Mrs. Dalloway / Mrs Dalloway (Neuübersetzung) - Virginia Woolf - E-Book

Mrs. Dalloway / Mrs Dalloway (Neuübersetzung) E-Book

Virginia Woolf.

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Beschreibung

An einem sonnigen Junimorgen des Jahres 1923 beginnt die begüterte Clarissa Dalloway mit den Vorbereitungen für eine elegante Abendgesellschaft. Im Verlauf des geschäftigen Tages überlässt sie sich immer wieder ihren Erinnerungen und Gedanken, und während der Big Ben unbeirrt seine Stunden schlägt, wird sie sich der Vergänglichkeit aller Dinge und der Enge ihres Daseins schmerzlich bewusst. Mit der virtuosen Schilderung der Innenwelten seiner Hauptfiguren gehört Mrs Dalloway zu den Meilensteinen der modernen Literatur. (Woolf, Virginia 1882 - 1941)

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Seitenzahl: 325




Virginia WoolfMrs Dalloway

VIRGINIA WOOLF

Mrs Dalloway

Aus dem Englischen von Kai Kilian

Titel der englischen Originalausgabe: Mrs Dalloway

(London: Hogarth Press 1925). Die Übersetzung folgt der Editionin der Reihe Oxford World’s Classics, edited with an Introductionand Notes by David Bradshaw, Oxford 2000.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikationin der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Datensind im Internet unter http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2013 Anaconda Verlag GmbH, Köln

Alle Rechte vorbehalten.

ISBN 978-3-86647-770-4

eISBN 978-3-7306-9033-8

www.anacondaverlag.de

[email protected]

Mrs Dalloway sagte, sie werde die Blumen selbst kaufen.

Schließlich hatte Lucy genug zu tun. Die Türen würden aus den Angeln gehängt werden; Rumpelmayers Männer würden kommen. Und außerdem, dachte Clarissa Dalloway, was für ein Morgen – frisch, wie geschaffen für Kinder am Strand.

Was für ein Spaß! Was für ein Sprung! Denn so war’s ihr immer vorgekommen, wenn sie, mit einem leisen Quietschen der Angeln, das sie jetzt hören konnte, die Terrassentüren aufgestoßen hatte und in Bourton ins Freie gesprungen war. Wie frisch, wie ruhig, stiller gewiss als hier, die Luft am frühen Morgen war; wie der Klaps einer Welle; der Kuss einer Welle; kalt und schneidend und doch (für ein Mädchen von achtzehn, das sie damals war) erhaben, als sie da am geöffneten Fenster stand und das Gefühl hatte, etwas Gewaltiges werde sich gleich ereignen; auf die Blumen schaute, auf die Bäume mit dem ihnen entsteigenden Dunst und das Hinauf und Hinab der Krähen; dastand und schaute, bis Peter Walsh sagte: »Grübelei im Gemüse?« – war es das? – »Mir sind Menschen lieber als Blumenkohl« – war es das? Er musste es eines Morgens beim Frühstück gesagt haben, als sie hinaus auf die Terrasse getreten war – Peter Walsh. Er würde demnächst aus Indien zurückkehren, im Juni oder Juli, sie hatte vergessen, wann, denn seine Briefe waren entsetzlich fad; es waren seine Sprüche, an die man sich erinnerte; seine Augen, sein Taschenmesser, sein Lächeln, seine Verdrießlichkeit und, während Tausende Dinge sich längst restlos verflüchtigt hatten – wie seltsam das war! –, ein paar Sprüche wie der über Kohl.

Sie stand ein wenig starr am Bordstein, wartete, bis Durtnalls Lieferwagen vorbeigefahren war. Eine bezaubernde Frau, dachte Scrope Purvis von ihr (der sie kannte, wie man Leute kennt, die in Westminster neben einem wohnen); hatte etwas von einem Vogel an sich, einem Eichelhäher, blau-grün, leicht, lebhaft, obwohl sie über fünfzig war und sehr weiß geworden seit ihrer Krankheit. Da thronte sie, nahm keine Notiz von ihm, wartete, um hinüberzugehen, sehr aufrecht.

Denn wenn man – wie viele Jahre jetzt? über zwanzig – in Westminster gelebt hat, fühlt man sogar inmitten des Verkehrs oder beim Wachen des Nachts, da war Clarissa ganz sicher, eine besondere Stille oder Erhabenheit; eine unbestimmbare Pause; eine Spannung (aber das mochte ihr Herz sein, angegriffen, hieß es, von der Grippe), ehe Big Ben schlägt. Jetzt! Da dröhnte er. Zuerst eine Warnung, melodisch; dann die Stunde, unwiderruflich. Die bleiernen Kreise lösten sich auf in der Luft. Was für Narren wir sind, dachte sie, als sie die Victoria Street überquerte. Denn nur der Himmel weiß, warum man es so liebt, weshalb man es so sieht, es heranbildet, es rings um sich aufbaut, es niederreißt, es mit jedem Augenblick neu erschafft; doch selbst die größten Vogelscheuchen, die vom Elend am ärgsten Entmutigten, die auf den Türstufen hocken (das Trinken ihr Niedergang), tun dasselbe; dagegen lässt sich, war sie überzeugt, mit Parlamentsbeschlüssen nichts ausrichten, aus eben diesem Grund: Sie lieben das Leben. In den Augen der Leute, im Schwingen, Wandern und Trotten; im Gebrüll und im Tumult; in den Kutschen, Automobilen, Omnibussen, Lieferwagen, den schlurfenden und schwankenden Sandwichmännern; Blaskapellen; Drehorgeln; im Triumph und dem Klingeln und dem merkwürdig hohen Gesang irgendeines Flugzeugs da oben war, was sie liebte; das Leben; London; dieser Juni-Augenblick.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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