Moorleichenfunde in Schleswig-Holstein - Heinrich Handelmann - E-Book

Moorleichenfunde in Schleswig-Holstein E-Book

Heinrich Handelmann

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Beschreibung

Dokumentation von Moorleichenfunden. Neuausgabe des Buches aus dem Jahre 1873. Aus dem Inhalt: "Anfang Juni 1871 stieß man beim Torfgraben im Rendswührener Moor auf eine vollständig erhaltene menschliche Leiche. Der Fund machte damals in der Umgegend viel Aufsehen und erregte bald in den weitesten Kreisen Aufmerksamkeit, da es sich ergab, dass der Leichnam aus einer entlegenen Vorzeit herstammt und etwa von gleichem Alter ist, wie die berühmten schleswigschen Moorfunde von Taschberg (Süderbrarup) und Nydam (Sundewitt). Wir glauben, sowohl den Wünschen unserer nächsten Landsleute wie auch der Archäologen und Anthropologen zu entsprechen, wenn wir hiermit die Resultate unserer Untersuchungen über diesen Moorleichenfund, der gegenwärtig im hiesigen »Museum vaterländischer Alterthümer« ausgestellt ist, veröffentlichen. Bei dieser Gelegenheit werden sich auch die mancherlei unrichtigen Angaben ausgleichen, die in den Zeitungen vorkamen, und die durch diesbezügliche Briefe selbst in die Sitzungsberichte auswärtiger gelehrter Gesellschaften übergegangen sind. Unser Bericht erscheint etwas spät, dafür hat die Verzögerung es uns ermöglicht, die Nachrichten über zwei weitere Moorleichen unseres Landes hinzuzufügen. Möchte diese Schrift dazu beitragen, etwaigen künftigen Moorfunden die gehörige Beachtung und von allen Seiten die gebührende Rücksicht zuzuwenden! Kiel, Juli 1873."

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Seitenzahl: 47

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Moorleichenfunde in Schleswig-Holstein

Moorleichenfunde in Schleswig-HolsteinVorwortVorwort zur NeuausgabeIn liebevollem GedenkenI Archäologisches (von Heinrich Handelmann) 1 Der Leichenfund im Undeleffer Moor (Gut Seegaard, Kirchspiel Holebüll, Kreis Apenrade) 2 Der Leichenfund im Königswiller Moor (Kirchspiel St. Michaelis in Schleswig, Kreis Schleswig) 3 Der Leichenfund im Rendswührener Moor, Tafel I (Gut Bothkamp, Kirchspiel Bornhöved, Kreis Kiel) 4 Der Leichenfund im Fahrenkruger Moor (Kirchspiel und Kreis Segeberg) Schlusswort II Anthropologisches (von Adolf Pansch) 1 Die Rendswührener Leiche 2 Die Fahrenkruger Leiche 3 Die Königswiller Leiche 4 Die Undeleffer Leiche 5 Der Ellerbeker Moorschädel Allgemeine Betrachtungen Impressum

Moorleichenfunde in Schleswig-Holstein

von

Heinrich Handelmann und Adolf Pansch  

Mit 2 Tafeln.  

___

aufbereitet für die heutige Leserwelt

von Claudine Hirschmann

Edition gerik CHIRLEK

2021

Original:

Heinrich Handelmann und Adolf Pansch: Moorleichenfunde in Schleswig-Holstein. Kiel‚ Schwers'sche Buchhandlung, 1873.

Vorwort

Anfang Juni 1871 stieß man beim Torfgraben im Rendswührener Moor auf eine vollständig erhaltene menschliche Leiche. Der Fund machte damals in der Umgegend viel Aufsehen und erregte bald in den weitesten Kreisen Aufmerksamkeit, da es sich ergab, dass der Leichnam aus einer entlegenen Vorzeit herstammt und etwa von gleichem Alter ist, wie die berühmten schleswigschen Moorfunde von Taschberg (Süderbrarup) und Nydam (Sundewitt).

Wir glauben, sowohl den Wünschen unserer nächsten Landsleute wie auch der Archäologen und Anthropologen zu entsprechen, wenn wir hiermit die Resultate unserer Untersuchungen über diesen Moorleichenfund, der gegenwärtig im hiesigen »Museum vaterländischer Alterthümer« ausgestellt ist, veröffentlichen. Bei dieser Gelegenheit werden sich auch die mancherlei unrichtigen Angaben ausgleichen, die in den Zeitungen vorkamen, und die durch diesbezügliche Briefe selbst in die Sitzungsberichte auswärtiger gelehrter Gesellschaften übergegangen sind. 

Unser Bericht erscheint etwas spät, dafür hat die Verzögerung es uns ermöglicht, die Nachrichten über zwei weitere Moorleichen unseres Landes hinzuzufügen.

Möchte diese Schrift dazu beitragen, etwaigen künftigen Moorfunden die gehörige Beachtung und von allen Seiten die gebührende Rücksicht zuzuwenden!

Kiel, Juli 1873

Vorwort zur Neuausgabe

Mit der Reihe »Auf historischen Spuren« hat sich die Autorin zur Aufgabe gemacht, Literatur vergangener Jahrhunderte für heutige Leser aufzubereiten und wieder zur Verfügung zu stellen.  

Dabei wird der Schreibstil des Verfassers möglichst unverändert übernommen, um den Sprachgebrauch der damaligen Zeit zu erhalten. Gleichwohl werden Änderungen, die sich beispielsweise aus der Überprüfung historischer Fakten ergeben, schonend eingearbeitet. 

Das vorliegende Buch enthält gegenüber vorangegangenen Ausgaben unter anderen Berichtigungen kleinerer Irrtümer.

Leipzig, den 28.01.2021

Claudine Hirschmann

In liebevollem Gedenken

Brigitte Hirschmann (14.03.1939 – 03.04.2019)

Brigitte Hirschmann (geb. Groth) wurde in den Kriegsjahren geboren und wuchs in Lützen auf. Früh zeigten sich verschiedene Begabungen, spielte sie unter anderen mehrere Instrumente, doch galt ihr hauptsächliches Interesse der Literatur sowie Leipziger Stadtgeschichte. Als geschätzte Lehrerin und herzensgute Mutter vermittelte sie stets, den ideellen Wert in den Dingen zu sehen und zu schätzen. So setzte sie sich leidenschaftlich für die Bewahrung historischer Zeitzeugnisse ein und war maßgeblich am Entstehen der Buchreihe »Auf historischen Spuren« beteiligt. In Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe setzen ihre Kinder die Reihe fort, um die ihnen geschenkte Liebe zu Büchern und zur Stadt Leipzig weiterzutragen und ihr Wirken über heutige Generationen hinaus lebendig zu halten.

Brigitte Hirschmann lebte viele Jahre in ihrer geliebten Stadt Leipzig, die sie für ihre Kinder mit ihnen verließ und bis zum letzten Tag auf eine gemeinsame Rückkehr hoffte. Leider war ihr das zu Lebzeiten nicht gegönnt. Ihre letzte Ruhestätte fand sie im Familiengrab auf dem Friedhof in Leipzig-Gohlis.

I Archäologisches (von Heinrich Handelmann)

1 Der Leichenfund im Undeleffer Moor (Gut Seegaard, Kirchspiel Holebüll, Kreis Apenrade)

Einige Tage vor Johannis 1797 wurde in einem zum Dorfe Undeleff gehörigen Moor, welches unweit des Wegs von Flensburg nach Gravenstein gelegen ist, Torf gegraben.

Sechs Fuß (170 cm)1 tief unter der Oberfläche traf ein Arbeiter mit dem Spaten auf einen Knochen und entdeckte den Fuß eines Menschen. Man umgrub die Stelle sorgfältiger und erblickte einen ganzen menschlichen Körper, von kleinem, doch breitem und starkem Bau.

Der Kopf lag 4 Fuß (115 cm), die Beine aber 6 Fuß (170 cm) tief. Der Körper ruhte unversehrt, etwas auf die Seite gewandt, die Schulter unter sich. Die Hand mit den Fingern lag flach auf der niedrig liegenden Schulter. Das Gesicht war anfänglich schwarz von Moorerde gefärbt, nach einiger Reinigung ward es weißer. Nase, Augen und Ohren wurden deutlich sichtbar. Der Kopf war unbedeckt, man sah nur einige rote Haarlocken auf dem Schädel. Die Finger hatten lange Nägel. Von gewaltsamer Verletzung entdeckte man keine Spur.2

Der Leib war gehüllt in eine Art von Mantel, aus zwei unbereiteten Kuhhäuten. An der inneren Kuhhaut waren die Haare einwärts und an der äußeren waren sie auswärts gekehrt. Das Haar der inneren Haut war feiner als das der äußeren, und einige Schnurlöcher waren sichtbar, jedoch hatte das Ganze keine besondere Form.3

An einem Fuß saß ein Schuh, auch von Rindshaut, mit Haar, und das Haar inwendig.4 Den anderen Schuh fand man nicht, und auch sonst nicht die mindeste Spur von anderweitigen Kleidungsstücken. Nur drei Stöcke von Haselholz lagen dem Toten zur Seite.

Fleisch, Haut und Knochen waren wie in gesundem Zustand, besonders soweit die Kuhhäute reichten. Sobald der Leichnam aber aufgehoben wurde und die heißen Sonnenstrahlen ihn beschienen, fiel Fleisch und Haut auf die Knochen zusammen. Ein Duft oder sichtbarer Rauch erhob sich, und ein erstickender Gestank bewog die Arbeiter, ihn gleich wieder mit Erde zu bedecken.5 Die Bauern berichteten an ihre Obrigkeit, den Gutsinspektor, und dieser befahl, den Körper, welchen einige für einen Zigeuner, andere für einen alten Kimbern erklärten, zu beerdigen. Es wurden einige Bretter zusammengeschlagen, und man begrub ihn am folgenden Nachmittag auf dem Holebüller Kirchhof. Die drei Haselstöcke wurden mit in den Sargkasten gelegt.

2 Der Leichenfund im Königswiller Moor (Kirchspiel St. Michaelis in Schleswig, Kreis Schleswig)