegangen bist!“

„Nein, wie kommst du darauf?“

„Nun so lange wie du gebraucht hast!!“

„Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte ein Date mit einem Schwarzbären.“

„Du verarscht mich“

„Nein, am anderen Ufer stand mitten im Wasser ein Schwarzbär und wusch sich. Wenn das so weiter geht, wird das wieder ein toller Tag.“

„Zumindest bis wir zu Hause ankommen“ kam es genervt von Kathrin.

„Wieso meinst du?“

„Nun, wenn Mom mich schon vorher zu einem Gespräch unter 4 Augen geladen hat, wird es jetzt erst recht noch viel schlimmer.“

„Aber was hätten wir denn machen sollen? Wir sind ja schon auf dem kurzen Weg zur Hütte klitschnass geworden. Hätten wir es überhaupt bis nach Hause geschafft?“

„Fraglich, das ändert aber nichts daran, dass ich mit dir eine Nacht in der Hütte – allein, ohne Anstands-Wau-Wau - verbracht habe.“

„Soll ich ihr erklären, dass du dich anständig verhalten hast?“

„Viel wichtiger ist, dass du sie davon überzeugen kannst, dass du dich wie ein Gentleman verhalten hast“ kam es etwas frustriert von ihr zurück.

Wir ritten dann die restlichen Zäune ohne große Probleme ab und kamen mittags zurück.